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Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #3 [Eine Harry Potter FF]

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14 Kapitel - 32.431 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 1.648 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 8 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 3 Personen gefällt es

Es ist nun schon Skyes drittes Schuljahr an der Schule für Hexerei und Zauberei und die Erkenntnisse ihres letzten Jahres lassen sie noch immer nicht los. Ihre Aufgabe scheint unerfüllbar und selbst die Angst vor dem umherstreunenden Massenmörder Sirius Black ist für Skye dagegen gar nichts. Und dann sind da noch diese ganzen Veränderungen, der quälende Alltag und neugierige Freunde, mit denen sie irgendwie zurechtkommen muss.

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    ((cur))((bold))KLEINE NACHRICHT:((ebold)) Es wirkt fast schon unglaublich, aber es ist nun schon das dritte Mal für mich, euch bei dieser Geschichte

    KLEINE NACHRICHT:
    Es wirkt fast schon unglaublich, aber es ist nun schon das dritte Mal für mich, euch bei dieser Geschichte zu begrüßen und mich für das Anklicken zu bedanken. Dieses Jahr wird ein ganz besonderes für Skye - in vielerlei Hinsicht.
    Viel zu erklären gibt es - denke ich - nicht mehr, die Umstände sind klar, alles geregelt, alles bereit, also wird es gleich losgehen.
    Falls ihr die FF gerade erst entdeckt habt, empfehle ich euch, zuerst Teil #1 zu lesen, um alles besser zu verstehen.
    Hier ist der Link:
    https://www.testedich.de/quiz58/quiz/1544816396/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-1-Eine-Harry-Potter-FF
    Wenn ihr zu einem bestimmten Teil einen Kommentar verfassen wollt, dann schreibt einfach so etwas wie
    Zu Teil #1 dazu; dann weiß ich, welchen ihr meint, da die Kommentarbereiche zu den Teilen zusammengefasst sind.
    Jetzt ist aber wirklich alles bereit und erklärt. Also viel Spaß beim Lesen!:)


    Kapitel 1: DAS UNPASSENDSTE MÄDCHEN ÜBERHAUPT

    „Vertraust du mir?“
    „Nein.“
    „Komm schon, Skye. Hab dich nicht so.“
    Skye verdrehte die Augen. „Ich kenne dich. Wenn du mich so anschaust, hast du etwas vor. Etwas äußerst Teuflisches und höchstwahrscheinlich für mich Schädliches.“
    „Hab ich nicht.“ Unsanft zog Alice Skye hinter sich her. „Du wirst mir noch danken. Wetten?“
    „Oder ich werde dich von einer Brücke stürzen“, sagte Skye schulterzuckend und versuchte ihren Arm aus Alice schwitzigem Griff zu befreien.
    Alice schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Die kleine Skye ist ja richtig schlagfertig geworden. Dabei ist ihr Geburtstag noch gar nicht lange her.“
    „Die kleine Skye ist jetzt dreizehn. Das nehme ich als offizielle Aufforderung rebellisch zu sein.“
    „Gruselig.“ Alice lachte. „Ah, schau mal, hier sind wir.“
    Mit einem verschmitzten Grinsen zeigte Alice auf die kleine Holzbank, die von Blumen umringt und unter einer großen Weide schon auf sie zu warten schien. „Setz dich.“
    Skye runzelte misstrauisch die Stirn, während sie sich langsam niederließ. „Was soll das, Alice?“
    „Ich bin gleich wieder da“, verkündete Alice geheimnisvoll und bevor Skye ihr eine wüste Bemerkung an den Kopf werfen konnte, verschwand sie in dem nahegelegenen Waldstück.
    Mit gerümpfter Nase lehnte Skye sich zurück. Zwar wollte sie es nicht zugeben, aber insgeheim war sie doch ein wenig gespannt auf Alice’ Plan. Es schien etwas Gutes zu sein, obwohl Skye sich bei ihrer Freundin da nie ganz sicher war.
    Irgendwo zirpten ein paar Vögel und die angenehmen Sonnenstrahlen wärmten Skyes Beine. Es war ein Sommertag wie er im Buche stand, und das machte Skye misstrauisch.
    Sie zählte schon die Sekunden herunter, bis sie einfach gehen würde, wenn Alice nicht wieder auftauchte, aber da hörte sie eine schüchterne Stimme.
    „Hallo.“
    Verwundert drehte Skye sich um und sah entgeistert den Jungen an, der da plötzlich zwischen den Büschen aufgetaucht war. Er hatte rote Haare und tausende Sommersprossen.
    Es war Luke Robinson.
    „Was machst du denn hier?“, sagte Skye einen Tonfall zu unfreundlich.
    „Auf . . . dich warten . . . Also so was in der Art“, druckste Luke unbeholfen herum.
    In den Händen trug er zwei Eiswaffeln und während er sich neben Skye auf die Bank setzte, hielt er ihr eine unter die Nase.
    „Erdbeere und Karamell. Deine Lieblingssorten.“
    „Woher weißt du das?“
    Skye schnupperte misstrauisch an dem Eis, als würde sie es auf Gift prüfen. Lukes Nase wurde rot und er drehte sich weg, aber das war Skye schon Antwort genug.
    „Alice“, knurrte sie.
    Alice hatte Luke von ihrem Lieblingseis erzählt. Alice hatte dieses Rendezvous organisiert. Und Skye würde bald ein ernstes Wort mit Alice sprechen müssen.
    „Also . . .“, versuchte Luke angestrengt Konversation zu halten, „wie waren deine Ferien bisher so?“
    „Ganz gut.“ Skye beobachtete in einer Mischung aus peinlich berührt und wütend ein Gänseblümchen. Ihr Eis hatte sie noch nicht angerührt.
    „Meine waren auch gut. Ich . . . war mit meinen Eltern in Frankreich. Aber bald haben wir ja schon wieder Schule, was?“
    „Tragisch“, antwortete Skye gelangweilt. Aber ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren.
    „Ich hoffe, dass Miss Baker -“
    „Hör zu, Luke“, unterbrach Skye ihn unfreundlich. „Nichts gegen dich, aber so wird das nichts, wirklich. Du bist vielleicht ganz nett und so, aber falls du eine Freundin brauchst, solltest du dich lieber an jemand anderes wenden.“
    Entschlossen stand sie auf und unter Lukes perplexem Blick drückte sie ihm das Eis, das langsam schon schmolz, wieder in die Hand.
    „Alice zum Beispiel. Die ist ein weltoffener Mensch. Aber ich nicht, okay? Ich bin praktisch noch ein Baby. Und habe Wichtigeres zu tun. Dein Eis kannst du übrigens behalten.“
    „Aber . . .“ Luke sah sie mit großen Augen an. Er sah enttäuscht aus.
    „Fühl dich jetzt nicht persönlich angegriffen oder in deinem Selbstbewusstsein gestört oder so. Aber ich konzentriere mich lieber auf anderes. Und du bist nur ein Freund, okay? Also . . . lass mich bitte. Auch andere Mütter haben schöne Töchter.“
    Skye ließ Luke, der so verwirrt und zusammengesunken auf der Parkbank saß, dass er Skye fast schon etwas leid tat, nicht mehr zu Wort kommen. Aber das schob sie schnell beiseite, sie wirbelte mit peitschendem Pferdeschwanz herum und stolzierte in die entgegengesetzte Richtung.
    In ihrem Kopf malte Skye sich schon aus, was sie Alice alles sagen würde. Wie war diese nur auf solch eine idiotische Idee gekommen? Schließlich kannte sie Skyes Meinung mehr als genau und hätte eigentlich wissen sollen, dass diese nicht gerade fröhlich reagieren würde.
    Skye schnaubte. Luke hatte sich aber auch wirklich das unpassendste Mädchen überhaupt herausgesucht.

    Zu Skyes Enttäuschung hatte Alice sich nach ihren Vorwürfen nicht gleich um Mitleid flehend auf die Knie geworfen, sondern eher frech gelacht. Das sei doch nur ein Spaß gewesen, hatte sie behauptet.
    Skye fand das überaus unverschämt und beschloss, Luke in ihrem kommenden Schuljahr einfach nicht zu beachten.
    Sie war froh, dass sie ihn wenigstens nur in einer Dimension ertragen musste. In der primären hatte sie schließlich ihre Ruhe vor ihm und ihren anderen Schulkameraden.
    Wenn die nur wüssten.
    Die Vorstellung von einer Hexe, die mit einem Zeitumkehrer durch Dimensionen reiste, hätten wohl all ihre Muggelfreunde äußerst amüsant gefunden. Skye war fast schon froh darüber, dass wahrscheinlich niemand ihr diese Geschichte glauben würde.
    Die Vorstellung war aber wirklich nahezu grotesk, das musste auch Skye zugeben. Ein Amulett, das eine solche Macht hatte, klang wie aus einem Märchenbuch. Aber das war es nicht. Es war die reine Wahrheit und das machte es umso erschreckender.
    Der Zeitumkehrer hatte Leben gefordert, unter anderem das von Skyes Großonkel Edward Thomas, der mit fünfzehn Jahren für ein größeres Wohl gestorben war.
    Das hatte Skye in ihrem letzten Schuljahr auf Hogwarts erfahren und es blieb noch immer in ihrer Erinnerung, obwohl das Ganze mittlerweile schon ein paar Wochen her war. Sie würde Edwards Aufgabe beenden müssen, doch hatte noch nicht einmal eine Ahnung wann oder wie.
    Ihr Großonkel hatte ein kleines Denkmal - ein modriges Holzkreuz - im nahegelegenen Wald, dem Rosewood Forest, den Skye in den Ferien oft besucht hatte. Während sie dann mit dem Kinn auf den Knien gestützt auf dem blätterbedeckten Boden gesessen hatte und stundenlang auf das Kreuz gestarrt hatte, war ihr einmal ein überaus erschreckender Gedanke gekommen: Was wäre, wenn der Zeitpunkt, von dem der Schulleiter Albus Dumbledore gesprochen hatte, bald käme? In diesem Schuljahr? In Skyes drittem Jahr in Hogwarts?
    Skye hoffte innig, dass sie wenigstens ein ruhiges Jahr an der Schule für Hexerei und Zauberei erleben könnte. Ein Jahr ohne unentdeckte Monster, versteinerte Schüler oder bösartige Professoren.
    Aber Unruhe schien Tradition an Hogwarts zu sein und Skye wollte gar nicht wissen, was sie dieses Jahr erwarten würde.
    Natürliche hatte sie ihre beiden besten Freundinnen Betty und Padma, aber die wussten von nichts. Skyes Geheimnis war gut behütet und trotz all der Unannehmlichkeiten, die damit kamen, wollte sie es so gut behütet lassen.

    BILD: Das Titelbild der Reihe

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    ((bold))((navy))Kapitel 2: DIE EULENVERFOLGUNGSJAGD((ebold))((enavy)) Mit nachdenklichem Gesicht kaute Skye auf dem Ende ihres Stiftes herum. Sie übe

    Kapitel 2: DIE EULENVERFOLGUNGSJAGD

    Mit nachdenklichem Gesicht kaute Skye auf dem Ende ihres Stiftes herum. Sie überlegte angestrengt, doch alles schien aufgeschrieben zu sein. Aber trotzdem fühlte es sich so an, als würde Edward Thomas’ Geschichte noch ein Puzzleteil fehlen.
    Seufzend klappte Skye das Notizbuch zu. Sie hatte den seltsamen Traum, den sie im letzten Jahr gehabt hatte, nachdem Ginny Weasley sie verzaubert hatte, bis ins kleinste Detail aufgeschrieben. Das glaubte sie jedenfalls. Aber Skye hatte das Gefühl, dass sie eine Sache vergessen hatte. Die irgendwie wichtig war. Aber durch ihren Aufprall damals war dieses Puzzleteil vielleicht verloren gegangen.
    Incertus“, flüsterte Skye und tippte mit ihrem Zauberstab gegen das Büchlein, dass augenblicklich zu verschwinden begann und sich dem Schreibtisch anglich.
    Tastend nahm Skye das nun unsichtbare Notizbuch in die Hand und legte es zwischen ein paar Socken in ihren Kleiderschrank. So würde es niemand finden können und das war unbeschreiblich wichtig.
    Sie hatte in diesem Buch alles gesammelt, was sie über Edward Thomas und den Zeitumkehrer wusste. Zeitungsartikel, ausgerissene Seiten aus Büchern, selbstgeschriebene Texte; all das sammelte Skye nun schon seit dem Beginn der Sommerferien.
    Sie verstaute ihren Zauberstab wieder zwischen ihren Schulbüchern und sah dann nachdenklich aus dem Fenster. Es war ein milder Tag, der Herbst nährte sich schon langsam und die Sonne war nicht mehr so strahlend und angenehm im Gesicht kitzelnd wie zuvor.
    Trotz angestrengtem Nachdenken fiel Skye das ausgelassene Detail aber noch immer nicht ein. Was war es? Wie konnte sie es einfach vergessen? Da war etwas, das keinen Sinn ergeben hatte . . .
    Ärgerlich drehte sie an einer Haarsträhne herum, doch da kam ihr plötzlich eine Idee.
    Schon länger war sie nicht in der primären Dimension gewesen, die sie immer mal wieder besuchte, um nach Eulenpost zu sehen. Und vielleicht würde das auch ihre Kreativität ein wenig ankurbeln.
    Froh über eine neue Beschäftigung zog Skye den Zeitumkehrer unter ihrem T-Shirt hervor. Die kleine Sanduhr inmitten der Ringe baumelte wie immer schimmernd und unbeschädigt an seinem goldenen Kettchen. Es war verrückt, sich vorzustellen wie viele Jahre der Zeitumkehrer schon bestanden und was er alles mitgemacht hatte. Dass er einmal Skyes Großonkel gehört hatte.
    Langsam begann Skye an dem winzigen Rädchen zum Wechseln der Dimensionen zu drehen. Sie kannte mittlerweile das Gefühl des Fallens ins Unergründliche schon gut, deswegen stellte sie sich innerlich darauf ein und schloss wartend die Augen.
    „Skye? Was machst du da?“
    Skye zuckte heftig zusammen, als sie diese wohlbekannte Stimme vernahm und öffnete schlagartig die Augen.
    In ihrer Zimmertür stand Alice, die stirnrunzelnd die Arme verschränkt hatte.
    „Was machst du hier?“, fragte Skye hastig, um von dem Zeitumkehrer abzulenken, den sie schnell wieder unter ihr Shirt gestopft hatte.
    „Deine Mum meinte, ich könne einfach reingehen, du wärst nämlich hier. Sich hat mich im Garten schon gesehen.“
    Skye hätte am liebsten laut losgeflucht, als sie diese Geschichte hörte. Natürlich. Deswegen hatte sie auch keine Klingel gehört.
    „Also, was war das?“ Alice verschränkte die Arme und musterte Skye misstrauisch. „Was hast du mit dieser seltsamen Kette gemacht? Die habe ich schon öfter an dir gesehen.“
    „Öhm . . .“ Skye dachte angestrengt nach und sah sich ausweichend im Zimmer um. Ihr musste einfach eine gute Ausrede einfallen.
    Da fiel ihr Blick auf den Stapel Schulbücher unter denen das braune Ende ihres vertrauten Zauberstabes hervorlugte. Natürlich. Zwar zwar diese Idee riskant, aber Skye wusste keinen anderen Ausweg.
    „Ich erkläre es dir draußen“, plapperte Skye. „Hier ist es so stickig, weißt du. Geh doch schon mal vor.“
    Als Alice keine Anstalten zu gehen machte, musste Skye sie eigenhändig zur Tür schieben; unauffällig schnappte sie sich währenddessen ihren Zauberstab und ließ ihn in ihre Hosentasche gleiten.
    „Ja, genau . . . Wir können in den Park gehen oder so“, schlug Skye vor, während sie Alice etwas unsanft aus der Haustür schubste und mit einem prüfenden Blick nach ihrer Mutter sah, die aber weiter weg kniete und Blumen einpflanzte.
    „Was soll das alles, Skye?“ Alice schien mittlerweile vollkommen entgeistert.
    Skye antwortete nicht, in einer blitzschnellen Bewegung zog sie ihren Zauberstab aus der Hosentasche und zielte auf Alice‘ Kopf, die gar nicht zu realisieren schien, was da vor sich ging.
    Obliviate“, sagte Skye langsam und deutlich, denn dieser Zauberspruch hatte ihr in ihrem letzten Jahr immer wieder Kopfzerbrechen bereitet.
    Man konnte geradezu beobachten, wie Alice‘ misstrauisches Gesicht weicher wurde, ihre Augen weiteten sich und als Skye das sah, knallte sie zufrieden die Haustür zu.
    Erleichtert seufzend steckte sie ihren Zauberstab wieder weg und fuhr sich durch die Haare. Wenn sie alles richtig gemacht hatte, würde Alice gleich nichts mehr wissen, ahnungslos klingeln und Skye würde so tun, als wäre nie etwas gewesen. Als hätte Alice nie ihren Zeitumkehrer gesehen.
    Nur der Abstecher in die primäre Dimension, der war wahrscheinlich keine gute Idee mehr, beschloss Skye. Das würde sie lieber auf morgen verschieben.

    Ungeduldig winkte Skye einer Bedienung zu, die mit gehetztem Blick zu ihr raste.
    „Ich zahle bitte“, sagte Skye und beobachtete teilnahmslos die Bedienung, die etwas auf ihren Block kritzelte.
    „Fünf Pfund macht es.“ Sie wirkte wirklich sehr zerstreut.
    Zähneknirschend drückte Skye der jungen Frau das Geld in die Hand. Für so wenig Eis war das schon ein hoher Preis, das musste Skye zugeben. Und besonders gut war es auch nicht gewesen. Aber schließlich war das hier London, und mitten in der Innenstadt konnte sie wohl nichts anderes erwarten.
    „Danke, wiedersehen!“, rief die Bedienung noch während sie wieder davonrauschte.
    Skye stopfte die sich auf dem kleinen Tisch stapelnden Bücher (von Geschichte der Zauberei bis hin zu einem Englischbuch war alles dabei) zurück in ihre Umhängetasche und rollte sorgfältig ihren Aufsatz für Zaubereigeschichte zusammen, den sie über die Ferien schreiben musste.
    Das kleine Eiscafé war völlig überladen und während Skye sich zwischen schwitzigen Touristen und eisbekleckerten Kindern hindurchquetschte, hatte sie schon Angst, dass ihr jemand den Zauberstab aus der Tasche stibitzte. Als sie jedoch auf die Straße trat, wurde es nicht besser, ständig rempelte sie jemand an und Skye fragte sich missmutig, warum der Zeitumkehrer sie unbedingt nach London hatte schicken wollen.
    Bei jedem Abstecher in die primäre Dimension suchte sich ihr der Zeitumkehrer einen anderen Ort aus, und obwohl sie meist nur eine halbe Stunde dort verbrachte, war sie niemals in der gleichen Stadt. Warten tat sie auf eine Eule, eine Nachricht, die sie sich schon lange erhoffte. Padma hatte ihr und Betty vor den Ferien versprochen, dass ihre Freundinnen dieses Mal ihr Haus kennenlernen würden. Und jetzt wurde es langsam spät, zu spät fast schon, denn die Ferien neigten sich dem Ende zu.
    Skye drängte sich an ein paar Polizisten vorbei, die sie nicht einmal eines Blickes würdigten, und Skye war ziemlich froh darüber.
    Zwar kannte sie die Muggelwelt, aber die primäre Dimension außerhalb Hogwarts bereitete ihr noch immer Misstrauen. Irgendwo in London lag die Winkelgasse, aber Skye wusste nicht wo, und der Zeitumkehrer machte keine Anstalten, sie dorthin zu bringen.
    Stattdessen suchte er sich lieber irgendwelche Touristenecken mit schlechten Eiscafés aus.
    Skye überlegte sich schon, in welche öffentliche Toilette sie diesmal gehen würde, um wieder zurückzureisen - schließlich war nichts weiter Spannendes passiert - aber da hörte sie ein lautes Schuhuhen über ihr. Verwundert sah sie zum Himmel und ihre Augen weiteten sich überrascht, als Skye eine Eule über das Großstadtchaos auf sich zufliegen sah. Sie war groß und prächtig, mit auffällig weißen Federn und sie trug einen kleinen Zettel am Bein.
    Die Menschen neben ihr raunten begeistert, viele zückten ihre Fotoapparate, denn die Eule kam direkt auf den Boden zugeflogen.
    Direkt auf Skye.
    „Immer mit der Ruhe“, brüllte einer der Polizisten, als ein paar Mädchen ängstlich aufkreischten.
    Sie stoben davon, rempelten Skye an und schwatzten aufgeregt miteinander. Nur Skye stand noch, unschlüssig, was sie tun sollte.
    Wegrennen? Die Eule würde ihr folgen. Wohl oder übel, selbst vor all diesen Muggeln, sie musste sie in Empfang nehmen.
    Skye streckte die Hand aus und zielsicher ließ die Eule sich auf ihrem Arm nieder. Sie klapperte zufrieden mit dem Schnabel und musterte mit großen Knopfaugen die gaffenden Touristen.
    „Also hören Sie mal, junge Dame!“ Ein Polizist hatte sich seinen Weg durch die Menge gebahnt. „Ist das Ihre Eule? Die darf man nicht einfach halten, da gibt es Gesetze!“
    Skye zögerte kurz, dann lächelte sie dem bärtigen Mann freundlich zu. „Entschuldigen Sie. Ich habe wohl einfach ein Händchen für Tiere.“
    Der Polizist wollte schon etwas entgegen, aber er konnte nicht mehr.
    Skye rannte einfach los.
    Die Eule erhob sich kreischend von ihrem Arm, aber folgte ihr treu. Skye rempelte sich durch die Menge, hörte das Gebrüll des Polizisten hinter ihr, aber sie war zu flink. Eine dreizehnjährige Hogwartsschülerin war nicht so leicht zu fangen.
    Am liebsten hätte Skye ihren Zauberstab benutzt, ihr wären so einige nützliche Zauber eingefallen. Aber das ging nicht. Sie war minderjährig, in der primären Dimension und wusste genau, was ihr beim Zaubern blühen würde.
    Mittlerweile war sie in eine etwas weniger überlaufene Gasse eingebogen. Den Polizisten hörte sie nicht mehr, sie hoffte, dass er es aufgegeben hatte, aber dennoch durfte Skye keine Zeit verlieren.
    „Nimm einen Umweg zurück“, zischte Skye der Eule zu, während sie den Brief mit zittrigen Fingern aufrollte.
    Hastig überflog sie die Nachricht, während sie hinter einer Mülltonne kauerte und betete, dass die Eule den Schnabel halten würde.

    Liebe Skye,
    ja, ich weiß, dieser Brief kommt unglaublich spät. Aber bei uns zu Hause gab es Rohrbrüche, der Keller wurde überflutet und Mum und Dad hatten so einiges zu tun. Weißt du, Dad mag die Zauberei nicht so gerne. Er hat ein zu großes Ego und wollte es deswegen mit Muggelarbeit erledigen. Mum hat zwar unauffällig ein wenig geholfen, aber zu viel konnte sie natürlich auch nicht machen, da Das das bemerken würde. Na ja, jedenfalls hat es Ewigkeiten gedauert, bis die Rohre repariert waren (in dem Kaff, in dem ich lebe, gibt es praktisch keine Handwerker) und das Wasser ist noch immer nicht ganz weg.
    Parvati durfte zwar zu Lavender Brown, aber Dad meinte, ich solle euch wann anders einladen.
    Nun, das ist der Grund, warum es jetzt doch nicht klappt. Tut mir echt leid, aber ich hatte noch eine andere Idee. Also, Mum hatte sie.
    Wie wäre es, wenn wir uns bald in der Winkelgasse treffen würden? Wir können einkaufen gehen und meine Eltern lassen mich da auch alleine rumlaufen. Wegen diesem Sirius Black, du weißt schon. Mum meint, er würde sich nicht trauen, in der Winkelgasse aufzukreuzen, unter all den Zauberern und Spionen des Ministeriums. Und Dad meint, na ja, Dad meint, dass er Massenmördern schon nicht traut und Zauberer-Massenmördern noch weniger. Aber Mum konnte sich durchsetzen, schließlich ist sie die Hexe.
    Also, was hältst du davon? Betty kann sicher, sie muss vielleicht nur Emma oder so als Aufsicht mitbringen. Aber mit Betty brauchen wir sowieso keine Angst zu haben.
    Wenn wir uns treffen, gebe ich dir auch die Einverständniserklärung für Hogsmeade (dann können deine Eltern sie noch rechtzeitig unterschreiben) und deinen Schulbrief. Der wurde nämlich an mich gesendet, seltsam, nicht?
    So, das war es dann. Ich freue mich auf deine Antwort und hoffe, dass alles klappt.
    Nächste Sommerferien können wir ja vielleicht mal zu dir nach Hause? Ich wette, Betty ist geradezu wild darauf, sich so ein Muggelhaus anzusehen. Und ich fände es auch mal schön, zu dir zu kommen.
    Bis bald!
    Padma


    Hektisch kramte Skye ein Blatt Papier aus ihrer Tasche und kritzelte unordentlich eine kurze Antwort darauf. Zwar fühlte sie sich bei Padmas langem Brief mit so einer knappen Antwort etwas schlecht, aber den Umständen entsprechend ging es nicht anders.
    Noch während sie das Papier an das Bein der Eule befestigte, hörte sie das Stampfen von Füßen und gedämpfte Rufe von der Hauptstraße. Bei dem Gedanken an die Polizisten brach Skye der Angstschweiß aus und sie war froh, als sie endlich fertig war und den Zeitumkehrer unter ihrem Shirt hervorgezogen hatte. Schnell drehte sie an dem passenden Rädchen und scheuchte die Eule mit der anderen Hand davon.
    „Denk an den Umweg!“, rief sie dem empört schuhuhenden Tier hinterher, da spürte sie schon, wie sie nach hinten sackte.
    „Die Eule!“, rief irgendwo ein Mann.
    „Aber wo ist das Mädchen?“, entgegnete ein anderer verärgert und Skye war froh, dass die Mülltonne ihr Schutz vor den Polizisten bot, während sie die Augen schloss und sich fallen ließ.

