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­ŁÉł­ŁÉş'­ŁÉČ ­ŁÉž­ŁÉĘ­ŁÉş ­ŁÉÜ ­ŁÉĆ­ŁÉí­ŁÉÜ­ŁÉČ­ŁÉ× (girl├Śenby)

"Charlie... Ich- ich wollte nicht sagen, dass etwas nicht mit dir stimmt. Ich meine ja nur, vielleicht bist du gerade in einer Phase, wo du dir nicht ganz sicher mit dir bist. Das hat doch jeder mit 14 oder 15 Jahren."
Das sagt meine Mutter, ohne ├╝berhaupt zu wissen, welches Geschlecht und welche Sexualit├Ąt ich habe. Und wenn sie damit schon genug Stoff hat, wie soll ich ihr erst beibringen, dass ich in einer festen Beziehung bin - mit einem M├Ądchen?
Obwohl ich stark bleiben wollte, halte ich es einfach nicht mehr aus. Ich muss hier weg. Ohne Plan wohin, laufe ich los. W├Ąhrend ich durch den Regen davonrenne, kann ich langsam wieder klare Gedanken fassen. Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und rufe die einzige Person an, der ich in diesem Moment vertraue. Die Person, bei der ich mich so geborgen und sicher f├╝hle, wie sonst nirgends.

ÔÇó ÔÇó ÔÇó

Charlie ist 14 Jahre alt und verliebt sich ausgerechnet in eine ehemalige Freundin. In der Geschichte geht es um Liebe, Erfahrungen von queeren Personen im Alltag und verschiedene Reaktionen des Umfelds.
Ich hoffe, ich kann hiermit der einen oder anderen Person Unterhaltung oder Ermutigung bieten.
Viel Spa├č beim Lesen!
(Die Geschichte spielt ├╝brigens Anfang 2019, demnach also noch vor Corona)

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    Ich kann mich kaum auf den Unterricht konzentrieren, st├Ąndig schweifen meine Gedanken ab. Mein Blick gleitet zum Fenster, wodurch ich sehe, wie ein S
    Ich kann mich kaum auf den Unterricht konzentrieren, st├Ąndig schweifen meine Gedanken ab. Mein Blick gleitet zum Fenster, wodurch ich sehe, wie ein Stockwerk tiefer die Sch├╝ler unserer Parallelklasse schon nach Hause gehen. Die meisten nehmen den Ausgang am Haupttor, doch Freya geht aus dem Hinterausgang. Wir beide waren in der 5. bis 6. Klasse sehr gut befreundet, haben jedoch leider seit l├Ąngerer Zeit nicht mehr viel miteinander zu tun gehabt, au├čer im Sportunterricht. Ich sehe noch, wie sie ihr Fahrradschloss aufschlie├čt und losf├Ąhrt. Unwillk├╝rlich muss ich l├Ącheln.
    Sie ist so sch├Ân. Jedes Mal, wenn ich sie in letzter Zeit sehe, habe ich dieses angenehme, warme Gef├╝hl. Wie... Schmetterlinge im Bauch. Ja, das trifft es eigentlich ganz gut.
    "Charlie, wei├čt zu vielleicht die Antwort?", rei├čt meine Mathelehrerin mich aus meinen Gedanken. Ich habe keine Ahnung was die Frage war, von daher sage ich: "Entschuldigung, aber k├Ânnten Sie bitte noch einmal kurz erkl├Ąren wie genau man das rechnet?"

    Eine peinliche Erkl├Ąrung ├╝ber die Fl├Ąchenberechnung von Kreisen und viele langweilige Aufgaben sp├Ąter ist die Schulstunde vorbei und wir haben endlich auch Schluss.
    Meine Wohnung ist gl├╝cklicherweise nicht sehr weit entfernt, daher fahre ich immer mit meinem Skateboard hin und zur├╝ck. Ich bin gerne in Bewegung, deutlich lieber als nur herumzusitzen.

    Zuhause angekommen schnappe ich mir frische Klamotten und gehe ich erstmal ins Bad um zu duschen, wof├╝r die Zeit heute Morgen nicht gereicht hat. Ich habe zwar nicht wirklich Lust, aber was soll's.
    Als ich wieder aus der Dusche komme, sehe ich mich in dem gro├čen Wandspiegel vor mir. Meistens mag ich meinen K├Ârper, bin zufrieden oder liebe ihn sogar. Aber manchmal hasse ich mich auch, so wie jetzt.
    Ich sehe mich vor mir, aber es ist nicht richtig. Das bin nicht ich..
    Schnell greife ich mein Handtuch und wende mich vom Spiegel ab. Ich bin w├╝tend, dass mein K├Ârper so aussieht, aber viel schlimmer ist das Gef├╝hl, nicht den richtigen K├Ârper zu haben, was ich viel zu h├Ąufig habe. Ich habe sogar schon im Internet recherchiert, was mit mir falsch sein k├Ânnte.
    Man sollte sich nicht selbst diagnostizieren, das wei├č ich. Au├čerdem passt eh nichts. Ich bin kein trans Junge und schon gar nicht habe ich eine psychische St├Ârung.

    Trotzdem ist es nicht normal, oder? Also schmei├če ich mich wenig sp├Ąter auf mein Bett und greife mir mein Handy. Ich gebe, wie so oft, "manchmal im falschen K├Ârper" ein, weil ich keine bessere Beschreibung f├╝r mein Empfinden habe. Wie immer werden mir zahllose Artikel ├╝ber Transsexualit├Ąt empfohlen. Ich bin aber kein Junge, alles, nur kein Junge!
    "Geschlechter" suche ich jetzt, vielleicht finde ich ja ein besseres Wort als manchmal-weiblich. Erstaunlich weit oben finde ich eine Seite, die erkl├Ąrt, dass es viel mehr Geschlechter gibt, als ich dachte. Die Erkl├Ąrungen sind sehr kurz, ich finde die Begriffe Demigirl, bigender und genderfluid, die zwar alle irgendwie gut passen, aber auch nicht perfekt.
    Ich bin nicht immer zum Teil weiblich, sondern auch mal ganz und mal gar nicht. Also kein Demigirl?
    Ich bin nicht mal weiblich und dann m├Ąnnlich. Also nicht genderfluid?
    Ich habe nicht zwei Geschlechter, egal ob gleichzeitig oder abwechselnd. Also auch nicht bigender?
    Ich bin weiblich und dann wieder nicht, aber nicht irgendwas anderes. Und daf├╝r finde ich kein Wort. Bilde ich mir das nur ein? Ist es eine Phase? Bin ich etwas was es nicht gibt und schon gar nicht geben sollte? Oder bin ich nur zu bl├Âd, um das Wort zu finden? Oder erkenne ich mein eigenes Geschlecht einfach nicht? Ich vergraben mein Gesicht in meinem Kopfkissen und fange an, mir die Seele aus dem Leib zu weinen.
    Warum muss ich so sein, warum nicht einfach normal? Ich habe mich gerade damit abgefunden, dass ich auf M├Ądchen stehe und jetzt das...

    Sobald ich mich wieder halbwegs beruhigt habe, suche ich nach Foren und melde mich gleich in dreien an, ich brauche einfach schnell jemanden zum Reden. Von einem bekomme ich sogar sofort eine Best├Ątigungsmail, um meinen Account einzurichten. Ich beschreibe so gut wie m├Âglich, was ich f├╝hle und gebe mein Alter an, wer wei├č ob das irgendwie von Bedeutung ist. Dann schicke ich meine Frage ab.
    Ich bekomme viele Antworten: Die meisten schlagen mir die Begriffe vor, die ich schon selber gefunden habe, ein paar sagen, sie h├Ątten das gleiche Problem und in einer steht, dass ich mit meinen 14 Jahren noch viel zu jung sei und abwarten solle, bis ich ├Ąlter werde. Ich bin nah dran, mein Handy frustriert wegzulegen, als eine neue Antwort erscheint:

    "Du hast geschrieben, dass du dich manchmal weiblich und manchmal weniger weiblich f├╝hlst, aber nicht wie ein anders Geschlecht. Vielleicht passen die Label genderflux oder girlflux? Das bedeutet im Grunde, dass sich die Intensit├Ąt deines Geschlechts, bei dir weiblich, zwischen 0% und 100% ver├Ąndert.
    Also bist du zB. in einer Woche ganz weiblich und dann wieder gar nicht. Oder nur zur H├Ąlfte, oder mehr oder weniger. Vielleicht ├Ąndert sich dein Empfinden auch erst nach Monaten oder aber t├Ąglich. ├ťbrigens denke ich, du k├Ânntest Dysphorie haben. Das ist im Grunde einfach nur, dass du dich unwohl f├╝hlst, weil du k├Ârperlich und/oder sozial nicht nicht in die dir zugeteilte Geschlechtwrrolle passt. Also zB. dass dein K├Ârper d├╝r dich falsch ist, wie beschrieben.
    "

    Der Begriff genderflux klingt irgendwie richtig und die Beschreibung passt auch. Mit zitternden H├Ąnden bedanke ich mich in einem Kommentar unter der Antwort. Ja, es tut gut das zu h├Âren, trotzdem f├╝hle ich mich so unwohl, dass ich den Tr├Ąnen nah bin.
    Dann greife ich mein Tagebuch, in dem ich ehrlich gesagt mehr kurze Gedichte als richtige Tagebucheintr├Ąge schreibe.
    Aber jetzt schreibe ich meine Gef├╝hle gerade heraus auf.

    Liebes Tagebuch,
    ich bin mir schon seit gut zwei Jahren sicher, dass ich nicht (nur?) auf Jungen stehe, sondern mindestens auch auf M├Ądchen. Ich konnte noch nie mit jemandem dar├╝ber reden, ich hatte zu gro├če Angst vor den Reaktionen. Au├čerdem hatte ich eigentlich nur eine Person, der ich mich h├Ątte anvertrauen k├Ânnen. Eine gute Freundin, mit der ich aber keinen Kontakt mehr habe. Sie meinte mal, sie w├Ąre bisexuell. Aber als ich sie vor einem Jahr gefragt habe, ob das noch aktuell w├Ąre, meinte sie nein...
    Meine Mutter kommt auch nicht infrage, sie wird es nicht verstehen. Und Freya geht auch nicht. Ich meine, ich habe mich in sie verliebt! Au├čerdem haben wir kaum noch Kontakt.
    Und zu dem Ganzen kommt jetzt das: Ich war noch nie komplett weiblich, glaube ich. Seit ein paar Jahren, also seit mein K├Ârper sich ├Ąndert, wird es immer schlimmer. Manchmal f├╝hle ich mich wohl und dann ist es wieder komplett falsch. Ich dachte immer, jeder h├Ątte das... Ich glaube, ich bin genderflux und wechsle zwischen weiblich und agender. Nur wie soll ich damit umgehen? W├Ąre ich transgender k├Ânnte ich wenigstens etwas tun, Hormone nehmen und in ein paar Jahren dann eine OP machen, aber so... Manchmal mag ich meinen K├Ârper ja. Ich br├Ąuchte irgendetwas, um tempor├Ąr etwas weniger weiblich auszusehen. Und eine Vertrauensperson.
    Au├čerdem mag ich das Pronomen "sie" nicht, aber ich habe keine bessere Alternative...
    Was soll ich tun?






    Bild: Ich (mit meinen tollen digitalen K├╝nsten - Spa├č, ich zeichne eigentlich nur analog, wollte das Cover aber etwas professioneller aussehen lassen) XD

    2
    Gestern Abend bin ich gut eingeschlafen, daf├╝r habe ich in der Nacht nicht wirklich Ruhe gefunden. In meinen vielen Tr├Ąumen haben mich die Themen von gestern verfolgt: In meiner Klasse wurde ich f├╝r meine sexuelle Identit├Ąt ausgeschlossen und gemobbt. Ich wei├č, dass es nicht echt war, aber es hat sich alles so realistisch angef├╝hlt. Ich wei├č wie es ist, gemobbt zu werden. Als mein Vater in meiner Grundschulzeit einfach abgehauen ist, haben sich die meisten ├╝ber mich lustig gemacht und niemand wollte mehr etwas mit mir zutun haben. Seit ich auf die weiterf├╝hrende Schule gehe, bin ich deutlich beliebter, habe aber trotzdem eine st├Ąndige Angst, meinen Status wieder zu verlieren.
    Mein Wecker klingelt zum zweiten Mal und zwingt mich, endlich aufzustehen. Ich stelle mir immer zwei Wecker mit f├╝nf Minuten Abstand, weil ich nach dem ersten meistens wieder einschlafe.
    Was soll's, sage ich mir. Wenn ich jetzt nicht aufstehe, finde ich wieder keine Zeit zum Duschen.
    Doch mein Morgen verl├Ąuft reibungslos und als ich fertig bin, habe ich sogar noch etwas Zeit ├╝ber, in der ich mir eine Str├Ąhne meiner Haare flechte, den Rest lasse ich offen. Dann greife ich meinen Rucksack und mein Skateboard und mache mich auf den Weg.

    Ich bin extrem erleichtert, als es zur zweiten gro├čen Pause klingelt. Wir hatten gerade eine Stunde Geschichte und ich kann mir die ganzen Daten und Zusammenh├Ąnge einfach nicht merken. Ich verstehe nicht, warum wir Geschichte am Mittwoch und Freitag je eine Stunde haben, anstatt einer einzigen Doppelstunde. So bekommen wir doppelt so viele Hausaufgaben...
    Auf dem Schulhof angekommen geselle ich mich zu ein paar Klassenkameraden. Ich mag nicht Freunde sagen, weil sie zwar nett sind, aber mehr auch nicht.
    Einige Meter entfernt sitzt Freya auf einer Bank und liest in irgendeinem Buch. Sie ist wirklich nett und h├╝bsch noch dazu, ich verstehe nicht, warum sie nicht beliebter ist. Vielleicht sollte ich den ersten Schritt machen und mal wieder was mit ihr unternehmen?
    Vorerst konzentriere ich mich mehr auf das Gespr├Ąch, aber hin und wieder werfe ich ihr einen Blick zu. Sie ist einfach zu perfekt.
    "Hey Charlie, h├Ârst du eigentlich zu?", fragt mich Julia lachend. "Ja klar, ich habe nur gerade etwas nachgedacht", erwidere ich und l├Ąchle, in der Hoffnung, dass es nicht zu gezwungen wirkt.
    Julia greift das Gespr├Ąch wieder auf: "Also, m├Âgt ihr so Superheldenfilme?"
    "Ich bin ein Marvelfan, also ja. Und du?", frage ich zur├╝ck. Wie sind sie ├╝berhaupt auf das Thema gekommen, normalerweise interessiert sich doch niemand au├čer mir daf├╝r?
    "Naja, meistens gucke ich die Filme nur, wenn ein hotter Schauspieler dabei ist."
    "F├╝hl ich. Habt ihr auch so oft Celebrity-Crushes?", schaltet sich Sophie in das Gespr├Ąch ein. Ich ├╝berlege und ja, ich hatte das schon mehrfach. Aber eigentlich waren alle ber├╝hmten m├Ąnnlichen Personen die ich toll fand mehr wie Idole. Oder ich habe mir einfach vorgestellt, ich w├Ąre mit einer Filmfigur befreundet. Tiefere Verbindungen oder Fantasien hatte ich tats├Ąchlich nur mit Frauen oder eben weiblichen Jugendlichen. Weil ich mich aber definitiv auch schon ein oder vielleicht sogar zweimal, ich bin mir nicht so sicher wie stark meine Gef├╝hle wirklich waren, in Jungen verliebt war und definitiv nichts gegen nicht-bin├Ąre Personen h├Ątte, kann ich mich in meiner Sexualit├Ąt nicht festlegen. Bi, homo, pan, polysexuell oder noch was anderes, es k├Ânnte fast alles sein. Irgendwie passen die Label aber auch alle nicht...
    Gerade als Julia den Mund wieder ├Âffnet, l├Ąutet die Schulglocke - das hei├čt, eigentlich wird das L├Ąuten nur ├╝ber Lautsprecher abgespielt, denn unsere Schule hat keine Glocke.

    Endlich ist der Unterricht vorbei und ich bin wieder Zuhause.
    Aufgeregt scrolle ich meine Kontakte durch, bis ich Freya finde. Soll ich ihr wirklich schreiben? Andererseits, wieso nicht?
    "Hey, ich bin's, Charlie. Ich habe diese Woche noch nichts vor und wollte fragen ob wir vielleicht mal nach der Schule in ein Caf├ę gehen wollen?"
    Mein Herz klopft wie wild und ich bin kurz davor die Nachricht zu l├Âschen, doch stattdessen dr├╝cke ich auf senden. Warum sollte ich ihr denn nicht schreiben? Was ist auf einmal mit meinem Selbstbewusstsein passiert?
    Ich starre gebannt auf den Bildschirm. schreibt steht nun anstelle von zuletzt online um: da. Dann erscheint Freyas Antwort:

    Ehrlich?

    Klar, h├Ąttest du Lust?

    Ja! Morgen direkt nach Schulschluss?

    Cool dass wir mal wieder was machen­čĹŹ­čĆ╗Dann bis morgen?

    Bis dann ­čśÖ

    Bye ­čśÜ

    3
    Zum Gl├╝ck haben wir beide diesen Donnerstag nur 4 Schulstunden, weil am Nachmittag irgendeine Lehrerkonfernez ist oder so. Trotzdem schaue ich alle paar Minuten zur Uhr an der Wand.
    Endlich ist es 11:20 und wir d├╝rfen gehen. Meiner Mutter habe ich einfach die Wahrheit gesagt, n├Ąmlich dass ich mich mal wieder mit Freya treffe.
    Wie besprochen treffen wir uns an dem Haupttor, auf der anderen Seite ist direkt mein Lieblingscaf├ę. Als Freya aus dem Geb├Ąude kommt, schl├Ągt mein Herz sofort etwas schneller.
    "Hi Freya! Wie geht's?", begr├╝├če ich sie leicht nerv├Âs.
    "Gut, und dir?"
    L├Ąchelnd sage ich: "Mir auch. Wollen wir?"
    Zum Gl├╝ck m├╝ssen wir nicht lange auf die Ampel warten und k├Ânnen direkt die Stra├če ├╝berqueren. Das Caf├ę ist um diese Uhrzeit relativ leer, der gr├Â├čte Andrang ist schon vorbei. Erst zur Mittagspause kommen oft die Sch├╝ler aus den h├Âheren Klassen und einige Lehrer hier her. Eben alle, die das Essen der Mensa nicht m├Âgen und den Schulhof verlassen d├╝rfen.

