Springe zu den Kommentaren

Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #4 [Eine Harry Potter FF]

star goldstar goldstar goldstar goldstar goldFemaleMale
22 Kapitel - 54.584 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 10.006 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 10 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 5 Personen gefällt es

Glück ist zerbrechlich, das muss auch Skye lernen, für die einen Moment lang alles perfekt schien. Eine dunkle Bedrohung nährt sich der primären Dimension, dann ist da noch das Trimagische Turnier mit all seinen Turbulenzen und der Zeitumkehrer rückt für Skye in den Hintergrund. Denn die Vergangenheit holt sie ein, nicht nur sie, sondern die ganze Welt der Zauberei.

    1
    ((cur))((bold))KLEINE NACHRICHT:((ebold)) Ich denke, ihr kennt die ganze Prozedur mittlerweile schon, deswegen halte ich es recht kurz. Willkommen zu

    KLEINE NACHRICHT:
    Ich denke, ihr kennt die ganze Prozedur mittlerweile schon, deswegen halte ich es recht kurz. Willkommen zu einem weiteren (langen) Jahr in Hogwarts!
    Danke, dass ihr noch immer mitlest, ihr Skyes Geschichte weiterverfolgt und mich unterstützt.
    Das musste ich sagen, bevor jetzt das Formelle kommt:
    Falls ihr die FF gerade erst entdeckt habt, empfehle ich euch, zuerst Teil #1 zu lesen, um alles besser zu verstehen.
    Hier ist der Link:
    https://www.testedich.de/quiz58/quiz/1544816396/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-1-Eine-Harry-Potter-FF
    Wenn ihr zu einem bestimmten Teil einen Kommentar verfassen wollt, dann schreibt einfach so etwas wie Zu
    Teil #1 dazu; dann weiß ich, welchen ihr meint, da die Kommentarbereiche zu den Teilen zusammengefasst sind.
    Kurz und knackig war das, also wird es jetzt losgehen. Viel Spaß bei der erneuten Reise nach Hogwarts!


    Kapitel 1: EINE DOSE VOLLER BRIEFE

    Schwungvoll schlug Skye ihre Englischlektüre zu und rollte sich aus dem Bett. Ihr war ganz schwummrig von der Aufdringlichkeit Shakespeares und so schleuderte sie das Buch auf ihren Schreibtisch und warf einen Blick auf die Uhr. In weniger als einer halben Stunde würde sie sich mit Harper treffen und das war eines der vielen Dinge, die sie gar nicht glauben wollte.
    Skye hätte nie gedacht, dass sie sich jemals mit Leuten wie Harper O’Connor anfreunden würde. Leute, die irgendwie rebellisch waren. Anders als andere und ganz und gar nicht der Norm entsprechend. Zweifellos war „rebellisch“ eines der letzten Adjektive, mit denen Skye sich beschreiben würde. Und trotzdem verstand sie sich mit Harper besser als erwartet.
    Das konnte sie genauso wenig glauben, wie die Tatsache, dass Betty und Padma nun schon seit geraumer Zeit von ihrem Geheimnis wussten. Vor drei Jahren hätte Skye niemals erwartet, dass es soweit kommen würde.
    Nicht, dass Skye es bereute. Es war mehr als eine Erleichterung, dass ihre besten Freundinnen von dem Zeitumkehrer wussten und sie nichts mehr zu verstecken hatte. Aber unglaublich, unglaublich war es dennoch.
    Schmunzelnd bückte Skye sich und angelte die alte Keksdose unter ihrem Bett hervor, in der sie die vielen Briefe ihrer Freundinnen aufbewahrte. Die drei hatten sich in diesem Sommer ständig geschrieben - schließlich gab es viel zu bereden - und das erste, was sie vereinbart hatten, war ein Wiedersehen, so bald wie möglich.
    Skye blätterte die Briefe durch, bis sie den einen fand, der ihr einen ganzen Tag blendende Laune beschert hatte:

    Skye,
    du wirst ausflippen, wenn du erfährst, was passiert ist: Ich (mit ein bisschen Hilfe von Emma) habe es geschafft, Mum so lange zu nerven, bis sie endlich nachgegeben hat!
    Wir dürfen zur Quidditch-Weltmeisterschaft! Das ist mehr als großartig, ich war noch nie bei so einem wichtigen Spiel und Emma ist auch ganz aus dem Häuschen. Weißt du, manchmal ist es recht vorteilhaft, eine Mutter im Ministerium zu haben, denn sie konnte noch Karten ergattern, obwohl diese so begehrt sind. Cho und Marietta kommen auch; ich weiß, du und Cho seid nicht gerade die besten Freundinnen, aber für solch ein Ereignis musst du dich einfach zusammenreißen.
    Padma darf sowieso, schließlich ist ihre Mum großer Quidditch-Fan, und du musst natürlich nicht viel nachfragen.
    Also, halt dich bereit! Wir müssen noch einiges organisieren.
    Betty


    Skye war schon jetzt schrecklich aufgeregt auf ihr erstes richtiges Quidditch-Spiel. Mittlerweile war alles besprochen: In ein paar Tagen würde sie zum Herrenhaus Mermaid‘s Pool reisen und von dort aus direkt zum Spiel Irland gegen Bulgarien.
    Sie legte den Stapel Briefe von Betty sorgfältig zu den vielen anderen Pergamenten. Nicht alle waren von Betty oder Padma - nein, denn Skye schrieb in letzter Zeit überraschend oft mit Jay.
    Ja, Jay, der Slytherin-Junge, über den sie im letzten Jahr wortwörtlich in der Bibliothek gestolpert war. Zwar hatte er ihr einen Klatscher vor den Kopf gedonnert, war eine Niete in Zauberkunst und oftmals viel zu frech, aber Skye hatte gemerkt, dass sie sich in vielem ähnelten.
    Als sie dann an ihrem Geburtstag überraschenderweise nicht nur Eulenpost von Betty und Padma, sondern auch von Jay, erhalten hatte, hatte Skye sich ein paar Sekunden lang unschlagbar gefühlt. Seitdem schrieben sie sich oft, über Briefe konnten man über alles reden: Spekulationen über den neuen Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, das seltsame Ereignis im nächsten Jahr, von dem scheinbar alle wussten, nur sie nicht, und als Skye davon hörte, dass sie das Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft sehen würde, war das erste was sie tat, einen Brief an Jay zu verfassen. Er würde auch da sein, weil sein Vater mit einem Mann befreundet war, der viel mit dem Minister zu tun hatte, und so waren sie an Karten gelangt, ohne überhaupt etwas bezahlen zu müssen.
    Andächtig schloss Skye ihre wertvolle Keksdose und schob sie wieder zurück auf ihren staubigen Platz unter dem Bett. Langsam wurde es wirklich Zeit, dass sie sich auf den Weg machte, also prüfte Skye, ob sie ihren Zauberstab hatte - den sie immer unauffällig unter ihrem T-Shirt versteckte -, warf einen prüfenden Blick auf ihren Kleiderschrank mit den versteckten Hogwarts-Schulbüchern und lief dann aus ihrem Zimmer.
    Schnell polterte sie die Treppe hinauf und steckte die Nase aus dem Fenster.
    „Ich treffe mich mit Harper“, teilte sie ihren Eltern mit, die kaffeetrinkend auf dem Balkon saßen.
    „Viel Spaß“, antwortete ihr Vater.
    „Diese Harper“, begann ihre Mutter, „mit der verstehst du dich gut, nicht?“
    Skye nickte etwas perplex über diese Frage. „Ja.“
    Ihre Mutter lächelte zufrieden. „Dann bis später.“
    „Bis später“, antwortete Skye und wollte sich schon umdrehen, da hielt ihre Mutter sie auf.
    „Ach, und Skye, Schatz, bitte räum‘ später noch dein Zimmer auf.“
    Skye verdrehte grinsend die Augen. „Ist gut, Mum.“
    Dann sauste sie die Treppe nach unten und huschte durch die Haustür.
    Das Wetter in Rosewood war gut, so gut, dass Skye sich schon auf ein Eis bei Giulia‘s freute. Mit schnellem Tempo marschierte sie durch die Straßen, und als sie auf dem Marktplatz ankam, wartete Harper schon dort.
    Skye fragte sich wirklich, wie man es aushielt, selbst im Sommer so viel Schwarz zu tragen.
    „Hey“, begrüßte Harper sie grinsend, als Skye hechelnd auf sie zulief. „Du siehst verschwitzt aus.“
    „Bin ich auch.“ Skye fächerte sich Luft zu. „Liegt wahrscheinlich an diesen unverschämten Temperaturen, die im Moment herrschen.“
    Als würden sie sich in Gedanken unterhalten, schlugen die beiden Mädchen gleichzeitig den Weg zur Eisdiele ein.
    „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“, fragte Skye.
    Harper schüttelte den Kopf. „Wenn du mich fragst, ist Sommerlektüre das Dümmste, was man sich jemals ausgedacht hat.“
    „Ich glaube, das sieht Mr Brewer nicht so.“
    „Juckt nicht.“ Harper zuckte mit den Schultern. „Ich hatte in den Sommerferien Besseres zu tun.“
    „Wie zum Beispiel?“, fragte Skye stirnrunzelnd.
    „Also, weißt du“, begann Harper. „Meine Mutter schleppt mich jedes Jahr in so ein blödes Reitercamp. Und da war so ein Mädchen, die hatte schrecklich Heimweh, und alle haben sich darüber lustig gemacht.“
    „Und dann?“
    „Dann habe ich beschlossen, nicht so zu sein. Ich will nicht mehr einfach nur dabeistehen, sondern etwas tun.“
    Skye hörte überrascht zu. Sie hatte immer gedacht, dass Harper einer dieser Menschen war, die überzeugt gegen Ungerechtigkeit kämpfen.
    „Also, du willst praktisch deine Persönlichkeit umkrempeln“, fasste Skye zusammen.
    „Ein bisschen“, antwortete Harper.
    „Ich glaube, ich bin zu feige für so was“, gab Skye zu.
    „Das ist schlecht.“
    „Ich weiß.“
    Harper hob belehrend den Zeigefinger. „Du musst es wollen.“
    Skye zuckte mit den Schultern. Im Moment war sie eigentlich ganz zufrieden mit allem. Im Grunde konnte es so bleiben. Denn Skye fühlte sich irgendwie glücklich.

