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Versprochen-Gebrochen

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5 Kapitel - 2.630 Wörter - Erstellt von: NightcoreLover123 - Aktualisiert am: 2016-10-06 - Entwickelt am: - 850 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

"Wir werden uns wiedersehen! Am Ende bin ich da, und ich werde dich retten."

"Ich werde dich töten Süße. Das Schwöre ich dir."

Die 30. Hungerspiele.
Welches Versprechen wird gehalten?

    1
    3… Mach dich bereit Verity… 2… du schaffst das… 1… einfach nur rennen… Der Kanonenschuss… Renn!
    Und ich renne. Schneller als ich jemals gerannt bin. Als ich jemals rennen werde. Meine Füße scheinen den Boden nicht einmal mehr zu berühren, es wäre wie fliegen, wenn meine Lungen nicht beinah brennen würden. Aber ich renne, immer weiter, beuge mich einige Male nach unten und greife nach einigen der um das Füllhorn verteilten Dinge. Und am Ende hetzte ich über die kahle Steppe, mich in allen Richtungen nach irgendwelchen Gefahren umsehen. Oder eher nach anderen Menschen. Weil alle außer vieren, meinen geplanten Verbündeten, Gefahren sind. Und diese vier sind es eigentlich auch. Wir sind alle Feinde… „Verity?“ Ich hebe den Kopf, verlangsame den Schritt und sehe mich nach der Stimme um. Tatsächlich kann ich in einiger Entfernung Tim auf mich zukommen sehen, Bobby im Schlepptau. „Wow Ty, du bist aber wirklich schnell gerannt…“ Außer Atem kommt Tim neben mir zum stehen, und grinst mich schief an. Ich seufze: „Tim… Das hier ist nicht witzig. Wo sind die anderen? Nile und Livia?“ Ich mustere ihn besorgt, und er schüttelt langsam den Kopf. „Keine Ahnung. Als wir weg waren, sind sie noch am Leben gewesen. Die beiden kommen sicherlich bald…“ Aufmunternd lächelt Tim mich an, und ich seufzte leise. „Wir schon klappen Süße.“ Bobby grinst mich dreckig an, aber ich streiche mir müde eine Strähne aus dem Gesicht. Tim stöhnt leise auf: „Och kommt schon. Jetzt suchen wir einen Unterschlupf okay? Also los.“ Ohne auf eine Antwort zu warten stapft Tim in die Richtung eines Nadelwaldes davon und nach kurzem zögern folge ich ihm und Bobby. Dabei sehe ich mich aufmerksam um. Auf den Plattformen hatte ich nicht genug Zeit und Muße, um mir die Arena gründlich anzusehen, aber jetzt mache ich es. Die Arena sieht aus, wie eine Art… Übergangszone aus Tundra und Taiga. Tundra und Taiga… Ich seufze. Langsam kommt ein starker Wind auf, der die Stimmen aus weiter Ferne herüber zu tragen scheint. Leicht hebe ich den Kopf an und lausche in den Wind. Stimmen… Stimmen von… Kay? Kaskada? Eindeutig… nur ihre Stimme hat diesen arroganten Klang… und Ray… Raymond. Sein Ton ist so… Bekannt.
    Es ist, als ob die zwei plötzlich neben mir auftauchen würden, obwohl die beiden wahrscheinlich am anderen Ende der Arena sind. Und noch eine Stimme… Nile? Nile… eindeutig näher dran als die anderen beiden… „Tim! Bobby! Verity?“ Seine Stimme kommt noch näher, sie wirkt matt und hoffnungslos, trotzdem laut und melodiös. „Nile?“ Bobby. Dieser dumme kleine Junge… Los, brüll durch die Arena um auch ja alle auf uns Aufmerksam zu machen… Aber immerhin findet Nile uns so. „Tim? Ach hier seid ihr…“ Er kommt auf uns zugerannt, sein Atem geht stoßweise und sein Gesicht ist rot und voller Schweiß… trotzdem sieht man die Tränen die über seine Wangen rinnen. „Gott Nile… Liv hat es nicht geschafft oder?“ Er nickt, sein Blick ist starr auf den Boden gerichtet. Ich seufze leise, wage aber nicht, etwas zu sagen. Die Stille ist erdrückend, aber ich sehe die Sprachlosigkeit auch in den Augen der anderen. Und dann die Kanone. Eins… zwei… drei… vier… fünf… sechs. Sechs Tote, einer davon ist Livia. Ein kleines 13 Jähriges Mädchen, dass zweifellos keine Chance hatte, aber ich weiß, dass Nile ihr versprach, sie zumindest die ersten Tage vor dem Tode zu bewahren. Tja, aber in der Arena zählen keine Versprechen mehr…
