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Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #2 [Eine Harry Potter FF]

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19 Kapitel - 36.495 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 3.143 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.81 von 5.0 - 37 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 16 Personen gefällt es

Skyes zweites Schuljahr in Hogwarts beginnt, wobei nicht nur die mysteriöse Kammer des Schreckens sie in Atem hält - nein, denn auch ihr geheimes Doppelleben wird immer schwieriger zu verstecken. Und bei alledem hätte sie am wenigsten erwartet, dass ihr Schicksal so eng mit dem eines gewissen dunklen Magiers verbunden ist.

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    ((cur))((bold))KLEINE NACHRICHT:((ebold)) Ein weiteres Mal bedanke ich mich für das Anklicken dieser FF! Diesmal ist es das zweite Jahr in Hogwarts,

    KLEINE NACHRICHT:
    Ein weiteres Mal bedanke ich mich für das Anklicken dieser FF!
    Diesmal ist es das zweite Jahr in Hogwarts, die Umstände sind (denke ich) klar, und es gibt nicht viel zu sagen.
    Falls ihr die FF gerade erst entdeckt habt, empfehle ich euch, zuerst Teil #1 zu lesen, um alles besser zu verstehen.
    Hier ist der Link:
    https://www.testedich.de/quiz58/quiz/1544816396/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-1-Eine-Harry-Potter-FF
    Den Link zum dritten Teil findet ihr in der Danksagung im letzten Kapitel.
    Wenn ihr zu einem bestimmten Teil einen Kommentar verfassen wollt, dann schreibt einfach so etwas wie
    Zu Teil #1 dazu; dann weiß ich, welchen ihr meint, da die Kommentarbereiche zu den Teilen zusammengefasst sind.
    Und nun: Viel Spaß beim Lesen! ^^


    Kapitel 1: WUNDERBARE FERIEN

    Auch einige Jahre später war Skye noch immer der festen Überzeugung, dass es in dem Sommer vor ihrem zweiten Schuljahr in Hogwarts einige schlechte Omen gab. Daran, so glaubte sie, hätte sie schon früh erkennen müssen, wie beängstigend ihr zweites Jahr werden würde. Viel zu beängstigend für ein gerade einmal zwölfjähriges Mädchen, das damals noch unschuldig und von den Erfolgen ihres letzten Schuljahres berauscht war.
    Da war als erstes die plötzliche Absage ihrer Tante Susan in Salisbury gewesen, die durch einen unglücklichen Zufall die Treppe hinuntergefallen war und nun mit einem gebrochenen Bein und einer angeschlagenen Hüfte an ihr Bett gebunden war. So, hieß es, könnte sie schließlich schlecht auf Skye aufpassen und diese musste zu Hause in Rosewood bleiben, wo die einzig spannende Attraktion das nahegelegene Freibad war.
    Doch nach unschönen Reizungen und Ausschlag wurde festgestellt, dass Skye wohl eine Chlorallergie hatte, die plötzlich aufgetreten war.
    Das alles führte dazu, dass Skye dem Ende ihrer Ferien sogar entgegenfieberte und sich vor der (ohne kühles Freibad) unerträglichen Hitze fliehend im Haus verkroch, Schulbücher durchwälzte und Zaubersprüche übte. (Als Hogwarts-Schülerin wusste sie zwar, dass man außerhalb des Internats als minderjährige Hexe nicht zaubern durfte, aber sie sagte sich einfach, dass damit wohl nur die primäre Dimension gemeint sein musste.)
    Und täglich machte sie einen Abstecher in genau diese Dimension, um zu prüfen, ob ihre Freundin Betty endlich eine lang ersehnte Eule geschickt hatte. Am Ende des letzten Jahres hatte sie Skye und Padma - eine weitere Ravenclaw-Mitschülerin und Freundin - nämlich zu sich nach Hause eingeladen, und Skye brannte schon darauf, einen echten Hexenhaushalt zu erleben und aus ihrem eigenen schrecklich langweiligen Alltag zu entkommen.

    Als es plötzlich an der Haustür klingelte, schreckte Skye hektisch auf. Mit großer Hast stopfte sie ihren Zauberstab unter ihr Kopfkissen, warf die magischen Schulbücher in die hinterste Ecke ihres Kleiderschranks und stürzte dann zur Tür. Es war Alice, der Skye öffnete, ihre engste Freundin aus der Muggelwelt, die nun gut gelaunt ins Haus trat.
    Skye bemerkte mit einem säuerlichen Gesichtsausdruck, dass Alice‘ dunkles Haar noch etwas nass schien und sie nach Freibad und Eis am Stiel roch.
    „Was hast du den ganzen Tag so eingekerkert hier gemacht?“, fragte Alice und ließ sich einfach auf Skyes Bett fallen, wobei sie sich gefährlich nahe an das Kopfkissen mit ihrem wertvollen Zauberstab darunter platzierte.
    Etwas beunruhigt beobachtete Skye das Ganze, denn sie wollte sich wirklich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn Alice versehentlich ihren Zauberstab zerbrach.
    „Ich habe ein wenig gelernt“, sagte Skye ausweichend.
    „Gelernt?“ Alice‘ Augen weiteten sich. „Du bist wirklich unglaublich.“
    Skye zuckte mit den Schultern. „Was hätte ich auch sonst tun sollen?“
    „Ja, stimmt schon. Deine blöde Allergie macht wirklich alles kaputt. Der Sommer ist schon bald vorbei, dabei hätte er so cool werden können.“
    „Glaub mir, gewünscht habe ich mir das auch nicht.“
    Alice sah nachdenklich auf den Boden. „Seltsam, dass diese Allergie so plötzlich da war, nicht?“
    „Ja, ein wenig. Der Arzt meinte, es gibt auch Allergien, die erst im Teenageralter auftreten.“
    Das war die offizielle Version, aber Skye hatte sich mittlerweile eine haarsträubende Theorie ausgedacht, in der ihr mürrischer Lehrer für Zaubertränke, Snape, an allem Schuld war. Letztes Jahr hatte sie beim Nachsitzen Prüfungskessel schrubben müssen, aus denen die ekligsten Gerüche gewabbert waren, und dabei, so glaubte Skye, musste ihr wohl irgendein Gift in die Nase gestiegen sein. Nach langer Überlegungszeit sah sie das nun als Mordversuch Snapes an, der sie sicher loswerden wollte. Das war eine hübsche Ausrede, um ihn noch mehr zu hassen.
    „Mal rauskommen könntest du natürlich trotzdem“, stellte Alice berechnend fest.
    „Ach, weißt du“, sagte Skye. „Ich bin eigentlich gar nicht so ein Draußen-Mensch. Mein Zimmer ist auch recht nett.“
    Alice, die diese Einstellung wohl schwer nachvollziehen konnte, machte ein missbilligendes Geräusch. „Verrückt bist du, ganz ehrlich.“
    Skye musste lachen. „Du solltest auch mal die angenehmen Vorzüge des Hauses kennenlernen.“
    „Passt schon.“
    Grinsend sah Alice sich um, doch plötzlich blieb ihr Blick an Skyes Schreibtisch hängen.
    „Was ist das?“, fragte sie neugierig und zeigte auf das zarte Kettchen, das dort lang.
    Die erschrockene Skye reagierte blitzschnell und schnappte sich das mysteriöse Amulett. Hastig stopfte sie es in ihre Hosentasche und schaute dann betont lässig zu Alice.
    „Das? Nun, das ist nur so eine Kette, aber keine besondere.“
    In Wahrheit war das natürlich nicht nur eine gewöhnliche Kette, sondern ein magischer Gegenstand, der ungeahnte Kräfte in sich trug. Es war ein Zeitumkehrer, aber ein besonders mächtiger. Denn durch ihn konnte Skye etwas Unglaubliches: Sie konnte die Dimension wechseln, als wäre es ein simpler Gang zum Supermarkt.
    „Hm, hm.“ Alice schien mit der Antwort nicht ganz zufrieden zu sein, sie hatte beim Anblick des Zeitumkehrers einen geradezu gierigen Ausdruck auf dem Gesicht gehabt.
    „Nun“, sagte Skye betont munter. „Wollen wir uns Kekse holen?“
    Erleichtert stand sie auf, als Alice zustimmend nickte. Sie schien ein wenig verwirrt und bedachte den Zeitumkehrer mit keinem einzigen Wort. Skye wunderte sich zwar über dieses seltsame Aufblitzen in Alice‘ Augen, das sie vorher gesehen hatte, wusste jedoch keine Erklärung dafür.
    Wenigstens, dachte sie, wenigstens ist jetzt mein armer Zauberstab in Sicherheit.

    BILD: Das Titelbild der Reihe

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    ((bold))((navy))Kapitel 2: MERMAID‘S POOL((ebold))((enavy)) „Alles in Ordnung mit dir?“ Skye rieb sich mit schmerzverzerrter Miene den Ellenboge

    Kapitel 2: MERMAID‘S POOL

    „Alles in Ordnung mit dir?“
    Skye rieb sich mit schmerzverzerrter Miene den Ellenbogen und nickte dem Mann zu, der besorgt auf sie herabsah. Sie zog sich an einer Straßenlaterne hoch und klopfte den Dreck von ihrer Hose.
    „Ja, es war nicht so schlimm.“
    Sie lächelte freundlich, um dem Mann deutlich zu machen, dass sie ihn abwimmeln wollte. Skye seufzte erleichtert auf, als er endlich weiterging und lehnte sich - noch immer ein wenig zittrig - an die Laterne.
    Sie hatte wie jeden Tag einen kurzen Abstecher in die primäre Dimension machen wollen, doch diesmal hatte der Zeitumkehrer sie einfach mitten auf eine befahrene Straße geschickt. Gerade noch rechtzeitig hatte sie dem roten Doppeldecker ausweichen können, der auf sie zugerast kam; sie war unbeholfen nach hinten getorkelt, über den Bürgersteig gestolpert und hingefallen. Und als wäre das nicht genug gewesen, war sie mit ihrem Ellenbogen hart an eine Straßenlaterne geknallt und die vielen Leute waren auf sie aufmerksam geworden und hatten sie erstaunt angesehen. Der Mann, der jetzt schon wieder weitergehechtet war, schien sich aber als einziger für ein fast überfahrenes Mädchen zu interessieren.
    Nachdem Skye sich endlich wieder ein wenig beruhigt hatte, beschloss sie, jetzt so schnell wie möglich in die sekundäre Dimension zu wechseln, bevor andere Leute noch misstrauisch würden oder etwas von ihr wollten. So lief sie zügig in eine kleine Nebengasse, wo nicht nur die Luft um einiges klarer war und weniger stank, sondern auch keine Leute Skye begafften.
    Sie lehnte sich an eine kalte Backsteinmauer und duckte sich hinter eine Mülltonne, damit niemand sie sehen konnte.
    Skye wollte gerade anfangen, an dem Zeitumkehrer zu drehen, da hörte sie ein seltsames Kreischen. Es klang ganz und gar nicht menschlich, sondern eher nach . . .
    Überrascht keuchte Skye auf.
    Das war eine Eule!
    Schnell sprang sie hoch und sah sich um. Die kleine Zwergohreule, die pfeilschnell auf sie zugerast kam, flog fast gegen die Mauer; Skye konnte sie im letzten Moment festhalten. Sie versuchte angestrengt, das aufgeregte Tier zu beruhigen, das wie wild mit den Flügeln schlug und ihr in die Hand pikste.
    Nach einem erbitterten Kampf mit der Eule hatte Skye es irgendwann endlich geschafft, den eingerollten Brief von ihrem strampelnden Beinchen zu lösen. Während die aufgedrehte Eule um ihren Kopf schwirrte, faltete Skye das Papier auseinander und las die Nachricht:

    Liebe Skye,
    es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt ist sie endlich da: Meine Einladung zu uns nach Hause!
    Ich hoffe, du willst immer noch kommen und hast mittlerweile nicht die Lust verloren oder so. Du könntest zwei Wochen vor Schulanfang herkommen und dann direkt mit nach Hogwarts fahren.
    Ich hoffe, bei dir geht es klar und bei Padma auch, ihre Eltern sind ja ziemlich streng.
    Sagt dir der Mermaid‘s Pool in Derbyshire etwas? Da wohnen wir nämlich. Hoffentlich findest du das Haus; deine Eltern werden es nämlich nicht sehen können. Wenn wir dich abholen sollen, musst du mir schreiben.
    Halt die Ohren steif!
    Betty


    Nun fast so aufgeregt wie die winzige Eule breitete sich ein Grinsen auf Skyes Gesicht aus. In ihrer Dimension würde die Schule schon bald beginnen, aber nun lagen noch zwei Wochen wundervoller Ferien bei Betty vor ihr.
    Sie kramte Stift und Zettel aus ihrer Hosentasche heraus und kritzelte schnell eine Antwort auf das Papier. Plötzlich sehr gut gelaunt sah Skye der Eule zu, die sich mit ihrem Brief am Bein langsam wieder in die Höhe schraubte und Richtung Sonne davonflog.
    Vielleicht waren diese Ferien doch gar nicht so enttäuschend.

    Aufgeregt stellte Skye Twigs Käfig auf ihren vollgepackten Koffer. Sogar ihre Eule schien unter der Hitze zu leiden, sie krächzte müde und klapperte mit ihrem Schnabel.
    „Gleich geht es los, Twig!“, verkündete Skye freudig, während sie ihren Zeitumkehrer hervorzog.
    Noch einmal überprüfte sie, ob die Zimmertür geschlossen war und machte sich dann daran, an dem Rädchen zu drehen. Wenn alles gut laufen würde - und das hoffte Skye - würde sie in der Nähe von Bettys Haus auftauchen; im Notfall hatte sie sich aber schon die Zugverbindungen in der primären Dimension angesehen und war gut vorbereitet.
    Gespannt schloss Skye die Augen, packte Twigs Käfig, sowie den Koffer, und stürzte ins Unergründliche.

    Eine starker Wind wehte ihr ins Gesicht, als Skye die Augen wieder öffnete. Trotz der Sonne war es kühl und Skye zitterte ein wenig.
    Ganz alleine stand sie am Fuß eines grasbewachsenen Hügels, mitten im Nirgendwo, wie es schien. Von einem Haus war nichts zu sehen, doch Skye wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben und kämpfte sich schwerfällig mit ihrem Koffer in der einen Hand und Twig in der anderen den Hügel hinauf. Der Wind schien sie immer wieder hinunterzudrücken und zerrte an ihren Kleidern: Es fühlte sich an, als wäre sie nicht willkommen.
    Trotz ihrer eigentlich guten Kondition war Skye ein wenig verschwitzt, als sie oben ankam.
    Fasziniert sah sie sich um.
    Sie blickte in das klare Wasser eines kleinen Sees unterhalb des Hügels, der ihr überraschtes Gesicht spiegelte. Das musste Mermaid‘s Pool sein, vermutete Skye.
    Und da sah sie es: nicht viel weiter stand ein Haus. Elegant schien es auf den See hinabzublicken, es war riesig und erinnerte Skye an Hogwarts, mit den vielen Türmchen und Zinnen.
    Von neuer Energie berauscht lief Skye zielstrebig in Richtung Haus und je näher sie ihm kam, desto beeindruckender wirkte es. Es hatte einen hübschen, marineblauen Anstrich, die Fenster waren groß und luftig und es strahlte unverkennbar Magie aus.
    Zögerlich machte Skye vor der großen Tür halt. Ein hohes Gitter unmittelbar vor dem Eingang hinderte sie am Klopfen.
    „Hallo?“, fragte Skye unsicher.
    Und zu ihrer Überraschung formte sich ein Tier aus dem Gitter.
    Es war ein . . . Adler.
    Er sah aus wie der im Ravenclaw-Turm, bemerkte Skye, und sie bereitete sich schon darauf vor, ein Rätsel beantworten zu müssen.
    „Wer bist du, Eindringling?“, fragte der Adler jedoch in einer dröhnenden Stimme.
    „I-Ich bin Skye Thomas“, stotterte sie.
    „Anliegen?“
    „Betty hat mich eingeladen.“
    „Betty?“
    Skye runzelte verwundert die Stirn. „Na, Elizabeth Warrington. Sie wohnt hier.“
    Und endlich schien sich der Adler zufrieden zu geben, das Tor schwang auf und auch die Tür öffnete sich wie von Zauberhand.
    Skye trat zögerlich in den großen Flur. In der Mitte stand ein hübscher Springbrunnen, es gab viele Türen und zwei verschlungene Treppen führten ins nächste Stockwerk.
    Skye kam aber gar nicht dazu, sich richtig umzusehen, denn ein lauter Schrei ließ sie aufschrecken.
    „SKYE!“
    Es waren Betty und Padma, die eine der Treppen heruntergepoltert kamen und sich auf die perplexe Skye stürzten, die Twig fast fallenließ.
    „Da bist du ja endlich!“, rief Betty.
    „Wir haben uns schon gefragt, wann du kommst“, gab Padma vorwurfsvoll hinzu.
    „Dein Gepäck kannst du stehenlassen“, sagte Betty. „Tiny wird es hochbringen.“
    Skye folgte ihren Freundinnen beeindruckt nach oben und schaute sich neugierig um. Das Haus schien viele Geheimnisse zu verbergen und wirkte äußerst mysteriös; es war geradezu einschüchternd. Der lange Gang im zweiten Stock war mit vielen Gemälden verziert, auf denen einige hochmütig aussehende Leute abgebildet waren, alle mit dem Nachnamen Warrington.
    „Ich grüße dich, Besucherin“, sagte eine dickliche Hexe mit einem weiten Kleid und hoher Perücke, unter dessen Bild der Name Henrietta Warrington, 1661-1761 stand.
    „Schön, dich wiederzusehen, Skye“, ertönte plötzlich eine warme Stimme.
    Skye drehte sich um.
    „Hallo, Mrs Warrington.“
    Es war Bettys Mutter, eine große, dunkelhaarige Frau, der Skye bisher nur einmal am Bahnsteig King‘s Cross begegnet war.
    „Sie ist gerade angekommen, Mum“, teilte Betty mit.
    „Wo sind denn deine Eltern?“
    „Sie haben mich in der Nähe abgesetzt, schließlich können sie das Haus sowieso nicht sehen.“
    Skye hatte sich diese Erklärung schon lange vorher zurechtgelegt gehabt und war sehr zufrieden mit sich, als Bettys Mutter ihr das so einfach abnahm.
    „Komm, ich zeige dir mein Zimmer“, sagte Betty aufgeregt und zog Skye am Ärmel.
    „Tschüss“, verabschiedete Skye sich noch von Mrs Warrington, bevor sie von Betty mitgeschleift wurde.
    Die Frau lächelte leicht und wendete sich dann ab. Skye hatte schon am Bahnhof das Gefühl gehabt, dass Bettys Mutter ziemlich mysteriös wirkte. Sie war zwar freundlich, doch auch distanziert und vorsichtig. Ständig schien sie wachsam, als würde hinter jeder Ecke etwas Böses lauern.
    „Tada!“, verkündete Betty. „Das ist mein wundervolles Reich!“
    Skye trat begeistert über die Türschwelle. Das Zimmer war mindestens zweimal so groß wie ihr eigenes und wahrscheinlich dreimal so schön. Die Wände waren weiß gestrichen, doch die Decke war wie die im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum mit Sternen bemalt, die sogar zu leuchten schienen. Eine kleine Wendeltreppe führte in der Mitte des Zimmers zu einer Tür an der Decke und Skye überlegte, was sich dahinter wohl verbarg. Das große Bett war von kuscheligen Kissen bedeckt, es gab ein Sofa, viele Bücherregale und an der Wand hing ein großer Ravenclaw-Banner. Betty kickte ihre Schultasche aus dem Weg und ließ sich auf ihr Bett fallen.
    „Schön hier, nicht?“, fragte Padma bewundernd und hockte sich behutsam neben einen Stapel Schulbücher auf das Sofa.
    „Ich wünschte, mein Zimmer wäre so“, sagte Skye neidisch und setzte sich im Schneidersitz auf den flauschigen Teppich.
    Bettys Katze Ace kam hinter einem Regal hervorgeschlichen und ließ sich leise maunzend in Skyes Schoß nieder.
    „Die Sterne habe ich Anfang der Sommerferien an die Decke gemalt“, erzählte Betty. „Ihr glaubt nicht, wie kompliziert das war. Manchmal sind sie auch nicht so hübsch geworden.“
    Sie zeigte auf einen Punkt über ihr, wo ein hässlicher Farbklecks prangte.
    „Ihr solltet mal mein Zimmer sehen“, sagte Padma. „Das ist winzig klein, außerdem muss ich es mit Parvati teilen.“
    „Wo ist die eigentlich?“, fragte Skye.
    „Bei so einer Lavender Brown, irgendeine Freundin von ihr aus Gryffindor.“
    „Hallo Leute!“
    Skye, die mittlerweile recht schreckhaft geworden war, wie sie feststellen musste, zuckte zusammen, als Bettys Zimmertür plötzlich aufkrachte. Es war Emma, Bettys große Schwester, die in den Raum marschierte, gefolgt von ihren besten Freundinnen Cho Chang und Marietta Edgecombe; alle drei waren ebenso wie Skye in Ravenclaw.
    „Du bist ja auch schon da, Skye“, sagte Emma überrascht. „Das haben wir gar nicht mitbekommen!“
    „Wahrscheinlich, weil ihr mit Kichern beschäftigt wart!“, sagte Betty frech und warf ein Kissen nach ihrer Schwester. „Emma ist nämlich jetzt in Eddie Carmichael verknallt, Skye!“
    „Klappe halten!“, befahl Emma und warf das Kissen zurück, das die triumphierende Betty mitten ins Gesicht traf.
    Marietta und Cho, die derweil Skye freudig drückten, grinsten belustigt über das Geschehen.
    „Du denkst doch an unsere Abmachung, Skye, nicht?“, fragte Cho streng.
    Skye nickte gehorsam. „Wie könnte ich es nicht tun?“
    Betty und Emma, die ihren Kampf wohl beendet hatten, saßen nun nebeneinander auf Bettys Bett. Wieder einmal fand Skye es verblüffend, wie ähnlich sich die Schwestern sahen. Betty, die in den Sommerferien um einige Zentimeter gewachsen war, war nun so groß wie Emma und man hätte meinen können, die beiden wären Zwillinge.
    „Lasst uns etwas trinken“, schlug Betty vor. „Tiny! Komm her!“
    Skye fing gerade an, sich zu wundern, wer diese seltsame Tiny wohl war, da knallte es und ein eigenartiges Wesen erschien im Raum. Es war - wie der Name schon sagte - sehr klein, hatte eine Glatze mit großen Fledermausohren und trug ein blaues Geschirrtuch als Kleid.
    „Was wünscht die Herrin?“, piepste das Geschöpf und verbeugte sich tief.
    „Hm . . .“ Betty tippte sich nachdenklich ans Kinn. „Sechs Kürbissaft. Mit Schirmchen. Vielleicht die grünen, die sind hübsch.“
    „Kommt sofort!“, rief das Wesen eifrig und verschwand gleich wieder.
    „Was war das?“, fragte Skye entgeistert, den Blick noch immer auf die Stelle gerichtet, wo das Ding eben verschwunden war.
    „Das ist Tiny, unsere Hauselfe“, erklärte Emma.
    „Hauselfe?“
    „Naja, eine Dienerin. Sie gehört der Familie und kümmert sich um alles.“
    Verwundert runzelte Skye die Stirn und beobachtete Tiny, die mittlerweile wieder aufgetaucht war und sechs Gläser Kürbissaft mit grünen Schirmchen auf einem viel zu großen Tablett balancierte. Skye nahm der Hauselfe ihr Glas vorsichtig ab und beobachtete das Wesen, das nach getaner Arbeit aus der Tür huschte.
    Betty hielt ihr Glas in die Höhe. „Auf zwei restliche, wundervolle Wochen Sommerferien!“
    „Und ein wundervolles Schuljahr!“, fügte Emma hinzu.
    Die Mädchen stießen fröhlich an und Skyes Blick wanderte zum Fenster. Draußen in der Dämmerung glitzerte der Mermaid‘s Pool im Licht der untergehenden Sonne und in der Ferne konnte man das nächstgelegene Muggeldörfchen sehen.
    Skye nippte an ihrem Kürbissaft und wandte sich dann an Betty und Emma. „Ihr habt es wirklich toll hier.“

    BILD: Skye Thomas mit zwölf Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 3: DIE WARRINGTONS((ebold))((enavy)) Die folgenden Tage machten Skyes bisher recht enttäuschende Ferien wieder wett, so schö

    Kapitel 3: DIE WARRINGTONS

    Die folgenden Tage machten Skyes bisher recht enttäuschende Ferien wieder wett, so schön waren sie. Das Haus bei Mermaid‘s Pool war nicht nur riesig, sondern auch unglaublich geheimnisvoll. Es gab versteckte Türen und Gänge, eigenartige Gemälde und eine kleine Bibliothek mit alten Notitzbüchern voll seltsamer Runen und Zeichen. Die Hauselfe Tiny war außerdem eine exzellente Köchin, die nichts anderes zu tun schien, als feine Gerichte zuzubereiten und manchmal mit einem Staubwedel unauffällig durchs Haus zu huschen.
    Auf den Ländereien fanden sich die eigenartigsten Geschöpfe: Skye wurde an ihrem ersten Tag von einem Gnom gebissen, sie begegnete einem Bowtruckle im Wald und hatte schließlich ein unschönes Erlebnis mit einer Waldfee, die Eindringlinge in ihr Reich gar nicht gerne sah.
    Mit Padma zusammen schlief Skye im Gästezimmer, und sie war froh darüber, dort nicht ganz alleine zu sein. Nachts hörte man manchmal leise Stimmen, die unverständliche Worte flüsterten, und ab und zu auch ein seltsames Kratzen irgendwo in den Tiefen des riesigen Anwesens.
    Mrs Warrington sah man nicht oft; sie arbeitete im Ministerium und schien ständig gebraucht zu werden; Betty erzählte irgendetwas von Hausdurchsuchungen, schwarzmagischen Artefakten und dass ihre Mutter für irgendjemanden einspringen müsse.
    Die Briefe von Hogwarts, die bald schon ankamen, erinnerten Skye jedoch wieder daran, dass die Ferien nicht ewig andauern konnten. Viele neue Bücher von einem Gilderoy Lockhart standen auf der Liste. Er musste wohl eine Berühmtheit in der Zauberwelt sein, aber Betty hielt nicht viel von ihm.
    „Er ist ein Aufschneider“, sagte sie berechnend. „Hält sich für unglaublich, ist es aber gar nicht. Mum war mit ihm in Hogwarts, musst du wissen. Sie war damals frische Vertrauensschülerin für Ravenclaw und Lockhart Erstklässler. Er stolzierte durch die Schule, als wäre er der beste Schüler, den Hogwarts jemals gesehen hatte. Mum mochte ihn nicht; sie war es auch, die ihn erwischte, als er seine Signatur in riesigen Lettern auf das Quidditch-Feld schrieb und Ravenclaw damit viele Hauspunkte kostete.“
    Emma, Cho und Marietta, die noch einen Ausflug in die Winkelgasse machten, brachten den jüngeren Mädchen die neuen Bücher mit und wendeten sich dann wieder ihrer neuen Lieblingsbeschäftigung zu: Tratschen und Kichern. Sie konnten stundenlang über Jungen diskutieren, schmiedeten Pläne zur Verkupplung von Emma und dem berühmt-berüchtigten Eddie Carmichael und hatten in den seltsamsten Momenten heftige Kicheranfälle. Skye belächelte dieses Verhalten; Betty schwor, dass sie sich vom Astronomieturm stürzen würde, wenn sie einmal so anfinge, und Padma kam zu dem Schluss, dass ewige Jungfräulichkeit wohl der beste Weg sei.
    Cho schien gar nicht mehr an Quidditch zu denken, und Skye hatte schon Angst, die gemeinsame Bewerbung beim Ravenclaw-Team würde doch nicht stattfinden. Sie selbst freute sich schon darauf; die Vorstellung auf einem eigenen Besen über das Feld zu brausen war ihr in den Ferien immer sympathischer geworden und sie hatte sich alles schon genau ausgemalt.