    "Was h├Ątten Sie gerne?", fragt uns die Kellnerin. "Einen Eiskaffee bitte", antworte ich. "F├╝r mich das gleiche", sagt Freya. Die Kellnerin nickt und notiert sich etwas.
    "Warum genau hast du mich eigentlich gefragt, ob wir uns treffen k├Ânnen?", fragt Freya mich, als wir wieder alleine am Tisch sitzen. Ich hole einmal tief Luft und gehe schnell durch, wie ich m├Âglichst nicht komisch wirke.
    "Naja, wir haben echt lange nichts mehr zusammen gemacht. Und im Moment habe ich relativ viel Zeit, also dachte ich, k├Ânnte ich mich mal wieder verabreden. Au├čerdem bin ich in meiner Klasse zwar nicht unbeliebt, aber so richtige, echte Freunde, so wie wir fr├╝her, habe ich nicht."
    Ich schaue ihr in die Augen und warte auf ihre Reaktion. Freya ist echt wundersch├Ân, das muss jeder zugeben. In meinem Bauch kribbelt es und ich sp├╝re ein seltsames Gl├╝cksgef├╝hl, so wie auch gestern, als ich sie gesehen habe. Ich habe mich wohl wirklich verliebt. Und es trifft nat├╝rlich immer die ung├╝nstigsten Leute.
    "Also... Ich w├╝rde eigentlich auch ganz gerne wieder mehr Kontakt zu dir haben. Meine Klasse ist nicht so dolle", sagt Freya mit einem schiefen L├Ącheln im Gesicht.
    "Ihre Kaffees", sagt die Kellnerin und stellt unsere Gl├Ąser auf die Tischplatte. Ich liebe den Eiskaffee hier und Freya anscheindend auch. Tats├Ąchlich kommen viele Leute nur f├╝r den Kaffee hier her.
    W├Ąhrend wir trinken gleitet mein Blick wieder zu Freya und obwohl ich es nicht m├Âchte, finde ich mich wieder, wie ich auf ihre Br├╝ste schaue. Weil wir uns gegen├╝ber sitzen, ist es zum Gl├╝ck nicht allzu auff├Ąllig, aber peinlich trotzdem. Ich versuche, nicht zu auff├Ąllig weg zu gucken, sondern lieber Augenkontakt herzustellen.
    Ich wei├č schon l├Ąnger, dass ich nicht heterosexuell bin. Viele Leute sagen ja, dass sie ein Gaydar haben, von sowas kann ich aber nur tr├Ąumen. Immerhin merke ich manchmal, wenn jemand definitiv nichts von mir will.
    Ich setze das Glas wieder ab und lege meine Hand mit dem R├╝cken nach oben auf die Tischplatte. Freya setzt ihr Glas ebenfalls ab und schaut mir f├╝r den Bruchteil einer Sekunde in die Augen.
    "Ich f├Ąnde es echt toll, wenn wir wieder so gute Freunde wie in der 5. werden k├Ânnten", breche ich das Schweigen und unterdr├╝cke dabei das Zittern in meiner Stimme. "Ich mochte dich wirklich sehr als beste Freundin."
    "Ich auch. Wir haben echt viel zusammen erlebt."
    "Ja", sage ich. "Und wir haben ├╝ber allen m├Âglichen Mist geredet." Ich muss leicht lachen, als ich an unsere gemeinsamen Erinnerungen denke. Inzwischen haben wir uns ziemlich ge├Ąndert, wie es nun mal so passiert.
    "Wei├čt du noch?", du hast immer nur Musik aus den 70ern geh├Ârt", sage ich immer noch l├Ąchelnd.
    "Ich bin inzwischen deutlich offener f├╝r verschiedene Musik, als fr├╝her!", sagt Freya.
    "Ja, ich h├Âre auch alles m├Âgliche. Sogar ziemlich viel Metal inzwischen", meine ich. Vor zwei Jahren hatte ich noch exakt zwei Bands, deren Musik ich mochte. "Kennst du eigentlich girl in red?", frage ich, vielleicht, ganz vielleicht, sagt sie ja Ja.

    Zuhause angekommen kann ich nicht aufh├Âren, an Freya zu denken. Ich wei├č genau, worauf das hinausl├Ąuft. Inzwischen kenne ich mich gut damit aus, wie starken Liebeskummer ich bekomme, auch bei noch so kleinen Schw├Ąrmerein. Meinen ersten Crush hatte ich in der ersten oder zweiten Klasse und sogar da habe ich monatelang hinterher getrauert.
    Wenn ich meine Gef├╝hle in mich hineinfresse, und ignoriere oder verdr├Ąnge, wird es nur schlimmer, also bleibt eigentlich nur die M├Âglichkeit, es wenigstens zu versuchen. Erstmal sollte ich rausfinden, ob Freya straight ist. Bei meinem Gl├╝ck ist sie das bestimmt, sonst fresse ich einen Besen. Ich kann sie ja nachher oder morgen einfach anschreiben.

    4
    Am n├Ąchsten Tag habe ich ganze sieben langweilige Stunden und bis zum Abendessen um 18:30 Uhr kaum eine freie Minute - abgesehen von den Schulpausen nat├╝rlich, die jedoch nicht wirklich etwas bringen. Zuhause gibt es schlichte Nudeln mit Brokkoli und Reibek├Ąse, was an sich sogar ganz gut schmeckt, nur esse ich es gef├╝hlt jeden Tag, an dem es keine Tiefk├╝hlpizza gibt.
    Schweigend nehme ich mir eine zweite Portion. Die Uhr tickt leise und das Besteck meiner Mutter klirrt, als sie es auf ihrem Teller ablegt. Ich sp├╝re mein Handy in der Hosentasche summen, die Nachricht werde ich mir gleich in Ruhe anschauen. Ansonsten ist es still.

    Hey, wie geht's dir so? ­čśŐ

    Ganz gut, und dir?

    Mir geht es auch gut. Ich dachte nur, ich schreib dir einfach mal, so aus Langeweile.

    Ach so, alles gut.
    Hast du eigentlich mitbekommen, dass an unserer Schule vielleicht eine Regenbogenflagge aufgeh├Ąngt werden soll?


    Ja, hat unser Klassenlehrer erz├Ąhlt. Ich finde das voll cool:) Du?

    Ich finde es auch total gut, ich meine, es ist ja ein gro├čes Zeichen f├╝r Toleranz und so. Ich supporte LGBTQ+ ja auch

    Ich bin da auch ziemlich offen. Ich kenne sogar jemandem aus dem Bereich.

    Oh cool, ich auch

    Um ehrlich zu sein, ich geh├Âre selber auch dazu.

    Ich kann mich in alle Geschlechter verlieben. ­čśů

    Oh, bist du pansexuell?

    Sowas in der Art, ja. Omnisexuell passt besser, aber den Begriff kennt so gut wie niemand. Die Sache ist die, dass pansexuelle Menschen sich in Personen verlieben und meistens sozusagen geschlechterblind sind, w├Ąhrend Omnisexuelle Pr├Ąferenzen zwischen den einzelnen Geschlechtern haben. (Tut mir leid falls ich nerve, ich habe keine Ahnung warum ich dich mit sowas zutexte)

    Nein, alles gut! Ich besch├Ąftige mich in letzter Zeit eh mehr mit dem Thema Sexualit├Ąt und Geschlecht, nur im Internet bekommt man meistens keine so guten Erkl├Ąrungen. ­čśś Und wenn doch, dann findet man irgendeine Seite, die etwas anders behauptet

    Danke ­čĺĽ

    Ich muss dir was sagen, ok?

    Schie├č los

    Wirkt vielleicht seltsam...
    Die Sache ist die, dass ich nie wirklich jemanden zum Reden hatte. Ich meine, eine Mutter k├╝mmert sich alleine um mich (wie du wei├čt) und ich habe zu gro├če Angst vor ihrer Reaktion. Ich glaube, dass ich lesbisch oder bi bin.


    Du kannst immer zu mir kommen, wenn du jemanden zum Reden brauchst ­čśś­čĆ│´ŞĆÔÇŹ­čîł

    Danke ÔŁĄ ­čą║
    Ich finde es soo cool, dass wir immer noch so offen miteinander reden k├Ânnen.­čĺô


    ­čĺ×

    ­čĺĽ

    Ahh shit, hab gerade gemerkt, dass ich die Hausaufgaben in Geschichte voll vergessen habe ­čśú

    Oh, wir k├Ânnen auch einfach morgen noch einmal schreiben

    Wenn ich irgendwie helfen kann, sag Bescheid.

    Danke, aber ich muss zum Gl├╝ck nur was aus einem Text raussuchen. Wir schreiben aber wahrscheinlich bald eine Arbeit, da k├Ânnte ich etwas Hilfe beim Lernen gebrauchen:')

    Klar. Vielleicht kannst du mir bei Deutsch irgendwann helfen? Ich komme mit diesen Gedichtsinterpretationen gar nicht klar ­čśů

    Okay, wir k├Ânnen uns gerne bald mal f├╝r die Schule treffen. Ach, und h├Ąttestes du morgen vielleicht Lust in die Eislaufhalle hier zu gehen oder so? Wollte da n├Ąmlich sowieso mal wieder hin.

    Ich wusste gar nicht, dass du Eislaufen magst, cool.

    Ich liebe es! ^^

    Ich auch ­čśŹ­čśä

    Ôś║

    Treffen wir uns fr├╝h? Dann ist weniger Gedr├Ąnge und das Eis ist noch nicht so kaputt.

    Ja, gerne

    Bis morgen dann =)

    Bis morgen:)

    Oha. Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht damit. Ich habe mich geoutet und Freya ist nicht straight. Ich brauche einen Besen, und zwar schnell. Okay, vielleicht eher ein Beruhigungsmittel.
    Auf alle F├Ąlle bin ich aber so erleichtert wie noch nie. Ich meine, ich muss mich endlich mal nicht verstecken und Gl├╝ck habe ich auch noch! Ich sp├╝re eine so gro├če Welle von Befreiung die mich innerlich ├╝berrollt, dass mir schon beinahe Freudentr├Ąnen in die Augen steigen.
    Einen Moment sp├Ąter kommen aber auch die Zweifel: Wenn Freya einfach hetero w├Ąre, k├Ânnte ich mir keine falschen Hoffnungen machen. So kommt aber jede Person infrage, ich wei├č ja nicht auf was, beziehungsweise wen Freya steht. Wahrscheinlich mag sie mich doch nur freundschaftlich, vielleicht hat sie sogar einen Freund...

    5
    Freya und ich treffen uns schon um 8 Uhr morgens, direkt zur ├ľffnung der Eislaufhalle. So fr├╝h hat man manchmal alles f├╝r sich alleine. Leicht nerv├Âs schaue ich ihr kurz in die Augen und gucke dann wieder weg. Weil ich nicht wei├č was ich machen soll, streiche ich mir die Haare hinters Ohr und frage dann: "Also... Wollen wir?"
    "Ja. Klar", sagt Freya. Sie streicht sich auch die Haare zurecht und dann gehen wir zusammen durch den Eingang.

    Auf der Fl├Ąche selbst vergesse alles um mich herum. Wenn ich ├╝ber das Eis gleite, f├╝hle ich mich so frei, als w├╝rde ich fliegen.
    Zuerst drehen wir ein paar Runden um warm zu werden, dann laufen wir zusammen durch die Halle und drehen Pirouetten.
    Es macht unglaublich gro├čen Spa├č, tausend Mal besser als alleine zu laufen. Obwohl ich auch das schon liebe. Ich habe wieder dieses Kribbeln im Bauch, aber viel st├Ąrker als jemals sonst. Ich bin so gl├╝cklich, dass ich einfach loslachen k├Ânnte, wenn ich wollte. Ich beschleunige st├Ąrker und muss unwillk├╝rlich grinsen, als Freya nach meiner Hand greift.
    "Sorry, mir ist nur etwas schwindelig...", sagt sie verlegen.
    "Keine Sorge, ich pass schon auf dich auf!", sage ich lachend und sp├╝re, wie mir das Blut ins Gesicht schie├čt. Wir bremsen ab, sodass wir direkt nebeneinander stehen. Freya wird auch rot, dreht den Kopf leicht weg und zieht ihre Hand zur├╝ck.
    Als sie wieder aufblickt treffen sich unsere Blicke und ich sehe direkt in ihre gr├╝nen Augen. Sie sind so wundersch├Ân...
    Ich f├╝hle mich, als w├╝rde es nur noch uns beide auf der Welt geben. Innerlich explodiere ich beinahe vor Gl├╝ck. Fast automatisch falle ich Freya in die Arme und halte sie fest umschlungen. Nie wieder will ich sie loslassen.
    Ok, vielleicht wenn ich mal auf die Toilette muss. Aber sonst nicht.
    Ich sp├╝re ihren warmen Atem in meinem Nacken. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es ist zu perfekt um wahr zu sein...
    "Es gibt da etwas, was ich dir sagen muss", fl├╝stere ich. "Ich liebe dich."
    "M-meinst du das ernst?", fragt Freya in einem Tonfall, den ich nicht einordnen kann. Ich habe keine Ahnung, ob sie einfach nur ├╝berrascht ist, oder selber in jemand anderen verliebt ist und jetzt schockiert ist.
    Was, wenn ich gerade unsere Freundschaft zerst├Ârt habe? Die Eishalle verschwimmt vor meinen Augen. Ich bin pl├Âtzlich nicht mehr gl├╝cklich, sondern so verletzt, als w├Ąre mein Herz zersplittert. Wie die Tiefgefrorenen Rosen bei diesem Experiment mit fl├╝ssigem Stickstoff. Ich kann den Schmerz nicht beschreiben, es ist gleichzeitig als w├╝rde mein Herz zerbrechen und als w├╝rde es zerquetscht werden.
    Freya l├Ąsst mich los und dr├╝ckt mich etwas von sich weg. Und ich dachte, sie w├╝rde vielleicht das gleiche f├╝r mich empfinden wie ich f├╝r sie! Wie konnte ich nur so dumm sein? Ich kann meine Tr├Ąnen kaum noch halten und sp├╝re, wie die erste schon ├╝ber meine Wange l├Ąuft. Ich kann Freyas Gesicht nicht erkennen, aber sie kann mich nicht lieben, immerhin hat sie mich weggesto├čen! Meine Unterlippe f├Ąngt an zu flattern und nur mit M├╝he schluchze ich nicht auf. Es war so klar, dass das passieren w├╝rde.
    Ich will mich gerade umdrehen und einfach nur wegrennen, als etwas g├Ąnzlich unerwartetes passiert.

    Freya zieht mich wieder zu sich heran, aber diesmal nicht in einer Umarmung sondern zu einem Kuss. Sie hat ihre H├Ąnde an meinen Hinterkopf gelegt und dr├╝ckt ihre Lippen sanft auf meine. Ich bin im ersten Moment verwirrt, dennoch erwidere ich den Kuss. Es ist mir egal, was die anderen hier denken, ich liebe Freya und das ist unsere Sache. Ich schlinge meine Arme wieder um sie und schlie├če meine Augen. Mein Herz schl├Ągt so wild wie noch nie und die Schmetterlinge in meinem Bauch sind mehr wie ein Freuerwerk. Es ist bis jetzt bestimmt der beste Moment meines Lebens.

    Als wir uns wieder voneinander l├Âsen, f├╝hle ich mich emotional ersch├Âpft, aber auf eine sch├Âne Art. Trotzdem habe ich noch so viele Fragen.
    "Ich- ich liebe dich auch", sagt Freya vorsichtig. Ich muss kichern und sie stimmt ein. Dann werde ich wieder ernst. "Warum hast du mich eben kurz weggesto├čen? Ich dachte f├╝r einen Moment, dich h├Ątte alles kaputt gemacht und du w├╝rdest mich hassen..."
    "Nein!", sagt Freya mit einem verzweifelten Unterton. "Ich war mir nicht sicher, ob du es ernst meinst, ich wollte dein Gesicht sehen. Und dazu musste ich mich aus deiner Umarmung l├Âsen. Tut mir leid. Ich wollte dich nie verletzen oder so!"
    Diesmal ist es Freya, die mir in die Arme f├Ąllt und mich fest h├Ąlt.
    Meine Gef├╝hle brennen komplett mit mir durch und ich wei├č pl├Âtzlich nicht mehr, ob ich gl├╝cklich bin oder nicht. Es ist fast schon wie meine Stimmungsschwankungen w├Ąhrend der Periode.
    Wir stehen noch mindestens eine Minute da und halten uns in den Armen, nachdem wir uns schon gr├Â├čtenteils beruhigt haben. Ich genie├če das Gef├╝hl von Geborgenheit und Liebe. Die Luft um uns herum ist kalt, aber Freya ist so sch├Ân warm. In Hintergrund l├Ąuft Musik und man h├Ârt vereinzelte entfernte Gespr├Ąche, aber Freya ist so sch├Ân ruhig und friedlich. Und so verst├Ąndnisvoll, so nett, so wunderh├╝bsch. Sie ist einfach liebenswert.
    Schlie├člich bricht sie das Schweigen: "Wollen wir vielleicht noch ein paar Runden drehen?"
    "Gerne", sage ich und l├Âse mich sanft.

    Hand in Hand laufen wir ├╝ber das glatte Eis. Es f├╝hlt sich immer noch alles so unwirklich an, als w├╝rde ich es nur tr├Ąumen. Ich bin so gl├╝cklich, dass mich wirklich wie im 7. Himmel f├╝hle. Es ist, als w├╝rde mich ein Schleier aus Freude umgeben, der alles um uns beide herum abd├Ąmpft. "Ich h├Ątte nie gedacht, dass ich so bald jemanden finden w├╝rde, der meine Liebe erwidert. Und dann auch noch dich, du bist so perfekt", sage ich leise zu ihr, w├Ąhrend wir uns gerade in die Kurve legen.

    Als ich um 14 Uhr wieder Zuhause ankomme, gehe ich direkt in mein Zimmer und greife mein Tagebuch. Ich kann noch immer nicht fassen, was da vor ein paar Stunden passiert ist. Am liebsten w├╝rde ich zeichnen, um meine Gef├╝hle herauszulassen, aber das geht nicht. Ich habe schon echt oft versucht und hatte meistens ein klares Bild vor Augen, aber letzten Endes bin ich von meinen Kritzelein dann doch nur entt├Ąuscht. Zum Gl├╝ck gibt es W├Ârter, damit kann ich mich leichter ausdr├╝cken. Ich fange damit an, schlichtweg zu beschreiben, was ich empfunden habe. Meine Aufregung, dann wie verletzt ich war und zum Schluss die unendliche Freude und Liebe. Ich schreibe, wie alles um uns beide herum verblasst ist und pl├Âtzlich alle Sorgen der Welt unwichtig schienen. Freya gibt mir ein nie da gewesenes Gef├╝hl von Schutz. Bei ihr f├╝hle ich mich sicher. Und ich wei├č, dass sie immer f├╝r mich da ist, genau wie ich f├╝r sie.