    BILD: Padmas Eule (die übrigens Lakshmi heißt)

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    ((bold))((navy))Kapitel 3: WIEDERSEHEN((ebold))((enavy)) „Wird‘s bald?“ Skye zuckte zusammen, als sie das dumpfe Klopfen an der Tür und die gif

    Kapitel 3: WIEDERSEHEN

    „Wird‘s bald?“
    Skye zuckte zusammen, als sie das dumpfe Klopfen an der Tür und die giftige Stimme einer Frau hörte. Schnell stopfte sie den Zeitumkehrer unter ihr Shirt, glättete ihren Rock und sah sich um. Besonders prickelnd war diese Klokabine nicht, aber solange der Zeitumkehrer sie an den richtigen Ort geschickt hatte, machte ihr das nichts aus.
    Heute war der Tag, an dem sie sich mit Betty und Padma in der Winkelgasse verabredet hatte. Skye hatte keinen blassen Schimmer, wo genau die Winkelgasse in London lag, bei ihrem ersten Mal war sie den Weasleys über den Weg gelaufen, aber diesmal konnte sie nur eins: Dem Zeitumkehrer vertrauen, der hoffentlich wusste, was er tat.
    Skye schauderte. Das klang ja so, als wäre der Zeitumkehrer eine richtige Person.
    Sie zog vorsichtshalber noch an der Klospülung, damit es so wirkte, als sei sie wirklich auf der Toilette gewesen. Dann öffnete sie vorsichtig die knarrende Holztür, die fast einer alten, von Warzen übersäten Frau ins Gesicht schlug.
    „Pass doch auf, du freches Gör“, krächzte sie ärgerlich und drängte sich unsanft an Skye vorbei.
    „Entschuldigung, Ma‘am“, sagte Skye höflich, aber verdrehte unauffällig die Augen.
    Die alte Frau schlug die Türe hinter sich zu und das rostige Schild mit der Aufschrift Hexen unter einem geblümten Spitzhut wackelte hin und her.
    Unsicher lief Skye den engen Gang entlang, der von der Toilette wegführte und nur von ein paar Fackeln erleuchtet wurde. Er mündete in einer schweren Holztür, die Skye aufstieß und dann einen großen, pubartigen Raum betrat. Der Raum war stickig und das Licht dämmrig, an den Tischen saßen in Umhänge gehüllte Menschen und es gab sogar eine Theke, an der ein Wirt mit ein paar Leuten über eine „Soup Soup Soup“ diskutierte.
    Ratlos sah Skye sich um. Diesen Ort kannte sie von ihrem letzten Mal in der Winkelgasse nicht.
    „Komm, Henry, gehen wir. Karten spielen kannst du auch noch später. Wir müssen unbedingt zu Madam Malkin, deine Umhänge sind mittlerweile viel zu kurz“, sagte eine Frau, die an einem Tisch neben Skye stand.
    „Ist ja gut, Mum“, erwiderte ein Junge schüchtern.
    Skye horchte auf. Madam Malkins Geschäft war in der Winkelgasse, das wusste sie genau. Also konnte diese nicht weit sein. Sie musste den beiden nur folgen . . .
    Unauffällig schlich Skye der Mutter und ihrem Sohn hinterher, die durch den Pub liefen und schließlich auf einen leeren Hinterhof zu einer klobigen Backsteinmauer traten. Verwirrt sah Skye sich um. Hier und da lag Müll auf dem Boden, aber dieser Hinterhof wirkte gänzlich nichtmagisch.
    Die Frau warf Skye einen kurzen Blick zu.
    „Gehen Sie nur zuerst, das ist kein Problem“, sagte Skye beflissen und lächelte charmant.
    Die Frau schien das zu akzeptieren und Skye beobachtete sie aufmerksam, als sie ihren Zauberstab aus der Tasche zog und gegen einen der vielen gleich aussehenden Steine tippte. Geduldig wartete Skye und ihre Augen weiteten sich überrascht, als sich die Steine verschoben und schließlich einen sauber gearbeiteten Torbogen freigaben.
    „Nun geh schon“, sagte die Hexe zu ihrem Sohn und schubste ihn in die Gasse.
    Skye folgte ihnen langsam, aber dann breitete sich ein erleichtertes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Es herrschte ein hektisches Treiben, überall wuselten Hexen und Zauberer in langen Umhängen herum, irgendwo schuhute eine Eule und am Ende der Gasse war ein großes, marmornes Gebäude zu erkennen.
    Das war die Winkelgasse.
    Gemütlich schlenderte Skye an den Läden vorbei, betrachtete die Besen, Tiere und Umhänge in den Schaufenstern und hörte im Hintergrund ein paar Kinder über einen Feuerblitz reden. Sie genoss es, endlich wieder in der unbeschwerten und magischen Welt der Zauberei zu sein. Es war so anders, als die sekundäre Dimension, und Skye hatte all das schon vermisst.
    Das war das Schöne an dem Zeitumkehrer: Sie hatte zwei Leben und beide würde sie für keinen Preis hergeben.
    Konzentriert sah Skye sich um, ihre Augen schweiften über die Menge, auf der Suche nach zwei ihr gut bekannten Gesichtern. Und da, da entdeckte sie sie: Betty und Padma standen mit einem großen, dunkelhaarigen Jungen neben einem Fachgeschäft für Flugbesen und unterhielten sich angeregt.
    Skyes Herz tat einen aufgeregten Hüpfer. Es waren noch nicht einmal sechs Wochen vergangen, aber es fühlte sich an, als wären nach ihrem Abschied Ewigkeiten vergangen.
    „BETTY! PADMA!“
    Ihre Freundinnen drehten sich bei Skyes Rufen überrascht um, doch auch auf ihren Gesichtern breitete sich ein fröhliches Grinsen aus. Hastig drückte Skye sich an ein paar älteren Hexen vorbei, die die Gasse blockierten, und sauste auf Betty und Padma zu.
    „Wir dachten schon, du kommst nicht mehr!“, rief Padma erleichtert und umarmte Skye so stürmisch, dass diese strauchelte und fast in ein Grüppchen älterer Hexen fiel.
    Auch Betty stürzte sich dazu und Skye wurde klar, wie sehr sie ihre besten Freundinnen vermisst hatte. Es war fast schon beruhigend, den Apfelgeruch von Padmas Haaren wieder in der Nase zu haben.
    Grinsend lösten sich die drei Mädchen voneinander.
    „Jetzt sind wir vollständig“, frohlockte Betty.
    Sie war über den Sommer wieder um einiges gewachsen, das lange braune Haar trug sie in einem lockeren Pferdeschwanz und sie trug einen schicken, marineblauen Reiseumhang.
    „Ich hoffe, nächstes Jahr klappt das mit dem Treffen bei mir“, sagte Padma entschuldigend.
    Sie war genauso hübsch wie eh und je und Skye konnte es den Jungen, die vorbeigingen, nicht verdenken, wie auffällig sie Padma anstarrten. Auch der ältere Junge, der sich etwas im Hintergrund gehalten hatte, sah sie einen Moment zu lange an.
    „Wer ist das?“, fragte Skye mit gesenkter Stimme.
    „Ach, stimmt.“ Betty zog den Jungen unsanft zu sich her. „Mum wollte mir eigentlich Emma als Aufsicht auf den Hals hetzten, aber weil die mit nichts anderem als ihrem ach so süßen Eddie befasst ist, musste Keith herhalten. Er ist übrigens mein Cousin.“
    Neugierig musterte Skye den Jungen. Er war vielleicht fünfzehn, aber sah Betty in keinster Weise ähnlich und Skye hätte ihn niemals für einen Warrington gehalten.
    „Darf ich vorstellen: Das ist Skye“, erklärte Betty ihrem Cousin. „Und das ist Keith. Vielleicht hast du ihn schon mal gesehen. Er ist in Slytherin.“
    Bei diesem Satz musste Skye amüsiert anfangen zu lächeln. So war das also.
    „Hi.“ Sie hielt ihm freundlich die Hand entgegen. „Ich bin übrigens ein Schlammblut.“
    „Skye!“, rief Betty schockiert und auch Padma keuchte überrascht auf. Aber Skye beachtete sie nicht, sie hatte nämlich das seltsame Aufblitzen in Keiths Augen gesehen, nachdem sie das gesagt hatte. Aber wie sollte es auch anders sein? Keute wie Keith Warrington waren alle irgendwie gleich.
    Betty hieb ihm versucht unauffällig den Ellenbogen in die Seite und dann reagierte er endlich. Zögerlich reichte er Skye die Hand und sie verspürte einen seltsam bitteren Triumph, als sie sie schüttelte.
    „Keith spielt übrigens auch Quidditch. Er möchte sich dieses Jahr als Jäger bewerben, weißt du“, plapperte Betty ungehalten. Ihre Nasenspitze war rot geworden und Skye war klar, wie unangenehm ihr das Ganze sein musste. „So, jetzt können wir ja losgehen . . .“
    „Was war denn mit dir los?“, zischte Padma Skye zu, während die Vier im Schneckentempo durch die Winkelgasse liefen.
    „Vorsorge“, erklärte Skye nüchtern. „Er ist ein Slytherin. Du weißt, was das heißt, oder? Er sollte direkt wissen, was ich bin.“
    „Du kennst doch diese Reinblüterfamilien“, erklärte Padma leise. „Sie sind . . . eigen.“
    Skye schnaubte. „Das habe ich schon gemerkt. Was ist denn schon dabei? Ich habe ihn ja nicht mit meinem Blut übergossen oder so.“
    Padma wollte schon etwas entgegnen, aber da gesellte Betty sich zu ihnen und sie verstummte augenblicklich.
    „Und, über was tuschelt ihr so?“, fragte Betty grinsend.
    Padma reagierte blitzschnell. „Nur darüber, ob es wirklich stimmt, dass deine Schwester jetzt mit Eddie Carmichael zusammen ist. Skye will mir nicht glauben.“
    Skye stutzte kurz, nickte dann aber beipflichtend.
    „Ach, ich wollte das anfangs auch nicht glauben“, sagte Betty schulterzuckend. „Ich meine, wer will denn bitte etwas von meiner Schwester? Ekelhaft. Aber es ist passiert. Und Mum hat ihr sogar erlaubt, ihn in den Ferien zu besuchen.“
    „Sie steht doch schon eine Ewigkeit auf ihn“, meinte Padma.
    „Ich sag ja, ekelhaft. Und hast du bemerkt, wie dir die Jungen nachgaffen, Padma? Gruselig. Absolut beängstigend.“
    Padma wurde rot und Skye kicherte ungehalten. „Ein Engel auf Erden, könnt sie nur mein werden, das schönste Mädchen der Jahrgangsstufe“, zwitscherte sie.
    „Ach, hör auf.“ Padma boxte sie spielerisch in den Arm. „Bohr lieber mal bei Betty nach.“
    „Was meinst du?“ Skye runzelte verwirrt die Stirn.
    „Ja, was meinst du?“, fragte auch Betty, aber Skye merkte, wie diese ihren Blick mied.
    „Achte mal drauf.“ Padma grinste teuflisch. „Vielleicht merkst du es ja auch.“

    Es heißt, wenn einem Dinge Spaß machen, dann vergeht die Zeit schneller. Der Nachmittag in der Winkelgasse verging wie im Fluge.
    Es war Skyes zweites Mal dort und sie genoss es, die Zaubererstraße nach zwei Jahren noch einmal zu sehen. Beim ersten Mal war sie noch ahnungslos gewesen, der Zeitumkehrer eine Neuheit und sie hätte niemals erwartet, was in ihren ersten beiden Jahren in Hogwarts alles passieren würde.
    Betty, Padma und Skye streiften (gefolgt von dem wortkargen Keith) durch die Straße, gingen erst zu Gringotts (Skye musste ihr Muggelgeld eintauschen), kauften ihre Schulbücher (Padma hatte Skye mittlerweile ihren Schulbrief überreicht), schauten bei Madam Malkin vorbei und betrachteten die Auslagen wahlloser Geschäfte. Sie trafen sogar noch Terry und Anthony, die sich von Anthonys Eltern losgeeist hatten und alleine durch die Winkelgasse schlenderten. Die beiden wollten unbedingt ein Eis essen und so kam es, dass sich Betty, Padma und Skye schließlich zu einem Besuch bei Florean Fortescues Eissalon überreden ließen.

    „Habt ihr auch diese ganzen Suchplakate von Sirius Black hier gesehen?“, fragte Anthony nachdenklich.
    „Ja.“ Padma nickte. „Schrecklich, nicht? Dass so ein Massenmörder herumschleicht, kann einem schon Angst machen.“
    „Er ist sogar bei den Muggeln bekannt“, erzählte Terry. „Ich habe mir Miss Martinis Zeitung geklaut, da stand etwas über ihn. Dass er eine Pistole hat.“
    Skye nickte zustimmend, obwohl sie außer in Padmas Brief noch nie etwas von diesem Sirius Black gehört hatte. Er schien ein Massenmörder zu sein, gefürchtet sogar von Zauberern.
    „Wie er aus Askaban ausgebrochen ist, kann sich niemand erklären“, meinte Betty und tippte sich nachdenklich ans Kinn. „Meine Mum sagt, das sei vollkommen unmöglich. Und sie arbeitet schließlich im Ministerium.“
    „Wo ist eigentlich Michael?“, fragte Skye plötzlich. Zwar passte dies in keinster Weise zum Thema, aber sie hatte Angst, dass den anderen auffallen könnte, wie wenig sie mitdiskutierte.
    „Seine Eltern haben es ihm nicht erlaubt“, erklärte Anthony. „Er musste praktisch die ganzen Ferien zu Hause bleiben.“
    Skye ahnte, dass das auch mit diesem mysteriösen Sirius Black zusammenhing, aber sie hakte lieber nicht nach und war ziemlich erleichtert, als Florean Fortescue mit einem eleganten Schnipsen seines Zauberstabes ihre Eisbecher zu ihnen schweben ließ.
    „Danke“, sagte Padma höflich, während Skye Fortescues riesigen Schnurrbart, der beim Gehen wippte, beobachtete, sich dann aber loseiste und dem prachtvollen Eisbecher zuwandte.
    „Ich liebe Zauberei“, stellte Terry fest, während er fast schon liebevoll den riesigen Berg seines Bertie-Bott’s-Bohnen-Eises mit fluffiger Sahne und einem Schokofrosch, der darin herumtollte, betrachtete.
    „Mein Bruder sagt, wir müssen in Hogsmeade in die Drei Besen. Da soll es auch so toll sein“, erzählte Anthony.
    „Hogsmeade“, seufzte Padma verträumt. „Ich freue mich schon den ganzen Sommer auf diese Ausflüge.“
    „Das kannst du auch.“ Es war das erste Mal, dass sich Bettys Cousin zu Wort meldete, sonst hatte er sich damit begnügt, still zuzuhören und Padma anzugaffen. „Ich hoffe, dass es dieses Jahr überhaupt klappt. Wegen Sirius Black und so.“
    „Ich auch.“ Betty nickte zustimmend. „Wir müssen unbedingt zu Zonko‘s Scherzartikelladen. Fred hat mir davon erzählt.“
    Skye löffelte stumm ihr Eis und überlegte angestrengt, wie sie die Einverständniserklärung unterschreiben lassen sollte. Ihren Eltern konnte sie das Papier natürlich nicht vorlegen, aber bei all diesen Erzählungen wollte sie sich das Hogsmeade natürlich nicht entgehen lassen. Aber wie? Sie konnte schließlich schlecht selbst unterschreiben.
    „Skye?“
    „Hm?“ Ertappt schreckte sie auf.
    „Wo bist du denn mit deinen Gedanken?“, grinste Padma. „Ich habe gefragt, ob du schon deinen Aufsatz für Zaubereigeschichte fertig hast.“
    „Fast“, antwortete Skye wahrheitsgemäß. „Es gibt Spannenderes als Hexenverbrennung im Mittelalter.“
    „Kaum zu glauben, dass wir in etwas mehr als einer Woche schon wieder in Hogwarts sind“, sagte Anthony kopfschüttelnd.
    „In zwei Wochen bin ich schon vierzehn“, sagte Betty grinsend. „Kniet nieder, ihr Minderen.“
    „Alte Schachtel“, antwortete Skye und streckte Betty die Zunge raus. „Du stirbst früher als ich.“
    „Alt und weise nenne ich das. Tss, immer diese Jungend von heute.“
    Padma seufzte theatralisch. „Ihr beide seid echt unmöglich.“
    „Wir sehen den Tatsachen nur ins Auge“, antwortete Skye.
    Bei Padmas mitleidigem Blick musste sie losprusten, aber das Lachen verging ihr schnell, denn Betty schnipste ihr eine Bertie Bott‘s Bohne ins Auge.

    BILD: Skye Thomas mit dreizehn Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 4: DER DEMENTOR((ebold))((enavy)) Der dichte Rauch des Hogwarts-Expresses hüllte den Bahnsteig mit all den Hexen und Zauberer

    Kapitel 4: DER DEMENTOR

    Der dichte Rauch des Hogwarts-Expresses hüllte den Bahnsteig mit all den Hexen und Zauberern darauf dicht ein und legte sich wie eine Decke über die Familien, die sich von ihren Kindern verabschiedeten.
    Skye konnte nicht anders, als fröhlich zu lächeln. Endlich würde sie wieder nach Hogwarts zurückkehren, und es war nun schon ihr drittes Jahr dort.
    Sie hielt sich höflich im Hintergrund, während sie beobachtete, wie Betty und Padma von ihren Eltern verabschiedeten. Ein Grüppchen Fünftklässler lief kichernd an ihr vorbei und Skye sah ihnen beim Einsteigen in den Hogwarts-Express zu.
    „Hey, Skye!“
    Es war Roger Davies, der sich seinen Weg durch die Menge bahnte und grinsend auf Skye zulief.
    „Rate, was passiert ist?“, fragte er aufgeregt, während er sich mit vor Stolz geschwellter Brust zu Skye gesellte.
    „Keine Ahnung. Du hast dir Muskeln antrainiert?“
    Davies verdrehte auf Skyes Kommentar hin die Augen. „Nein, viel besser. Ich bin der neue Captain!“
    Skye sah ihren Teamkollegen überrascht an. „Was? Im Ernst, Roger? Glückwunsch!“
    „Verrückt, nicht? Ich hätte nicht gedacht, dass ich Arthurs Nachfolger geworden bin!“
    „Wie hat Randolph das den aufgefasst?“
    Randolph Burrow war das älteste Mitglied der Ravenclaw-Mannschaft und Skye hatte den bulligen Jäger mit der tiefen Stimme im letzten Jahr ins Herz geschlossen.
    „Gut, ehrlich.“ Auch Davies wirkte erleichtert. „Wir sitzen übrigens mit Grant zusammen in einem Abteil. Wenn du willst, kannst du auch dazukommen.“
    „Ich schaue vielleicht mal vorbei. Weißt du, ich besitze ein Leben auch außerhalb unseres Teams.“
    Davies grinste neckisch. „Wenn ich Arthur wäre, würde ich dich für diesen Satz aus der Mannschaft werfen. Aber solange du dich richtig reinhängst, wenn die Saison beginnt, akzeptiere ich das.“
    „Wie gändig“, antwortete Skye. „Aber kümmer dich erstmal darum, einen guten Ersatz für Emily und Arthur zu finden.“
    „Ach“, winkte Davies ab, „ich habe schon eine potenzielle Kandidatin. Dieses Mädchen vom letztem Jahr, Cho Chang. Sie scheint gut zu sein.“
    „Nun . . .“ Skye lächelte gezwungen.
    Sie und Cho waren nicht immer die besten Freundinnen gewesen: Seit Skye im letzten Jahr ins Team aufgenommen wurde und Cho nicht, herrschte stets eine angespannte Stimmung zwischen den beiden.
    „Also, ich geh dann mal, Randolph besetzt unser Abteil. Wir haben Schokofrösche, also schau mal, ob du nicht doch vorbeikommst!“
    Davies lief seinen Gepäckträger schiebend weiter und Skye schlenderte langsam über den Bahnsteig. Ein paar Klassenkameraden grüßten sie: Sue Li umarmte sie sogar, Fred und George Weasley gaben Skye ein High Five und schließlich traf sie sogar auf Harry, Ron und Hermine, die wie immer die Köpfe verschwörerisch zusammensteckten.
    „Wer flüstert, der lügt“, grüßte Skye sie mit einem schiefen Grinsen, und die Drei schreckten ertappt auf.
    Kopfschüttelnd lief Skye weiter, erhaschte einen Blick auf Bettys Schwester Emma und ihren Freund Eddie Carmichael, die hinter einer Säule miteinander turtelten (Skye schien ihr Frühstück wieder hochzukommen) und traf schließlich sogar Keith Warrington, den sie aber elegant ignorierte und an ihm und seinen Slytherin-Freunden wortlos vorbeistolzierte.
    Schließlich stießen Betty und Padma endlich wieder zu ihr, bereit, sich ein Abteil zu sichern. Skye lächelte Bettys Mutter nur flüchtig zu und war froh über keine weitere Konversation mit ihr. Mrs Warrington kam ihr eigenartig vor, sie war verschlossen und distanziert, aber selbst Skye bemerkte manchmal die unauffälligen Blicke der Frau. Das war ihr so unangenehm, dass sie Mrs Warringtons Gegenwart am liebsten mied, und das, obwohl sie die Mutter ihrer besten Freundin war.
    „Bitte sei diesmal etwas netter zu den Erstklässlerin“, bat Padma Betty.
    „Von einer mordlustigen Drittklässlerin bedroht zu werden, ist wohl nicht der ideale Start ins Schuljahr“, grinste Skye.
    Betty verdrehte die Augen. „Ich weiß, dass ihr genauso wenig Lust wie ich habt, ein Abteil mit ein paar neugierigen Elfjährigen zu teilen, die unsere Gespräche belauschen.“
    „Da hat sie recht“, sagte Skye schulterzuckend und auch Padma wusste nichts zu erwidern.

    Dunkelgrüne Wiesen unter einem grauen, verregneten Himmel zogen rasend schnell an Skye vorbei; nachdenklich hatte sie ihr Gesicht auf die Hände gestützt und in ihren Augen spiegelte sich die hügelige Landschaft.
    „. . . und sie lächelt mich die ganze Zeit an. Also nicht so höflich, sondern richtig dreist und unverschämt“, erzählte Betty gerade und Padma kicherte belustigt.
    „Vielleicht will sie auch einfach nur nett sein“, schug Padma vor.
    Skye hatte sich nun vom Fenster abgewandt und unterbrach die beiden. „Haben wir noch Pfefferkobolde?“
    „Nein.“ Padma schüttelte den Kopf. „Michael hat mehr mitgehen lassen, als ich dachte.“
    „Unverschämt, dieser Junge.“ Skye schnalzte anklagend mit der Zunge.
    „Ich kann auch auf Jagd gehen, wenn ihr wollt“, schlug Betty vor.
    „Ist schon in Ordnung“, seufzte Skye. „Wir sollten sowieso bald da sein.“
    Ihr Blick huschte kurz aus dem Fenster, aber man konnte mittlerweile nichts mehr außer Regen und Dunkelheit erkennen. Das Wetter war grottenschlecht und Skye freute sich schon darauf, in der angenehm warmen Großen Halle zu sitzen und ein leckeres Festmahl zu verspeisen. Und als hätte der Hogwarts-Express ihre Gedanken gelesen, wurde er immer langsamer.
    „Das ging aber schnell.“ Padma, die sich schon erhoben hatte, wurde von dem Ruck des Haltens zurück auf ihren Sitz geworfen.
    „Na, Merlin sei Dank.“ Betty wollte schon die Abteiltür aufziehen, aber da flackerte das kleine Licht über ihnen und ging schließlich mit einem letzten Aufleuchten endgültig aus.
    „Was ist denn da los?“, fragte Skye beunruhigt in die undurchdringliche Schwärze, sie hörte nurnoch den Regen gegen das Fenster peitschen.
    „Vielleicht eine Panne oder so.“ Auch Padmas Stimme klang etwas zittrig.
    Kurz herrschte besorgte Stille, aber dann stand Skye seufzend auf. „Ich schaue mal nach. Vielleicht wissen die anderen etwas.“
    Vorsichtig tastete sie sich an den Sitzen entlang zur Abteiltür und hatte schließlich den Hebel in der Hand, der seltsam kühl geworden war.
    „Die . . . Tür . . . klemmt . . .“, brachte Skye hervor, während sie angestrengt versuchte, die Abteiltür aufzuziehen.
    „Was ist das?“, fragte Padma ängstlich.
    „Es ist so . . . kalt geworden“, sagte Betty mit erstickter Stimme.
    Und dann ging die Tür endlich auf, erleichtert wollte Skye auf den Gang treten, aber eine unglaublich frostige Kälte schlug ihr auf einmal entgegen.
    Etwas Schwarzes, schwärzer als die Dunkelheit, glitt lautlos in das Abteil, drängte Skye zurück, die stolperte und unsanft auf den Sitz fiel. Das Ding holte gurgelnd Atem und plötzlich wurde die Kälte noch stärker.
    Es war so, als würde Skyes Blut gefrieren, ihre Lunge schien sich zu verengen und die Kälte drang immer weiter in sie vor. Fühlte sich so der Tod an?
    Skyes Finger krallten sich in ihre Handflächen, denn plötzlich tauchten in ihrem Kopf unheimliche Bilder auf: Bilder von einem Jungen mit leuchtend roten Augen, von einem grünen Lichtblitz. Die Bilder schienen sie zu ertränken, ihr Kopf pochte stark, doch der Widerstand gegen die Kälte schwand langsam. Und dann war da ein Schrei, der Schrei eines Mädchens, der Skye durchfuhr wie ein Blitz und echt klang, viel zu echt.
    Aber plötzlich hörte es auf, die schaurigen Bilder verblassten, Wärme kroch in Skyes verkrampfte Glieder. Nur der Schrei hielt an, er war noch immer da, klang so nahe. Zitternd öffnete Skye die Augen.
    Sie lag noch immer auf dem Sitz, über ihr war das Licht angegangen und der Hogwarts-Express setzte sich langsam wieder in Bewegung.
    „Skye!“
    Padma schien den Tränen nahe, während sie Skyes Namen über den Schrei hinwegrief. Skye blinzelte ein paarmal, um wieder zu Besinnung zu kommen, aber da fiel ihr Blick auf Betty.
    Betty hatte die Hände in den Sitz gekrallt, aus ihren Augen unter den fest zusammengepressten Lidern rannen Wasserfälle aus Tränen und sie schrie. Sie schrie so, als hätte sie dem Tod ins Auge gesehen.
    Skye sprang auf und kniete sich vor Betty hin, schüttelte sie an den Schultern, aber ihre Freundin reagierte nicht.
    „Was ist mit ihr los?“, schluchzte Padma.
    „Ich weiß es nicht.“ Besorgt stand Skye auf. „Betty! Betty! Komm schon, wach auf!“
    Betty schien sie nicht zu hören und Skye biss sich nachdenklich auf die Unterlippe.
    „Wach auf!“ Als Betty noch immer nicht reagierte, konnte Skye nicht mehr. Energisch verpasste sie Betty ein schallende Ohrfeige.
    Padma keuchte auf, aber es hatte funktioniert. Bettys schrecklicher, verzweifelter Schrei hatte aufgehört.
    Aber noch immer starrte sie ausdruckslos ins Leere, ihre Augen waren glasig und es rannen Tränen ihre geröteten Wangen hinunter.
    „Betty?“, fragte Padma vorsichtig.
    „Wir müssen Hilfe holen.“ Skye zog die Abteiltüre auf. „Bleib du bei ihr.“
    Auf dem Gang herrschte reges Treiben, die Schüler waren aufgeregt und tauschten sich mit ihren Freunden über das seltsames Erlebnis aus. Hastig drängte Skye sich durch das Getummel, ignorierte Mandy Brocklehurst, die aufgeregt auf sie einredete, und dann war sie an dem gesuchten Abteil angekommen. Eilig stieß Skye die Türe auf und trat in das Abteil, in dem ein hektischer Trubel herrschte.
    „Emma“, sagte Skye eindringlich. „Es ist dringend.“
    „Was?“ Bettys große Schwester wischte sich schniefend die roten Augen. Auch sie schien geweint zu haben: Cho, Marietta, Eddie Carmichael und ein paar andere Viertklässler drängten sich um ihren Sitz.
    „Betty. Sie ist in einer Trance oder so. Bitte, komm.“ Die letzten zwei Worte sagte Skye so flehend, dass Emma die Hand ihres Freundes abschüttelte und schnurstracks aufstand.
    „Bleibt ruhig hier“, befahl Emma und als sie sich an Skye auf den Gang vorbeidrängte, taten nur Cho und Marietta es ihr gleich.
    Skye wollte ihnen schon folgen, aber da streckte ein paar Türen weiter ein rothaariger Junge den Kopf aus seinem Abteil.
    „War der Schrei eben Betty?“, fragte Fred Weasley besorgt.
    Skye zögerte für einen Moment. „Nun . . . ja.“
    Fred redete mit jemandem in seinem Abteil und zu Skyes Überraschung traten die Weasley-Zwillinge dann auch auf den Gang.
    „Was macht ihr da?“, fragte Skye verwirrt, sie hatte Mühe, mit den beiden Schritt zu halten, während diese sich zu Skyes Abteil durch die Menge schlängelten.
    Als Skye zurück in ihr Abteil trat, waren Emma, Cho und Marietta schon da, sie alle drängten sich um die schluchzende Betty. Padma hatte tröstend die Arme um sie gelegt, aber das schien Betty egal zu sein. Sie hatte das Kinn auf die Knie gebettet, die Beine fest umschlungen und langsam wiegte sie sich hin und her, während Tränen weiter aus ihren Augen rannen.
    „Betty.“ Emma strich ihrer Schwester sanft über die Wange und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. „Alles ist gut. Das Ding kann dir nichts mehr anhaben.“
    Skye ließ sich schweigend neben Padma auf den Sitz fallen, ihr eigener Kopf pochte noch immer unangenehm und sie massierte sich die Schläfen. Fred Weasley lief unruhig im Abteil umher und Cho und Marietta hatten sich neben George auf einen Sitz gelungert. Unruhig beobachtete Skye Betty, die von nichts Kenntnis zu nehmen schien und weiter hin- und herwippte.
    „Was ist nur los?“, flüsterte Padma ängstlich.
    Sie und Skye hatten sich an Betty gedrückt und beobachteten Emma, wie diese ihre Schwester im Arm hatte und beruhigend auf sie einredete.
    Aber plötzlich ging die Tür des Abteils auf und alle Blicke richteten sich auf einen Mann, der mit gehetztem Blick und einem schäbigen Umhang eintrat.
    „Ein Junge hat mir erzählt, dass . . .“ Noch während des Sprechens fiel sein Blick auf Betty; er sah beunruhigt aus.
    „Was sollen wir tun?“, fragte Padma zittrig.
    „Sie soll das essen.“ Der Mann kramte eine Tafel Schokolade hervor und reichte sie Emma. „Entschuldigt mich, ich muss weiter.“
    Verwirrt sah Skye dem Mann nach, während er den Gang entlangeilte.
    „Seltsamer Typ“, bemerkte George Weasley, während sein Bruder nervös an seinem Daumennagel kaute.
    Emma versuchte währenddessen, Betty ein Stück der Schokolade in den Mund zu schieben. „Komm schon, Süße. Das wird helfen.“
    Betty schien nicht viel Interesse an der Schokolade zu haben, doch irgendwie schaffte Emma es, sie zum Kauen zu bewegen. Das ganze Abteil hielt den Atem an, Betty aß noch ein Stück und dann noch eins. Seltsamerweise verebbten die Tränen und ihr steifer Körper entspannte sich.
    „Das war doch nur . . . Schokolade“, sagte Padma fassungslos und auch Skye fragte sich, warum es Betty so plötzlich besser ging.
    „Betty?“, fragte Emma vorsichtig und strich ihrer kleinen Schwester das braune Haar aus der Stirn.
    „Nein“, flüsterte Betty fast unhörbar. „Bitte nicht. Bitte . . .“
    „Iss weiter“, drängte Fred und hielt Betty ein weiteres Stück Schokolade unter die Nase.
    Zögerlich biss diese ab und ließ ihren Blick langsam durch die Runde wandern.
    „Fred? Was macht ihr alle hier?“ Verwirrt blinzelte sie.
    „Oh, Betty“, schluchzte Padma und fiel ihr um den Hals.
    Ein erleichtertes Aufatmen ging durch das Abteil, auf Fred und Georges Gesichter kehrte wieder das altbekannte, schelmische Grinsen zurück und Emma ließ sich glücklich zurückfallen.
    „Was war da los? Ich habe Dinge gesehen . . . Es war . . .“, sagte Betty stirnrunzelnd.
    „. . . schrecklich“, vervollständigte Skye ihren Satz und drückte Betty fest an sich.