    „Darf ich vorstellen“, sagte Betty mit theatralischer Stimme. „Dein neuer Besen!“
    „Der ist wirklich toll!“
    Aufgeregt nahm Skye Betty den Besen aus der Hand; ganz vorsichtig fasste sie ihn an, als könnte man ihn wie ein Streichholz zerbrechen.
    „Ein Sauberwisch Sieben“, erklärte Betty. „Du bist dabei vielleicht nicht so schnell wie Harry Potter auf seinem Nimbus Zweitausend, aber die Dinger sind trotzdem gut.“
    „Fast das ganze Ravenclaw-Team fliegt auf denen“, fügte Cho hinzu.
    Skye drehte den Besenstiel bedacht in ihren Händen. Er sah aus wie neu, keiner der Reisigzweige war gekrümmt, der Stiel glänzte makellos und ganz vorne war in einer silbrigen Schrift Sauberwisch Sieben eingraviert.
    „Was für einen fliegst du denn?“, fragte Skye an Cho gewandt.
    „Einen Komet Zwei-Sechzig.“
    „Und du willst ihn ganz sicher nicht mehr, Betty?“, fragte Skye zögerlich.
    Es fühlte sich nicht richtig an, einfach so einen Besen geschenkt zu bekommen, ohne etwas zahlen zu müssen.
    „Nein, das habe ich dir doch schon tausendmal erklärt! Willst du ihn nicht lieber ausprobieren, als mit deinem ach so ehrenhaften Gewissen zu kämpfen?“
    „Na gut . . .“
    Die Mädchen traten aus dem kleinen Schuppen und Skye musterte noch immer beeindruckt den Besen. Cho hatte ihren Komet draußen abgelegt und schnappte ihn sich nun wieder. Selbstbewusst bestieg sie den Besen und warf Skye einen herausfordernden Blick zu.
    „Komm schon!“
    Vorsichtig schwang Skye ein Bein über den Besenstiel. Es fühlte sich ganz anders an, als auf den schlackernden Schulbesen, die kurz vor dem Zerbrechen schienen. Auch Padma, Marietta und Emma waren jetzt aus dem Haus gekommen und beobachteten gespannt das Geschehen.
    „Los, Skye!“, rief Padma.
    Skye atmete tief durch und sah nach oben in das helle Licht der Nachmittagssonne. Mit aller Kraft stieß sie sich ab und schoss augenblicklich gen Himmel. Das Gefühl des Fliegens war noch immer so berauschend wie bei ihrem ersten Mal. Skye stieg immer höher, machte ein paar scharfe Kurven und schwebte schließlich zufrieden auf der Stelle.
    „Der ist wirklich noch gut in Schuss“, sagte Cho bewundernd und drehte ein paar Loopings vor Skye.
    „Das fühlt sich ganz anders als auf den Schulbesen an. Viel besser“, schwärmte Skye.
    Begeistert sah sie sich um, denn die Aussicht war einfach atemberaubend. Mermaid‘s Pool war mittlerweile zu einem kleinen blauen Farbklecks zwischen riesigen grünen Wiesen geworden. Skye glaubte zwar, die anderen Mädchen neben dem Besenschuppen auf den Ländereien erkennen zu können, aber sie sahen aus wie winzige Ameisen.
    „Als was willst du dich denn bewerben?“, fragte Skye.
    „Als Sucherin“, sagte Cho. „Aber ich bezweifele, dass das funktionieren wird. Emily Abercrombie ist noch im Team und die Ravenclaws behalten ihre Spieler meistens . . .“
    „Aber ein Versuch kann doch nicht schaden“, riet Skye.
    „Nein, vielleicht werde ich ja Auswechselspieler oder so. Das fände ich auch schon super. Was möchtest du werden?“
    „Was steht denn zur Auswahl?“
    „Nun ja, Isla Parker und Grace Clearwater sind fertig mit der Schule. Das heißt, Jäger oder Hüter wäre wahrscheinlich am realistischsten.“
    Nachdenklich ließ Skye ihren Blick über die Landschaft wandern. Sie war leidenschaftliche Handball-Spielerin, also waren beide eigentlich ideale Positionen für sie. Doch auch in ihrem Team spielte sie im Angriff, also . . .
    „Als Jäger, wenn das klappt.“
    „Vielleicht schaffst du es ja. Du musst ziemlich gut sein - es sind nämlich hohe Ansprüche zu erfüllen“, meinte Cho und sah dann nach unten.
    „Sollen wir mal wieder runterfliegen?“, fragte sie.
    Skye nickte. „Die langweilen sich sicher ohne uns.“
    „Wer letzter wird, ist ein verrückter Hippogreif!“ Cho grinste verschmitzt und ging dann einfach in den Sturzflug.
    „Hey!“ Hastig riss Skye ihren Besen herum und folgte ihr.
    Der kühle Wind schlug ihr hart ins Gesicht und zerrte an ihren Kleidern, aber sie kniff die Augen zusammen und wurde immer schneller. Cho kam näher und näher, das lange schwarze Haar peitschte vor Skye im Wind und schließlich . . .
    „Ich hab gewonnen!“
    Skye setzte neben der jubelnden Cho auf dem Boden auf und streckte ihr die Zunge heraus.
    „Das ist nur, weil du einen Vorsprung hattest, bilde dir ja nichts ein!“
    „Da seid ihr endlich!“
    Die anderen Mädchen kamen angelaufenen, angeführt von Betty.
    „Ich dachte schon, ihr würdet da oben Wurzeln schlagen“, sagte sie vorwurfsvoll. „Also, nicht, dass das klappen würde.“
    „Lasst uns wieder reingehen“, schlug Padma vor, der scheinbar ein wenig kalt war.
    „Ich habe Tiny eben auch gesagt, sie soll Tee kochen“, sagte Betty. „Also los, ihr!“
    Wie eine kleine Parade lief das Grüppchen wieder Richtung des Hauses, dessen Hintertüre schon einladend offen stand. Skyes Blick fiel auf den Mermaid‘s Pool, der wie immer ganz ruhig dalag und geheimnisvoll in der Sonne glitzerte.
    „Lebt dort drin wirklich eine Meerjungfrau?“, fragte sie.
    „Natürlich“, sagte Betty in einem selbstverständlichen Tonfall. „Sonst würde es doch nicht so heißen. Kennst du die Geschichte etwa nicht?“
    Skye schüttelte den Kopf. Wieder einmal merkte sie, wie viel man in der Muggelwelt eigentlich verpasste.
    „Also“, begann Betty. „Die Kurzfassung: Es war einmal ein weiser Zauberer, der Meerwesen studieren wollte. Also suchte er sich einen Ort, um eine Meerjungfrau, die er gefangen hatte, zu halten und baute sein Haus direkt daneben - er war übrigens ein Warrington. Doch anstatt mit ihr zu experimentieren, verliebte er sich in sie. Bla, bla, bla, das typische Liebes-Geschnulze eben . . . Doch trotz Magie konnte er nie wirklich ganz bei ihr sein und starb deswegen an Liebeskummer. Sein Haus gehörte nun der Familie und wurde fortan immer von Warringtons bewohnt und erweitert. Und noch heute soll die Meerjungfrau da irgendwo leben; sich manchmal sogar zeigen - vorzüglich um Mitternacht an Ostersonntag, da ihr Geliebter in der Nacht starb - und um den Zauberer weinen.“
    „Und das ist . . . echt?“
    „Na klar, was glaubst du denn? Ich habe die Meerjungfrau sogar schon einmal gesehen. War keine Schönheit, das kann ich dir sagen. Sah recht böse aus, mit gruseligen Algenhaaren und spitzen Zähnen. Aber es zählen ja die inneren Werte, was? Das hat sich dieser Zauberer wohl auch gedacht.“
    Skye folgte Betty nachdenklich durch einen schmalen Gang in das große Wohnzimmer, wo die Hauselfe Tiny schon eifrig ein hübsches Teeservice auf dem Elfenbeintischchen aufbaute. Der Duft von frischgebackenen Keksen erfüllte den Raum und Skye wurde plötzlich von einer angenehmen Trägheit erfasst.
    „Danke, Tiny“, sagte Skye freundlich, aber die Hauselfe warf ihr nur einen geschockten Blick zu und trippelte aus der Tür.
    Betty warf sich voller Schwung auf eines der großen königsblauen Sofas und ließ sich von einem schwebenden Löffel Zucker in ihren Tee schaufeln.
    „Bedanke dich nie bei einer Hauselfe“, sagte sie. „Das beschämt sie.“
    „Emma, Cho und Marietta sind wieder in ihr Zimmer verschwunden“, teilte Padma mit, während sie zu dem großen Kamin lief und die Bilder betrachtete, die auf dem marmornen Kaminsims standen.
    „Die sind wirklich schreckliche Tratschtanten“, sagte Betty. „Wer auf Kekse und Tee verzichtet, muss vollkommen verrückt sein.“
    „Ist das dein Dad?“, fragte Padma plötzlich und zeigte auf eines der gerahmten Bilder.
    Kurz herrschte Stille, Betty schien kalt erwischt worden sein. Aber dann stand sie langsam auf und ging auch zum Kamin, gefolgt von Skye, die neugierig auf das Bild linste.
    „Ja“, sagte Betty. „Da war ich erst ein paar Monate alt.“
    Skye schaute wie gebannt auf das winzige Baby, das wohl Betty sein musste. Es gluckste fröhlich in die Kamera und grapschte nach dem Umhang eines großen Mannes, der ebenso fröhlich grinste und das Baby fest im Arm hielt. Er hatte unordentliche, braune Haare und ein aufgewecktes Gesicht. An seiner Seite stand eine hübsche Frau, die Skye fast nicht wiedererkannt hatte. Es war Mrs Warrington, die aber wie eine vollkommen andere Person wirkte. Sie lachte glücklich und zum ersten Mal sah Skye in ihren Augen das schelmische Blitzen, das sie gut von Betty kannte. Außerdem trug sie ein etwas älter aussehendes Kind im Arm, das wohl Emma sein musste. Und wie die Vier dort so standen, wurde Skye klar, dass trotz des mysteriösen Anwesens und der vielen Zauberei sie eine ganz normale Familie waren.
    „Wisst ihr“, begann Betty zögerlich; sie schien aus ihrer Trance erwacht zu sein. „Mein Vater wurde ermordet. Von Todessern.“
    „Er war doch Auror, nicht?“, fragte Padma.
    „Auror?“, sagte Skye verwirrt.
    „Er kämpfte gegen dunkle Magier im Auftrag des Ministeriums“, erklärte Betty. „Wie Mum. Schon in Hogwarts haben sie sich kennengelernt, beide vorbildliche Ravenclaws. Die Aurorenausbildung haben sie mit Bravour bestanden. Außerdem haben sie mit anderen Hexen und Zauberern im Namen Dumbledores gegen Ihr-Wisst-Schon-Wen gekämpft. Und ein paar Wochen, nachdem dieses Bild entstanden ist“ - sie zeigte auf das Foto - „musste Dad einen Auftrag erledigen. Ganz alleine und gegen viel zu viele Todesser sollte er kämpfen. Ich kann mich nicht mehr an ihn erinnern.“
    Padma und Skye verfielen beide in eine nachdenkliche Stille. Skye fragte sich, ob das alles Gründe waren, warum Mrs Warrington so distanziert geworden war.
    „Ich denke oft an ihn“, sagte Betty leise. „Und wie es wohl gewesen wäre, wenn er es überlebt hätte.“
    Sie ließ ihren Blick über die Fotos wandern und zeigte auf ein etwas zerknittertes Bild. Es war ein Gruppenbild von vielen Menschen, die sich alle etwas chaotisch aneinanderquetschten.
    „Da ist er auch drauf, neben Mum.“
    Skye kniff die Augen zu, um die vielen Gesichter besser erkennen zu können, aber plötzlich stutzte sie. „Warte mal . . . Sind das die Weasleys?“
    Mr und Mrs Weasley standen nicht weit entfernt von den Warringtons und lachten fröhlich in die Kamera.
    „Ja. Da sind auch die Eltern von Harry Potter. Wie gesagt, das war so eine Vereinigung. Aber nach dem Sturz von Ihr-Wisst-Schon-Wem wurde sie aufgelöst.“
    Skye beobachtete die Potters, die eng umschlungen in die Kamera winkten.
    „Nun wisst ihr von dem ganzen Kram“, sagte Betty betont lässig. „Und jetzt sollten wir den Tee trinken, sonst wird er ganz kalt.“

    BILD: Betty (Elizabeth) Warrington mit zwölf Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 4: RÜCKKEHR NACH HOGWARTS((ebold))((enavy)) „Oh, nein!“ Skye wendete sich der panischen Betty zu, die plötzlich stehenbl

    Kapitel 4: RÜCKKEHR NACH HOGWARTS

    „Oh, nein!“
    Skye wendete sich der panischen Betty zu, die plötzlich stehenblieb. Padma, die direkt hinter ihr lief, konnte ihren Gepäckwagen gerade noch bremsen, bevor er in Bettys hineinkrachte.
    „Was ist?“, fragte sie ungeduldig.
    Wie Skye war es ihr wohl ziemlich unangenehm, in einem Bahnhof voller Muggel, die schon beim Anblick ihrer Eulen seltsam schauten, solch einen Aufstand zu veranstalten. Auch Emma und ihre Freundinnen waren verwundert stehengeblieben und sahen zu Betty.
    „Der Hogwarts-Express fährt bald ab!“, warnte Marietta.
    „Ich habe Ace vergessen!“, sagte Betty aufgekratzt.
    „Oh, dir ist wirklich nicht mehr zu helfen“, sagte Emma mürrisch und schrie dann über den halben Bahnhof: „MUM! BETTY HAT ACE VERGESSEN!“
    Mrs Warrington, die schon zielstrebig den Bahnsteig Neun entlanglief, drehte sich um. „Zu Hause?“
    „Ja!“, rief Betty. „Kannst du sie bitte schnell holen gehen?“
    „Wie kann man es nur schaffen, sein Haustier zu vergessen?“, fragte Skye gerade entgeistert, als eine fröhliche Frauenstimme ertönte, die Skye gut kannte.
    „Glynis!“
    Die Stimme gehörte Mrs Weasley, die auf Mrs Warrington zugewuselt kam, gefolgt von ihrem Mann und der Schar Kinder. Auch Harry lief mit seinem Gepäckwagen der Familie hinterher und lächelte Skye flüchtig zu.
    „Hallo, Molly. Arthur.“
    Es war unverkennbar, wie kühl Mrs Warringtons Stimme plötzlich geworden war und sie lächelte nur leicht.
    „Entschuldigt mich“, sagte sie dann. „Elizabeth hat ihre Katze vergessen. Ich werde sie schnell holen.“
    Und im Bruchteil einer Sekunde war Mrs Warrington verschwunden und Skye keuchte überrascht auf. „Was war das?“, fragte sie perplex.
    „Sie ist disappariert“, sagte Padma.
    Nach dieser knappen Erklärung trat eine peinliche Stille ein. Mr und Mrs Weasley wussten nicht so recht, was sie sagen sollten und Mrs Weasley versuchte das mit gespielter Fröhlichkeit zu übertünchen.
    „Groß seid ihr geworden“, sagte sie zu Emma und Betty, die beide eher halbherzig nickten.
    Skye warf Padma einen verwirrten Blick zu, aber sie zuckte nur leicht mit den Schultern. Dann begann Mrs Weasley plötzlich, Harry zu umsorgen, sie strich seine Hemd glatt und murmelte liebevoll; ihr Mann stand peinlich berührt in der Gegend herum und zu Skyes Überraschung fing Betty ein angeregtes Gespräch mit Fred und George über irgendwelche Feuerwerkskörper an.
    Skye nutzte diese Ablenkung, um sich verschwörerisch in Padmas Richtung zu lehnen.
    „Was läuft denn da ab?“, zischte sie.
    „Es scheint, als hätten Betty und Emma etwas gegen Mr und Mrs Weasley“, flüsterte Padma.
    Als Mrs Warrington plötzlich wieder auftauchte und einen Korb in der Hand hielt, aus dem man Ace‘ Maunzen hörte, schien sie es ziemlich eilig zu haben.
    „Kommt, Kinder“, sagte Mrs Warrington und scheuchte sie in Richtung der Backsteinmauer zwischen Gleis Neun und Zehn.
    Skye konnte gerade noch einen Blick auf die Weasleys erhaschen, die etwas weiter entfernt warteten, bevor sie durch die Mauer trat und auf dem chaotischen Gleis Neundreiviertel landete.

    „Ich hoffe, die Imbiss-Hexe kommt bald“, sagte Betty und hievte ihren Koffer ächzend auf den Gepäckträger.
    Skye setzte sich auf einen Sitz am Fenster und spähte nach draußen auf den Bahnsteig, wo noch immer Familien herumwuselten und ihre Kinder an sich drückten; das Ganze war umhüllt von dem dichten Rauch des Hogwarts-Express‘.
    Padma, die nachdenklich Ace streichelte, beobachtete Betty prüfend.
    „Was hatte denn deine Mutter vorhin, als die Weasleys gekommen sind?“, fragte sie neugierig.
    „Oh, das.“ Betty ließ sich auch auf einen Sitz sinken und legte die Beine hoch. „Ich habe euch doch vor kurzem von meinem Dad erzählt“, begann sie. „Und von seinem letzten Auftrag. Nun, eigentlich war er gar nicht alleine. Also schon, aber er hätte es nicht sein dürfen. Arthur Weasley hätte mit ihm kämpfen sollen.“
    „Aber warum ist er nicht gekommen?“, fragte Skye.
    „In der vorherigen Nacht ist sein sechster Sohn zur Welt gekommen. Und Dad ist mit der Einstellung dorthin gegangen, dass er mit einem Partner kämpfen würde. Mum hat den Weasleys das noch immer nicht richtig verziehen, glaube ich.“
    Es herrschte eine bedrückte Stille im Abteil, bis Padma sich wieder schüchtern zu Wort meldete: „Bist du denn wütend darüber?“
    „Nicht wirklich. Manchmal muss man einfach verstehen, dass man es sowieso nicht mehr ändern kann.“
    Skye sah nachdenklich aus dem Fenster, denn die Dampflok setzte sich ratternd in Bewegung und schlängelte sich wie eine große, rote Schlange aus dem Bahnhof King‘s Cross.
    „Ist hier noch frei?“, fragte plötzlich ein kleines, blondes Mädchen, das in der Abteiltür stand; sie schien Erstklässlerin zu sein und hatte einen Eulenkäfig in der Hand.
    „Nein“, sagte Betty kurz angebunden und kickte die Abteiltür mit ihrem Fuß zu, als das Mädchen noch immer keine Anstalten zu verschwinden machte.
    „Das war unfreundlich“, kommentierte Padma vorwurfsvoll.
    „Komm runter, Vertrauensschülerin“, sagte Betty. „Die Kleine wird es überlebt haben.“
    Bettys Laune schien in der restlichen Zugfahrt wieder besser zu werden; sie gab ihr gesamtes Geld für Süßigkeiten aus und war sogar so gnädig, Padma und Skye etwas abzugeben. Irgendwann am Nachmittag statte auch noch Terry Boot mit seinen Freunden Michael Corner und Anthony Goldstein den Mädchen einen Besuch ab (wobei eine beträchtliche Menge Kürbispasteten spurlos verschwand) und als der Hogwarts-Express schließlich in Hogsmeade einfuhr, waren alle schon eingestimmt auf das prächtige Bankett.
    Hogwarts wiederzusehen war für Skye so, als träfe sie einen alten Freund wieder. Das große Schloss, erleuchtet vom hellen Licht des Mondes, war noch genauso, wie sie es in Erinnerung hatte: Es war ein Zuhause. Ein Zuhause ihrer schönsten Erinnerungen.
    Als die Zweitklässler durch das gewaltige Tor traten und durch die von Fackeln gespickten Korridore in Richtung der Großen Halle schlenderten, erzählten sich alle fröhlich von ihren Sommerferien.
    „Das Waisenhaus kam mir noch schrecklicher vor“, berichtete Terry. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Hogwarts als Vergleich habe. Und die anderen Kinder denken auch, ich sei vollkommen irre. Irgendjemand muss wohl gesagt haben, ich sei über das Jahr in einer Nervenheilanstalt.“
    „Habt ihr diese vielen Bücher von Gilderoy Lockhart auf der Liste gesehen?“, erkundigte sich Anthony, während alle am Ravenclaw-Tisch Platz nahmen.
    „Seltsam, nicht?“, fragte Skye.
    „Meine Mum steht total auf den“, sagte Michael. „Lockhart hier, Lockhart da . . . Es ist schrecklich. Sie mag ihn schon lieber als Dad, glaube ich.“
    Als plötzlich Ruhe einkehrte, waren alle Köpfe nach vorne gerichtet, denn die Erstklässler kamen in Zweierreihen in die Halle marschiert. Allesamt sahen sie recht aufgeregt aus und blickten schüchtern zu Professor McGonagall, die den Sprechenden Hut bereitlegte.
    Nachdem er sein Lied beendet hatte und die Erstklässler sogar noch verängstigter dreinblickten, begann Professor McGonagall mit der Einteilung.
    „Erinnert ihr euch noch, als wir Erstklässler waren?“, fragte Betty träumerisch, während sie Christopher Bradley applaudierte, der mit geröteten Wangen und einem freudigen Gesicht zum Ravenclaw-Tisch lief.
    „Ich dachte damals, ich sterbe gleich“, erinnerte Skye sich an ihre eigene Einteilung. „Einen Hut mit Mund auf den Kopf zu setzten, schien mir ziemlich suspekt.“
    Sie sah zum Lehrertisch und beobachtete Professor Dumbledore, der mit ruhiger Freude die Einteilung beobachtete. Vor einem Jahr hatte sie von ihm alles über den mysteriösen Zeitumkehrer erfahren, doch manchmal schien es Skye noch immer so, als wüsste sie nicht alles; als würde ihr ein Puzzleteil fehlen.
    „Habt ihr das gehört?“, fragte Betty plötzlich aufgeregt. „Luna Lovegood wurde aufgerufen!“
    „Wer ist das?“, fragte Skye verwirrt und beobachtete das etwas eigenartig aussehende Mädchen mit den aschblonden Haaren, das zum Ravenclaw-Tisch hüpfte.
    „Ich glaube, ihr Vater ist der Herausgeber des Klitterers!“, meinte Betty.
    „Das stimmt“, sagte die berüchtigte Luna Lovegood, die sich gerade an den Tisch setzte, mit verträumter Stimme.
    „Der Klitterer?“, fragte Padma prustend. „Was da drinsteht, ist doch einfach nur erfunden!“
    „Hey!“, entrüstete sich Luna; ihre ruhige Stimme war plötzlich lauter geworden.
    „Ach, weißt du“, sagte Betty mit gesenkter Stimme zu Padma, „es muss doch nicht immer alles stimmen, um gut zu sein.“
    Skye grinste und beobachtete Luna Lovegood, die nachdenklich zur verzauberten Decke schaute und an einem ihrer eigenartigen Radieschen-Ohrringe spielte.
    „Coole Kette“, sagte Skye grinsend mit Blick auf die Kette aus Korken, die Luna um den Hals trug.
    „Danke“, sagte diese erfreut. „Ich habe sie selbst gemacht.“
    Mit einem letzten Blick auf Luna und ihre Kette wendete Skye sich wieder der Einteilung zu.
    „Shine, Hilary!“, wurde gerade aufgerufen und das blonde Mädchen ging aufgeregt nach vorne.
    „RAVENCLAW!“, verkündete der Hut nach einiger Zeit.
    „Das ist das Mädchen aus dem Zug“, sagte Padma über den Jubel des Ravenclaw-Tisches hinweg.
    „Wenn ich gewusst hätte, dass sie nach Ravenclaw kommt, wäre ich vielleicht netter gewesen“, überlegte Betty.
    „Natürlich“, grinste Skye.
    Noch ein paar Schüler wurden aufgerufen (darunter auch Rons kleine Schwester Ginevra, die wie der Rest ihrer Familie nach Gryffindor kam), dann war die Einteilung endlich beendet und die Schüler wurden langsam, aber sicher, hungrig.
    Professor Dumbledore stand auf und breitete die Arme aus. „Ein weiteres Jahr in Hogwarts bricht an“, begann er in seiner weisen, freundlichen Stimme. „Nachdem ihr in den Ferien hoffentlich viel Zeit hattet, euren Kopf für den neuen Unterrichtsstoff zu leeren, wird dieses Jahr sicherlich so erfolgreich wie das letzte. Und nun, lasst uns auf die kommenden Monate anstoßen!“
    Die großen Platten von Essen erschienen (es gab allerlei Arten von Fleisch, Gemüse und anderen Leckereien) und hungrig häufte Skye sich den goldenen Teller voll.
    „Ich freue mich auf das Jahr“, teilte sie den anderen mit.
    „Ich auch“, sagte Terry und wedelte mit seiner Gabel herum. „Jetzt sind wir Zweitklässler. Also schon fast erwachsen.“

    BILD: Mermaid‘s Pool

    ANMERKUNG:
    Der Charakter Hilary Shine gehört nicht mir, sondern ist aus einer FF von Princess Buttercup. Ihre Geschichte hat mich wirklich begeistert, und so ist Hilary eine kleine Hommage an sie in dieser Fanfiction, auch, weil ich solche Verbindungen zwischen Storys sehr gerne mag.
    Hier ist der Link zu Hilarys Geschichte von Princess Buttercup, die ich natürlich empfehle:
    https://www.testedich.de/quiz51/quiz/1508767733/Harry-Potter-FF-Mein-erstes-Jahr

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    ((bold))((navy))Kapitel 5: EIN NEUES JAHR BEGINNT((ebold))((enavy)) „Ich kann es kaum glauben, dass wir jetzt schon wieder so lange Schule haben“,

    Kapitel 5: EIN NEUES JAHR BEGINNT

    „Ich kann es kaum glauben, dass wir jetzt schon wieder so lange Schule haben“, sagte Alice mit einem Hauch Wehmut in ihrer Stimme.
    „Schon drei Wochen, glaube ich“, gab July hinzu.
    Skye hörte dem Gespräch nur still zu und lehnte sich zurück, um in den Himmel schauen zu können. Die sonnigen Tage wurden zu ihrer Enttäuschung immer weniger und der Herbst schien sich schon ankündigen zu wollen; aber an diesem Tag war das Wetter wie zum Abschluss des Sommers besonders schön und die Sonne kitzelte Skye angenehm im Gesicht.
    Charlotte lockerte gähnend ihre Krawatte. „Ich wünschte, die Mittagspause könnte ewig andauern; auf ‘ne Doppelstunde Mathe mit diesem blöden Mr Morales habe ich jetzt gar keine Lust.“
    „Das Leben ist kein Wunschkonzert“, sagte Skye, den Blick noch immer in den Himmel gerichtet.
    „Stimmt es eigentlich, dass du mit Handball aufgehört hast?“, fragte July plötzlich.
    Verwundert sah Skye zu ihr.
    „Woher weißt du das?“
    „Meine kleine Schwester Penny spielt auch im Verein.“
    „Achso.“ Skye lehnte sich wieder zurück. „Ja, das stimmt.“
    „Nicht wirklich!“ Im Gegensatz zu Skye wirkte Alice ziemlich aufgeregt.
    „Doch.“
    „Aber warum?“
    „Ich hatte keine Lust mehr.“
    Damit hatte Skye sogar die Wahrheit gesagt: langsam war ihr klar geworden, dass Handball sie nicht mehr so fesselte wie früher, was vielleicht auch daran lag, dass Quidditch viel spannender war. Außerdem, fand sie, konnte sie ihre Zeit viel besser nutzen, und so war es schlussendlich dazu gekommen, dass sie aufgehört hatte. Auch ihre Eltern hatten geschockt reagiert, doch Skye war das egal. Eine Karriere als Handballerin hatte sie sowieso nicht angestrebt.
    „Das ist krass“, stellte Charlotte fest. „Du bist doch so gut.“
    Skye zuckte abermals mit den Schultern. „Nur weil man gut in etwas ist, heißt das nicht, dass es einem auch Spaß macht.“
    Es herrschte noch ein paar Sekunden eine bedrückte Stille, dann wandten sich die Mädchen wieder anderen Themen zu. Skye, die keine Lust hatte, sich an dem Gespräch zu beteiligen, ließ ihren Blick träge über den Schulhof wandern; überall saßen schwatzende Schüler auf den Bänken, die Sonne schien auch sie hinausgelockt zu haben. Im Hintergrund hörte sie das Gerede der anderen („Mr Nastay ist wirklich verrückt . . . Wie er Luke heute mit Kreide abgeworfen hat und dann meinte, dass er normalerweise seinen Schlüsselbund für so etwas benutzt, das war wirklich ganz schön fies.“) und es herrschte eine allgemein entspannte Stimmung, die Skye zu genießen gelernt hatte.

    Schon am ersten Morgen in Hogwarts hatte die Gerüchteküche jedoch angefangen überzukochen, denn Ron Weasley bekam während dem Frühstück einen Heuler geschickt. Skye, die natürlich noch nie etwas von Heulern gehört hatte, bekam einen gehörigen Schreck, als der Brief am Gryffindor-Tisch einfach explodierte.
    „Dann ist es wohl doch wahr!“, rief Padma aufgeregt über das ohrenbetäubende Gekreische Mrs Weasleys hinweg. „Harry Potter und Ron Weasley sind wirklich mit einem fliegenden Auto nach Hogwarts gekommen!“
    „Das ist ziemlich dumm“, stellte Betty fest.
    „Seltsam, da würde man doch denken, die seien von der Schule geflogen“, wunderte sich Skye.
    Nachdem Professor Flitwick dann jedoch die Stundenpläne ausgeteilt hatte, mussten sich die Ravenclaws schleunigst auf zu ihrer ersten Doppelstunde Verwandlung machen, und so kam es nicht zu weiteren Spekulationen.
    Es war nicht nur die Tatsache, dass Professor McGonagall nicht sehr gut gelaunt schien, die die Stunde so unangenehm machte - nein, denn sie fand auch mit den Slytherins statt. Skye war das hämische Geflüster von Draco Malfoy, Pansy Parkinson und ihren fiesen Freunden zwar mittlerweile schon gewohnt, dennoch konnte es manchmal etwas lästig werden. Sie hatte erst geglaubt, dass die Slytherins vielleicht über die Ferien ein wenig reifer geworden waren, aber da hatte sie sich geirrt.
    Bettys lauter Kommentar („Schaut mal, Professor McGonagall hat als Vorführung einen Menschen in einen Mops verwandelt! . . . oh, tschuldige, Pansy, das bist ja nur du.“), bei dem die Ravenclaws hämisch lachten, machte den Unmut der Mitschüler aus Slytherin noch größer, und so musste Skye den Rest der Stunde damit verbringen, zu versuchen, etwas Zauberei hervorzubringen, während sie von Pansy Parkinson und Daphne Greengrass, die hinter ihr saßen, mit den Käfern abgeworfen wurde, die die Klasse eigentlich in Knöpfe verwandeln sollte. Und wenn sie sich dann einmal wenigstens etwas konzentrieren konnte, wurde sie von Professor McGonagalls schneidender Stimme aufgeschreckt, die die Zweitklässler ermahnte („Wären Mr Avery und Mr Nott vielleicht so freundlich und würden sich erbarmen, statt Papiereulen zu basteln, lieber auf ihre Käfer zu achten?“) und so hatte Skye am Ende der Stunde deutlich weniger Knöpfe als Padma und Betty verwandelt, die diese händeweise herumtrugen.
    Auch der Unterricht in den nächsten Tagen war schwierig; viel schwieriger, als Skye es gewohnt war. Die Erklärung, warum so viele Bücher des berühmten Gilderoy Lockharts auf der Liste waren, kam schon bald, nämlich in ihrer ersten Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste. Wie Betty es prophezeit hatte, schien Professor Lockhart ein ziemlicher Aufschneider zu sein. Er erzählte irgendetwas von wilden Wichteln, die ihm zu gefährlich für die Klasse schienen, da er schon schlechte Erfahrungen mit den Geschöpfen gemacht hatte, was Padma mit einem unkonventionellen Schnauben kommentierte. So verbrachten sie die Stunde damit, Ausschnitte aus Professor Lockharts Büchern zu lesen und Szenen daraus nachzuspielen, wobei Betty eine beeindruckende Performance als Todesfee ablieferte und Kevin Entwhistle sehr gekonnt einen Troll nachahmte.
    Professor Snape schien über die Sommerferien noch gemeiner geworden zu sein, denn er schrieb in der ersten Stunde einen viel zu schwierigen Überraschungstest über den Stoff des letzten Jahres.
    Was Skye nach diesem unglücklichen Vorfall wieder aufmunterte, war Kräuterkunde mit den Slytherins, wo sie schreiende Pflanzen - sogenannte Alraunen - umtopften und dabei sogar Ohrenschützer tragen mussten. Betty hatte dann plötzlich die Idee, ihren Ärger über Snape und seinen Test an Pansy Parkinson und Daphne Greengrass auszulassen: Mit einem schnellen Schlenker ihres Zauberstabes unter dem Umhang ließ sie die Ohrenschützer der beiden während dem Umtopfen herunterfallen, was dazu führte, dass die Mädchen vom Schrei der Alraunen ohnmächtig wurden und über ihren Töpfen zusammenbrachen. Skye fand das ziemlich amüsant, aber Padma missbilligte Bettys Verhalten. Sie fand es zu brutal, und verhielt sich deshalb für den Rest der Stunde etwas eingeschnappt.
    „Wenn die nicht Vertrauensschülerin wird, dann weiß ich auch nicht“, murmelte Betty daraufhin Skye zu.
    Am meisten freute Skye sich immer auf Zauberkunst bei dem zwar körperlich kleinen, jedoch riesig intelligenten Professor Flitwick. Er war so fröhlich wie eh und je und wieder einmal wurde ihr klar, wie viel Glück die Ravenclaws mit ihrem Hauslehrer hatten.
    Doch all die Aufregung über die erste Schulwoche in Hogwarts wurde bald von einer ganz anderen Spannung vertrieben, die Skye immer hibbeliger werden ließ. Es waren die Quidditch-Auswahlspiele, die schon in der zweiten Woche stattfinden würden und Skye war trotz der vielen Übung mit Cho in den Ferien unglaublich aufgeregt und konnte es kaum abwarten.