    6
    Als ich am Montag aufstehe, merke ich direkt, dass ich wieder agender bin. Ich ziehe mir einen oversized Hoodie und eine Jogginghose an, wodurch meine Figur wenigstens etwas kaschiert wird. Trotzdem bin ich nicht wirklich gl├╝cklich damit, vor allem meine Haare nerven mich. Das tun sie immer, aber an solchen Tagen wie heute regen sie mich nicht nur auf, weil sie im Weg sind, sondern weil sie so aussehen, wie sie es nunmal tun. Ich meine, sie sind schulterlang und rosa. Was zur H├Âlle habe ich mir nur gedacht, als ich sie so gef├Ąrbt habe?
    Ich wei├č, ich wei├č, jeder darf lange rosane Haare haben. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Junge sie so tr├Ągt. Aber ich f├╝hle mich damit trotzdem zu sterotypisch-weiblich. Am liebsten w├╝rde ich eine Schere nehmen und alle Haare abschneiden.

    Noch bevor ich fr├╝hst├╝cken gehe, suche ich im Internet schnell nach "Kurzhaarfrisuren Frau". Obwohl ich nat├╝rlich keine richtige Frau bin, will ich einfach Bilder sehen und vielleicht endlich zum Friseur gehen. Vor ein paar Monaten wollte ich mir schon einen Pixie schneiden lassen, aber hatte dann doch zu gro├če Angst, vielleicht wird es diesmal was. Es ist mir egal, dass meine Mutter mich t├Âten wird.
    Ich finde Bilder von Frauen, die ihre Haare auf wenige Millimeter bis Zentimeter kurz geschnitten haben und es sieht einfach bei allen super sch├Ân und androgyn aus! Zu hundert Prozent will ich das auch.
    F├╝r's erste begn├╝ge ich mich aber mit einem Pferdeschwanz und gehe in die K├╝che, um mir ein M├╝sli zu machen.
    "Guten Morgen, Schatz!", begr├╝├čt meine Mutter mich.
    "Morgen", antworte ich lustlos

    So fr├╝h bin ich nicht zu gebrauchen. Entweder man wartet eine Stunde, bis ich richtig wach bin, oder man gibt mir einen Kaffee, aber keinesfalls sollte man aktive Beteiligung von mir erwarten. Unter der Woche werde ich zum Gl├╝ck auf dem Schulweg wach, am Wochenende verziehe ich mich hingegen h├Ąufig direkt wieder in mein Zimmer.

    An der Schule angekommen sehe ich Freya wieder und muss direkt l├Ącheln. Wir haben beschlossen, unsere Liebe geheim zu halten, aber darauf habe ich schon jetzt keine Lust mehr.
    In den ersten beiden Stunden haben wir Sport und zwar klassen├╝bergreifend. Es gibt zwei Jungengruppen und zwei M├Ądchengruppen, die in verschiedenen Hallen verschiedenen Unterricht haben. In meine Gruppe geht, wie es der Zufall so sch├Ân will, unter anderem Freya.
    Bevor jetzt irgendjemand denkt, dass ich beim Umziehen gaffen w├╝rde, nur weil ich nicht hetero bin: Nein. Erstens gucke nicht x-beliebige Leute an und zweitens ist es f├╝r mich etwas v├Âllig anderes, ob eine Schauspielerin in einem Film hei├č aussieht, oder ob ich mit Klassenkameraden in der Umkleide stehe. Ich bin sowieso so, dass ich mich meistens m├Âglichst schnell und wenig umziehe und dann den Raum verlasse. Tats├Ąchlich f├╝hle ich mich in der Umkleide immer richtig unwohl und habe sogar einen Anflug von Angst - vielleicht weil ich unterbewusst denke, dass man mir meine Sexualit├Ąt anmerken k├Ânnte. Ich muss aber zugeben, dass mein Blick heute ganz kurz zu Freyas Gesicht huscht, vielleicht f├╝r eine Millisekunde.
    Ich habe mir meine Sportkleidung schon Zuhause angezogen, sodass ich meine Sachen erst nach der Doppelstunde wechseln muss. Zum Gl├╝ck haben wir im Moment Tischtennis, dabei schwitzt man nicht ganz so sehr wie bei manchen anderen Sportarten. Anstrengend ist es trotzdem, aber man muss wenigstens nicht die ekelhaften Duschen benutzten, bis man Zuhause ist kommt man mit Deo aus.

    7
    Meine Mutter hat heute einen wichtigen Termin, wie sie sagt. Ich denke eher, sie versucht ihr Singledasein zu beenden. Momentan ist mir das aber relativ egal, Hauptsache ich bin allein Zuhause.
    Ich beschlie├če, etwas mit Freya zu schreiben.

    Hey Freya ÔŁĄ

    Hi, was geht? ­čĺĽ

    Bin allein Zuhause und habe Langeweile XD

    Haha ich auch. Meine Eltern arbeiten beide noch.

    Du musst mich mal beraten: Ich ├╝berlege schon seit L├Ąngerem, mir kurze Haare schneiden zu lassen. Wie findest du diese Frisur?

    Dann lade ich ein Bild von einer Frau mit Buzzcut hoch.

    Wow das w├╝rdest du wirklich machen? Ich denke, es w├╝rde dir wirklich gut stehen! ÔŁĄ

    Echt? Ich m├Âchte es unbedingt, aber habe noch ein kleines bisschen Angst, vor allem, wie meine Mutter denken wird. Ôśá

    Also ich find's echt cool. Au├čerdem kann Ich mich keine Frisur vorstellen, die dir nicht steht <3

    Danke ­čĺľ
    Ich w├╝rde es am liebsten jetzt gleich machen, bevor ich es mir anders ├╝berlege.


    Wieso nicht? Eigentlich k├Ânnte man sich das auch einfach selber schneiden, oder? Wenn du willst, kann ich eben vorbei kommen ^^

    Jaaa! Kannst du einen Rasierer mitbringen? Ansonsten wird das n├Ąmlich schwer ­čśé

    Ja, mein Vater hat neulich einen neuen gekauft. Noch unbenutzt. Wei├čt, wie man das Ding bedient?

    Vielleicht wei├č Google das ja ­čśé so schwer kann das aber ja nicht sein

    ­čśů Ok, ich bin dann in 15 Minuten da. Bist du dir sicher?

    Ja ­čĺĽ

    Als Freya mit dem Rasierer an der T├╝r steht, bin ich pl├Âtzlich mega aufgeregt, bis jetzt war es nur so ein Gedanke. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass ich es durchziehen will.
    Im Badezimmer habe ich schon eine Schere, einen Handfeger und ein Kehrblech bereitgelegt.
    "Ich denke, wir sollten die Haare zuerst etwas k├╝rzen", sage ich und greife die Schere. "Soll ich einfach abschneiden?" Hilfesuchend gucke ich Freya durch den Spiegel an.
    "Charlie, wenn du kurze Haare haben m├Âchtest, dann mach es! Es wird zu hundertprozentig super aussehen! Und selbst wenn, das Zeug w├Ąchst doch wieder nach und bis dahin k├Ânntest du zur Not eine M├╝tze oder Snapback tragen." Aufmunternd l├Ąchelt sie mir zu und gibt mir damit den entscheidenden Impuls.
    Ich sehe, wie die Haare fallen und sp├╝re, wie das Gewicht nachl├Ąsst. Es ist ein so erleichterndes Gef├╝hl, dass ich es mache und mich nicht wegen anderen zur├╝ckhalte. Als ich mich wieder anschaue, bekomme ich erstmal einen Lachflash. Meine Haare sind nur noch einige Zentimeter lang und stehen in alle Richtungen ab. Noch immer leicht lachend nehme ich den Rasierer, auf den Freya in der Zwischenzeit einen Aufsatz gesteckt hat. Inzwischen wissen wir auch, dass man nicht wirklich viel falsch machen kann, au├čer die Haare zu kurz zu scheiden, was aber wohl nicht passieren wird. Und wenn ich mir aus Versehen eine komplette Glatze verpasse, wird man das in ein paar Wochen auch nicht mehr sehen.

    "Kannst du mir im Nacken bitte helfen?", frage ich Freya.
    "Klar", sagt sie und setzt den Trimmer an. Ich muss leicht kichern, teilweise aus Freude und Erleichterung und ein wenig auch, weil es kitzelt, wie das Ger├Ąt ├╝ber meinen Kopf summt. Im Spiegel sehe ich, wie meine Ich-bin-in-einen-Schredder-geraten Frisur nach und nach zu einem ordentlichen Buzzcut wird. Und die gesamte pinke Farbe ist endlich weg, weil nur mein Ansatz noch da ist!
    "Fertig!", sagt Freya und schaltet den Rasierer wieder aus. Ich betrachte mich strahlend im Spiegel und streiche mir ├╝ber den Kopf - ein Gef├╝hl das ich mir nie im Leben so toll vorgestellt h├Ątte. Ich drehe mich zu Freya um.
    "Ich liebe es! Genau wie dich." Und dann dr├╝cke ich ihr einen leichten Kuss auf die Wange.
    Weil alles voll mit Haaren ist, fegen wir diese kurz auf und ich beschlie├če, mich zu duschen. Freya sitzt solange in meinem Zimmer und isst mir wahrscheinlich meine ganze Schokolade weg. Was soll's.
    Es ist ungewohnt, dass keine Haare auf meine Schultern fallen oder ├╝ber meinen Nacken streichen, wenn ich den Kopf bewege. Aus Reflex streiche ich mir meine Haare hinter die Ohren, ohne etwas anderes als Luft zu ber├╝hren. Und das Duschen dauert auch viel k├╝rzer als gew├Âhnlich. Ich werde mir nie wieder meine Haare f├Âhnen m├╝ssen, denke ich belustigt.
    Als ich, wieder angezogen nat├╝rlich, das Bad verlasse, kommt Freya mir schon entgegen. "Meine Mutter hat gerade angerufen, es gibt bei uns gleich Essen. Ich soll wieder nach Hause kommen." Sie scheint traurig dar├╝ber zu sein, nicht l├Ąnger bleiben zu k├Ânnen, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Trotzdem sage ich: "Ist schon okay, meine Mutter wird bestimmt auch bald kommen. Danke noch einmal f├╝r deine Hilfe, ohne dich h├Ątte ich mich vielleicht nicht getraut."
    "Klar doch, keine Ursache", antwortet Freya. "Dein Zimmer ist ├╝brigens richtig cool! Du hast in den letzten Jahren einiges ver├Ąndert, oder?"
    "Ja", sage ich l├Ąchelnd. "Ich finde es so auch deutlich besser."

    An der Haust├╝r umarme ich Freya zum Abschied und wir k├╝ssen uns gegenseitig auf die Wangen. Es ist nichts gro├čes, viele die ich kenne w├╝rden dass als freundschaftlich ansehen und nichts mehr. F├╝r mich ist es trotzdem eine gro├če Sache, denn f├╝r uns beide steckt mehr hinter der Geste.
    "Dann bis morgen?", fragt Freya. Bevor ich ja sage, dr├╝cke ich ihr noch einen Kuss auf den Mund. Auf diese unendlich weichen warmen Lippen...

    8
    Meine Mutter kommt nur gute zehn Minuten nach Freyas Verlassen an und mit ihr der erwartete Schock: "Ach du meine G├╝te! Was ist passiert Schatz?"
    "Mama, ich habe mir nur die Haare geschnitten... Ich-"
    Weiter komme ich nicht, da sie mich unterbricht.
    "Aber Charlie...! Warum denn so kurz? So siehst du ja gar nicht mehr wie ein M├Ądchen aus!"
    Ich wei├č, dass sie es nicht b├Âse meint. Sie ist nur erschrocken und dr├╝ckt sich deswegen so aus. Trotzdem macht mich diese Bemerkung w├╝tend.
    "Und es w├Ąre, wenn ich genau das m├Âchte?", schlage ich deutlich bissiger als gewollt zur├╝ck.
    "Oh mein Gott, Charlie. Meinst du etwa, du bist auch so ein Transgender-Mensch? Habe ich irgendetwas falsch gemacht?"
    Je mehr meine Mutter redet, desto schlimmer wird es. Ich dachte, sie w├Ąre etwas verst├Ąndnisvoller und w├╝sste vielleicht wenigstens, dass das Geschlecht nichts mit Erziehung zu tun hat, aber anscheinend habe ich mich geirrt. Als n├Ąchstes fragt sie bestimmt noch, ob wir zum Arzt fahren sollen um mich zu heilen oder sowas.
    Meine Augen f├╝llen sich mit Tr├Ąnen. Nein, ich werde jetzt ganz sich nicht weinen! Ich bereue nichts und brauche mich auch nicht zu sch├Ąmen oder sonst etwas, nur weil ich mir endlich kurze Haare geschnitten habe!
    "Ich kann so aussehen und sein wie ich will, das hat nichts damit zu tun, als was du mich haben willst. Wenn ich ein Junge w├Ąre, w├Ąre das vollkommen in Ordnung!"
    Ich werde nicht in mein Zimmer laufen. Ich bleibe da stehen, wo ich bin und schaue meiner Mutter weiterhin fest in die Augen.
    "Charlie... Ich- Ich wollte nicht sagen, dass etwas nicht mit dir stimmt", sagt sie. Irgendwie habe ich das Gef├╝hl, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht. "Ich meine ja nur, vielleicht bist du gerade in einer Phase, wo du dir nicht ganz sicher mit dir bist. Das hat doch jeder mit 14 oder 15 Jahren."
    Eine Phase. Genau das ist der Hauptgrund, warum ich nicht vorhabe, mich in n├Ąchster Zeit als komplett queer zu outen. Verstehen wird sie mich ja eh nicht.

    Obwohl ich stark bleiben und nicht fliehen wollte, halte ich es einfach nicht mehr mit ihr zusammen aus. Ich drehe mich von ihr weg, streife mir meine Schuhe ├╝ber, greife im Loslaufen meine Jacke und meinen Schl├╝ssel und renne dann die Treppen herunter. Ich habe mir nicht im Geringsten ├╝berlegt wohin ich will, Hauptsache weg.
    W├Ąhrend ich durch den Regen davonrenne, kann ich langsam wieder klare Gedanken fassen.

    Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und rufe Freya an, die einzige Person, der ich in diesem Moment vertraue. Die Person, bei der ich mich so geborgen und sicher f├╝hle, wie sonst nirgends. Es ist mir egal, ob sie gerade isst oder nicht. Mit dem Starksein ist es endg├╝ltig vorbei und unter Tr├Ąnen erz├Ąhle ich ihr kurz, was meine Mutter gesagt hat.
    "Und als sie dann alles als eine Phase abgetan hat, ohne ├╝berhaupt zu wissen wovon sie redet, habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten", sage ich, gefolgt von einem weiteren Schluchzer. Nach einer kurzen Pause fragt Freya am anderen Ende der Leitung: "M├Âchtest du erstmal bei uns vorbei kommen? Ich habe mich vor meinen Eltern schon geoutet und seit sie mehr ├╝ber lgbt wissen, sind sie auch deutlich verst├Ąndnisvoller. Au├čerdem ist noch Lasagne da, wenn du dich beeilst m├╝ssen wir sie nicht einmal aufw├Ąrmen."
    "Danke, ich bin gleich da. Ich w├╝sste echt nicht, was ich ohne dich jetzt machen sollte, au├čer weiter im Regen stehen."
    Ich schalte mein Handy wieder auf Standby und gehe in Richtung von Freyas Wohung.
    Bis ich endlich in ihrer Stra├če ankomme, bin ich trotz Jacke ziemlich durchn├Ąsst.

    Zum Gl├╝ck kenne ich Freyas Familie schon seit Jahren, daher habe ich nicht das Problem, ob ich sie siezen oder duzen soll.
    "Charlie, sch├Ân dich auch mal wieder zu sehen! Freya hat schon erz├Ąhlt, dass ihr eure Freundschaft wieder etwas mehr ausbaut", begr├╝├čt mich Thea, ihre Mutter.
    "Ja, wir machen in letzter Zeit wieder mehr miteinander."
    Dann essen wir erstmal schweigend die Lasagne, die nebenbei bemerkt extrem gut schmeckt. Ich versuche, mich m├Âglichst gl├╝cklich zu zeigen, aber die Worte meiner Mutter lassen mich so schnell nicht los. "Ist alles in Ordnung?", fragt Freyas Vater. Er merkt ziemlich schnell, wenn es jemandem nicht gut geht.
    "Ich hatte nur einen kleinen Streit mit meiner Mutter, deshalb bin ich auch so spontan vorbeigekommen. Sonst h├Ątte ich fr├╝her Bescheid gesagt."

    Nach dem Essen gehe ich mit in Freyas Zimmer, wo wir uns auf ihr Bett setzen.
    "M├Âchtest du reden?", fragt Freya mich. Ich nicke und k├Ąmpfe meine aufkommenden Tr├Ąnen nieder. "Meine Mutter versteht mich einfach nicht. Sie sollte mich doch lieben, so wie ich bin und nicht versuchen, mir meine Eigenschaften auszureden. Sie wei├č nichts ├╝ber mich und meine sexuelle Identit├Ąt", sage ich mit etwas ged├Ąmpfter Stimme, damit nur Freya h├Ârt was ich sage.
    Freya legt ihren Arm um mich und legt ihren Kopf auf meine Schulter. "Wir kriegen das wieder hin, ok? Ich bin mir sicher, dass sie dich eigentlich liebt und nur nicht wei├č, wie sie mit der Situation umgehen soll."
    Eigentlich stimmt das wohl, trotzdem hat mich meine Mutter noch nie so sehr verletzt wie vorhin.

    9
    Am Morgen stehe ich extra fr├╝h auf und beeile mich, um meiner Mutter m├Âglichst aus dem Weg zu gehen. Au├čerdem trage ich einen Hoodie und setze die Kapuze erst wieder ab, nachdem ich aus dem Haus bin. Komischerweise ist es mir egal, was die Passanten denken. Erst, als ich an der Schule ankomme, habe ich pl├Âtzlich etwas Angst, wie meine Klassenkameraden reagieren k├Ânnten. Trotzdem setze ich die Kapuze nicht wieder auf, man sollte sich doch nicht f├╝r Haare sch├Ąmen, oder? Und siehe da, meine Angst war wirklich unbegr├╝ndet. Einige der M├Ądchen sagen, es w├╝rde mir gut stehen, aber der Rest der Klasse gibt nicht einmal einen Kommentar ab. Als ich mir das letzte Mal die Spitzen schneiden lassen habe, gab es sogar mehr Drama.
    In den ersten Stunden haben wir heute Religion, aber eigentlich machen wir nur Ethik, was den Unterricht viel besser macht. Danach bekommen wir unsere Halbjahreszeugnisse und d├╝rfen wieder gehen.