    Tim ist der erste von uns der Spricht. „Wir… sollten uns einen Ort für die Nacht suchen Nile. Da lang ja? Wir haben gedacht, dass es im Nadelwald vielleicht einen Fluss, Tiere oder einfach nur etwas Schutz geben könnte…“ ohne auf eine Antwort zu warten geht Tim los. Langsam trotten wir hinter ihm her, uns immer nach irgendwelchen Gefahren umsehen. Irgendwann tauchen die ersten Bäume rechts und links von uns auf, und kurz darauf meint Tim, dass wir hier erst mal unser Lager aufschlagen sollten. Mit geübten Händen bauen Tim und ich aus einigen Ästen und einer Plane, dem einzigen was Bobby von Füllhorn bekommen hat, einen Unterschlupf. Genau so, wie wir es in Distrikt 7 immer wieder tun sollten. Dann tragen wir alles zusammen, was wir von Füllhorn bekommen haben. Ich habe einen Rucksack mit Schlafsack, kleiner Taschenlampe+ Laserpointer, eine leere Wasserflasche, einem Taschenmesser und einer Tüte Trockenobst bekommen. Tim war noch mehr Risiko als ich eingegangen, er hatte einen Rucksack mit Isomatte, Schlafsack, einem langen Messer, einem Nachtsichtgerät, einer großen vollen Flasche Wasser und Iod. Bobby hat so ziemlich verkackt, und langsam bezweifel ich, dass er uns überhaupt irgendwie nutzen wird. Aber tja… „Wir sollten Essen und Wasser suchen gehen, oder?“ fragt Nile leise, und mit brüchiger Stimme. Tim und ich nicken, Bobby aber meint nur: „Ich bleibe hier und passe auf, okay?“ Ich nicke, genervt von ihm, schnappe mir meinen Rucksack mit all seinem Inhalt und mache mich aus dem Staub ehe irgendwer etwas sagen kann. Langsam jogge ich nach Norden (Da das Moos an den Bäumen nach Westen zeigt, ist orientieren ziemlich leicht.), dabei sehe ich mich nach Essen aber vor allem Wasser um. Finden tue ich allerdings nichts anderes als einigen Blaubeeren, die ich mir Engelsgeduld pflücke und in meine Flasche tue. Dann gehe ich weiter, und sehe mich nach irgendwas Sinnvollem um. Immerhin finde ich tatsächlich einen langen, geraden und starken Stock. Den nehme ich mit, und gehe weiter. Irgendwann sehe ich einen Strauch mit Brombeeren, und auch hier versuche ich einige zu pflücken.
    Sie sind dick und reif, allerdings scheinen auch überall Dornen zu sein. Vorsichtig greife ich nach einer, pflücke sie, dann nach einer zweiten, pflücke sie, so geht es weiter, bis ich plötzlich einen stechenden Schmerz in der Hand spüre. Ehe ich es mich versehe, habe ich die kleine Wunde schon im Mund. Der Geschmack von Blut… etwas Metallern aber nicht unangenehm… Wie viel Blut ich bis zum Ende wohl noch schmecken werde? Es ist alles so sinnlos… als ob ich hier raus kommen werde. Als ob ich Tim, Nile, Kay und Ray töten könnte… Selbst Bobby wahrscheinlich nicht. Also… macht das Kämpfen und alles hier keinen Sinn… wofür für ein verlorenes Leben kämpfen? Ich könnte es beenden… hier und jetzt.
    Vielleicht hätte ich es tatsächlich getan… aber in dem Moment, als meine Hand nach dem Messer tastete, hörte ich den Schrei.