    BILD: Die Rosewood Grammar School

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    ((bold))((navy))Kapitel 6: DIE QUIDDITCH-AUSWAHL((ebold))((enavy)) „Ich glaube, ich kann das nicht!“ Mit einem angsterfüllten Gesicht ließ Cho s

    Kapitel 6: DIE QUIDDITCH-AUSWAHL

    „Ich glaube, ich kann das nicht!“
    Mit einem angsterfüllten Gesicht ließ Cho sich auf einen der Sessel im Gemeinschaftsraum fallen und blickte hilflos zu den anderen. Betty, die sich mit einem Buch auf einem Sessel unter dem großen Fenster fläzte, schaute auf.
    „Jetzt reiß dich mal zusammen! Du willst es doch!“
    Skye, die zwar selbst aufgeregt war, aber Cho trotzdem trösten wollte, tätschelte ihr unbeholfen die Schulter.
    „Das wird schon.“
    „Es ist doch nur ein Auswahlspiel“, gab Padma verständnislos hinzu, was Cho mit einem bösen Blick quittierte.
    „Ihr geht jetzt, und zwar sofort!“, befahl Emma mit strenger Stimme und erhob sich vom Sofa vor dem Kaminfeuer, um Cho auf die Beine zu ziehen.
    „Wenn sie sich weigert, musst du sie zur Not zwingen“, sagte Marietta zu Skye. „Ich will kein Erbarmen sehen.“
    Skye nickte nur; Chos Aufregung machte ihr klar, was gleich passieren würde und sie umklammerte ängstlich ihren Sauberwisch. Emma schob Cho aus der Tür des Gemeinschaftsraumes und schubste sie zur Treppe.
    „Viel Glück“, wünschte Padma noch, bevor auch Skye von Emma nach draußen bugsiert wurde.
    „Was ist, wenn sie mich nicht nehmen?“, fragte Cho ängstlich, während sie zusammen die Wendeltreppe des Ravenclaw-Turmes hinunterliefen.
    Sie war ganz blass um die Nase und sah aus, als würde sie gleich zusammenbrechen.
    „Dann wirst du schon drüber hinwegkommen“, sagte Skye.
    „Grant Page aus meinem Jahrgang will sich auch bewerben“, quengelte Cho. „Der ist sicher besser als ich!“
    „Was für eine Position möchte er denn?“
    „Hüter.“
    „Oh man, Cho, dann ist das doch egal, ob er nun besser ist.“
    Das beruhigte Cho nicht im Geringsten; Skye war froh, als sie sie sicher nach draußen gebracht hatte und die Mädchen sich dem Feld nährten, wo man aus der Ferne schon eine blau-bronze gekleidete Menschenmenge sehen konnte.
    „Hi Cho!“, grüßte sie ein blonder Junge, der munter mit geschultertem Besen zu ihnen stieß.
    „Hallo Grant“, sagte Cho mit schwacher Stimme und Skye fürchtete schon, sie würde gleich anfangen, zu hyperventilieren.
    Als sie am Quidditch-Feld ankamen, wurde aber auch Skyes Aufregung immer größer. Die Mannschaft stand in voller Montur zusammen, umringt von mehreren kleinen Grüppchen Ravenclaws mit Besen. Skye fröstelte leicht, es war ein kühler Tag und die Sonne war hinter den Wolken verschwunden, was die Stimmung noch düsterer machte. Sie drückte aufgeregt ihren Besen an sich und musterte die Konkurrenz. Zwar kannte sie nur wenige der Ravenclaws, denn es waren viele ältere Schüler, die ziemlich lässig wirkten, doch Skye hatte trotzdem großen Respekt vor ihnen.
    Da gellte ein Pfiff über das Feld und sofort wurde es mucksmäuschenstill, denn der Captain Arthur Wright trat hervor.
    „Willkommen zu dem diesjährigen Auswahlspiel für das Ravenclaw-Team!“ Gut gelaunt sah er in die Runde. „Es freut mich, dass ihr alle gekommen seid. Ich will euch gar nicht so auf die Folter spannen, wir werden gleich anfangen. Was ihr nur wissen solltet ist, dass ihr nur für zwei Positionen spielen könnt. Jäger und Hüter. Wir haben schon wunderbare Spieler für den Rest, und ich bezweifle, dass irgendjemand so gut ist und sie übertrifft. Die anderen Teams machen das vielleicht anders, aber das ist eine Art kleine Tradition bei uns.“
    Cho warf Skye einen hoffnungslosen Blick zu. Sie wollte Sucherin werden, aber die Chancen schienen wirklich gering.
    „Wir kriegen das schon hin, warte einfach noch“, hauchte Skye in ihre Richtung und wendete sich dann wieder nach vorne.
    „Um euer Können etwas einschätzen zu können, würde ich euch nun bitten, ein paar Runden zu fliegen“, sagte Arthur Wright. „In Fünfergruppen. Auf die Besen, hopp, hopp!“
    Einige der Ravenclaws, die wohl etwas anderes als Hüter oder Jäger werden wollten, lösten sich missmutig aus der Menge und liefen zurück Richtung Schloss, der Rest bestieg die Besen. Aufgeregt beobachtete Skye die erste Gruppe, die in die Höhe schoss. Darunter war auch Grant Page, der ganz vorne flog und ziemlich schnell war. So wie in der zweiten Fünfergruppe waren aber auch ein paar Leute dabei, die nicht ganz so gut Fliegen konnten.
    Und dann war endlich Skye an der Reihe.
    Das vertraute Gefühl der schier unendlichen Freiheit breitete sich in ihr aus, als sie sich in die Höhe schraubte. Der Wind peitschte ihr ins Gesicht und sie wurde immer schneller; die Tribünen waren mittlerweile nurnoch ein brauner, formloser Schleier. So fühlt es sich also an, ein Quidditch-Spieler zu sein, dachte sie bewundernd.
    Skye fand, dass Wright die Gruppe ruhig noch etwas länger in der Luft hätte lassen können, doch mit einem Pfiff dirigierte er sie wieder nach unten und schickte die vierte und letzte Gruppe los.
    „Nun gut“, sagte er schließlich, als sich alle wieder versammelt hatten. „Manche von euch sollten wirklich noch üben. Ihr“ - er deutete auf ein paar Leute, die verteilt zwischen den anderen standen - „könnt gehen. So wird das nichts. Bewirbt euch bitte erst im Team, wenn ihr wenigstens fliegen könnt.“
    Manche der Ravenclaws schimpften leise, doch irgendwann machten sich auch diese auf den Weg zurück ins Schloss. Es waren fünf Leute und Skye fiel ein Stein vom Herzen, da ihre Chancen schon ein wenig größer geworden waren.
    „Beginnen wir mit den Hütern“, sagte Wright dann. „Wer will alles Hüter werden? Ihr da? Nicht mehr? Gut, kommt her. Der Rest von euch kann sich auf die Tribünen setzten. Roger, Randolph, ihr bleibt hier.“
    Der Großteil der Ravenclaw-Menge trottete gemächlich in Richtung der Tribünen; es waren nur wenige, die die Position des Hüters begehren zu schienen. Arthur Wright redete mit dem kleinen Grüppchen, das sich - angeführt von Grant Page, der selbstbewusst ganz vorne stand - um ihn versammelt hatte.
    „Vielleicht sollte ich auch wieder reingehen“, sagte Cho enttäuscht, als sie sich neben Skye auf die Bank plumpsen ließ. „Arthur Wright hat es doch eben gesagt: Es werden nur Hüter und Jäger gesucht. Ich habe also gar keine Chance. Und überhaupt weiß ich gar nicht, warum ich mir solche Hoffnungen gemacht habe.“
    Skye beobachtete nachdenklich das Geschehen auf dem Feld, wo ein rothaariges Mädchen vor den Torringen hin- und herflog, während Roger Davies und Randolph Burrow Angriffe starteten, dann wendete sie sich wieder Cho zu.
    „Ich finde, du solltest hierbleiben“, sagte sie aufmunternd. „Wir können Arthur Wright ja fragen, ob du auch mal dein Können zeigen darfst.“
    „Ich weiß nicht . . .“
    „Aber dann bleibst du wenigstens, um mir zuzusehen. Und danach fragen wir, ich habe schließlich versprochen, dich ins Team zu zwingen.“
    Das sagte Skye in einem so strengen Tonfall, dass Cho es scheinbar nicht mehr wagte, ihr entgegenzusetzen und stumm die verschiedenen Hüter beobachtete. Grant Page war wirklich sehr gut, das fiel Skye direkt auf. Er hielt jeden Ball und das tat er so entspannt und lässig, als könne er es selbst mit geschlossenen Augen. Auch Wright sah zufrieden aus, als die wenigen Hüter gespielt hatten. Er redete kurz mit ihnen und dann löste sich die Gruppe auf. Nur einer blieb zurück und der Rest schlenderte wieder zum Schloss.
    Als er dann ein ziemlich eindeutiges Handzeichen machte, setzte Skyes Aufregung wieder ein und ihr wurde ein wenig schlecht.
    „Du musst runter!“, sagte Cho aufgeregt und zeigte hektisch auf das Feld, das sich schon mit den anderen Ravenclaws füllte.
    Skye bereute ihre Entscheidung, im Ravenclaw-Team spielen zu wollen schon etwas, da aufgenommenen zu werden plötzlich fast unmöglich schien, doch tapfer stellte sie sich neben ein älteres Mädchen, das recht vertrauenswürdig aussah.
    „Wie ich sehe, gibt es viele potenzielle Jäger“, sagte Wright mit gut gelaunter Stimme. „Das ist gut. Besonders wichtig ist, dass ihr miteinander interagiert. Deshalb werdet ihr in Dreierteams zusammen spielen, das geht auch wunderbar auf. Und der gute Randolph hier“ - er klopfte dem großen Jungen neben sich kräftig auf die Schulter - „springt als Hüter ein. Viel Glück.“
    Dann lief er durch die Reihen und teilte die Ravenclaws in Dreiergruppen auf. Skye wurde mit dem Mädchen neben sich zusammengesteckt, die ihr freundlich zulächelte, und dann kam auch noch ein kräftig aussehender Junge dazu, der etwas miesepetrig dreinblickte.
    Schon stieg die erste Gruppe in die Luft; allesamt wirkten sie sehr aufgeregt und warteten gespannt darauf, dass Arthur Wright den Quaffel freigab. Es war eine Quälerei für Skye, den ersten zwei Dreierteams zuzusehen, wie sie über das Feld fegten und versuchten, Tore zu werfen. Randolph Burrow war nämlich ein sehr guter Hüter, und das, obwohl er als Jäger spielte; so wurden Skyes Hoffnungen immer kleiner.
    „Gruppe drei, macht euch bereit“, sagte Wright dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit.
    Zitternd bestieg Skye ihren Besen; sie atmete tief durch und warf noch einen Blick zu Cho auf den Tribünen, die dort saß und einen Daumen in die Höhe reckte.
    „Und . . . los!“
    Nach dem Moment, in dem Wright den Quaffel warf, ging alles ganz schnell. Wie der Junge und das Mädchen sauste Skye sofort in die Höhe. Sie drückte sich ganz nah an den Besen, um besonders flink zu sein, und es ging schneller als gedacht, da hatte sie den Quaffel schon in der Hand. Für einen kurzen Momenten war sie jedoch eingeschüchtert und passte deswegen zu dem Jungen, der gleich danach Richtung Torringe flog. Sie beobachtete, wie er zielte, sah genau, wie Randolph Burrow seinen Besen herumriss und wusste direkt, dass der Quaffel nicht durch den Ring gehen würde. Mit einem dumpfen Klatschen kickte Burrow den Quaffel wieder zurück in die Richtung der Drei, und diesmal reagierte Skye schneller. Sie fing den Quaffel und wusste, dass sie jetzt eine gute Chance hatte, wenn sie nicht zweifelte.
    Anstatt ihn abzugeben, raste sie nämlich auf das Tor zu.
    Und da kamen ihr ihre Handball-Kenntnisse zugute: Sie musste täuschen, um treffen zu können, das wurde ihr sofort klar. Während des Fluges wandte sie sich zur Seite, machte eine Bewegung, als würde sie dem netten Mädchen den Quaffel abgeben wollen, doch drehte sich im letzten Moment wieder zu den Torringen. Man sah in Burrows Gesicht, dass er damit nicht gerechnet hatte und durch die Passtäuschung war es eine Leichtigkeit für Skye, ein Tor zu machen.
    Nach diesen Erfolg war Skyes Aufregung wie weggeblasen. Sie merkte, dass Quidditch im Grunde nichts anderes als Handball auf Besen war, und so widmete sie sich ganz dem Spiel; sie täuschte, trickste und traf. Es war wie eine Trance, die erst beendet wurde, als Arthur Wright pfiff.
    „Gut gemacht, alle drei Teams“, sagte Wright zufrieden, als Skye, das Mädchen und der Junge auf dem Boden landeten. „Ich habe jetzt aus jeder Gruppe jemanden ausgewählt, der weiterkommt.“
    Manche der Ravenclaws warfen sich bei dieser Ankündigung nervöse Blicke zu, auch Skye konnte die Entscheidung gar nicht abwarten und hing gespannt an Wrights Lippen.
    „Aus der ersten Gruppe, du“, sagte er und zeigte auf einen großen Jungen, den Skye auf etwa fünfzehn Jahre schätzte. „Aus Gruppe zwei bist du weiter.“ Nun nickte Arthur einem anderen Jungen zu, der so aussah, als würde er vor Freude gleich platzen. „Und aus Gruppe drei“ - er ließ seinen Blick über Skye und die anderen beiden schweifen - „du.“
    Als Arthur auf Skye zeigte, wäre sie am liebsten in die Luft gesprungen, so glücklich war sie. Selbst, wenn sie jetzt nicht ins Team käme, hatte sie dennoch die Zufriedenheit, dass sie unter den besten Drei war.
    „Glückwunsch“, sagte das Mädchen aus ihrer Gruppe zu Skye und lächelte zaghaft, obwohl man merkte, dass sie enttäuscht war. Der Junge blieb still, er schien etwas mürrisch und drehte sich ohne ein weiteres Wort um und stiefelte vom Feld.
    „Nun, so was kann vorkommen“, sagte Arthur mit einem gleichgültigen Blick auf den Jungen. „Aber an den Rest von euch: Danke, dass ihr es versucht habt. Irgendwann brauchen wir sicher noch Jäger.“
    Ein paar gemurmelte „Danke“ und „Ciao“ waren aus der Gruppe zu hören, die sich dann aber auch langsam entfernte. Zurück blieben nur Skye und die zwei anderen Jungen.
    Etwas eingeschüchtert musterte Skye ihre Gegner. Beide waren älter als sie, und schienen um einiges muskulöser. Sie hoffte nur, dass es ihr wenigstens einen Vorteil verschaffen würde, dass die beiden durch ihre Masse nicht so wendig wie Skye waren.
    „Jetzt wird es natürlich härter“, erklärte Arthur mit ernster Stimme. „Ihr werdet nicht nur Tore werfen müssen, sondern auch Klatschern ausweichen. Dafür spiele auch ich mit“ - er ließ seinen Schläger lässig kreisen - „und mein Treiber-Kollege Jason. Aber glaubt ja nicht, dass ich deswegen weniger auf euch achten kann. Die gute Emily wird nämlich auch ein Auge auf euch haben.“
    Er deutete mit seinem Schläger zur Tribüne, wo die freundlich herunterwinkende Emily Abercrombie mit Roger Davies saß, und gab den drei Auswahlspielern dann ein Zeichen, die Besen zu besteigen.
    „Auf die Besen, fertig und . . . los!“
    Sein Startpfiff gellte laut in Skyes Ohren und sie schoss augenblicklich hoch in die Luft. Aus dem Augenwinkel sah sie die zwei anderen Jungen das gleiche tun; Burrow nahm wieder vor den Torringen seine Position ein und Wright und der andere Treiber Jason Samuels schwangen schon unheilverkündend ihre Schläger.
    Einer der Jungen ging direkt in den Quaffelbesitz über und flog Richtung Tor; diesmal wollte Skye sich nicht zurückhalten, sie sauste ihm hinterher und bat sich unauffällig zum Abgeben an. Er passte ihr den Quaffel zu, sie sah, wie der Ball durch die Luft auf sie zuschoss. Aber es war nicht der einzige, da kam ein anderer Ball angerast. Ein Klatscher. Skye konnte den Quaffel gerade noch fangen und drehte sich in einem Anfall von Übermut in einer Faultierrolle nach unten, um dem Klatscher auszuweichen. Alles war auf den Kopf gedreht und sie sah die Überraschung in Burrows Gesicht, also warf sie den Quaffel kopfüber und gerade, als der Ball durch den rechten Torring segelte, hörte sie hinter sich ein lautes Krachen.
    Skye drehte sich um und sah, wie der Junge, der ihr eben den Ball zugepasst hatte, zu Boden trudelte; er hatte die Hand über seiner Nase und Blut spritzte ihm hinterher.
    „MACHT WEITER!“, brüllte Wright.
    Skye riss sich nur schwerfällig vom Anblick des blutenden Jungen los, denn sie wusste, dass der Klatscher, der für sie bestimmt gewesen war, ihn getroffen hatte. Aber sie musste weitermachen, um zu gewinnen, das war ihr ebenso klar.
    Der andere Junge jedoch hatte einen entgeisterten Ausdruck auf dem Gesicht, er schien eingeschüchtert und verharrte einfach in der Luft. Skye nutzte diese Chance, um den Quaffel zu fangen, dachte gar nicht daran, auf den anderen Jungen zu achten, und warf wieder. Es schien ihn gar nicht zu interessieren, er flog langsam zu Boden und dann ertönte Arthur Wrights lauter Pfiff, gerade als der Quaffel schon wieder durch den Torring ging.
    „FERTIG“, rief Wright laut und landete neben dem Jungen, der ganz blass geworden war, auf dem Boden.
    Skye beobachtete die anderen Mitglieder der Mannschaft, die mit besorgter Miene hinzustießen.
    „Warte noch kurz“, sagte Emily Abercrombie im Laufen zu ihr und verwirrt lief Skye wieder zurück zu der Tribüne, wo Cho zusammengesunken hockte.
    „Was zur Hölle war da -“, begann Skye gerade verwirrt, da wurde sie von Wrights Pfiff unterbrochen.
    „Ich glaube, er verkündet jetzt das Ergebnis“, sagte Cho mit einem schwachen Lächeln, das etwas kühler als sonst schien.
    Sie sah traurig aus, und Skye fühlte sich deswegen sogar etwas schuldbewusst. Dann trottete sie wieder zurück zum Feld, wo Wright und der Rest der Mannschaft schon wartete.
    „Wer will denn auch Quidditch spielen, wenn er Angst vor Blut hat?“, hörte Skye ihn noch ärgerlich zu Emily Abercrombie sagen, bevor er sich nach vorne wandte.
    Zu ihrer Überraschung stand da auch Grant Page, der sie selbstbewusst angrinste.
    „Also“, begann Wright an Skye gerichtet, „du konntest es dir wahrscheinlich schon denken, aber jetzt ist es offiziell: Du bist unsere neue Jägerin.“
    Fröhlich grinste Skye. „Vielen Dank!“
    Plötzlich schien ihr Körper wieder ganz entspannt, die Aufregung der letzten Woche war vollkommen von ihr abgefallen und sie fühlte sich, als würde sie auf einer Wolke hoch oben im Himmel schweben.
    „Dann haben wir nach diesem etwas . . . chaotischen . . . Testspiel doch noch jemanden gefunden. Willkommen im Team, Grant und . . .“ Mit fragendem Blick sah er zu Skye.
    „Skye“, ergänzte sie. „Skye Thomas.“
    „Genau. Skye. Wir trainieren einmal die Woche, das erste Spiel wird im November gegen Hufflepuff sein, bis dahin haben wir noch etwas Zeit zum Üben. Wir . . . könnten uns doch mal vorstellen“, schlug er vor. „Ich bin Arthur Wright, Captain und Treiber.“
    „Ich bin Emily, die Sucherin“, sagte das brünette Mädchen freundlich und zwinkerte Skye zu, die froh war, nicht das einzige Mädchen im Team zu sein.
    „Nicht nur eine Sucherin, eine unglaublich geniale Sucherin“, ergänzte Arthur stolz.
    „Ich bin der andere Treiber“, sagte ein dunkelhäutiger Junge neben Emily. „Achso, wie ich heiße? Ist ja gut, Arthur.Ich bin Jason. Jason Samuels.“
    „Vielleicht nicht so gut wie ich, aber dennoch ziemlich klasse“, kommentierte Wright und klopfte Samuels freundschaftlich auf die Schulter.
    „Das sind unsere Jäger“, erklärte Wright dann und zeigte auf zwei Jungen; der eine war recht klein und der andere groß und stämmig.
    „Roger Davies“, stellte sich der Kleine vor.
    „Und ich bin Randolph Burrow“, sagte der andere. „Wir sind jetzt deine Teamkollegen, Skye.“
    Er grinste ihr zu und sie lächelte schüchtern zurück. Mit seiner dunklen Stimme und den vielen Muskeln wirkte er ziemlich einschüchternd, und Skye war froh, nicht gegen ihn, sondern mit ihm zu spielen.
    „Und nun zu den ernsten Dingen“, sagte Wright, und sein scharfkantiges Gesicht verfinsterte sich augenblicklich. „Wie ihr sicher mitbekommen habt, ist das Ravenclaw-Team das beste in Hogwarts. Hufflepuff - die können uns nicht schlagen, genauso wie in den Prüfungen, ganz einfach. Slytherin schummelt sich zum Sieg, und das wissen wir zu verhindern. Gryffindor hat zwar Harry Potter, aber ohne ihn? Ohne ihn sind sie aufgeschmissen. Das haben wir ihnen letztes Jahr beim Spiel ordentlich gezeigt. Die schlimmste Niederlage seit dreihundert Jahren war es für sie.
    So ist das bei uns nicht. Wir haben nicht nur einen, sondern sieben geniale Spieler. Wenn einer fehlt, sind wir trotzdem unschlagbar. Und ich möchte, dass das so bleibt.“ Er funkelte Grant Page und Skye drohend an. „Ihr müsst alles geben. Immer. Ich erwarte, dass die Jäger spielen, als wären sie nicht drei, sondern eine Person. Ich erwarte, dass der Hüter jeden Ball hält. Ich erwarte, dass die Treiber die Klatscher nicht nur schlagen, sondern sie beherrschen. Und ich erwarte, dass der Sucher - ja, tschuldige, Emily, ist ja gut - die Sucherin ihrem Gegner immer einen Schnatz voraus ist.“
    Nach dieser beeindruckenden Rede war es erst still, das ganze Team schien sie erst einmal verarbeiten zu wollen, bis dann schließlich Samuels anfing, zu klatschen, in seinem Gesicht ein breites Grinsen. Als jedoch niemand miteinstimmte, hörte er langsam wieder auf und murmelte etwas von: „Gut, dann eben nicht, ihr Spielverderber . . .“
    „Genug für heute“, sagte Wright dann. „Ihr könnt gehen.“
    Erleichtert machte sich die Mannschaft auf zum Schloss zurück; Samuels erzählte Burrow und Davies von seinen neusten Versuchen in der Ovomancy, bei denen er herausgefunden hatte, dass Ende Oktober etwas Schreckliches geschehen würde, weil der Eidotter besonders weit links gefallen war. Grant Page gesellte sich bald zu den drei Jungen dazu, und schließlich standen nurnoch Skye, Emily und Wright auf dem Feld. Die beiden älteren Spieler unterhielten sich leise, aber schließlich traute Skye sich, auch etwas zu sagen.
    „Ähem . . . Ich wollte noch etwas fragen“, sagte sie zögerlich.
    Wright und Emily verstummten und wandten sich ihr zu.
    „Ich habe noch eine Freundin hier und die hätte es gerne als Sucherin versucht . . .“ - sie deutete nach hinten zu der Tribüne, wo Cho noch immer saß - „Geht das?“
    „Nein, ich habe es doch am Anfang erklärt, ihr -“, sagte Wright streng, wurde dann aber von Emily unterbrochen.
    „Arthur will sagen, dass es ihm leidtut, aber deine Freundin muss sich da noch ein wenig gedulden. Nächstes Jahr ist aber mein Platz frei und da könnte sie es probieren“, erklärte Emily freundlich und legte Wright beschwichtigend die Hand auf den Arm.
    Enttäuscht bedankte sich Skye; in ihren Gedanken überlegte sie schon, wie sie das Cho sagen sollte.
    „Herzlichen Glückwunsch“, wünschte diese mit kühler Stimme, als sich die beiden bei den Tribünen trafen und wieder zum Schloss schlenderten.
    „Ich habe Arthur wegen dir gefragt. Also, Emily meinte, du könntest es nächstes Jahr noch probieren.“
    „Und was, wenn ich es nächstes Jahr gar nicht mehr will?“, fragte Cho in einem nun zickigen Ton, so, als würde sie Streit suchen.
    „Aber, warum -“
    „Ach, es war doch von Anfang an klar, dass das nicht klappt!“
    „Was? Jetzt sei doch -“
    Skye musste ihr Tempo beschleunigen, um mit Cho mitzuhalten, bis diese dann plötzlich stehen blieb und sich mit einem flammenden Blick umdrehte.
    Was soll ich sein? Du verstehst das einfach nicht! Ich liebe seit langem die Tutshill Tornadoes und ich liebe Quidditch und wollte es seit ich klein war unbedingt selbst spielen! Und du . . . du kommst einfach an, übst ein wenig und es klappt! Das ist nicht fair!“
    „Meine Güte, Cho, jetzt komm doch mal -“
    Aber Skye konnte ihren Satz nicht mehr beenden, denn Cho war einfach weitergerauscht; das lange schwarze Haar wehte ihr hinterher und sie würdigte Skye keines Blickes.
    „- runter“, endete Skye leise.
    Aber sie fühlte sich in keinster Weise schuldig. Warum auch? Cho hätte sich das auch denken können; sie selbst hatte es sogar in den Sommerferien gesagt. Also schlenderte Skye gemütlich weiter. Von solch dramatischen Anfällen wollte sie sich ihr Glück nicht verderben lassen.

    BILD: Ein Hogwarts-Quidditch-Wappen

    7
    ((bold))((navy))Kapitel 7: SÜßES ODER TOTES((ebold))((enavy)) Auch in den nächsten Wochen schien Cho nicht darüber hinwegzukommen, dass sie nicht

    Kapitel 7: SÜßES ODER TOTES

    Auch in den nächsten Wochen schien Cho nicht darüber hinwegzukommen, dass sie nicht ins Quidditch-Team aufgenommen wurde. Sie behandelte Skye mit solch einer eisigen Kälte, dass sie bei jeder Begegnung daran erinnert wurde. Auch Marietta hatte sich dieser stillen Feindschaft angeschlossen und nur Emma war so freundlich wie immer.
    Skye hatte nicht besonders viel Zeit damit verschwendet, ihre Gunst wiederzuerlangen und fand sich schnell mit der Tatsache ab, dass Cho sie größtenteils ignorierte und nun Betty oder Padma fragte, ob diese ihr beim Mittagessen bitte die Erbsen reichen könnten, obwohl die beiden viel weiter entfernt davon saßen als Skye.
    Dieses Verhalten war aber so auffällig, dass sogar andere Ravenclaws es bemerkten. Als Terry eines trüben Oktobermorgens Skye mit gesenkter Stimme fragte, was zur Hölle denn mit Cho passiert sei, und Skye es ihm erklärte, erstickte er vor Überraschung fast an seinem Toast.
    „D-du bist im . . . Quidditch . . . team aufgenommen worden?“, brachte er zwischen zwei heiseren Hustern hervor und erntete von Cho einen vernichtenden Blick.
    Das Ganze trat Skye aber nicht sehr nahe, denn die Tatsache, dass sie jetzt zum Ravenclaw-Team gehörte, war einfach viel zu schön. Wenn Wright oder Davies sie im Gang grüßte, fühlte sie sich unglaublich stolz und das Training war auch einfach toll. Trotz des immer schlechter werdenden Wetters zeigte Wright keine Gnade: Gerade Skye und Page wurden besonders hart rangenommen, da sie neu waren.
    Am liebsten hätte Skye auch in der Muggelwelt mit ihren Erfolgen im Quidditch geprahlt, aber das ging nicht. Sie war froh, als ihr Umfeld endlich die Tatsache verarbeitet hatte, dass sie mit Handball abgeschlossen hatte.
    Auch ihre Eltern, die sie anfangs immer mit vorwerfender Stimme darauf angesprochen hatten, schwiegen nun und taten, als wäre es niemals passiert. Natürlich hatte Skye sie reden gehört. Einmal, während sich ihre Eltern leise im Wohnzimmer unterhielten, hatte sie unauffällig gelauscht. Sie sprachen über die Gründe, warum Skye aufgehört hatte und darüber, dass sie sich Sorgen machten. Skye wollte ihre Eltern nicht beunruhigen; das war nie ihre Absicht gewesen, eher das Gegenteil.
    Und als dann Alice in der Schule eine fast leere Packung Bertie Bott‘s Bohnen in jeder Geschmacksrichtung in Skyes Spind fand, hätte sie am liebsten alles erzählt. Von Quidditch, von der Zauberei, Hogwarts, ihren Freunden dort und dem Zeitumkehrer. Doch das konnte sie nicht. Genauso wie sie in Hogwarts kein Wort über die Welt der Muggel verlieren durfte. Also behauptete sie, dass sie die Süßigkeit von ihrer Cousine aus Amerika geschickt bekommen hatte. Dabei gab es gar keine Cousine in Amerika.

    Und so stand schließlich Halloween vor der Tür, angekündigt von riesigen Regenmassen und einem stets dunklen Himmel. Skyes einzige Aufmunterung bei diesem trübseligen Wetter, das sogar in beiden Dimensionen herrschte, war die Aussicht auf das Halloween-Fest in Hogwarts.
    „Glaubt ihr wirklich, dass Dumbledore tanzende Skelette gebucht hat?“, fragte Michael nachdenklich, als er sich an diesem besagten Abend an den Ravenclaw-Tisch fallen ließ.
    „Das wäre genial!“, sagte Betty mit leuchtenden Augen.
    „Ich finde so etwas eklig“, teilte Padma mit und rümpfte die Nase, um ihrem Abscheu Ausdruck zu verleihen.
    „Die Deko ist doch auch so schon toll“, meinte Skye.
    Sie ließ ihren Blick durch die Große Halle schweifen. Die Kürbisse waren in diesem Jahr besonders riesig, man hätte mehrere Schüler hineinsetzten können; es flatterten lebendige Fledermäuse durch die Halle und die Kerzen und Fackeln waren gedämmt, was das gruselige Ambiente noch echter machte, genauso wie der Regen, der draußen gegen die Fenster trommelte.
    „Der Gryffindor-Hausgeist soll heute sogar eine Todestagsfeier veranstalten. Unten, in den Kerkern“, erzählte Padma.
    „Woher weißt du das?“, fragte Terry neugierig.
    „Das hat mir die Graue Dame erzählt.“
    „Was?“ Er verzog schmollend den Mund. „Mit mir spricht sie nie.“
    „Vielleicht hält sie dich nicht für einen würdigen Ravenclaw“, sagte Skye grinsend, woraufhin Terry ihr die Zunge entgegenstreckte.
    Wie sich dann bald herausstellte, waren die Gerüchte über die tanzenden Skelette doch wahr: Während dem Essen platzten sie plötzlich herein und klapperten zu Liedern der Schicksalsschwestern durch die Große Halle. Das löste laute Jubelrufe unter den begeisterten Schülern aus; auch Professor Dumbledore schien sich - im Gegensatz zu den anderen Lehrern - köstlich zu amüsieren, er klatschte und wiegte im Takt von Do the Hippogriff mit; Snape hingegen sah neben ihm so aus, als hätte er den Hippogreif lieber ermordet.
    Padma fand den Auftritt gar nicht lustig, sie hatte ihr Gesicht die ganze Zeit in einer Serviette vergraben und wollte nicht hinsehen, so sehr ekelte sie sich vor den Skeletten. Anthony versuchte in einem Anflug von Mitleid, Padma tröstend die Schulter zu tätscheln, kassierte jedoch fast einen heftigen Kinnhaken von ihr, da sie dachte, ein Skelett hätte sie angefasst.
    Betty hingegen sah so aus, als wäre sie am liebsten aufgesprungen und hätte sich in die Arme von einem der Skelette geworfen, sie sang laut mit („MOVE YOUR BODY LIKE A HAIRY TROLL, LEARNIN’ TO ROCK AND ROLL, SPIN AROUND LIKE A CRAZY ELF, DANCIN’ BY HIMSELF!“) und war ganz selig, als sie einem der Skelette ein High Five geben konnte.
    Am Ende der Vorführung konnte auch Skye den Text und sang fröhlich mit. Sie fand diese Skelette unheimlich interessant und hätte Professor Dumbledore am liebsten gefragt, wie sie funktionierten. Und auch sie jubelte noch lange, selbst, nachdem die Tänzer schon aus der Großen Halle verschwunden waren.
    Im letzten Jahr hatte sie das Halloween-Fast schließlich verpasst und hatte sich stattdessen mit einem mörderischen Troll und einem riesigen, dreiköpfigen Hund herumschlagen müssen; in diesem Jahr erlebte sie also zum ersten Mal das Festessen. Die Küche schien sich wieder einmal selbst übertroffen zu haben, so gut war das Essen. Die Haustische quollen über von Kürbissaft und Kürbispasteten, in den Suppenschüsseln schwammen große Augen aus Brot, es gab lebende Zuckerspinnen, die über die Tische krabbelten und als Nachtisch wurde ihnen ein klumpiger, erdfarbener Pudding serviert, in dem ein täuschend echt aussehender Finger aus weißer Schokolade steckte.
    Als die Schüler schließlich langsam aus der Großen Halle liefen, waren alle satt und zufrieden. Betty nagte noch immer an einer kläglich mit den Beinchen strampelnden Zuckerspinne, sie hatte so viele wie möglich in ihre Taschen gestopft um „Verpflegung für den Rückweg zum Ravenclaw-Turm zu haben“. Michael und Terry quetschten Skye derweil über das Quidditch-Team aus, sie wollten alles so genau wissen, dass man hätte denken können, sie würden für andere Häuser spionieren. Padma unterhielt sich mit Anthony über ihr Lieblingsbuch Die Philosophie des Weltlichen: Warum die Muggel es lieber nicht wissen wollen und so trotteten sie in einer großen, schwatzenden Schülermasse durch die Gänge.
    Lachend liefen sie um die nächste Ecke, aber plötzlich breitete sich eine unerklärliche Stille aus und die Schüler am Anfang der Gruppe blieben stehen.
    „Was ist da los?“, fragte Skye und streckte sich, um über die Köpfe der anderen spähen zu können.
    Mitten im Gang standen Harry, Ron und Hermine mit angsterfüllten Gesichtern. Und an der Wand, da schimmerte etwas Glänzendes, ein riesiger Schriftzug:

    DIE KAMMER DES SCHRECKENS WURDE GEÖFFNET.
    FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT

    Erst runzelte Skye nur verwundert die Stirn, aber dann keuchte sie angewidert auf. Unter dem Schriftzug hing etwas Pelziges an einem Fackelhalter festgebunden. Es war eine Katze, die Skye sehr bekannt vorkam.
    „Das ist Mrs Norris!“, flüsterte Mandy Brocklehurst, die in der Nähe stand, mit ängstlicher Stimme.
    Betty, Padma und Skye warfen sich verwunderte Blicke zu. Wer sollte so etwas getan haben? Es gab viele Schüler, die Mrs Norris nicht mochten, aber sie umzubringen, das sah wenigen ähnlich.
    Der Korridor war totenstill, niemand sagte etwas und alle schienen in einer Schockstarre zu sein, nur ein blonder Junge mit spitzem Gesicht drängte sich mit einem wahnsinnigen Funkeln in seinen Augen ganz nach vorne.
    „Feinde des Erben, nehmt euch in Acht! Ihr seid die nächsten, Schlammblüter!“
    Sein Ruf schien eine Art Bann zu lösen, die Schüler fingen plötzlich an, mit ihren Freunden zu flüstern und warfen sich misstrauische Blicke zu. Skye sah mit großen Augen zu Betty und Padma.
    „Warum behauptet Malfoy, Muggelstämmige seien die Nächsten?“, fragte sie, und Angst bebte in ihrer Stimme. „Warum redet er so über uns?“

    BILD: Die tanzenden Skelette (Wer hätte es gedacht?)