    Es dauerte nicht mehr lange, da hielt der Hogwarts-Express ein zweites Mal, doch diesmal war es in Hogsmeade und keine frostigen Kreaturen warteten auf sie. Emma hatte irgendwo eine Decke aufgetrieben und als kleiner Schutztrupp transportierten sie Betty fest eingewickelt in die Kutsche, die rumpelnd und schlenkernd Richtung Hogwarts rollte. Skye war unheimlich froh, als sie endlich in der Großen Halle saßen, deren warme Fackeln die seltsame Kälte endgültig aus ihren Gliedern vertrieb. Betty ging es immer besser, sie war zwar ruhiger als sonst und wollte nicht viel über ihr Erlebnis erzählen, aber als es dann zur Einteilung der Erstklässler kam, hörte sie auch gespannt zu.
    „Nun . . . Ich habe meinen Vater gesehen“, flüsterte sie Skye und Padma zu, während sie Indiana Scott applaudierte, die fröhlich zum Ravenclaw-Tisch hüpfte.
    Padma nickte wissend. „Ist schon okay. Du musst nichts sagen.“
    Nachdem die Einteilung beendet war, trat Professor Dumbledore vor und begrüßte die Schüler wie jedes Jahr: „Willkommen! Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts!“
    Und dann folgte endlich die Erklärung für die seltsamen, schaurigen Dinger im Hogwarts-Express. Professor Dumbledore nannte sie „Dementoren“, die aus Schutz vor dem berüchtigten Massenmörder Sirius Black vor Hogwarts postiert waren.
    „Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sirius Black schlimmer als diese Dementoren ist“, murmelte Betty kaum hörbar.
    Nachdem dann auch der schäbig aussehende Mann, der Betty die Schokolade gegeben hatte, als neuer Lehrer vorgestellt wurde und Dumbledore seine Rede endlich beendet hatte, kam es zum lange herbeigesehnten Festessen.
    Betty schlug zu wie immer und stopfte sich mit Pasteten, Kartoffeln und Erbsen voll, was Skye sicher machte, dass ihre Freundin wieder die alte war. Am Ravenclaw-Tisch wurde noch immer angeregt über den Besuch der Dementoren im Zug geredet und Luna Lovegood gab den verträumten Beitrag „Die haben uns unsere Freude geraubt . . .“, der das Ganze genau auf den Punkt brachte.
    Während Skye ihr Steak aß, ließ sie sich noch einmals die Bilder durch den Kopf gehen, die sie gesehen hatte, als der Dementor sie angegriffen hatte. Es war unverkennbar die schreckliche Szene gewesen, die sie letztes Schuljahr unfreiwillig gesehen hatte. Noch ein weiteres Mal hatte sie den Tod ihres Großonkels Edward Thomas miterleben müssen und es wunderte Skye kein bisschen, dass sie sich im Zug deswegen so schrecklich gefühlt hatte.
    Sie hatte das Ganze bisher erfolgreich verdrängt, aber Skye wusste, dass das nicht so weitergehen konnte. Irgendwann würde etwas passieren, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Schon jetzt war es schwer genug, das Geheimnis des Zeitumkehrers vor ihren Freunden zu verstecken. Vor kurzem hatte Alice es fast erfahren und nur durch Glück hatte Skye ihre Erinnerung manipulieren können. Aber bei ihren magischen Freunden? Würden sich Betty und Padma auch so einfach verzaubern lassen?
    Skye schluckte diese unheilvollen Gedanken mit dem letzten Bissen Steak energisch hinunter. Das Jahr hatte noch nicht einmal begonnen und schon war sie so negativ gesinnt. Dabei gab es so viel, auf das sie sich freuen konnte. Bald würde Quidditch wieder beginnen, sie würde spannende neue Fächer bekommen und war jetzt schon in ihrem dritten Jahr in Hogwarts. Da lohnte es sich doch wirklich nicht, sich solche Sorgen zu machen.
    Aus den Augenwinkeln beobachtete Skye, wie Betty und Padma sich mit den Jungen unterhielten und sie musste lächeln.
    Na und?
    Dann passierte eben irgendwann etwas.
    Was war schon dabei?

    BILD: Betty (Elizabeth) Warrington mit dreizehn Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 5: KITZELE NIE EINEN SCHLAFENDEN DRACHEN((ebold))((enavy)) Trotz des Zwischenfalls mit den Dementoren, ging in Hogwarts der Un

    Kapitel 5: KITZELE NIE EINEN SCHLAFENDEN DRACHEN

    Trotz des Zwischenfalls mit den Dementoren, ging in Hogwarts der Unterricht am nächsten Morgen normal wie immer los. Skye hatte in der primären Dimension geschlafen und fühlte sich am Morgen so ausgelaugt, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Ob das noch Nachwirkungen von den Dementoren waren?
    Viel Zeit darüber nachzudenken hatte sie nicht mehr, denn ihre erste Stunde Arithmantik begann bald und mit der hellwachen (und anstrengend aufgeregten) Padma im Schlepptau machte sie sich schließlich auf den Weg zum Klassenzimmer für Arithmantik.
    Professor Vektor, eine streng aussehende Lehrerin mit leuchtend grünen Augen, wartete schon ungeduldig, und Skye war erleichtert, dass sie und Padma nicht als letzte eintrudelten. Zu ihrer Enttäuschung hatten jedoch auch Pansy Parkinson und Tracey Davis Arithmantik gewählt und sich schon die besten Plätze weggeschnappt. Skye ließ sich nach vergeblicher Suche nach einem möglichst weit entferntem Tisch missmutig neben Tracey Davis fallen und musste sich daraufhin einige wüste Beleidigungen von Pansy anhören. Tracey blieb die ganze Stunde ziemlich still und Skye wäre fast von ihrem Stuhl gekippt, als sie ihr sogar schüchtern zulächelte.
    Vielleicht war wenigstens eine dieser lästigen Slytherin-Clique etwas reifer geworden.
    Es war äußerst anstrengend, durch Arithmantiktabellen zu blättern, wenn man die ganze Zeit Pansy Parkinson schneidende Stimme im Ohr hatte. Als bald läutete, hatte Skye selbst den letzten Nerv verloren und schnauzte Pansy unfreundlich an: „Fällt dir nach drei Jahren wirklich nichts besseres ein, als mich Schlammblut zu nennen? Danke für deine Hilfe, aber ich weiß das mittlerweile.“
    Während Skye dann mit der eingeschüchterten Padma aus dem Klassenzimmer stolzierte und Tracey Davis leise kichern hörte, konnte sie gar nicht anders, als ein zufriedenes Gesicht aufzusetzen.
    Nach einer äußerst ermüdenden Doppelstunde Zaubertränke (Snape war mal wieder besonders gemein) ging es endlich zum Mittagessen. Betty berichtete begeistert von Wahrsagen, wo die Professorin wohl Harry Potters baldigen Tod vorausgesehen hatte, was Betty höchst amüsierte.
    „Der Grimm hat sie gesagt, da habe ich auch schon mal von gehört“, erzählte sie.
    „Klingt wie ein schlechter Hundename“, bemerkte Skye daraufhin.
    Auf Alte Runen war sie besonders gespannt, auch, da keine ihrer Freundinnen dieses Fach gewählt hatte. Skye kannte wenige ihrer Klassenkameraden dort persönlich und sie freute sich, dass Hermine Granger ihr freundlich zuwinkte, als sie ins Klassenzimmer trat. Tracey Davis war auch wieder da und Skye war ziemlich stolz auf sich, als auch sie dieses kleine Zeichen Freundlichkeit erwiderte und Tracey, die mit einem dunkelhaarigen Jungen ganz hinten saß und leise flüsterte, zaghaft zugrinste.
    Professor Babbling war schon alt und runzlig, sie erinnerte Skye an Professor Binns und die beiden teilten sich nicht nur die tiefen Falten, sondern auch die einschläfernde Stimme. Deswegen war Skye auch froh, als sie endlich zum ersten Lesen der Runen kam und Professor Babbling für einen Moment still blieb. Hermine erzählte von ihren vielen Wahlfächer und Skye wunderte sich insgeheim, wie sie diese ganzen Hausaufgaben, Prüfungen und Stunden überhaupt schaffte. Aber so war Hermine nun einmal, die beste Schülerin der ganzen Jahrgangsstufe, akribische Lernerin und immer vorbereitet.
    Man könnte denken, das sei die Aufgabe der Ravenclaws, aber in ihren bisherigen Jahren in Hogwarts hatte Skye gelernt, dass das ganz und gar nicht der Fall war.
    Die meisten Ravenclaws waren vergesslich, mit ihren Gedanken ständig woanders und an manchen Fächern in keinster Weise interessiert. Stephen Cornfoot zum Beispiel hatte Verwandlung als offiziell nutzlos erklärt und hätte Professor McGonagall ihn nicht ständig im Auge, würde er in Verwandlung einfach ein Nickerchen halten.
    Dann waren da noch Ravenclaws wie Betty, die zwar eine begabte Hexe, aber faul und mehr an ihren Zeichnungen als dem Unterricht interessiert war. Wenn sie es nicht interessierte, hörte sie nicht zu, die Prüfungen schaffte sie jedoch seltsamerweise trotzdem.
    Nach Alte Runen fühlten sich Skyes Gehirnmuskeln ungewöhnlich ausgelaugt und sie wäre fast über ihrem Abendessen eingedöst.
    „. . . und ich wünschte, er hätte Malfoy in Kleinteile gehackt, aber man kann nun mal nicht alles haben im Leben, was? Schließlich war es auch nur ein Hippogreif“, plapperte Betty zwischen großen Bissen ihrer Pastete.
    „Hat er sich schwer verletzt?“, warf Astoria Greengrass, eine blasse Erstklässlerin, ein.
    Skye war äußerst perplex gewesen, als Astoria Greengrass vom Sprechenden Hut nach Ravenclaw geschickt wurde. Ihre große Schwester war schließlich fies und nervig, außerdem eine Slytherin.
    Aber Astoria schien ganz anders.
    „Nein, nur so ein kleiner Kratzer“, sagte Betty.
    „Schade“, meinte Skye. „Verdient hätte er es ja.“
    Astoria schob schweigend die Unterlippe vor und wendete sich dann wieder ihren Erstklässlerfreunden zu.
    „Von einem Hippogreif angegriffen zu werden, bringt Unglück“, sagte Luna Lovegood, die in der Nähe saß und ständig jedermanns Gespräche belauschen zu schien, träumerisch.
    „Na, hoffen wir‘s.“ Betty grinste.
    „Ihr scheint diesen Malfoy-Jungen nicht zu mögen, oder?“, fragte Luna und ihre großen Augen musterten die Drei wachsam.
    „So könnte man es ausdrücken“, schnaubte Skye verächtlich.
    „Er ist schrecklich“, stimmte auch Padma zu.
    Luna schien kurz zu überlegen und tippte sich nachdenklich ans Kinn. „Kitzele nie einen schlafenden Drachen“, sagte sie dann.
    Betty, Padma und Skye warfen sich einen verwirrten Blick zu.
    Skye grinste schief. „Werden wir uns merken.“

    „Der Biotest war absolut schrecklich“, sagte Alice frustriert. „Was interessieren mich denn diese blöden Evolutionstheorien? Natürliche Sektion oder wie auch immer . . .“
    Selektion“, verbesserte Skye. „Es gibt Dinge wie Lernen. Schon mal davon gehört?“
    Alice ließ sich auf ihren Stuhl fallen und legte die Füße auf den Tisch. „Ich konnte nicht. Ich war bei Julys Geburtstag.“
    Skye presste stumm die Lippen aufeinander. Natürlich hatte July sie nicht eingeladen. Sie war dann wohl doch zu uncool, obwohl sie das halbe letzte Schuljahr zusammen verbracht hatten.
    „Sie hat einen Haarcrimper bekommen“, erzählte Alice begeistert. „Toll, nicht?“
    Skye schnaubte. „Ach, deshalb sieht sie heute aus wie ein ungekämmter Pudel.“
    Alice runzelte die Stirn und drehte einen ihrer Stifte in der Hand. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass du eifersüchtig bist.“
    „Ich, eifersüchtig?“ Skye schüttelte den Kopf. „Warum sollte ich? July ist mir doch egal.“
    So wie ich ihr, fügte Skye in ihrem Kopf noch hinzu. Skye hätte gedacht, dass das nur in Filmen wie Heathers so war, aber scheinbar gab es diese eigenartigen Hierarchien auch im echten Leben. Nicht, dass sie das zu interessieren hatte, aber irgendwas an der ganzen Sache versetzte ihrem Herz einen scharfen Stich.
    „Luke Robinson war übrigens auch da“, bemerkte Alice herausfordernd.
    „Schön für ihn“, sagte Skye kühl. „Ich hoffe, ihr habt euch gut amüsiert.“
    Mit säuerlicher Miene packte Skye ihre Unterlagen aus und klatschte sie auf den Tisch. Alice beobachtete sie wachsam dabei und schien nachzudenken.
    „Bist du sauer?“
    Skye sah auf. „Nein, ich bin Höchstform, Alice. Sieht man doch.“
    „Komm mal wieder runter.“
    „Ich bin vollkommen tiefenentspannt, sieht man doch.“
    „Du bist sauer“, stellte Alice fest.
    „Hör einfach mit diesem blöden Geburtstag auf, okay?“
    Darauf erwiderte Alice nichts mehr, denn der Lehrer Mr Harrison kam ins Klassenzimmer marschiert und machte Anstalten, den Unterricht zu beginnen.
    Skye war das gerade recht so, denn sie hatte nicht besonders viel Lust, jetzt weiter mit Alice zu diskutieren. Sie beschloss, sich mit Leuten wie July von jetzt an nicht mehr abzugeben und sich keinen Kopf zu machen. Schließlich hatte sie auch noch ihre Freunde in Hogwarts und da brauchte sie July und ihren blöden Haircrimper nicht. Das war auch gut so.
    Sie hatte nämlich wichtigere Dinge zu tun, fand Skye.

    BILD: Padma Patil mit dreizehn Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 6: IRRWICHTE UND SLYTHERINS((ebold))((enavy)) Die ersten Tage in Hogwarts vergingen wie im Fluge: Der gewöhnliche Alltag holt

    Kapitel 6: IRRWICHTE UND SLYTHERINS

    Die ersten Tage in Hogwarts vergingen wie im Fluge: Der gewöhnliche Alltag holte Skye wieder ein und Gedanken an die Sommerferien verblassten immer mehr.
    Besonders gespannt war sie auf die erste Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste, denn von dem schäbig aussehenden Professor Lupin hatte sie noch nicht viel mitbekommen. Als er die Klasse dann in ihrer ersten Stunde dazu aufforderte, ihre Bücher wegzulegen, und sie aus dem Klassenzimmer führte, warfen sich alle verwunderte Blicke zu.
    „Er ist vielleicht doch kein so ein Idiot wie Lockhart“, murmelte Betty.
    Skye hoffte das jedenfalls. Für das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste hatte sie in ihren ersten Jahren keine große Sympathie gehegt. Sowohl Professor Quirrell, als auch Lockhart, waren nicht gerade das Paradebeispiel für einen guten Lehrer gewesen.
    Von Professor Lupin angeführt traten sie in das Lehrerzimmer, das Skye bisher noch nie von innen gesehen hatte. Es war unordentlich, überall lagen ausrangierte Bücher auf klauenfüßigen Tischen herum, aber Lupin führte sie zu einem alten Schrank, der seltsam zu rumpeln begann, als die Schüler vor ihn traten.
    „Ihr habt Glück, dass sich in manchen Ecken in Hogwarts einige Irrwichte herumtreiben“, erzählte Professor Lupin. „So habt ihr auch einen zum Ausprobieren.“
    „Irrwichte?“, fragte Michael Corner. „Sind die nicht gefährlich?“
    Lupin klopfte fast schon freundschaftlich auf den Schrank. „Man sollte natürlich wissen, sich zu verteidigen. Irrwichte sind Wesen, die die Gestalt unserer größten Angst annehmen, wenn sie vor uns stehen. Der hier drinnen wartet also nur darauf, aus seinem Schrank herauszukommen und sich zu verwandeln.“
    Ein Schaudern lief durch die Klasse.
    „Aber, wie verteidigt man sich nun?“ Professor Lupin ließ seinen Blick über die Schüler gleiten, der schließlich an Susan Bones hängen blieb, die sich meldete. „Ja, Susan?“
    „Mit Gelächter“, antwortete sie. „Man muss ihn auslachen.“
    „Richtig.“ Professor Lupin nickte. „Man muss ihn verzaubern, ihn dazu zwingen eine Gestalt anzunehmen, über die ihr lachen könnt.“
    „Da gibt es so einige“, flüsterte Betty grinsend und machte erschreckend gut Draco Malfoys stets abwertenden Gesichtsausdruck nach.
    Padma und Skye kicherten leise in ihre Umhänge, während Professor Lupin vor der Klasse auf- und abmarschierte.
    „Und, gibt es Freiwillige? Ich verspreche euch, es wird nichts passieren.“
    Keiner meldete sich, die Schüler sahen sich unauffällig an und jeder hoffte, nicht der Erste sein zu müssen. Skye jedoch hatte sich noch immer nicht ganz von ihrem Kicheranfall erholt und grinste wohl jetzt eine Spur zu breit.
    „Skye Thomas, nicht?“
    Skye nickte zögerlich, als Lupin sie aufrief. Sie wusste, was ihr nun blühte.
    „Dann komm doch nach vorne, Skye.“
    Eigentlich wollte Skye ihm sagen, dass sie das nun gar nicht wollte, aber das kam ihr dann doch zu vorlaut vor. Auch Betty verpasste ihr einen unsanften Schubser und so stolperte Skye schließlich vor die gaffende Klasse.
    „Nun, Skye. Was würdest du als deine größte Angst bezeichnen?“
    Skye sah Professor Lupin perplex an. Diese Frage war unerwartet direkt und irgendwie privat. Angst war doch eine private Sache. Oder?
    „Ich weiß es nicht, Sir“, sagte sie.
    Natürlich stimmte das nicht, ihr waren direkt so einige Bilder in den Kopf geschossen, aber die würde Skye sowohl nicht der ganzen Klasse, als auch diesem Lehrer preisgeben. Ihre Ängste waren nämlich wirklich etwas Privates.
    „Nun gut“, fuhr Professor Lupin beflissen fort. Er schien in keinster Weise irritiert. „Dann versuchen wir es mal so, denke ich. Wenn ich diesen Schrank gleich öffne, Skye, wird sich der Irrwicht in deine größte Angst verwandeln. Aber mit dem Zauber Riddikulus machst du ihn zu etwas Lächerlichem. Alle zusammen bitte.“
    Die Klasse wiederholte brav den Zauber und Skye machte sich innerlich schon auf den Irrwicht bereit. Er musste so schnell wie möglich verschwinden, denn sie hatte Angst vor dem, was ihre Angst war. Eigentlich sollte sie niemand sehen.
    „So, danach seid ihr dran. Macht es Skye einfach nach, mit etwas Glück bezwingen wir den Irrwicht zusammen“, sagte Professor Lupin. „Bereit?“
    Alle nickten und auch Skye wappnete sich für das, was ihr bevorstand. Den Zauberstab hielt sie wie einen Rettungsring umklammerte und auch Professor Lupin zückte seinen.
    „Eins - zwei - drei und . . . leg los!“
    Auf den stummen Zauber hin öffnete sich die Schranktür und eine große, schlanke Gestalt trat heraus.
    Skye drehte sich der Magen um. Vor ihr stand Tom Riddle, er war fast schon engelsgleich mit seinem dunklen Haar, das ihm in das blasse Gesicht fiel. Er spöttisch auf Skye herab, seine Mundwinkel kräuselten sich hämisch, aber das war nicht das, was Skye Angst hatte: Von seiner Hand baumelten an den silbernen und goldenen Kettchen die zwei Zeitumkehrer. Tom Riddle besaß beide Zeitumkehrer.
    Wie aus Reflex fasste Skye sich an den Hals, um zu prüfen, ob ihr Zeitumkehrer noch da war. Natürlich war er das, aber dieser Irrwicht wirkte so schrecklich echt, dass Skye das Gegenteil sogar geglaubt hätte. Sie hoffte, dass niemand der anderen ihren Irrwicht erkannte.
    „Konzentriere dich“, befahl Professor Lupin, der mit ein paar Metern Abstand zusah.
    Skye hob langsam ihren Zauberstab und Tom Riddle bleckte wütend die Zähne. Seine Augen begannen rot zu leuchten, wie zwei Rubine in seinem weißen Gesicht.
    Riddikulus!“, sagte Skye endlich und schwang entschlossen den Zauberstab.
    Für einen Atemzug passierte nichts, doch dann knallte es und Tom Riddle sah verdattert an sich herunter. Er trug plötzlich ein Tütü, das zu dem rosa in seinen vorher noch roten Augen passte. Die Zeitumkehrer in seiner Hand wurden zu einem Blumenstrauß und trotz des noch immer ernsten Blicks Tom Riddles, konnte Skye gar nicht anders, als loszugrinsen. Dafür sah er viel zu dämlich aus.
    „Gut, gut! Der nächste!“, rief Professor Lupin ausgelassen. „Terry!“
    Während Terry entschlossen aus der Schülermenge hervortrat, huschte Skye möglichst unauffällig zu Betty und Padma zurück. Terry gab ihr im Vorbeigehen ein High Five, während sich der Irrwicht wieder verwandelte.
    Ein Mann mit langem schwarzen Umhang und tief ins Gesicht gezogener Kapuze stand vor Terry, der zögerlich seinen Zauberstab hob.
    Riddikulus!
    Die Kapuzengestalt stolperte über seinen eigenen Umhang und fiel auf den Boden. Terry grinste zufrieden und lief zu seinen Freunden zurück.
    „Wer war dein Irrwicht überhaupt?“, fragte Padma neugierig, während Lupin „Justin!“ rief.
    „Nur . . . eine Buchfigur. Unbegründet, vor ihm hatte ich als Kind immer Angst“, sagte Skye ausweichend.
    Sie bezweifelte, dass irgendjemand in diesem Zimmer wusste, dass sie gerade den gefürchtetsten dunklen Zauberer als Schuljunge gesehen hatten.
    Justin Finch-Flechtley sah seinem Irrwicht, der die Gestalt einer riesigen, scharfzähnigen Schlange angenommen hatte, trotzig entgegen.
    Riddikulus!“, rief er und zauberte der Schlange eine große Sonnenbrille und einen Mundschutz auf.
    „Hervorragend!“ Lupin machte eine einladende Handbewegung. „Elizabeth!“
    Betty trat nach vorne und grinste aufgeregt. „Nennen Sie mich Betty.“
    Der Irrwicht brauchte diesmal ein wenig länger, doch dann verwandelte er sich. Eine glitschige Gestalt kroch auf Betty zu, langes Algenhaar bedeckte eines ihrer wilden Augen. Aber das Ekelerregendste war der peitschende Schwanz, lang und schmal wie der eines Fisches, bedeckt von scharfen Schuppen und kleinen Seitenflossen. Betty wich angeekelt ein Stück zurück, doch sie ließ sich von dieser Kreatur nicht verängstigen und hob den Zauberstab.
    Riddikulus!
    Das Wesen rang röchelnd nach Luft, begann zu husten und wurde langsamer. Betty grinste zufrieden und schlenderte zu Padma und Skye zurück.
    Während Professor Lupin Ernie Macmillan aus Hufflepuff ermutigte, beugte Skye sich zu Betty hinüber, die äußerst zufrieden mit sich aussah. „Mermaid‘s Pool?“
    Betty verstand sofort und nickte. „Ich weiß, das ist etwas peinlich aber . . . diese Viecher sind nicht gerade anziehend. Ehrlich.“
    Skye verkniff sich ein Grinsen und wendete sich wieder nach vorne, wo Ernie Macmillan über einen stimmenlosen Werwolf lachte. Professor Lupins Miene, bemerkte Skye, war dabei wie versteinert. Als dann aber Kevin Entwhistle vortrat, war er wieder ganz der alte.
    „Bald haben wir ihn!“, rief Professor Lupin ausgelassen.
    „Ich will gar nicht drankommen“, murmelte Padma und rieb sich schaudernd die Arme, während vor Kevin ein zähnefletschender Löwe auftauchte.
    „Warum nicht?“, fragte Skye und auch Betty wandte sich ihr neugierig zu.
    „Ich will gar nicht wissen, in was der Irrwicht sich verwandelt“, erklärte Padma. „Als hätte ich Angst vor der Angst. Klingt das irgendwie blöd?“
    „Eher poetisch“, stellte Betty fest.
    Skye nickte. „Ich weiß, was du meinst.“
    „So, Megan, dann versetze du ihm doch den Gnadenstoß“, sagte Lupin gerade und lehnte sich lässig an einen Schreibtisch.
    Megan Jones trat zögernd hervor und diesmal brauchte der Irrwicht einige Anläufe, um sich zu verwandeln. Er nahm die Form eines Clows an, mit roten, blutigen Augen und einem irren Grinsen. Die reinblütigen Kinder (Betty flüsterte: „Was soll das sein?“) sahen sich verwundert an, während Megan ihren Zauberstab schwang. Plötzlich sah der Clown wieder normal aus und spielte mit einem Ballonhund. Die Klasse prustete los und dann explodierte der Irrwicht in viele kleine Rauchwölkchen, die aber schnell verpufften.
    „Wunderbar, wunderbar“, kommentierte Professor Lupin. „Ihr habt euch euren Ängsten entgegengestellt. Das verdient Hauspunkte, nicht?“ Die Klasse jubelte begeistert. „Fünf Punkte für jeden, der diesen Mut bewiesen hat!“
    Gut gelaunt schoben sich die Schüler gegenseitig aus der Tür, erst im Gang verteilten sie sich munter schwatzend.
    „Bin ich froh, dass ich nicht drangekommen bin“, sagte Padma erleichtert.
    Skye grinste: Sie war froh, dass keine ihrer Freundinnen sie ein weiteres Mal auf ihren Irrwicht angesprochen hatte. „Nochmal Glück gehabt.“

    Die Bibliothek war wie eine andere Welt, ein Ort der Ruhe und alter Bücher mit knisternden Seiten. Wenn man sie betrat, war einem plötzlich ganz anders. Man wollte die Bücher nicht respektlos behandeln und das ging bei dem strengen Verhalten der Bibliothekarin Madam Pince auch gar nicht.
    Als Skye an einem Mittwochabend in die Bibliothek lief und schon konzentriert in ihrer Tasche kramte, wäre sie fast in Roger Davies hineingelaufen.
    „Das war knapp“, sagte er grinsend.
    Skye verdrehte die Augen und warf Madam Pince, die sie schon anklagend anstarrte, einen möglichst unschuldigen Blick zu.
    „Aber gut, dass ich dich hier treffe“, fuhr Davies fort. „Es geht um die Auswahlspiele.“
    Skye stöhnte. „Muss ich dabei sein? Ich habe echt viel zu tun im Moment. Irgendwie hatte ich mir das dritte Jahr leichter vorgestellt.“
    Gut wäre es schon.“ Davies sah sie bedeutungsvoll an.
    „Ihr braucht mich doch nicht. Und Randolph ist als Jäger auch noch da.“
    Davies seufzte. „Und so zur Team-Dynamik?“
    „Hör zu“, schlug Skye vor. „Ein Kompromiss: Ihr macht die Auswahlspiele und ich komme dann am Ende dazu. Wegen Team-Dynamik und was auch immer.“
    „Also -“, wollte Davies protestieren, aber nachdem Skye ihn mit einem besonders unterwürfigen Blick anschaute, gab er nach. „Na gut. Aber komm rechtzeitig. Team-Dynamik ist wichtig. Hat auch Arthur immer gesagt.“
    Skye musste grinsen. „Du wirst schon ein guter Captain, Roger, keine Angst. Bei so einer wunderbaren Mannschaft geht das gar nicht anders.“
    „Du sagst es“, bestätigte Davies schmunzelnd.
    „Also gut.“ Skye salutierte betont übertrieben. „Ich muss dann mal los. Schule und so. Deswegen bin ich eigentlich auch hergekommen. Um was für Arithmantik nachzuschauen, Kräuterkunde und -“
    „Ist ja gut“, unterbrach Davies sie. „Geh nur. Wir sehen uns bei den Auswahlspielen. Wehe, du vergisst es.“
    „Werde ich schon nicht“, versprach Skye und winkte ab.
    Unter Davies strengem Blick machte sie sich dann schnurstracks zu einem der Regalreihen auf den Weg. Skye schien nicht die einzige zu sein, die schon am Anfang des Schuljahres in Hausaufgaben versank. Hannah Abbott, die - wie immer - so aussah, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen, brütete über einem riesigen Stapel Verwandlungsbücher und Skye überlegte, wie Madam Pince wohl reagieren würde, wenn ihre geliebten Bücher mit Tränen besudelt werden würden.
    Während Skye durch die Reihe für Arithmantik schlenderte und die Finger über die Einbände gleiten ließ, musste sie sich an einigen Schülern unsanft vorbeidrängen. Wie man nur so einen Durchgang blockieren konnte?
    „Sachte, sachte.“
    Verwirrt drehte Skye sich um. Ein schwarzhaariger Junger, der sich mit seiner Schultasche zwischen den Beinen und einem Buch in der Hand auf dem Boden ausgebreitet hatte, grinste frech zu ihr hoch. Skye kam er bekannt vor, aber ein Name fiel ihr nicht ein.
    „Dann leg dich nicht mitten in den Gang“, antwortete sie unfreundlicher, als eigentlich geplant.
    „Na, da ist aber jemand mit dem falschen Fuß aufgestanden.“ Er zog eine Augenbraue nach oben.
    Skye verdrehte die Augen, aber dabei fiel ihr eine Slytherin-Rosette an der Tasche des Jungen auf. Und das war Skye Erklärung genug.
    „Wer bist du überhaupt?“, fragte sie unverblümt und verschränkte die Arme.
    „Professor McGonagalls Großcousine.“ Der Junge rümpfte amüsiert die Nase. Jedes seiner Worte klang, als würde er sich insgeheim über Skye lustig machen. „Aber im Ernst, ich sollte mich wirklich verletzt fühlen, dass du mich nicht kennst. Du bist doch mit Tracey befreundet.“
    Skye runzelte verwirrt die Stirn, aber da dämmerte es ihr. Das war der Junge, den sie vor kurzem in Arithmantik mit Tracey Davis gesehen hatte.
    „Also, befreundet würde ich das nicht gerade nennen“, verbesserte sie ihn. „Wir haben uns noch nicht einmal richtig unterhalten.“
    „Sie findet dich übrigens nett“, teilte der Slytherin-Junge ihr mit.
    „Ich wusste gar nicht, dass ihr Slytherins zu derartigen Gefühlen fähig seid“, erwiderte Skye mit einem unverkennbar giftigem Unterton.
    Zu ihrem Ärger schien das den Jungen nur noch mehr zu amüsieren. „Hah, und wir Slytherins haben angeblich Vorurteile. Die meisten sollten sich wirklich erst einmal selbst an die Nase fassen.“
    „Ich meine, im Grunde habt ihr ja auch Vorurteile“, antwortete Skye. „Ich weiß nicht, ob du mal Draco Malfoy und diese wandelnden Beweise dafür, dass man such ohne Hirn überleben kann, Crabbe und Goyle, gesehen hast, aber die haben Vorurteile.“
    „Und was ist dann das, was du über uns andere Slytherins behauptest? Knallharte Fakten?“ Der Junge hörte einfach nicht auf zu grinsen, und Skye stachelte diese Dreistigkeit irgendwie an.
    „Statistiken. Ihr seid nicht gerade dafür bekannt, freundliche Engel zu sein.“
    „Leute wie Draco Malfoy sind nun mal besonders auffällig. Man muss sich schließlich nicht immer einmischen. Obwohl mich Vincents Fischgestank ebenso verfolgt, wie euch andere.“
    „Das kann ich nicht beurteilen“, sagte Skye möglichst hoheitsvoll.
    Sie wollte sich nicht auffallen lassen, dass dieses Argument gar nicht mal so schlecht war.
    „Na, siehst du. Fall geklärt.“
    Skye wollte sich jedoch nicht als geschlagen ergeben und sie war unheimlich froh, als Madam Pince ihnen wütend „Ruhe!“ entgegenzischte.
    „Alte Schreckschraube“, flüsterte der Junge säuerlich und wendete sich wieder seinem Arithmantik-Buch zu.
    Skye wollte schon weitergehen - das Gespräch schien schließlich beendet - aber da sah der Slytherin mit seinem lästigen Dauergrinsen noch einmal auf.
    „Jay übrigens“, teilte er ihr mit.
    Skye schwieg für einen Moment, bis sie sich vorstellte. „Professor McGonagalls Großcousine.“