    Wie so oft streiten sich die Jungen in meiner Klasse in der kurzen Pause. Unsere Lehrerin holt sich einen Tee und deshalb sind wir kurz alleine, was man 14 bis 15 J├Ąhrigen ja auch zutrauen k├Ânnen sollte. Aber nicht allzu selten f├╝hlt man sich, als w├Ąre das hier noch ein Kindergarten. Zum Gl├╝ck bin ich inzwischen ganz gut darin, die anderen auszublenden - meistens.
    "Alter du bist so schwul!"
    Solche Bemerkungen haben mich schon immer auf die Palme gebracht, weil ich mich dadurch pers├Ânlich angegriffen f├╝hle, und das sogar schon, bevor ich mich als queer gesehen habe. Ich ├Âffne den Mund, um Niklas zurechtzuweisen, aber bevor ich einen Ton herausbekomme, sagt Louis selbst etwas. Anscheinend war er gerade gemeint.
    "Na und? Ist was falsch daran? Alter, du bist ja sooo straight", erwidert er sarkastisch und verdreht die Augen.
    Daraufhin herrscht erst einmal Stille, in der Louis realisiert, was er gerade gesagt hat.
    Frau Deters kommt wieder in das Klassenzimmer. "Ist etwas passiert? Normalerweise seid ihr nicht so leise." Niemand sagt etwas. "Gut, unser n├Ąchstes Thema ist ├╝brigens Diskriminierung und sexuelle Identit├Ąt. Was wir jetzt machen, z├Ąhlt ├╝brigens in die Note f├╝r das zweite Halbjahr."
    Weil sich noch immer niemand traut etwas zu sagen, f├Ąngt Frau Deters mit dem Unterricht an. "Ich habe mir gedacht, dass wir zum Einstieg eine Sch├Ątzaufgabe ├╝ber den Anteil von queeren Personen machen k├Ânnten. Wenn alle einverstanden sind, k├Ânnten wir auch anschlie├čend eine anonyme Umfrage in der Klasse machen. Ist jemand dagegen? Falls ja, sagt das bitte, daran ist nichts schlimmes." Niemand meldet sich. "M├Âchte jemand eine Sch├Ątzung abgeben?"
    Sophie meldet sich: "Ich w├╝rde sagen, eine Person in unserer Klasse ist queer."
    Z├Âgerlich melde ich mich auch zu Wort. "Ich w├╝rde eher zwei sch├Ątzen."
    "Ich auch", sagt Louis.
    Nachdem jeder eine Zahl zwischen 1 und 4 gesagt hat, d├╝rfen wir ├╝ber unsere Smartphones auf eine Internetseite f├╝r anonyme Umfragen gehen. Wir sollten extra heute alle unsere Handys mitbringen. Auf der Seite gibt es zwei Auswahlm├Âglichkeiten: cis+hetero und queer. "Cis bedeutet, dass man sich dem Geschlecht zugeh├Ârig f├╝hlt, mit dem man k├Ârperlich geboren wurde und hetero hei├čt, dass man als Frau M├Ąnner liebt und anders herum. Alle anderen Geschlechter und Sexualit├Ąten sind unter queer zusammengefasst", erkl├Ąrt unsere Lehrerin kurz. "Wer sich ├╝berhaupt nicht sicher ist oder doch nicht mitmachen m├Âchte, enth├Ąlt sich bitte einfach. Niemand kann sehen, wer was antwortet."
    Von den 27 Personen haben exakt zwei queer angegeben und ich bin mir sicher, dass ich wei├č, wer die beiden sind. Allerdings sind nur 26 Stimmen abgegeben worden.
    "Ich m├Âchte noch einmal ausdr├╝cklich darauf hinweisen, dass niemand sich f├╝r seine Gef├╝hle sch├Ąmen muss und, unter meiner Aufsicht, definitiv nicht deswegen benachteiligt wird. Auch sonst seid bitte tolerant und verwendet Adjektive wie schwul und behindert nicht als Schimpfw├Ârter, denn das sind sie nicht. Und auch nicht als Witz. Alle Geschlechter und Sexualit├Ąten sind gleich normal, auch wenn manche vielleicht seltener sind. Die Umfrage war dazu gedacht um euch zu zeigen, dass lpbgst nicht jeder heterosexuell und cis ist und dass man niemandem deren Sexualit├Ąt und Geschlecht ansehen kann."

    Anders als in den letzten Jahren wird nicht mehr so ein gro├čes Theater ├╝ber die Zeugnisausgabe veranstaltet, wor├╝ber ich auch froh bin. Abgesehen davon, dass es einfach weniger unn├Âtiges Trara gibt, kommen wir so auch schneller nach Hause.
    Ich ├╝berfliege meine Noten, die meisten sind 2en oder 3en. Eine 4 ist dabei, aber auch zwei 1en. Nicht das beste Zeugnis, aber immerhin etwas besser als mein letztes, wo ich einen Schnitt von exakt 2,5 hatte.

    Ich habe etwas Angst, wie meine Mutter mich wohl empfangen wird und bin deshalb besonders auf der Hut. Allerdings scheint sie in ihrem eigenen Zimmer zu sein, weshalb ich nicht direkt mit ihr reden muss.
    Vor meiner Zimmert├╝r liegt ein Papier. Ich schlie├če die T├╝r hinter mir und setze mich mit dem Brief in der Hand auf das Bett.

    Hey Charlie,
    Es tut mir leid, wie ich gestern reagiert habe. Wenn du innerlich ein Junge sein m├Âchtest, ist das in Ordnung. Es war nicht richtig von mir, es als Phase abzutun. Vielleicht ist es das ja doch nicht und du wirst f├╝r immer so sein. Ich habe dir nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die du gebraucht h├Ąttest. Ich kann verstehen, warum du weggelaufen bist. Ich m├Âchte gerne f├╝r ich da sein und dich unterst├╝tzen. Du kannst immer zu mir kommen und mit mir sprechen.
    Von deiner Mutter, die dich liebt ÔÖí


    Ich bezweifle immer noch, dass sie mich auch nur ansatzweise versteht. Zun├Ąchst einmal bin ich kein Junge, aber ok, das wei├č sie nicht. Trotzdem, wenn ich ein trans Junge w├Ąre, dann w├╝rde ich nicht innerlich einer sein wollen, sondern w├Ąre schon einer. Au├čerdem ist der ganze Text so formuliert, als w├Ąre sie entt├Ąuscht von mir und sich. Vielleicht w├Ąre ich ja doch f├╝r immer so. Sie h├Ątte mir nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Warum kann sie nicht verstehen, dass das Geschlecht keine Krankheit oder ein Erziehungsfehler ist?
    Ich k├Ânnte zu ihr gehen und mit ihr reden, wie sie ja will. Aber ich habe weder Lust auf eine Diskussion, noch dass sie mir wieder vermittelt, es sei falsch. Ich bin genderflux und stehe auf M├Ądchen und daran ist niemand Schuld, weil es vollkommen richtig ist. Punkt. Meine Mutter sollte definitiv an meiner Stelle in Frau Deters' Unterricht gehen.
    Nichtsdestotrotz sind in meinem Inneren Zweifel. Vor einem knappen Jahr habe ich mir endlich voll und ganz eingestanden, queer zu sein und es nicht selber, unbewusst wie bewusst, als Phase zu sehen. Manchmal kommen in mir aber Gedanken hoch, wie dass ich mir nicht sicher sein k├Ânnte oder eben, dass meine Mutter vielleicht Recht hat. Ich wei├č, dass es keinen Grund gibt, das zu glauben. Nur sind Gef├╝hle und Gedanken nicht immer leicht zu kontrollieren.

    Um mich abzulenken schreibe ich Freya.

    Hey ^^

    Hi

    Hast du morgen vielleicht Zeit was mit mir zu machen?

    Naja, wenn du Marvelfilme magst ja. Ich habe n├Ąmlich schon Kinokarten. Du k├Ânntest mitkommen wenn du m├Âchtest, ich habe n├Ąmlich eine Karte ├╝ber, weil mein Vater doch nicht mit will.

    Ja, das w├Ąre voll cool! Welcher Film ist es denn?

    Avengers Infinty War

    im April soll die Fortsetzung rauskommen


    Cool, ich habe den Film tats├Ąchlich noch nicht geguckt, obwohl ich Marvelfan bin. Soll ja n riesen Cliffhanger sein und ich will nicht zu lange auf die Aufl├Âsung warten m├╝ssen ­čśů

    Haha genau das war auch mein Grund ­čśé

    ­čśéÔŁĄ Wann ist die Vorstellung?

    morgen um 13 Uhr f├Ąngt der Film an:)

    Gut, ich komme dann bei dir vorbei, ok? <3

    Ok ­čĺ×

    Ach so, wenn meine Mutter es erlaubt, k├Ânnte ich dann vielleicht bei dir ├╝bernachten? Ich k├Ânnte Filme und Chips mitbringen und dann machen wir es uns gem├╝tlich

    gerne! ÔŁĄ Dann bis morgen?

    Bis morgen ­čśś

    ­čśś

    "Mama?", frage ich und klopfe z├Âgerlich an ihre T├╝r. Ich habe nicht vor, ihr meine Gef├╝hle zu erkl├Ąren, zumindest nicht jetzt. Ich werde sie nur fragen, ob ich mit Freya und Kino darf und einmal sagen, dass alles gut ist.
    "Komm rein! Charlie, es tut mir wirklich leid, das gestern. Ist alles gut?", fragt meine Mutter mich und ich kann nicht einordnen, ob sie wirklich besorgt ist.
    "Ja, mir geht es gut. Ich wollte nur fragen, ob ich morgen mit Freya ins Kino darf", antworte ich daher. Mit einem leicht ├╝berraschten Blick sagt meine Mutter: "Klar. Brauchst du Geld f├╝r die Karte?"
    Ich bin erleichtert, dass sie es einfach so hinnimmt. Vielleicht f├╝hlt sie sich tats├Ąchlich schuldig und m├Âchte mir jetzt mehr Freiraum geben? "Nein, sie hat noch ein Ticket ├╝ber. Kann ich danach bitte noch bei Freya ├╝bernachten?"

    10
    Heute Morgen bin ich nach dem ersten Wecker direkt hellwach und stehe ausnahmsweise mal gl├╝cklich und voller Elan auf. Wahrscheinlich, weil ich im Grunde gleich, in gerade einmal anderthalb Stunden, ein Date habe. Und die brauche ich, um zu fr├╝hst├╝cken, zu duschen und mich generell fertig zu machen. Zugegebenerma├čen ist es auch nicht mehr sehr fr├╝h am Morgen, sondern schon elf Uhr, was vielleicht auch eine kleine Rolle spielt.
    In Rekordzeit sitze ich am K├╝chentisch und esse zwei Br├Âtchen.
    Auch die kurze Fahrt zu Freya geht schneller als erwartet, sodass ich etwas zu fr├╝h da bin. Aber das macht nichts, weil Freya auch zu schnell war.
    L├Ąchelnd kommt sie aus dem Haus: "Auch zu fr├╝h, was?"
    Ebenfalls lachend umarme ich sie und dr├╝cke ihr nach einem kurzen Seitenblick einen Kuss auf die Lippen. Wieder ist es so, als w├╝rde ein kleines Feuerwerk in mir explodieren.

    Bis zum Kino ist es nicht sehr weit und so f├Ąhrt Freya mit ihrem Fahrrad und ich auf meinem Skatebord an ihrer Seite. Da wir die Karten schon haben, m├╝ssen wir nur noch Snacks kaufen. Der Gerechtigkeit wegen und, okay, auch meiner Liebe verschuldet, ├╝bernehme ich das.
    Zusammen mit unseren Nachos gehen wir zu den Pl├Ątzen, die relativ weit hinten im Saal sind. Noch ist es so gut wie leer, die wenigen anderen Leute sitzen au├čerdem in Reihen, die weiter vorne liegen. Nach und nach f├╝llt sich der Saal und schlie├člich gehen auch die Lampen langsam aus. Nach der Werbung h├Âren auch alle Gespr├Ąche auf. Ich greife Freyas Hand und endlich beginnt auch der Film.

    Zweieinhalb Stunden sp├Ąter verdunkelt sich die Leinwand und langsam wird die Deckenbeleuchtung wieder eingeschaltet.
    Im Kinosaal ist es so still, dass man eine Stecknadel fallen h├Âren k├Ânnte, wenn nicht der gesamte Boden mit Teppich ausgelegt w├Ąre.
    "Sobald Endgame rauskommt, schauen wir uns den Film an, oder?", breche ich schlie├člich das Schweigen, obwohl die Antwort bereits klar ist: "Definitiv. Die Leute, die den Film schon letztes Jahr gesehen haben tun mir leid. Wie halten die das so lange aus?"
    Obwohl der Film echt gut gemacht war, ist unsere Stimmung weiterhin nicht gerade gut.
    "Ich habe meine Sachen schon gepackt", sage ich. "Ich muss nur noch eben den Rucksack mitnehmen. Wir k├Ânnten uns ├╝brigens noch einmal Thor Ragnarok angucken, den habe ich auf DVD." Freya nickt zustimmend und l├Ąchelt.

    Auf dem Weg zu Freyas Wohung halten wir kurz bei mir, wo ich die Treppen hochsprinte, mir meinen Rucksack schnappe und ihn mir eben ├╝ber die rechte Schulter werfe. Ich bin schon wieder im Treppenhaus, als mir einf├Ąllt, dass ich ja noch den Film einstecken wollte.
    Als ich endlich wieder unten bin, erwartet mich Freya.
    "Na endlich", sagt sie mit einem gespielt genervten Tonfall. "Hast ja ganz sch├Ân lange gebraucht."
    Lachend antworte ich ihr: "Ja, ich habe die DVD erstmal liegen lassen und musste dann wieder einen Stock hoch und sie holen. Bin ein bisschen verpeilt in letzter Zeit."
    Dann fahren wir wieder los und kommen wenig sp├Ąter auch bei Freya Zuhause an.
    Nachdem ich meine Tasche in ihrem Zimmer abgestellt habe, setzen wir uns mit Chips und Cola auf das Sofa im Wohnzimmer und legen die DVD ein. Ich lege meinen Arm um Freya und als sie ihren Kopf an meine Schulter lehnt, wird das Kribbeln in meinem Bauch immer st├Ąrker. Der Film hat von der ersten Szene an unz├Ąhlige witzige Momente und lenkt uns so von dem Cliffhanger ab.

    Nachdem wir fertig geschaut haben, gehen wir r├╝ber, um f├╝r die Nacht alles vorzubereiten.
    "Ich denke es ist das beste, wenn ich meine Matratze einfach auch auf den Boden lege", sagt Freya. Ich nicke zustimmend, so k├Ânnen wir direkt nebeneinander liegen, anstatt auf verschiedenen H├Âhen. Ihr Zimmer ist gro├č genug, sodass wir beide nebeneinander schlafen k├Ânnen, auch wenn dann der ganze Fu├čboden mit Matratzen zugepflastert ist.
    "In einer halben Stunde gibt es Abendbrot, danach k├Ânnten wir noch etwas spielen, wenn du m├Âchtest."
    "Klingt gut. Wei├čt du, was es heute bei euch gibt?", frage ich.
    "Ich glaube Reis und eine Gem├╝sepfanne, ich bin mir aber nicht sicher."

    Ein leckeres Essen und eine Partie Monopoly sp├Ąter gehen wir wieder in Freyas Zimmer.
    Wir legen uns so nebeneinander, dass wir uns gegenseitig in die Augen schauen k├Ânnen. Ich l├Ąchle und kuschle mich in mein Kissen. Beinahe sp├╝re ich Freyas Atem in meinem Gesicht, so nah sind wir einander. Es kommt mir surreal vor, dass wir seit fast einer Woche zusammen sind. Es sind zwar nur sechs Tage, aber es kommt mir viel l├Ąnger vor.
    "Ich liebe dich", fl├╝stere ich ihr zu, obwohl wir es eigentlich beide schon wissen. "Wusstest du, dass du ganz leichte Sommersprossen hast? Die machen dich irgendwie noch sch├Âner." Obwohl ich dachte, dass das nicht m├Âglich w├Ąre, f├╝ge ich in Gedanken hinzu.
    "Danke", sagt Freya. "So wie dein kleines Muttermal am linken ├Ąu├čeren Augenwinkel."
    "Ich wusste gar nicht, dass ich das habe", sage ich ├╝berrascht und l├Ąchle ebenfalls.
    "Doch, schon immer, und du siehst total s├╝├č damit aus."
    "Ich will aber nicht s├╝├č sein", kichere ich.
    "Tja, dein Pech. Du bist n├Ąmlich der s├╝├česte Mensch den ich kenne!", neckt Freya mich weiter.
    "Ich dachte immer, du w├Ąrst ein lieber Engel, aber das gerade... Das bekommst du zur├╝ck!"
    Ich ziehe mein Kissen unter meinem Kopf hervor und schlage Freya spielerisch damit. Wir m├╝ssen beide lachen, als sie es zur├╝ckschleudert und wir uns in einer ausgewachsenen Kissenschlacht wiederfinden.

    "Stopp, ich kann nicht mehr", keucht Freya schlie├člich und auch ich bin etwas au├čer Atem.
    "Ergibst du dich also?"
    "Du bist kindisch"
    "Das sind wir doch beide. Also?"
    "Jaja, ich ergebe mich, bitte hab Gnade", sagt sie schmunzelnd.
    "Na sch├Ân, aber nur weil du es bist", antworte ich grinsend. "Nicht weil ich auch ersch├Âpft bin oder so."
    Ich lasse mich zur├╝ck auf meine Matratze fallen.
    "Ich finde es cool, dass du auch sowas mitmachst, Charlie."
    "Was war daran denn bitte cool?"
    Wir beide m├╝ssen lachen.
    "Wenn ich jetzt sage du, w├Ąre das sehr kitschig?"
    "Irgendwie schon, aber mach ruhig wenn du willst."
    "Was ich eigentlich sagen wollte, ich finde es sch├Ân, dass du auch Quatsch mitmachst, in der Schule wirkst irgendwie du oft so ernst. Ich dachte ehrlich, wir h├Ątten uns auseinander gelebt."
    "Ich f├╝hle mich etwas schlecht, unser Kontakt ist ja haupts├Ąchlich wegen mir abgebrochen..."
    "Wieso wegen dir?"
    "Naja, ich war immer nur bei den ganzen nervigen Leuten aus meiner Klasse, anstatt mal was mit dir zu machen."
    "Aber ich habe mich auch ziemlich zur├╝ckgezogen, von mir aus."
    "Ich wollte mich eigentlich oft zu dir stellen und nicht zu meinen Klassenkameraden, aber ich dachte, wenn ich einfach so weglaufe, w├╝rden die mich nicht mehr m├Âgen oder so. Ziemlich dumm im Nachhinein, oder?"
    "Aber verst├Ąndlich. Und jetzt haben wir sowieso wieder zusammengefunden, also ist alles gut, oder?"
    "Ja, du hast Recht."
    Wir unterhalten uns noch lange und vergessen die Zeit, w├Ąhrend wir lachen, in Erinnerungen schwelgen und immer mehr ├╝ber einander erfahren, obwohl wir uns gr├Â├čtenteils schon in- und auswendig kannten.
    Irgendwann ist das einzige, was ich von Freya noch h├Âre ihr ruhiger Atem.