    BILD: Das Titelbild der Reihe

    2
    ((bold))((navy))Kapitel 2: KINDER SCOUT((ebold))((enavy)) Skye wollte es nicht wahrhaben, doch langsam aber sicher musste sie sich an die Tatsache gew

    Kapitel 2: KINDER SCOUT

    Skye wollte es nicht wahrhaben, doch langsam aber sicher musste sie sich an die Tatsache gewöhnen, dass die Schule in der sekundären Dimension bald wieder losgehen würde. Natürlich hatte sie alles andere als Lust und die Rosewood Grammar School wirkte nach sechs Wochen Sommerferien nicht gerade großartig, aber so war es doch immer. Und es gab nie so wirklich einen Ausweg und knallhartes Ignorieren wie Harper es tat half im Grunde auch nichts.
    Die einzige Sache, die Skye nun aufheiterte, war die Erwartung auf die Weltmeisterschaft und natürlich der Besuch bei Betty.
    Dabei war es gar nicht so einfach, richtig für solch ein Ereignis zu packen; Skye war - abgesehen von ein paar örtlichen Lacrossespielen - nie bei einem richtig sportlichen Event Zuschauer gewesen und so fragte sie sich bald, ob sie auch Fanartikel bräuchte, wie das Wetter werden würde und ob bei den Zauberern vielleicht doch alles ganz anders war. Natürlich hatte sie immer die Möglichkeit, noch etwas mittels einer kleinen Reise mit dem Zeitumkehrer nachträglich zu holen, aber Betty, Padma und sie hatten sich darauf geeignet, Skye sollte nicht einfach kofferlos aufkreuzen, schließlich war das viel zu auffällig.