    BILD: Terrys Irrwicht

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    ((bold))((navy))Kapitel 7: DIE NEUE SUCHERIN((ebold))((enavy)) Skye hätte über die ganze Aufregung hinweg die Auswahlspiele fast vergessen. Alle red

    Kapitel 7: DIE NEUE SUCHERIN

    Skye hätte über die ganze Aufregung hinweg die Auswahlspiele fast vergessen. Alle redeten nurnoch über Hogsmeade und den anstehenden Besuch des Dorfes - Skye wusste noch immer nicht, wie sie das mit ihrer Erlaubniseklärung hinbekommen sollte - und in den Schulen beider Dimensionen wurde es immer anstrengender.
    Manchmal vermischte Skye Mathe- mit Arithmantikformeln, vertauschte Jahreszahlen von Muggelkriegen und Koboldaufständen. Es wurde schwieriger, all das auseinanderzuhalten oder gar im Kopf zu behalten.
    Deswegen war es kein Wunder, dass Skye sich am Morgen der Auswahlspiele fast nicht mehr an diese erinnert hätte. Hastig hatte sie sich ihren Umhang übergeworfen und in der Großen Halle noch ein Sandwich mitgehen lassen, dann war sie schon wild mampfend losgeeilt.
    Den Besen geschultert lief Skye in Richtung des Quidditchfelds, wo schon ein kleines Grüppchen wartete. An den blauen Umhängen sah man schon von weitem, dass das die Ravenclaw-Mannschaft war. Sie mussten schon einige Stunden länger dort sein, vermutete Skye schuldbewusst, während sie sich den Rest ihres Sandwiches in den Mund stopfte.
    „Skye!“, rief Davies ihr zu und winkte sie zu sich. „Da bist du ja.“
    Skye grinste schief und begrüßte ihre Teamkollegen. Es war ungewohnt, dass Emily und Wright nun nicht mehr dabei waren, aber dafür standen Burrow, Page und Samuels in alter Frische da. Samuels grinste ihr zu, also gesellte Skye sich zu ihm.
    „Ich war gerade dabei, unseren Neuen das Team vorzustellen“, erklärte Davies. „Leute, das ist Skye.“
    „Ich bin Jägerin“, stellte sie sich vor, während sie den beiden neuen freundlich zugrinste.
    Der eine war groß und breit gebaut, er schien ein paar Jahre älter als Skye und der Schläger in seiner Hand deutete daraufhin, dass er der neue Treiber war. („Duncan Inglebee ist Jasons neuer Kollege“, bestätigte Page flüsternd.) Neben ihm stand ein Mädchen, zierlich, mit langen schwarzen Haaren.
    Es war Cho Chang.
    Skye wäre am liebsten direkt wieder umgekehrt, denn bei Chos selbstgefälligem Schmunzeln brodelte es in ihrem Inneren. Denn sie war die neue Sucherin und nun war das eingetroffen, was Skye auf keinen Fall gewollt hatte: Sie und Cho mussten nun Seite an Seite spielen.
    Davies machte geflissentlich mit seiner kleinen Rede weiter, aber Skye hörte nicht richtig zu. Sie beobachtete Cho und dachte an all die kühlen Gespräche und abneigenden Blicke im letzten Jahr. Sollte das nun so weitergehen?
    Auch Samuels pulte schon an seinem Besenstiel herum, da kam Davies endlich zu einem Ende.
    „Nun, also, seid fleißig. Willkommen im Team und . . . verteidigt Ravenclaws Ehre.“
    Der Rest der Mannschaft applaudierte höflich und Cho warf sich lässig das lange Haar über die Schulter. Die Gruppe löste sich langsam auf und missmutig marschierte Skye wieder zurück zum Schloss. Das Ganze war eine vollkommene Zeitverschwendung gewesen, fand sie.
    „Warte mal. Skye, warte!“
    Seufzend drehte Skye sich um, den Chos Stimme war schwer zu überhören.
    „Was ist?“, fragte Skye und blieb mit verschränkten Armen stehen, während Cho sich ein wenig nährte.
    „Ich wollte mich entschuldigen.“
    Skye rümpfte die Nase. „Ich will was frühstücken. Und?“
    „Nein, im Ernst. Für diese ganze Sache im letzten Jahr. Vielleicht warst du doch nicht daran schuld, dass ich es nicht ins Team geschafft habe.“
    „Für diese Erkenntnis hast du aber ziemlich lange gebraucht“, schnaubte Skye verächtlich.
    Cho, die sogar wirklich ein wenig schuldbewusst dreinblickte, lachte nervös. „Aber jetzt habe ich es schließlich geschafft, nicht? Also . . .“
    „. . . also kannst du endlich von mir ablassen.“ Skye grinste amüsiert. „Charmant.“
    „Ist ja gut, es tut mir leid. Ehrlich.“
    „Wunderbar. Mir aber nicht. Ehrlich“, sagte Skye giftig.
    Cho wollte schon etwas erwidern, da trat Davies zu ihnen und sah erstaunt zwischen den beiden Mädchen hin und her. „Wow, was ist denn hier los?“
    „Nichts, was dich angeht, Roger“, befahl Skye scharf.
    Ich wollte mich bei Skye entschuldigen, aber die will ja nicht.“ Cho machte ein herausforderndes Gesicht und verschränkte die Arme.
    Davies sah Skye für einen Moment nachdenklich an und kratzte sich dann am Kinn. „Vielleicht solltest du ihre Entschuldigung wirklich annehmen, Skye.“
    Skye klappte überrascht der Mund auf. Die ganze Situation kam ihr nahezu unwirklich vor und sie hätte Davies am liebsten ihren Besen in den Magen geschlagen, als er zu Cho hielt. Einem Mädchen, das er noch nicht einmal richtig kannte.
    „Ich glaub‘s ja nicht. Wahrscheinlich hast du sie auch nur ins Team genommen, weil sie hübsch ist.“ Davies wollte schon protestieren, aber Skye wendete sich an Cho. „Der gute Roger hier hat Interesse an dir. Also bilde dir ja nichts ein, das erklärt das Ganze nämlich ziemlich gut.“
    „Skye!“, sagte Davies schneidend. In seinen Augen loderte Wut wie eine flackernde Flamme. „Jetzt krieg dich mal wieder ein.“
    „Danke, Roger, aber ich entscheide selber, wann ich mich einkriege und wann nicht. Da ist doch nichts dabei; warum sollte ich mit Cho befreundet sein, nur weil wir in einer Mannschaft spielen?“
    „Das war doch nur . . .“, begann Cho verärgert.
    „Weißt du was?“ Skye wirbelte herum. „Es ist mir egal. Vollkommen egal. Schönen Tag noch, euch zwei.“
    Wütend stolzierte Skye in die entgegengesetzte Richtung; sie hatte nicht die geringste Lust, sich noch mit den beiden abzugeben.
    „Skye! Jetzt warte doch mal!“
    Davies kam ihr hinterherlaufen und riss sie schließlich unsanft am Arm herum.
    „Was willst du?“, schleuderte Skye ihm entgegen, aber er bugsierte sie zu Cho zurück.
    „Hört zu ihr beiden“, begann Davies und schien selbst ziemlich aufgebracht. „Das ist mein erstes Jahr als Captain und ich will das nicht versauen. Arthur war klasse, okay, also denkt ihr nicht, dass ich schon genug Stress damit habe, ihm nachzukommen? Und ich will keinen Streit in der Mannschaft. Also Skye, führ dich bitte etwas erwachsener auf.“
    Nach dieser feurigen Rede wussten sowohl Skye, als auch Cho, nicht mehr, was sie noch sagen sollten. Davies sah sie mit herrschendem Blick an und schien augenscheinlich etwas zu fordern.
    „Also. Vertragt euch.“ Davies sah Skye mit einem warnenden Blick an. „Jetzt.“
    „Ist ja gut“, antwortete sie augenverdrehend. „Cho, ich nehme deine Entschuldigung an, wir sind jetzt allerbeste Freundinnen und du bekommst mein Erstgeborenes. Zufrieden?“
    „Perfekt“, sagte Davies nickend und klatschte fröhlich in die Hände; von seiner vorherigen Wut war nichts mehr zu sehen.
    Cho, die selbstgefällig grinste, sah Davies mit den Wimpern klimpernd an und Skye verdrehte unauffällig die Augen. Trotz der Entschuldigung misstraute sie Cho.
    Sie hatte gemerkt, was für ein egoistisches und idiotisches Denken diese manchmal an den Tag legte und so etwas vergraulte Skye schnell.
    Davies tat so, als sei alles wieder wunderbar und scheuchte die Mädchen gut gelaunt (der Rest der Mannschaft war schon gegangen) Richtung Schloss. Skye folgte ihm, wobei sie aber einen guten Abstand zu Cho hielt, die ihr immer wieder eigenartige Blicke zuwarf.

    Die Szene nach den Auswahlspielen ging Skye noch Tage danach durch den Kopf. Padma hatte es nett gefunden, dass Cho sich entschuldigen wollte, aber Skye wollte diesem Schein nicht ganz glauben.
    „Vielleicht will sie einfach nur ihren Ruf wiederherstellen“, sagte Betty einmal. „Jetzt, wo sie es endlich in die Mannschaft geschafft hat.“
    Skye zuckte nur mit den Schultern. „Kann schon sein, ich . . . - Achtung, Professor Flitwick kommt.“
    Betty und Skye taten für einen Moment auf unschuldig, während Professor Flitwick an ihnen vorbeiwatschelte. Sie hatten Zauberkunst und sollten eigentlich in Zweiergruppen Zauber aus dem letzten Jahr üben, aber Betty und Skye hatten Wichtigeres zu tun - oder eher zu bereden.
    Als Professor Flitwick nun bei Padma und Anthony angekommen war, redete Skye erleichtert weiter.
    „Also, ich werde einfach so wenig wie möglich mit ihr reden. Dann muss ich mich auch nicht so aufregen.“
    „Gut so“, sagte Betty nickend. „Bevor du wieder so ausrastest.“
    „Ich musste das nur einmal sagen, weißt du. Nachdem sie mich im letzten Jahr so schrecklich angezickt hat.“ Skye zuckte mit den Schultern.
    „Miss Thomas, Miss Warrington, das ist nun schon das dritte Mal in dieser Stunde, dass ich Sie ermahnen muss.“ Professor Flitwick wär unauffällig zu ihrem Pult getreten und sah nun streng zwischen den beiden hin und her.
    „Entschuldigung, Professor“, sagte Skye plötzlich ziemlich kleinlaut.
    „Und zaubern habe ich Sie auch noch nicht gesehen“, fuhr Professor Flitwick fort. „Vielleicht wäre es besser, wenn Sie Partner tauschen würden.“
    Betty und Skye warfen sich einen missmutigen Blick zu. Schließlich würde das ja heißen, dass sie auch wirklich etwas üben mussten.
    Professor Flitwick sah sich um und deutete dann auf zwei Jungen, die am anderen Ende des Klassenzimmers saßen. „Sie, Miss Warrington, gehen bitte mit Mr Nott zusammen. Und Miss Thomas, Sie können sich zu Mr Avery gesellen.“
    „Ja, Sir“, sagte Skye zähneknirschend, während sie aufstand und ihre Habseligkeiten zusammenraffte.
    Betty spitzte anklagend die Lippen, während Skye an dem genannten Mr Nott - ein bohnenstangiger Junge mit Locken - vorbeilief und ihre Schultasche auf den anderen Tisch fallen ließ.
    „So sieht man sich wieder.“
    Es war Jay, der Slytherin-Junge aus der Bibliothek, der weit nach hinten gelehnt auf seinem Stuhl saß und sie frech angrinste: Skye fragte sich innerlich, ob er auch etwas anderes könne.
    „Na wunderbar“, sagte Skye, während sie sich auf den leeren Stuhl neben ihm setzte.
    „Und wie ich gehört habe, hast du sogar einen Namen. Thomas.“
    „Das ist mein Nachname“, klärte Skye ihn auf.
    „Ach, wirklich.“ Jay verdrehte die Augen. „Darauf wäre ich jetzt nicht selbst gekommen.“
    „Eigentlich heiße ich Skye“, stellte sie sich endlich vor.
    „Nun, Skye, ich hoffe du willst dich entschuldigen“, sagte Jay, während er auf seinem Stuhl vor- und zurückschaukelte.
    „Warum sollte ich?“ Skye zog eine Grimasse. „Und hör mit diesem verdammten Kippeln auf, das macht mich nervös.“
    Jay machte ohne mit der Wimper zu zucken weiter. „Na, weil Theo und ich wegen dir und deiner Freundin auseinandergesetzt wurden.“
    „Theo?“, fragte Skye irritiert.
    „Theodore. Theodore Nott. Du scheinst ja wirklich gar nichts mitzubekommen.“
    „Achso.“ Skye sah kurz zu Betty und Theodore Nott, die irgendwelche Zauber übten. „Jetzt bin ich ja wieder auf dem neusten Stand.“
    „Ziemlich zuvorkommend, nicht?“ fragte Jay dreist grinsend.
    „Unglaublich gändig, wirklich. Wollen wir jetzt eigentlich üben oder einfach nur rumsitzen?“
    „Rumsitzen.“ Jay lehnte sich extra weit zurück, um seinen Punkt zu verdeutlichen.
    „Na, wenn du das schon so sagst, dann können wir üben.“ Skye zückte ihren Zauberstab.
    Jay stöhnte. „Nein, wirklich. Ich bin ein hoffnungsloser Fall in Zauberkunst.“
    „Nun, dann hast du eben Glück, dass ich das nicht bin. Also, mit was willst du anfangen?“
    „Rumsitzen.“
    Skye wedelte energisch mit ihrem Zauberstab vor seiner Nase. „So läuft das bei mir nicht. Wir nehmen Engorgio. Leg los.“
    Mit aller Ruhe der Welt nahm Jay seinen eigenen Zauberstab in die Hand und schwang ihn zögerlich. Gespannt beobachtete Skye das Ganze.
    Engorgio“, sagte er halbherzig.
    Die Feder, auf die er gezielt hatte, zitterte ein wenig und wurde ein paar Millimeter größer.
    „Und?“, fragte Jay.
    „Du hattest recht“, antwortete Skye. „Erbärmlich. Du machst die Bewegung falsch.“ Geduldig führte sie die schleifenähnliche Bewegung vor. „Nochmal. Und versuch diesmal, weniger wie eine Schlaftablette zu klingen.“
    Jay - der zwar bei dem Wort „Schlaftablette“ etwas verwirrt aussah - nickte brav und hob erneut seinen Zauberstab.
    Engorgio!
    Diesmal klang er überzeugter und die Feder schwoll deutlich an.
    „Geht doch“, sagte Skye zufrieden.
    „Sehr gut, Mr Avery, sehr gut.“
    Jay, der zusammenzuckte, als Professor Flitwick vor ihrem Pult auftauchte, murmelte etwas von „Den sieht man auch nie kommen“ und schaute auf.
    „Danke, Sir“, sagte er höflich.
    „Fünf Punkte für Slytherin.“ Jays Augen weiteten sich überrascht. „Und fünf Punkte für Ravenclaw.“
    Skye grinste zufrieden. „Danke.“
    Während Professor Flitwick wieder zur nächsten Gruppe weiterging, machte Jay ein überraschtes Gesicht. „Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich in diesem Jahr Punkte bekommen habe. Die meisten Lehrer mögen mich nicht besonders.“
    „Warum nur?“ Diesmal war es Skye, die grinste und Jay machte einige drohende Gesten mit seinem Zauberstab.
    „Nimm dich in Acht“, warnte Jay streng, aber dennoch grinste er schief zurück.

    BILD: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

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    ((bold))((navy))Kapitel 8: HOGSMEADE((ebold))((enavy)) Gelangweilt stocherte Skye während dem Abendessen in ihrem Kartoffelpüree herum. Ihre Eltern

    Kapitel 8: HOGSMEADE

    Gelangweilt stocherte Skye während dem Abendessen in ihrem Kartoffelpüree herum. Ihre Eltern unterhielten sich angeregt, nur Skye war mit den Gedanken ganz woanders.
    Heute in der Schule hatte Alice im Musikunterricht beschlossen, dort von nun an neben Charlotte ihren Platz zu haben, und Skye wortwörtlich einfach sitzen gelassen. Zwar redete diese sich ein, dass sie das doch nicht zu interessieren brauchte, aber insgeheim tat es das doch irgendwie.
    „Skye?“
    Aufgeschreckt sah Skye auf. Ihr Vater schaute sie auffordernd an.
    „Was?“, fragte Skye kurz angebunden.
    „Ich wollte wissen, ob ihr schon die Noten für euer Französischprojekt bekommen habt.“
    „Achso.“ Skye wendete sich wieder ihrem Teller zu. „Nein.“
    Damit schien sich ihr Vater zufrieden zu geben und Skye schob wieder Bratwürstchen hin und her.
    Aber da schien auch ihrer Mutter etwas eingefallen zu sein. „Ich habe übrigens vor dem Waschen eine seltsame Münze in deiner Hosentasche gefunden“, teilte sie ihr mit. „Sie liegt noch auf dem Regal.“
    „Was?“ Geschockt machte Skye große Augen.
    „Wirklich eigenartig sah sie aus. Groß und golden, aber kein Spielzeuggeld. Ich wusste gar nicht, dass du so etwas besitzt.“
    Damit meinte Skyes Mutter natürlich eine Galleone, die Zaubererwährung. Skye hatte vollkommen vergessen, sie aus ihrer Hosentasche zu nehmen: Michael und sie hatten vor kurzem über ihre Noten in einem Aufsatz für Kräuterkunde gewettet und Skye war die glückliche Gewinnerin geworden.
    „Nun . . . die Münze ist von . . . Charlotte. . . also, ihrem Bruder“, stotterte Skye aufgeregt. „Er spielt immer diese Zaubererspiele und da gibt es diese Münzen.. Ich fand, sie . . . sahen cool aus.“
    Skye fiel schnell auf, wie schlecht diese Ausrede doch war, aber jetzt war sie schon aus ihrem Mund herausgepurzelt. Sowohl ihre Mutter, als auch ihr Vater, sahen sie verwirrt an.
    „Du kannst sie wegschmeißen, Mum“, sagte Skye schnell. „Ich wüsste eh nichts mit ihr anzufangen.“
    Dies zu sagen, tat Skye irgendwie weh, schließlich war das eine Galleone, die sie da verlor, aber sie wusste, dass ihr Geheimnis zu hüten noch viel teurer war.
    „Von solchen Spielen habe ich noch nie etwas gehört“, sagte Skyes Vater, aber dann schien es ihn doch nicht weiter zu interessieren, denn er zuckte mit den Schultern.
    „Sie sind auch recht neu. Und . . unbekannt. Weil sie so neu sind“, warf Skye noch schnell hinterher.
    Dann tat sie so, als hätte der unbändige Hunger sie nun auch gepackt und schaufelte sich Kartoffelpüree in den Mund.
    Zwar redeten ihre Eltern schon wieder über etwas anderes, aber Skye war trotzdem noch unangenehm heiß und das Kettchen des Zeitumkehrers schien sich unter ihrem Kragen nahezu in ihren Hals zu bohren.
    Skye kam der Zeitumkehrer plötzlich wie eine Last vor. Eine Last, wie auch ihr Geheimnis eine war und innerlich beschimpfte sie sich für diesen schrecklichen Hang zur Dramatik.

    Die Wochen bis zum lang ersehnten Halloween-Fest vergingen schnell, viel zu schnell. Skye war es zwar etwas peinlich, aber sie hatte die ganze Sache mit der Einverständniserklärung so lange aufgeschoben, wie sie konnte. Was hätte sie auch anderes tun sollen?
    Als dann Professor Flitwick seine Ravenclaws nach einer Zauberkunst-Stunde anwies, dass er die Zettel noch vor Halloween brauche, wurde Skye ganz nervös. Sie wollte unbedingt nach Hogsmeade und musste es sogar fast schon, denn schließlich hatte sie keinen guten Grund, nicht dorthin zu gehen. Und das letzte was sie wollte war, Padma und Betty misstrauisch werden zu lassen.
    Also fasste Skye nach dieser besagten Stunde Zauberkunst den Entschluss, Professor Flitwick endlich auf die Einverständniserklärung anzusprechen. Nachdem alle aus dem Klassenzimmer geschlendert waren und sie Betty und Padma gesagt hatte, sie würde etwas wegen der letzten Hausaufgabe fragen, schlich Skye also zögerlich zum Pult. Professor Flitwick bereitete schon etwas für seine nächste Stunde vor und nach kurzer Beobachtung nahm Skye tief Luft.
    „Professor?“
    Flitwick sah auf. „Ah, Miss Thomas. Was gibt es denn?“
    „Ich wollte noch etwas wegen Hogsmeade fragen.“ Skye musterte konzentriert den Boden, der plötzlich sehr interessant geworden war. „Also, die Einverständniserklärung. Es ist so: Ich kann sie nicht . . . so wirklich unterschreiben lassen.“
    Professor Flitwick nickte langsam und musterte Skye interessiert mit seinen clever blitzenden Augen. „Ich hörte davon. Der Schulleiter hat mir im vollsten Vertrauen etwas davon erzählt, um ehrlich zu sein. Den genauen Grund wollte er jedoch nicht preisgeben.“
    Skye nickte und in ihrem Inneren breitete sich warme, süßliche Erleichterung heraus. Natürlich hatte Professor Dumbledore alles schon geregelt. „Der ist auch nicht wichtig. Aber ich darf nach Hogsmeade, nicht?“
    „Ja“, bestätigte Professor Flitwick. Er schien es sich nicht anmerken lassen zu wollen, aber dennoch musterte er Skye überaus neugierig. „Natürlich möchte ich mich nicht einmischen, aber darf ich fragen, was das für ein mysteriöser Grund ist?“
    Zögerlich sah Skye auf. Dachte an das Geheimnis des Zeitumkehrers und an die Worte Dumbledores. „Es tut mir leid, aber die Sache ist sehr privat. Es weiß eigentlich niemand davon.“
    Das stimmte. Professor Dumbledore, Skye und seltsamerweise der Wildhüter Hagrid waren die einzigen, die von Skyes Geheimnis wussten. Obwohl, da waren noch andere: Der gefürchtete Du-Weißt-Schon-Wer, der der Auslöser für dieses ganze Schlamassel gewesen war. Und dann noch das Mädchen aus Hufflepuff, die Freundin von Skyes Großonkel, von der Dumbledore ihr einmal erzählt hatte. Aber Skye hatte keine Ahnung, wo diese lebte, geschweige denn, ob sie überhaupt noch lebte.
    „Ich verstehe“, meinte Professor Flitwick. Seine Neugierde schien er gut unter Kontrolle zu haben.
    „Danke, Sir.“
    Skye hatte es plötzlich sehr eilig, aus dem Klassenzimmer zu verschwinden. Eigentlich war sie eine gute Lügnerin, aber wenn jemand sie auf so etwas ansprach wurde sie direkt schwach. Hastig lief sie hinaus, bevor Professor Flitwick sie weiter befragen konnte.
    Von solchen Leuten habe ich schon genug, dachte Skye bitter.

    Und endlich war der Tag des ersten Ausflugs nach Hogsmeade gekommen: Skye konnte es gar nicht erwarten.
    Wieder einmal fiel ihr auf, wie wenig sie von der Welt der Zauberei doch wirklich kannte. Zwar war sie schon in der Winkelgasse und dem Zaubereiministerium gewesen, aber wenn Betty von irgendwelchen Krankenhäusern oder Ghoulen plapperte, konnte Skye nur mit verwirrter Miene zuhören.
    Also wurde es Zeit, diesen Umstand endlich zu ändern, und so spazierte sie nach dem Frühstück äußerst erwartungsvoll mit Betty und Padma in die Eingangshalle. Der Hausmeister Filch stand schon mit einer langen Liste in der Hand und so mürrisch wie immer vor dem Eingang. Misstrauisch hakte er die Namen der Schüler auf der Liste ab und Skye stellte fest, dass fast ganz Hogwarts vertreten zu sein schien.
    „Wir müssen auch noch in den Honigtopf“, bestimmte Betty. „Da gibt es tolle Süßigkeiten, hat Emma gesagt.“
    „Padma Patil“, sagte Padma gerade zu Filch, der sie kurz prüfend ansah und dann ihren Namen abhakte. „Gut, machen wir.“
    Betty trat als nächste vor und grinste Filch breit an, der bei ihrem Anblick seine lange Nase rümpfte. „Elizabeth Warrington.“
    „Skye Thomas“, sagte Skye nach ihr und für einen kurzen Augenblick hielt sie die Luft an.
    Was wäre, wenn Dumbledore das Ganze doch nicht geregelt hatte und ihr Name nicht auf der Liste stand?
    Aber diese Sorge war unbegründet: Filch nickte knapp, setzte hinter ihrem Namen einen Haken und Skye ging erleichtert weiter.
    „Hogsmeade, wir kommen“, frohlockte Betty und hakte sich bei Padma und Skye unter.
    Der Weg nach Hogsmeade war nicht besonders lang: Sie mussten einen kleinen, steinigen Weg entlanglaufen, der mit vielen Bäumen gesäumt war. Der Wind war für Oktober äußerst kühl und wenn ihnen bunte Blätter entgegenwehten, fröstelte Skye ein bisschen.
    Es dauerte nicht lange, da hatten sie endlich ihr Ziel erreicht.
    Hogsmeade war kein besonders großes Dörfchen, außer kleinen, bescheidenen Häuschen und bunten Schaufenstern sah man nicht viel. Es tummelten sich schon einige Schüler in den schmalen Gassen, von denen viele aufgeregt zu den Schaufenstern zeigten.
    Neugierig versuchte Skye einen Blick auf die Schaufenster zu erhaschen und durch einen kleinen Spalt zwischen den Köpfen zweier Gryffindors schaffte sie es endlich: An den Fenstern hingen überall Plakate, Suchplakate waren es, von denen ihr ein wahnsinniges, von filzigem Haar umrandetes Gesicht entgegenblickte. Sirius Black stand in fetten Lettern darunter.
    Skye ließ sich von Betty und Padma weitertreiben, die die zeigenden und redenden Schüler nicht beachteten. Padma erzählte Betty irgendetwas von Muggelkunde und Skye hörte stumm zu.
    In ihrem Kopf spukte das Gesicht Sirius Blacks herum, aber sie vertrieb diese Gedanken energisch. Bei all den Dementoren würde er es schließlich nicht wagen, in die Nähe von Hogwarts zu kommen.

    Nachdem sie auf Bettys Befehl hin einen Abstecher in Zonko‘s Scherzartikelladen gemacht hatten, an den Geschäften vorbeigeschlendert waren und sich sogar der Heulenden Hütte (in gebührendem Abstand) genährt hatten, waren sie von dem stechend kalten Oktoberwetter so verfroren, dass sie direkt auf die Drei Besen zusteuerten.
    Skye seufzte erleichtert als sie den den urigen Pub betraten. Er war gefüllt mit lachenden Zauberern und Hexen, zwar eng, aber angenehm warm und es roch nach süßlichem Karamell.
    Die Mädchen schnappten sich einen Tisch in einer gemütlichen Ecke und während Betty ihnen ein Butterbier organisierte, beobachtete Skye neugierig das Grüppchen Kobolde, die neben ihnen verschwörerisch miteinander tuschelten.
    Skye rieb zufrieden die Hände aneinander. „Dieses Butterbier, von dem Betty da geredet hat. Das ist doch nicht echtes, oder?“
    „Nein. Also, na ja, nicht so wirklich. Aber du wirst schon sehen, es schmeckt gut“, versicherte ihr Padma.
    Skye fühlte sich unweigerlich an die Sommerferien erinnert, in denen sie zusammen mit Terry, Michael und Bettys Cousin riesige Eisbecher verputzt hatten. Sie fragte sich, ob Keith Warrington es schon ins Slytherin-Team geschafft hatte; seit jenem Sommer hatte sie ihn weder gesehen noch etwas von ihm gehört, was Skye aber geradezu recht war.
    „Butterbier kommt“, krähte Betty, während sie drei Gläser eines dampfenden Getränks zu ihrem Tisch balancierte.
    Gespannt schnupperte Skye an ihrem. Es duftete süßlich und so gar nicht nach Bier, aber trotzdem blieb sie recht misstrauisch, während sie vorsichtig daran nippte.
    „Und“, fragte Betty.
    Skye überlegte. „Ganz gut eigentlich.“
    „Diese ganzen Suchplakate hier sind wirklich gruselig“, sagte Padma, die schon fleißig trank.
    „Genauso wie die Dementoren“, ergänzte Betty. „Das Ministerium lässt sie sicher auch hier in Hogsmeade herumspuken.“
    Es war erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit sie über die Dementoren redete. Es schien fast, als hätte Betty die Sache während der Zugfahrt schon wieder vergessen, aber Skye bezweifelte das. Schließlich hatte sie mit eigenen Augen gesehen, wie schlimm es ihrer Freundin ergangen war.
    „Ihr Zauberer seid echt seltsam. Seelenaussaugende Kreaturen in schwarzen Umhängen.“ Skye schüttelte den Kopf. „Komisch. Das klingt ja fast wie Snape.“
    „Sie sind aber um einiges wirksamer als diese seltsamen Muggel-Waffen“, sagte Betty schulterzuckend.
    „Pistolen“, verbesserte Padma sie.
    „Trotzdem“, meinte Skye. „So was auf Menschen loszulassen, da spinnt jemandem gewaltig.“
    „Ach, die haben Sirius Black schneller, als er, Askaban‘ sagen kann. Und dann kommt er im Handumdrehen dorthin zurück, ihr werdet schon sehen.“ Betty winkte ab und warf einen Blick zur Theke. „Schaut mal, die Kobolde zoffen sich mit der Wirtin.