    Einmal wache ich auf, drau├čen ist es noch stockdunkel. Anscheinend habe ich mich im Schlaf gedreht, denn ich liege mit dem R├╝cken zu Freya. Sie hat sich an mich gekuschelt und ihren Kopf an meinen Nacken geschmiegt. Mir einem L├Ącheln im Gesicht d├Ąmmere ich langsam wieder weg.

    11
    Pock! Pock! Pock!
    Das Klopfen rei├čt mich abrupt aus meinen Gedanken, die sich um die wundersch├Âne Nacht gestern drehen.
    "Ja?", sage ich.
    Meine Mutter kommt in mein Zimmer und an ihrem ernsten Blick erkenne ich, dass ich sie nicht einfach loswerden k├Ânnen werde.
    "Wir m├╝ssen reden, Charlie."
    Durch ihre feste Stimme wirkt der Satz noch kompromissloser als sowieso schon. Ich beschlie├če, dass es nichts bringt, wenn ich ihr auszuweichen versuche. Lieber so direkt wie m├Âglich.
    "Stimmt", antworte ich deswegen. "Ich bin kein Junge und wenn, dann w├Ąre das nicht schlimm."
    Meine Mutter zieht die Augenbrauen hoch, wahrscheinlich hat sie mit allem gerechnet, nur nicht damit.
    "Charlie, ich wollte nicht sagen, dass du falsch w├Ąrst. Ich w├╝rde dich gerne verstehen und dir helfen, aber dazu musst du offen mit mir reden", sagt sie nun in einem sanfteren Tonfall. Trotzdem klingt noch dieser Unterton mit, dem ich nicht vertrauen mag.
    "Ich brauche nichts, Mama. Ich m├Âchte dir nur klarmachen, dass ich keine Phase bin."
    W├Ąhrend ich den Satz ausspreche, merke ich, dass es nicht ganz der Wahrheit entspricht. Ich brauche keine Hilfe, aber ich br├Ąuchte die Art von Unterst├╝tzung und Beistand, die meine Mutter mir einfach nicht gibt. Das, was mir mehr Offenheit zu ihr erlauben w├╝rde.
    Deutlich verzweifelter als erwartet erwidert meine Mutter: "Ich wollte dir doch nur meine Unterst├╝tzung anbieten, wo auch immer du sie brauchst. Und kannst du mir bitte sagen, welches Geschlecht du hast? Du wei├čt nicht, wie schwierig die ganze Ungewissheit f├╝r mich ist..."
    Sie klingt nicht mehr so, als w├╝rde sie mich hintergehen, sondern einfach nur noch besorgt. Vielleicht hatte Freya Recht und meine Mutter ist nur ├╝berfordert, vielleicht sollte ich ihr wirklich einfach alles erkl├Ąren.
    "Mama, es gibt mehr als zwei Geschlechter, okay? Ich bin kein Junge, ich bin genderflux. Girlflux, wenn du es genau wissen willst. Es gibt au├čerdem ├╝brigens auch mehr Sexualit├Ąten als hetero und homo, keine Ahnung ob du das wusstest." Ich klinge abweisender, als ich wollte, aber das ist mir gerade egal.
    Der Blick meiner Mutter ist zugleich besorgt und ablehnend. Trotzdem bem├╝ht sie sich, freundlich zu bleiben: "Vielleicht ist es keine Phase, vielleicht aber doch. Egal was, wir werden damit fertig. Du musst dich ja noch nicht festlegen, die Pubert├Ąt ist ja auch zum Ausprobieren und Entdecken da, nicht wahr?"
    Obwohl sie immer noch weder mein Gender noch meine Sexualit├Ąt wahr haben m├Âchte, toleriert sie mich wenigstens f├╝r den Moment - und ich habe etwas Zeit.
    "Solange du nicht gleich mit einem anderen M├Ądchen intim wirst, ist ja alles gut. Au├čerdem kann sich ja alles noch ├Ąndern, vielleicht ├╝berlegst du dir es noch einmal."
    Meint sie, ich solle ├╝berlegen welches Geschlecht und welche Sexualit├Ąt ich habe? Oder ich sollte doch ├╝berlegen, nicht doch lieber ganz normal auf Jungs zu stehen? - Was fast so l├Ącherlich wie unm├Âglich w├Ąre. Und: z├Ąhlt K├╝ssen als intim werden? Denn dann h├Ątte sie Pech gehabt.
    "War das jetzt alles?", frage ich. Mit einem Nicken wendet sich Mama ab und gehst wortlos aus dem Raum. Ich schlie├če die T├╝r und lehne mich daran. Seufzend lasse ich mich auf den Boden rutschen und ziehe meine Knie an die Brust.
    Ich kann einfach nicht mehr, es ist mir alles zu viel. Warum akzeptiert sie mich nicht einfach wie ich bin? Ich habe doch schon genug Druck - Vielleicht wirke ich so, als w├╝rde ich ohne Probleme mit der Schule klar kommen und nebenbei ├╝ber 20 Freundinnen haben. Aber ich habe einfach Angst davor, zu versagen. Ich will meinen Status in der Klasse nicht verlieren. St├Ąndig f├╝hle ich mich, als w├Ąre ich nicht gut genug und niemand bekommt mit, wie ich innerlich zerbreche. Nur wenn ich mit Freya zusammen bin kann ich alles andere vergessen.
    Ich vergrabe mein Gesicht in meiner rechten Armbeuge und versuche, nicht zu laut zu schluchzen. Meine Tr├Ąnen versickern stumm in dem Stoff meines Hoodies.

    "Meine Mutter kommt immer noch nicht damit klar, dass ich queer bin. Sie meinte, ich soll es mir noch einmal ├╝berlegen - als k├Ânnte ich mir das aussuchen und w├╝rde mich f├╝r sie ├Ąndern!"
    Aufgebracht trete ich gegen einen Kieselstein, der auf dem Weg hier im Park liegt.
    "Sie wird es schon noch akzeptieren", sagt Freya, die neben mir l├Ąuft. "Nat├╝rlich verh├Ąlt sie sich vollkommen falsch, aber du darfst trotzdem nicht vergessen, dass du viel mehr Zeit hattest um ├╝ber deine Identit├Ąt nachzudenken."
    Mit einem leicht gequ├Ąlten Blick seufze ich und antworte dann: "Ja, schon... Aber ich musste ja auch erstmal rausfinden, wie ich bin. Sie muss es nur akzeptieren!"
    "Stimmt, aber das wird bestimmt noch kommen - und ich unterst├╝tze dich sowieso."
    Als Freya nach meiner Hand greift, dr├╝cke ich sie dankbar. Ich bin so froh, dass ich sie habe.
    "Wie hast du eigentlich rausgefunden, dass du omnisexuell bist? Also woher wusstest du, dass bi, poly, pan oder so nicht besser passt?", frage ich.
    "Naja, ehrlich gesagt dachte ich lange, ich w├Ąre bi", sagt Freya. "Aber das hat sich immer irgendwie falsch angef├╝hlt. Ich habe dann im Internet ziemlich viel gesucht und bin auch auf Pansexualit├Ąt gesto├čen, aber wie gesagt ist Gender f├╝r mich nicht unbedeutend. Und zu sagen, dass ich omni bin, f├╝hlt sich einfach richtig an. Ich glaube aber, das zweite ist sowieso wichtiger."
    "Ich hatte das auch schon mehrfach, dass ein Label einfach gepasst hat, aber irgendwie tut es das nach ein paar Monaten nicht mehr. Inzwischen habe ich gar keine Ahnung mehr, was ich eigentlich bin", sage ich. "Ich wei├č ja, dass man sich nicht labeln muss, aber es f├╝hlt sich an, als br├Ąuchte ich einfach ein Wort f├╝r meine Gef├╝hle." Ich blicke hilfesuchend zur Seite, als br├Ąuchte ich eine Best├Ątigung, dass Freya mich versteht. "Ich meine, es gibt ja W├Ârter wie sapphic, aber es ist mir zu ungenau einfach zu sagen, dass ich mindestens Frauen mag."
    "Ich bin mir sicher, du findest noch ein passendes Label. Aber ich verstehe, was du meinst, mich hat es auch aufgeregt, als ich nur W├Ârter kannte, die sich nicht richtig anf├╝hlten."
    Schweigend nicke ich, fühle mich aber schon ein bisschen besser. Allein, dass Freya bei mir ist schenkt mir ein Gefühl von Geborgenheit. An ihrer Hand kann ich ihren Puls fühlen, rhythmisch und beruhigend.
    Ein kleiner Regentropfen f├Ąllt mir auf die Stirn, gefolgt von einem weiteren und dann noch einem. Die vereinzelten Tropfen werden zu einem leichten Spr├╝hregen, der allerdings noch nicht allzu sehr nervt. Ich wei├č, dass Freya Regen an sich sogar mag, solange er schwach ist und so spazieren wir in einem gem├╝tlichen Tempo weiter.

    Als der Spr├╝hregen sich langsam zu einem ausgewachsenen Starkregen entwickelt, beschlie├čen wir, bei Freya Zuhause Unterschlupf zu suchen.
    "Mama, Charlie bleibt eben hier, bis der Regen nachl├Ąsst, ja?", ruft Freya, sobald sie die T├╝r aufgeschlossen hat.
    "Ja, nat├╝rlich. Ich koche gerade, sie kann auch mitessen!", ruft sie zur├╝ck. Unwillk├╝rlich zieht sich in mir etwas zusammen, obwohl ich gerne mitessen m├Âchte. Vielleicht ist es wegen den Pronomen, vielleicht aber auch, weil sie so viel netter zu mir ist als meine eigene Mutter.

    In Freyas Zimmer setzen wir uns auf ihr Bett. Ich lehne mich an die Wand und schaue zu Freya. Sie schaut mich mit einem L├Ącheln an und wie automatisch bewegen sich meine Mundwinkel ebenfalls nach oben. Erst jetzt f├Ąllt mir auf, dass Freya rechts ein mega s├╝├čes Gr├╝bchen hat.
    Ich schlage meine Beine um, sodass ich komplett zu Freya gedreht bin. Fast wie abgesprochen setzen wir gleichzeitig zu einem Kuss an. Als ich ihre H├Ąnde in meinem Nacken sp├╝re, durchf├Ąhrt mich wie bei jeder Ber├╝hrung ein angenehmer Schauer. Ich schlie├če meine Augen und lasse mich voll und ganz auf die Gef├╝hle ein. Freya weiche Lippen, ihr warmer Atem, alles ist so perfekt. Ich schlinge meine Arme um Freya und will sie nie mehr loslassen.
    Der Regen, der gegen das Fenster prasselt h├Ârt sich unendlich fern und unbedeutend an. Wieder f├╝hlt es sich so an, als g├Ąbe es nur uns beide auf der Welt. Ich f├╝hle mich, als w├╝rde ich schweben... so leicht und gl├╝cklich und - pl├Âtzlich h├Âre ich, wie die T├╝r schwungvoll ge├Âffnet wird.
    "Es gibt Es-... oh."
    Ich l├Âse mich abrupt von Freya und sp├╝re, wie meine Wangen anfangen zu brennen.
    "Entschuldigung, ich wollte wirklich nicht st├Âren", sagt Thea leicht peinlich ber├╝hrt. "Wenn ihr wollt, k├Ânnt ihr gleich Essen kommen."
    Dann dreht sie sich um und schlie├čt die T├╝r hinter sich.
    Nach einigen Sekunden betretener Stille die sich anf├╝hlen wie eine Stunde breche ich leicht ├╝berrascht das Schweigen: "Sie hat wirklich kein gro├čes Problem damit, oder?"
    "Nein, sag ich doch, trotzdem h├Ątten wir ihr unsere Beziehung vielleicht diskreter beibringen k├Ânnen. Aber das ist ja jetzt eher obsolet, oder?"
    "Ja, klar", antworte ich.

    Dann gehen wir ins Wohnzimmer und setzen uns an den Tisch.
    Ich meide den Blickkontakt zu Freyas Eltern, da es mir ausgesprochen unangenehm ist, wie wir eben ├╝berrascht wurden. Schweigend nehme ich mir eine kleine Portion des lecker riechenden Auflaufs. Wir vier essen schweigend und obwohl ich wei├č, dass das Essen hier immer gut schmeckt, ├╝berrascht es mich jedes Mal. Schlie├člich lege ich mein Besteck aber zur Seite, denn wir haben noch etwas vor. Mein Herz schl├Ągt vor Aufregung und, ich gebe es ja zu, auch etwas vor Angst, schneller, sodass ich mein eigenes Blut in den Ohren rauschen h├Âre.
    "Wir... wollten euch etwas sagen", bricht Freya das Schweigen. Ich hole tief Luft und bekomme die Worte trotz zitternder Stimme sicher ├╝ber meine Lippen: "Freya und ich sind seit einer Woche zusammen." Ich werfe beiden einen Blick zu und klammere mich unter dem Tisch an Freyas Hand. Sie ist leicht verschwitzt, aber das ist mir egal. Ihr Vater zieht die Augenbrauen leicht hoch, antwortet aber freundlich: "Sch├Ân, ihr beide habt euch schon immer so gut verstanden. Du bist immer hier willkommen, Charlie." Auch Thea l├Ąchelt uns an.
    "Ja, auf jeden Fall. Es freut mich, dass ihr euch gefunden habt und zusammen so gl├╝cklich seid."
    Ich kann f├Ârmlich sp├╝ren, wie nicht nur mir sondern auch Freya ein riesiger Stein vom Herzen f├Ąllt. Erleichtert atme ich auf und muss auch schmunzeln. Am liebsten w├╝rde ich laut los lachen, meine Angst ist komplett verflogen und ich f├╝hle mich einfach nur noch unendlich frei und gl├╝cklich.
    Mit fast schon Freudentr├Ąnen in den Augen nehme ich mir noch eine Portion und wir alle essen gl├╝cklich weiter.

    Zur├╝ck auf Freyas Bett fragt diese mich, ob wir uns morgen wieder treffen k├Ânnten und falls ja, was wir machen wollen.
    "Wir k├Ânnten ins Caf├ę und danach zu mir nach Hause gehen, wenn du willst. Magst du Mario Kart? Oder irgendein anderes Spiel?", frage ich zur├╝ck und schlage meine Beine ├╝bereinander.
    "Gerne!", erwidert sie. "Ich habe das aber seit Ewigkeiten nicht gespielt, wunder dich nicht, wenn ich erst ziemlich schlecht bin."
    "Ach Quatsch, sag doch lieber, dass alles Absicht ist und du mich gewinnen lassen m├Âchtest", schlage ich lachend vor.

    12
    Im Caf├ę setzen wir uns an den selben Tisch, wie schon am Donnerstag letzter Woche. Wie ├╝blich werden die G├Ąste, somit auch wir, sehr schnell bedient, weshalb das Caf├ę einen zu Recht guten Ruf hat.
    "Was m├Âchten Sie?", fragt die Kellnerin freundlich, die schr├Ąg hinter mir steht an Freya gewandt. Nickend notiert sie sich den Eiskaffee. "Und der junge Herr?"
    Ich brauche einen Moment um zu merken, dass ich gemeint bin.
    "Auch. Ich h├Ątte gerne auch einen Eiskaffee", stottere ich halb, w├Ąhrend ich eine unbegr├╝ndete Freude sp├╝re. Wie durch einen Nebel nehme ich die Entschuldigung der Kellnerin daf├╝r wahr, mich f├╝r einen Jungen gehalten zu haben. Ich bringe ein "Ist schon gut" hervor, wobei in mir ein komisches Gef├╝hl aufsteigt und ich mir fast schon auf die Zunge bei├čen muss, um nicht... vor Freude zu lachen? Warum bin ich gl├╝cklich dar├╝ber, offensichtlich misgendered zu werden? Ich war mir doch sicher, kein Junge zu sein?
    Kaum, dass die Kellnerin sich abgewandt hat, beginne ich ein Gespr├Ąch, um meine Gedanken zu vertreiben.

    "Charlie, warte mal kurz", sagt meine Mutter und legt mir die Hand auf die Schulter, als ich von der Haust├╝r zu meinem Zimmer zur├╝ck gehe. "Du hast schon mehrfach angedeutet, dass du nicht auf Jungen stehst. Wenn du lesbisch bist, dann sag es mir bitte jetzt."
    "Ich stehe auf M├Ądchen, ja und? ├ändert das jetzt irgendwas?", frage ich als Antwort.
    "Wenn da etwas zwischen dir und Freya ist, ja, definitiv! Du kannst doch nicht einfach eine lesbische Beziehung f├╝hren. Such dir lieber einen netten, gleichaltrigen Jungen. Anstatt auch noch ein anst├Ąndiges M├Ądchen mit in deine Probleme zu ziehen. Ich habe dir doch meine Hilfe angeboten, die du nicht annehmen wolltest, stattdessen hast du immer abgeblockt! Wir m├╝ssen einmal klar dar├╝ber sprechen und zwar nicht morgen, nicht n├Ąchste Woche, nicht n├Ąchsten Monat, sondern jetzt. Ihr zusammen, richtig? Ich hab doch gesehen, wie ihr auf der Couch eben gekuschelt habt."
    "Mama, das geht dich einen schei├č Dreck an! Ich kann sehr wohl mit einem M├Ądchen zusammen sein, genauso gut wie mit einem Jungen! Sei doch einfach froh, dass ich nicht ungewollt schwanger werden kann. F├╝r mich ist es kein Problem auf M├Ądchen zu stehen, das liegt nur bei dir. Au├čerdem darfst du mich nicht als unanst├Ąndig bezeichnen." Mir l├Ąuft eine Tr├Ąne ├╝ber die Wange. "Du hast nie versucht, mich zu verstehen. Deine Hilfe war doch auch nur der Versuch, mich als psychisch krank abzustempeln. Ich habe abgeblockt, weil du mich sowieso nicht akzeptierst. Und ich habe Freya in nichts reingezogen! ├ťbrigens sind ihre Eltern im Gegensatz zu dir verst├Ąndnisvoll! Ich kann verstehen, warum Papa abgehauen ist, wenn ich erwachsen w├Ąre, w├╝rde ich das auch tun!"
    W├╝tend wische ich mir die Tr├Ąnen aus dem Gesicht, allerdings kann ich die n├Ąchsten nicht zur├╝ckhalten.
    "Lass mich doch einfach in Ruhe, ich will nichts mehr ├╝ber Sexualit├Ąten von dir h├Âren!"
    Ich st├╝rme aus dem Raum und schlie├če mich in meinem Zimmer ein. Ich h├Âre noch, wie meine Mutter zu einer Antwort ansetzt, ich solle doch warten. Nein, ich werde ganz sicher nicht wieder zu ihr gehen und mir anh├Âren, was sie zu sagen hat. Vielleicht ist es das Beste, wenn ich einfach weiterlebe wie bisher - mit ihr nur ├╝ber belanglose Sachen rede, ihr aus dem Weg gehe und meine Zeit alleine, mit Freunden oder Freya verbringe. Es ist mir mehr als egal, wie verletzt sie sich jetzt stellt. Als w├╝rde sie Papa immer noch hinterhertrauern!