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    ((bold))((navy))Kapitel 8: FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT((ebold))((enavy)) Betty und Padma schienen genauso ratlos wie Skye, beide zuckten verw

    Kapitel 8: FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT

    Betty und Padma schienen genauso ratlos wie Skye, beide zuckten verwirrt mit den Schultern und in Bettys Augen war ein kleiner Funken Unsicherheit zu sehen, was Skye nicht von ihr kannte.
    „Was geht hier vor? Was ist los?“
    Die keifende Stimme gehörte dem Hausmeister Argus Filch, der sich vor bis zu seiner geliebten Mrs Norris drängte. Er schien wie wahnsinnig, seine Augen quollen hervor und auf seinem Gesicht lag ein mörderischer Ausdruck. Er schrie Harry an und die Schüler waren bei dem Anblick des kreischenden Filch selbst beunruhigt zurückgewichen.
    „Ich glaube kaum, dass das Harry Potter war“, sagte Padma mit leiser Stimme.
    Betty nickte zustimmend, Skye jedoch war noch so geschockt, dass sie nur nach vorne starrte und beobachtete, wie Professor Dumbledore, der mit anderen Lehrern angerauscht kam, auf Filch mit beruhigender Stimme einredete und die wie ausgestopfte Mrs Norris vom Fackelhalter holte. Und auf das heuchlerische Bitten Professor Lockharts hin („Mein Büro ist am nächsten, Direktor . . . bitte seien Sie so frei -“) machte sich Professor Dumbledore auf den Weg, gefolgt von Snape, Professor McGonagall und Professor Lockhart, ebenso wie Harry, Ron und Hermine, die mit schuldbewussten Gesichtern hinterhertrotteten.
    Die Menge teilte sich, um die kleine Prozession durchzulassen, und dabei erhaschte Skye einen genaueren Blick auf Mrs Norris. Sie war vollkommen steif, die Augen vor Schreck weit aufgerissen und den Schwanz in die Höhe gestreckt - sie sah schrecklich aus.
    Als die Lehrer sich ein wenig entfernt hatten, begann wieder das laute Flüstern der Schüler: Viele diskutierten über den Täter und die eigenartige Kammer des Schreckens. Sue Li erzählte Mandy Brocklehurst davon, dass etwas über die Kammer des Schreckens in der Geschichte von Hogwarts stand und sie bald nachlesen würde; Terry, Michael und Anthony, die ziemlich beunruhigt wirkten, machten sich leise redend auf den Weg zurück zum Ravenclaw-Turm. So löste sich die Ansammlung langsam auf, nur Skye, Betty und Padma blieben zurück und nährten sich langsam der Wand mit dem riesigen Schriftzug.
    „Ich kann mich auch erinnern, dass etwas darüber in der Geschichte von Hogwarts steht“, sagte Padma mit gesenkter Stimme. „Aber ich habe sie nicht dabei.“
    „Wir sollten gleich morgen in der Bibliothek nachschauen“, schlug Betty vor.
    Skye blieb stumm, sie starrte mit großen Augen auf die schimmernde Schrift und in ihrem Kopf hallten die Worte Malfoys noch wider.
    Ihr seid die Nächsten, Schlammblüter!
    „Du musst jetzt wohl ziemlich Schiss haben, Thomas, nicht wahr?“
    Skye fuhr genauso wie Betty und Padma herum, als sie die schnarrende Stimme hörte. Es war Draco Malfoy, der da im Gang stand, er hatte ein zufriedenes Grinsen im Gesicht und verschränkte lässig die Arme. Hinter ihm standen Crabbe und Goyle, wie immer mit einem dümmlichen Gesichtsausdruck.
    „Was willst du, Malfoy?“, zischte Betty.
    Malfoy grinste. „Nun, nachdem die Kammer des Schreckens wieder geöffnet ist, sollte Thomas sich doch lieber verkriechen.“
    „Was meinst du?“, fragte Skye misstrauisch. Mit etwas Glück könnte sie Malfoy vielleicht noch ein paar Informationen entlocken, oder herausfinden, warum er von Muggelstämmigen redete, bevor er wieder anfing, sie einfach nur plump zu beleidigen.
    „Na, weil du ein kleines Schlammblut bist, deshalb“, sagte Malfoy und Crabbe und Goyle grunzten belustigt.
    Skye seufzte theatralisch. „Man könnte wirklich denken, dass du langsam zu alt für diesen Kram wirst, Malfoy. Schade drum . . . Kommt Leute, wir gehen.“
    Mit einem herrischen Ausdruck auf dem Gesicht drehte Skye sich um und lief in die entgegengesetzte Richtung; sie wollte sich so schnell wie möglich von Malfoy entfernen. Betty und Padma folgten ihr schweigend; Betty sah so aus, als hätte sie Malfoy am liebsten eigenhändig verprügelt, Padma hingegen schien erleichtert. Skye unterdrückte ihre Wut nur schwer; sie hasste es, wenn Draco Malfoy oder andere seiner schrecklichen Slytherin-Freunde so redeten.
    „Ja, verkriech dich ruhig bei deinen Muggeleltern, Thomas“, rief Malfoy ihr in einer durchdringenden, gestellten Babystimme hinterher. „Aber du wirst es schon noch sehen. Bin ich froh, nicht so ein wertloses Schlammblut wie du zu sein!“
    Und damit hatte Malfoy einen Punkt überschritten, den er nicht hatte überschreiten sollen. Irgendwo in Skye schien etwas zu platzen, es war wie ein Kochtopf, der überkochte.
    Wütend zog sie ihren Zauberstab, und von dieser Sekunde an schien alles ganz schnell zu gehen. Mit wehendem Umhang fuhr sie herum, Malfoy sah ihren ausgestreckten Zauberstab, versuchte noch, seinen eigenen zu ziehen, aber Skye war schneller.
    Petrificus Totalus!“, hallte Skyes Stimme durch den Korridor, sie echote fast schon geisterhaft.
    Und augenblicklich wurde Malfoy fest und wie von Stein, seine Arme schnellten zusammen und er taumelte kurz auf der Stelle, dann fiel er nach hinten, den Ausdruck der plötzlichen Überraschung noch auf dem fahlen Gesicht. Sein Freund Crabbe konnte den erstarrten Malfoy gerade noch auffangen, bevor er auf dem Boden aufschlug.
    Zufrieden beobachtete Skye das Ganze. Zwar wunderte sie sich schon, warum Crabbe und Goyle nicht auf sie losgingen, da sie doch sonst so aggressiv schienen, aber für einen Moment war sie von dem Erfolg völlig geblendet.
    „Das tat gut“, sagte sie zufrieden zu Betty und Padma, die neben ihr standen. „Hoffentlich wird ihm das eine -“
    „Ich frage mich, ob Mr Malfoy von alleine gelähmt wurde, Miss Thomas?“, unterbrach eine kühle Stimme sie hinter ihr.
    Skye brauchte sich gar nicht umzudrehen, sie wusste direkt, dass es Professor Snape war, und schon bereute sie, was sie eben getan hatte, ihre Freude war wie weggeblasen.
    Langsam wendete sie sich um und sah verzweifelt zu Snape hinauf, der so fetthaarig und mürrisch wie immer vor ihr stand. „Ich kann das erklären, Professor, wirklich!“
    „Das hoffe ich doch für Sie. In mein Büro. Sofort“, sagte er mit gefährlich ruhiger Stimme.
    Skye warf Betty und Padma einen letzten verzweifelten Blick zu, beide schienen genauso überrascht und ängstlich wie sie. Sie blieben stehen, als Snape in Richtung seines Büros in den Kerkern rauschte, nur Betty hauchte noch ein „Viel Glück“.
    Mit einem lässigen Schwenker seines Zauberstabes hatte er Draco Malfoy vorher noch von seiner Lähmung befreit, und Skye hoffte jetzt innig, dass Betty und Padma sich schnell aus dem Staub machen würden, bevor sich Crabbe und Goyle wieder ihrer Muskeln bewusst wurden und sie angriffen.
    Skye folgte Professor Snape mit schuldbewusster Miene, sein schwarzer Umhang bauschte sich wie eine gigantische Fledermaus vor ihr auf und als die beiden schließlich in sein Büro traten, warf er die Tür mit solcher Wucht zu, dass Skye zusammenzuckte.
    Sie hatte noch nie so ein dunkles Büro gesehen, es sah angsteinflößend aus, mit den schleimigen Geschöpfen in Gläsern, die überall standen und in dem schweren Steinkamin flackerte kein angenehmes Feuer, das den kühlen Raum etwas freundlicher gemacht hätte.
    „Sie wissen, dass das Duellieren auf den Schulgängen verboten ist, Thomas?“, fragte Snape und stützte sich auf seinen klauenfüßigen Schreibtisch.
    „Ja, aber -“
    „Sie wissen, dass man Sie dafür von der Schule verweisen kann?“
    „Ja, ich weiß, aber -”
    „Und Sie wissen auch, dass Mr Malfoy ernsthafte Schäden davontragen könnte?“
    „Das glaube ich kaum, Professor.“
    Snape stutzte bei dieser widerspenstigen Antwort und musterte Skye mit seinen schwarzen Käferaugen.
    „Ich habe ihn nur gelähmt, Sir, das wird ja wohl kaum so schrecklich sein“, fuhr sie fort, ermutigt vom plötzlichen Einhalten Snapes. „Außerdem hat er es herausgefordert. Ich konnte gar nicht anders.“
    Snape bleckte hämisch die Zähne. „Natürlich. So ist es immer.“
    „Er hat mich Schlammblut genannt!“ Skyes Stimme bebte vor Wut, als sie ihm das ins Gesicht schleuderte.
    „Und Sie“, sagte Snape verächtlich und richtete sich auf, „Sie glauben, dass sie nun die gesamte Welt der . . . Ihrigen . . . vor Mr Malfoy verteidigen müssten?“
    Skye wollte fast lachen bei dieser Aussage, so affektiert wirkte sie. „Nein, das glaube ich nicht“, erwiderte sie. „Aber ich glaube sehr wohl, mich selbst verteidigen zu müssen. Ihnen gefiele es sicher auch nicht so, wenn man Sie so beleidigen würde.“
    Bei diesem letzten Satz versteinerte sich Snapes Miene und in seinen Käferaugen blitzte irgendetwas auf. Es war wie eine ferne Erinnerung, die plötzlich wieder vor seinen Augen erschien. Für ein paar Sekunden herrschte Stille, Snape schien in Gedanken versunken und Skye wartete angespannt auf seine Antwort.
    „Nun . . .“, sprach Snape endlich. „Dieses eine Mal. Nur dieses eine Mal werden Sie ohne Strafe davonkommen, Thomas.“
    „Vielen Dank, Sir!“
    Skye, die sich vorher gefühlt hatte, als hätte jemand ihr in die Magengegend geschlagen, entspannte sich augenblicklich und sie lächelte erleichtert.
    „Und nun machen Sie, dass Sie aus meinem Büro verschwinden. In zwei Minuten werde ich durch die Korridore patrouillieren, und wenn ich Sie dann antreffe, werden Sie mehr als nur ein paar Hauspunkte verlieren.“
    „Ja, danke. Dankeschön!“
    Mit einem erleichterten Kopfnicken huschte Skye aus der Tür, verließ Snapes gruseliges Büro und rannte, sobald sie im Gang stand, so schnell sie konnte los. Zwar überlegte sie, warum Snape plötzlich so weich geworden war, doch diese Gedanken hob sie sich für später im Ravenclaw-Turm auf. So sauste sie glückselig durch die Gänge und überhörte dabei das leise Knirschen und Flüstern, das aus einer Wand kam und erst weg war, als sie sicher im Gemeinschaftsraum stand.

    BILD: Die Schrift an der Wand

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    ((bold))((navy))Kapitel 9: DIE KAMMER DES SCHRECKENS((enavy))((ebold)) Nach dem eigenartigen Vorfall mit Mrs Norris wurde Skye erstmals klar, wie sich

    Kapitel 9: DIE KAMMER DES SCHRECKENS

    Nach dem eigenartigen Vorfall mit Mrs Norris wurde Skye erstmals klar, wie sicher die Muggelwelt eigentlich war.
    Wenn sie dort in ihrem kuscheligen Bett lag, musste sie keine Angst haben, dass etwas Mörderisches im Haus lauerte und ihre Freunde dort verhielten sich so fröhlich wie immer. In Muggelschulen gab es kein Gerede über die Kammer des Schreckens. Während Skye vor dem Unterricht ihre Bücher auspackte, unterhielt sie sich mit den anderen gut gelaunt über die neusten Filme, Lehrer und andere oberflächliche Themen. Für sie gab es keine Gefahren, sie alle waren normale Schüler mit normalen Leben.
    Die sekundäre Dimension war für Skye ein Ort der Ruhe geworden, wo sie keine Angst haben musste. Rosewood war ein friedlicher Ort, frei von Katastrophen.
    Wenn Alice sich vor ihr über die Unverschämtheiten ihrer Eltern („Und da meinten sie, ich solle erst mein Zimmer aufräumen! Kannst du das glauben?“) aufregte, lächelte Skye nur und dachte daran, wie Alice wohl reagieren würde, wenn in ihrer Schule Katzen angegriffen und Drohungen an die Wände geschmiert werden würden.

    In Hogwarts jedoch sprach niemand mehr über etwas anderes. Ging man in den Gängen an Schülergruppen vorbei, hörte man leises Geflüster über die mysteriöse Kammer des Schreckens und manche Schüler behaupteten sogar felsenfest, Harry Potter sei der berüchtigte Erbe.
    Betty, Padma und Skye hielten das für Schwachsinn.
    „Das sind wieder diese Hufflepuffs mit ihren unlogischen Verschwörungstheorien“, hatte Betty gesagt. „Sollen die mal lieber beim Nettsein bleiben.“
    Und es wirkte so, als würde niemand etwas über die Kammer des Schreckens herausfinden können. Alle Ausgaben der Geschichte von Hogwarts waren vergeben und es gab sogar Wartelisten. Niemand jedoch schien eines der Bücher wirklich ausgeliehen zu haben, und so wurden die Vermutungen immer wilder.

    So war es auch in einer eigentlich ganz normalen Stunde Geschichte der Zauberei mit den Gryffindors. Der Geist Professor Binns leierte wie immer in seiner monotonen Stimme den Unterrichtsstoff herunter und ein Teil der Klasse war eingenickt; Betty, Padma und Skye jedoch, die sich ganz nach hinten gesetzt hatten, diskutierten hinter einer Wand von aufgestapelten Büchern angeregt über die Kammer des Schreckens.
    „Der Erbe könnte doch Draco Malfoy sein“, schlug Padma flüsternd vor. „Schließlich wusste er um einiges mehr als die anderen.“
    „Oder andere von den Slytherins. Crabbe und Goyle können wir ausschließen, die sind viel zu dumm dafür, außerdem können die gar nicht schreiben, glaube ich. Blaise Zabini vielleicht“, meinte Betty und bedachte Padmas Schwester Parvati, die sich neugierig zu ihnen lehnte, mit einem drohenden Blick.
    „Der ist ein Lackaffe, mehr nicht“, sagte Skye. „Ihn kann ich mir nicht als Erben vorstellen.“
    „Und was ist mit den anderen?“, fragte Padma. „Mit diesem Avery und Nott? Ich könnte -“
    Sie brach plötzlich ab, denn auch Professor Binns hatte aufgehört zu reden, was etwas war, das sonst nie vorkam. Padma warf Betty und Skye einen verwirrten Blick zu, beide zuckten aber nur mit den Schultern.
    „Miss - ähm -“, fragte Professor Binns in seiner kratzigen Stimme.
    „Granger, Professor. Ich frage mich, ob Sie uns nicht etwas über die Kammer des Schreckens erzählen könnten“, meinte Hermine und mit einem mutigen Blick ließ sie ihre Hand wieder sinken.
    Ein aufgeregtes Murmeln ging daraufhin durch die Klasse: Sowohl Gryffindors als auch Ravenclaws schreckten aus ihren Trancen hoch und alle sahen neugierig nach vorne zu dem verdatterten Professor Binns, der so viel Aufmerksamkeit nicht gewohnt war.
    Er ließ seinen Blick über die gespannt aussehenden Schüler wandern. „Sie alle wissen natürlich, dass Hogwarts vor über tausend Jahren gegründet wurde - das genaue Datum ist nicht bekannt -, und zwar von den vier größten Hexen und Zauberern des damaligen Zeitalters . . .“
    „Die übliche Geschichte“, kommentierte Betty leise, aber dennoch sah sie aufmerksam nach vorne.
    Aber es war ganz und gar nicht die „übliche Geschichte“. Professor Binns erzählte nämlich von einem Streit unter den Gründern, und davon, dass Slytherin schließlich die Schule verließ, da er nur Kinder reines Blutes lehren wollte. Und um seine Meinung durchsetzen, solle er die Kammer des Schreckens in Hogwarts eingebaut haben.
    „. . . Und die Legende sagt weiter“, fuhr Professor Binns fort, „dass Slytherin diese Kammer versiegelt hat, sodass keiner sie öffnen kann, bis sein eigener wahrer Erbe zur Schule kommt. Der Erbe allein soll in der Lage sein, die Kammer des Schreckens zu entsiegeln, den Schrecken im Inneren zu entfesseln und mit seiner Hilfe die Schule von all jenen zu säubern, die es nicht wert seien, Zauberei zu studieren“, endete er.
    Skye wusste nicht, wie sie sich nach dieser Geschichte fühlen sollte. Salazar Slytherin hatte Muggelstämmige verabscheut, so wie Draco Malfoy, Pansy Parkinson und der Rest der Slytherins. War der Erbe nun wirklich an der Schule? War er da, um Hogwarts von Leuten wie Skye zu säubern?
    Zwar behauptete Professor Binns, das alles sei nur eine unsinnige Legende, aber niemand schien das zu glauben. Es wirkte so logisch und passend, dass sich die Schüler fast schon sicher waren, die Kammer sei wirklich geöffnet worden.

    In den nächsten Tagen verbreitete sich die Geschichte der Kammer des Schreckens rasend schnell; die ganze Schule wusste davon und Skye fühlte sich immer unwohler.
    Jedes Mal, wenn sie einen muggelstämmigen Mitschüler in den Gängen sah, musste sie an die Geschichte denken. Lauerte wirklich so eine Gefahr hinter den Mauern von Hogwarts? Sie hatte Angst, das konnte sie nicht abstreiten.
    Zwar versuchte sie, sich mit dem Quidditch-Training abzulenken (Wright trainierte die Mannschaft härter denn je, denn das Spiel gegen Hufflepuff stand bevor; einmal zertrümmerte er mit einem Klatscher sogar fast das Bein von Jason Samuels), aber sie war besorgt.
    Betty, Padma und Skye klebten noch mehr als vorher aneinander, sie alle fühlten sich sicherer in der Nähe der anderen, und obwohl Skye diesen Gedanken immer verdrängte, war sie insgeheim froh, dass Betty von einer so alten Familie Reinblütiger stammte. Zusammen schlichen sie durch die Gänge, verbrachten viel Zeit in der Bibliothek, um etwas über die Kammer herauszufinden und beobachteten aufmerksam Malfoy und seine Gang.
    Die Lehrer taten, als wäre nichts geschehen, doch dann erschütterte ein unglaublicher Vorfall ganz Hogwarts:
    Betty, Padma und Skye hatten vor Zauberkunst auf den Unterrichtsbeginn gewartet, da war plötzlich Professor McGonagall aufgetaucht und hatte mit leiser Stimme auf Professor Flitwick eingeredet. Betty, die ausgezeichnete Ohren hatte, hatte sie belauscht. Ein junger Gryffindor sei versteinert worden, auf dem Weg zu Harry Potter, der wegen eines Unfalls beim Quidditch im Krankenflügel lag.
    Das war es, was vielen Muggelstämmigen den Rest gab. Es war der Beweis, dass die Geschichte der Kammer des Schreckens stimmte. Ein Unruhe machte sich unter den Schülern breit, wie Skye sie noch nie zuvor erlebt hatte. Kevin Entwhistle berichtete, dass seine Eltern ihn nach Hause holen wollten; die Vertrauensschüler wirkten noch finsterer als sonst und die Gerüchte wurden immer verrückter. Viele schienen auf einmal über ihren Blutstatus sprechen zu wollen, falls der Erbe zufälligerweise in der Nähe war, und Reinblütige hielten sich plötzlich für die Beschützer der anderen.
    Alle hatten irgendwie einen Weg gefunden, mit diesen Vorfällen umzugehen. Betty war noch lauter geworden, sie machte ständig Witze, um die Stimmung aufzulockern („Kein Wunder, dass der Erbe jetzt angreift, wir haben schließlich Lockhart als Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, da weiß er, dass er nicht viel zu befürchten hat!“) und wenn Skye und Padma mal nicht in Stimmung dafür waren, steckte sie den Kopf mit den Weasley-Zwillingen zusammen, die auch wie Betty reagierten. Padma war zunehmend ruhiger geworden, sie verbrachte viel Zeit mit ihrer Schwester Parvati und schrieb ständig irgendwelche Briefe an ihre Eltern.
    Skye suchte verzweifelt nach einer Lösung, einer Spur, oder einer Erklärung, die das Ganze weiterbringen würde. Sie spielte mehr Quidditch als je zuvor, der kühle Novemberwind schien ihr ihre Sorgen wenigstens für ein paar Stunden aus dem Kopf zu blasen.

    BILD: Alice Smith mit zwölf Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 10: LOCKHART‘SCHE DUELLIERKUNST((ebold))((enavy)) „Jetzt stell dich doch nicht so an“, sagte Padma vorwurfsvoll und boxt

    Kapitel 10: LOCKHART‘SCHE DUELLIERKUNST

    „Jetzt stell dich doch nicht so an“, sagte Padma vorwurfsvoll und boxte Betty in die Seite.
    Diese machte ein schmollendes Gesicht. „Da gibt es einige Dinge, die viel sinnvoller sind als einem Duellierclub beizutreten.“
    „Am Anfang warst du doch auch ganz begeistert“, meinte Skye.
    „Ja, weil ich dachte, dass Professor Flitwick den Unterricht gibt. Schließlich ist er ein Meister in der Duellierkunst. Aber das tut er nicht. Ich habe ihn heute in Zauberkunst gefragt.“
    Selbst Padmas Aufregung schien von dieser Nachricht etwas gedämpft zu werden und sie sah verblüfft aus, als die Drei die Große Halle betraten. „Aber wer dann?“
    „Keine Ahnung.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Deshalb habe ich auch keine Lust.“
    „Es sieht schon ziemlich glamourös aus“, stellte Skye fest und sah sich um.
    Die Haustische waren verschwunden und stattdessen stand an einer Wand eine große, goldene Bühne, die im Licht der vielen Kerzen glitzerte.
    „Seid ihr auch schon so gespannt?“, fragte Michael Corner aufgeregt grinsend, als die Mädchen zu ihm und seinen Freunden stießen.
    „Professor Flitwick wird nicht den Unterricht geben“, sagte Betty direkt und in ihrer Stimme lag Unmut.
    „Was? Aber wer?“ Anthony stutzte, doch dann verfinsterte sich sein Blick und er zeigte zur Bühne. „Er ist es.“
    Professor Lockhart betrat freudenstrahlend die Bühne, gefolgt von dem böse dreinblickenden Snape, der die Schülerschaft feindselig wie immer musterte.
    „Nun, Professor Dumbledore hat mir die Erlaubnis erteilt, diesen kleinen Duellierclub zu gründen und euch auszubilden für den Fall, dass ihr euch verteidigen müsst -„
    „Weil wir uns auch mit dem Erben von Slytherin duellieren“, murmelte Betty hämisch und Skye brach in einen stummen Kicheranfall aus.
    „Und Professor Snape hat sich freundlicherweise bereiterklärt, mir bei einer kleinen Vorführung zu helfen!“, verkündete Professor Lockhart und seine schneeweißen Zähne blitzten beim Lächeln auf.
    Skye beobachtete, wie sich die Lehrer - Snape mit einem gruselig mörderischen Blick - gegenüber stellten und die Zauberstäbe aufeinander richteten.
    „Ich hoffe, Snape macht ihn fertig“, flüsterte Terry Anthony zu, der als Antwort aber nur vorwurfsvoll mit der Zunge schnalzte.
    Doch Skye konnte Terry verstehen, gespannt beobachtete sie das Schauspiel. Das Bild von Snape, der wie immer in schwarz gehüllt war, und Professor Lockhart, der einen prächtigen, pfauenblauen Umhang trug, wirkte fast schon lustig.
    Expelliarmus!“
    Es war Snape, der schneller reagierte. Ein blendender Lichtblitz zuckte durch die Halle (Skye kniff kurz die Augen zusammen) und Lockhart wurde durch die Luft geschleudert, der Zauberstab flog ihm aus der Hand und er knallte gegen die Wand. Einige Mädchen im Publikum kreischten besorgt, Skye sah Malfoy neben einem dunkelhaarigen Slytherin-Jungen johlen und auch sie konnte nicht anders, als zu grinsen.
    Professor Lockhart rappelte sich wieder auf, richtete das wellige Goldhaar und wuselte dann etwas verwirrt zur Bühne zurück. „Genug der Vorführung! Ich komme jetzt runter und stelle euch zu Paaren zusammen!“
    „Natürlich war das extra, das ist es immer.“ Betty kicherte noch immer über die Vorführung.
    Sie hatte Glück, dass Professor Lockhart das nicht hörte, denn er kam gerade durch die Menge auf sie zu, ein paar seiner Haarsträhnen standen noch immer unordentlich ab.
    „Nun, Miss Patil . . . Gehen Sie mit Cornfoot zusammen . . . Gut, gut . . . Mr Boot und Miss Thomas, genau -“ Er schob Terry und Skye nebeneinander, die sich erleichtert angrinsten, denn keiner von ihnen hatte mit einem Slytherin zusammenkommen wollen.
    „Und Sie, Miss Warrington, wie wäre es mit -“
    „Kann ich mit Pansy Parkinson zusammengehen, Sir?“ Betty warf Professor Lockhart ihren besten Unschulds-Blick zu und klimperte charmant mit den Wimpern.
    „Nun, natürlich, warum nicht . . .“ Lockhart wirkte sichtlich verwirrt bei dieser Forderung, er hatte jedoch nichts einzuwenden.
    Schadenfroh beobachtete Skye, wie Betty mit einem grimmigen Blick ihren Zauberstab zog und sich einen Weg durch die schnatternde Menge bahnte.
    „Betty wird sie fertigmachen“, stellte Skye fest und grinste bei dieser Vorstellung.
    „Aber so was von“, sagte Terry zufrieden.
    Die beiden stellten sich gegenüber und versuchten, die seltsamen Schritte, die Professor Snape und Lockhart eben vorgemacht hatten, nachzuahmen.
    „- eins . . . zwei . . . drei -“, rief Professor Lockhart.
    Skye duckte sich vor einem umherfliegenden Zauberstab und richtete den eigenen auf Terry. Dabei sah sie, wie er das Gleiche tat.
    Expelliarmus!“, riefen sie gleichzeitig und die zwei grellen Lichtblitze trafen sich in der Luft.
    Skyes Zauberstab in ihrer Hand ruckelte nur leicht und schien sonst nicht groß beeindruckt, Terrys ebenso wenig, aber er ließ seinen einfach fallen. Sein Gesicht war plötzlich schmerzverzerrt und er war auf einmal ziemlich blass geworden.
    Skye stürzte zu ihm, besorgt, was sie ihm angetan hatte.
    „Meine . . . Hand“, stammelte Terry langsam und bei dem Anblick, der sich ihr bot, zog sich Skyes Magen unangenehm zusammen.
    An seiner Zauberstabhand klaffte eine riesige Wunde, sie sah aus wie der sauberer Schnitt eines Messers und dunkelrotes Blut tropfte von Terrys Fingern.
    Professor Lockhart wuselte durch die Reihen und warf erschrockene Blicke auf die Schüler, von denen sich manche gerade aufrappelten oder noch am Boden lagen.
    „. . . drück stark dagegen, Boot, es wird gleich aufhören, zu bluten -”, sagte er nur zu Terry und lief dann einfach weiter.
    „Fühlt sich nicht so an“, murmelte Terry und seine Nase war mittlerweile so weiß geworden, dass Skye jede einzelne Sommersprosse auf ihr zählen konnte.
    „Du musst in den Krankenflügel“, sagte sie panisch. „Komm!“
    Schnell las sie Terrys Zauberstab vom Boden auf und bugsierte ihn aus der Halle, manche Schüler starrten ihnen neugierig hinterher.
    „Das tut mir unendlich leid, ehrlich!“, beteuerte Skye, die schuldbewusst beobachtete, wie Terry seine stark blutende Hand in seinen Umhang einwickelte.
    „Schon . . . okay“, sagte er.
    So sah er jedoch gar nicht aus, seine Augen waren glasig und das dunkelblonde Haar klebte ihm verschwitzt an der Stirn.
    „Madam Pomfrey wird das wieder richten!“, versprach Skye, die voll und ganz in deren Heilkünste vertraute.
    „Hoffen wir‘s.“
    Als die beiden endlich im Krankenflügel ankamen und Madam Pomfrey zu ihnen eilte, war das Erste, was sie sagte: „Was haben Sie denn gemacht?“
    „Duellierclub“, antwortete Terry mit gequälter Stimme.
    „Mit Professor Lockhart“, fügte Skye hinzu.
    Es musste eine recht schmerzhafte Prozedur sein, dachte sich Skye, während sie Terry dabei beobachtete, wie Madam Pomfrey seine Wunde (die ziemlich tief zu sein schien) reinigte. Sie selbst hatte sich einen Stuhl geschnappt und ihn neben das Krankenbett gestellt, auf dem Terry saß. Er hatte den Kopf von seiner Hand weggedreht, so sehr schien ihn die Verletzung anzuekeln.
    „Das könnte etwas wehtun“, warnte Madam Pomfrey mit ernster Stimme, während sie ihren Zauberstab zückte, und das schien Terrys Stimmung nicht gerade zu bessern.
    Skye überlegte schon, ob es wohl wie bei den Muggelärzten danach Süßigkeiten für sie geben würde, da erschütterte ein lauter Knall den Krankenflügel und die große Flügeltür schlug gegen die Wand.
    Madam Pomfrey fuhr mit einem wütendem Blick hoch. „Also, ich darf ja wohl bitten -“
    „Tschuldigung!“ Es war Betty, die so plötzlich hereingeplatzt war. „Nur Besuch!“
    Sie wirbelte zu Terry und Skye, ihre grau-grünen Augen blitzten aufgeregt auf. „Machen Sie nur weiter!“, sagte sie lässig zu Madam Pomfrey, die mit einem bösen Blick etwas Feindseliges murmelte.
    Dann zog Betty sich auch einen Stuhl heran und begann direkt zu reden, Terrys klaffender Wunde schenkte sie keine Beachtung.
    „Ihr glaubt nicht, was eben im Duellierclub passiert ist“, rief sie begeistert. „Draco Malfoy und Harry Potter mussten sich vor allen duellieren! Da kam so eine Schlange aus Malfoys Zauberstab und Harry“ - aufgeregt blickte sie zwischen Terry und Skye hin und her - „Harry hat Parsel gesprochen!“
    „Parsel?“, fragte Skye verwundert und auch Terry (der die mit ihrem Zauberstab wedelnde Madam Pomfrey plötzlich gar nicht mehr zu bemerken schien) sah unwissend aus.
    „Na, Parsel. Die Schlangensprache.“
    „Meinst du die, die auch Salazar Slytherin gesprochen hat?“, fragte Skye misstrauisch.
    In einem uralten Bibliotheksbuch hatte sie einmal davon gelesen. Angeblich sei es ein Markenzeichen Slytherins gewesen und auch die Schlange als Symbol des Hauses käme von dieser Geschichte.
    „Genau die! Es sah aus, als hätte er sie auf Justin Finch-Fletchley aus Hufflepuff gehetzt!“
    „Das kann nicht sein.“ Terry runzelte die Stirn.
    „Harry ist in Gryffindor. Außerdem ist er nicht der Typ für so etwas. Wisst ihr, was ich meine?“, fügte Skye hinzu.
    Ich spreche schließlich kein Parsel. Aber es sah auf jeden Fall so aus“, meinte Betty nur und zuckte mit den Schultern.
    Skye schüttelte den Kopf. Sie wollte und konnte sich das nicht vorstellen. Sie kannte Harry, und er würde so etwas nicht tun. Er war es doch gewesen, der den dunklen Zauberer, dessen Name sie noch nie gehört hatte, besiegt hatte. Sie dachte daran, wie er im letzten Jahr den Stein der Weisen hatte retten wollen und sein Leben dafür riskiert hatte. Muggelstämmige ausrotten zu wollen passte nicht zu ihm.
    Es herrschte eine bedrückte Stille, dann räusperte Madam Pomfrey sich plötzlich. „Ihre Hand ist wieder zusammengeflickt, Junge. Und Sie, Miss“ - sie wandte sich an Betty - „Ihnen würde ich empfehlen, schleunigst aus meinem Krankenflügel zu verschwinden.“

    BILD: Terry Boot mit zwölf Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 11: DER ERBE SCHLÄGT ZU((ebold))((enavy)) Man könnte denken, Skye sei ein Profi, was Zeit anging. Schließlich reiste sie t

    Kapitel 11: DER ERBE SCHLÄGT ZU

    Man könnte denken, Skye sei ein Profi, was Zeit anging. Schließlich reiste sie täglich mit dem Zeitumkehrer durch Dimensionen und wusste den Wert von Zeit genau zu verstehen. Aber auch sie unterschätzte die Zeit. Sie verging, und das oft schneller als man erwartet.
    Das bemerkt auch Skye, und zwar kurz vor ihrem ersten Quidditch-Spiel. Die Zeit, nachdem sie ins Team aufgenommen worden war, war unglaublich schnell vergangen. Viel zu schnell nach ihrem Geschmack. Sie fühlte sich schrecklich unvorbereitet, und das, obwohl sie die letzten Monate unter der Leitung des Captains Arthur Wright hart trainiert hatte. (Er forderte immer die Bestleistung.) Sie sah ihre Teamkollegen so genial spielen und fühlte sich selber dabei plötzlich so amateurhaft. Doch die Zeit schien das nicht zu interessieren. Sie trieb Skye immer näher zum Zeitpunkt des Spiels; eine unerträgliche Spannung zwischen Ravenclaws und Hufflepuffs entstand und dann war es endlich so weit.