    Nachdem die Drei lange in den Drei Besen gesessen und Butterbier getrunken hatten (Skye fand es nach mehreren Schlucken erschreckend gut), machten sie sich mit vollem Bauch wieder auf den Weg zurück nach Hogwarts. Mittlerweile dämmerte es schon und das Festmahl anlässlich Halloween würde bald beginnen, also beeilten sich die Drei.
    Nachdem Betty, Padma und Skye jedoch gemerkt hatten, dass sie von dem vielen Süßigkeiten aus dem Honigtopf und dem Butterbier keinen Hunger mehr hatten, stapften sie satt und zufrieden die Treppen zum Ravenclaw-Turm hinauf.
    Dort knisterte das Kaminfeuer schon flackernd vor sich hin und der Mond warf helle Strahlen auf die bronzenen Banner an den Wänden. Die Drei Mädchen ließen sich erschöpft auf die besten Plätze nah am Feuer fallen und für einen Moment herrschte Stille, denn alle mussten erst einmal durchatmen.
    „Ich liebe Hogsmeade“, stellte Padma fest.
    Skye stimmte stumm zu und sie war unendlich froh, dass Professor Dumbledore das Ganze mal wieder für sie geregelt hatte.
    Nach und nach füllte sich der Gemeinschaftsraum immer mehr, das Festessen war zu Ende und sowohl Erst- als auch Siebtklässler fläzten sich in die Sessel und Sofas.
    Fröhliches Geschwatze füllte den Gemeinschaftsraum, es war eine klare Nacht und die Sterne am Himmel passten zu denen an der Decke.
    Betty, Padma und Skye waren gerade bei der finalen und alles entscheidenden Runde Koboldstein, als die Tür des Gemeinschaftsraums aufging und der kleine Professor Flitwick zu hineintrat.
    „Was macht er denn hier?“, fragte Skye verwirrt und drehte sich neugierig um.
    Auch die anderen Schülern sahen ihren Hauslehrer fragend an, der einen besorgten Blick in die Runde warf und dann anfing in seiner quietschigen Stimme zu reden.
    „Es gab einen kleinen Zwischenfall, deswegen muss ich Sie leider bitten, in die Große Halle zu kommen“, erklärte er. „Dort warten auch schon die anderen Häuser. Machen Sie sich keine Sorgen, es ist nur aus vorsorglichen Sicherheitsgründen.“
    Betty, Padma und Ske warfen sich einen misstrauischen Blick zu und aufgeregtes Gemurmel füllte den Gemeinschaftsraum.
    „Umgehend, wenn ich bitten darf“, endete Professor Flitwick und seine Stimme hatte einen ungewöhnlich strengen Unterton.
    „Das klingt gar nicht gut“, sagte Betty leise.
    „Immer an Halloween, ist euch das aufgefallen?“ Skye warf den anderen beiden einen bedeutungsvollen Blick zu.
    „Aber so schlimm kann es doch nicht sei.“ Padma klang hoffnungsvoll. „Nicht zwei Jahre in Folge.“
    Skye erhob sich von dem knautschigen Sessel. Sie trug nur einen Pullover und plötzlich war ihr seltsam kalt. Schaudernd rieb sie sich die Arme und sah zu Betty und Padma.
    „Kommt. Wir müssen los.“

    BILD: Die Rosewood Grammar School

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    ((bold))((navy))Kapitel 9: VORURTEILE((ebold))((enavy)) Im Gänsemarsch liefen die Ravenclaws aufgeregt diskutierend die Treppen hinunter; auf den Gä

    Kapitel 9: VORURTEILE

    Im Gänsemarsch liefen die Ravenclaws aufgeregt diskutierend die Treppen hinunter; auf den Gängen begegneten sie den Hufflepuffs, die gerade von einem ihrer Vertrauensschüler zurechtgewiesen wurden. Als sie in der Großen Halle ankamen, warteten dort schon die Gryffindors auf sie und Professor McGonagall eilte mit gehetztem Blick zu Professor Flitwick.
    „Was ist da los?“, fragte Betty ratlos, doch niemand der Ravenclaws schien die Antwort zu wissen.
    Fast schön ängstlich drängten sich manche Mädchen zusammen und Betty, Padma und Skye warfen sich misstrauische Blicke zu. Die Decke der Großen Halle war dunkel und wolkenverhangen, der Mond tauchte das Ganze in ein gruselig silbernes Licht.
    Nach ihnen trudelten auch die Slytherins ein, die ebenso verwirrt aussahen wie die anderen Häuser. Skye entdeckte Jay in der Menge, der neben seinem dürren Freund Theodore Nott lief und mit einem rothaarigen Slytherin-Mädchen diskutierte.
    „Jay!“, rief Skye und machte ihn winkend auf sich aufmerksam, während sie sich in seine Richtung kämpfte.
    Für einen Moment sah er sich verwundert um, da entdeckte er Skye und löste sich aus der Slytherin-Gruppe.
    „Hat irgendjemand von euch eine Ahnung, was überhaupt los ist?“, fragte Skye.
    Jay zuckte mit den Schultern. „Nicht die geringste. Niemand.“
    Trotz der Aufregung um sie herum wirkte Jay ganz ruhig und Skye konnte nicht anders, als das zu bewundern. Er sah müde aus und sein schwarzes Haar war verstrubbelt. Ob er schon geschlafen hatte?
    Da erhob Professor Dumbledore, der bei den Gryffindors am anderen Ende der Halle stand. Seine Stimme schallte wie durch einen Verstärker durch die Große Halle und ließ alle verstummen.
    „Ich werde zusammen mit den anderen Lehrern das Schloss gründlich durchsuchen“, begann er.
    Professor Dumbledore klang ungewöhnlich ernst und befahl seinen Schülern, die Nacht aus „Sicherheitsgründen“ in der Großen Halle zu verbringen, während die Vertrauensschüler an den Eingängen Wache hielten.
    „Ach ja, Sie brauchen . . .“, endete er schließlich auf dem Weg zum Ausgang und ließ mit einem Schlenker seines Zauberstabs viele purpurrote Schlafsäcke erscheinen.
    Mit den Worten „Schlaft gut!“ rauschte der Schulleiter schließlich aus der Großen Halle und sofort begannen alle Schüler, aufgeregt zu reden.
    „Rote Schlafsäcke“, stellte Jay mit einem seltsamen Blick auf den Boden fest. „Professor Dumbledore hat wirklich eine Vorliebe für Gryffindors.“
    Skye wunderte sich über den bitteren Ton in seiner Stimme. „Ich dachte, du wärst ein vorurteilsloser Engel“, sagte sie. „Warum so verstimmt?“
    „Ständig werden sie vorgezogen. Ständig. Nur weil Harry Potter immer galant den Tag rettet.“
    „Na, besser so“, meinte Skye. „Ist mir lieber, als von einem Basilisken angeknabbert zu werden.“
    „Du konntest doch gar . . .“, begann Jay, stoppte dann aber abrupt ab und sah Skye überrascht an. „Warte. Du bist gar kein Halbblut?“
    Skye musste lachen. „Was? Hast du dir das nicht denken können? Ich bin ein Schlammblut wie es leibt und lebt.“
    Es war schwer, den Ausdruck in Jays Augen zu lesen. Er schien überrumpelt und starrte Skye eigenartig an. Aber nach einem kurzen Blinzeln war die Verwirrung in seinem Gesicht verflogen. „Ha, wusste ich gar nicht.“
    „Ich hoffe, das ist kein Anreiz für dich, mich gefesselt deinen Slytherin-Freunden auszuliefern“, sagte Skye mit säuerlichem Unterton.
    „Es ist eher ein Anreiz für mich, das mit den Vorurteilen noch einmal zu wiederholen“, antwortete er streng.
    „Ist ja gut, Mum.“ Skye verdrehte die Augen. „Deine Slytherin-Freunde starren übrigens schon.“
    Jay folgte ihrem Blick und sah zu Theodore Nott und Blaise Zabini hinüber, die wohl schon einen Schlafsack für ihn reserviert hatten.
    „Dann sollte ich mich wohl besser zu ihnen gesellen.“ Jay grinste. „Schöne Träume.“
    „Ebenso.“ Skye salutierte scherzhaft und lief dann in die entgegengesetzte Richtung, wo ihre Freundinnen auch schon einen Schlafsack für sie freihielten.
    „Da bist du ja, du Gnom“, sagte Betty und beförderte Skye mit einem Schubser zu ihrem Platz.
    „Ist das nicht der Slytherin, mit dem du neulich in Zauberkunst zusammengearbeitet hast?“, fragte Padma neugierig.
    „Ja.“ Skye nickte. „Jay heißt er übrigens.“
    Padma sah sie prüfend an und machte ein misstrauisches Gesicht. „Ich dachte, du hast es nicht so mit Slytherins.“
    Skye stutzte. So wie Padma das sagte, wirkte es geradezu anklagend.
    „Er ist ganz in Ordnung. Keine Angst, ich wechsele nicht zur dunklen Seite über. Die Welt ist schließlich auch nicht in Schwarz und Weiß unterteilt.“
    Das klang fast schon etwas patzig und Skye war irgendwie überrascht, als sie merkte, wie dumm diese Gut-und-Böse-Sache doch wirklich war.
    Betty, die die etwas geladene Stimmung direkt bemerkte, wechselte schnell das Thema. „Du hast das wahrscheinlich noch nicht mitbekommen, Skye, aber die Gryffindors haben erzählt, was los war. Das Porträt, das vor ihrem Gemeinschaftsraum hängt, wurde angegriffen und aufgeschlitzt.“
    „Was?“ Skye runzelte die Stirn. „Und alle glauben wahrscheinlich, das sei die Schuld von . . .-“
    „Sirius Black“, vervollständigte Betty ihren Satz.
    Skye ließ sich langsam auf ihren Schlafsack sinken. Der Rest der Schülerschaft war noch in wilder Aufruhr, niemand dachte schon ans Schlafen.
    „Er scheint im Schloss zu sein“, sagte Padma. Zwar klang sie noch etwas beleidigt, schien sich aber im Anbetracht der Lage ein wenig beruhigt zu haben.
    „Wir löschen jetzt die Lichter!“, hallte der laute Ruf Percy Weasleys durch die Große Halle. „Alle in die Schlafsäcke und kein Getuschel mehr!“
    Folgsam machten Betty, Padma und Skye es sich in den purpurroten Schlafsäcken gemütlich. Penelope Clearwater lief - ganz wie ihr Kollege aus Gryffindor - noch durch die Reihen der Ravenclaws und wies die, die noch miteinander redeten, streng zurecht.
    Die Kerzen waren erloschen und die Halle plötzlich stockdunkel. Betty lag zwischen ihr und Padma und Skye konnte auch Terry, Michael und Anthony leise neben sich flüstern hören.
    „Gute Nacht“, wisperte sie in Bettys Ohr die ihr als Antwort auf die Nase klopfte und dann kichern musste, weil sie die falsche Stelle getroffen hatte.
    Skye rollte sich schief grinsend auf den Rücken und sah hinauf zur Decke der Großen Halle, wo nun kleine Sterne zwischen großen Regenwolken glitzerten. Irgendjemand in der Nähe schnarchte laut und Skye wurde durch das gleichmäßige Atmen ihrer Nachbarn ganz schläfrig.
    Sie dachte an Padma und warum diese so ein Problem mit Jay hatte. Schließlich war er für einen Slytherin wirklich ganz akzeptabel. Skye konnte sich das nur schwer eingestehen, aber es schien wirklich so, als sei nicht jeder der Slytherins solch ein Idiot wie Draco Malfoy. Da war Tracey Davis, Theodore Nott, der auch nicht gerade böse wirkte, und natürlich Jay.
    Ravenclaws waren dafür bekannt, tolerant gegenüber allen Leuten zu sein - ob es nun scheinbar Verrückte wie Luna Lovegood oder andere ungewöhnliche Leute waren. Skye hatte diese Eigenschaft immer geschätzt und diesem Prinzip nachzueifern, dennoch war ihr nie aufgefallen, wie oft sie genau das Gegenteil davon tat. Ausgerechnet ein Slytherin hatte ihr das gezeigt.
    Und das war die Nacht, in der Skye Thomas beschloss, nie wieder Vorurteile zu haben.

    In den nächsten Tagen gab es in Hogwarts kein anderes Geprächsthema mehr, als der Anschlag auf das Gryffindor-Porträt: Eine seltsame Beunruhigung hatte sich breitgemacht und durch die Gerüchte, die ständig aufkamen, wusste man gar nicht mehr so wirklich, was nun eigentlich wahr war.
    Skye und Padma einigten sich schnell darauf, dass solche Streitereien wie am Halloween-Abend doch dumm seien und keine von ihnen erwähnte Jay noch mit einem Wort. Betty hatte das Ganze von Anfang an als unnötig befunden und so wurde das Kriegsbeil begraben und die Streitereien hinter sich gelassen. Für Skye war es zwar noch nicht ganz vorbei (ihre Meinung würde sie schließlich nicht plötzlich ändern), aber sie ließ sich nichts anmerken. Denn Streit mit den besten Freundinnen, das mochte wirklich niemand.
    Eine andere Nachricht, die in Hogwarts für viel Entsetzten (und unter den Slytherins für Freude) sorgte, war die des Einsetzen Snapes als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Eines Tages kam er mit wehendem Umhang in ihr Klassenzimmer gerauscht und kündigte an, Professor Lupin sei „krank“. Betty ging von Mord aus, Skye stimmte ihr zu, aber Padma hoffte einfach,
    Professor Lupin würde bald wieder auftauchen. Es ging schneller als erwartet, aber Verteidigung der dunklen Künste rutschte schnell auf Skyes Liste ihrer Lieblingsfächer nach unten zu Zaubertränke und Zaubereigeschichte. Sie konnte Snape, genauso wenig wie seinen Unterricht, aus tiefstem Herzen nicht leiden und musste ihn jetzt nicht nur in Zaubertränke, sondern auch Verteidigung gegen die dunklen Künste erleiden.
    Doch schnell vergaß sie ihren Hass auf Snape, denn etwas anderes stand an: Es war Quidditch, das erste Spiel der Ravenclaws gegen Hufflepuff.

    Das Ravenclaw-Team versammelte sich am Morgen des Spiels wie immer in der Umkleide, wo Roger Davies schon aufgeregt wartete. Er schien sichtbar Angst vor seinem ersten Spiel als Captain zu haben und wirkte nicht so entschlossen wie sonst.
    „Kopf hoch, Roger“, hatte Skye ihm mit einem Klaps auf den Rücken gesagt. „Du machst das schon.“
    Dass er sie und Cho zu einer Versöhnung gezwungen hatte, hatte Skye ihm mittlerweile auch wieder verziehen. Schließlich war das seine Pflicht gewesen und sie hätte an seiner Stelle wahrscheinlich das Gleiche getan.
    Skye ließ sich neben Randolph Burrow, den dritten Jäger im Bunde, auf eine Bank fallen. Auch Cho war schon da, sie unterhielt sich angeregt mit Grant Page. Der neue Treiber, Duncan Inglebee, schien recht schüchtern und ruhig zu sein . Damit war er das genaue Gegenteil von seinem Kollegen Jason Samuels, der ihm ohne Punkt und Komma von der Ovomancy, der Kunst, die Zukunft aus Eidottern zu lesen, erzählte.
    „Roger ist ganz schön aufgeregt“, flüsterte Burrow ihr zu.
    Skye nickte. „Ist schwer zu übersehen. Ich hoffe, er spielt trotzdem so gut wie immer.“
    Als schien Davies ihre Unterhaltung zu hören, räusperte er sich plötzlich und begann mit der Tradition: Einer kleinen Rede vor dem Spiel.
    „Nun, das ist nun unser erstes Spiel der Saison gegen Hufflepuff“, begann er. „Wir haben gute Chancen, denn die Hufflepuffs mussten schon vor einer Woche gegen die Gryffindors spielen und sind sicher etwas erschöpft . . .“
    Skye bezweifelte das, behielt es aber für sich und hörte einfach stumm zu. Sie musste zugeben, dass Davies das Schreiben von Reden noch etwas üben musste; sie waren bei weitem nicht so motivierend und hingebungsvoll wie die von Wright. Aber trotzdem klatschte sie am Ende besonders laut und sagte sich, dass das wohl jedem neuen Captain so gehen würde.
    Schließlich (nachdem auch Samuels Glückssocken von allen bewundert worden waren) marschierte die Ravenclaw-Mannschaft endlich aufs Feld, wo sie mit ohrenbetäubendem Jubel empfangen wurden. Die vielen bronzenen und blauen Fahnen der anderen auf den Tribünen waren für Skye jedes Mal ein weiterer Ansporn, alles zu geben.
    Die Hufflepuffs schienen genauso aufgeregt wie sie, zwar hatten sie das letzte Spiel gegen Gryffindor gewonnen, aber sie waren schlau genug, deswegen nicht hochmütig zu werden.
    Davies schüttelte Cedric Diggory, dem Captain der Hufflepuffs, die Hand und Diggory lächelte sogar ein wenig. Die beiden schienen sich zu kennen.
    Dann dirigierte Madam Hooch sie auf die Besen und unter dem lautem Geschrei der Zuschauer stiegen die vierzehn Spieler rasend schnell in die Luft.
    Skye musste unweigerlich an ihr erstes Spiel denken, das auch gegen Hufflepuff gewesen war. Damals war es überraschend abgebrochen worden, weil der Erbe Slytherins ein Opfer gefordert hatte. Skye erinnerte sich an ihre Aufregung und was Wright ihr damals gesagt hatte.
    Adler für den Cup.
    Das Spiel war schon wild im Gange, die Hufflepuffs hatten den Quaffel und Skye eilte hinterher, um ihren Teamkollegen zu helfen.
    Schnell wie der Wind passten sich die Hufflepuff-Jäger den Quaffel zu. Aber mit Skye, die von unten herangesaust kam, hatten sie nicht gerechnet.
    Es war fast lachhaft, so leicht konnte Skye ihnen den Quaffel wegschnappen und Burrow zupassen, der mit Davies in Richtung Tor flog. Sie erlaubte sich einen kurzen Blick nach oben, wo Cho wachsam über ihnen kreiste und da hallte schon Lee Jordans aufgeregte Stimme über das Feld.
    „Und hier haben wir das erste Tor für Ravenclaw!“, rief er.
    Das Stadion jubelte, blau-bronzene Fahnen wurden geschwenkt und dann ging es weiter.
    Die Hufflepuffs schien diese erste Niederlage geradezu anzutreiben. Die Treiber legten sich in einer ganz und gar Hufflepuff-untypischen Weise ins Zeug; Skye konnte einige Male den Klatschern nur knapp ausweichen. Sie legten sich so ins Zeug, das Hufflepuff bald schon in Führung lag und Davies, Burrow und Skye ziemlich ins Schwitzen kamen.
    „TOR FÜR RAVENCLAW!“, verkündete Lee Jordan gerade. „Aber ob das reichen wird? Hufflepuff liegt weiterhin in Führung!“
    Skye rümpfte missmutig die Nase, während sie Jordan zuhörte. Das erste Spiel der Saison zu verhauen, das war ein schlechtes Omen.
    Fast hätte sie vor lauter Nachdenken nicht mitbekommen, dass Davies ihr den Quaffel zuwarf. Dabei machte er eine unübersehbare Kopfbewegung in Richtung Tor. Skye wusste sofort, was das heißen sollte, schließlich hatten sie es so geübt und besprochen.
    Die Porskoff-Täuschung war Davies liebstes Täuschungsmanöver und da er nun Captain war, hatte er Burrow und Skye direkt darauf getrimmt.
    Skye nickte fast schon unmerklich mit dem Kopf und sauste dann los. Das alles geschah in höchstens einer Sekunde und sie hoffte, dass keiner der Hufflepuffs das Ganze bemerkt hatte. Burrow flog fast belanglos hinter ihr her, mit gebührendem Abstand, sodass niemand auf falsche Gedanken kam.
    Skye konzentrierte sich ganz auf den Hüter und sah extra zum rechten Torring hinüber. Es war schwierig, das so zu gestalten, dass der Gegner keinen Verdacht auf eine Täuschung schöpfte.
    Aber der Hufflepuff schien ahnungslos, Skye streckte die Hand wie zum Wurf und ihr Pferdeschwanz peitschte ihr unsanft ins Gesicht. Wie ein Blitz schoss sie auf die Torringe zu, aber im letzten Moment ließ sie den Quaffel einfach fallen.
    Skye sah nicht nach unten, aber sie wusste, dass Burrow dort auf sie wartete, und für einen kurzen Moment sah sie die Verwirrung in den Augen des Hufflepuffs.
    Aber es war zu spät, denn Burrow hatte den Quaffel elegant durch den linken Torring befördert.
    „TOR FÜR RAVENCLAW!“, brüllte Lee Jordan und Davies, Burrow und Skye grinsten sich zufrieden zu.
    Schon wollten sie weiterfliegen, aber da fing Jordan schon wieder an zu reden und diesmal klang seine Stimme aufgeregter, heiserer, als sonst.
    „Und direkt nach dem Tor ihrer Mannschaft macht sich Ravenclaw-Sucherin Chang auf in Richtung des Schnatzes! Diggory holt auf, er wird schneller und . . . überholt Chang!“
    Ein gequälter Aufseufzer ging durch die Menge und Skye starrte gebannt in die trüben Wolken, wo Cho und Cedric Diggory sich gerade das alles entscheidende Wettfliegen lieferten. Diggory war wirklich schneller, Cho schien sich sichtlich anstrengen zu müssen, um ihm hinterherzukommen.
    Der Schnatz machte einen Bogen nach unten und diesmal hatte Cho Glück. Sie konnte Diggory in die Bahn fliegen, der daraufhin bremsen musste.
    Und Cho schnappte sich den Goldenen Schnatz.
    „Chang hat den Schnatz gefangen!“, schrie Jordan ins Mikrofon. „Schauen wir mal auf den Punktestand . . . Zwar liegt Hufflepuff in Führung, aber . . .“ - alle hielten die Luft an - „RAVENCLAW GEWINNT!“
    Ohrenbetäubender Jubel brach auf den Tribünen der Ravenclaws aus. Auch die Mannschaft fiel sich vor Freude schreiend in die Arme, während das Team der Hufflepuffs langsam zu Boden flog.
    „Damit haben die nicht gerechnet“, frohlockte Samuels.
    „Man sollte sich eben nicht mit den Adlern anlegen“, sagte Page grinsend.
    Auch Cho stieß zu ihnen, die Faust fest um den Schnatz geballt und mit leuchtenden Augen. „Wir haben gewonnen!“
    „Dank dir.“ Davies warf ihr einen stolzen Blick zu.
    „Das war mein erster richtiger Schnatz.“ Cho grinste fröhlich in die Runde.
    Skye blieb stumm, sie war zwar froh über den Sieg, wollte Cho ihren Erfolg aber nicht so recht gönnen. Gemächlich flog die Mannschaft der Ravenclaws zu Boden, wo schon die Zuschauermassen zurück zum Schloss marschierten.
    „Diesen Diggory hast du weggeputzt“, sagte Samuels schadenfroh.
    Cho nickte zufrieden und wendete sich dann an Skye. „Er ist doch ganz süß, nicht?“
    Skye sah erstaunt in Chos dunkle Mandelaugen. „Warum fragst du mich das?“
    „Nur so.“ Cho zuckte mit den Schultern. „Gut gespielt übrigens. Tolle Porskoff-Täuschung.“
    „Die warf Rogers Idee“, warf Skye schnell ein. Dann blieb sie kurz stumm, denn irgendetwas in ihr wehrte sich gegen das, was sie jetzt von sich geben wollte. „Danke. Ebenso“, sagte sie schließlich und meinte es sogar.

    BILD: Die Übernachtung in der Großen Halle (Ja, ja, ich weiß, die Schlafsäcke sind auf dem Bild nicht rot, aber das ist die Schuld des Films, nicht meine)

    10
    ((bold))((navy))Kapitel 10: DER ANRUF((ebold))((enavy)) „Flitwick scheint wirklich Gefallen daran gefunden zu haben, uns in eine Gruppe zu stecken.

    Kapitel 10: DER ANRUF

    „Flitwick scheint wirklich Gefallen daran gefunden zu haben, uns in eine Gruppe zu stecken.“
    Skye zog eine Grimasse, während Jay das sagte. „Das liegt daran, dass er denkt, ich könnte dir in Zauberkunst helfen“, antwortete sie spitz.
    Jay grinste schelmisch. „Du klingst nicht besonders zuversichtlich.“
    „Bin ich auch nicht.“ Skye warf ihm einen herausfordernden Blick zu.
    Im Gegensatz zu Jay hatte sie ihre Bücher schon aufgeschlagen und die Feder bereit. Nachdem Professor Flitwick sie in der letzten Stunde Zauberkunst schon wieder in eine Gruppe gesteckt hatte (und das diesmal sogar für die Hausaufgabe), saßen sie jetzt zusammen in der Bibliothek und versuchten, die Aufgabe fertigzustellen. Also, Skye versuchte es.
    „Du könntest auch mal anfangen“, bemerkte sie.
    „Könnte ich.“ Zu Skyes Überraschung öffnete Jay wirklich sein Buch und kramte seine Feder hervor.
    „Ist ja unglaublich.“ Skye machte ein erstauntes Gesicht.
    „Oder?“, sagte Jay mit einem selbstzufriedenem Grinsen und blieb dann kurz stumm, bevor er Skye fragend ansah. „Was ist die Lösung für die erste Frage?“
    „Merlins Hintern“, antwortete Skye ungerührt.
    „Ach, komm schon“, bettelte Jay.
    „Ich sage dir nicht einfach die Lösungen.“ Skye verdeckte mit ihrem Arm das Pergament, bevor Jay einen Blick darauf erhaschen konnte.
    Er sah sie eindringlich an. „Ich kriege jeden dazu, alles für mich zu tun.“
    „Das funktioniert bei mir nicht“, erwiderte Skye belustigt.
    Alles.
    „Keine Chance.“
    „Schade.“ Jay lehnte sich wieder zurück und musterte gelangweilt eine Regalreihe über ihrem Tisch.
    „Ich glaube, eine gute Note in Zauberkunst könnte dir nicht schaden“, sagte Skye provozierend.
    „Wenn du mir die Lösung sagst, verrate ich dir ein Geheimnis“, schlug Jay vor, aber Skye bezweifelte das.
    „Zuerst das Geheimnis“, verlangte sie misstrauisch.
    „Oh nein.“ Jay machte ein Gesicht wie das eines professionellen Kaufmannes. „Ladies first.“
    „Na gut.“ Skye gab sich geschlagen. „Evanesco.“
    „Das dachte ich mir schon“, sagte Jay (Skye glaubte ihm das nicht so recht) und kritzelte die Antwort schnell auf das Pergament.
    „Jetzt dein Geheimnis“, forderte Skye.
    „Also gut. Das Passwort für den Slytherin-Gemeinschaftsraum ist,Tücke‘. “
    Skye machte großen Augen darüber, dass Jay es ihr wirklich verraten hatte. „Ehrlich?“
    „Schon.“ Jay grinste frech. „Aber die Passwörter ändern sich ständig.“
    Skye schob beleidigt die Unterlippe vor und warf den Kugelschreiber, den sie immer in einer Innentasche ihres Umhangs mit sich trug, nach Jay. „Du bist wirklich unglaublich.“
    „Danke, das sagen alle.“ Jay wich mit einem frechen Grinsen aus. „Keiner mag mich, aber alle lieben mich.“
    Darauf antwortete Skye nicht, aber sie kicherte hinter vorgehaltener Hand.
    „Machst du dich gerade über mich lustig?“ Jay warf ihr einen strengen Blick zu.
    „Nein.“
    „Sicher?“
    „Nein.“
    Skye musste bei Jays Gesicht wieder lachen, denn er zog eine Grimasse und tat so, als hätte ihre Antwort ihn schwer verletzt. Zwar hätte sie das zwar niemals freiwillig zugeben, aber Jay war eigentlich ziemlich lustig. Und obwohl er grottenschlecht in Zauberkunst war und ihr ein wenig abgehoben vorkam, konnte Skye gar nicht anders, als seinen Humor zu schätzen.