    13
    In der 5-Minuten-Pause kommen Julia und Sophie mal wieder zu mir. Ein paar Tische weiter geht Niklas zu Louis, vielleicht um sich zu entschuldigen. Immerhin.
    "Charlie, hattest du eigentlich jemals einen Freund? Also so richtig, du wei├čt schon, einen festen", fragt Julia mich und grinst.
    "Ja genau!", stimmt Sophie ihr zu. "Wie w├Ąre es mit Dominik, dem aus der c?"
    Genervt verdrehe ich die Augen. Selbst wenn ich an Jungs interessiert w├Ąre, will ich doch nicht einen x beliebigen, nur weil er gerade frei ist und angeblich s├╝├č mit mir w├Ąre...
    Julia greift das Gespr├Ąch ├╝ber mich - an dem ich weder beteiligt bin noch beteiligt sein m├Âchte - wieder auf: "Nein, doch nicht Dominik, der passt gar nicht zu Charlie! Was w├Ąre denn mit Niklas?"
    Bis jetzt war mir das ganze relativ egal, aber das kann sie wirklich nicht ernst meinen, bitte nicht. Was sollte ich denn mit ihm, vor allem nach dem in Ethik neulich? Vorher hab ich ihn ja f├╝r ganz nett gehalten und wir haben uns sogar ganz gut verstanden, aber jetzt... Zu allem ├ťberfluss scheint Sophie von der Idee auch noch begeistert zu sein. ├ťbergl├╝cklich f├Ąngt sie an, Shipping-Namen f├╝r uns zu erfinden. Niklie. Charlas. Wo bin ich hier nur reingeraten? Ich hasse solche Namen sowieso, aber Charlas ist echt die Kr├Âung.
    "Ich will keinen Freund, okay?", unterbreche ich das Gerede schlussendlich scharf. "Au├čerdem ist er ├╝berhaupt nicht mein Typ."
    "Was magst denn nicht an Niklas? Wie soll dein Traummann sonst sein?", haken die beiden nach.
    "Ich habe jemanden und bin zufrieden, okay? K├Ânnen wir das Thema damit bitte einfach abhaken?", unterbreche ich die beiden immer gereizter.
    "Aber als ich eben gefragt habe ob du schonmal einen Freund hattest, hast du doch den Kopf gesch├╝ttelt oder nicht? ...Oh mein Gott, hast du etwa eine FreundIN?", kreischt Julia pl├Âtzlich.
    Neinneineinnein! Mehr als gerne w├╝rde ich die Zeit zur├╝ckdrehen oder wenigstens jetzt einfach verschwinden. Der erste klare Gedanke den ich wieder fassen kann, ist: Warum bin ich noch einmal mit denen befreundet? Vielleicht, weil ich einfach nicht alleine sein m├Âchte? Na danke auch.

    Den Rest des Tages melde ich mich kein einziges Mal mehr und gucke die meiste Zeit nur in mein Heft. Ich wei├č es nicht sicher, aber vermutlich hat mindestens die H├Ąlfte der Klasse unser Gespr├Ąch mitbekommen. Jedes mal, wenn ich daran denke ├╝berkommt mich von Neuem eine Welle von Scham. Der Moment kreist trotzdem durchgehend in meinem Kopf und ich kann mich auf nichts anderes konzentrieren.
    Noch im Treppenhaus schalte ich mein Handy ein, um Freya zu schreiben. Heute f├Ąllt bei Freya die letzte aus, weshalb sie schon Zuhause sein sollte. Ich brauche jetzt jemanden, der mich ernst nimmt, neben all den albernen Klassenkameraden von mir.

    Hey, mir ist vorhin was echt bl├Âdes passiert... Meine ganze Klasse wei├č jetzt, dass ich mit einem M├Ądchen zusammen bin ­čśź (keine Sorge, die wissen nicht, dass du es bist)

    Leider ist Freya nicht online, also stelle ich mich auf mein Skateboard und mache mich direkt auf den Weg.├╝
    Skateboard fahren hat mir schon immer gefallen, aber seit ich kurze Haare habe, f├╝hlt sich der Fahrtwind tausendmal besser an.
    Ich wei├č, gleich zwei riesen Klischees.

    In der Wohnung angekommen lasse ich die T├╝r hinter mir zu fallen und mache mir nicht die M├╝he, meinen Rucksack ordentlich abzustellen. Aus der K├╝che str├Âmt mir der unverkennbare Geruch von Pizza entgegen - nat├╝rlich keine vom Italiener, sondern eine aus der Tiefk├╝hlabteilung, wie immer.
    "Charlie! Kannst du bitte den Tisch decken?", ruft meine Mutter mir zu. Mit einem Seufzer gehe ich die wenigen Schritte bis zum Geschirrschrank in der K├╝che und greife zwei Teller.
    "Ach, und r├Ąum gleich nach dem Essen die Sp├╝lmaschine aus, ja?"
    "Jaja", antworte ich nur und unterdr├╝cke meinen gereizten Tonfall weitestgehend.

    Am Abend lasse ich mich ersch├Âpft auf mein Bett fallen und schaue noch eben, ob ich neue Nachrichten habe. Inzwischen hat Freya meine Nachricht gelesen und auch geantwortet. Mit einem L├Ącheln auf den Lippen schreibe ich ihr zur├╝ck und merke gar nicht, wie beim Chatten die Stunden vergehen.

    14
    Ich muss mich beeilen, um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen. Als letztes haste ich in den Raum, die T├╝r schl├Ągt leise hinter mir zu. Obwohl es schon nach acht Uhr ist, ist keine Spur von unserer Lehrerin zu sehen. Durch ein Fenster weiter hinten flutet glei├čendes Sonnenlicht den Raum, so sehr, dass es fast schon diesig wirkt. In der Ecke stehen Julia und Sophie und ich kann ihre Unterhaltung ohne Probleme mitverfolgen.
    "Charlie ist gerade gekommen! Ich dachte schon, sie w├╝rde sich versp├Ąten", sagt Julia.
    Irgendetwas in mir verkrampft sich und ich habe den Drang, abzuhauen. Ich ├Âffne die T├╝r hinter mir und trete in den Hof hinaus. Um mich herum sitzen Massen von Sch├╝lern und Lehrern auf den B├Ąnken und sie alle schauen zu mir. Ich laufe los, um so schnell wie m├Âglich hier weg zu kommen. Ich k├Ânnte mich einfach in einer Toilette einschlie├čen und abwarten.
    "Schau, die da vorne kann trotz ihrer kurzen Haare so unglaublich weiblich und sch├Ân aussehen!"
    "Findest du? Sie ist irgendwie komisch. Zu weiblich f├╝r einen Jungen und zu m├Ąnnlich f├╝r ein M├Ądchen."
    In der Zwischenzeit habe ich die T├╝ren erreicht. Aber welche soll ich nehmen? Gehetzt schie├čt mein Blick hin und her, bis ich schlie├člich wahllos eine T├╝r aufsto├če, die der M├Ąnnertoilette.
    "Ich denke, du bist im falschen Raum, S├╝├če!", schreien mir die Leute von allen Seiten zu. Die Rufe verschwimmen mit dem Lachen zu einer anschwellenden Masse, die sich immer schriller in mein Geh├Âr brennt. Mein Sch├Ądel f├Ąngt an zu pochen, alles dreht sich und ich muss verzweifelt meine Hand nach dem Waschbecken ausstrecken, um nach Halt zu suchen. Doch sobald ich mich von der T├╝r l├Âse,┬ábreche ich zusammen und lande unsanft auf den harten Fliesen unter mir.

    Vollkommen m├╝de und haupts├Ąchlich genervt rapple ich mich schlie├člich auf und lehne mich an mein Bett. Ich muss den Wecker beim l├Ącherlichen Versuch ihn auszuschalten versehentlich im Halbschlaf von der Ablage gefegt haben. Also habe ich mich nach ihm ausgestreckt und bin selber auch auf den Boden gefallen. Was f├╝r ein toller Start in den Tag. Ich habe ein Gef├╝hl, als w├Ąre etwas schlimmes passiert, aber ich wei├č nicht, was. Vielleicht habe ich schlecht getr├Ąumt?
    Zu allem ├ťberfluss sind alle meine Hoodies in der W├Ąsche und so muss ich die taillierte Jacke anziehen, damit mir warm genug ist. Ich f├╝hle mich f├╝rchterlich unwohl und erwische mich mehrfach dabei, wie ich unbewusst auf meinen Br├╝sten herumdr├╝cke oder meine Arme vor ihnen verschr├Ąnke.

    M├Âglichst schnell mache ich mich fertig, um dann direkt das Haus zu verlassen. Letzten Endes bin ich viel zu fr├╝h, sogar obwohl ich verschlafen habe.
    Hinter den H├Ąusern f├Ąrbt sich der Himmel erst langsam in einem kalten lila. Mein Atem bildet kleine W├Âlkchen, w├Ąhrend ich den B├╝rgersteig entlang fahre. Es ist so sch├Ân und friedlich, aber innerlich herrscht ein reinstes Chaos. Irgendwie f├╝hlt sich alles falsch an - ich f├╝hle mich weder weiblich noch geschlechtslos. Vielleicht kann ich es einfach nicht einordnen.
    Es ist noch so fr├╝h am Morgen, dass die Sonne nicht einmal richtig aufgegangen ist und ich bin dementsprechend ziemlich m├╝de. Anstatt noch eine kleine Runde zu drehen, setze ich mich allerdings auf eine der B├Ąnke vor der Schule und warte ab, bis es zum ersten mal l├Ąutet.

    Im Chemieunterricht h├Âre ich kaum zu und starre mehr durch die Tafel hindurch, als auf die angeschriebenen Formeln. Meine Gedanken kreisen durchgehend um mein Geschlecht, obwohl ich versuche nicht dar├╝ber nachzudenken. Irgendwie w├Ąre ich zufrieden, wenn mich jemand als einen Jungen bezeichnen w├╝rde. Tief in mir drin ist es richtig, aber eigentlich kann das doch nicht sein. Immerhin bin ich girlflux und nie m├Ąnnlich. Bestimmt habe ich einfach nur Hormonschwankungen. Von Hormonen, die ich nicht haben sollte! Ich will kein ├ľstrogen, keine Gestagene, sondern Androgene wie Testosteron...
    "Alles okay, Charlie?", fragt Sophie mich leise und klingt dabei ehrlich besorgt. Ich nicke nur und versuche, irgendwie gl├╝cklich und selbstbewusst auszusehen und dabei weiterhin meine Oberweite zu verdecken. Ich senke meinen Blick etwas, um der Lehrerin nicht zu sehr in die Augen zu schauen. Dabei f├Ąllt mein Blick auf den Tisch in der Reihe vor uns, an dem Niklas sitzt und etwas in seinen Block kritzelt. Er beugt sich so weit ├╝ber das Papier, dass ich erst nichts erkennen kann, doch dann bewegt er seinen linken Arm und gibt mir so unbewusst den Blick frei. Ich bin ├╝berrascht, von dem, was ich sehe. Es sind keine Notizen, sondern eine extrem gute Zeichnung. Von... Louis?
    "Was guckst du?", fragt Sophie mich pl├Âtzlich.
    "Was?", frage ich zur├╝ck. "Ich hab nur nachgedacht."
    Sie zieht ungl├Ąubig die Augenbrauen hoch.
    "Komm schon, du denkst doch nur ├╝ber deine Freundin nach, nicht wahr? Ist irgendetwas passiert?"
    Mit einem teils abwehrenden und teils schockierten Kopfsch├╝tteln R├Ąume ich ihren Verdacht aus dem Weg und erkl├Ąre dann, dass alles gut ist. Was im Grunde stimmt, denn zwischen mir und Freya l├Ąuft es super, wir haben auch schon unser n├Ąchstes Date vereinbart.
    Nur kenne ich mich selbst nicht mehr. Wenn mein Geschlecht sich ├Ąndert - was ja der Fall ist - und ich dabei verschiedene Gender habe, bin ich ja genderfluid, das ist mein richtiges Label. Oder besser gesagt, es sollte mein Label sein, denn die Definition passt. Andererseits f├╝hlt es sich so falsch an, nur kenne ich keinen besseren Begriff, au├čer vielleicht einfach nonbinary. Warum kann ich nicht einfach weiblich sein? Oder ein komplett bin├Ąrer und statischer trans Junge. Falls man das so sagen kann. Ich k├Ânnte eine Transition machen und dann f├╝r immer gl├╝cklich leben... Wenn es denn so einfach w├Ąre.
    Unauff├Ąllig linse ich wieder zu Niklas her├╝ber, doch seine Schulter versperrt mir inzwischen die Sicht. Entweder habe ich mich verguckt und er hat gar nicht Louis gezeichnet, oder ich blicke gar nicht mehr durch, wie generell in meinem ganzen Leben. Warum sollte er auch Louis malen?

    15
    Unser Politklehrer l├Ąsst uns heute erstaunlicherweise p├╝nktlich gehen, anstatt zu ├╝berziehen. Als ich daran denke, dass Freya gleich mit zu mir nach Hause kommt, schleicht sich ein L├Ącheln auf meine Lippen und mein Herz schl├Ągt h├Âher. Meine Mutter kommt erst sp├Ąt, also haben wir einige Stunden f├╝r uns.
    "Hast du gleich ein Date oder warum bist du so gl├╝cklich?", fragt Julia mich lachend.
    "Ach, ich habe einfach nur ausnahmsweise mal ein paar Stunden sturmfrei. Meine Mutter kann auf die Dauer ein bisschen nervig werden", antworte ich. Ich habe jetzt nicht den Nerv dazu, ├╝ber alle m├Âglichen unwichtigen Details ├╝ber mein tats├Ąchlich doch stattfindendes Date ausgequetscht zu werden.

    Ich kann es kaum erwarten, dass Freya endlich ankommt und als sie klingelt, entsperre ich die T├╝r so schnell wie noch nie. Mit einem L├Ącheln erwarte ich sie an unserer T├╝r. Freya umarmt mich z├Ąrtlich zur Begr├╝├čung,┬áwas ich ohne zu z├Âgern erwidere. Dann gehen wir Hand in Hand in die K├╝che, wo ich bereits die Zutaten und ein Backbuch bereit gelegt habe.
    "Und, was f├╝r einen Kuchen wollen wir machen?", fragt Freya und schmiegt ihren Kopf an meine Schulter. Wenn wir eine Regenbogentorte machen, haben wir sie wenigstens f├╝r uns, schie├čt es mir durch den Kopf, aber ich verscheuche den Gedanken ganz schnell wieder. Stattdessen schlage ich vor: "Wie w├Ąre es mit einem Marmorkuchen?"
    Auf ein zustimmendes Nicken von Freya hin schlage ich das Buch auf Seite 53 auf.
    "Zuerst brauchen wir 250 Gramm Butter und 200 Gramm Zucker", lese ich vor und drehe mich dem K├╝hlschrank zu.
    "Wollen wir eigentlich beim Backen Musik h├Âren?", frage ich.
    "Ja, gerne! Ich schalte einfach das Radio an, ja?", antwortet Freya unverz├╝glich. Mit einem best├Ątigenden Nicken nehme ich zwei St├╝cke Butter, das eine werden wir nur zum Einfetten der Form ben├Âtigen. Au├čerdem lege ich und f├╝nf Eier und die Milch neben mich auf die Ablage.
    "Oh, she's sweet, but a psycho, a little bit psycho", t├Ânt es aus dem Radio, w├Ąhrend wir uns daran machen, den Teig anzur├╝hren. Als w├Ąren wir perfekt abgesprochen, machen wir alles zusammen und noch nie hat Backen mir so viel Spa├č bereitet. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald ist der Kuchen im Ofen.
    Geschafft l├Ąchle ich Freya zu.
    "Der Kuchen muss 50 Minuten backen. Wir k├Ânnten solange aufr├Ąumen", sagt sie und damit definitiv Recht.

    Ich stelle die Teigsch├╝ssel als letztes in die Sp├╝lmaschine und wasche mir schnell die Butterreste von den Fingern. Noch 30 Minuten, bis der Kuchen fertig ist.
    "Freya? Ich muss dir was sagen", setze ich stockend an, w├Ąhrend mein Puls sp├╝rbar nach oben geht. "Ich glaube, ich bin nicht wirklich weiblich, sondern nonbinary. Das- das macht dir doch nichts aus, oder? Ich meine, du magst doch Personen von allen Geschlechtern."
    Ich h├Âre mein Blut in den Ohren rauschen und sp├╝re die schnellen Schl├Ąge in meiner Brust.
    Als ich meinen Blick vorsichtig hebe und in ihr Gesicht schaue, l├Ąchelt sie mich warm an. "Nat├╝rlich macht mir das nichts aus! Ich habe tats├Ąchlich sogar eine Pr├Ąferenz f├╝r nicht-bin├Ąre Menschen", sagt sie lachend. "Ich liebe dich und das wird auch so bleiben, keine Sorge." Erleichtert atme ich auf.
    "Eine Frage: Welche Pronomen soll ich f├╝r dich verwenden?"
    Darauf wei├č ich keine eindeutige Antwort. Eigentlich irgendwas geschlechtsneutrales, so wie dey oder em. Oder meinetwegen auch einfach er, das ist schon mal besser als sie. Andererseits w├╝rde Freya mich damit ja im Grunde bei anderen outen und ich f├╝hle mich noch nicht ganz bereit dazu, es dem ganzen Jahrgang zu sagen.
    "Wenn du mit Leuten aus der Schule redest, dann sag einfach weiterhin sie, ich will mich nicht erkl├Ąren m├╝ssen... Wenn ich irgendwann vor anderen Personen geoutet bin, dann wohl eher andere Pronomen, ich bin mir aber noch nicht ganz sicher welche, ja?"
    "Ja, nat├╝rlich, alles gut. Komm mal her", sagt sie und umarmt mich. Dankbar schmiege ich mich an Freya. Ich hatte so gro├če Angst, sie w├╝rde mich nicht akzeptieren, weshalb auch immer.
    Wir stehen noch lange so da, bis sich das Gef├╝hlschaos in mir langsam wieder legt.