    „. . . ein Quidditch-Spiel ist nicht gleich ein Quidditch-Spiel“, endete Wright seine Ansprache.
    Er warf einen ernsten Blick in die Runde, mit der wallenden blauen Quidditch-Montur und dem schweren Holzschläger, der ihm in der Hand lag, sah er ziemlich gefährlich aus.
    „Wir machen die Hufflepuffs fertig“, sagte Emily Abercrombie und stellte sich neben Wright, auf ihrem Gesicht den gleichen Ausdruck grimmiger Entschlossenheit.
    „So wie in den Prüfungen“, kicherte Grant Page aus seiner Ecke.
    Die Mannschaft war wild in der Umkleide verteilt; Wright stand mit Emily ganz vorne vor einer vollgekritzelten Tafel, Randolph Burrow hatte seinen massigen Körper auf einen viel zu klein wirkenden Stuhl platziert, Page lag an seinen Besen gelehnt in einer der Ecken und Skye hatte sich neben Roger Davies und Jason Samuels auf eine Bank gekauert. In ihrem Magen schienen viele kleine Leute auf Besen ein Wettrennen zu veranstalten, ihr war ganz unwohl und sie hoffte, dass sie später nicht einfach von ihrem Besenstiel kippen würde.
    „Dann mal los.“ Burrow erhob sich und schulterte seinen Besen.
    „Hast du deine Glückssocken, Jason?“, raunte Emily Samuels grinsend zu, der zwinkernd nickte.
    Skye beobachtete das Ganze verwirrt. „Deine Glückssocken?“
    Samuels hob einen Fuß und wackelte mit ihm vor Skyes Gesicht herum. Eine lange, gelbe Socke wurde sichtbar, bestickt mit lauter kleinen Besen, Schnatzen, Quaffeln und Klatschern.
    „Die sind von meinem Dad. Er war Treiber bei den Fitchburg Finches und hat sie mir geschenkt, als wir hergezogen sind.“
    „Du bist Amerikaner?“, fragte Skye überrascht.
    „Na klar“, sagte Emily grinsend. „Deshalb hat er auch diesen hässlichen Akzent.“ Überraschend gut ahmte sie Samuels nach. „Kännst du miiir beeette ein Beeecher Wasssear geebeeen?“
    Die ganze Mannschaft kicherte ungehalten, und als sie dann aufs Feld traten grinsten sie noch immer.
    Es war ganz anders, in der Mitte des Feldes zu stehen, als irgendwo auf den Rängen zu jubeln. Skye fühlte sich winzig, wie eine Ameise, während die Seiten der Hufflepuffs und Ravenclaws sich gegenseitig niederschrien. Sie versuchte, irgendwo in der Menschenmenge Betty oder Padma zu erkennen, aber blieb erfolglos. Enttäuscht wandte sie sich wieder Madam Hooch zu, die auf die beiden Captains einredete.
    Skye blickte zu den anderen Jägern, die alle recht freundlich und - wie sie - ziemlich aufgeregt wirkten. Insgeheim war Skye froh darüber, dass ihr erstes Spiel gegen Hufflepuff stattfinden würde.
    „Die spielen fair“, hat auch Wright gesagt. „Das tun sie immer.“
    „Und nun . . . AUF DIE BESEN!“
    Auf Madam Hoochs Anweisung hin bestiegen alle Spieler ihre Besenstiele. Skye warf Burrow und Davies einen bedeutungsvollen Blick zu. Die Drei waren in den letzten Monaten zu einem eingespielten Team geworden. Sie ergänzten sich perfekt: Burrow war kräftig und stark, Davies unglaublich flink und Skye hatte mit ihren Handball-Techniken so einige Tricks auf dem Kasten.
    Madam Hooch setzte ihre Trillerpfeife an die Lippen und dann ertönte der Pfiff. Vierzehn Spieler schossen in die Höhe, Skyes Magen schien einen aufgeregten Rückwärtssalto zu machen. Die Rufe der Menge wurden lauter und Skye sah unsicher zu Wright. Seine Lippen formten lautlos einige Worte; Skye war direkt klar, was er sagte:
    „Adler für den Cup.“
    Skye schluckte ihre Aufregung hinunter, nickte Wright zu, der mit schwingendem Schläger davonpreschte und wendete sich dem Spiel zu. Sie versuchte, Davies oder Burrow zu entdecken, Lee Jordans Kommentare hallten schon über das Spielfeld.
    „. . . nachdem Slytherin gegen Gryffindor verloren hat. Aber zugegeben - das war verdient. Flint dieser verdammte - ja, ist gut Professor. Also. Ravenclaw gegen Hufflepuff. Jäger Preece schnappt sich den Quaffel. Ravenclaw-Treiber Samuels ist ihm dicht auf den Fersen . . . Oh, wie ich sehe, hat er seine Glückssocken an!“ Die Menge lachte laut. „Die sind uns allen schließlich gut bekannt.“
    Da sah Skye die anderen: In einem Gewusel aus Klatschern, Treibern und anderen Jägern schien Preece den Quaffel verteidigen zu wollen. Skye sauste los; in einem Sekundenbruchteil war sie bei ihnen. Samuels schien sich zurückzuhalten, um nicht versehentlich jemandem aus der eigenen Mannschaft zu verletzten.
    Verzweifelt suchte Skye nach einer Möglichkeit, den Quaffel zu bekommen, ihn irgendwie zu erreichen. Aber es schien aussichtslos. Klatscher zischten an Skyes Ohren vorbei, sie zog vorsichtshalber den Kopf ein, doch dann . . .
    Knirsch.
    Das Geräusch war ekelerregend, so wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzten oder Knochen knackten.
    Randolph Burrow war von einem Klatscher getroffen worden.
    Er sackte auf seinem Besen nach unten, sein Arm stand in einem seltsamen Winkel ab. Die Hufflepuffs waren für einen Moment abgelenkt, und Skye wusste diese Chance zu nutzen. Sie zischte pfeilschnell herab und schnappte sich den Quaffel einfach aus Preece‘ Hand. Dabei warf sie Davies einen bedeutungsvollen Blick zu. Er verstand sofort. Zu zweit preschten sie los.
    „Thomas hat sich den Quaffel geschnappt!“, rief Lee Jordan aufgeregt. „Sie ist auf dem Weg zum Tor, Davies direkt neben ihr. Die Hufflepuff-Treiber sind ihnen dicht auf den Fersen und . . .“
    Skye raste auf das Tor zu, der Hüter schien sich schon bereit zu machen. Jetzt musste es schnell gehen. Er sah noch jung und unsicher aus, also tat sie das, was ihr am nächsten lag:
    Skye grinste ihm mitten ins Gesicht und warf den Quaffel mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, geradewegs auf ihn zu. Der Hüter wirkte verwirrt, er zuckte, und genau das hatte Skye beabsichtigt.
    „ . . . TOR FÜR RAVENCLAW!“
    Die anderen auf den Ravenclaw-Tribünen schienen geradezu zu explodieren. Ihre Jubelrufe füllten das Stadion und Davies gab Skye im Vorbeifliegen ein High Five.
    „Gut gemacht“, grinste er.
    „Skye Thomas ist wie Grant Page ein neues Mitglied des Ravenclaw-Teams“, erklärte Jordan. „Hufflepuff muss nun aufholen. Ah, ich sehe schon, Jäger -“ Er brach ab, als Madam Hoochs gellender Pfiff über das Feld hallte.
    „Was ist denn jetzt los?“, fragte Lee Jordan und auch der Rest der Ravenclaw-Mannschaft sammelte sich verwirrt.
    „Seht mal. Professor McGonagall“, sagte Page und zeigte zur Tribüne, wo Lee Jordan saß. „Sie sagt ihm irgendetwas.“
    „Ach, nun . . . Was?“, hörte man Jordans fassungslose Stimme und Professor McGonagall drängte sich vor ihn. Selbst die vorher noch jubelnden Schüler waren still geworden. „Das Spiel wurde abgesagt. Vertrauensschüler, bitte versammeln Sie sich auf dem Feld und führen Sie Ihre Häuser in die Gemeinschaftsräume“, befahl Professor McGonagall.
    „Das kann nicht ihr Ernst sein!“ Wright schien vor Wut zu kochen. „Was kann wichtiger als ein Qudditch-Spiel sein?“
    Er flog kurzerhand auf Professor McGonagall zu, und auf den Wink von Emily folgte auch der Rest der Mannschaft. Besorgt beobachtete Skye, wie die Tribünen sich leerten und die Schüler sich auf dem Feld versammelten.
    Als sie bei den anderen ankamen, hatte Wright schon angefangen, loszuschimpfen und auch der Captain der Hufflepuffs war angeflogen gekommen.
    „Jetzt gehen Sie schon, Wright“, antwortete Professor McGonagall barsch.
    „Aber, ich . . . Professor Flitwick, wir müssen fertigspielen!“, flehte Wright nun Flitwick an, der neben McGonagall aufgetaucht war.
    „Was ist denn los?“, fragte der Captain der Hufflepuffs besorgt.
    „Wir können nicht weiterspielen“, erklärte Professor Flitwick mit ruhiger Stimme. „Es gab einen erneuten Angriff.“
    Was?“ Skye keuchte ängstlich auf.
    „Auf wen?“, fragte Emily leise.
    Professor McGonagall seufzte. „Auf Justin Finch-Fletchley. Und . . . Sir Nicholas de Mimsy-Porpington.“
    Justin!“ Der Hufflepuff-Captain drehte sich mit angsterfülltem Gesicht um und raste Richtung Boden.
    „Gehen Sie nun“, sagte Professor Flitwick und wandte sich dann an Wright. „Bringen Sie ihr Team in den Gemeinschaftsraum. Sie haben gut gespielt.“
    Skye fühlte sich vollkommen schrecklich. Ihr war klar geworden, wie ignorant sie sich die letzte Zeit benommen hatte. Schon wieder hatte die Kammer des Schreckens ein Opfer gefordert. Und sie? Sie hatte über nichts als Quidditch nachgedacht.
    Professor Flitwick schien ihren ängstlichen Gesichtsausdruck bemerkt zu haben. „Machen Sie sich keine Sorgen, Miss Thomas. Alles wird gut.“
    Wie in einer Trance nickte Skye. Sie flog hinter Wright zum Boden, folgte den anderen ins Schloss. Alle unterhielten sich fassungslos: Samuels zweifelte das Können seiner Glückssocken an, Wright dachte schon an das nächste Spiel, nur Skye blieb still. Ohne ein Wort zu sagen, lief sie durch die Gänge, erwartete hinter jeder Ecke ein gefährliches Monster.
    In Hogwarts hatte sie sich immer so sicher gefühlt. Dieses Gefühl hatte seit dem ersten Angriff zu bröckeln begonnen, und jetzt schien es vollkommen zerstört.
    Sie hörte den anderen nicht zu, sie beachtete sie nicht, auch, als sie vor der Tür zum Ravenclaw-Gemeinschaftsraum stand und alle über das Rätsel des Adlers grübelten. Sie hörte nicht zu, als die anderen erleichtert aufatmeten, da Davies die richtige Antwort eingefallen war. Erst als sie in den Gemeinschaftsraum trat, und eine laute Stimme sie aufschreckte, wurde sie aus ihrer Trance gerissen.
    „SKYE! Oh, Gott, hast du es auch gehört? Professor Sprout hat es mir erzählt . . .“ Padma war auf sie zugerast gekommen, ihre dunkelbraunen Augen glitzerten aufgeregt. „Komm, komm . . . Wir sitzen hier drüben.“
    Sie bugsierte Skye durch den vollen Gemeinschaftsraum zu einem Sofa vor dem Feuer, wo auch Betty, Terry, Michael und Anthony eng aneinander gequetscht saßen.
    Skye konnte gar nicht sagen, wie glücklich sie in diesem Moment war, ihre Freunde zu sehen. Das warme Kaminfeuer knisterte leise und das Geflüster der anderen Ravenclaws wirkte beruhigend.
    „Neue Opfer, ich weiß“, beantwortete Skye die stumme Frage der anderen und ließ sich neben Betty, die aufgeregt ein bronzefarbenes Kissen knetete, sinken.
    „Der Hufflepuff, mit dem Harry Potter Streit hatte“, sagte Michael mit bedeutungsvoller Stimme. „Was ist, wenn?“
    „Nein.“ Obwohl Skye Angst hatte, war sie sich einer Sache ganz sicher: „Harry Potter würde so etwas nicht tun. Das merkt man doch.“
    „Skye hat recht“, pflichtete Terry ihr bei. „Jeder, aber nicht er.“
    Betty sah mit düsterem Blick auf. „Nicht einmal die Lehrer haben einen Verdächtigen. Ich habe eben Penelope Clearwater und Robert Hilliard belauscht, als sie darüber gesprochen haben.“
    Skye merkte, wie die anderen ihr besorgte Blicke zuwarfen. Sie wusste, dass sie das taten, weil Skye muggelstämmig war. Und in diesem Moment hasste sie sich dafür.
    „Aber wer dann?“, fragte Padma verzweifelt.
    Das“, sagte Skye leise. „Ich denke, das fragt sich jeder hier.“

    BILD: Das Spiel

    ANMERKUNG:
    Die Idee zu Jason Samuels‘ Glückssocken habe ich von einem Charakter namens
    Ian MacGowan, den ich in der Bibliothek für Harry-Potter-Charaktere von Tigerin entdeckt habe. Tigerin sammelt dort sehr interessante und auf keinen Fall normale oder Mary-Sue-hafte Charaktere aus alten RPGs oder MMFFs, die eine tolle Inspiration sind. Weil ich diese Idee so super finde, hat Samuels jetzt Ian MacGowans Glückssocken verpasst bekommen. Obwohl sie bei diesem Spiel nicht viel gebracht haben.
    Schaut aber trotzdem mal bei Tigerins Bibliothek vorbei, sie ist sehr zu empfehlen! Hier der Link:
    https://www.testedich.de/quiz57/quiz/1543337890/Bibliothek-der-Harry-Potter-Charaktere

    12
    ((bold))((navy))Kapitel 12: EDWARD THOMAS((ebold))((enavy)) Nach dem erneuten Angriff wurde die Stimmung in Hogwarts nüchterner und wieder einmal mac

    Kapitel 12: EDWARD THOMAS

    Nach dem erneuten Angriff wurde die Stimmung in Hogwarts nüchterner und wieder einmal machte das Gerücht von Harry Potter als Erbe Slytherins die Runde. Skye wollte das nicht glauben, aber der Rest der Schule schon. Überall wurde besorgt getuschelt, und selbst die Tatsache, dass die Weihnachtsferien anstanden, schien die Stimmung nicht zu bessern.
    Viele fuhren nach Hause zu ihren Eltern, die genauso besorgt wie ihre Kinder waren. Auch Betty und Padma würden die Weihnachtsferien bei ihrer Familie verbringen, versprachen aber, Skye immer auf dem Laufenden zu halten.
    Insgeheim war Skye ziemlich froh, dass auch Terry in Hogwarts bleiben würde; die beiden nahmen sich vor, die gute Zeit von letztem Jahr noch einmal zu erleben und sich nicht von den Angriffen einschüchtern zu lassen.
    Auch in der sekundären Dimension brachen die Weihnachtsferien an, Rosewood wurde von einer weichen Schneeschicht umhüllt und an den Häusern glitzerte schon die Weihnachtsbeleuchtung. Skye hatte mit viel Mühe eine hübsche Lichterkette um den Apfelbaum im Vorgarten gewickelt - wobei ihr Zauberstab hin und wieder zum Einsatz gekommen war. Doch auch ihre Eltern waren nicht untätig geblieben, eine wunderbare Weihnachtsüberraschung war geplant worden . . .

    „Ich glaube, ich könnte in London nicht leben“, stellte Alice nüchtern fest. „Viel zu voll. Und einen Orientierungssinn habe ich nicht.“
    „Aber wegen Weihnachten ist heute auch besonders viel los“, sagte Skye.
    Bewundernd ließ sie ihren Blick über die Themse wandern, die die vielen Lichter des Weihnachtsmarktes reflektierte. Trotz der Kälte gab es keinen Schnee und Skye hatte ihre Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Es roch nach gebrannten Mandeln und Süßigkeiten, der Gesang von festlichen Chören war leise zu hören und zwischen den vielen Menschen, die sich an den Ständen vorbeiquetschten, blitzten und blinkten Lichterketten.
    „Uhhh, schau mal.“ Alice klebte mit leuchtenden Augen an einem Stand mit kandierten Äpfeln. „Mum? Kann ich einen haben?“
    „Gleich, Schatz“, antwortete Alice‘ Mutter abweisend.
    Sie stand mit ihrem Mann, Skyes Eltern und einer Tasse dampfendem Tee in der Hand abseits, die Vier redeten angeregt und ließen ihre Kinder ganz außer Acht.
    „Tss“, machte Alice. „Erwachsene sind echt langweilig. Nicht einmal für kandierte Äpfel können sie sich begeistern.“
    „Ich hole mir gleich Schokowaffeln“, schwärmte Skye. „Die sind hier irgendwo, ich habe sie eben gesehen.“
    „Dann hole ich Mums Geld. Die gibt uns sicher etwas aus. Schließlich war es ihre Idee, heute nach London zu fahren.“
    „Ich finde es toll hier“, sagte Skye mit leuchtenden Augen, den Geruch von Plum Pudding in der Nase und das wohlige Gefühl von Weihnachten in ihrem Herzen.
    Der restliche Tag war wunderbar, genau so, wie ein Weihnachtstag sein sollte. Alice‘ ältere Schwester Mareena, die in London studierte, stieß zu ihnen und zusammen verbrachten sie den Tag zwischen Weihnachtsmärkten und der Stadt. Mareena kannte sich in London gut aus, sie zeigte ihnen die besten Geschäfte (Mareena war nicht nur eine begabte Touristenführerin, sondern auch modebewusst) und führte sie herum, während Alice‘ und Skyes Eltern ihre ganz eigenen Dinge machten.
    Am Ende des Tages kam Skye mit einer umstrickten Wärmflasche, einem kleinen Tiger aus Glas, Taschen voller Süßigkeiten und einem glücklichen, warmen Gefühl im Bauch nach Hause.

    Doch Skye war nicht wie andere. Andere Leute verbrachten ein schönes Weihnachtsfest, sie hatte gleich zwei.
    Wie im letzten Jahr lagen schon Geschenke vor ihrem Bett im Schlafsaal, als Skye in Hogwarts ankam. Hübsch verpackt schienen sie nur darauf zu warten, geöffnet zu werden.
    Von Padma bekam sie ein Fotoalbum, das gefüllt mit Bildern von ihr, Betty und Skye war, und in dem Padma alles mit kleinen Texten kommentiert hatte („Und da haben wir bei Mermaid’s Pool Emmas Kröte als Professor Snape verkleidet, erinnerst du dich noch?“).
    Betty schickte ihr eine große Sammlung verschiedener Stinkbomben, deren Sorten von Blähungen, bis hin zu Erbsensuppe reichten, und eine kleine Notiz, in der Betty Skye anwies, Slytherins Monster mit den neuen Stinkbomben zu bekämpfen.
    Das Geschenk zeigte Skye direkt Terry, der von der riesigen Auswahl und den ulkigen Namen ziemlich beeindruckt war und von Skye direkt die Stinkbombe Durchfall geschenkt bekam.
    Kichernd machten sie sich dann auf den Weg in die Große Halle, die mit Professor Flitwicks goldenen Kugeln und den riesigen Weihnachtsbäumen schon festlich dekoriert auf sie wartete. Trotz der wenigen Schüler gab es unglaublich viel Essen, das Terry und Skye mit viel Begeisterung genossen. Der Wildhüter Hagrid war irgendwann so betrunken, dass er mit Professor Flitwick (der belustigt kicherte) im Arm durch die Halle tanzte und Celestina Warbeck summte.
    Skye schlug sich den Bauch bis obenhin voll und sie wollte sich schon gemütlich zurücklehnen, da passierte etwas Unerwartetes: Während dem Nachtisch kam Arthur Wright auf sie zugelaufen, was bei Terry für Schnappatmung und bei Skye für eine angenehme Überraschung sorgte. Wright überreichte Skye mit feierlichem Gesicht ein kleines Abzeichen, das - wie er erklärte - aus Tradition jeder neue Zuwachs der Ravenclaw-Mannschaft zu Weihnachten bekam.
    Es war ein hübsches Bronzewappen, auf dem der herrisch blickende Ravenclaw-Adler und ein fliegender Schnatz abgebildet waren, untermalt von dem Schriftzug Ravenclaw-Quidditch-Team. Skye wurde vor Freude ganz rot und sie war erleichtert, dass Cho in den Weihnachtsferien bei ihren Eltern war und das nicht mitansehen musste. Das hätte schließlich zu zerbrochenen Tellern oder Bechern führen können.
    Den Nachmittag verbrachten Terry und Skye draußen am See, wo sie sich eine wilde Schneeballschlacht lieferten und Terry nach einem Anfall von Wagemutigkeit auf den gefrorenen See lief und durch ein Loch geradewegs hineinplumpste. Das führte zu einer Rettungsaktion der Riesenkrake, die ihn wieder herausfischte und zwar tropfnass und mit klappernden Zähnen, aber hellauf begeistert vor der zwischen Besorgnis und Schadenfreude hin- und hergerissenen Skye absetzte.

    Auch die nächsten Tage hielt das schneeige Wetter in beiden Dimensionen an und die Zeit verstrich wie im Fluge. Skye feierte mit ihren Eltern und Nachbarn Neujahr, feuerte Raketen in den klaren Nachthimmel und beobachtete sie beim explodieren, während sie sich vorstellte, wie in der primären Dimension gerade das Gleiche passierte.
    So schnell gingen die Weihnachtsferien vorbei, der Unterricht begann wieder und die Schüler kehrten schweren Herzens zu ihrem normalen Alltag zurück. Padma und Betty kamen glänzend gelaunt und beladen mit Süßigkeiten wieder nach Hogwarts zurück. Doch das war nicht der einzige Grund, warum Skye sich über die Rückkehr ihrer Freundinnen freute. In Wahrheit war sie erleichtert, nicht nachts alleine im Schlafsaal sein zu müssen.
    Zwar hatte sie während der Ferien viel mit Terry gemacht, aber sie konnte sich nicht immer durch seine Anwesenheit beruhigen. Sie fühlte sich um einiges sicherer, wenn Padma und Betty nachts leise schnarchend neben ihr lagen.
    Der Erbe schien sich über die Ferien wieder beruhigt zu haben, es gab keine neuen Opfer, aber dennoch passierte bald etwas, das Skye mehr erschütterte als die bisher versteinerten Schüler.

    Es war vor Astronomie gewesen, als Ravenclaws und Gryffindors nach dem Abendessen ungeduldig auf Professor Sinistra warteten, damit der Unterricht endlich beginnen und sie früh in ihre warmen Betten hüpfen konnten. Skye stand mit Betty und Padma etwas abseits der anderen, die Drei unterhielten sich über Snapes neuste Schandtaten in Zaubertränke.
    Nicht weit entfernt steckten auch Harry und Ron (Hermine war wegen einem mysteriösen Grund noch im Krankenflügel) die Köpfe zusammen, beide mit verschwörerischem Blick und gesenkter Stimme. Skye kümmerte sich erst nicht darum, doch dann merkte sie, wie die Zwei über die Kammer des Schreckens diskutierten.
    „Und du bist dir vollkommen sicher, dass du Tom Riddles Auszeichnung im Pokalzimmer gesehen hast?“, fragte Harry misstrauisch.
    „Natürlich.“ Ron nickte bestätigend. „Wie gesagt, ich musste ihn ewig lange schrubben. Da kann ich mich noch an so ziemlich alle Namen erinnern. Jane Ross, Edward Thomas, Alfie May, -“
    „Ist ja gut“, unterbrach Harry ihn. „Ich glaube dir ja.“
    Die beiden flüsterten noch weiter, doch Skye hörte nicht mehr zu.
    Edward Thomas.
    Der Name hallte in ihrem Kopf wider. Er musste damals eine Auszeichnung bekommen haben.
    Neugierig überlegte sie. Wahrscheinlich würde etwas Wissen über ihren Vorfahren nicht schaden und in ihrem Inneren regte sich eine unstillbare Neugier.
    Was hatte Ron noch gleich gesagt? Im Pokalzimmer. Vielleicht sollte sie mal einen kleinen Abstecher dorthin machen.

    Skye hoffte, dass sich nicht viele Leute um die Mittagszeit im Pokalzimmer herumtreiben. Sie vermutete stark, dass die meisten Schüler so etwas nicht interessierte. Nur schwer hatte Skye sich von Betty und Padma loseisen können, aber schließlich hatte sie es geschafft, war durch die Gänge gerast und stand jetzt in einem kleinen Raum, aus dem ihr aus allen Ecken Pokale und Medaillen entgegenglitzerten.
    Hastig ließ Skye ihren Blick über die Namen auf den Pokalen und Medaillen gleiten; da waren viele Namen und Zahlen, manche kamen ihr bekannt vor (Abraxas Yann Warrington hatte 1888 in seinem siebten Schuljahr eine Auszeichnung wegen erfolgreicher Verhandlungen mit dem deutschen Zaubereiminister Otto von Bismarck verliehen bekommen), doch nirgendwo fand sie den, den sie suchte.
    Ihre Augen taten von dem vielen Goldschimmer schon weh, und sie begann zu glauben, Ron hatte sich nur verlesen.
    Aber da entdeckte sie ihn: Ein hübscher Goldteller, verziert mit fein gearbeiteten, blumigen Ranken und einem verschlungenen Schriftzug. Skye schien der Atem wegzubleiben, als sie den Beweis las, dass Professor Dumbledores Geschichte war gewesen war. Dass sie, ein einfaches Mädchen, wirklich einen Vorfahren in Hogwarts gehabt hatte.

    Edward Thomas
    (1930-1945)
    Zum Andenken an einen ehrenwerten Schüler, der diese Welt bereichert hat


    Der diese Welt bereichert hat. Die Worte auf dem goldenen Teller hallten in Skyes Kopf wider. Es klang nach Professor Dumbledore. Er hatte von alldem gewusst, er wusste, dass Edward Thomas nicht nur eine Welt bereichert hatte. Vorsichtig nahm Skye die unscheinbare Auszeichnung aus dem Regal und drehte sie in den zittrigen Händen.
    Edward Thomas war fünfzehn Jahre alt gewesen. Er war im Duell gestorben und das vor fast fünfzig Jahren.
    Fünfzig Jahre.
    Vor fünfzig Jahren war die Kammer des Schreckens zum ersten Mal geöffnet worden, das wusste sie noch genau aus Professor Binns‘ Unterricht. Hastig rechnete Skye zurück. Wenn Edward Thomas zu dieser Zeit schon in Hogwarts gewesen war, hatte er die erste Öffnung der Kammer des Schreckens erlebt.
    Skye fühlte sich plötzlich seltsam mit ihm verbunden. Er hatte sicher das Gleiche wie sie durchmachen müssen. Die gleichen Ängste. Er war wie sie gewesen.
    Er hatte den Zeitumkehrer besessen.
    Und um eine Dimension zu retten, hatte er sein eigenes Leben aufgegeben. Skye fühlte sich feige. Sie hatte das nicht über sich gebracht und führte nun dieses verwirrende Doppelleben. Was Edward wohl dazu sagen würde?
    Vorsichtig stellte Skye den Teller wieder zurück auf seinen Platz, neben die Auszeichnungen von Jane Ross und Tom Riddle.
    Das Pokalzimmer war nach Zeit geordnet, alle drei waren etwa gleichalt. Skye schenkte den anderen Pokalen nicht viel Beachtung. Zwar hatten Harry und Ron über Tom Riddle geredet, aber der interessierte sie nicht. Ihre Gedanken waren auf einzig und allein eine Person konzentriert: Edward Thomas.
    Diese Auszeichnung erfüllte Skye mit einer eigenartigen Faszination. Was war damals geschehen? Professor Dumbledore hatte ihr nicht viel erzählt, doch sie wollte es jetzt genau wissen. Edward war schließlich wie sie gewesen.
    Aus einer anderen Welt.

    BILD: (Ein) Weihnachtsmarkt in London

    13
    ((bold))((navy))Kapitel 13: DIE UNGLÜCKSBRÜDER((ebold))((enavy)) „Denkst du, man kann von dem Anblick einer Farbe sterben?“, fragte Betty in ein

    Kapitel 13: DIE UNGLÜCKSBRÜDER

    „Denkst du, man kann von dem Anblick einer Farbe sterben?“, fragte Betty in einem derart nachdenklichen Ton, dass Skye lachen musste.
    „Auf jeden Fall.“ Skye nickte überzeugt. „Professor Lockhart möchte uns wohl alle umbringen.“
    „Es ist schon irgendwie romantisch“, meinte Padma verträumt. „Eine gute Idee für den Valentinstag. So süß!“
    Betty tat so, als würde sie sich übergeben. „Romantisch? Süß? Dieses dumme Konfetti und die ganzen Blumen in der Großen Halle?“
    „Ich glaube, du wurdest von dem Liebes-Schnulz-Virus eingenommen“, stellte Skye nüchtern fest. „Diese Zwerge, die Liebesboten darstellen sollen, die sehen gruselig aus. Und Professor Flitwick soll uns einen Verzückungszauber beibringen! Das ist nicht romantisch, das ist der größte -“
    Skye hörte abrupt auf zu reden, als ein kleiner Zwerg mit goldenen Flügelchen und einer Harfe an ihrem Umhang zupfte.
    „Uahh, weg da. Ich muss zu Zauberkunst.“ Angeekelt riss Skye ihm ihren Umhang aus der Hand und entfernte sich vorsichtshalber ein Stück.
    „Musikalische Nachricht“, krähte der Zwerg. „Padma Patil?“
    „Das bin ich, das bin ich!“ Padma klatschte aufgeregt in die Hände.
    Betty und Skye war es ziemlich peinlich, als der Zwerg seine Harfe zückte. Eine kleine Schülergruppe hatte sich schon um sie gebildet, denn alle schienen wild auf die Nachricht des Zwerges zu sein.
    Er zupfte ein paar Noten auf seiner Harfe und begann dann in einer schrecklichen Stimme zu singen:

    Schwarzes Haar wie die Nacht,
    In ihren Augen geht die Sonne auf.
    Ein Engel auf Erden,
    Könnt sie nur mein werden,
    Das schönste Mädchen der Jahrgangsstufe
    .“

    „Das ist . . . WUNDERVOLL!“ Padmas Augen leuchteten und sie sah aus, als würde sie gleich in die Luft abheben.
    Ein paar der Umstehenden grinsten belustigt, manche Mädchen seufzten begeistert und der Zwerg trippelte davon. Langsam löste sich die Menge wieder auf und die Schüler begannen lachend und schwatzend weiterzugehen.
    „Du siehst aus wie Percy, wenn er Feuerwhiskey getrunken hat, Betty.“ Fred Weasley war zu ihnen getreten, hinter ihm sein Bruder George und beide grinsten so durchtrieben wie immer.
    „Sogar noch schlimmer“, stellte George fest.
    Betty - die wirklich ziemlich rot geworden war - zuckte betont gleichgültig mit den Schultern. „Tschuldigung Jungs, wir müssen los. Padma vom Astronomieturm werfen, ihr wisst schon.“
    Unsanft zupfte sie Padma am Ärmel, die noch immer auf Wolke sieben zu schweben schien. „Komm Padma.“
    Betty wollte wohl schnell verschwinden, sie zog Padma hinter sich her und Skye musste sich anstrengen, um Schritt zu halten.
    „Das ist das Peinlichste, was mir jemals passiert ist“, murmelte Betty.
    „Ach, echt?“ Skye grinste. Sie hatte die musikalische Darbietung des Zwerges äußerst amüsant gefunden.
    „Jetzt seid doch nicht so langweilig.“ Padma verdrehte die Augen und winkte dann breit grinsend Fred und George, die noch immer im Gang standen. „Schönen Valentinstag noch!“

    Auch in Rosewood schien das Valentinstag-Fieber ausgebrochen zu sein. Überall wurden von Schleifen behangene Karten verteilt und sogar Skye fand in ihrem Spind eine kleine Box Pralinen, die Luke Robinson, eine Junge aus ihrem Jahrgang, ihr geschenkt hatte.
    Als sie dann abends mit einem Französisch-Buch in ihrem Bett im Goordonweg lag und Lukes Pralinen (die sogar ziemlich gut schmeckten) aß, schweiften ihre Gedanken schnell von Französisch und den vielen schrecklichen, unregelmäßigen Verben ab.
    Sie drehte den Zeitumkehrer in ihren Händen und musste an Edward Thomas denken, durch den diese ganze Dimensionen-Sache für Skye begonnen hatte. Die Auszeichnung im Pokalzimmer wollten einfach nicht aus ihrem Kopf verschwinden, sie musste ständig daran denken.
    Oben konnte sie leise die Jazzmusik dudeln hören, die ihr Vater während dem Zeitungslesen immer laufen ließ. Und noch während Skye zu erkennen versuchte, was für ein Stück es diesmal war, kam ihr eine blendende Idee.
    Natürlich.
    Warum war sie nicht früher darauf gekommen?
    Hastig sprang Skye auf, warf ihr Schulbuch unachtsam beiseite und sauste die Treppe hinunter; sie hatte es so eilig, dass sie immer zwei Stufen auf einmal nahm. Im Wohnzimmer angekommen sah Skye erleichtert, dass ihre Mutter wohl schon im Bett lag und sie ihren Vater ganz für sich alleine hatte.
    „Dad?“ Skye ließ sich neben ihm aufs Sofa fallen.
    Ihr Vater ließ die Zeitung sinken. „Was ist, Schatz?“
    „Ich wollte dich etwas fragen. Über Edward Thomas.“
    „Edward Thomas?“ Skyes Vater runzelte die Stirn. „Wie kommst du auf ihn?“
    „Ich habe seinen Namen irgendwo gehört. Stimmt es, dass er so jung gestorben ist?“
    „Ja, aber das ist lange her, Skye. Ich weiß nicht, ob so etwas interessant für dich ist.“
    Skye setzte ihren besten Hundeblick auf. „Oh, bitte, Dad. Ich weiß fast gar nichts über deine Familie.“
    Gespannt wartete sie, ihr Vater schien nachzudenken, doch schließlich nickte er geschlagen.
    „Na gut“, sagte er. „Am besten . . . nun, am besten fange ich ganz von vorne an.
    Es wundert mich nicht, dass du Edwards Namen irgendwo gehört hast. Die Familie Thomas lebt schon seit Ewigkeiten in Rosewood und - wie du weißt - verbreiten sich Neuigkeiten hier wie ein Lauffeuer. Zwar hast du deinen Großvater nie kennengelernt, aber er und seine Brüder waren . . . ziemlich bekannt. Einige nannten sie die Unglücksbrüder, und das ist gar nicht mal so falsch.“
    „Unglücksbrüder?“, hakte Skye nach. „Warum Unglücksbrüder?“
    „Das klingt schrecklich, aber sie waren bekannt für den Tod, Skye. Dafür, dass der Tod sie alle so früh, viel zu früh, heimsuchte.
    Dein Großvater, mein Vater, war der älteste der Brüder. Edward war der jüngste und Owen das Sandwichkind, wie man so schön sagt. Sie starben seltsamerweise auch in dieser Reihenfolge.
    Es begann alles mit Edward. Ihm wurde schon immer nachgesagt, dass er verrückt sei. Er hatte eine unglaubliche Fantasie und tat die wagemutigsten Dinge. Einmal sprang er vom Dach des Schulhauses, aber das, ohne sich ein einziges Haar zu krümmen. Niemand wusste, wie er das geschafft hatte. Mit zwölf Jahren, kurz nach seinem Geburtstag im Sommer, verschwand er aber. Es war in den Vierzigern, glaube ich. Ganz plötzlich. Die meisten glaubten, es sei Suizid gewesen, denn man hatte ein paar Knochen und ein Strick später im Wald gefunden. All das passierte unter äußerst seltsamen Umständen.
    Noch seltsamer war jedoch der Tod seines Bruders, Owen. Drei Jahre später. Seine Leiche lag beim Haus, trotz blendender Gesundheit war er gestorben. Mord wurde in Frage gestellt, doch kein Zeichen davon fand man an seinem Körper. Keiner konnte den Fall lösen, er war noch mysteriöser als der Tod von Edward.
    Jetzt war nurnoch dein Großvater übrig. Du . . . kennst die Geschichte ja.“
    Skye nickte bedrückt. Natürlich kannte sie die Geschichte. Ihr Großvater hatte ein schwaches Herz gehabt, und als ihr Dad fünf Jahre alt gewesen war, starb er an Herzversagen. Zurück ließ er eine hilflose Witwe und einen kleinen Jungen ohne Familie.
    „Aber, die Fälle von Edward und Owen. Die wurden nie aufgeklärt?“, fragte Skye.
    „Nie. Das einzige Indiz war der angsterfüllte Ausdruck auf Owens Gesicht. Im Moment seines Todes musste er irgendetwas gesehen haben, was ihn unglaublich erschreckte. Aber diese Spur führte ins Leere.“

    Die Erzählung ihres Vater ließ Skye einfach nicht los. Ständig dachte sie daran, an Edward und seine Brüder. Die Unglücksbrüder. Natürlich wusste sie mehr, als die Ermittler damals je gewusst hatten.
    Edward hatte seinen Tod vorgetäuscht. Und das nur, um in einer anderen Dimension auf eine Schule für Magie zu gehen.
    Aber was war mit Owen passiert?
    Sein Tod klang schrecklich nach Zauberei. Aber wessen Zauberei, bei dieser Frage scheiterte Skye jedes Mal.
    Ihre Gedanken kreisten nur um dieses Thema. Nie hatte ihr Vater diese Geschichte erzählt. Er sprach nicht gerne über seine Familie, besonders, weil nichts von ihr übergeblieben war. Skyes einzige Tante war Tante Susan in Salisbury. Sie hatte nurnoch zwei Großeltern, und sie alle kamen von der Familie ihrer Mutter. All diese mysteriösen Gegebenheiten verwirrten Skye. Nie kam sie zu einer plausiblen Lösung, so sehr sie es auch versuchte; sie dachte an nichts anderes mehr.
    Doch irgendwann musste sie jemand aus diesem Zustand reißen. Und es war niemand anderes als das Ravenclaw-Team, Arthur Wright und das anstehende Spiel gegen Slytherin.