    Langsam wurden die Weihnachtsferien in beiden Dimensionen für Skye greifbar.
    In Rosewood rieselten ein paar Schneeflocken vom Himmel, die aber nichts verglichen mit denen von Hogwarts waren, die das Schloss in eine weiße Pulverschicht hüllten. Der Schrecken des Halloweenabends war verkraftet und wie es immer in Hogwarts war, redete mittlerweile fast niemand darüber.
    Kurz vor den lang ersehnten Ferien stand dann auch ein weihnachtlicher Besuch nach Hogsmeade an, bevor die meisten zu ihren Familien nach Hause fahren würden.
    Betty, Padma und Skye mussten sich dick einpacken, als sie nach Hogsmeade liefen; der eisige Wind zerrte an ihren Klamotten und Skyes Nase fühlte sich ganz abgefroren an, als sie endlich ankamen.
    Das Dorf war genauso verschneit wie Hogwarts, aber anlässlich des anstehenden Weihnachtsfests hingen Stechpalmzweige an den Schaufenstern und überall blinkten die Lichter magischer Kerzen.
    Nachdem Betty, Padma und Skye sich durch den Schneesturm gekämpft hatten, stellten sie sich beim Honigtopf unter, wo die warme, zuckrige Luft sie schnell aufwärmte.
    „Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Padma. „Bei so einem Unwetter . . .“
    Betty schien kurz zu überlegen und tippte sich nachdenklich ans Kinn, aber dann hellte ein schelmisches Grinsen, das Skye nur zu gut kannte, ihr Gesicht auf. „Ich habe eine Idee. Wie wäre es mit der Heulenden Hütte?“
    „Die Heulende Hütte?“ Padma machte ein schockiertes Gesicht. „Wie kommst du denn darauf?“
    „Nervenkitzel“, sagte Betty grinsend.
    „Wir waren doch schon da“, protestierte Padma.
    „Na ja, als, da waren‘ kann man das nicht bezeichnen. Wir haben mit etwa einer Meile Abstand einen Blick darauf geworfen.“
    „Jetzt übertreibst du aber.“ Padma machte ein beleidigtes Gesicht.
    „Ach, komm schon Padma“, mischte jetzt auch Skye sich ein. „Ich wette, diese ganzen Spukgeschichten sind gelogen.“
    „Richtig so.“ Betty warf Skye einen verschwörerischen Blick zu. „Jeder sollte mal da gewesen sein.“
    Padma seufzte ergeben. „Na gut. Aber nur kurz.“
    Mit einem triumphierendem Blick, Skye und der beunruhigten Padma im Schlepptau stapfte Betty los in Richtung Dorfrand. Schon bald kam die Heulende Hütte in Sicht, das kleine, windschiefe Häuschen mit den zugenagelten Brettern und abblätternder Farbe war nicht zu übersehen. Es stand auf einem leeren, eingezäunten Feld und war der einzige farbige Klecks inmitten riesiger Schneemassen.
    „Näher sollten wir auch nicht rangehen“, sagte Padma und rieb sich zitternd die Arme. Skye wusste nicht, ob das vor Angst oder Kälte war.
    „Ach, Padma. Du bist ja echt schlimm.“ Betty verdrehte die Augen und zerrte Padma an ihrem Schal näher zur Hütte. „Siehst du, hier ist doch gar nichts.“
    Skye lief ihnen mit den Händen in der Jackentasche vergraben hinterher. „Besonders gruselig schaut das aber nicht aus.“
    „Wir sind ja auch nicht drinnen“, sagte Padma mit säuerlicher Stimme.
    „Gute Idee.“ Betty klopfte ihr auf die Schulter. „Wie man da wohl reinkommt?“
    Padma wimmerte ein wenig und Skye grinste belustigt, während sie die Heulende Hütte neugierig musterte. Eigentlich sah sie wie ein ganz normales Holzhäuschen aus; vielleicht ein bisschen heruntergekommen, aber sonst nicht gerade so, als würden dort Geister herumspuken.
    Aber da sah sie es: Eine kleine Bewegung. Ein Schatten schien um die Ecke zu huschen; es war eine Person, groß und stämmig, die sich jedoch bückte und nur durch die unablässig fallenden Schneeflocken verdeckt wurde.
    „Leute . . .“, sagte Skye unsicher und zeigte auf die Hauswand. „Seht ihr das auch?“
    „Was?“, wollte Betty neugierig wissen und folgte Skyes Finger.
    „Da war gerade jemand. Er ist um die Ecke verschwunden.“
    „Wir sollten weg von hier“, flüsterte Padma angsterfüllt.
    „Ich will wissen, wer das war.“ Bettys Augen blitzen entschlossen.
    Alle drei Mädchen sahen wie gebannt zur Hütte hinauf. Die Person schien verschwunden zu sein, aber plötzlich lugte etwas anderes hinter der Ecke hervor. Schwarzes Fell, ein großes Maul und leuchtende Augen sahen Skye für einen Moment an.
    „Da!“, sagte sie aufgeregt und deutete wie wild auf den Hund.
    Aber da war er auch wieder weg; er schien sich versteckt zu haben, als hätte er Skye gehört. Aber diesmal hatten Betty und Padma, die wieder leise wimmerte, den Hund auch gesehen.
    Betty schnappte nach Luft. „Das ist der Grimm!“
    „Der Grimm?“, fragte Skye verwundert, aber Padma schien verstanden zu haben, was Betty da sagen wollte, und sie machte große Augen.
    „Wir müssen hier weg!“, flüsterte sie hastig.
    Und bevor Skye noch etwas sagen konnte, raste Padma Hals über Kopf los. Seltsamerweise folgte Betty ihr sofort und da Skye nicht alleine zurückbleiben wollte, rannte sie hinterher.
    Der Weg zurück ins Zentrum Hogsmeades war nicht besonders lang, aber durch hohen Schnee zu rennen, war anstrengender als gedacht. Padma und Betty wirkten wie von der Tarantel gestochen und es schien ihnen gar nichts auszumachen, dass der nasse Schnee ihnen ins Gesicht schlug und der Wind an ihren Haaren zerrte.
    Als sie endlich vor den Drei Besen angekommen waren, schwitzte Skye unter ihren warmen Winterklamotten und lehnte sich keuchend an die Wand. In Padmas Gesicht stand noch immer die Angst und auch Betty wirkte ziemlich beunruhigt.
    „Was war dieser . . . Grimm?“, fragte Skye, als sie sich wieder etwas beruhigt hatte.
    „Er ist das Zeichen für den Tod“, erklärte Betty ganz ernsthaft.
    „Und Unglück“, ergänzte Padma.
    Skye konnte nicht anders als zu lachen. „Besonders tot sehen wir aber noch nicht aus.“
    „Das haben wir in Wahrsagen gemacht.“ Padma sah sichtlich schockiert darüber aus, dass Skye das so lustig fand.
    „Und deswegen seid ihr wie verrückt losgerannt?“
    Skye konnte sich nicht vorstellen, dass diese Grimm-Sache wirklich wahr war. Ihr ganzes Leben war sie mit dem Wissen aufgewachsen, dass Hellseherei und Esoterik Quatsch war. Der „Grimm“ war wahrscheinlich nur ein streunender Hund.
    „Lieber nichts riskieren.“ Betty grinste schon wieder.
    „Na wunderbar“, lachte Skye. „Dann lasst uns doch ein Butterbier auf unser anstehendes Unglück trinken.“

    Es war ein Dienstag, an dem der Anruf kam. Skyes Mutter war gerade dabei gewesen, das Abendessen vorzubereiten, da hatte das Telefon geklingelt. Sie hatte der Person am anderen Ende der Leitung lange stumm zugehört und das erste, was sie sagte war: „Was?
    Skye horchte bei diesem panischen und ungläubigen Ton in der Stimme ihrer Mutter auf und schloss langsam ihr Buch.
    „Gut, danke . . .“, sagte ihre Mutter gerade ins Telefon. „Ich komme so bald wie möglich.“
    Dann legte sie auf und sah für einen Moment mit leerem Blick aus dem Fenster in das regnerische Unwetter.
    „Was ist Mum?“, fragte Skye unsicher.
    Ihre Mutter lief langsam zum Sofa und ließ sich neben Skye fallen. Die Hände krallte sie in ihr braunes Haar und vermied es, Skye anzusehen.
    „Pack deine Sachen, Schatz. Wir fahren morgen nach Salisbury. Deine Tante Susan hatte einen schweren Autounfall.“
    Skyes Augen weiteten sich überrascht. Ihre scheinbar so unerschütterliche Tante einen Unfall? Sie wollte das nicht glauben.
    „Bald ist Weihnachten“, sagte Skye und sie klang fast schon etwas verzweifelt.
    „Ich weiß, Skye.“ Ihre Mutter strich ihr liebevoll übers Haar. „Aber das ist sehr dringend. Susan liegt ihm Krankenhaus und wir müssen ihr jetzt beistehen. Schließlich bin ich ihre Schwester.“
    „Und Dad?“
    „Der kommt natürlich auch mit. Gleich, wenn er vom Lacrosse zurückkommt, sage ich es ihm.“
    Skye nickte stumm. Diese Nachricht hatte sie vollkommen überrumpelt und sie wusste nicht, was sie fühlen sollte. Tante Susan lebte noch, wenigstens das war ein Lichtblick.
    Aber sonst, sonst war das Ganze das schlimmste Weihnachtsgeschenk in der Geschichte der Menschheit.

    BILD: Die Heulende Hütte

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    ((bold))((navy))Kapitel 11: WEIHNACHTEN IN SALISBURY((ebold))((enavy)) Die Fahrt nach Salisbury dauerte nicht besonders lange, knapp eine Stunde, aber

    Kapitel 11: WEIHNACHTEN IN SALISBURY

    Die Fahrt nach Salisbury dauerte nicht besonders lange, knapp eine Stunde, aber trotzdem hatte Skyes Mutter darauf bestanden, dort zu übernachten.
    „Dann müssen wir nicht ständig so eine weite Strecke fahren“, hatte sie gesagt.
    Zu allem Übel bezogen sie Tante Susans Haus, das nun leer stand und in dem eine seltsame Atmosphäre herrschte, so ganz ohne ihre Bewohnerin. Skye bekam das Gästezimmer, in dem sie immer schlief, wenn sie zu Besuch war, und ihre Eltern machten es sich auf dem ausziehbaren Sofa im Wohnzimmer gemütlich.
    Nicht lange nach ihrer Ankunft machten sich die Drei auf ins Salisbury District Hospital, wo ein ernst dreinblickender Oberarzt sie empfing. Skye sagte kein Wort, während sie durch die leeren Flure liefen, die von unangenehm hellen Strahlern erleuchtet wurden. Ihre Eltern redeten leise mit dem grauhaarigen Arzt, der sie zielsicher durch die verwirrenden Gänge der riesigen Klinik führte.
    Schließlich waren sie vor Tante Susans Zimmer angekommen („Ihre Schwester hat Glück“, erklärte der Arzt. „Sie hat das Zimmer ganz für sich, der andere Patient wurde vor kurzem in eine neue Station verlegt.“) und Skye war ganz aufgeregt. Zwar fühlte sie sich schlecht deswegen, aber sie wusste nicht, was sie ihrer Tante sagen sollte. Ob Susan überhaupt noch die Alte war?
    Aber diese Sorge war unbegründet, denn als Skye und ihre Eltern ins Zimmer traten, begrüßte Tante Susan sie so fröhlich wie immer. Ganz eingesunken lag sie auf dem klinisch weißen Bett, sie war an tausende leise ratternde Maschinen angeschlossen und musste sogar ein seltsames Atemgerät tragen, das Skye nur aus Filmen kannte.
    Sie hielt sich unauffällig im Hintergrund, während ihre Eltern Tante Susan begrüßten und so vorsichtig drückten, als könnte sie gleich zerbrechen. Skye fiel das direkt auf, genauso wie die zittrigen Hände und blutunterlaufenen Augen ihrer Tante, das ängstliche Gesicht ihrer Mutter und die seltsame Stimmung, die in dem Krankenzimmer herrschte.
    Angestrengt redeten die Vier über Belanglose Dinge und Skye wollte nichts als raus, raus aus diesem Krankenhaus, raus aus Salisbury und nach Hause. Raus aus dem Traum, in dem Tante Susan einen schweren Autounfall gehabt hatte und nun schwach und zittrig in einem Krankenbett lag.
    Die beiden waren nie besonders eng miteinander gewesen; Skye hatte zwar öfter ihre Ferien bei ihr verbracht, aber eine besondere Beziehung war dadurch nicht entstanden. Es war, als würde eine Fremde da im Bett liegen und Skye hatte sich noch nie so fehl am Platz gefühlt.

    Und dann, dann war Weihnachten endlich gekommen. Das einzige, das vermochte, Skye von ihrer Tante abzulenken, war Hogwarts und die Aussicht auf das üppige Festmahl.
    Wie in jedem Jahr waren Betty und Padma über die Ferien bei ihren Familien und Skye genoss den Luxus eines vollkommen leeren Schlafsaals. Sie hatte es sich auf Bettys Bett gemütlich gemacht - die den besten Platz direkt am Fenster hatte - und als sie am Weihnachtsmorgen aufwachte, war so angenehm ruhig und friedlich wie schon lange nicht mehr.
    Natürlich warteten auch schon Geschenke am Fußende des Bettes und Skye stürzte erwartungsvoll zu ihnen. Jedes Jahr waren es zwei Geschenke, von Padma und von Betty; das könnte man als wenig bezeichnen, aber Skye machte das nichts aus - schließlich hatte sie keine Verwandten in der primären Dimension.
    Von Padma bekam sie ein hübsches Notizbuch, in Leder gebunden und mit einem aus Bronze gegossenen Ravenclaw-Wappen auf der Vorderseite. Angeblich ließ es Hineingeschriebenes verschwinden und nur der Besitzer konnte es wieder auftauchen lassen.
    Bettys Geschenk war klein und mit viel Paketband umwickelt und als Skye es auspackte, kam eine unscheinbare Spieluhr zum Vorschein, die sich jedoch öffnete, als Skye sie aufzog. Eine sanfte Melodie erklang, während eine kleine Hexe mit wehendem Umhang auf einem Besen über der Spieluhr kreiste. Vorsichtig stellte Skye das Geschenk auf ihr Nachtschränkchen, wo die Miniaturhexe unermüdlich weiterflog.
    Es war schon so spät, dass Terry - der wie in jedem Jahr auch in Hogwarts blieb - und Skye sich schon bald auf den Weg zur Großen Halle machten. Sie waren die einzigen Ravenclaws, die in diesem Jahr in Hogwarts blieben (Skye vermutete, dass das wegen Sirius Black war) und so waren sie auch nur milde überrascht, als in der Großen Halle ebenso wenig Schüler saßen.
    Die vier Haustische waren durch einen ersetzt worden, auf dem nur zwölf Gedecke lagen. Sogar die Hauslehrer, sowie Professor Dumbledore und der sogar an Weihnachten grimmig dreinblickende Hausmeister Filch, saßen dort und unterhielten sich munter, während ein winziger Erstklässler, der ziemlich aufgeregt schien, neben Dumbledore saß und so aussah, als würde er sich gleich in die Hose machen.
    „Fröhliche Weihnachten!“, begrüßte Professor Dumbledore sie fröhlich, während Terry und Skye gegenüber von Professor Flitwick Platz nahmen.
    Skye grinste ihm freundlich zu, während Terry so eingeschüchtert von Dumbledore schien, dass er nur verhalten nickte.
    „Ich wusste gar nicht, dass nurnoch so wenige in Hogwarts sind . . .“, flüsterte Terry Skye zu.
    „Ich sag ja“, erwiderte diese ebenso leise. „Sirius Black.“
    Nicht viel später trudelten Harry, Ron und Hermine ein, die von Dumbledore ebenso freundlich begrüßt wurden und sich dann ans Ende des Tisches setzten. Irgendwas schien los zu sein, Ron und Hermine schwiegen sich an und Harry war mit den Gedanken ganz woanders. Aber Skye wunderte sich nicht sonderlich darüber, denn bei den Drei war schließlich immer irgendetwas los.
    Nachdem Professor Dumbledore (der Weihnachten wirklich zu lieben schien) an einem Knallbonbon gezogen und sich einen hässlichen Hut mit Geier darauf aufgesetzt hatte, eröffnete er endlich das Festmahl. Skye war schon ziemlich hungrig, also schaufelte sie sich das viele Essen mit beträchtlicher Geschwindigkeit in den Mund.
    Aber es verging nicht viel Zeit, da schneite eine eigenartige Frau in die Große Halle und alle sahen überrascht auf.
    Die Frau hatte wildes Haar und trug eine seltsame Brille, die ihre Augen viel zu groß erscheinen ließ. Auch ihr Kleid war gewöhnungsbedürftig: Ein grün-silberner Tüllhaufen, der sogar für die Zaubererwelt ausgefallen war.
    „Wer ist das?“, fragte Skye leise, während sie sich das Lachen nur schwer verkneifen konnte. Die Frau sah wirklich urkomisch aus.
    Auch Terry war ganz rot geworden vor unterdrücktem Lachen. „Professor Trelawney, die Lehrerin für Wahrsagen.“
    Skye konnte sich wirklich gut vorstellen, wie Professor Trelawney in einem von Tüchern verhüllten Raum saß und unter den würzigen Dämpfen seltsamer Hölzer aus einer Kristallkugel las. So etwas kannte sie von Muggeln nur zu gut, aber dort waren diese Hellseher ziemliche Hochstapler.
    „Ich wage es nicht, Direktor! Wenn ich mich dazusetzte, sind wir dreizehn! Nichts bringt mehr Unglück! Vergessen Sie nie, wenn dreizehn am Tisch sitzen, wird der Erste, der sich erhebt, sterben!“, verkündete Professor Trelawney gerade mit rauchiger Stimme.
    Skye fand das ziemlich respektlos, schließlich hatte Professor Dumbledore ihr extra einen Stuhl herbeigezaubert. Auch Professor McGonagall wirkte ziemlich genervt von der seltsamen Lehrerin.
    „Die ist wirklich komisch“, kommentierte Skye, während Professor Trelawney sich mit theatralischem Gesicht setzte.
    Terry kicherte. „Du solltest sie mal in Wahrsagen erleben. Ihrer Meinung nach wird Harry Potter bald sterben. Oh, der Grimm! Ich sehe den Grimm!“, sagte er mit verzweifelter Stimme und kam Professor Trelawney damit ziemlich nahe.
    „Der Grimm?“, fragte Skye neugierig. „Davon haben Betty und Padma auch schon etwas erzählt. Irgendsoein seltsames Omen.“
    „Ach, ich glaube eh nicht an so was. Ehrlich gesagt habe ich nur Wahrsagen genommen, weil Alte Runen und Arithmantik nicht gerade besonders spannend klingen.“
    Während Skye sich Grillwürstchen auftat und mit einem Ohr Professor Trelawney und Professor McGonagall zuhörte, wie sie sich zankten, dachte sie nach. Vielleicht war die Wahrsagerei in der Zaubererwelt gar nicht so ein Stuss wie in ihrer? Hatte der Grimm womöglich doch eine Bedeutung?
    „Ich habe ihn gesehen“, sagte Skye zu Terry.
    „Wen?“
    „Den Grimm. Als wir in Hogsmeade waren. Also, Betty, Padma und ich.“
    „Echt jetzt?“ Terry machte große Augen.
    „Ja“, sagte Skye und nickte. „Aber eigentlich glaube ich nicht an solchen Kram.“
    „Würde ich auch nicht. Das war wahrscheinlich nur ein Hund oder so. Oder ihr habt halluziniert. Zu viel Butterbier?“
    „Wahrscheinlich“, sagte Skye überzeugt, selbst wenn sie sich gerade gar nicht so sicher war.
    Aber als sie zu den anderen sah, merkte sie, wie Professor Trelwany sie mit einem eigenartigen Blick aus ihren Libellenaugen musterte.

    Das Fest in Hogwarts hatte Skye zwar gereicht, aber natürlich musste sie auch dem in der sekundären Dimension beiwohnen.
    Da Tante Susan im Krankenhaus bleiben musste, beschlossen Skyes Eltern, dass die Weihnachtsfeier dorthin verlegt werden solle. Also schleppten sie am Weihnachtsmorgen Geschenke und Dekorationen in Tante Susans Krankenzimmer. Skyes Mutter hatte irgendwo einen Plum Pudding aufgetrieben und im Krankenhaus gab es an dem Tag Truthahn, also war Susan mittendrin im Geschehen.
    Skye konnte sich über ihre Geschenke zwar nicht so ganz freuen, rang sich aber ein dankbares Lächeln ab und machte auch fleißig mit, als sie Weihnachtslieder sangen.
    „Danke ihr Lieben“, sagte Tante Susan mit wässrigen Augen, nachdem sie geendet hatten. „Das war wirklich nicht nötig gewesen.“
    „Oh doch“, sagte Mum streng und umarmte ihre Schwester vorsichtig.
    Skye saß auf einem Stuhl neben dem Bett und spielte an ihrem Kleid herum.
    Sie hasste Krankenhäuser.
    Das ganze gezwungen hygienische Weiß machte ihr Angst. Die klirrende Stille und die ernsten Gesichter der Ärzte. Da konnten auch die bunten Kugel, die Mum mitgebracht hatte, nicht viel ausrichten.
    „Wir sind einmal kurz weg“, sagte Skyes Mutter plötzlich mit einem tapferen Lächeln. „Der Oberarzt wollte für einen Moment mit uns reden. Skye wird bei dir bleiben.“
    Skye, die nicht damit gerechnet hatte, sah mit großen Augen zu ihren Eltern hoch. Ihre Mutter erhob sich und Skyes Dad, der ihr ermutigend zugrinste, tat es ihr gleich.
    „Was der Arzt ihnen wohl sagen will?“, fragte Tante Susan mit einem müden Lächeln, sobald die Tür hinter Skyes Eltern zufiel.
    „Ich weiß es nicht“, antwortete Skye wahrheitsgemäß.
    „Oh, ich aber.“ Tante Susan lachte, fing dann aber an zu husten und musste nach Luft schnappen. „Der Arzt hat es mir auch schon gesagt. Seltsam sind diese Ärzte, nicht? In ihren weißen Kitteln und mit dem stets grimmigen Blick.“
    „Was hat er denn gesagt?“ Nun war Skyes Neugier geweckt.
    „Nun, bei meinem Unfall“, begann Tante Susan, „da bin ich wirklich schlecht weggekommen. So weit seid ihr in der Schule wahrscheinlich noch nicht, aber ein Teil meines Herzens wurde beschädigt. Die Ärzte konnten es nur notdürftig flicken, die richtige Operation ist äußerst kompliziert . . . Du siehst ja, ich stehe ständig unter Beobachtung.“
    Skye verstand sofort, was ihre Tante ihr sagen sollte. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, alles klang in diesem Moment irgendwie falsch.
    „Wahrscheinlich wollte der Arzt das nicht vor dir sagen . . . Aber was soll‘s, auch du hast das Recht um mich zu wissen, Skye.“
    Für einen Moment blieb Skye stumm und starrte auf den weißen Kachelboden. „Das wird schon wieder.“
    Ihre Tante antwortete nicht und lächelte schwach. „Aber genug zu mir, nicht? Wie geht es dir? Wir haben uns lange nicht mehr gesehen.“
    „Gut“, sagte Skye etwas widerwillig.
    „Und deine Freunde? Alice hieß die eine doch, nicht wahr?“
    „Ja. Aber . . . Alice und ich sind nicht mehr so eng.“
    „So ist das manchmal in eurem Alter. Ich kann dich gut verstehen“, antwortete Tante Susan beschwichtigend.
    Das bezweifelte Skye. Niemand verstand sie so wirklich, nicht ihre Tante, nicht ihre Eltern und auch nicht ihre Freunde. Das mit dem Zeitumkehrer, das war allein ihre Sache.
    In diesem Moment hätte sie Tante Susan am liebsten alles davon erzählt. Ihr ihr Herz ausgeschüttet. Aber das ging nicht. Oder?
    Es kam Skye brutal vor, aber wenn das stimmte, was der Arzt gesagt hatte, dann wäre das ihre Chance, sich alles von der Seele zu sprechen.
    „Da ist noch etwas, was ich dir sagen wollte“, sagte Skye zögerlich. „Eigentlich darf niemand davon wissen und du wirst mir wahrscheinlich gar nicht glauben. Aber ich muss es jemandem erzählen, ich muss.“
    Tante Susan sah sie wachsam an. Ihre Augen hatten den selben Grünton wie die Bäume, die Skye durch das Fenster sehen konnte. „Du kannst mir vertrauen, Skye. Erzähle es mir.“
    Und Skye erzählte: Plötzlich sprudelte alles aus ihr heraus wie ein Wasserfall. Ein unendlicher, reißender Wasserfall von Geheimnissen. Skye erzählte ihrer Tante alles. Von dem Zeitumkehrer, Edward Thomas, Hogwarts, ihren Lügen, der Zauberei und ihren ersten zwei Schuljahren in der primären Dimension. Und ihre Tante unterbrach sie kein einziges Mal.
    Nachdem sie geendet hatte, schwieg Tante Susan für einen Moment. Sie schien überrumpelt, aber in ihrem Gesicht stand kein Unglaube.
    „Also, dass ich das richtig verstanden habe“, fragte sie nachdenklich. „Du bist nicht nur eine Hexe, sondern so was wie eine Erbin des Onkels deines Vaters? Und führst zwei Leben gleichzeitig, als wäre nichts dabei?“
    „Ja.“ Skye nickte. „Ich weiß, das klingt verrückt.“
    Tante Susan schmunzelte. „Zu verrückt, um deiner Fantasie zu entspringen. Und deine Freundinnen dort, Betty und Padma, die sind wie du?“
    „Wie ich“, bestätigte Skye. „Beides Hexen. Betty stammt aus einer Familie, in der es nur Zauberer gibt. Sie lebt auf einem riesigen, magischen Anwesen, und da gibt es sogar eine Meerjungfrau.
    Padam ist ein Halbblut: Ihre Mutter ist eine Hexe, ihr Vater aber wie Mum und Dad und du. Ein Muggel.“
    Tante Susan bettete den Kopf auf ihr Kissen. „Ich weiß nicht warum, aber irgendwie macht mich das traurig. Jetzt, in solch einer Situation, erfahre ich von einer wundervollen Welt, die wie aus einem Traum klingt. Und bin kein Teil von ihr.“ Sie schwieg kurz. „Was denkst du Skye, was wäre wohl mein Haus in Hogwarts?“
    Skye zuckte mit den Schultern. „Das weiß ich nicht. Da musst du den Sprechenden Hut fragen.“
    „Und dieser Junge, von dem du erzählt hast, der ist in Sytherslin?“
    „Slytherin“, korrigierte Skye. „Er heißt Jay. Obwohl ich ich ehrlich gesagt nicht besonders viel über ihn weiß. Aber er ist in Ordnung.“
    Plötzlich richtete Tante Susan sich aufgeregt auf. „Denkst du, du könntest etwas für mich zaubern?“, fragte sie begeistert.
    Skye warf einen unsicheren Blick zur Tür. „Aber wir müssen aufpassen, dass Mum und Dad nicht plötzlich reinkommen. Du darfst ihnen nichts davon erzählen. Nichts.“
    „Ich schwöre es dir.“ Tante Susan schien es ernst zu sein, sie hielt die beiden Schwurfinger hoch. „Niemand wird davon erfahren. Aber nun zauber schon was, los. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.“
    Skye seufzte ergeben. Sie wollte Tante Susan diesen Wunsch nicht ausschlagen und zog deshalb ihren Zauberstab unter ihrem Kleid hervor.
    „Das ist dein Zauberstab?“, fragte Susan neugierig.
    „Ja.“ Skye nickte zustimmend. „Ohne ihn könnte ich gar nichts. Er hat mich ganz allein erwähnt.“ Dabei klang sie ziemlich stolz. „Also, ich kann noch nicht besonders viel, weil ich erst Drittklässlerin bin, aber das ist ein äußerst nützlicher Zauber, wenn man in Not ist.“
    Unter dem aufgeregten Blick ihrer Tante räusperte Skye sich und streckte den Zauberstab aus.
    Periculum!“, sagte sie deutlich und ließ ihren Zauberstab nach oben schnipsen.
    Rubinrote Funken stoben aus der Spitze. Sie schossen zur Decke, und weil sie dort nicht weiter konnten, verteilten sie sich im ganzen Raum. Es sah aus wie ein winziges Feuerwerk, das jedoch keinen Ton von sich gab.
    Tante Susan klatschte begeistert in die Hände und jubelte wie ein kleines Mädchen. „Das ist unglaublich, Skye! Du kannst zaubern! Zaubern! Ich bin wirklich neidisch.“
    Skye ließ die Funken mit einem weiteren Schnisper wieder verschwinden und grinste dann beschämt. „Weißt du, in der primären Dimension darf ich außerhalb von Hogwarts gar nicht zaubern. Aber hier bemerkt das Ministerium das nicht.“
    Ihre Tante drückte Skye fest an sich. „Danke, dass du mir das alles
    erzählt hast. Ich weiß, dass du deinem Großonkel alle Ehre machen wirst!“
    Dabei klang sie so überzeugt, dass es Skye ziemlich rührte. Ihre Tante glaubte mehr an sie, als sie selbst.
    „Ich hoffe es.“
    Skye konnte gar nicht sagen, wie gut es getan hatte, sich nach zwei Jahren alles von der Seele zu reden. Ihre Tante war so begeistert gewesen, dass Skye erstmals wieder bemerkte, wie froh sie eigentlich sein konnte, Hogwarts und die Zauberei zu haben. Es fühlte sich so an, als wäre ihr ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.
    Und in diesem Moment ahnte Skye nicht, dass ihre Tante Susan einige Tage später friedlich einschlafen, nie wieder aufwachen und Skyes wertvolles Geheimnis wortwörtlich ins Grab mitnehmen würde.

    BILD: Salisbury

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    ((bold))((navy))Kapitel 12: RAVENCLAW GEGEN SLYTHERIN((ebold))((enavy)) Nach Tante Susans Beerdigung wusste Skye ganz sicher: sie hasste Beerdigungen.

    Kapitel 12: RAVENCLAW GEGEN SLYTHERIN

    Nach Tante Susans Beerdigung wusste Skye ganz sicher: sie hasste Beerdigungen. Die meisten Leute dort spielten ihr Mitgefühl nur vor und wenn sie dann mit theatralischem Blick eine Rose auf den schwarzen Sarg fallen ließen, sah man in ihrem Gesicht, dass ihnen das alles gar nichts ausmachte.
    Skye wollte sich nicht als eine besonders emphatische Person bezeichnen, aber nachdem sie ihrer Tante alles von ihrem Geheimnis erzählt hatte, fühlte es sich so an, als sei eine besondere Bindung zwischen den beiden entstanden. Trotzdem war sie froh, als die Beerdigung endlich vorbei war, sie während des Essens mit niemandem reden musste und nun erfolgreich verdrängen konnte, was alles geschehen war.
    Anfangs hatte Skye den seltsamen Gedanken gehabt, dass Tante Susan nur gestorben war, weil sie alles erfahren hatte. Aber dann war Skye Professor Dumbledore eingefallen und ihr wurde klar, dass diese Theorie Schwachsinn war.
    Aber den Tod ihr Tante änderte das trotzdem nicht.