    Schlie├člich ist auch die Backzeit des Kuchens vorbei.
    Mit ├╝bergestreiften Backhandschuhen tr├Ągt Freya die Form zum Tisch und st├╝rzt den Kuchen relativ geschickt auf den gro├čen Teller, den wir bereitgelegt haben.
    Gl├╝cklich lasse ich die Klappe des Backofens zuschnappen und wende mich ihr anschlie├čend zu. Ich schaue in Freyas gr├╝nen Augen und f├╝hle mich genauso verzaubert wie vor zwei Wochen. W├Ąhrend ich ihr einen kleinen Kuss gebe, verschwimmt die Hintergrundmusik mit dem Brummen von dem K├╝hlschrank und der rauschenden Bel├╝ftung des Backofens. Der kleine Kuss wird immer l├Ąnger und intensiver. F├╝r einen kleinen Moment sind wir wie in einer anderen Realit├Ąt und so h├Âren wir beide weder, wie der Schl├╝ssel im T├╝rschloss gedreht wird, noch die sich n├Ąhernden Schritte im Flur. Erst, als ich mich wieder von ihr l├Âse, sehe ich meine Mutter, schockiert und mit einer Einkaufstasche in der Hand in der T├╝r stehen. Wie automatisch greife ich nach Freyas Hand, als suchte ich bei ihr Schutz.
    "Wir... haben Kuchen gemacht", stammle ich. Die Zeit scheint einzufrieren, bis meine Mutter den Mund erst ├Âffnet und dann wieder schlie├čt. Langsam nickt sie.
    "Na sch├Ân. Freya, wenn du willst kannst du noch hier bleiben, dann k├Ânnen wir den Kuchen alle zusammen essen - falls ihr damit einverstanden seid."
    Im Augenwinkel sehe ich, wie Freya nickt und ich bin froh dar├╝ber, dass sie noch etwas bei mir bleibt.

    Schweigend teile ich kleine Kr├╝mel von meinem Kuchenst├╝ck ab und schiebe sie mir mit der Gabel in den Mund. Es ist totenstill am Tisch und das macht mir Angst. Ich kann nicht einsch├Ątzen, wie meine Mutter reagieren wird, sobald Freya gegangen sein wird.

    Zum Abschied dr├╝ckt Freya mich fest und schaut mich einmal kurz an, wobei in ihrem Gesicht definitiv Sorge steht. Ich habe auch etwas Angst vor der Reaktion meiner Mutter, aber etwas schlimmeres als eine hitzige Diskussion erwarte ich eigentlich nicht - physisch verletzen w├╝rde sie mich nie und psychisch wenigstens nicht gewollt.
    "Bis morgen", sage ich.
    "Ja, bis dann." F├╝r einen Augenblick bleibt Freya noch stehen, dann verl├Ąsst sie die Wohnung. Ich schaue ihr nur kurz hinterher, wie sie die Treppen hinabsteigt. Dann lasse ich die T├╝r zufallen und drehe mich zu meiner Mutter.

    16
    "Charlie, ich will ja eigentlich nur, dass du gl├╝cklich bist. Seit ihr zusammen seid, bekomme ich dich kaum noch zu Gesicht und wenn doch, wirkst du immer enorm bedr├╝ckt. Ich mache mir Sorgen, dass du gemobbt werden k├Ânntest, weil du anders bist. Und dass das vielleicht alles meine Schuld ist, weil ich etwas falsch gemacht habe", sagt meine Mutter zu mir, kaum dass Freyas Schritte verhallt sind. Sobald die Worte anders und falsch ihren Mund verlassen haben, f├╝hle ich wie einen Stich in meinem Herzen, der mich zur Verzweiflung treibt.
    "Das einzige was du falsch machst ist, mich einfach nicht zu akzeptieren! Ich w├Ąre gl├╝cklich, wenn du mich mein Leben in Frieden leben lassen w├╝rdest, wie ich m├Âchte. Ich bin nicht komisch, sondern ganz normal, egal ob andere das sehen k├Ânnen oder nicht. Und Freya und ich lieben uns, das kannst du nicht verbieten."
    "Charlie..." Sie seufzt. "Wei├čt du, als ich mit Papa zusammen gekommen bin, meinten meine Eltern, er w├╝rde mir nicht gut tun. Ich war ja schon ├╝ber zwanzig und dachte darum, ich w├╝sste es besser. Und dann ist alles schief gelaufen, er hat sich kaum gek├╝mmert und ist schlie├člich abgehauen, wie du wei├čt. Ich will nicht, dass du den gleichen Fehler machst wie ich und dich in eine Beziehung st├╝rzt, die dir nicht gut tut. Gerade mit einem M├Ądchen, am Ende k├Ânntest du auch noch deine ganzen Freunde verlieren."
    Mir schie├čen tausende boshafte Antworten durch den Kopf, wie zum Beispiel: Ich w├╝rde ja nicht gleich eine Familie in die Welt setzen, um die ich mich dann doch nicht sorgen kann. Oder, ich w├╝rde, nur weil meine Mutter ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, nicht zwangsl├Ąufig auch auf voller L├Ąnge versagen.
    Aber mir ist bewusst, wie sehr ich die Situation verschlimmern w├╝rde - mal ganz abgesehen davon, dass es ganz sicher nicht ihre Schuld war, dass Papa uns verlassen hat. Ich bin w├╝tend und w├╝rde sie am liebsten anschreien, gleichzeitig ist sie selber auch nur verletzt und hat Angst um mich, also sollte ich mich wohl etwas zur├╝ckhalten.
    "Es ist doch nichts schlimmes, mit einem M├Ądchen zusammen zu sein", entgegne ich. Trotzdem, ganz vorbei kommen wird sie nicht an einer bissigen Antwort. "Und meine Freundinnen, die ├╝brigens deutlich toxischer sind als meine Beziehung, sind auch vollkommen okay damit. Wei├čt du, die Jugend von Heute ist nicht mehr ganz so verklemmt wie im letzten Jahrtausend alle waren. Ich ziehe Freya auch nicht in irgendwelche Probleme rein, die deiner Fantasie entspringen, sie ist nur einfach immer f├╝r mich da, wenn ich sie brauche. Und... du meintest doch neulich noch, dass die Pubert├Ąt zum Ausprobieren und Entdecken da ist."
    "Ja, im Grunde hast du ja Recht, ich mache mir doch nur Sorgen, Charlie. Wenn irgendetwas ist, du ungl├╝cklich bist oder doch Probleme hast, dann komm zu mir, ich bin f├╝r dich da."
    Sie macht einen Schritt auf mich zu und nimmt mich in die Arme. Z├Âgerlich erwidere ich die Umarmung und vergrabe mein Gesicht in ihrer Schulter.
    Leise sagt meine Mutter: "Ich habe mich au├čerdem ein bisschen informiert, ├╝ber Geschlechter und so. Ich verstehe es nur trotzdem nicht ganz, magst du mir genauer erkl├Ąren, wie du dich f├╝hlst? ...Oder - wie du bist?"
    "Also, das ist ein bisschen komplizierter", fl├╝stere ich, w├Ąhrend meine Augen feucht werden. "Du f├╝hlst dich ja als Frau, richtig? Und Opa ist ein Mann. Aber es gibt auch Leute, die sich als beides identifizieren k├Ânnen, oder als keins von beiden so richtig, die Leute sind dann nonbinary. Und... bei manchen ├Ąndert sich das auch, aber das ist dann keine Phase oder so. Ich-" Ich schlucke und atme einmal durch. "Ich bin kein M├Ądchen, sondern nonbinary. Manchmal bin ich ein bisschen M├Ądchen, aber manchmal auch etwas anderes. Ich m├Âchte nicht als M├Ądchen wahrgenommen werden."
    Inzwischen laufen mir die Tr├Ąnen in Str├Âmen ├╝ber das Gesicht und meine Stimme wird immer zittriger. "Ich bin keine junge Frau, sondern einfach ein Mensch. Ich bin nicht deine Tochter, sondern einfach dein Kind. Und ich bin auch keine Sie. Wei├čt du, seit ich denken kann schieben mich alle Leute durchgehend in eine Rolle, die mir gar nicht entspricht! Ich dachte jahrelang, jeder w├╝rde sich f├╝hlen, als w├Ąre man komplett fehl am Platz, einfach falsch. Aber anscheinend gibt es Leute, die deren Pronomen und K├Ârper richtig finden. Ich wusste bis neulich gar nicht, wie sich das anf├╝hlt."
    Ein kleiner, verzweifelter Laut entringt sich meiner Kehle, halb Lachen, halb Schluchzen.
    "Wenn du- Welche Pronomen soll ich denn dann f├╝r dich nehmen?"
    "Ich wei├č nicht, vielleicht er? Oder dey? Em? Im Deutschen ist das alles so kompliziert. K├Ânnten wir sonst ein bisschen ausprobieren, was am besten passt?"
    "Ja, du musst mir aber erkl├Ąren, wie ich diese dey und em Pronomen verwende. Und ich verstehe noch nicht ganz, wie du dich als etwas anderes als m├Ąnnlich oder weiblich f├╝hlen kannst - Ich kann es mir einfach nicht vorstellen", sagt sie.
    "Ich glaube, das geht auch nicht so einfach. Du kannst ja auch keinem Farbenblinden erkl├Ąren, wie rot aussieht. Aber der kann ja trotzdem verstehen, dass es rot gibt und rote Erdbeeren auch trotzdem m├Âgen, oder? Und was die Pronomen angeht, ich kann dir ja mal so Beispiels├Ątze aufschreiben oder so."
    "Stimmt. Wei├čt du Charlie, ich liebe Erdbeeren. Und ich liebe dich."

    17
    Niklas' PoV

    Sieben mal schlug die l├Ącherliche Kuckuksuhr im Wohnzimmer und brach damit die Stille in der Wohnung. Niklas' Mutter hatte die Uhr letztes Jahr gekauft, weil sie das St├╝ck Kitsch angeblich wundersch├Ân fand. Er hingegen war ausschlie├člich genervt von dem kleinen Holzvogel, welcher St├╝ndlich von dumpfem L├Ąuten begleitet aus dem Haus schaute.

    Seufzend zog er seinen Collegeblock aus dem Rucksack und schlug ihn auf, um sich an die Hausaufgaben zu machen. Doch auf der ersten Seite lag lose die Zeichnung aus dem Chemieunterricht vor ihm und blickte ihn stumm an. Sofort musste er an die letzte Woche denken.
    Er war sich selbst nicht vollst├Ąndig sicher, weshalb er Louis w├Ąhrend Ethik als schwul bezeichnet hatte, zumindest sagte er sich das - sicher war nur, dass es ein Fehler gewesen war. Zwar wusste Niklas nun, dass Louis wirklich schwul war, doch was hatte dabei verloren? Louis gesamtes Vertrauen in ihn, sofern es denn vorher existiert hatte?
    Welchen Grund hatte er gehabt, war es, um die Unsicherheit ├╝ber seine eigenen Gef├╝hle zu ├╝berspielen? Gar nicht so unwahrscheinlich. Es war einfach so ├╝ber seine Lippen gekommen, aus Emotionen heraus die er selbst kaum benennen konnte.
    Ohne es beabsichtigt zu haben, kreisten seine Gedanken immerzu um die gleichen Fragen. Er w├╝rde diese sicher nie laut aussprechen, doch... War er vielleicht wirklich schwul?
    Nein, dass konnte nicht sein. Nur, weil er Schuldgef├╝hle wegen Ethik hatte, bedeutete das noch lange nicht, er w├╝rde verliebt sein, bestimmt waren es rein platonische Gef├╝hle, wenn ├╝berhaupt. Er wartete sowieso nur auf die Richtige. Und selbst wenn - falls - er, rein hypothetisch, Gef├╝hle h├Ątte, so hie├če das doch auch nicht, dass er zwangsl├Ąufig schwul sei. Schlie├člich war doch jeder ein bisschen bi. Und jeder hatte doch so eine Phase, mit vierzehn oder f├╝nfzehn Jahren.
    Das sagte er sich, schon seit etlichen Monaten. Er konnte sich kaum auf etwas konzentrieren, abgesehen von den ewigen Zweifeln ├╝ber seine Gef├╝hle. Was war er?

    Er sch├╝ttelte den Kopf, um die Gedanke zu vertreiben und wandte sich von der Zeichnung auf seinem Schreibtisch ab. Louis konnte ihm gestohlen bleiben.

    Warum, warum w├╝rdest du Louis denn zeichnen, wenn er dir egal w├Ąre, hm?, schoss es ihm durch den Kopf.
    Aus Langeweile. Weil er halt ganz nett aussah. Um zeichnen zu ├╝ben. So viele m├Âgliche Gr├╝nde, vielleicht auch, um es ihm zur Entschuldigung zu geben. Nein, das war albern. Im Prinzip wusste er ja die Wahrheit, nur hoffte ein Teil ihn ihm, es w├╝rde nicht so sein.

    Ein Laut der Verzweiflung verlie├č seine Lippen und er lie├č sich r├╝cklings auf das Bett fallen. Es konnte so nicht weitergehen, es musste mit jemandem reden. Seine Vernunft sagte ihm klar und deutlich, dass er am besten Louis alles erkl├Ąren sollte, denn es w├╝rde alles aufkl├Ąren und zu verlieren hatte er nicht mehr wirklich etwas. Andererseits war er sich nicht sicher, ob er schon bereit daf├╝r sei.
    Warum musste all das passieren und dann auch noch ausgerechnet ihm?

    18
    Auf dem Schulweg lasse ich in Gedanken den gestrigen Tag revue passieren. Das ganze Gespr├Ąch mit meiner Mutter kommt mir derart surreal vor, dass ich ein Gef├╝hl habe, als w├╝rde ich jeden Moment aufwachen und alles w├Ąre nur ein sch├Âner Traum gewesen.
    Ich meine, das Gespr├Ąch mit meiner Mutter gestern hat meine Erwartungen bei Weitem ├╝bertroffen! Im Grunde kann ich ja sogar etwas verstehen, was ihre Sorgen waren und warum, auch wenn sie nat├╝rlich unbegr├╝ndet sind. Ich bin so erleichtert, dass sie mich akzeptiert und mich jetzt doch unterst├╝tzen m├Âchte. Vielleicht kann ich sie nachher sogar nach einem Binder fragen, in wenigen Monaten habe ich sowieso Geburtstag.
    Schwungvoll sto├če ich mich von dem Asphalt ab und genie├če, wie das Skateboard unter meinen F├╝├čen ├╝ber den Boden gleitet. Ich nehme einen tiefen Atemzug der kalten Morgenluft, der sich beim Ausatmen mit den d├╝nnen Nebelschwaden vermischt, die auf den Vorg├Ąrten zu meiner Rechten liegen. Jeder einzelne Grashalm ist mit zartem Raureif ges├Ąumt, welchen die ersten Sonnenstrahlen in feine Tauttopfen verwandeln.
    Es ist so wundersch├Ân und entspannend, fr├╝hmorgens durch die K├Ąlte zu fahren. Auch als mich noch viel mehr Probleme belastet haben als jetzt, hat es mir immer so ein ruhiges Gef├╝hl gegeben.

    Der Unterricht zieht an mir vorbei, ohne dass ich wirklich etwas mitbekomme. Zwar melde ich mich sowohl in Spanisch als auch in Englisch ein paar Mal, bin mit meinen Gedanken jedoch abwesend. Freya ist heute nicht da, sondern mit ihrer Klasse auf einem Ausflug, leider.

    Ich schlucke meine Angst m├╝hsam herunter und klopfe an die Zimmert├╝r meine Mutter. Was soll schon passieren? Selbst wenn sie Nein sagt, habe ich es wenigstens versucht.
    "Mama, ich wollte noch einmal mit dir reden."
    Sie dreht sich zu mir. "Nat├╝rlich, was ist?"
    "Die Sache ist die, dass ich mich in meinem K├Ârper ja nicht... richtig f├╝hle", sage ich, gehe in den Raum und setze mich auf ihr Bett. "Ich meine, so wie ich aussehe werde ich durchgehend in die Kategorie weiblich gesteckt und das bin ich nunmal nicht, wie du wei├čt. Manche Leute machen eine geschlechtsangleichende OP, aber das will ich auch nicht, weil ich mich manchmal wohl f├╝hle und ich m├Âchte mich au├čerdem sowieso nicht dauerhaft ver├Ąndern."
    Meine Mutter nickt, wobei sie so aussieht, als w├╝rde sie noch versuchen den Haken an der Sache zu finden.
    "Es gibt wie so Kleidungsst├╝cke, die den Oberk├Ârper flach machen, wei├čt du? Das Gegenteil von einem Push-Up-BH sozusagen", setze ich wieder an. "Ich h├Ątte gerne so einen Binder, den kann ich dann einfach anziehen, wenn ich mich unwohl f├╝hle."
    "Okay, wenn dich das gl├╝cklich macht, wieso nicht. Aber pass auf dich auf und wenn dir jemand bl├Âd kommt, sag Bescheid, ja?"
    "Echt?", frage ich ungl├Ąubig. "Du... du w├╝rdest mir einen Binder zum Geburtstag besorgen? Danke!"
    Ich falle meiner Mutter in die Arme und schmiege mich fest an sie.
    "Nat├╝rlich w├╝rde ich dir so ein Teil kaufen, ich m├Âchte doch auch nicht mehr, als meine To- mein Kind gl├╝cklich zu sehen."
    "Danke, Mama."
    "Daf├╝r sind die Eltern doch da, um ihre Kinder fr├Âhlich zu machen, oder?"
    "Ich- Ich dachte nur, du w├╝rdest das vielleicht komisch finden oder mich nicht verstehen und mir darum keinen kaufen wollen oder so."
    "Ach Schatz. Hatten wir nicht schon beschlossen, dass ich nicht alles verstehen muss, um dir zu helfen?"

    Zur├╝ck in meinem Zimmer suche ich Freyas Kontakt, um sie anzurufen. Zum Gl├╝ck nimmt sie direkt ab.
    "Hallo Charlie! Alles gut?", ist das erste, was ich von ihr h├Âre.
    "Ja, alles super!", antworte ich, ich bin noch immer so euphorisch, dass ich vor Freude durch die Gegend springen k├Ânnte. "Ich habe gestern noch mit meiner Mutter geredet und alles ist perfekt gelaufen! Sie unterst├╝tzt mich! Du hattest die ganze Zeit Recht, dass sie nur etwas Zeit und Gespr├Ąche braucht."
    Ich halte kurz inne, um einmal tief durchzuatmen bevor ich weiterspreche. "Ich war gerade noch einmal bei ihr und sie schenkt mir zum Geburtstag einen Binder. Ich kann gar nicht sagen, wie gl├╝cklich ich bin", schluchze ich und fahre mir durch die Haare. "Und Freya, h├Ąttest du am Samstag vielleicht Lust, dich mit mir zu treffen?"
    "Ja, auf jeden Fall! Und ich freue mich total f├╝r dich. Hast du eigentlich irgendwelche W├╝nsche, oder soll ich dich einfach ├╝berraschen?"