    „Das ist das letzte Jahr, in dem Emily und ich den Quidditchpokal gewinnen können“, verkündete Wright mit ernstem Gesicht.
    „Also strengt euch an.“ Emily blickte in die Runde. „Ich will ihn noch ein weiteres Mal holen.“
    „Und ziert euch nicht.“ Dieser Kommentar kam von Samuels, der wie immer breit grinste und gerade seine Glückssocken glättete. „Die Slytherins tun das nämlich ebenso wenig. Und sie alle haben den neusten Nimbus. Den Nimbus Zweitausendeins.“
    „Dagegen ist selbst mein Nimbus Zweitausend langsam“, stellte Wright fest.
    „Du hast einen Nimbus Zweitausend?“, fragte Page mit tellergroßen Augen.
    „Ja. Ein Geschenk zu meinem siebzehnten Geburtstag.“
    Skye wollte schon fragen, ob sie sich den Nimbus einmal anschauen durfte, aber Wright schubste die Mannschaft aus der Umkleide auf das offene Feld, wo sie mit lauten Jubelschreien empfangen wurden. Die Slytherin-Fans fielen Skye direkt auf; sie brüllten besonders laut und ihre grünen Klamotten stachen einem direkt ins Auge.
    Die beiden Mannschaften stellten sich gegenüber auf, grün und blau, alle mit einem feindseligen Blick. Skye fand das Slytherin-Team äußerst einschüchternd, allesamt waren sie so muskelbepackt, dass man Angst haben könnte. Doch unter all den riesigen Jungen war ein kleiner, schmaler mit fahlem Gesicht zu sehen.
    Es war Draco Malfoy.
    „Was machst du hier?“, fragte Skye entgeistert.
    „Gut sein. Solltest du auch mal versuchen, Schlammblut.“ Malfoy sah sie herablassend an.
    „Sehr lustig.“ Skye verdrehte die Augen. „Du bist wohl immer noch nicht über Halloween hinweggekommen. Wenigstens hast du es aus deiner Lähmung geschafft, wie ich sehe. Ich bin stolz auf dich.“
    Malfoy wollte schon zurückschießen, aber Madam Hooch ließ die Spieler ihre Besen besteigen und hob dann ihre Trillerpfeife an die dünnen Lippen.
    „Lass dich von so anstrengenden Slytherins nicht beunruhigen, Skye“, murmelte Burrow in seiner tiefen, kratzigen Stimme neben ihr.
    Skye grinste zu ihm hoch und dann ertönte auch schon Madam Hoochs Pfiff.
    Pfeilschnell stieß Skye sich vom Boden ab, schoss in die Höhe und genoss das angenehme Gefühl der Schwerelosigkeit. Es war nun schon ihr zweites Quidditch-Spiel, und sie fühlte sich um einiges selbstbewusster. Nur entfernt hörte sie Lee Jordans Kommentare, sie war ganz auf das Spiel fokussiert.
    Gekonnt passten Davies, Burrow und sie sich den Quaffel zu und ließen sich von den Slytherins auf ihren Nimbus Zweitausenden nicht beirren. Wenn die Slytherins durch die Luft sausten, waren nurnoch grüne Schlieren zu sehen und Skyes Sauberwisch fühlte sich plötzlich alt und langsam an, aber das machte ihr nichts aus.
    Burrow warf gleich drei Tore hintereinander, das Stadion tobte und Skye vergaß die Tatsache, dass dieser idiotische Draco Malfoy irgendwo über ihr herumflog und sich als etwas Besonderes fühlte, vollkommen.
    Schnell schossen die Punktezahlen nach oben, die Ravenclaw-Mannschaft war in einem wortwörtlichen Höhenflug, Slytherin musste sich trotz ihrer Besen ziemlich anstrengen. Wright und Samuels waren ganz in ihrem Element: Skye musste sich nicht die geringsten Sorgen um Klatscher machen, so gut hielten sie sie in Schach.
    Gerade raste Skye mit dem Quaffel unter dem Arm auf die gegnerischen Torringe zu und der Hüter Bletchley machte seine riesigen Muskelpakete auf den Angriff einer zierlichen Ravenclaw bereit, als ein lauter Schrei sie abstoppen ließ.
    „Abercrombie ist dem Schnatz hinterher!“, rief Lee Jordan aufgeregt. „Malfoy folgt und . . .“
    Das ganze Stadion schien den Atem anzuhalten, als die zwei Seite an Seite dem Schnatz hinterherpreschten. Malfoy war mit seinem Nimbus wirklich schnell, das musste Skye ihm anerkennen. Er war schnell, aber Emily war gut, und so hoffte sie, dass das ausreichen würde.
    Auch die beiden Mannschaften schauten diesem Schauspiel gespannt zu, denn der Fang würde den Gewinner entscheiden. Emily und Malfoy rasten auf den Boden zu, etwas Goldenes glitzerte vor ihnen in der Luft.
    „Komm schon, Emily“, flüsterte Wright angespannt und auch Skye kaute unruhig auf ihrer Lippe.
    Doch dann ging ein Aufschrei durch die Menge, denn Emily stieg wieder in die Höhe. Ihr rechter Arm war ausgestreckt, sie hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Und in ihrer Hand, in ihrer Hand war . . .
    „DER SCHNATZ!“ Lee Jordans Stimme war heiser vom Schreien. „Emily Abercrombie hat den Schnatz gefangen! RAVENCLAW GEWINNT!“
    Ohrenbetäubender Jubel brach aus, manche der Ravenclaws auf den Tribünen warfen ihre Schals und Rosetten vor Freude aufs Feld und auch das Team stürzte aufeinander zu; sie waren ein riesiger, verschwitzter Haufen aus Spielern, blauen Umhängen und Besen.
    „Wir haben gewonnen!“, schrie Samuels begeistert und Wright klopfte ihm breit grinsend auf die Schulter, die Freude war gar nicht in Worte zu fassen. Auch Emily flog langsam zu ihnen herunter, den Schnatz wie eine Trophäe vor sich ausgestreckt.
    Doch da sauste etwas von hinten auf sie zu, Skye erkannte nur eine dunkle Schliere und runzelte verwundert die Stirn.
    „Wir haben -“, begann Emily freudenstrahlend, doch sie konnte ihren Satz nicht mehr beenden.
    Der Klatscher traf sie geradewegs in den Magen. Ihr Lächeln erstarrte und sie sie fiel wie in Zeitlupe vom Besen.
    „Emily!“ Wright schaffte es nicht mehr, Emily aufzufangen, mit einem dumpfen Krachen schlug sie auf dem Boden auf.
    „Tschuldigung!“ Der Slytherin-Treiber Bole grinste auf sie herab, lässig saß er auf seinem Besen und schwang seinen Schläger.
    „War keine Absicht!“ Doch sein Gesichtsausdruck sagte das Gegenteil. Er lächelte hämisch.
    „Dieser kleine -“, knurrte Wright und auf seinem Gesicht lag ein mörderischer Ausdruck.
    Pfeilschnell schoss er auf Bole zu, den Schläger bereit zum Angriff, doch der Slytherin-Captain Marcus Flint schob sich im letzten Moment vor seinen Treiber. Er bleckte die Zähne und sein trollartiges Gesicht sah noch böser als sonst aus.
    „Lass, das Flint“, sagte Bole hochmütig. „Ich brauche deine Hilfe nicht. Ich bin ein großer Junge.“
    Er rümpfte die Nase und flog langsam Richtung Boden, jedoch nicht, ohne Wright einen verachtenden Blick zuzuwerfen.
    Der Rest der Ravenclaw-Mannschaft hatte sich derweil um Emily versammelt. Madam Hooch war zu ihnen geeilt, um eine magische Trage heraufzubeschwören und Skye musste zugeben, dass Emily diese auch nötig zu haben schien. Der Aufprall aus solch einer Höhe musste hart und schmerzhaft gewesen sein, außerdem hatte Emily in keinster Weise damit gerechnet. An ihrer Stirn klebte Blut, Arme und Beine hingen schlaff herab und ihre Augenlider flatterten nur leicht. Emily schien kurz vor der Ohnmacht und während sich die Tribünen leerten, beobachteten Skye und der Rest des Teams bedrückt, wie Madam Hooch Emily mit den Worten „Sie muss in den Krankenflügel!“ vor sich herschweben ließ. Wright folgte ihnen, voller Sorge um Emily, deren Hand er einfach nicht loslassen wollte.
    „Madam Pomfrey wird sie wieder aufpäppeln“, sagte Samuels hoffnungsvoll.
    „Emily ist zäh“, stimmte auch Burrow zu und klang ziemlich zuversichtlich.
    Skye schnaubte. „Die Slytherins zieren sich wirklich nicht.“
    „Aber ich denke, dass das eine Strafe gibt.“ Davies warf dem Team einen bedeutungsvollen Blick zu. „Flitwick sorgt da schon für.“
    Skye nickte; sie ließ ihren Blick über das leere Feld schweifen und beobachtete die restlichen Schüler, die noch vom Gewinn berauscht zum Schloss zurückschlenderten.
    Da sah sie ein merkwürdiges Glitzern auf dem Boden. Golden schimmerte es in der Sonne.
    Es war der Schnatz. Skye hob ihn auf und drehte ihn vorsichtig in ihren Fingern. Die Flügel des Schnatzes flatterten leicht, als wolle er noch immer entwischen.
    „Den sollten wir Emily vorbeibringen“, sagte sie und hielt den anderen den Schnatz unter die Nase. „Schließlich haben wir gewonnen. Wenigstens das.“

    BILD: (Ich glaube, ich muss das nicht jedes Mal erklären.)

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    ((bold))((navy))Kapitel 14: SPUREN DER VERGANGENHEIT((ebold))((enavy)) Erschöpft klappte Skye ihr Schulbuch zu und streckte sich gähnend. „Das war

    Kapitel 14: SPUREN DER VERGANGENHEIT

    Erschöpft klappte Skye ihr Schulbuch zu und streckte sich gähnend. „Das war der längste Aufsatz, den ich je geschrieben habe.“
    „Hm?“ Padma sah von ihrem Buch auf; ihre Schreibfeder war ganz verwuschelt und sie hatte gerötete Augen.
    Skye wusste genau warum. „Meine Güte, Padma. Es sind nur Wahlfächer. Nichts Tödliches.“
    Auch Betty nickte zustimmend. „Ich finde deine Wahl gut.“
    „Aber ich -“, quengelte Padma und raufte sich die Haare.
    „Schluss damit.“
    Skye stand entschlossen auf, nahm Padma den riesigen Stapel Alte-Runen- und Pflege-magischer-Geschöpfe-Bücher weg und begann, sie wieder in die Bibliotheksregale einzusortieren. Betty sammelte ihre wild verteilten Federn und Bücher ein und grinste Madam Pince zu.
    „Blöde, alte Schachtel“, flüsterte sie hämisch.
    Skye bugsierte Padma, die noch immer über ihre Wahlfächer grübelte, streng aus der Bibliothek.
    „Warum habe ich nicht Alte Runen genommen? Das wäre so nützlich gewesen!“
    „Nützlicher als Muggelkunde auf jeden Fall.“ Betty schnaubte. „Du bist ein halber Muggel. Das macht exakt gar keinen Sinn. Ich habe mich gut entschieden.“
    „Pflege magischer Geschöpfe und Wahrsagen“, stellte Skye fest. „Warum überhaupt?“
    „Na, Frischluft. Ich liebe Frischluft.“ Betty wieherte wie ein Pferd. „Große gefährliche Tiere. Wunderbar. Und mit Wahrsagen kann ich dann voraussehen, ob mich diese großen gefährlichen Tiere zerfleischen.“
    Skye verdrehte die Augen. Betty war einfach nur faul und fand diese zwei Fächer besonders entspannt, das wusste Skye.
    Sie selbst hatte Alte Runen und Arithmantik gewählt. Muggelkunde war für sie natürlich unnötig, magische Geschöpfe fand sie größtenteils gruselig und dem Wahrsagen stand sie eher misstrauisch gegenüber. Was sollten Teeblätter und Kristallkugeln schon über die Zukunft aussagen?
    „Hey! Was macht ihr noch hier?“
    Eine strenge Stimme hallte durch den Gang, und Betty, Padma und Skye drehten sich verwundert um. Robert Hilliard, ein schlaksiger Vertrauensschüler mit langer Nase kam schnellen Schrittes auf sie zugelaufen.
    „Was haben wir verbrochen?“, fragte Betty und verschränkte die Arme.
    „Wart ihr etwa nicht beim Quidditch-Spiel?“ Robert hielt schlitternd vor ihnen an.
    „Nein“, erklärte Padma. „Wir waren in der Bibliothek. Warum denn?“
    „Ihr müsst so schnell wie möglich in den Gemeinschaftsraum. Das Spiel wurde abgesagt.“
    „Was?“, fragte Skye entgeistert, während Robert sie die Treppen hinaufscheuchte.
    „Professor Flitwick kommt bald. Er wird alles erklären.“ Robert machte ein ernstes Gesicht. „Es ist nicht mehr sicher.“
    Den Rest des Weges verbrachten sie in unheilvollem Schweigen: Niemand wollte sich ausmalen, was das heißen sollte. Neue Angriffe? Skye zitterte bei diesem Gedanken; alles hatte seit November doch so ruhig gewirkt.
    Robert klopfte vor der Tür mit dem bronzenen Türklopfer angekommen mit gehetztem Blick an.
    Was war zuerst da? Der Phönix oder die Flamme?“, fragte der Adler in seiner melodischen Stimme.
    Grübelnd sahen sich Betty, Padma und Skye an; alle von ihnen wollten so schnell wie möglich in den Gemeinschaftsraum kommen, um zu erfahren, was passiert war.
    „Phönix oder Flamme?“, wiederholte Betty leise. „Strengt euch an.“
    Stirnrunzelnd tippte Skye sich ans Kinn. Die Fragen des Adlers waren oft ziemlich trickreich, Fangfragen, die schwer zu lösen waren. Doch er nahm nicht nur eine Antwort an, Ravenclaws waren weltoffen und so auch der bronzene Adler.
    „Ich habe eine Idee“, sagte Skye schließlich und trat selbstbewusst vor die Tür. Sie räusperte sich und setzte ihre beste Philosophen-Stimme auf. „Nun, es kommt darauf an, was man mit „Flamme“ meint. Wenn man die brennende Flamme meint, war sie höchstwahrscheinlich vor einer Lebensform wie dem Phönix existent. Wenn es mehr so eine Huhn-oder-Ei-Frage ist, könnte man entweder einen Zeitpunkt schätzen, an welchem die Evolution des Phönixes an einem Punkt angekommen war, an dem er so entwickelt war, wie das Tier, das wir heute unter einem Phönix verstehen, und dann prüfen, ob Asche oder die Geburt aus der Asche bei seinen Vorfahren vorkam. Oder man könnte die praktische Methode wählen und sich fragen, ob es wirklich nötig ist, solch eine abstrakte und philosophische Frage zum Betreten eines Raumes beantworten zu müssen.“
    „Das war . . .“, begann Padma fast schon schockiert.
    „Genial.“ Betty grinste. „Geschickt die Frage übergehen. So sollte man es immer machen.“
    Gespannt wartete Skye, ob der Adler sie einlassen würde. Er schien nachzudenken. Aber schließlich nickte er langsam und die Tür schwang auf. „Gut überlegt.“
    „Merlin sei Dank.“ Erleichtert schlüpfte Betty hinter Robert Hilliard in den Gemeinschaftsraum.
    Alle Ravenclaws schienen sich auf die Sessel, Tische und Sofas in den Gemeinschaftsraum gequetscht zu haben, und sie alle hörten bedrückt Professor Flitwick zu, der vor dem Kamin stand und etwas aus einer Pergamentrolle vorlas.
    „Ich habe Nachzügler nahe der Bibliothek gefunden“, verkündete Robert fast schon stolz, als alle Blicke sich auf die Vier richteten.
    Professor Flitwick nickte knapp und Betty, Padma und Skye huschten zu Terry, Anthony und Michael, die sich auf einem abseits gelegenen Tisch platziert hatten.
    „Das Quidditch-Spiel wurde abgesagt“, flüsterte Michael Skye zu.
    „. . . Kein Schüler geht ohne Begleitung eines Lehrers auf die Toilette. Quidditch-Training und -Spiele sind bis auf weiteres gestrichen. Es gibt keine abendlichen Veranstaltungen mehr“, endete Professor Flitwick und rollte das Pergament zusammen.
    Ein besorgtes Raunen ging durch den Gemeinschaftsraum, die Ravenclaws warfen sich ängstliche Blicke zu und auch ihr Hauslehrer wirkte alles andere als fröhlich.
    „Es mag zwar umständlich und unnötig klingen, aber diese Regeln gibt es nur zu Ihrer Sicherheit.“ Er warf einen ernsten Blick in die Runde. „Seien Sie vorsichtig. Bleiben Sie zusammen. Ich möchte es nicht leugnen: Das Kollegium steht ebenso wie Sie vor einer Sackgasse. Der Angreifer ist noch immer unentdeckt und ich möchte nicht, dass wir noch weitere von uns verlieren.“
    Unter den sorgenvollen Blicken seiner Ravenclaws verließ Professor Flitwick den Gemeinschaftsraum.
    „Erneute Angriffe“, wiederholte Terry langsam.
    „Und ratet, wer die Opfer waren?“ Anthonys Stimme zitterte beim Sprechen. „Penelope Clearwater.“
    Was?“, keuchte Padma.
    „Und Hermine Granger aus Gryffindor. Ein paar Sechstklässler haben eben darüber gesprochen.“
    „Aber das . . .“ Skye sah sich entgeistert im Gemeinschaftsraum um, Penelope war wirklich nirgendwo zu sehen.
    „Schrecklich“, sagte Betty.
    „Stellt euch mal vor, Hogwarts würde schließen.“ Terry vergrub das Gesicht in den Händen. „Dann muss ich wieder zurück in dieses verdammte Waisenhaus.“
    „Das wird schon“, ermutigte Skye ihn. „Es muss.“
    Plötzlich stand Betty auf und warf Skye und Padma einen bedeutungsvollen Blick zu. Die beiden verstanden sofort und folgten ihrer Freundin zu einem der riesigen Bücherregale. Hoch ragte es über ihnen auf, die vielen dicken und dünnen Bücher stapelten sich in Mengen, manche alt und modrig, andere ganz neu.
    „Davon habe ich euch noch nichts erzählt“, erklärte Betty mit gesenkter Stimme. „Aber ich habe eine Idee, wie man vielleicht etwas herausfinden könnte. Über die Kammer des Schreckens. Und den Erben.“
    „Wirklich? Wie?“ Skye machte große Augen.
    „Ich habe es erst vor kurzem entdeckt.“ Betty wendete sich dem Regal zu und zog ein dickes Notizbuch heraus, das unauffällig und von abgeschabter, blauer Farbe war. „Es ist wie ein Jahrbuch für uns Ravenclaws. Ich glaube, man muss es selber finden. Da gibt es Einträge, die wurden vor hunderten von Jahren verfasst. Seht nur - .“
    Begeistert beobachteten Padma und Skye, wie Betty das in mitgenommenes Leder gebundene Notizbuch aufschlug und ihnen die vielen beschriebenen Seiten zeigte. Kleine Nachrichten waren zu sehen: Ereignisse, Gedanken und Fragen aller Art. Über jedem Beitrag stand ein Datum und manche hatten sogar mit ihrem Namen signiert.
    „Das ist toll.“ Skye grinste begeistert.
    „Hier kann man unglaublich viel herausfinden.“ Betty blätterte durch das Büchlein und hielt den anderen eine Seite unter die Nase. „Seht mal. Das hat meine Mum geschrieben! Ich bin mir ganz sicher.“
    Das waren die besten sieben Jahre meines Lebens“, las Padma vor. „Danke an Lizz, Dan und natürlich Henry. (Wie könnte ich dich nur vergessen?) Danke an euch andere Ravenclaws und die besten Vertrauensschüler-Kollegen der Welt, Eric und Kelsey. Danke an die Lehrer, die mir meine Träume erfüllt haben, und danke an alle, die mich immer unterstützt haben. Wünscht mir Glück bei meiner Aurorenausbildung! Und denkt immer daran: Witzigkeit im Übermaß ist des Menschen größter Schatz! Gly.“
    „Gly!“, wiederholte Betty aufgeregt. „Glynis. Das ist meine Mum! Und Henry, so hieß mein Dad.“
    Bewundernd strich Padma über die dicken Seiten und blätterte durch das Büchlein. „Unglaublich. Was hier alles steht!“
    Skye spitzte Padma über die Schulter und las die Namen mit. Es überraschte sie, wie viele ihr bekannt vorkamen. Der Name der Warringtons tauchte oft auf, sie sah einen Abercrombie und sogar eine Carmichael.
    „Wenn dort etwas über die Kammer des Schreckens steht, müssen wir fünfzig Jahre zurückblättern“, meinte Skye und nahm Padma das Buch aus der Hand. Es fühlte sich alt und dick an, als hätten die vielen Gedanken der Schüler es beschwert. Dreißig Jahre, vierzig, Skye kam der Kammer immer näher.
    „Hier. Vor fünfzig Jahren. Was steht da so?“
    „Nichts Besonderes.“ Betty ließ ihre Augen über die Nachrichten wandern.
    „Wartet mal!“ Padma deutete auf einen winzigen Schriftzug. „In Gedenken an Myrtle Warren.“
    „Myrtle . . .“ Skye dachte angestrengt nach. „Das klingt nach der . . .“
    „ . . . Maulenden Myrtle!“, vervollständigte Betty Skyes Satz. „Der Geist, der im Mädchenklo herumspukt und ständig heult.“
    „War die in Ravenclaw?“, fragte Padma entgeistert.
    Skye zuckte mit den Schultern „Aber schaut mal. Hier. Danke, Tom. Hogwarts ist dank dir wieder sicher.“
    „Ob dieser Tom etwas mit der Kammer des Schreckens zu tun hatte?“, überlegte Padma. „Ist da sonst noch was Brauchbares?“
    Langsam blätterte Skye durch die Seiten, doch nirgendwo stand noch etwas über die Kammer des Schreckens. „Nein . . . Oh. Wartet mal.“
    Ein bestimmter Name war ihr ins Auge gefallen. Vor achtundvierzig Jahren hatte ein gewisser Ed. T. eine Nachricht hinterlassen:

    Ist unsere Welt etwas Subjektives? Was wäre, wenn es noch andere gäbe?
    Ich glaube, Menschen und Zauberer sind viel zu ignorant, um solche Fragen zu beantworten. Zu engstirnig. Es liegt so viel offen, doch zu nichts scheint es eine Lösung zu geben.
    Mein Kopf ist ein riesiger, chaotischer Haufen eigenartiger Gedanken. Vielleicht werde ich verrückt. Oder es sind einfach Gedanken an verlassene Fantasien, an verlassene Welten.
    Ed. T.


    Edwards Handschrift war klein und eng, fast schon gequetscht wirkte sie in Skyes Augen. Sie strich über die Buchstaben und stellte sich augenblicklich vor, wie Edward Thomas vor fast fünfzig Jahren im Gemeinschaftsraum saß und das niederschrieb. Wie er wohl ausgesehen hatte?
    „Ich erkenne hier nichts Besonderes“, stellte Padma nüchtern fest.
    „Ja, ja, stimmt . . .“ Schnell blätterte Skye weiter, bevor die anderen misstrauisch wurden.
    „Sonst gibt es da nichts mehr.“ Padma seufzte frustriert.
    „Schade drum.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Aber wenn da etwas gewesen wäre, hätte Professor Flitwick es sicher schon entdeckt.“
    „Hast du denn irgendetwas reingeschrieben?“, erkundigte Padma sich neugierig.
    Betty wurde rot und senkte den Kopf. „Ja. Aber das ist nicht so hübsch. Ehrlich.“
    Schnell blätterte Skye wieder nach vorne, und wie Padma beugte sie sich gespannt über das Büchlein. Betty hatte ein Bild gezeichnet und Skye war ganz gerührt, als sie erkannte, dass Padma und sie selbst an Bettys Seite standen.
    „Das ist voll schön.“ Padma knuffte Betty spielerisch in die Seite. „Ich dachte, du bist nicht so der Typ für Schnulzereien.“
    Betty streckte ihr die Zunge raus. „So ganz hoffnungslos verloren wie du bin ich auch noch nicht.“
    „Wir können alle noch etwas reinschreiben“, schlug Skye vor. „Und wenn wir älter sind, schauen wir uns das wieder an.“
    „Unsere Zukunftspläne!“, rief Padma begeistert.
    Skye zückte einen Kugelschreiber aus der Tasche ihres Umhangs und Betty beäugte den Stift misstrauisch.
    „Was ist das?“, fragte sie und stupste den Kugelschreiber mit dem Zeigefinger an.
    Skye lachte. „Ein Kugelschreiber. Die Muggel benutzen nicht mehr irgendwelche Federn wie vor vierhundert Jahren. Sie haben sich weiterentwickelt. Sieh mal.“ Sie ließ den Stift klicken und die Spitze kam zum Vorschein. „Damit kann man schreiben. Es ist um einiges praktischer als eine Feder.“
    Unter Bettys begeistertem Blick schrieb Skye sorgfältig in das Notizbuch und reichte den Kugelschreiber an Padma weiter, die es ihr gleichtat.
    Als Betty den Stift in die Hand gedrückt bekam, drehte sie ihn neugierig in ihren Fingern. „Und die Tinte geht da nie aus?“
    „Nie“, antwortete Skye.
    „Verrückt.“ Betty kritzelte etwas in das Büchlein, der Kugelschreiber lag ihr seltsam und ungelenk in der Hand. „Fertig.“
    Da Betty die Größte war, stellte sie das Notizbuch wieder in das Bücherregal neben eine Ausgabe von Martin Miggs. Die drei Mädchen grinsten sich an.
    „Im fünften Jahr lesen wir das wieder“, bestimmte Padma. „Und schauen, was eingetroffen ist.“
    „Einverstanden.“ Skye hielt ihren kleinen Finger hoch und die anderen hakten ihre ein.
    „In drei Jahren“, sang Betty in einer feierlichen Stimme.
    „Wenn wir bis dahin noch nicht vom Erben Slytherins versteinert wurden“, grinste Skye, und trotz der ernsten Gegebenheiten fingen auch die anderen an zu kichern.

    BILD: Die Bücherregale im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum

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    ((bold))((navy))Kapitel 15: KNUDDELMUFFMORDE UND KINOEINLADUNGEN((ebold))((enavy)) Der Angriff auf Penelope Clearwater und Hermine Granger sorgte für

    Kapitel 15: KNUDDELMUFFMORDE UND KINOEINLADUNGEN

    Der Angriff auf Penelope Clearwater und Hermine Granger sorgte für erneute Aufruhr in Hogwarts. Ganz besonders unter den Ravenclaws, die jetzt auch eine von ihnen verloren hatten.
    Skye hätte niemals gedacht, dass Penelope so etwas widerfahren könnte. Sie wirkte immer so stark und als würde sie sich vor nichts fürchten, wenn sie mit wehender Lockenmähne durch den Gemeinschaftsraum rauschte und Erstklässler zurechtwies. Dass so jemand versteinert worden war, schien geradezu unrealistisch.
    Natürlich tat Skye das Ganze schrecklich leid, und das, obwohl Penelope nie wirklich ihre liebste Vertrauensschülerin gewesen war.
    „Aber so etwas wünscht man niemandem“, hatte auch Betty gesagt.
    Doch trotzdem war Skyes Angst nicht so groß wie bei den bisherigen Angriffen: Fast wunderte sie sich über sich selber, schließlich erwartete man von Muggelgeborenen in solchen Fällen ein vollkommen anderes Verhalten.
    Doch sie fasste es fast schon erschreckend gut auf, so als hätte sie sich mit der Gefahr abgefunden und das war es, was ihr wirklich Angst machte. Alles schien zu zerbrechen, in jeder Sekunde, die sie in Hogwarts verbrachte, konnte sie versteinert werden, aber sie wurde nicht so ängstlich und verschlossen wie nach den ersten Angriffen. Eine Art Kampfgeist war in ihr entstanden. Oder sie war verrückt geworden.
    Dabei ging es Skye ganz anders als Arthur Wright, der nach Flitwicks Rede mit einem derart trübseligen Gesicht herumlief, dass auch Samuels schon flüsternd fragte, ob Wright gleich aus dem nächstgelegenen Fenster hüpfen würde. Er benahm sich natürlich so dramatisch, da Quidditch abgesagt worden war. Das finale Spiel Ravenclaw gegen Gryffindor würde nicht stattfinden und so war auch Wrights letzte Chance auf den Quidditchpokal zerstört worden.
    Auch Chos Laune hat sich wieder immens verschlechtert. Sie hatte wegen Emilys Verletzung (die noch immer nur humpeln konnte) ihre Chance gewittert, die neue Sucherin zu werden. Doch genau wie Wrights Traum vom Pokal wurden auch Chos Wünsche zerstört.
    Dafür machte sie dann wieder Skye verantwortlich, die das Ganze langsam ziemlich leid war. Cho hatte schreckliche Stimmungsschwankungen und insgeheim hoffte Skye, dass sie es nächstes Jahr nicht als Sucherin ins Team schaffen würde.