    Natürlich konnte sie in Hogwarts nichts davon erzählen und so nahm alles wieder seinen Lauf. Betty und Padma kamen fröhlich aus den Ferien zurück, der Ravenclaw-Gemeinschaftsraum füllte sich wieder und der Unterricht begann.
    Auch das Quidditch-Training ging knallhart weiter, denn bald würde die Mannschaft der Ravenclaws gegen einen harten Gegner spielen - das Slytherin-Team.
    Zwar waren sie noch von ihrem letzten Sieg gegen Hufflepuff beflügelt, aber nicht dumm genug, sich jetzt in Sicherheit zu wiegen. Davies triezte seine Mannschaft unerbittlich, denn er wollte um jeden Preis den Sieg.
    So wie Skye, die deswegen sogar akzeptieren konnte, dass sie und Cho in einem Team waren. Viel Kontakt hatten sie nämlich trotzdem nicht miteinander. Das war auch besser so, denn sie wollte vor der gesamten Mannschaft keinen Streit vom Zaun brechen. Meisten kreiste Cho einfach nur in der Luft über ihnen und Skye nahm sie beim Training noch nicht einmal wahr.

    Am Tag des Spiels war Skye extra früh aufgestanden, um in Ruhe ihr Frühstück zu verspeisen und mit den anderen noch etwas auf dem Feld zu üben. Dann versammelte sich die Ravenclaw-Mannschaft in ihrer Umkleide und das diesmal um einiges aufgeregter als beim ersten Spiel.
    „Die Slytherins werden schwierig“, sagte Burrow.
    Skye nickte und musste unwillkürlich an das Spiel im Vorjahr denken. Emily war von einem Klatscher direkt in den Magen getroffen worden und hatte in den Krankenflügel gemusst, wo Madam Pomfrey sie wieder zusammengeflickt hatte.
    Davies, der beim Hinblick auf das Spiel schon ganz blass um die Nase geworden war, hielt seine Motivationsrede diesmal ziemlich knapp. Skye fand, er nahm diese ganze Captain-Sache ein bisschen zu ernst.
    Als es dann endlich soweit war und die Mannschaft auf das Feld schritt, waren alle ziemlich hibbelig.
    „Du musst so schnell wie möglich den Schnatz fangen“, sagte Davies leise zu Cho. „Diesen Malfoy-Jungen putzt du locker weg.“
    Skye hoffte, dass Cho diese Anweisung auch beachten würde, denn sie wusste, wie gut die Slytherins spielten. Zwar waren ihre Besen im Vergleich zum dem neuen Feuerblitz ein wenig veraltet, aber da konnten auch die Ravenclaws mit ihren Sauberwischs nicht mithalten.
    Die beiden Mannschaften stellten sich gegenüber auf und Skye musterte etwas besorgt die bulligen Slytherin-Spieler. Ihr Captain Marcus Flint sah Davies einschüchternd an, der ein wenig zusammensank und ziemlich verängstigt wirkte.
    Skye warf Malfoy, der bei weitem der kleinste war, einen verachtenden Blick zu, aber dann entdeckte sie noch ein anderes bekanntes Gesicht.
    In grüner Quidditch-Montur, einem Schläger in der einen und einem Nimbus Zweitausendeins in der anderen Hand stand er da. Es war Jay.
    Skye dachte erst, sie würde vor Aufregung halluzinieren, aber das Ganze war viel zu echt. Sie warf ihm einen Blick tiefster Verwunderung zu und während die vierzehn Spieler auf ihre Besen stiegen, zischte sie ihm leise zu: „Seit wann spielst du Quidditch?“
    „Seit diesem Jahr“, gab er mit einem hochmütigen Grinsen zurück. „Netter Besen übrigens.“
    „Alt und bewährt“, nahm Skye ihren treuen Sauberwisch Sieben in Schutz.
    Jay wollte schon etwas erwidern, aber er wurde von Madam Hoochs schrillem Pfiff unterbrochen und die beiden Mannschaften sausten augenblicklich in die Luft. Skye sah sich kurz nach Davies und Burrow um und versuchte sogar, Jay irgendwo zu entdecken. Der war aber verschwunden und die Slytherins schnappten sich direkt den Quaffel, also flog sie los, um ihren Jäger-Kollegen beizustehen.
    Und währenddessen nahm Skye sich fest vor, Jay mal zu zeigen, wie man Quidditch spielte.
    So sah es aber erstmals nicht aus, denn die gegnerischen Jäger schossen Tor um Tor; da besserten auch Lee Jordans hämischen Kommentare nichts. Skye versuchte energisch, den Quaffel zu ergattern, aber kam sie auch nur in die Nähe der drei Jäger, schossen direkt Klatscher auf sie zu.
    Burrow machte die meisten Tore für Ravenclaw; er war der einzige, der mit seinen Muskelmassen auch die Gegner einschüchterte. Davies und Skye konnten nicht viel tun, die meiste Zeit verbrachten sie mit kläglichen Versuchen, an den Quaffel zu gelangen.
    Auch die Ravenclaw-Fans auf den Tribünen schienen etwas enttäuscht und das laute Brüllen der Slytherins war wesentlich lauter.
    Aber als dann Lee Jordan plötzlich aufschrie, kam wieder Bewegung in das Stadion. „DA IST DER SCHNATZ! Und Chang ist ihm auf den Fersen!“
    Auch Skye hielt die Luft an, man konnte Cho über ihnen durch die Luft rasen sehen.
    „Malfoy holt auf“, fuhr Lee mit bitterer Stimme fort. „Aber Chang scheint schneller . . .“ Er machte eine kurze Pause, während er beobachtete, wie ein kleiner schwarzer Ball auf Cho und Malfoy zuschoss. „Nein! Slytherin-Treiber Avery hat einen Klatscher zu ihnen geschlagen!“
    Skye beobachtete wie Cho dem Klatscher auswich. Dabei trudelte sie aber so unkontrolliert nach hinten, dass sie Malfoy gleich mitriss. Und der Goldene Schnatz war verschwunden.
    Ein Seufzer ging durch das Stadion, alle nahmen wieder ihre Plätze ein und das Spiel ging weiter. Skye konnte Jay in der Ferne sehen, wie seine Teamkollegen ihn im Vorbeifliegen abklatschten und ihr war irgendwie peinlich, wie schlecht ihr eigenes Team heute spielte.
    Entschlossen wandte sie sich ab und sauste pfeilschnell auf den Slytherin-Jäger zu, der den Quaffel in der Hand hatte. Er schien sie nicht zu sehen, deswegen zuckte er leicht zusammen, als Skye neben ihm auftauchte. Diesen Schockmoment nutzte Skye, sie stibitzte sich den Quaffel und ehe der Jäger ihr nachfliegen konnte, raste sie los.
    Den Quaffel fest im Arm schoss Skye auf das gegnerische Tor zu. Der Hüter Bletchley machte sich bei ihrem Anblick bereit und spannte die Muskeln an, aber Skye ließ sich nicht so schnell einschüchtern.
    Sie hoffte, dass Jay zusah, also wagte sie einen kurzen Blick zur Seite. Aber sie sah nicht Jay, sondern einen Klatscher, der pfeilschnell auf sie zuschoss.
    Skye wollte ausweichen, aber sie schien plötzlich viel zu langsam und dann war der Klatscher schon vor ihrem Gesicht.
    Sie spürte nurnoch einen stechenden Schmerz an ihrer Stirn; der Besen rutschte ihr weg und dann verblasste alles; die Stimmen, das Feld, ihre Mannschaft. Wie bei ihrem Zeitumkehrer fiel Skye ins Schwarze.

    Als Skye die Augen wieder öffnete, sah sie nur weiß. Erst nach ein paar Sekunden wurde ihr klar, dass das die Decke war und sie im Krankenflügel liegen musste.
    „Skye!“ Betty beugte sich aufgeregt über sie. „Na endlich. Ich dachte schon, du verpennst das restliche Schuljahr.“
    „Betty!“, tadelte Padma ihre Freundin und wandte sich dann auch Skye zu. „Wie geht‘s dir?“
    „Ganz gut.“ Skye setzte sich langsam auf und verspürte einen kurzen Schwindel. „Was ist passiert?“
    Betty und Padma warfen sich einen bedeutungsvollen Blick zu.
    „Slytherin hat gewonnen“, erklärte Betty nüchtern. „Und du wurdest ganz schön vom Besen gehauen. Ehrlich, sah nicht schön aus.“
    „Übrigens hat dieser Slytherin-Junge den Klatscher geschlagen. Avery“, warf Padma ein und Skye konnte den eigenartigen Ton in ihrer Stimme nicht deuten.
    „Na und? Erst ist Treiber. Was erwartest du?“, gab Skye etwas patzig zurück.
    Padma erwiderte nichts, aber man sah genau, was sie gerne alles gesagt hätte. Nämlich, dass ein Freund das nicht gemacht hätte und das Skye sich hüten sollte.
    „Jedenfalls hattest du eine leichte Gehirnerschütterung“, sagte Betty schnell. „Und ziemlich viel geschlafen.“
    Skye fasste sich vorsichtig an den Kopf. Sie spürte eine unangenehme Beule, dort wo der Klatscher sie getroffen hatte.
    „Das Team war auch schon da“, fuhr Betty fort. „Die waren auch nicht gerade glücklich. Am Ende des Spiels waren sie sogar ganz gut, aber die Slytherins haben knapp gesiegt.“
    „Wo ist Madam Pomfrey?“, fragte Skye und sah sich um. Außer ihr, Padma und Betty, die neben ihrem Bett saßen, war alles leer.
    „Irgendwann verschwunden“, sagte Betty schulterzuckend. „Aber wir haben neben deinem Sterbebett gewacht.“
    „Wie gütig.“ Skye kicherte ein bisschen. Sie war noch ganz benommen und fühlte sich, als hätte sie tagelang geschlafen.
    „Aber keine Angst, du darfst bald wieder in den Unterricht.“ Betty grinste.
    „Noch viel gütiger.“ Skye lehnte sich wieder ein Stückchen zurück.
    Zwar hatte sie eben etwas anderes behauptet, aber sie hätte wirklich nicht geglaubt, dass Jay den Klatscher geschlagen hatte. Schließlich musste er gewusst haben, dass er sie treffen würde. Natürlich war das Quidditch und da zählte so was nicht, aber trotzdem hätte Skye das nicht erwartet. Schließlich waren sie schon so etwas wie Freunde geworden.

    BILD: Der Krankenflügel

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    ((bold))((navy))Kapitel 13: FREUNDSCHAFT((ebold))((enavy)) Langsam schob Skye sich Gabel um Gabel ihres Mittagessens in den Mund. Sie hörte die fröh

    Kapitel 13: FREUNDSCHAFT

    Langsam schob Skye sich Gabel um Gabel ihres Mittagessens in den Mund. Sie hörte die fröhlichen Stimmen der anderen, aber das war etwas, das sie nurnoch missmutiger machte.
    Sie fragte sich, wo Alice steckte und ob diese überhaupt einen Gedanken daran verschwendete, dass Skye gerade alleine auf einer einsamen Bank im Pausenhof hockte und ihr Mittagessen verspeiste.
    War es ihre Schuld? Das fragte sich Skye manchmal. Sie fragte sich, ob es an ihr lag, dass Alice sich immer weiter von ihr entfernt hatte. Es gab so viele andere Mädchen, die alle aufregender, lustiger und beliebter als Skye waren. Da hätte sie es fast schon erwarten können, dass Alice ihr langsam den Rücken zukehren würde.
    Skye bereute nun, dass sie selbst oft abweisend und genervt reagiert hatte. Aber da war so viel, über was sie nachdachte, zwei Welten, die in ihrem Kopf herumspukten. Natürlich wusste Alice nicht davon; zwar hatte sie manchmal einige seltsame Fragen gestellt, aber Skye hielt dicht und das mittlerweile seit fast drei Jahren.
    War so etwas ihr Schicksal? Nur weil sie sich nicht entscheiden konnte?
    „Alles in Ordnung?“, riss plötzlich eine Stimme Skye aus ihren Tagträumen.
    Überrascht sah sie in das Gesicht ihrer alten Geographielehrerin Miss Wright, die wie aus dem Nichts vor ihr aufgetaucht war.
    Skye nickte nur. Unter Gesellschaft stellte sie sich nicht gerade eine Lehrerin vor.
    „Wo hast du denn Alice gelassen?“, fragte Miss Wright und setzte sich zu Skyes Überraschung sogar neben sie.
    „Entschuldigung Miss“, fragte Skye mit gerunzelter Stirn. „Aber warum interessiert Sie das?“
    „Du hast traurig ausgesehen“, antwortete Miss Wright.
    Skye sah auf ihr Essen herunter. Wirkte sie wirklich so jämmerlich, wie sie da alleine auf der Bank saß? Dass sogar Lehrer sich Sorgen machten?
    „Alice ist nur nicht da“, schwindelte Skye. „Nichts Schlimmes, keine Angst.“
    Sie hoffte, dass sie Miss Wright damit abwimmeln konnte, aber diese wirkte ziemlich hartnäckig. „Sicher? Mir ging es da mal wie dir . . .“
    Bei diesen Worten wäre Skye am liebsten aufgestanden und weggerannt, denn wie erwartet begann Miss Wright in einer Endlostour über ihre Schulzeit zu reden. Skye aß gelangweilt weiter, machte ab und zu „Hmhm“ oder sagte „Ja“ und fragte sich, warum Miss Wright sich plötzlich so für sie interessierte.
    Selbst Skye wusste nicht genau, was mit Alice vorgefallen war oder warum diese angefangen hatte, sich von ihr abzuwenden, aber sie bezweifelte, dass eine Lehrerin da eine Ahnung hatte.
    Aber endlich rettete die Schulglocke sie aus dieser unangenehmen Situation: Skye sprang auf und sammelte hastig ihre Sachen zusammen.
    „Nun, danke für die . . . Unterhaltung . . . aber ich muss jetzt wieder in den Unterricht“, haspelte sie.
    Miss Wright sagte ihr noch etwas hinterher, aber das hörte sie schon nicht mehr, denn Skye wollte nichts wie weg von ihr. Das mit Alice war ihr Problem und sie hasste es, wenn Leute einem solche Sachen aus der Nase ziehen wollten. Miss Wright war vielleicht ganz nett, aber wenn Skye Dinge erzählen wollte, dann tat sie es selber, und wollte nicht von irgendwelchen Lehrern belästigt werden.

    Hell leuchtende Sterne bedeckten wie tausende Diamanten den saphirblauen Himmel und es war, als würden sie mit Skyes Augen verschwimmen. Sie beobachtete ihr Spiegelbild im Fenster und das Blau ihrer Augen vermischte sich mit dem des Himmels. Während Betty und Padma noch einem Aufsatz für Wahrsagen fertigschrieben, starrte Skye durch die riesigen Bogenfenster des Gemeinschaftsraums hinaus in die Dunkelheit und zählte Sterne.
    „Was war das noch einmal mit diesen Winkeln des Saturns?“, hörte Skye Betty fragen und sie drehte sich um, um ihren Freundin beim fleißigen Kritzeln auf lange Pergamentpapiere zuzusehen.
    Padma erklärte irgendetwas Seltsames mit vielen Fachwörtern und Betty setzte endlich den letzten Punkt.
    „Fertig“, frohlockte sie. „Ich habe die Hausaufgaben in Wahrsagen schon oft genug vergessen.“
    Skye gähnte herzhaft. Obwohl sie erst vor kurzem aus dem Krankenflügel entlassen worden war, hatte sie direkt wieder mit Quidditch-Training anfangen müssen und nach der Niederlage gegen Slytherin war Davies nicht nur beunruhigt, sondern auch viel ehrgeiziger. Stundenlang hatten sie am Nachmittag trainiert, was Skye wenigstens beim erfolgreichen Verdrängen des Klatscher-Erlebnisses half.
    „Bald spielen wir gegen Gryffindor“, teilte sie Betty und Padma mit.
    „Die musst du fertigmachen“, sagte Betty entschlossen und machte eine drohende Geste mit ihrer Feder. „Ganz dringend.“
    Padma hatte fein säuberlich ihren Aufsatz zusammengerollt und warf Betty einen berechnenden Blick zu. „Ach wirklich? Alle?“
    Betty rümpfte die Nase. „Ja. Warum?“
    „Ach, nur so“, sagte Padma schulterzuckend, aber man sah, dass es ihr ganz und gar nicht egal war. „Auch jemand ganz Bestimmten? Den du magst?“
    „Was meinst du damit?“, fragte Skye verwundert.
    „Na, hast du es noch nicht gemerkt?“ Padma machte ein überraschtes Gesicht und sie sah Skye fast schon vorwurfsvoll an.
    „Leute“, meldete Betty sich zu Wort. „Es ist immer noch mein Liebesleben.“
    „Jetzt sagt doch.“ Skye sah von einer zu anderen und kreuzte die Beine. Sie hatte keinen blassen Schimmer, von was Padma da redete.
    „Also“, erklärte Padma, während Betty ein protestierendes Gesicht machte. „Mir ist das schon am letzten Valentintstag aufgefallen, -“
    „Hey“, unterbrach Betty sie. „Immer mit der Ruhe.“
    „Dann sag doch was ist.“ Skye richtete sich mit flehendem Blick an Betty.
    Diese sah zu Boden und errötete, dann seufzte sie ergeben. „Na gut. Padma würde es dir sowieso erzählen. Vielleicht, ganz vielleicht ist da eine winzige Wahrscheinlichkeit, dass ich ein kleines bisschen auf jemanden stand.“
    Skye machte große Augen und wäre fast vom Sessel gekippt. Die unerschütterliche, vollkommen eigensinnige Betty verliebt? Das hätte sie niemals vermutet. Zwar war Betty die Älteste der Drei, aber trotzdem schien solch eine Gegebenheit fast schon unwirklich.
    „In wen?“, wollte Skye gespannt wissen.
    Betty druckste kurz herum, aber dann ergriff Padma das Wort. „Fred Weasley.“
    „Jetzt . . . im Ernst?“ Skye wollte das gar nicht glauben und starrte Betty mit großen Augen an.
    Die nickte zögerlich und starrte unentwegt auf den Boden. „Aber, nicht mehr. Das ist schon etwas her, also kannst du es eigentlich gleich vergessen . . . Ich mag ihn zwar noch immer, eben so als Freund, weißt du, aber nicht mehr so wie früher, das war eher so eine kleine Schwärmerei und -“
    „Warum hast du nichts erzählt?“, fragte Skye händeringend und sah dann Padma an. „Du wusstest davon.“
    „Ja, schon lange. So was merkt man doch.“ Sie verschränkte die Arme.
    Skye musste an ihr Treffen in der Winkelgasse denken, wo Padma so verschmitzt grinsend „Achte mal darauf, vielleicht merkst du es ja“ gesagt hatte. Sie wusste es scheinbar wirklich schon lange, und das ohne, dass Betty nur ein Sterbenswörtchen gesagt hatte. Padma war wirklich gut in solchen Dingen.
    Skye, die den Schock mittlerweile etwas überwunden hatte, sah frustriert ins Feuer. „Davon habe ich gar nichts gemerkt. Nichts. Ich bin wirklich nicht gut in solchen Dingen.“
    „Vielleicht liegt es auch daran, dass du immer etwas anderes zu tun hast“, sagte Padma eine Spur zu giftig.
    Skye hatte das genau gemerkt und verschränkte die Arme. „Wie meinst du das?“
    „Natürlich ist dir das auch nicht aufgefallen. Aber mir. Oft hörst du einfach nicht zu und bist immer in Gedanken, die scheinbar so viel wichtiger sind als Betty oder ich . . .“
    Skyes Magen krampfte sich bei Padmas Worten unangenehm zusammen, aber sie sagte nichts. Wie sollte sie sich auch verteidigen?
    „Es ist, als würdest du dich gar nicht für uns interessieren und nur für deinen eigenen Kram. Früher habe ich das noch akzeptiert, aber seit diesem Jahr ist es noch schlimmer geworden. Und deine Prinzipien hast du wohl auch über den Haufen geworfen, denn jetzt hängst du lieber mit irgendwelchen Slytherins herum.“ Padmas Augen verengten sich wütend, all das sprudelte aus ihr heraus, als würde es ihr schon lange auf dem Herzen liegen.
    „Das stimmt doch gar nicht“, protestierte Skye. Ich -“
    „Doch, tut es“, unterbrach Padma sie. „Oder, Betty?“
    Betty, die die ganze Zeit nur stumm daneben gesessen hatte, fuhr hoch. „Ich . . . äh . . .“, druckste sie herum und sah dann schuldbewusst auf den Boden. „Na gut. Vielleicht ein bisschen.“
    Skye schnaubte verächtlich. „Vielen Dank.“
    „Siehst du“, fuhr Padma geflissentlich fort. „Früher waren wir unzertrennlich, aber jetzt bist du so . . . anders. Ich bin nicht blöd, sowohl Betty als auch ich haben den Eindruck, dass du etwas versteckst. Ein Geheimnis. Warum sagst du es uns nicht? Dafür sind Freunde doch da.“
    Skyes Stimme zitterte ein wenig, als sie erwiderte: „Stimmt doch gar nicht.“
    „Und es nervt Skye, es nervt“, wetterte Padma und die Wut in ihrer Stimme war deutlich zu hören. „Vielleicht solltest du dich mal für etwas anderes interessieren als dich selbst.“
    Etwas in Skye kochte bei diesen Worten über. Mit einem Ruck stand sie auf, all ihre Beherrschung war verschwunden. „Das tue ich doch, Padma! Du verstehst das nicht, also lass es, okay?“
    „Woher willst du das wissen?“ Auch Padma stand auf und schleuderte Skye entgegen: „Eine hohe Meinung scheinst du von mir zu haben.“
    Skye hätte sich vor Verzweiflung am liebsten die Haare gerauft. Das durfte doch nicht wahr sein. Aber sie sagte nichts und machte nur ein zorniges Gesicht, denn alles, was sie sagen wollte, hätte ihr Geheimnis sofort verraten.
    „Ich gehe ins Bett“, sagte sie mit leiser, zorniger Stimme und wirbelte herum.
    „Skye, warte . . .“, hörte sie Betty beim wütenden Hochstapfen der Treppe noch leise sagen, aber Padma herrschte sie als Antwort mit einem „Lass sie, Betty!“ an. Wütend stürmte Skye in den Schlafsaal und warf die Türe so fest zu, dass sie in ihren Angeln bebte.
    Mandy und Sue waren noch nicht da, also warf sie sich auf ihr Bett und drückte das Gesicht so fest in das Kissen wie sie konnte.
    Zwar war sie wütend auf Padma und alles, was diese ihr gegen den Kopf geworfen hatte, aber trotzdem hatte sie den eigenartigen Drang, sich zu entschuldigen. Ihr alles zu erzählen, die ganze Geschichte, und damit auch die Erklärung für ihr seltsames Verhalten.
    Sie war doch keine schlechte Freundin gewesen, jedenfalls wollte sie keine sein. An allem war der Zeitumkehrer schuld.
    Warum musste das Ganze auch so schwierig sein?
    Und warum, fragte Skye sich verzweifelt, warum immer sie?

    BILD: Tja, was wohl?

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    ((bold))((navy))Kapitel 14: BESENFLUG IM SILBERLICHT((ebold))((enavy)) Eigentlich hätte der Morgen eines Quidditch-Spiels entspannt sein müssen, die

    Kapitel 14: BESENFLUG IM SILBERLICHT

    Eigentlich hätte der Morgen eines Quidditch-Spiels entspannt sein müssen, die Ruhe vor dem Sturm.
    Aber für Skye sah das ganz anders aus, denn Harry Potter kam beim Frühstück unter dem stolzen Blicks des Gryffindor-Captains in die Große Halle stolziert und hatte einen Feuerblitz in der Hand.
    Das Team der Ravenclaws wollte das nicht glauben, die gesamte Halle stürmte zum Gryffindor-Tisch, aber Penelope Clearwater bezeugte, dass sie den Rennbesen mit eigenen Augen gesehen hatte.
    „Es reicht scheinbar nicht, dass Harry Potter so schon ein genialer Sucher ist - nein, er muss jetzt auch noch einen Feuerblitz besitzen!“, schimpfte Davies auf dem Weg zum Feld.
    Skye beunruhigte diese Tatsache und sie war froh, dass sie nicht in Chos Haut steckte, die nun gegen Harry antreten musste und auch schon ganz nervös aussah.
    Das Stadion füllte sich schnell, alle schienen interessiert am Wettkampf der beiden Mannschaften, die von vielen sogar als Favoriten für den Quidditchpokal bezeichnet wurden. Skye fragte sich, ob Betty und Padma überhaupt gekommen waren, aber auch die anderen aufgeregten Ravenclaws mit ihren Fahnen und Hüten machten ihr Mut.
    Als die Gryffindors unter tosendem Applaus endlich zu ihnen aufs Feld traten, konnte Skye gar nicht anders, als den Feuerblitz begeistert anzugaffen. Es würde ihr erstes Spiel gegen Gryffindor sein und sie musterte aufgeregt die drei Jägerinnen, die neben den Weasley-Zwillingen standen. Zu Skyes Erleichterung hatte - außer Harry - keiner so einen guten Besen, aber trotzdem wusste sie, wie hart das Spiel werden würde.
    Der Gryffindor-Captain Wood schüttelte Davies die Hand und Skye und Cho wechselten einen nervösen Blick.
    „. . . auf meinen Pfiff geht‘s los . . . eins - zwei - drei -“, zählte Madam Hooch herunter.
    Als der Pfiff endlich ertönte, wurde Skye beim Anblick des in die Höhe schießenden Feuerblitzes ganz schwindelig. Harry raste um das Feld; man konnte ihn nurnoch als scharlachroten Schleier erkennen.
    Davies schnappte sich schnell den Quaffel, aber die Gryffindor-Jägerinnen waren flink; eine stibitzte ihm den Ball direkt aus der Hand und schoss auf das Tor der Ravenclaws zur; Inglebee raste ihr mit gezücktem Schläger hinterher, aber sie war zu schnell. Gryffindor erzielte die ersten Punkte und Davies, Skye und Burrow warfen sich einen missmutigen Blick zu.
    „Und es sieht so aus, als hätte Potter auf seinem Feuerblitz - ja, Professor - den Schnatz gesichtet!“, rief Lee Jordan aufgeregt.
    Harry ging wirklich in den Sturzflug, aber Samuels reagierte sofort. Sein Klatscher schien ihn zu überraschen, er musste ausweichen und die Ravenclaws auf den Tribünen brachen in lauten Jubel aus. Samuels grinste breit wie ein Honigkuchenpferd, selbst noch, als George Weasley voller Wut einen Klatscher auf ihn schlug.
    Gryffindor führte mittlerweile und Davies winkte Skye und Burrow zu sich.
    „Strengt euch an“, flüsterte er leise. „Denkt ans Training.“
    Skye nickte; sie wusste, um was es bei diesem Spiel ging und sauste los. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Cho hoch oben in der Luft versuchte, Harry abzublocken, aber mit ihrem alten Besen schien das fast unmöglich.
    Den Quaffel ergatterte Skye mit Inglebees Unterstützung schnell, aber sie musste feststellen, dass Fred und George ebenso gute Treiber waren. Sie flog ein gefährliches Zickzack und musste sich ein paarmal ducken, bevor sie den Quaffel endlich an Burrow weitergeben konnte. Der schoss mit energischem Gesicht auf das Tor zu; der Gryffindor-Hüter schien kurz abgelenkt und Burrow schaffte es, gleich zwei Tore für Ravenclaw hintereinander zu erzielen.
    Skye atmete erleichtert auf, denn nun führte Gryffindor nurnoch mit sechzig Punkten. Pfeilschnell schob sie sich vor eine der gegnerischen Jägerinnen und machte sich mit dem Quaffel unter dem Arm auf und davon.
    Plötzlich schoss ihr jedoch ein leuchtend roter Blitz entgegen, und es war nicht nur ein Blitz, sondern Harry Potter auf seinem Feuerblitz. Skye konnte im letzten Moment noch ausweichen, sonst wäre sie wahrscheinlich wieder mal im Krankenflügel gelandet. Sie strauchelte, fing sich aber schnell wieder und tauchte ab, als ein Klatscher Fred Weasleys auf sie zuschoss.
    Mittlerweile war sie beim Tor der Gryffindors angelangt und sie hatte Glück, denn Wood brüllte Harry gerade irgendetwas zu. Skye nutzte diese Gelegenheit, sie schleuderte den Quaffel durch den rechten Torring und die Ravenclaws pfiffen und jubelten.
    Auch Cho schien es erneut gelungen zu sein, Harry abzublocken und so wirkte der Sieg plötzlich gar nicht so hoffnungslos weit entfernt. Skye stürzte sich mit Davies an ihrer Seite wieder auf den Quaffel, Lee Jordan brüllte irgendetwas von Harry Potters Sturzflug und Skye war kurz davor, der Gryffindor-Jägerin in die Bahn zu fliegen, da stach ihr etwas Helles, Silbriges in den Augenwinkel. Wie eine leuchtende Wolke schoss es auf den Boden und direkt auf Skye zu.
    Sie hatte so etwas noch nie gesehen und starrte das Ding für einen Moment erstaunt an. Aber es kam immer näher auf sie zu und sie wusste nicht, was passiert wäre, wenn Davies nicht da gewesen wäre.
    Er packte sie fest am Arm und zog Skye so schnell weg, dass sie fast vom Besen rutschte.
    „Was war das?“, fragte sie ihn verwundert und beobachtete, wie die Wolke aus Licht etwas auf dem Boden traf.
    „Harry Potter“, sagte Samuels, der zu ihnen flog. „Keine Ahnung, wie der auf so eine Idee gekommen ist.“
    Skye ließ ihren Blick nach oben schweifen, wo Harry auf seinem Feuerblitz umhersauste. Und sie schaute genau richtig.
    Seine Finger schlossen sich gerade um den Goldenen Schnatz.
    „Verdammt“, fluchte sie und zeigte nach oben.
    Auch die anderen Gryffindor-Spieler kamen wild schreiend zu ihrem Sucher geflogen, während sich das Team der Ravenclaws eher missmutig versammelte.
    „Ist so etwas nicht gegen die Regeln?“, fragte Page. „Dieser Zauber hätte Cho verwirren können.“
    Davies winkte ab; zwar machte er ein gelangweiltes Gesicht, aber man merkte, wie enttäuscht er eigentlich war. „Vergiss es. Den Pokal haben wir auch schon verloren, als die Slytherins uns besiegt haben.“

    Die vielen Niederlagen des Jahres sorgten im Ravenclaw-Team für allgemein gedrückte Stimmung. Davies fühlte sich schuldig, alle waren enttäuscht und der Gedanke an nur ein gewonnenes Spiel ziemlich bedrückend. Hinzu kam dann auch ein paar Wochen später die Nachricht, dass Gryffindor Slytherin besiegt und den Quidditchpokal gewonnen hatte.
    Natürlich dank Harry Potter, wem sonst. Er gewann jedes Spiel für Gryffindor und schien in allem, was er machte, unschlagbar.
    Das fiel natürlich auch den anderen auf und hier und da machten Gerüchte die Runde. Alles schien sich immer um Harry Potter zu drehen. Zwar war da vor kurzem ein Angriff auf Ron Weasley im Schlafsaal der Gryffindors, hinter dem angeblich Sirius Black steckte, aber schon bald hieß es nurnoch, dass Black sich im Bett vertan hatte. Zwar hatte Skye nicht mehr viel mit Harry zu tun, aber in ihrem ersten Jahr hatte sie ihn ein wenig kennengelernt und da hatte er eigentlich nicht wie der Typ Junge gewirkt, der ständig Aufmerksamkeit brauchte.
    Trotzdem zog er Schwierigkeiten an wie ein Magnet und damit auch Tratsch und Klatsch in Hogwarts.
    Die Schule wurde nach dem vermeintlichen Angreifer mehrmals durchkämmt, Ron erzählte jedem, der es hören wollte, eine halsbrecherische Geschichte von seinem wildem Kampf mit Sirius Black, aber wieder einmal war dieser nicht nur den Lehrern, sondern auch den Dementoren durch die Fänge gegangen.
    Skye interessierte das alles erstaunlich wenig, sie hörte zwar ständig das Gerede der anderen, mischte sich aber nie ein. Auch Betty und Padma hörte sie viel reden, aber Skye achtete sorgsam darauf, sich beim Essen möglichst weit entfernt zu setzten und sie nicht zu beachten.
    Aus anfänglicher Trauer hatte sich in Skye mittlerweile ein seltsames Gefühl des Protests entwickelt. Das links liegen lassen war aber gar nicht so einfach, da sie fast alle Stunden zusammen hatten, aber nur um Padma zu ärgern, hatte Skye sich in Arithmantik zu Tracey Davis und Jay gesetzt und auch in Zauberkunst oder Kräuterkunde wendete sie sich betont trotzig von den beiden ab.
    Manchmal überhörte Skye jedoch ihre Gespräche und es gab Tage, an denen sie das irgendwie traurig machte, weil es sie an die alten Zeiten erinnerte. Aber die beiden schienen auch gut ohne Skye klarzukommem, also tat diese das Gleiche. Da interessierte es sie auch nicht, dass Bettys Katze Ace vor kurzem einfach verschwunden war und jetzt wahrscheinlich irgendwo alleine im Wald herumstreifte.
    Das war jetzt alleine Bettys Problem, fand sie. Und Padma sollte mal schauen, wie sie damit klarkam.