    Und renne los.

    2
    Raymond

    Wir haben nicht lange gefackelt, Sind einfach zu den Waffen gerannt und haben uns welche genommen, dann begann das Gemetzel. Es ist ein Meer aus Blut, Kaskada wirft mit Messern auf irgendwelche Kinder, während Jewel und Saphira verhindern (Naja… Um den Erfolg lässt sich streiten.) das sich irgendwelche Tribute gute Dinge vom Füllhorn schnappen. Die beiden aus Vier, Filja und Oktavin, rennen genauso wie Kay und ich umher, murksen Leute ab und vertreiben den Rest vom Füllhorn. Gott wisst ihr, was ein Blutrausch ist? Ja? Tja dann seid ihr schlauer als ich, aber ich würde sagen, dass ich einen Blutrausch hatte. Oder so. Jedenfalls war ich etwas traurig, als niemand mehr zum töten da war. „So Leute und was jetzt? Einfach erst mal alles sichern?“ Saphira stapft auf mich und Kay zu, grinsend streicht sie sich die gebleichten Haare aus den blauen Augen. „Joa… Oder? Und dann jagen. Ich freue mich schon.“ Sie reibt sich die Hand und schlendert in einem nahezu perfekten Modelwalk zum Füllhorn zurück. Dort redet sie leise auf Jewel ein, während Oktavin mit Filja alles auf einen Haufen beim Füllhorn packt. Leise seufze ich. „So Kay… Jetzt sind wir hier und ich langweile mich schon. Lass mal schon los gehen und Knirpse töten.“ Sie nickt, und ruft zu den anderen rüber: „Ray und ich gehen schon mal jagen okay? Heute Abend wieder hier klaro?“ Ohne auf eine Antwort zu warten stapfen wir beide los in die Richtung, in der wir die anderen vermuten. Tatsächlich sehen wir bald eine dünne Rauchfahne aus dem Nadelwald aufsteigen. „Dahin. Aber lass dir Zeit Raymond.“ Kaskada grinst über beide Wangen, und ich erröte leicht. Sie scheint mein versagen beim Lauftraining noch nicht vergessen zu haben. „Man Kay…“ sie lacht auf, und wir stapfen weiter. Irgendwann betreten wir den Wald, jetzt sehen wir uns aufmerksam nach allen Seiten um. „Da wird wohl wer nervös?“Kaskada lacht, aber ich kann das zittern aus ihrer Stimme heraus hören. „Leise Kay… wir wollen sie nicht vorwarnen..“ Wir gehen weiter, lauschen in die bedrückende Stille des Waldes herein, niemand sagt ein Wort, nur deute ich leicht auf einen Feuerschein in der Nähe. Meine Hand streicht beinah liebevoll über das lange schlanke Schwert, als wir auf die Lichtung treten. Die beiden Tribute scheinen uns schon bemerkt zu haben, denn sie stehen Rücken an Rücken mit Kurzschwertern in den Händen. Das Mädchen und der Junge aus 11… Sie ist vielleicht 17, er 18. Ihre Arme sind stark, aber die Schwerter in ihren Händen sehen eher wie Heudreschen aus. „Keine Bedrohung.“ Raune ich Kaskada leise zu, sie grinst. „Ich den Jungen ja?“ Die beiden Tribute scheinen in einer Art Schock Zustand zu sein, denn sie rühren sich erst, als Kaskada einen Satz nach vorne macht, und dem Jungen in den Bauch sticht. Der Junge schreit auf und wankt einen Schritt zurück, während sich das Mädchen plötzlich auf mich stürzt und nach dem Schwert schlägt. Über rumpelt weiche ich einen Schritt zurück, und überraschend gut schlägt sie mit dem Schwert nach mir. Mit einem Mal spüre ich einen stechenden Schmerz im Bein, an der Stelle, an der mich das Mädchen irgendwie getroffen haben muss. Ich wanke einen Schritt zurück, und in dem Moment, als mein Rücken gegen einen Baum stößt, meine grauen Augen in das Adrenalin verzerrte Gesicht des Mädchens blicken und ihr Schwert mein anderes Bein Berührt. Ein stechender Schmerz druch flutet meinen Körper, und ich lasse im versuch es zu heben mein Schwert fallen. Ehe ich allerdings merke, was geschieht, landet der Körper des Mädchens aus 11 in meinen Armen, ein langer Dolch ragt schräg aus ihrem Hals. Langsam drehe ich meinen Kopf in die Richtung, aus der die Waffe gekommen sein muss, und sehe in die Violetten Augen von Verity.

    3
    Verity

    Langsam gleitet mein Blick von dem Dolch im Hals des Mädchens zu Rays Gesicht. Die markanten Wankenknochen, das verwuschelte blonde Haar, die Granit grauen Augen, die mich überrascht ansehen… Raymond ist noch immer der Selbe. Im Vergleich zu mir.
    Währe das alles ein Jahr früher gewesen, ich hätte mich ihm um den Hals geworfen und mich auf der Stelle von ihm vögeln lassen. Aber jetzt? Nein…
    Langsam drehe ich mich um, und ehe Raymond überhaupt checkt, dass ich weg bin, renne ich auch schon wieder Richtung Nile. Und natürlich Tim und Bobby. Einfach rennen, Fuß vor Fuß setzten… einfach rennen und nicht darüber nachdenken, dass ich gerade einem Karriero den Hals gerettet habe.