    19
    Niklas' PoV

    Er hatte es irgendwie fertig gebracht, Louis anzusprechen und jetzt alleine mit ihm zu sein. Hinter dem Geb├Ąude war ein kleiner Platz, wo nur selten jemand war. W├Ąren da nicht die leeren Getr├Ąnkedosen, k├Ânnte der kleine gepflasterte Fleck zwischen den B├╝schen sogar ganz lauschig sein.
    Sein Herz schlug noch schneller als zuvor, obwohl es schon lange raste. Er atmete tief ein und begann dann leicht unsicher das Gespr├Ąch: "Also, ich wollte eigentlich nur, dass du wei├čt, dass das in Ethik wirklich nicht so gemeint war."
    Das war nicht ganz, was er vorhatte zu sagen, verdammt.
    Genervt schaute Lousi ihn an. "K├Ânnen wir das nicht einfach mal vergessen? Immer reden alle ├╝ber Das in Ethik und du kommst gef├╝hlt jede Pause angerannt, um dich zu entschuldigen. Ja, es war schei├če von dir, aber es reicht auch mal wieder, okay?"
    Louis' Worte taten weh zu h├Âren. Alles lief falsch, nichts wie geplant. Zugegebenerma├čen hatte er nicht wirklich einen Plan gehabt, jedoch w├Ąre er definitiv nicht gewesen, Louis auf die Nerven zu gehen. Und dann kam die Frage, vor der Niklas am meisten Angst hatte und doch ein wenig auf sie gehofft hatte: "Nur eine Sache - wie meintest du es denn, wenn nicht als Beleidigung?"
    "Es ist einfach so aus mir raus gerutscht, ich h├Ątte nie gedacht, dass du wirklich schwul sein k├Ânntest... Das klingt jetzt dumm, aber ich wollte es wirklich nur wissen!"
    "Und warum fragst du nicht einfach? ├ťbrigens braucht es dich auch gar nicht zu interessieren, was f├╝r eine Sexualit├Ąt andere Leute haben!"
    "Warte, bitte", sagte Niklas verzweifelt, als Louis zum Gehen ansetzte. "Es war dumm von mir, ich wei├č. Ich h├Ątte wohl fragen sollen, oder besser gar nichts machen sollen. Es ist nur - ich war an dem Tag nicht so gut drauf, eigentlich mag ich dich total gerne."
    "Freundschaftlich oder wie?"
    "Nein - also doch, eigentlich schon. Ich bin mir nicht ganz sicher."
    Verdammt. Was redete er da? "Vielleicht... k├Ânnen wir das Ganze erstmal vergessen? Wenn du willst? Ich wollte es nur einmal richtig kl├Ąren."
    "Meinetwegen. Und", er machte eine kurze Pause. "Ich find's an sich gut, dass du von dir aus zu mir gekommen bist."
    "Okay, dann... Danke? Und bis gleich."
    "Ja, bis gleich in Mathe."
    Louis l├Ąchelte Niklas schief an. Er hielt kurz inne, als ├╝berlegte er, was er tun sollte und wandte sich dann dem Weg zur Mensa zu.

    20
    Den ganzen Vormittag ├╝ber schaue ich st├Ąndig zur Uhr, ob der Zeiger endlich auf der Vier steht. Da Freya vorher noch aufr├Ąumen muss, k├Ânnen wir uns leider erst nachmittags treffen.
    Als sie schlie├člich an der T├╝r klingelt, bin ich umso fr├Âhlicher. Ich umarme sie direkt, gl├╝cklich, dass wir den heutigen Abend zusammen verbringen k├Ânnen.
    "Hallo Freya, sch├Ân, dass du gekommen bist!", begr├╝├čt meine Mutter sie. "Ich wollte mich noch einmal f├╝r mein Verhalten am Mittwoch entschuldigen, ja?"
    "Von meiner Seite aus ist alles in Ordnung, danke", sagt Freya leicht unsicher, w├Ąhrend sie ihre Jacke aufh├Ąngt.
    "Ja, an sich hat es sich auch gekl├Ąrt, nur dass du es wei├čt, du bist hier selbstverst├Ąndlich immer willkommen. Falls du m├Âchtest, es sind ├╝brigens gerade zwei Pizzen im Ofen. Eine Margherita und eine Funghi, sollten jeden Moment fertig sein."
    "Gerne, Pizza ist immer gut", l├Ąchelt Freya.
    Dann gehen wir in die K├╝che, wo ich bereits den Tisch gedeckt habe - Was tut man nicht alles, um sich langweile Wartezeit zu vertreiben?
    Das schrille Piepen der Eieruhr l├Ąsst meine Mutter aufschrecken. Sie holt die beiden Bleche Pizza aus dem Ofen und stellt sie auf die Untersetzer auf dem Tisch.
    Ich greife nach dem Messer, um sie in St├╝cke zu schneiden. In einer der Schubladen liegt zwar auch so ein Pizzaroller - oder wie auch immer diese komischen Kreiss├Ągenmesser hei├čen -, aber im Grunde handelt es sich dabei nur um ein ├╝berteuertes stumpfes St├╝ck Blech.
    Meine Mutter streift die Backhandschuhe ab und setzt sich auch an den Tisch.
    "So. Habt ihr zwei eigentlich noch Pl├Ąne f├╝r heute Abend? Falls ihr einen Film gucken wollt oder so, m├Âchte ich euch ja nicht st├Âren."
    "Wir haben nicht viel vor, vielleicht setzen wir uns in mein Zimmer und reden oder so. Und wir wollten noch etwas im Park spazieren gehen."
    "Um halb sechs wird es es schon dunkel, dann solltet ihr vielleicht lieber gleich nach dem Essen gehen, Charlie."
    "Gut, wenn du meinst, Mama..."
    "Naja, wenn die Sonne erst untergegangen ist, wird es ja sowieso nur noch k├Ąlter als eh schon, viel zu sp├Ąt werden wir wohl nicht drau├čen rumlaufen wollen", sagt Freya.
    "Ja, ist ja gut, ihr seid ja auch schon gro├č."
    "Mama...!" Leicht peinlich ber├╝hrt bei├če ich in meine Pizza, um dem weiteren Gespr├Ąch aus dem Weg zu gehen.

    Hand in Hand schlendern wir durch den Park und ich bilde mir ein, trotz der Handschuhe die von Freyas Hand ausgehende W├Ąrme zu sp├╝ren. Die D├Ąmmerung ist bereits hereingebrochen und die untergehende Sonne f├Ąrbt den Himmel ist einem Spektrum von pfirsichfarben bis hin zu einem tiefen Lila. Die Luft ist k├╝hl, sodass unser Atem feine W├Âlkchen bildet. An den Wegesr├Ąndern gehen nacheinander die Stra├čenlaternen an und tauchen die Landschaft in ein warmes, gem├╝tliches Licht.
    Vor gerade einmal zwei Wochen sind Freya und ich zusammengekommen, doch egal wie ├╝bertrieben es sich anh├Ârt, es f├╝hlt sich an, als h├Ątten wir bereits unser halbes Leben als Paar verbracht.
    Ich bleibe stehen, wende mich l├Ąchelnd Freya zu und wie automatisch fallen wir uns in die Arme. In einem erst vorsichtigen, dann immer sicherer werdenden Kuss treffen unsere Lippen aufeinander. Alles f├╝hlt sich unwirklich an, aber auf eine sch├Âne Art, als w├╝rden wir in einer Wolke aus Freude schweben. Abermals ist es, als g├Ąbe es nur noch uns beide auf der Welt.

    21
    Nachwort oder so

    Ich habe schon mehrere Fanfiktions geschrieben, die meisten aber leider nie fertig gestellt. Abgesehen von einer Fantasygeschichte aus meiner Grundschulzeit ist das hier meine erste, eigenst├Ąndige Geschichte - und auch meine erste Liebesgeschichte ├╝berhaupt (normalerweise ist das nicht mein Genre). Ziemlich schnell habe ich bemerkt, dass mir Spannung und Fantasy einfach viel mehr Spa├č macht zu schreiben, ich hoffe, das ist nicht zu auff├Ąllig. Trotzdem war und ist diese Geschichte ein unglaublich wichtiges und sch├Ânes Projekt f├╝r mich und ich bin unglaublich froh, sie hier ver├Âffentlichen zu k├Ânnen. Ich bin kein Autor o├Ą., sondern nur ein Sch├╝ler mit ein bisschen Kreativit├Ąt und Langeweile, daher ist das hier keine professionelle Arbeit. Alles was ich ├╝ber das Schreiben wei├č habe ich mir selbst beigebracht.

    Diese Geschichte habe ich Anfang Mai haupts├Ąchlich f├╝r mich selbst begonnen, um meine Gef├╝hle und Gedanken zu ordnen und mich wohl auch auf mein Coming Out vorzubereiten. W├Ąhrend des Schreibeprozesses habe ich mich bei meiner besten Freundin und ca. zwei Wochen sp├Ąter zuf├Ąllig auch bei ein paar Klassenkameradinnen als nicht-hetero geoutet - alle Reaktionen positiv. In den Monaten danach hatten wir noch einmal ein Gespr├Ąch, wo wir Sexualit├Ąten etwas ausf├╝hrlicher thematisiert haben. Und dann habe ich mich sogar getraut, mich vor meinen Eltern als pansexuell zu outen, als was ich mich inzwischen identifiziere. Im Oktober hatte ich schlie├člich genug Selbstvertrauen, um meiner BF zu sagen, nonbinary zu sein. Kurz danach habe ich mir ein Instagramprofil erstellt und in meine Bio "any pronouns" geschrieben, ich wurde (wie geplant ^^) drauf angesprochen, und zwar mega supportive. Im November habe ich mich dann bei meiner Mutter als genderfluid geoutet und etwas sp├Ąter nach einem Binder gefragt.

    Charlie hat sich mit mir entwickelt und ich mich mit dem, was auch etwas meine Intention hinter dem Ganzen war. Au├čerdem m├Âchte ich aber allen Interessierten etwas Unterhaltung bieten und - nat├╝rlich - mehr auf das Thema LGBTQIA+ aufmerksam machen.

    In die Gestaltung der Hauptperson (Charlie) habe ich einige von meinen Eigenschaften einflie├čen lassen. Die Gef├╝hle ├╝ber deren Geschlecht (Euphorie und Dysphorie), Sexualit├Ąt, Buzzcut, etc. habe ich aus eigener Erfahrung beschrieben. Der erste Kuss hingegen ist so, wie ich es mir vorstellen w├╝rde. Und die Liebe... nunja, ich bin wohl aroflux, es ist etwas kompliziert. Die Reaktion von Charlies Mutter habe gl├╝cklicherweise auch nicht so erlebt. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass es in vielen Familien sicher zu so etwas kommt, dadurch wird es aber nicht besser oder sogar richtiger!

    Ich pers├Ânlich bin f├╝r Coming Outs, aber nat├╝rlich muss sich niemand outen, dass m├Âchte ich auch gar nicht vermitteln. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bis alle Sexualit├Ąten und Gender gleich angesehen werden und keins mehr das "normale" ist. Es fehlt noch viel Akzeptanz und Toleranz, aber definitiv auch Aufkl├Ąrung. Meiner Meinung nach hilft es, wenn m├Âglichst viele sich outen, auch cishets, und das Thema damit normalisieren.
    Und irgendwann leben wir dann vielleicht in einer Gesellschaft, in der es keine Vorurteile gibt, wie zum Beispiel Homosexuelle aussehen w├╝rden etc. Vielleicht wird es irgendwann so sein, dass alle geschlechtsneutral aufwachsen und sich irgendwann selber aussuche k├Ânnen, wie sie leben m├Âchten. Vielleicht wird es irgendwann gar keine Lables mehr geben, wer wei├č.
    Ich habe beschlossen mich outen wollen, um nicht mehr das Gef├╝hl zu haben mich zu verstecken, um endlich den Druck jahrelang ein Geheimnis zu haben loszuwerden und auch um es weiter zu normalisieren. Entscheidet f├╝r euch selbst, ob ihr euch outen m├Âchtet oder nicht. Wie gesagt, das ist meine Einstellung.

    F├╝r alle, die sich weiter ├╝ber das Thema informieren m├Âchten folgen einige Webseiten-Empfehlungen. Darunter findet ihr unteranderem auch eine Anlaufstelle, an der ihr kostenlos und anonym (und ohne Anmeldung) um Rat fragen k├Ânnt, was LGBTQIA+ angeht.

    Ich m├Âchte den Autoren der verlinkten Webseiten f├╝r ihre Arbeit danken, die mich sowohl in meiner Selbstfindung als auch im Schreibeprozess unterst├╝tzt hat, besonders an das Team von Queer Lexikon und dem zugeh├Ârigen Kummerkasten.
    Und des Weiteren nat├╝rlich auch an diesen Chat: https://www.testedich.de/rpgs-rollenspiele/chat/quiz66/1607891775/chat-fuer-alle-die-gerne-geschichten-schreiben
    Und ein bisschen auch an meine fr├╝here Deutschlehrerin (wo bin ich im Leben angekommen, dass ich das sage? XD). Nein, mal ernsthaft, sie ist/war eine gute Lehrerin und sie hat uns beigebracht, wie man Schreibblockaden mit freiem Schreiben ├╝berwinden kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das hier niemals lesen wird, aber wenigstens an euch: Schule kann sinnvoll sein, auch wenn sie es meistens nicht ist (jetzt will mich definitiv jeder killen lol).
    Und danke an euch alle Verr├╝ckten, die meine Geschichte lesen, bewerten und kommentieren! <3

    Zum Schluss m├Âchte ich noch einmal kurz dar├╝ber schreiben, was f├╝r Schwierigkeiten ich sonst noch hatte, abgesehen von Schreibblockaden und fehlender Zeit.
    Gegen Ende zunehmend hatte ich Zweifel, ob die Geschichte ├╝berhaupt "gut genug" w├Ąre. W├╝rde das hier irgendjemand lesen? Ist es nicht langweilig, nur ├╝ber den Alltag einer Person zu schreiben? Die Geschichte ist zu kurz f├╝r einen Roman und zu lang f├╝r eine Kurzgeschichte, was soll ich tun? Was, wenn die ganze Arbeit und Zeit unn├Âtig waren und am Ende nur eine Verschwendung? Ist es ├╝berhaupt realistisch, den ganzen Prozess in drei Wochen zu quetschen? Soll ich gr├Â├čere Zeitspr├╝nge einbauen, um mehr Zeit abzudecken? Oder alle Zeitspr├╝nge irgendwie ├╝berbr├╝cken, weil es sonst zerhackt wirkt? Falls die L├Ąnge okay ist - falls -, dann bin ich doch viel zu langsam, nach einem halben Jahr nicht fertig (es sind jetzt exakt 7 Monate und 1 Tag seit der Idee!)?
    Warum ich trotzdem weitergemacht habe: Ich habe es mir als Ziel gesetzt, diese Geschichte zu beenden und ich wollte mich nicht selbst entt├Ąuschen. Selbst wenn sie grottenschlecht geworden w├Ąre, h├Ątte ich es trotzdem geschafft. Und irgendjemand da drau├čen wird sie m├Âgen, egal was f├╝r einen Schrott ich schreibe (sorry Leute, falls ich Mist baue ziehe ich euch mit rein XD). Und ich habe gemerkt, dass die Geschichte gar nicht so kurz ist, wie gedacht, bei mir m├╝ssten es handschriftlich gut 50 Seiten sein, und das ist f├╝r meine Verh├Ąltnisse viel (f├╝r die Schule mussten wir in der 8. oder so mal eine Kurzgeschichte schreiben, die war bei mir fast zwei Seiten). Ich schreibe au├čerdem sehr klein - und h├Ąsslich.

    (ab hier kommt nix sinnvolles mehr)


    Was, du liest diesen Quatsch immer noch?
    Ich lese bei Geschichten nur das Nachwort, wenn sie echt gut waren oder ich sonst vor Langeweile sterbe, von daher sehe ich es als eine Art Kompliment an, dass du noch hier bist (vielleicht haust du jetzt auch ganz schnell ab, who knows XD).
    Eigentlich wollte ich noch was cooles oder nicht ganz so cooles hier hin packen, Funfacts ├╝ber mich oder so, aber meine Kreativit├Ąt ist am Ende. Darum entt├Ąusche ich euch jetzt, indem es sich nicht gelohnt hat, bis hier hin zu lesen (sorry, I'm not sorry).
    Na gut, meinetwegen.
    Ich gehe im Moment in die Oberstufe, bin aber eher jung und habe Mathe und Bio als Leistungskurse. Ich h├Ątte am liebsten Bio und Chemie gehabt, aber das ging leider nicht. In meiner Freizeit mache ich verschiedensten Kram, bin am Handy (obviously), schreibe, zeichne, gucke Filme (vor allem Marvel, aber die kenne ich schon, ansonsten alles ab 16 XD) oder gehe manchmal sogar klettern oder schlittschuhlaufen (hab mich gestern dabei ordentlich hingelegt und habe jetzt ein paar blaue Flecken & Sch├╝rfwunden). Joa. Was sonst noch? Wie ihr wohl langsam gemerkt habt, bin ich teilweise etwas selbstironisch und bin verr├╝ckt nach Klammern, Kommata und Textemojis - ich halte mich echt zur├╝ck. Ich habe in Arbeiten schon Punkte Abzug bekommen, weil ich zu viele Klammern benutzt habe.

    Ich h├Âre dann mal auf, mit belanglosem Zeug, was nix mit dem Thema der Geschichte zu tun hat. Bye.

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    Webseiten

    Englisch
    Ôľ¬ https://lgbta.wikia.org/wiki/LGBTA_Wiki
    (LGBTQIA+ Labels)
    Ôľ¬ https://transgenderteensurvivalguide.com/flowchart
    (Informationen und Tipps f├╝r Transgender & Nonbinary People)

    Deutsch
    Ôľ¬ https://queer-lexikon.net/
    (anonymer Kummerkasten zu queeren Themen, einige Informationen)
    Ôľ¬ https://lgbt.wikia.org/de/wiki/Home
    (LGBTQ Labels, aber weniger als im Englischen)
    Ôľ¬ https://nibi.space/
    (Informationen zu Gendern, sexuellen Orientierungen und sehr viel mehr, auch Pronomen)

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