    „Wie funktionieren die Dinger nur?“ Neugierig drehte Betty einen von Skyes Kugelschreibern in der Hand.
    „Reinste Magie, Betty.“ Skye machte ein ernstes Gesicht. „Reinste Magie.“
    Betty ließ den Kugelschreiber ein paar Mal fasziniert klicken. Sie lag in einer äußerst seltsamen Lage auf ihrem Bett, kopfüber hing sie von der Seite und nur ihre Beine waren zu sehen.
    „Okay, Skye. Astronomie. Nenne mir vier Monde des Saturn“, befahl Padma.
    „Ähhh . . .“ Skye hielt kurz inne. „Titan, Prometheus, Telesto, und . . .“ Hilflos versuchte sie einen Blick über Padmas Schulter auf das Astronomiebuch zu erhaschen.
    „Hey, hey, hey!“ Padma schlug ihr das Buch vor der Nase zu. „Nicht spicken. Dione.“
    „Stimmt.“ Skye grinste. „Wusste ich natürlich.“
    Sie fuhr damit vor fort, Padmas langes, dunkles Haar zu flechten; die beiden saßen zusammen auf Skyes Bett und Padma hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Skye abzufragen, während diese sie frisierte.
    „Gleich platzt mir der Kopf von eurem ganzen Gerede über die Abschlussprüfungen.“ Bett zog eine Grimasse.
    „Es könnte aber auch daran liegen, dass du gerade einen halben Kopfstand vollführst“, antwortete Padma säuerlich.
    „Tss.“ Betty wackelte mit den Zehen und sah dann zum Fenster. „Hallo Twig.“
    Skyes Eule kam mit einem sommerlichen Luftzug in den Schlafsaal gesegelt, ließ eine tote Ratte auf Sue Lis Bett fallen und machte es sich dann auf Skyes Nachtschränkchen gemütlich.
    „Igitt. Ständig bringt er irgendwelche Viecher mit.“ Skye rümpfte angeekelt die Nase.
    „Ach, dann war das Twig, der diese vermoderte Maus vor mein Bett gelegt hat“, sagte Padma. „Ich dachte, es wäre Ace gewesen.“
    „Ace ist eine liebe Katze“, hörte man Bettys Stimme vom Boden. „Sie frisst nur Waldfeen. Naja, und Knuddelmuffs.“
    Knuddelmuffs?“, fragte Skye angewidert.
    „Ja. Ich glaube, Ace war es, die Mandys Knuddelmuff ermordet hat. Aber sag es ihr nicht. Diese Heulkrämpfe sind unerträglich.“
    „Das arme Ding“, meinte Skye.
    „Also, weiter, Skye“, unterbrach Padma sie, „die Abschlussprüfungen sind wichtig.“
    „In Hogwarts krepieren ständig irgendwelche Muggelstämmige und du sorgst dich um die Abschlussprüfungen?“ Betty schnaubte. „Oh, tschuldige, Skye.“
    „Nicht schlimm.“ Skye grinste. „Ich bin nicht so empfindlich wie Mandy.“
    „Ich sag‘ ja, diese Heulkrämpfe sind unerträglich. Dabei ist sie doch gar nicht muggelstämmig!“, stellte Betty anklagend fest.
    „Vielleicht, ganz vielleicht, hat es aber auch daran gelegen, dass du ihr weisgemacht hast, dass Slytherins Monster mit Vorliebe Leute aus der Brocklehurst-Familie isst, weil die nach Leberwurst schmecken?“, überlegte Padma betont nachdenklich.
    „Das war vollkommen berechtigt. Mandy hat Skye als schwache Jägerin bezeichnet.“
    „Im Ernst?“ Skye sah überrascht zu Betty - oder eher gesagt ihren Füßen. „Dann war es wirklich berechtigt. Und das mit ihrem blöden Knuddelmuff auch.“
    „Siehst du.“ Betty ließ zufrieden ihren Kugelschreiber klicken und Twig gurrte zustimmend.

    Auch in der sekundären Dimension rückten die Abschlussprüfungen immer näher; Skye saß bis spätabends in ihrem Zimmer und versuchte mathematische Formeln, Vokabeln und Stilmittel in ihren Kopf zu quetschen. Dabei gab es so viele andere Dinge, über die sie nachdachte, so viel Wichtigeres als Schule.

    „Hey.“
    Verwundert spitzte Skye über ihre Spindtür, um zu sehen, wer sie da angesprochen hatte. Es war Luke Robinson.
    „Hallo.“ Sie begann wieder, ihre Bücher zu sortieren.
    Luke lehnte sich an einen der anderen Spinde. „Ich wollte mal fragen, ob dir die Pralinen vom Valentinstag geschmeckt haben?“
    Skye sah ihn verwirrt an. Was sollte das denn jetzt heißen?
    „Ja, warum?“
    „Nur so.“ Luke zuckte mit den Schultern und nestelte an seiner Krawatte herum. „Also, ich wollte dich was fragen. Nun ja, ob du vielleicht mal Lust hast mit mir ins Kino zu gehen?“
    Skye hielt überrascht inne. „Ins Kino? Ähm . . . Im Moment ist das nicht so gut. Die Abschlussprüfungen, du weißt schon.“
    „Wir können auch zusammen lernen“, sagte Luke hoffnungsvoll. „Du bist doch gut in der Schule.“
    „Ich überlege mal.“ Peinlich berührt schloss Skye ihren Spind, sie wollte so schnell wie möglich verschwinden. „Aber jetzt muss ich zu Bio. Tut mir leid!“
    Schnell drehte sie sich um und lief hastig den Gang hinunter. Luke schien ihr nicht zu folgen und so verlangsamte sie ihre Schritte etwas, als sie die Treppen hochstieg. Skye verzog das Gesicht, als sie an diese eigenartige Begegnung dachte. Luke war für sie nichts weiter als ein Klassenkamerad, den sie nur entfernt kannte. Und so etwas, so was war einfach gruselig.
    Vor dem Biologie-Saal stand zu Skyes Erleichterung schon Alice, die mit ein paar Mädchen schwatzte. Skye lief auf sie zu und ließ ihren Rucksack neben die Wand fallen. In diesem Moment war sie unglaublich froh, nicht mit Luke zusammen Biologie zu haben.
    Gezwungen lächelnd begrüßte sie die Mädchen. „Alice . . . Komm mal kurz, ich muss dir was erzählen.“
    Verwundert sah Alice zu ihr und zuckte dann in Richtung der anderen mit den Schultern. „Jetzt bin ich aber mal gespannt.“
    Skye zog ihre Freundin am Ärmel in eine abgelegenere Ecke, spürte aber deutlich den neugierigen Blick Elly Potters auf sich.
    „Luke Robinson hat mich eben gefragt, ob ich mit ihm ins Kino gehen will.“
    Alice‘ Augen weiteten sich überrascht, aber dann grinste sie schelmisch. „Im Ernst? Und, was hast du gesagt?“
    „Dass ich keine Zeit habe. Und es mir überlegen will. Wie soll man denn bitte freundlich eine Abfuhr erteilen?“
    „Gar nicht.“ Alice schob ihre Unterlippe vor. „Warum hast du nicht ja gesagt? Er ist doch ganz nett. Und nicht direkt hässlich.“
    „Ich bin zwölf.“ Skye raufte sich die Haare.
    „Bald wirst du dreizehn. Und so gut wie alle anderen sind schon längst dreizehn. Die können doch nichts dafür, dass du so ein Baby bist.“
    „Aber trotzdem.“ Skye schüttelte entgeistert den Kopf. „Ich bin viel zu jung. Und im Sommer habe ich mit . . . - also, habe ich mir so etwas wie ewige Jungfräulichkeit und Immunität vor Liebesschnulzereien geschworen.“
    Alice musste grinsen. „Vielleicht solltest du Nonne werden. Aber im Ernst, ich bin mal gespannt, wie du das hinkriegen willst.“
    Skye blieb stumm und runzelte die Stirn. Alle Jungen, die sie kannte, waren höchstens Freunde. Sie musste an Terry denken, an Sam aus ihrem Mathe-Kurs und natürlich Luke. Sich in einen von ihnen zu verlieben, diese Vorstellung war absolut eigenartig.
    „Hier sind alle so erwachsen“, sagte sie dann.
    Hier?“ Alice prustete los. „Wo denn sonst? Du bist doch nur hier.“
    Skye ließ sich mit dem Rücken an der kühlen Wand zu Boden sinken.
    Wenn Alice nur wüsste . . .

    BILD: Ein Knuddelmuff

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    ((bold))((navy))Kapitel 16: SLYTHERINS ERBE((ebold))((enavy)) „Ich könnte eine Stinkbombe benutzen, um die Lehrer mal für einen Moment abzulenken

    Kapitel 16: SLYTHERINS ERBE

    „Ich könnte eine Stinkbombe benutzen, um die Lehrer mal für einen Moment abzulenken“, überlegte Betty und warf einen säuerlichen Blick nach vorne, wo Professor Lockhart durch den Gang stolzierte und das kleine Grüppchen Ravenclaws und Gryffindors hinter sich herlotste.
    „Dann mach das aber bitte bei Snape.“ Skye zog eine Grimasse. „Der musste mich vor kurzem aufs Klo begleiten. Aufs Klo! Ich habe noch nie etwas Unangenehmeres erlebt.“
    Betty kicherte ungehalten und an dem frechen Blitzen in ihren Augen erkannte Skye, dass sie sich gerade irgendwelche eigenartigen Dinge vorstellte.
    „Romantisch“, kommentierte sie.
    Skye verdrehte die Augen und spielte gedankenverloren mit einer der silbernen Schnallen an ihrer Schultasche.
    Wie so oft huschten ihre Gedanken zu Edward Thomas. Mittlerweile träumte sie sogar schon von ihm: Es waren wirre Träume, gespickt von unzusammenhängenden Sätzen und einem Edward, der wie Skyes Vater aussah und in Knickerbockern durch Hogwarts hüpfte.
    Das Gefühl, so viel mehr zu wissen, das sie nach dem Gespräch mit ihrem Vater gehabt hatte, war verflogen und Skye schien wieder am Anfang zu stehen. Sie hatte keine Ahnung mehr, wer noch etwas wissen könnte. Anfangs wollte sie Professor Dumbledore fragen, der ihr schließlich von Edward erzählt hatte. Aber der war jetzt weg, als Schulleiter abgesetzt, und Skye stand vor einer Sackgasse.
    Zwar hatte sie auch schon mit dem Gedanken gespielt, sich Edward Thomas‘ Auszeichnung zu beschaffen; dies schien aber schier unmöglich, wo die Lehrer die Schüler überall hinbegleiteten und ständig auf sie aufpassten. Und Skye musste es sich schließlich eingestehen: Sie wusste nicht mehr weiter, so frustrierend dieser Gedanke auch war.
    Skye wollte sich schon ihrer melancholischen Ratlosigkeit hingeben, aber von Bettys und Padmas wildem Gekicher wurde sie wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt.
    „Und dann, dann habe ich Snape gesagt, ich hätte nur den Expelliarmus falsch gezielt“, erzählte Betty prustend.
    „Was?“, fragte Skye verwirrt.
    „Na, damals im Duellierclub. Ich habe Pansy Parkinsons Zähne verschwinden lassen. Nicht extra natürlich, das versteht sich von selbst.“
    Grinsend sah Skye nach vorne, denn dort hatte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit erregt: Am Kopf der Gruppe diskutierten Harry und Ron mit Professor Lockhart; Skye fragte sich stirnrunzelnd, über was die Drei wohl redeten.
    „Vielleicht möchte Ron Lockharts Lockenwickler ausprobieren“, überlegte Betty und Skye prustete los.
    „Hey, er geht weg!“ Padma zeigte überrascht nach vorne, wo Professor Lockhart wirklich in die entgegengesetzte Richtung hetzte.
    „Es war aber auch wirklich übertrieben“, sagte Betty. „Als würde Slytherins Monster hinter jeder Ecke lauern. Und als ob die Lehrer etwas dagegen tun könnten.“
    „Jedenfalls haben wir jetzt wenigstens fünf Minuten Freiheit.“ Skye warf übertrieben freudig die Hände in die Luft.
    „Bis zu Geschichte der Zauberei“, warnte Padma.
    „Und diese fünf Minuten müssen wir mit diesen lärmenden Gryffindors verbringen.“ Betty stöhnte theatralisch.
    Die Ravenclaws und Gryffindors waren mittlerweile vor dem Klassenzimmer für Zaubereigeschichte angekommen und warteten darauf, dass Professor Binns ihnen öffnete. Padma ließ sich kurzerhand auf dem Boden nieder und auch Betty warf sich der Länge nach hin.
    Skye sah sich prüfend um. Niemand beachtete sie; alle waren in ihre ganz eigenen Gespräche vertieft. Die Umstände wären nahezu perfekt.
    Das war ihre Chance, sich unauffällig die Auszeichnung zu besorgen.
    „Ich gehe noch schnell aufs Klo“, sagte Skye mit gesenkter Stimme zu Padma und Betty.
    „Bist du dir sicher, dass -?“, fragte Padma stirnrunzelnd.
    „Ja.“ Skye verdrehte die Augen. „Ich bin mir sicher, dass ich es auch ohne Professor Binns‘ Hilfe dorthin schaffen werde.“
    Unauffällig drehte sich um, weder Ravenclaws noch Gryffindors schienen zu bemerken, wie sie von dannen huschte. Hastig lief sie durch die Korridore; das Pokalzimmer war nicht weit entfernt, und Skye seufzte erleichtert, als sie sicher und ohne erwischt zu werden eintrat. Wer hätte gedacht, dass sich so eine perfekte Gelegenheit bieten würde?
    Schnell bückte Skye sich in der Ecke, in dem Edward Thomas‘ Auszeichnung stand. Eine dünne Staubschicht hatte sich seit Weihnachten auf dem goldenen Teller gebildet; niemand war wohl seitdem im Pokalzimmer gewesen. Vorsichtig pustete Skye die Staubflocken von dem Metall und schob den Teller in ihre Tasche.
    Zufrieden grinsend richtete sie ihren Umhang und trat aus dem Zimmer. Mit etwas Glück würde sie noch zu Zaubereigeschichte kommen, bevor Professor Binns seinen Unterricht begonnen oder ihr Fehlen bemerkt hatte.
    Auf Zehenspitzen trippelte Skye durch den Korridor, Totenstille herrschte und ihre Schritte schienen plötzlich seltsam laut.
    „Ich weiß nicht, wie all das weitergehen soll. Ohne Albus sind wir verloren.“
    Skye hielt erschrocken inne, als sie Professor McGonagalls erstickte Stimme vernahm. So leise wie möglich presste Skye sich an die Wand und schob sich langsam in die entgegengesetzte Richtung.
    „Wir können die Angriffe nicht mehr lange verantwortlichen, Minerva.“ Diesmal sprach Professor Flitwick.
    Skye hielt ängstlich die Luft an und das Herz rutschte ihr in die Hose. Wenn die beiden Professoren jetzt um die Ecke kämen, würden sie Skye vorfinden. Dann wäre es endgültig aus. Sie sollte in Geschichte der Zauberei sein und keiner der beiden würde ihr die Ausrede mit der Toilette glauben.
    Vorsichtig lief sie weiter, jedes Tappen ihres Fußes kam Skye plötzlich verräterisch laut vor. Professor McGonagalls Stimme wurde immer leiser; sie erzählte etwas von Harry und Ron, die Hermine im Krankenflügel besuchen wollten. Skye war das egal, sie wollte einfach nur weg und beschimpfte sich in Gedanken schon für die dumme Idee, sich mitten am Tag alleine herumzutreiben.
    Als sie in den nächsten Gang trat, rannte sie wie von der Tarantel gestochen los. Der Umweg zu Geschichte der Zauberei war nun riesig, aber sie durfte keine Entdeckung riskieren. Skye wollte sich gar nicht ausmalen, wie viele Hauspunkte das Ravenclaw kosten würde.
    Korridore und Fackeln sausten an ihr vorbei; sie betete, dass sie noch rechtzeitig kommen würde. Als Skye Professor Lockharts Stimme zu hören schien, legte sie noch einmal einen Zahn zu, aber mit der Zeit schien ihr der Atem auszugehen.
    Skye wurde immer langsamer, sie joggte nun nurnoch und hielt sich nach Luft schnappend die Seite. Keuchend bog sie in den nächsten Gang ein, stoppte aber abrupt ab, als sie dort eine Person stehen sah.
    Für einen kurzen Moment dachte Skye, diese Person sei ein Lehrer. Aber dafür war sie viel zu klein, sie trug einen mitgenommenen Umhang und hatte langes, flammend rotes Haar.
    Es war Ginny Weasley, Rons kleine Schwester.
    „Ginny? Was machst du hier?“
    Mit zügigen Schritten durchquerte Skye den Gang, doch bei dem Anblick, der sich ihr bot, wurde sie wieder langsamer. Ginny drehte sich zu ihr um, ihre Augen waren glasig und abwesend, sie machte ein ernstes Gesicht und an ihrem Umhang klebte frische Farbe, genauso wie an ihren Händen.
    „Was . . .“, begann Skye schon, da fiel ihr Blick auf die Wand neben Ginny.
    Ein neuer Schriftzug prangte dort, die Farbe glänzte noch und er war direkt unter der ersten Nachricht des Erben hingeschmiert worden.

    IHR SKELETT WIRD FÜR IMMER IN DER KAMMER LIEG

    Man musste kein großartiger Detektiv sein, um herauszufinden, was die letzten fehlenden Buchstaben waren. Skye schauderte und wich zurück.
    „Warst du das, Ginny?“ Ihre Stimme zitterte beim Sprechen.
    Ginny antwortete nicht, sie starrte Skye starr und kalt an, ohne ein einziges Mal zu blinzeln. In diesem Moment war die einzige Ähnlichkeit, die sie mit ihren Brüdern hatte, die rote Haarfarbe.
    „Ginny.“ Hastig tastete Skye in ihrem Umhang nach ihrem Zauberstab. „Mach jetzt nichts Dummes. Hör zu, wir dürfen beide nicht hier unten sein. Geh wieder in den Unterricht.“
    Skye biss sich innerlich fluchend auf die Lippe, als ihr einfiel, dass ihr Zauberstab in ihrer Schultasche steckte. So locker wie möglich öffnete sie die Schnallen und wühlte hastig in der Tasche herum. Ginny beobachtete sie stumm, und trat dann näher. Ihr Blick war auf etwas Goldenes, Glitzerndes zwischen Skyes Büchern gefallen. Skye bemerkte den eigenartigen Ausdruck in Ginnys Augen und schob Edward Thomas‘ Teller schnell tiefer hinein, bis er nicht mehr zu sehen war. Endlich hatte sie auch ihren Zauberstab gefunden und umklammerte ihn jetzt mit schwitzigen Fingern.
    „B-Bist du Slytherins Erbe?“
    Skye ahnte schon, dass Ginny nicht antworten würde, dennoch versuchte sie verzweifelt etwas aus ihr herauszubekommen. Ihr Magen schien Saltos zu schlagen und Skye schluckte beunruhigt, als auch Ginny ihren Zauberstab langsam hob. Sie führte ihn mit ruhiger, bestimmter Hand und schließlich zeigte die Spitze direkt auf Skyes Herz.
    „Ginny.“ Skye flehte fast schon, als sie das sagte.
    Mit Rons kleiner Schwester stimmte etwas nicht, sie war wie ausgewechselt. Verzweifelt suchte Skye nach einer Möglichkeit, gefahrlos zu verschwinden, Ginny zu überlisten oder außer Gefecht zu setzten. Eine Reihe von Flüchen fiel ihr ein, doch Skye wollte nicht die sein, die den Angriff startete. Sie hoffte noch immer, Ginny zur Vernunft bewegen zu können. Irgendwie.
    Skye öffnete schon den Mund, um noch etwas zu sagen, jede Pore in ihrem Körper schrie nach Flucht, einfach weglaufen.
    Aber Ginny war schneller.
    Sie sagte nicht einmal etwas, ihre farblosen Lippen blieben fest zusammengepresst, aber aus ihrem Zauberstab schoss ein roter, blendender Lichtblitz.
    Skye konnte nicht mehr schreien, er traf sie direkt in die Brust. Mit einer unbändigen Wucht wurde sie nach hinten geschleudert, ihre Glieder schienen zu erstarren und als sie mit vor Schreck aufgerissenen Augen und nicht fähig sich zu rühren gegen die kalte Steinwand schlug, tanzten rote Punkte vor ihren Augen und die Welt begann sich zu drehen.

    BILD: Ein Korridor (Der Korridor?)

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    ((bold))((navy))Kapitel 17: IM ROSEWOOD FOREST((ebold))((enavy)) Skye musste blinzeln, als ihr die helle Mittagssonne unangenehm ins Auge stach. Ihr K

    Kapitel 17: IM ROSEWOOD FOREST

    Skye musste blinzeln, als ihr die helle Mittagssonne unangenehm ins Auge stach. Ihr Kopf pochte stark und ihre Glieder schmerzten noch immer von dem Aufprall an die Steinwand. Aber die Erinnerung an Ginny und wie sie so gleichgültig ihren Zauberstab gehoben hatte, schien verschwommen und ungenau.
    Stöhnend rappelte Skye sich von dem blätterbedeckten Boden auf. Während sie sich die Schläfen massierte, sah sie sich stirnrunzelnd um. Überall standen Bäume, ein paar Vögel zwitscherten, durch das Blätterdach schien die wärmende Sonne und warf helle Punkte auf die Erde.
    „Hallo?“, fragte Skye ins Leere, aber niemand antwortete ihr.
    Was war geschehen? Wo war sie? Der Verbotene Wald war das nicht, da war Skye sich sicher. Hier war es viel heller, fröhlicher fast schon. Sie seufzte schwer. Wie hatte Ginny das nur angestellt?
    Zögerlich lief sie ein Stück. Der Waldrand schien entfernt zu sein, hier gab es nur Bäume, Bäume über Bäume.
    Skye wollte schon wieder rufen, da fiel ihr ein hölzernes Kreuz ins Auge. Unsauber war es an einen Baum genagelt, etwas war hineingeritzt worden und ein Foto von einem braunhaarigen Jungen, vielleicht zwölf Jahre alt, hing zerknittert von dem Nagel. Er bewegte sich nicht, es musste also ein Muggelfoto sein.
    Skye musste sich mächtig konzentrieren, um die Inschrift lesen zu können. Sie war schon etwas verwittert, doch schließlich erkannte sie die Worte:

    Edward Thomas
    1930-1942


    Skye musste den Namen zweimal lesen, um ihn wirklich zu verstehen. Nie hatte sie dieses Kreuz irgendwo gesehen, aber es war die Erklärung, die sie jetzt brauchte.
    Das war Rosewood. Der Rosewood Forest.
    Fast schon angeekelt wich Skye zurück. Das musste der Ort sein, an dem man Edwards Knochen gefunden hatte. Seine falschen Knochen.
    Skye atmete tief durch. Rosewood, das kannte sie. Hier würde sie wieder herauskommen. Ganz einfach.
    Aber plötzlich kam ihr eine Idee: Sie tastete nach dem Zeitumkehrer unter ihrem Umhang, hastig drehte sie an dem Rädchen, wartete auf das altbekannte Gefühl des Fallens, aber . . .
    Nichts.
    Nichts passierte.
    „Was zum Teufel?“, murmelte Skye und beäugte die Kette ärgerlich.
    Warum funktionierte sie nicht? Das konnte nicht sein, sie musste funktionieren.
    Skye wollte es schon noch einmal probieren, aber da ließ ein ohrenbetäubender Knall die Erde erschüttern. Vögel zwitscherten panisch, irgendwo knackste ein Baum und Skye zuckte zusammen.
    Hier waren andere Menschen.
    Sie rannte los, glaubte schon, sie würde sie nicht mehr erreichen. Unbeholfen stolperte sie über Wurzeln, Äste zerrten an ihrem Umhang und die Blätter unter ihren Füßen knirschten unüberhörbar.
    Und endlich, da waren sie. Zwei Jungen, die sich auf einer Lichtung gegenüber standen.
    „Hallo!“ Skye lief auf sie zu, die Stimme voller Erleichterung.
    Aber keiner der beiden reagierte, und erst jetzt, wo sie vor ihnen stand, bemerkte sie die Zauberstäbe in ihren Händen.
    „Könnt ihr mir helfen?“, fragte Skye und sah hilflos zwischen den beiden hin und her.
    „Das hast du nun davon“, sagte einer der Jungen; er war vielleicht neunzehn, hatte dunkles Haar, ein hübsches Gesicht und trug einen feinen Reiseumhang.
    „Was meinst du?“ Skye war verwirrt, er hatte sie noch nicht einmal eines Blickes gewürdigt und schlug nun diesen hämischen Ton an.
    „Verdammt, Tom. Es gibt noch einen anderen Weg“, flehte der andere der beiden.
    Er war jünger, etwa fünfzehn Jahre alt und hatte braunes Haar. An seiner Wange prangten ein paar übel aussehende Kratzer und sein Umhang war verkohlt, so wie die Blätter zu seinen Füßen. Neugierig trat Skye näher zu ihm, denn sein Gesicht kam ihr irgendwie bekannt vor. Es wirkte unwirklich und seltsam, aber er sah aus wie ihr Vater. Die gleichen dunkelblauen Augen, die auch Skye hatte, huschten ängstlich hin und her, als würde er nach etwas suchen. Einem Ausweg? Und da traf es Skye wie ein Schlag: Das war der Junge vom Kreuz.
    Es war Edward Thomas.
    „Du verstehst noch immer nicht“, knurrte der Junge, den Edward Tom genannt hatte. „Ich dachte, Ravenclaws seien schlau.“
    Nun verengten sich auch Edwards Augen, die Ähnlichkeit zu Skyes Vater war wahrhaftig erschreckend. „Du weißt gar nichts. Nichts.“
    „Und deswegen stehe ich jetzt hier, natürlich “, höhnte Tom.
    Du hast meinen Bruder getötet!“, spuckte Edward ihm vor die Füße, trotz der Angst in seinen Augen bebte er nun vor Wut.
    Skye blieb stumm und biss sich auf die Lippe. Sie hatte begriffen, was hier passierte. Das war die Vergangenheit. Und keiner der Jungen würde sie bemerken, sie existierte schließlich gar nicht.
    „Muggel sind nichts wert.“ Tom knirschte mit den Zähnen.
    „Du bist der, der in einem Waisenhaus der Muggel aufgewachsen ist.“
    „Was . . . Woher?“, fragte Tom, seine Augen weiteten sich überrascht.
    „Professor Slughorn hat es mir -“
    „Horace Slughorn ist ein Narr.“
    Edward blieb für einen Moment stumm, dann sprach er langsam und mit einer unglaublichen Traurigkeit in seiner Stimme. „Du warst sein Lieblingsschüler. Bei den Treffen des Slug Clubs hat er nur von dir gesprochen. Professor Slughorn hat dir vertraut. Ich habe dir vertraut.“
    Tom lachte. „Natürlich. Der große, freundliche Schulsprecher, der dich in deinem ersten Jahr vor der Kammer des Schreckens bewahrt hat. Nach deiner erbärmlichen Hufflepuff-Freundin war ich wohl der erste, dem du dein Herz ausgeschüttet hast.“
    „Und du hast es einfach ausgenutzt. Als Professor Dumbledore mir von der Prophezeiungen erzählt hat, hätte ich niemals gedacht, dass du derjenige sein würdest.“
    Skye spürte den Schmerz in Edwards Stimme, sie wollte zu ihm gehen, ihren Großonkel trösten, aber als sie seinen rußigen Umhang berührte, rutschte ihre Hand einfach hindurch. Sie schauderte. Es war, als wäre sie ein Geist.
    Tom zog unter seinem Umhang ein Kettchen hervor. Mit einem genüsslichen Grinsen ließ er es hin- und herbaumeln. Skye trat näher und überrascht musterte sie den anderen Zeitumkehrer. Er sah genauso aus wie ihrer, nur statt der warmen, goldenen Farbe glänzte er silbern.
    „Hol ihn dir, Eddie, komm schon.“ Tom schien das Spiel zu genießen.
    STUPOR!“
    Edward schleuderte seinem Gegenüber einen roten Lichtblitz entgegen, der ihn aber mit einem lässigen Schnipsen seines Zauberstabes verpuffen ließ.
    „Wie putzig“, höhnte Tom. „Aber glaubst du wirklich, dass du, ein kleines Schlammblut, das noch nicht einmal seine ZAGs geschafft hat, mich, Lord Voldemort, besiegen kannst?“
    Edward presste wütend die Lippen aufeinander; er schien zu wissen, dass das stimmte und erwiderte nichts.
    „Also.“ Tom bleckte die Zähne. „Genug der Spielchen. Gib mir deinen Zeitumkehrer.“
    Nun war es Edward, der grinste. „Ich kann nicht.“
    „Warum?“, fragte Tom misstrauisch und hob seinen Zauberstab.
    „Ich habe ihn dem Ministerium gegeben. Sie sind auf dem Weg. Ich bin nicht so dumm, wie du denkst, Tom. Die Mysteriumsabteilung steht schon seit langem mit mir in Kontakt. Ich weiß, was du mit mir machen wirst. Den Zeitumkehrer wirst du nicht auch noch bekommen. Er gehört mir.“
    „Aber sie können ihn nicht bedienen, du Idiot. Und wie bist du überhaupt hergekommen?“
    „Es gibt so viel, das du nicht weißt. Der Zeitumkehrer, den du da in der Hand hälst, ist nur eine billige Kopie von meinem.“
    In Toms gefährlich verengten Augen blitzte etwas Rotes auf. „Du hast es nicht anders gewollt, Edward. Jetzt kannst du endlich deinen Bruder wiedersehen.“
    „Mach nur.“ Edward grinste breit und er sah Tom herausfordernd an.
    Dieser schien keine Zeit verlieren zu wollen. Seine Fingerknöchel an der Hand mit dem silbernen Zeitumkehrer waren weiß geworden, so fest umklammerte er ihn. Langsam richtete Tom seinen Zauberstab auf Edward.
    In Skyes Magen schien sich ein großer, schmerzhafter Klumpen zu bilden. Sie wollte Tom den Zauberstab aus der Hand schlagen, aber ihre Finger rutschten einfach hindurch. Verzweifelt sah sie zwischen den beiden hin und her. Natürlich wusste sie, wie das Ganze ausgehen würde. Aber sie wollte es nicht wahrhaben. Es durfte nicht so sein.
    „Das ist noch nicht das Ende.“
    Edwards Gesicht war schwer zu lesen; er fasste sich an den Hals, als würde er nach seinem Zeitumkehrer greifen, aber da war nichts. Skyes Hände verkrampften sich, und sie wollte die Augen zukneifen, doch Tom hatte schon seinen Zauberstab gehoben. Er sagte nichts, aber aus der Spitze brach ein grüner Lichtblitz hervor.
    Es ging alles viel zu schnell: Edward erstarrte in der Luft, die blauen Augen aufgerissen, das giftfarbene Grün des Zaubers spiegelte sich in ihnen wider; Skye schrie, sie stolperte nach hinten und knallte unsanft gegen einen Baum.
    Der Waldboden begann sich unter ihr zu drehen und Skye hörte einen langen, durchdringenden Schrei; es war ihrer. Es war Skyes Schrei, der durch den Wald hallte.
    Aber niemand hörte ihn.