    4

    7 Jahre Früher, Raymond

    „Alle aufpassen! Das hier ist Verity Thomson, sie ist 10 Jahre alt, geht von nun an auf die Karrieretribut Akademie und in eure Klasse. Seid bitte nett zu ihr. Verity, setz dich doch neben Kaskada.“ Einladend deutet Mrs.Smith auf den Platz neben Kaskada, welche artig lächelnd in der letzten Reihe sitzt. Unsicher geht die Neue auf Kaykay zu, und sagt leise hallo, ehe sie sich setzt. Die neue ist klein für ihr Alter, hat schulterlange dunkelbraune Haare die sie mit einer Silberklammer zurück gesteckt hat, trägt schlichte praktische Klamotten, aber der Grund, warum wir sie alle anstarren, glaube ich zumindest, sind ihre krass violetten Augen. Später wird mir klar, dass es nicht wirklich die Augenfarbe ist die uns faszinierte, sondern die Seele dahinter, aber für den Moment glauben ich, dass es die Farbe ist. Und die Farbe ist wirklich besonders. Ein zartes Violett, nicht zu intensiv aber auch nicht zu zurückhaltend. Und außen ist der fast schwarze Irisring. Intressant… Einen Moment betrachte ich sie noch, ehe meine Gedanken zurück zum Unterrichtsthema kreisen. Was ist sie schon... ein normales kleines Mädchen, genau so, wie ich ein normaler kleiner Junge bin.
    Nichts besonderes in dieser Welt.

    Bedeutungslos.

    5
    Verity


    „Hey… bin wieder da…“ keuchend komme ich bei unserem Lager an, Tim wirft mir einen besorgten Blick zu, aber nur Nile sagt was: „Alles gut? Hast du was gefunden? Tim war schlau genug einen Hasen zu erlegen.“
    Er lächelt mich matt an, und rutscht im Unterschlupf etwas zur Seite. Noch immer leicht verstört setzte ich mich neben Tim, und betrachte den rohen Hasen. „Und was jetzt? Wir können ihn nicht braten oder so… Habt ihr auch dafür eine Lösung?“
    Die Jungen gucken mich dumm an, dann grinsen sie. „Einfach Roh essen?“ Bobby lacht, ich grinse etwas säuerlich zurück und seufze dann, während ich die paar Beeren auf einen Haufen packe. „Okay dann langt mal zu. Habt ihr einen Fluss gefunden?“
    Während die Jungen und ich die Früchte aufessen, beschreibt Tim mir den Weg zu einem kleinen Bach und gibt mir seine Flasche, die ich erst mal fast leer trinke. In dem Moment, in dem die Stimmung lockerer zu werden droht, ertönt plötzlich die Hymne und eine nichts sagende Stimme gibt bekannt:
    „Tribute, wir geben ihnen Feierlich eine Regeländerung bekannt. Ab sofort wird neben dem Toten Tributen auch das Gesicht seines Mörders zu sehen sein. Ihnen noch einen schönen Abend.“
    Dann sieht man die Bilder der Toten. Das Mädchen aus 5, getötet von dieser Filja aus 4. Dann das Mädchen und der Junge aus 6, getötet von Kay und dem Jungen aus 4, Oktavin glaube ich. Dann noch Livia und der Junge aus 9, beide von Ray getötet. Das Mädchen aus 10, Bobby nannte sie Angie.
    Das Mädchen aus 11. Sie hieß Alyen. Neben ihrem Gesicht leuchtet meins auf. Tim, Nile und Bobby drehe sich zu mir um, eine Träne läuft meine Wange runter, und ich senke den Kopf.
    Und dann ist es vorbei, das Licht am Himmer erlischt, und wir sitzen alleine unter dem großen eisernen Himmel, mit einer nicht weniger eisernen Stille zwischen uns.
    Mein Blick trifft Tims, und mit einem Mal trennen uns nicht mehr nur 70 cm, sondern die 15 Jahre, in denen ich der Feind gewesen bin.

Kommentare (1)

autorenew

XD (30917)
vor 346 Tagen
Ich finde deine Geschichten echt gut, ich mag auch deinen Schreibstil

Mach BITTE weiter so ! ; D