    Skye war froh, dass sie mittlerweile auch andere Freunde gefunden hatte. So musste sie abends nicht mutterseelenallein irgendwo herumsitzen und lesen, sondern konnte Betty und Padma beweisen, dass es auch ohne sie ging. Tracey Davis, eine zierliche rothaarige Slytherin, die Skye immer falsch eingeschätzt hatte, stellte sich zum Beispiel wirklich als ganz nett heraus.
    Und dann war da natürlich noch Jay. Die beiden trafen sich öfter zum Lernen, denn die Abschlussprüfungen rückten immer näher und es wurde dringend Zeit, dass sie mit Pauken anfingen. Die Bibliothek hatten sie als geeigneten Ort mittlerweile verworfen - Madam Pince warf sie ständig raus - und suchten sich nun meistens leere Klassenzimmer oder saßen bei gutem Wetter draußen am See.
    Die Sache mit dem Klatscher beim Spiel Slytherin gegen Ravenclaw hatte Skye noch nicht erwähnt, es war ihr irgendwie peinlich und nachdem Jay zu dem Sieg der Gryffindors im Finale kein Wort gesagt hatte, wollte sie nicht diejenige sein, die das Thema darauf lenkte.
    Als die beiden jedoch eines Tages nach dem Abendessen ein Zauberkunst-Klassenzimmer mit ihren Büchern und Pergamenten bezogen hatte, brachte Skye endlich genug Mumm auf.
    „Sag mal“, begann sie ganz plötzlich. „Vor kurzem, bei dem Spiel. Nun, da wurde ich von einem Klatscher getroffen.“
    Jay machte ein verwirrtes Gesicht, er schien nicht zu merken, worauf Skye hinauswollte. „War nicht zu übersehen. Du bist gefallen wie ein nasser Sandsack.“
    „Den Klatscher hast du geschlagen“, sagte Skye langsam.
    „Achso.“ In Jays Kopf schien ein Licht aufzugehen. „Aber du bist jetzt nicht sauer oder so? Ich bin Treiber, falls du es noch nicht gemerkt hast.“
    „Ja, ich weiß“, antwortete Skye und kam sich dabei irgendwie dumm vor. Ganz zu schweigen davon, dass sie nicht wusste, was sie noch sagen sollte.
    „Tut mir jedenfalls leid“, sagte Jay geflissentlich. „Es ist mein Job, weißt du. So wie du Tore werfen musst.“
    Skye murmelte etwas Undeutliches und brach dann ab, weil es keinen Sinn mehr ergab.
    „Dann bin ich beim nächsten Mal etwas vorsichtiger. Also, vielleicht.“ Jay grinste schon wieder. „Aber jetzt hast du mich auf eine Idee gebracht. So als Entschuldigung, du weißt schon.“
    Skye runzelte die Stirn und legte ihre Feder weg. „Was für eine?“
    „Wäre es nicht lustiger, ein bisschen zu fliegen, anstatt lernen zu müssen?“, fragte Jay schelmisch grinsend.
    Skye machte ein misstrauisches Gesicht. „Fliegen? Um die Uhrzeit? Ich glaube nicht, dass wir das dürfen.“
    „Ach, das geht schon“, winkte Jay ab. „Ich habe das schon tausendmal gemacht. Die Lehrer sehen uns nicht.“
    Skye seufzte und sah nachdenklich auf das aufgeschlagene Buch vor ihr. Natürlich standen da viele Hauspunkte auf dem Spiel, aber sie wollte auch keine Langweilerin sein. Skye glaubte nämlich, dass sei der Grund, warum Alice sie so links liegen gelassen hatte. Und Jay war mittlerweile so ziemlich der einzige, der noch zu ihr hielt.
    „Na gut“, gab sie sich schließlich geschlagen. „Aber wenn wir erwischt werden, drehe ich dir den Hals um.“
    Beschwingt stand Jay auf und sammelte seine Stifte, Bücher und Pergamente ein. „In zehn Minuten am Eingang. Pass auf, die Lehrer laufen im Moment Patrouille.“
    Genau acht Minuten später stand Skye verborgen in einer dunklen Nische bei der Eingangstüre. Ganz unauffällig war sie durch den Gemeinschaftsraum gehuscht, hatte sich ihren Besen geschnappt und noch einen Pullover übergezogen, damit ihr ja nicht kalt werden konnte. Ihre Gewissensbisse hatte sie mittlerweile vergessen und auch einer Erklärung fühlte sie sich nicht schuldig, als Padma, die mit Betty am Feuer saß, sie so seltsam angeschaut hatte.
    „Du warst aber schnell.“ Jay war wie aus dem nichts vor Skyes Nische aufgetaucht und auch er hatte seinen Nimbus in der Hand, den Skye ein wenig neidisch musterte.
    „Und jetzt?“, fragte sie.
    „Na, rausgehen, was sonst?“ Jay sah aus, als hätte er das wirklich schon tausendmal gemacht, während er die riesige Türe aufstieß und damit die kühle Nachtluft durch den Gang fegen ließ.
    „Beim Feld sieht uns niemand“, erklärte er.
    „Hoffentlich“, sagte Skye und tat es
    Jay gleich, der sich auf seinen Besen schwang.
    „Der Letzte ist ein verrückter Hippogreif!“, rief er und raste los. „Obwohl das im Moment etwas ironisch klingt“, fügte er noch etwas leiser hinzu.
    „Hey!“ Skye beschleunigte, so gut sie konnte, aber der Nimbus schoss durch die Luft wie eine Rakete. „Wie meinst du das?“, fragte sie angestrengt, als sie es endlich geschafft hatte, ein wenig aufzuholen.
    „Na, wegen dem Hippogreif von diesem Hagrid. Der soll hingerichtet werden. Weil er Draco ein bisschen zu sehr angestupst hat. Sein Vater muss wohl einen halben Tobsuchtsanfall bekommen haben und hat direkt die Schulräte eingeschaltet“, erklärte Jay. Er hatte sich auf seinem Besen etwas zurückgelehnt und sah gar nicht so aus, als würde das Fliegen ihn anstrengen.
    Skye machte ein überraschtes Gesicht. Natürlich, das passte zu Malfoy, aber eine Hinrichtung? Hatte Betty am Anfang des Schuljahres nicht von einem kleinen Kratzer geredet?
    „Woher weißt du das?“, fragte Skye.
    „Draco erzählt das das überall im Gemeinschaftsraum herum. Ist wahrscheinlich das Beste, das er jemals erreicht hat. Wenn es nach ihm ginge, hätten sie Hagrid wahrscheinlich gleich mit hingerichtet.“
    Skye dachte stumm über die ganze Sache nach. Sie hatte nicht geanht, dass Malfoys Vater so mächtig war. Eine Hinrichtung auf den Schulgründen Hogwarts‘? Das klang nicht nach etwas, das Professor Dumbledore erlauben würde.
    Zu ihrer Erleichterung wurde Jay mittlerweile immer langsamer, denn das Quidditch-Feld kam in Sicht. Skye musste zugeben, dass das Fliegen bei Nacht wirklich einen ganz eigenen Reiz hatte. Es war stockdunkel und nur der Mond sorgte dafür, dass ein kleines bisschen des Waldes in der Ferne und des Spielfeldes zu sehen war.
    „Und du machst das oft?“, fragte sie Jay, der irgendwelche Experimente auf seinem Besen veranstaltete und gerade kopfüber hinunterhing.
    „Gelegentlich“, antwortete er schulterzuckend. „Theo ist nicht so der Quidditch-Typ. Und ständig alleine zu fliegen macht auch keinen Spaß.“
    Skye manövrierte sich in einen Damensitz und während sie ihre Beine baumeln ließ, strich ihr eine kühle Brise übers Gesicht. „Dieser Theodore“, sagte sie. „Der ist dein bester Freund, nicht?“
    Jay nickte. Mittlerweile lag er gemütlich auf seinem Besen, den Kopf auf dem Schweif gebettet. „Ja. Wir sind schon ewig befreundet; unsere Eltern kennen sich nämlich. Und wir waren schon immer irgendwie gleich. Von Ansichten her und so.“
    Skye hätte gerne gefragt, welche Ansichten, aber Jay unterbrach sie. „Und du? Ich habe dich immer mit diesen Mädchen gesehen. Die eine ist doch eine Warrington, nicht?“
    „Nun“, sagte Skye ausweichend. „Eigentlich ja, aber in letzter Zeit nicht mehr so. Wir haben uns gestritten.“
    Sie sah zu den in silbriges Mondlicht getauchten Türmen und Zinnen des Schlosses. Viele Fenster waren noch erhellt und Skye stellte sich vor, wie Betty und Padma vielleicht gerade im Schlafsaal saßen und redeten.
    „Und warum vertragt ihr euch nicht einfach?“, fragte Jay neugierig und es klang, als sei das das Einfachste der Welt.
    „Das geht nicht so leicht.“ Skye seufzte und schaute nach unten aufs Feld. „Es ist kompliziert. Und eine ziemliche Zwickmühle.“
    Jay schien nachzudenken. „Vielleicht macht ihr es auch einfach nur kompliziert.“
    Darauf wusste Skye nichts zu antworten. Jay hatte natürlich keine Ahnung, was wirklich los war, und sie konnte ihm das nicht verübeln.
    „Erzähl du lieber etwas“, wich sie aus. „Ich weiß praktisch gar nichts über dich.“
    Jay prustete los, hatte den Blick aber noch immer in den Himmel gerichtet. „Das könnte ich jetzt auch zu dir sagen.“
    „Über mich gibt es aber nicht besonders viel zu erzählen“, sagte Skye. „Ich bin praktisch ein Muggel.“
    „Wo wohnst du?“, fragte Jay neugierig.
    „In der Nähe von Southampton. Mini-Dörfchen, nichts Besonderes. Meine Eltern sind Professoren und Geschwister habe ich keine“, erzählte Skye. Dass sie aus einer ganz anderen Dimension kam, ließ sie dabei geübt weg.
    „Habe ich auch nicht.“ Jay zuckte mit den Schultern. „Obwohl ich manchmal gerne Geschwister hätte. Dann würden meine Eltern nicht die ganze Zeit nur mich nerven.“
    „Was machen deine Eltern denn?“, erkundigte Skye sich. Reine Zaubererhaushalte kannte sie schließlich nur den von Betty.
    „Mein Vater arbeitet im Ministerium“, sagte Jay. „Und meine Mutter bleibt zu Hause. Sie schmeißt den Haushalt und so.“
    „Ihr habt keine Hauselfe?“ Skye sah Jay überrascht an.
    „Nicht jede reinblütige Familie hat ein Elf“, antwortete er. „Unserer ist schon lange tot. Mein Großvater hat ihn ziemlich hart rangenommen. Den habe ich ehrlich gesagt gehasst. Er war nicht ganz dicht, wirklich.“
    Das weckte jetzt Skyes Neugierde. „Warum?“
    Jay blieb kurz stumm und es wirkte so, als hätte er die Erinnerungen, die er jetzt ausgrub, ganz tief hinten in seinen Kopf verbannt. „Er war ziemlich streng. Viel zu hohe Ansprüche. Mein Dad ist auch so, er hat das ja schon als Kind eingeprügelt bekommen. Mum kann ihm zwar nicht viel sagen, aber sie ist viel lockerer. Nur diese ständigen Diskussionen, die hält man irgendwann nicht mehr aus. Hogwarts ist da so eine Art Ausweg für mich.“
    Skye wusste erst nichts zu erwidern, solch eine Geschichte wirkte irgendwie untypisch für Jay, der normalerweise immer grinste und und mit sarkastischen Kommentaren um sich schoss.
    „Wahrscheinlich bist du das von deiner Warrington-Freundin anders gewohnt“, fuhr Jay fort. „Aber auch nicht jeder Reinblüter hat viel Geld. Mein Großvater hat alles aus dem Fenster geschmissen. Weißt du, er hat sich in so eine . . . Sache reingesteigert und dafür alles riskiert. Zwar haben wir noch das alte Haus, aber das geht ganz schön in die Brüche.“
    Das klang ziemlich einleuchtend und Skye konnte gut nachvollziehen, warum Jay lieber in Hogwarts, seinem wahren Zuhause, war.
    „Irgendwie sind wir doch alle gleich“, sagte Skye nachdenklich.
    Jay setzte sich auf und runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“
    „Na, was du da erzählst. Die gleichen Probleme haben Muggel. Streit der Eltern, zu hohe Anforderungen, Geld . . . Ich weiß gar nicht, warum sich alle so aufführen.“
    „Aber du hattest eben recht. Es ist kompliziert. Eigentlich alles“, sagte Jay mit bitterem Unterton.
    Und das war der Augenblick, in dem Skye zum ersten Mal auffiel, dass Jay bernsteinfarbene Augen hatte.

    BILD: 🌝

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1556823265
Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #3 [Eine Harry...
Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #3 [Eine Harry...
Es ist nun schon Skyes drittes Schuljahr an der Schule für Hexerei und Zauberei und die Erkenntnisse ihres letzten Jahres lassen sie noch immer nicht los. Ihre Aufgabe scheint unerfüllbar und selbst die Angst vor dem umherstreunenden Massenmörder Siri...
https://www.testedich.de/quiz60/quiz/1556823265/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-3-Eine-Harry-Potter-FF
https://www.testedich.de/quiz60/picture/pic_1556823265_1.jpg
2019-05-02
402D
Harry Potter

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (255)

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vor 21 Stunden
@Koala: Ups, dann habe ich verkackt. xD Mandela-Effekt, würde ich sagen. :P
Jedenfalls schöne Ferien!

@Serial: Ja, ich spiele es sogar recht gerne. Viele mögen es zwar nicht (alles dabei gefällt mir auch nicht), aber das Feeling ist schon da. Die Graphiken sind gut und abgesehen von ein paar Makeln ist es eigentlich ganz cool. Klar, man kann so ziemlich nichts selber entscheiden, aber die Handlung so zu „beobachten“ ist auch recht spannend.
Ich bin im vierten Jahr (Kapitel zwölf oder so) und solche Wettbewerbe und was auch immer gibt es noch. Genauso wie die Suche nach den Verwunschenen Verliesen, da ist nicht viel Erwähnenswertes passiert. Aber manche von den (Zeit-)Events sind ganz nett, man braucht bei dem ganzen Spiel nur einiges an Geduld. Besonders, wenn man nichts bezahlen will. Wo hast du denn aufgehört?
vor 2 Tagen
Mal ein ganz anderes Thema: Halbiblu, du hast erwähnt, du würdest Hogwarts Mystery spielen, oder? Wie findest du das so? Ist das mittlerweile fertig? Ich habe mal angefangen und dann irgenwann aufgehört. Aber ich wüsste schon ganz gerne, wie es weiterging. Machen die immer noch ständig solche Wettbewerbe, wo man irre viele Punkte in lächerlich kurzer Zeit sammeln muss, um komische Outfits für seinen Avatar zu kriegen?
vor 4 Tagen
Ich wollte nur Bescheid geben, dass ich urlaubsbedingt wahrscheinlich nicht mehr so oft kommentieren kann.

Aber jetzt muss ich noch erwähnen: Es heißt Patronus, und nein, es war keine silbrige Wolke, es war Harrys erster gestaltlicher Patronus. Erinnere dich an das Gespräch mit Dumbledore am Ende des Schuljahres, da erwähnt er, dass ihm die ungewöhnliche Form des Patronuses aufgefallen wäre, den Harry auf Mr Malfoy gejagt hatte.
vor 4 Tagen
Dabei muss man natürlich auch erwähnen, dass Harrys Patronos zu der Zeit noch gestaltenlos war. Also ist einfach eine unförmige, silberne Wolke durch die Luft geschwirrt. xD

Aber wie gesagt, dafür habe ich ja euch. ;)
vor 5 Tagen
@Halbiblu: Du hast recht, natürlich ist Skye verwirrt, wenn plötzlich ein silbriger Hirsch auf sie zu galoppiert! Aber ich hätte zumindest erwartet, dass sie dem Patronus hinterher schaut, und sich wundert, warum besagter Hirsch Draco und Co. attakiert, oder so.

Ich hätte auch nach dem großen Knall am Ende des vorletzten Kapitels nicht mit so einem großen Zeitsprung gerechnet. Eher mit einem nächsten Morgen, an dem man dann sieht, wie es nach dem Streit weitergeht, und nicht so peu à peu erfährt, dass der Streit wirklich zum Bruch geführt hat, auch mit Betty, die ja nicht ganz so wütend war wie Padma, und auch nicht wie jemand scheint, der sich diktieren lässt, auf wessen Seite sie zu stehen hat.

Aber ich verstehe, was du meinst. Die Charaktere leben wahrscheinlich schon regelrecht in deinem Kopf, und darum sind dir solche Dinge dann glasklar.

Dafür hast du uns, deine Lektoren-Brigade, die dir sagen, wenn Treiber plötzlich Jäger sind, oder Leser verwirrt. 😉
vor 6 Tagen
Ja, ist er. xD Da hast du recht.
vor 6 Tagen
Ist eigentlich der mit den Glückssocken noch in der Mannschaft? Wenn ja haben die ja mal richtig versagt! 😉
vor 6 Tagen
Puh, viele Kommentare. xD Ich fange mal ganz von vorne an.

@Koala: Das Ding ist halt, dass ich mir so dachte: „Ja, Skye weiß nicht, dass das ein Patronos ist“ und so, obwohl die Sache im Nachhinein eher dumm klingt. Es stimmt, dass die Zeitspanne ziemlich groß ist, nur manchmal (ich hoffe, ich kann das jetzt gut erklären) habe ich die Dinge dann in meinem Kopf, und glaube einfach, ihr wisst was ich meine.

@Cereal: Glückwunsch! Ich muss zugeben, dass ich wirklich etwas neidisch bin. xD Und Gegenargumente kann ich auch keine bringen.
Zu der Patronos-was-auch-immer-Sache (nenne ich es mal) kann ich auch nicht viel mehr sagen, als bei Koala. Vielleicht ergänze ich noch etwas im Kapitel - mal schauen - oder füge eben eine Patronos-Erklärung hinzu.
Trotzdem danke und schöne Ferien! ^^

@Tigerin: Oh mist. xD Ich habe ehrlich gesagt noch nie Twilight gelesen, nur mal einen Teil angeschaut und da ist mir das gar nicht aufgefallen. Peinlich ist diese Sache jetzt schon, auch weil mir aufgefallen ist, dass einige Charaktere in meiner Geschichte wie welche aus der Twilight-Saga heißen. Vielleicht ist Jay ja wirklich ein glitzernder Emo-Vampir?
Witzigerweise sollte aus diesem einen Kapitel eigentlich zwei werden, aber dann dachte ich mir, dass das irgendwie blöd und zu kurz und was auch immer ist, also kam es jetzt so. Ich glaube zwar, ich trenne es nicht mehr, aber irgendwie ist es schon witzig, dass ihr alle das Gleiche dachtet.
Und außerdem: Vielen Dank! ^^
vor 6 Tagen
Puh, jetzt, wo das erledigt ist, kann ich mich der ernsthaften Besprechung des neuen Kapitels widmen.

Ich könnte mir vorstellen, dass du, Halbiblu, das Gefühl hattest, dass in dem Kapitel nicht viel passiert, aber auch wenn keine Duelle bis zum Tod vorkommen oder Mantikoren bezwungen werden müssen, hat sich auf der emotionalen und zwischenmenschlichen Ebene sehr viel getan. Und das ist streckenweise etwas übereilt beschrieben, da muss ich den anderen beiden leider zustimmen... Natürlich, die wesentlichen Stellen, wie das Quidditchmatch und das Treffen mit Jay, das ist wie immer super. Du kannst einfach schreiben, das ist so. Du hast uns einfach daran gewöhnt, einen sehr hohen Maßstab anzusetzen!
vor 6 Tagen
Wenn es noch keine von euch gesagt hat, muss ich es wohl oder übel tun. *Seufz*

WAS?! Jay hat bernsteinfarbene Augen? OMG! Jetzt kennen wir sein Geheimnis! Er ist ein Twilight-Vampir!
vor 6 Tagen
Toll, jetzt wo Cereal so schön ausgewogen kommentiert hat, komm ich mir meinen knappen Worten so💗ig vor...

Nein, also klar, da war auch viel Schönes in dem Kapitel! Das sehe ich mittlerweile schon als selbstverständlich an.
vor 6 Tagen
Ach ja, und dein Mathelehrer hatte ja wohl selbst den 💗offen!

Meine Situation hat sich nicht wirklich gebessert, aber ich arrangiere mich damit. Geht schon. Danke!
vor 6 Tagen
SOMMERFERIEN!!!😎☀️🤸‍♀️🎉🎊🎆🎇🍦🍨🍧😃🛌👙

Da musste ich mich mal eben ausgiebig drüber freuen, weil eine gewisse Person in Bayern noch zur Schule muss, und sich letztens etwas zu sehr über ihre Pfingstferien gefreut hat, während ich Arbeiten schreiben musste! 😛

Mir gefällt das neue Kapitel, besonders natürlich auch der Schluss, aber ich war auch zeitlich etwas desorientiert. Dieser Sprung am Anfang und dann diese Quasi-Rückblenden, wo erzählt wird, dass sie immer noch Streit hat und sich mit Tracey angefreundet hat, das war nicht ganz leicht nachzuverfolgen. Nicht böse gemeint! Und naja, ich meine, Skye ist ja auch verwirrt von dem Patronus beim Spiel und weiß nicht, was das ist, aber ich hätte schon gedacht, dass das hinterher einiges an Gerede gibt, so von wegen fortgeschrittener Zauber und Malfoy und Co. Strafarbeiten.

Aber gefühlsmäßig passiert wieder sehr viel, zerbrochene Freundschaften, Quidditchfrust, Jay, alles sehr gut beschrieben.
vor 7 Tagen
Das Ende vom neuen Kapitel ist so ein richtig schöner Moment!

Leider finde ich den Rest ein bisschen... verwirrend, vielleicht? Es umspannt einen ziemlich großen Zeitraum, und dann das mit dem Patronus beim Spiel, ich habe die Stelle zweimal lesen müssen, weil ich erst nicht kapiert habe, was vorgeht...
vor 8 Tagen
Hach, Koala, damit hast du das nächste Kapitel wirklich wunderbar eingeleitet! Es geht spannend weiter . . .
Obwohl Jay eine entscheidende Sache verschwiegen hat. Nur welche?

Jedenfalls hasse ich dieses Gefühl auch @Koala! ^^
vor 8 Tagen
Wow, wie ich das hasse, wenn man sich mit seinen Freundinnen so verkracht! Das ist das mieseste Gefühl überhaupt!

Gut, dass wir nicht lange auf das nächste Kapitel warten müssen! Das wäre Folter!
vor 9 Tagen
@Tigerin: Tja, da hast du recht. Aber wie es weitergeht, wirst du bald erfahren. ;)
Und ich sage mal so: Dumbledore ist wahrscheinlich nicht ganz der Typ, mit dem Skye über ihre Probleme redet. xD Von wegen Freundschaften und so.
Übrigens habe ich gefühlt schon zweihundertmal versucht, bei deinem Quiz zu kommentieren. Hat es geklappt? Nein. Vielleicht irgendwann. Im Moment spackt bei mir irgendwie alles. TD, Insta, Hogwarts Mystery . . . Belastend.

@Cereal: Na, das nenne ich mal episch. xD
Ich weiß jedenfalls, was du meinst. Zwar vielleicht nicht so extrem, aber generell denken irgendwie alle Lehrer, sie würden uns „Jugendliche“ verstehen. Danke, nein.
Willkommen zu: STORYTIME MIT HALBLIBLU! In der heutigen Folge sprechen wir über Lehrer. Speziell über meinen Mathelehrer in der sechsten Klasse, der nicht nur Schülerinnen gefragt hat, ob sie den 💗offen hätten oder zum Frauenarzt müssten, sondern so ziemlich jeden auch mal nach der Stude beiseitegenommen hat, um zu fragen, ob sie „Probleme in der Familie“ hätten. Tss, immer diese Mathematiker!
Na ja, trotzdem danke. :)
Und ich hoffe, dass es dir mittlerweile besser geht!
vor 9 Tagen
Oh, wow, sorry... Ähm, merkt man, dass mich das Thema persönlich berührt?

Aber ein cooles Kapitel! Gewohnt hohe Qualität!
vor 9 Tagen
Wie ich das hasse, wenn Lehrer mit dieser Ich war genau wie du und hatte die gleichen Probleme Nummer kommen! Erstens ist das Quatsch! Jeder Mensch ist anders, und selbst für den wirklich, wirklich unwahrscheinlichen Fall, dass der Lehrer, der dich eigentlich nicht kennt und kaum was von deinem Leben weiß, sondern dich nur dreimal 45 Minuten pro Woche im Unterricht sieht, tatsächlich nicht bloß überhaupt weiß, was dein Problem ist, sondern auch tatsächlich haargenau das Gleiche durchgemacht hat, erlebt jeder Mensch doch alles anders! Und dann immer diese Behauptung, dass alles nicht so schlimm wäre und man da schon durchkäme und später alles anders würde, gut würde... Zum Haare raufen! Ich meine, ja, vielleicht hat der Lehrer tatsächlich auch schwere Zeiten erlebt, aber nur, weil es bei ihr gut ausgegangen ist, muss das bei mir doch nicht so sein! Aus der Perspektive ist es einfach, zu sagen, alles wäre nicht so schlimm und es würde gut werden. Wenn man schon weiß, dass es für einen selbst gut ausgegangen ist. Aber es gibt genug Fälle, wo die Probleme nicht plötzlich verschwinden. Woher soll ich, wenn ich mittendrin stecke, wissen, welchen Ausgang es bei mir nehmen wird?
vor 9 Tagen
Wow, mal ganz was anderes! Trouble in paradise! Arme Skye! Sonst hatte sie ja wenigstens immer ihre Hexenfreundinnen, auch wenn es in der sekundären Dimension nicht so lief... Bin gespannt, ob sie sich schnell wieder vertragen, oder ob das längere Funkstille gibt, ob Skye ihrerseits sauer wird und sich dann vielleicht eher mit Jay anfreundet, nach dem Motto "Jetzt erst recht" oder ob sie ihre Freundinnen ins Vertrauen zieht. So ein Doppelleben muss unheimlich belastend sein, und Erwachsenwerden ist auch ohne so ein Geheimnis schwer genug. Mit wem soll sie sonst reden? Mit Dumbledore?