    BILD: Der Rosewood Forest

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    ((bold))((navy))Kapitel 18: EIN KREUZ IM WALD((ebold))((enavy)) „Ah, Miss Thomas, da sind wir wieder.“ Munter wuselte Madam Pomfrey um Skye herum,

    Kapitel 18: EIN KREUZ IM WALD

    „Ah, Miss Thomas, da sind wir wieder.“
    Munter wuselte Madam Pomfrey um Skye herum, ihren Zauberstab noch in der einen Hand und ein Becher dampfend heißer Tinktur in der anderen.
    Skye starrte verwirrt auf den Bettrand. „Was ist passiert?“ Ihre Stimme zittere, als sie das sagte.
    „Ein Schockzauber, nichts weiteres. Aber ein starker, das muss ich zugeben. Und es hat leider etwas gedauert, bis Sie gefunden worden.“
    „Ginny Weasley. Ginny Weasley ist die Erbin Slytherins. Jemand ist tot!“
    Hilflos sah Skye zu der Heilerin. Aber Madam Pomfrey sah fröhlicher aus als sonst, ihre Mundwinkel umspielten ein erleichtertes Lächeln.
    „Miss Weasley war vor kurzem hier. Es ist eine lange Geschichte, wie ich hörte. Aber Sie können erfreut sein, Tote gibt es nicht. Der Schrecken in der Kammer wurde gebändigt.“
    „Was?“ Skye fuhr aus dem Federkissen hoch. „Von wem?“
    „Mr Harry Potter und seinem Weasley-Freund. Aber das Festessen wird bald anfangen. Ich denke, Ihre Freunde erwarten sie dort schon. Sie brennen sicher darauf, Ihnen alles zu erzählen.“
    Skye blieb stumm und atmete tief durch. In ihrem Kopf wirbelten tausende wirre Gedanken umher.
    „Ich muss mit Professor Dumbledore sprechen.“
    „Nun, das wird Zeit haben, Miss. Der Schulleiter hat einiges zu erledigen.“ Madam Pomfrey scheuchte sie aus dem Bett.
    „D-Darf ich einfach gehen?“
    Madam Pomfrey nickte und lächelte Skye dann breit zu. „Es hat sich doch noch alles zum Guten gewendet, seien Sie beruhigt.“
    Skye antwortete nicht, hastig lief sie aus dem Krankenflügel und lehnte sich im Korridor an die kühle Steinwand. Durch die Fenster schien der Mond hinein und tauchte den Gang in silbernes Licht, es musste mitten in der Nacht sein.
    Die Erinnerung an diesen seltsamen Traum, diese Vision von Edward Thomas kehrte langsam wieder in ihren Kopf zurück. Zittrig fuhr Skye sich durch die Haare und vergrub das Gesicht in den Händen. Sie fühlte sich elender als jemals zuvor in ihrem Leben. Was war da passiert?
    Das Bild von ihrem Großonkel, wie er einfach umgefallen war, von dem anderen Jungen, der so mächtig schien, all das fiel ihr wieder ein.
    Skye konnte sich nicht mehr stoppen, kühle, salzige Tränen liefen ihr die Wangen hinunter, schluchzend ließ sie sich auf den Boden fallen, ihr ganzer Körper schüttelte sich.
    Es dauerte eine ganze Weile, bis sie aufhörte zu weinen. Ihr Tränenvorrat schien nun aufgebraucht zu sein und schniefend rappelte sie sich auf. Ihr war schlecht, schwindelig und elend gleichermaßen.
    Energisch rieb Skye sich die roten Augen. Betty und Padma würden sich sicher bald auf die Suche nach ihr machen. Aber die beiden durften sie nicht so sehen. Was sollte sie ihnen auch erzählen? Die Wahrheit? Das durfte Skye nicht. Skye durfte niemandem die Wahrheit erzählen.
    Langsam und mit Beinen wie Wackelpudding lief Skye durch die Korridore bis zur Großen Halle. Man hörte schon von außen lautes Reden und Lachen. Aber niemand schien sie zu bemerken, als Skye eintrat. Stumm schlurfte sie zum Ravenclaw-Tisch, wo ihre Freunde sie schon fröhlich erwarteten. Skye hielt den Kopf gesenkt, damit niemandem ihre roten Augen auffielen und als Padma fragte, was mit ihr los sei, log Skye und meinte, dass sie nur Kopfschmerzen habe.
    Es war das ausgelassenste Fest, das Skye je erlebt hatte, doch sie ließ sich nicht von der fröhlichen Stimmung mitreißen.
    Alle erzählten sich von Harry Potters und Ron Weasleys Heldentat, die beide freudenstrahlend am Gryffindor-Tisch saßen und von den anderen umjubelt wurden. Skye beachtete sie nicht.
    Die Opfer des Monster waren geheilt, die Abschlussprüfungen wurden überraschenderweise abgesagt, aber das war ihr egal. Sie wollte nichts weiter, als mit Professor Dumbledore zu sprechen.
    Die anderen waren noch putzmunter, aber nach zwei Stunden wurde es Skye zu viel. Als sie sich endlich losgeeist hatte und alleine zum Ravenclaw-Turm lief, wollte sie am liebsten schon wieder weinen.
    Letztes Jahr war sie noch so enthusiastisch gewesen, so entschlossen Edwards Werk zu beenden. Aber jetzt . . . jetzt hatte Skye die Wahrheit gesehen. Und sie bezweifelte, dass sie das schaffen würde. Es schien schier unmöglich.

    Ein großer, prächtiger Vogel segelte über den See und ließ sich von der sommerlichen Brise tragen. Das Wetter war absolut großartig, sogar der Verbotene Wald sah plötzlich einladend aus. In der Ferne hörte man einige andere Schüler lachen und jubeln, sie spielten und tobten mit der Riesenkrake.
    Niemand von ihnen schien Skye zu beachten. Aber das war ihr gerade recht so. Skye wollte nicht beachtet werden.
    Sie lehnte an einer großen Eiche, die raue Rinde pikste ihr unangenehm in die nackten Arme, sie hatte das Kinn auf ihre Knie gelegt und starrte mit einem trübseligen Blick auf das Wasser. Der See war klar und tief, kleine Wellen kräuselten sich auf der Oberfläche und winzige Fische wuselten umher.
    In ihrem Kopf wiederholte sich nun schon zum tausendsten Mal die Szene im Rosewood Forest. Seit dem Fest passierte das nurnoch. Skye saß einfach da und dachte. Bald würde sie schon im Hogwarts-Express sitzen, die Ferien in der sekundären Dimension hatten schon längst angefangen. Aber statt wie ihre Freunde an milde Sommertage und Vanilleeis zu denken, dachte sie an Edward Thomas. An sein Schicksal. Und warum nun sie das alles erleiden musste.
    Skye lehnte sich nach hinten und sah in den wolkenlosen Himmel, musste die Augen wegen der hellen Sonne zusammenkneifen. Sie beobachtete einen Waldkauz, der über den See flog. Skye folgte seiner Bahn mit den Augen, aber dann stutzte sie. Die Eule flog direkt auf sie zu.
    Skye sprang neugierig auf und schon ließ der Waldkauz einen kleinen Brief auf ihren Kopf fallen und flog wieder zurück zur Schule. Schnell nestelte Skye das winzige Papier auf und begann die Botschaft zu lesen:

    Ich erwarte dich in meinem Büro. Komm, wenn du bereit dafür bist.

    Prof. Albus Dumbledore

    PS: Ich habe eine Schwäche für Rinderhackbraten


    Skye hätte bei dieser Nachricht am liebsten laut losgejubelt. Endlich. Endlich würde sie vielleicht etwas Klarheit bekommen.
    Sie sauste los, rannte am See entlang und all die Energie, die sie in den Tagen zuvor verloren zu haben schien, kam wieder in sie zurück. Ohne auch nur einmal stehen zu bleiben preschte sie ins Schloss, lief durch Korridore und an verwirrten Porträts vorbei. Es dauerte nur ein paar Minuten, dann war sie vor dem Büro des Schulleiters angekommen.
    „Rinderhackbraten“, rief sie dem steinernen Wasserspeier zu und er gab ihr grollend die Treppe frei. Skye wartete gar nicht, bis die Stufen sich hinaufgedreht hatten, sie rannte schon nach oben und stürmte schließlich aufgeregt in das Schulleiter-Büro.
    „Guten Tag, Sir.“
    Keuchend blickte Skye Professor Dumbledore entgegen, der freundlich lächelnd hinter seinem Schreibtisch hervorkam, so silberbärtig und faltenreich wie immer.
    „Schön, dich zu sehen, Skye. Ich dachte mir schon, dass es Redebedarf gibt. Setz dich doch.“
    Verwirrt ließ Skye sich auf einen der knautschigen Sessel neben einem Bücherregal sinken. „Woher wussten Sie das?“
    „Nun, dein Erlebnis mit der besessenen Ginny Weasley muss wohl ziemlich erschreckend gewesen sein, nicht?“ Professor Dumbledore richtete mit bedeutungsvollem Blick seine Halbmondbrille.
    „Ach, ja, stimmt. Aber . . . da ist noch etwas anderes, Sir. Nachdem sie mich verzaubert hat, hatte ich eine Art . . . Traum.“
    Dumbledore musterte sie genau. „Was denn für ein Traum?“
    Skye atmete tief durch. Endlich konnte sie jemandem ihr Herz ausschütten, all ihre Sorgen los werden. Und wie ein Wasserfall brach die ganze Geschichte aus ihr heraus, sie erzählte dem Schulleiter alles und er unterbrach sie kein einziges Mal.
    „Ich verstehe es nicht. Was war da los?“, endete Skye schließlich und musste erst einmal Luft holen.
    „Du musst wissen, dass durch einen unglücklichen Zufall Ginny Weasley von Tom Riddle kontrolliert wurde. Von seiner Erinnerung, die sie dazu brachte, die Kammer des Schreckens zu öffnen. Ich glaube, dass bei dem Zauber, den Miss Weasley auf dich schleuderte, ein Stück dieser Erinnerung mitgerissen und unglaublicherweise auf dich übertragen wurde.“
    Skye runzelte die Stirn. Das klang wirklich eigenartig. „Wie Sie meinen . . . Also habe ich eine Erinnerung von Tom Riddle erlebt. Er und mein Großonkel waren wohl befreundet, bevor . . . Sie wissen schon.“
    Professor Dumbledore blieb für einen Moment still. Er schien nachzudenken. „Edward Thomas war ein Junge, den man vielleicht als eigenartig bezeichnen könnte, als exzentrisch. Freunde zu finden fiel ihm schwer, selbst in Ravenclaw, das Haus, das schließlich für diese Eigenschaft bekannt ist. Zwar war er ein sehr talentierter Schüler, das konnten dir all seine Lehrer bestätigen, aber nicht gerade extrovertiert. Nur mit einem Mädchen aus Hufflepuff, Victoria Stewart, wenn ich mich recht erinnere, freundete er sich direkt an. Sie war die einzige, der er vertraute.
    Ein Lehrer für Zaubertränke fand wegen seiner herausstechenden Begabung bald Gefallen an ihm und nahm ihn in eine Art kleinen Privatclub auf. Dort lernte Edward einen Jungen kennen, den er wohl schon immer bewundert hatte. Sein Name war Tom Riddle, alle schätzen ihn sehr, er war brillanter Schulsprecher, Vertrauensschüler und hatte in Edwards erstem Jahr eine wahre Heldentat vollbracht - angeblich. Tom wusste anfangs noch nichts von Edwards muggelstämmiger Herkunft und musste ihn wohl als Mitglied seines Freundeskreises in Erwägung gezogen haben und so kamen die Jungen in engeren Kontakt. Edward vertraute seinem großen, scheinbar so gutherzigen Vorbild und erzählte ihm alles über den Zeitumkehrer.
    Das war es, was die Geschehnisse ins Rollen brachte. Tom war nämlich nicht so gut, wie er vorgab zu sein. Er fand Gefallen an der sekundären Dimension, außerdem war er schon immer ein Freund schwarzer Magie und stahl schließlich den zweiten Zeitumkehrer. Nicht nur war Edward verraten worden, sondern er musste auch noch gegen einen ehemaligen Freund, gegen ein Vorbild kämpfen.
    Tom Riddle tötete einen von Edwards älteren Brüdern und fing an, in der sekundären Dimension Chaos und Unruhe zu stiften. Aber in dem finalen Kampf - den du scheinbar miterleben musstest - wendete sich alles zum Guten und der andere Zeitumkehrer wird seitdem sicher im Zaubereiministerium aufbewahrt.“
    Skye betrachtete nachdenklich eines der Schulleiterporträts. „Dieser Tom Riddle. Er hat sich in der Erinnerung Lord Voldemort genannt.“
    Dumbledore seufzte schwer. „Das war einer seiner vielen Namen. Tom Riddle, Lord Voldemort und Du-Weißt-Schon-Wer. So ist er heutzutage bekannt.“
    Mit großen Augen schaute Skye auf. „Wie der böse Zauberer? Der Harry Potters Eltern getötet hat?“
    „Du hast es erkannt.“
    „Aber . . .“ Skye runzelte verwirrt die Stirn. „Der ist doch vernichtet worden. Oder nicht?“
    Professor Dumbledore drehte nachdenklich Däumchen und sah aus dem Fenster über das Schlossgelände. „Das dachte ich auch. Aber dein Zeitumkehrer schien anderer Meinung zu sein. Nach vielen Jahren wollte er erneut einen Besitzer.“
    Skye umklammerte die Lehnen ihres Stuhls. „Was soll das heißen?“
    „Auch ich, Skye, auch ich weiß nicht alles. Es tut mir leid.“
    Überrascht starrte Skye den Schulleiter an. Warum hatte er ihr das noch nicht früher gesagt? Wie konnte er sich einbilden, dass sie etwas gegen solch einen mächtigen schwarzen Magier ausrichten konnte?
    „Verzeihung, Sir.“ Sie zögerte. „Aber was soll ich nun tun?“
    „Warten“, sagte Professor Dumbledore ruhig und sah sie eindringlich an. „Außer, du möchtest umkehren? Den Zeitumkehrer abgeben?“
    Skye musste lachen, so absurd wirkte diese Vorstellung. „Nein. Aber ich weiß nicht, ob ich das kann. Selbst mein Großonkel hat es nicht ganz geschafft. Und er war schließlich so etwas wie der Auserwählte.“
    „Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werde ich mein Bestes tun, um dir zu helfen. Aber bei Gott, bis dahin wird es noch dauern, das hoffe ich doch.“
    „Danke, Sir.“ Skye stand auf. „Vielleicht kommt es auch gar nicht so weit.“
    Sie wollte sich schon zur Tür wenden, da sprach Dumbledore erneut.
    „Ich habe noch etwas für dich, Skye.“
    Erstaunt drehte sie sich um und ging langsam zum Schreibtisch. Professor Dumbledore schob ihr einen goldenen Teller entgegen. Es war Edwards Auszeichnung.
    „Der wurde neben dir im Gang gefunden. Du darfst ihn haben. Ich denke, er wird dir im richtigen Moment zu der richtigen Entscheidung verhelfen. Und manchmal ist es auch ganz gut, wenn man etwas hat, woran man sich festhalten kann.“
    Zögerlich nahm Skye den schweren Goldteller in die Hand. Irgendjemand schien ihn abgestaubt zu haben. Aber auf ihm lag noch ein zusammengefaltetes Papier, ein Foto.
    „Es hat lange gedauert, bis ich dieses Bild in meinem unglaublichen Chaos hier wiedergefunden hatte“, erzählte Dumbledore schmunzelnd.
    Skye strich vorsichtig über das vergilbte Foto. Edward Thomas winkte ihr entgegen, er stand neben ein paar größeren Jungen und sah schüchtern in die Kamera, sein Blick huschte immer wieder zu den anderen.
    Skye sah auf und schaute direkt in Dumbledores alte, weise Augen. „Danke Professor, wirklich. Sie können sich auf mich verlassen.“

    Ächzend wischte Skye sich den Schweiß von der Stirn. Die Sommersonne brannte heiß und unbarmherzig auf sie herunter, selbst die Bäume konnten sie nicht abschirmen. Eben war Skye schon über eine Wurzel gestolpert und hätte fast den riesigen Eimer Seifenlauge umgeschüttet.
    Ihre Eltern hatten sie schon seltsam genug angesehen, als sie am Nachmittag mit Lappen und Hammer bewaffnet zum Rosewood Forest losgezogen war. Ihre Freunde verbrachten die Sommerferien im Freibad, aber Skye war an diesem Morgen aufgewacht und hatte sich zu einem Waldspaziergang mit Putzzeug berufen gefühlt.
    Ein kleiner Spatz zwitscherte fröhlich und Skye musste lächeln. Sie hatte jetzt ganz offiziell Sommerferien: Vor kurzem war sie im Bahnhof King‘s Cross angekommen und hatte sich von Betty und Padma verabschiedet.
    Und jetzt, jetzt hatte sie frei. Ganze sechs Wochen und das in beiden Dimensionen.
    Sie grinste fröhlich ein paar Wanderern zu, die ihr verwirrt hinterhersahen. Skye war das egal, denn ihr Ziel konnte nicht mehr weit sein.
    Und wirklich, da war es: Eine große Buche. Der schenkte Skye aber keine Aufmerksamkeit. Sie bückte sich, denn dort lag das, was sie suchte.
    Ein Holzkreuz, so verwittert, dass man den darin eingeritzten Namen nicht mehr lesen konnte. Angestrengt buddelte Skye es aus dem erdigen Boden aus, es schien in den letzten fünfzig Jahren wortwörtlich Wurzeln geschlagen zu haben. Nach einigen Minuten schweißtreibender Zerrerei wischte sie endlich die Erde von dem Kreuz und zückte nun Hammer und Nagel.
    Die vielen Jahre der Achtlosigkeit waren dem Kreuz deutlich anzusehen, aber Skye wollte das ändern. Sie nagelte es wieder an seinen ursprünglichen Platz und schrubbte es mit Wasser und Seife, bis Edward Thomas‘ Name wieder lesbar war.
    Es dauerte lange, aber schließlich betrachtete Skye zufrieden ihr Werk. Edward Thomas hatte die Aufmerksamkeit vorbeigehender Spaziergänger verdient, er sollte beachtet werden. Sein Kreuz sah nun wieder fast wie neu aus, aber eine Sache fehlte.
    Mit noch feuchten Händen kramte Skye aus ihrer Hosentasche das Foto ihres Großonkels hervor, das Dumbledore ihr gegeben hatte. Zu Hause hatte sie die anderen Jungen mit der Schere weggeschnitten und jetzt war nur noch eins zu sehen: Edward Thomas.
    Skye hielt das Bild mit prüfendem Blick an das Kreuz. Es passte perfekt. Vorsichtig fuhr sie mit ihrem Zauberstab an dem ausgefransten Bildrand entlang und das Foto blieb augenblicklich an dem alten Holz haften, es war wie eingebrannt.
    „Fertig“, sagte Skye zu dem Foto-Edward und ging ein paar Schritte zurück.
    Das Foto gab dem Ganzen noch den letzten, perfekten Touch und Skye musste bei dem Gedanken an die Muggel, die das sich bewegende Bild verwirrt anstarrten, amüsiert grinsen.
    Sie dachte an das Gespräch mit Professor Dumbledore, an ihre Freunde, an Hogwarts und an Edward Thomas und den Zeitumkehrer.
    Er hatte recht gehabt. Das Ende war es wirklich noch nicht und das Leben ging weiter.
    Aber Skyes Leben waren noch immer um Welten entfernt.

    BILD: Edward Thomas‘ Kreuz vor Skyes Makeover

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    ((bold))((navy))DANKSAGUNG((ebold))((enavy)) Ich kann es gar nicht glauben, so schnell ging es, aber wieder ist ein Jahr für Skye vorbei und so so au

    DANKSAGUNG

    Ich kann es gar nicht glauben, so schnell ging es, aber wieder ist ein Jahr für Skye vorbei und so so auch der zweite Teil beendet. Langsam wird es immer ernster, Skye wird älter und . . . tja, den Rest werdet ihr dann schon erfahren.

    Natürlich gibt es wieder einige, denen ich ein großes Dankeschön sagen will!

    Fangen wir als erstes mit all den Leuten an, die mir nette Kommentare, Lob und gute Bewertungen dagelassen haben. Dass so vielen diese Fanfiction gefällt, hätte ich wirklich nicht gedacht. Vielen Dank, ich weiß das sehr zu schätzen! ♡

    Aber manche kann ich natürlich nicht einfach als „Leute“ bezeichnen. Das sind nämlich die, die ständig wiedergekommen, jedes Kapitel kommentieren und ein wichtiger Teil der Gemeinschaft hier sind.

    Da wäre Tigerin, die von Anfang an dabei war und mir immer sehr liebe (und lange!) Kommentare geschrieben hat. Vielen Dank dafür, dass du so geduldig bist, auf die neuen Kapitel wartest und jedes so toll kommentierst. Ich liebe deine Bibliothek (Der Link: https://www.testedich.de/quiz57/quiz/1543337890/Bibliothek-der-Harry-Potter-Charaktere) und da du selbst auch so gut schreibst, fühle ich mich wirklich geehrt. Ich hoffe doch, du bleibst noch lange dabei, denn du gehörst zu dieser Fanfiction schon richtig dazu! ♡♡

    Wenn ich aber von Tigerin rede, darf ich natürlich Koala-Girl nicht vergessen. Auch sie ist seit dem ersten Teil dabei, schreibt wundervolle, lange Kommentare und opfert ihre Zeit für mich und diese Geschichte. Vielen Dank! Danke für deine Liebe zu Betty (die ich natürlich mit dir teile), das viele Lob und dass du so fleißig dranbleibst. Sowohl Betty als auch ich haben dich lieben gelernt und auch du bist für mich ein fester Teil dieser Geschichte geworden! ♡♡

    Und in diesem Schuljahr dürfen wir auch noch einen Neuankömmling in der Große-Unterstützung-und-tolle-Kommentare-Gemeinschaft begrüßen. Erst bekannt als Pneumonia und später als Serial Reader konnte sie sich auch für die Geschichte um Skye und ihre Freunde begeistern. Danke dafür! Hoffentlich liest du auch in Zukunft noch lange mit und hoffentlich darf ich mich dann auf weitere wundervolle, lange Kommentare von dir freuen! ♡♡

    Nun möchte ich mich noch bei meinen Musen außerhalb des Internets bedanken: G. und N., die zusammen die perfekte Betty ergeben und dank denen ich immer viel Inspiration für „die olle Sau“ habe. Dann noch danke an Pottermore (ein wandelndes Lexikon bin nämlich auch ich nicht), Pinterest, A Very Potter Musical, die anonyme Person, die mir dieses wunderbare Bild (BettyxKugelschreiber) geschickt hat, und Harry-Potter-Memes. ♡♡♡

    So, das war es nun. Nochmal eine große, dicke Umarmung mit vielen nassen Schmatzern an alle von euch. Auf ein nächstes Mal!

    ♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡

    Da dies aber erst der zweite Teil ist, muss es natürlich weitergehen. Das tut es auch, denn wie Edward Thomas so schön gesagt hat: Das ist noch nicht das Ende.

    Hier ist der Link zum dritten Teil:
    https://www.testedich.de/quiz60/quiz/1556823265/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-3-Eine-Harry-Potter-FF

    Yours sincerely
    Halbblutprinzessin 28


    Keine Rechte der Bilder gehören mir! Sie sind alle auf Google gefunden.

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1550784812
Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #2 [Eine Harry...
Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #2 [Eine Harry...
Skyes zweites Schuljahr in Hogwarts beginnt, wobei nicht nur die mysteriöse Kammer des Schreckens sie in Atem hält - nein, denn auch ihr geheimes Doppelleben wird immer schwieriger zu verstecken. Und bei alledem hätte sie am wenigsten erwartet, dass i...
https://www.testedich.de/quiz59/quiz/1550784812/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-2-Eine-Harry-Potter-FF
https://www.testedich.de/quiz59/picture/pic_1550784812_1.jpg
2019-02-21
402D
Harry Potter

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Kommentare (176)

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Gestern
@Cereal: Das mit der Erlaubnis wird bald aufgelöst. ;)
Das mit Skye 2.0, da gebe ich dir vollkommen recht. So habe ich mir das auch gedacht und ich bin froh, dass man es merkt.
Perfekt, dann sind neue Charaktere ja von allen abgesegnet. Mir macht das nämlich viel mehr Spaß, als die „originalen“ zu benutzen. Also die, deren Persönlichkeit man auch kennt.

@Tigerin: Gut. ^^
Ich versuche auch, die alten so zu lassen. Also, in den meisten Fällen. ;)
Gestern
Okay, dann ist ja jetzt eigentlich schon alles gesagt. Neues Kapitel ist cool, neue Charaktere passen.

Ich möchte nur noch ergänzen, dass ich es besser finde, wenn du dir neue Charaktere ausdenkst, statt die "alten" zu nehmen und zu verändern, damit sie in deine Geschichte passen.
Gestern
Aber was hat Skye denn jetzt mit der Hogwarts-Erlaubnis gemacht??? DIE SPANNUNG! 🙀

Aber auch wenn es dieses Mysterium nicht auflöst, hat das neue Kapitel was. Ich finde, Skye ist jetzt so ein bisschen Skye 2.0, seit sie dieses einschneidende Erlebnis hatte, wo sie in dieser Erinnerung den Tod ihres Großonkels gesehen hat. Naja, und es ist eben nicht mehr alles neu in Hogwarts, nach zwei Jahren überwältigt es vielleicht nicht mehr so.

Und bei den ausgedachten Charakteren bin ich bis jetzt voll an Bord! Ich meine, sie passen einfach. Hauptsächlich sind es Ravenclaws, von denen wir ja einfach nicht so viele so gut kennen aus dem Original. Da musst du ja quasi neue erfinden, oder eben zu den Namen, wie bei Padma und Terry, einen Charakter entwickeln. Also, solange das Quidditchteam nicht auf einmal 18 Mitglieder bekommt, ist alles gut. 😉
vor 3 Tagen
@Tigerin: Danke! ^^ Dann ist ja gut. ;)

@Koala: Mach das mal. Hast du denn schon welche entdeckt? ;)
Genau das versuche ich ein bisschen darzustellen. Und nach der Slytherin-Diskriminierung bisher ist es nun endlich Zeit, das zu ändern.
Von Jay wird man nun noch öfter etwas hören. Also ist es gut, dass du ihn magst. :)
vor 3 Tagen
@Tigerin: Wo du deine Bibliothek erwähnst: Nimmst du jetzt die Beauxbatons- und Durmstrang-Charaktere auf, die Princess Buttercup nicht gebrauchen kann?
vor 3 Tagen
Ich muss jetzt nochmal Teil 2 lesen, die Erwähnungen von Jay suchen... Hat Spaß gemacht, diese Begegnung von McGonagalls Großcousinen! 😉 Es ist schön, wenn Skye mehr Leute kennenlernt, vor allem Leute, die ihre und unsere Vorurteile herausfordern. Was du über Ravenclaw im Kapitel davor geschrieben hast, ist in gewisser Weise auch für die anderen Häuser wahr: die meisten haben ein bestimmtes Bild im Kopf, obwohl so viele vielfältige Charaktere in jedem Haus sind. Nicht nur Streber in Ravenclaw, Bullies in Slytherin, Angeber in Gryffindor und Mauerblümchen in Hufflepuff.

Ich mag deine selbstausgedachten Charaktere. Sie passen auch gut.
vor 3 Tagen
Längerer Kommi folgt!
vor 3 Tagen
Also, ich bin ja total gegen selbstausgedachte Charaktere! Deswegen habe ich ja eine ganze Bibliothek damit zusammengestellt... 😉

Das neue Kapitel gefällt mir.
vor 4 Tagen
So, hier ist das neue Kapitel!
Ich habe mich besonders darauf gefreut, weil eine neue Person darin vorkommt. Jay ist zwar vollkommen erfunden, aber das macht ja dann umso mehr Spaß. ;)
In Teil zwei habe ich ihn auch schon ein paarmal erwähnt. Findet ihr die Stellen? Beim Namen wurde er nur ein einziges Mal gennant.

Also, was es mit diesem Jay auf sich hat und wie die Auswahlspiele verlaufen, findet ihr dann bald heraus. Jetzt will ich eure Meinung hören. Auch dazu, ob ihr es schlimm findet, dass ich so viele Personen selbst erfinde.
vor 4 Tagen
Oh yeah! 90s baby! xD
vor 4 Tagen
Ich merke schon: Halbiblu möchte gerne eine 90er Jahre-Party! Holt die Take That Platten raus und los geht's!
vor 6 Tagen
@Koala: Du sagst es!
Also wirklich Haircrimper muss man doch kennen, tss. xD
Hier sind eben alle Häuser willkommen. In dieser Geschichte wird niemand diskriminiert! :P

@Cereal: Schön. :) Vielleicht lag sie ja wirklich falsch. Also, wenn das gehen könnte. Vielleicht. ;)
Meine Französischlehrerin ist aus ihrer motzigen Mädchenpubertät noch immer nicht herausgekommen. Da könnte ich jetzt tausende Geschichten erzählen, aber ich belasse es mal lieber dabei. ;)
Und du weißt auch nicht, was ein Haircrimper ist! Lizzie McGuire! All diese Promis! Das muss man doch kennen. xD
vor 6 Tagen
Ja, die Kleine Skye wird erwachsen, ist mir auch aufgefallen! Gute Charakterentwicklung! Wachsendes Selbstbewusstsein, und wenn sie durch Tracey Davies ihre Sicht auf Slytherin ändert, tut ihr das sicher auch gut. Zugeben zu können, wenn man falsch lag, das gehört ja auch zum Erwachsenwerden.

"Motzige Mädchenpubertät". Da stand deine Französischlehrerin selbst bestimmt total drüber damals, als es sie betraf. 😉

@Koala: Das musste ich auch googlen!
vor 6 Tagen
Mathe wird überbewertet.😉

Ich musste erst mal googlen, was ein Haarcrimper ist. 😅

Die Vielseitigkeit der Ravenclaws gefällt mir! Ja, warum sollte Astoria nicht auch eine sein?

Und eine nette Slytherin finde ich auch klasse!
vor 7 Tagen
Ich habe es geschafft! Statt Mathe zu lernen, wollte ich heute lieber ein neues Kapitel schreiben und das ist nun fertig. :)

Es geht direkt mit dem Alltag los, einer klitzekleinen Prise Drama und Unterricht.
Das ist die Premiere einer netten Slytherin in meiner Geschichte! Es lebe Tracey Davis!
Wer sich fragt, ob Astoria Greengrass wirklich in Ravenclaw war, dem kann ich nur sagen: Keine Ahnung. Ich hatte da einfach Lust drauf. Und mir gefällt die Vorstellung, dass Malfoy keine Slytherin heiratet. Gerade weil Ravenclaws oft so vielseitig sind und Astoria ja etwas aus der Reihe tanzt. ;)
Besonders froh bin ich auch, dass ich wieder mal die #True90sChildren darstellen konnte. Mit Haarcrimpern. Wenn das nicht cool ist, dann weiß ich auch nicht. (Bin selbst leider kein #True90sChild. :()

So, im nächsten Kapitel, das ich so bald wie möglich schreiben möchte, geht es dann spannend weiter. Und zwar nicht nur mit Irrwichten. ;)
vor 7 Tagen
Hui, hier war ja viel los! ^^

@Tigerin: Also, das mit Fred und George, da hat mich die Logik wirklich gänzlich verlassen. Ich ändere das bald, weil es wahrhaftig keinen Sinn ergibt. Zu dem mit Malfoy: Ich habe das so aufgefasst, als wäre er danach wieder abgehauen. Jedenfalls wird denke ich nichts Weiteres erwähnt. :)
Und Lupin gestalte ich auch noch wortreicher. Steht alles schon auf meiner Liste. ;)
Yay, du nutzt meinen wunderbaren Spitznamen! xD

@Koala: Danke. :) Ein Depri-Jahr wird es nicht, das verspreche ich. Ich mag es nicht, wenn Charaktere sich ewig in ihrem Selbstmitleid suhlen. Zwar wird es von Jahr zu Jahr ernster, aber ich versuche dennoch, eine gewisse Portion Spaß beizubehalten. ^^

@Leonie: Da gebe ich dir vollkommen recht! Hauptsache Hogwarts. Da können die Dementoren auch um mich herumgruseln, das wäre mir egal. xD

@Quidditch Queen: Vielen Dank! ♡ Ich hoffe, du liest auch noch weiter. ;)

@Cereal: Du bist wieder da, juhu! :)
Tja, so einen Kontrast, wie du es so schön gesagt hast, wollte ich auch mal einbringen. Obwohl Betty das Ganze in den nächsten Kapiteln gut überspielt.
Ich liebe es, Charaktere interagieren zu lassen, gerade unter Freunden. Das mit Cho wird zwar noch etwas Drama geben, aber Skye weiß mittlerweile sich zu verteidigen.
Generell ist Skye (vielleicht habt ihr es schon bemerkt) etwas frecher und vorlauter geworden. Das könnte entweder an der „motzigen Mädchenpubertät“ (wie meine Französischlehrerin es sagen würde) liegen, oder einfach daran, dass Skye schon so einiges erlebt hat und das über die Zeit einen etwas verändert. Jedenfalls mag ich das gerne so, denn dann macht es viel mehr Spaß, sie mit anderen Personen interagieren zu lassen. ;)
Eigentlich wollte ich jetzt noch einen Absatz über Geschwisterverhältnisse schreiben, aber das lasse ich mal lieber und mache das neue Kapitel fertig.
Deine Abwesenheit kann ich dir (gnädigerweise) übrigens verzeihen. ;)
vor 7 Tagen
So, und durch diesen etwas längeren Kommi vergisst du vielleicht, dass ich ein paar Wochen stumm war.
vor 7 Tagen
Die arme Betty! Es hat mir richtig ein bisschen die Kehle zugeschnürt, als ich das gelesen habe. 😢 Ein krasser Kontrast zu der sonst so lustigen und vorlauten Hexe, die wir glaube ich alle lieben. Die konnte ja im Kapitel davor richtig strahlen.

Mir gefällt aber auch, wie man so sieht, wie die Charaktere miteinander agieren. Skye und ihre Freundinnen natürlich, wie sie sich gegenseitig aufziehen. 😄 Skye und das Team, also Quidditch. Der Spruch, den sie Davies drückt, von wegen Muskeln? 🤣 Aber da kommt ja dann auch noch Cho dazu, das wird sicher interessant werden... Und auch die Jungs oder Betty und ihre Schwester, über deren Freund sie sich ja immer lustig machen, aber dann, als es drauf ankommt, ist Emma für Betty da.
vor 7 Tagen
@Leonie: Du hast recht, sogar mit Dementoren würde ich sofort die Koffer packen, wenn ich einen Brief aus Hogwarts bekommen würde!!! So schnell könntest du gar nicht gucken! 😉

@Halbblutprinzessin: Du wirst immer besser! Freue mich auf die weitere Geschichte! ❤
vor 7 Tagen
Selbst mit den Dementoren ist und bleibt Hogwarts die Traumschule! Was sagt das über meine (unsere?) Schule(n)? 😆