    Nach ausführlicher Packarbeit und unbändiger Vorfreude war es dann endlich soweit: Die Reise zum Herrenhaus am Mermaid‘s Pool stand bevor. Es waren nun schon ganze zwei Jahre vergangen, seitdem Skye zum letzten Mal dort gewesen war. Sie konnte sich noch gut an das riesige Anwesen mit dem marineblauen Anstrich, sprechendem Tor und flüsternden Wänden erinnern, dennoch war sie sogar ein wenig aufgeregt.
    Da gab es schließlich auch noch immer die Möglichkeit, dass der Zeitumkehrer sie an einen ganz anderen Ort bringen (sie hatte schon die wildesten Sachen erlebt) oder sich weigern würde, überhaupt zu funktionieren. Das war Skye auch schon ein paarmal passiert und sie schloss daraus, dass Nicolas Flamel die falsche Nutzung des wertvollen Artefakts einfach vermeiden wollte.
    Aber mit ein bisschen Glück würde alles gut laufen, also drehte Skye am Tag der Abreise sorgfältig an dem passenden Rädchen, umfasste ihren Koffer und Twigs Käfig so fest wie sie konnte und ließ sich mit geschlossenen Augen elegant in die nachtschwarze Ewigkeit fallen.

    Als Skye wieder in die helle Sonne blinzelte, fand sie sich in einem dunklen Gässchen wieder, das vollkommen gewöhnlich und ganz und gar nicht nach einem magischen Haus aussah. Sie runzelte verwirrt die Stirn, beschloss dann aber schulterzuckend, dass die Winkelgasse im Grunde auch nichts anderes war.
    Also rollte Skye ihren Koffer über den unebenen Steinboden und stand nicht viel später auf einer Marktstraße, wo die Leute geschäftig auf- und abliefen. Skye bemerkte schnell, dass das Muggel sein mussten (die viel zu gewöhnlichen Kleider und das ernste Gesicht waren eindeutig), also versuchte sie, Twig möglichst unauffällig zu tragen, was bei einer mehr oder weniger überfütterten Schleiereule gar nicht so einfach war.
    Einen Blick auf die Bäckerei, die „Hayfields bestes Brot“ anpries, war noch ein eindeutiges Zeichen, wo Skye sich befand. Ungünstig war dabei nur, dass sie nie von einem Ort namens „Hayfield“ gehört hatte. Zwar war Geographie nicht ihr bestes Fach, aber dennoch war sie ratlos und mehr als frustriert. Natürlich konnte der Zeitumkehrer es ihr nicht einmal einfach machen.
    Skye fühlte sich mit ihrem Koffer eindeutig fehl am Platz. Die Leute starrten sie auffällig verwirrt an, während sie unter den vielen Blicken immer kleiner wurde.
    „Entschuldigung, Ma‘am“, fragte Skye nach kurzer Überwindung eine Frau, die vor dem Schaufenster eines Modegeschäfts stand und die Auslagen begutachtete. „Ich suche den Mermaid‘s Pool.“
    „Mermaid‘s Pool?“, fragte die Frau in einem schrecklich liverpoolerischen Akzent. „Da musst du auf den Kinder Scout.“
    „Den Kinder Scout?“, fragte Skye ratlos.
    „Der Berg dort.“ Die Frau zeigte auf ein moosbewachsenes Plateu, das hinter den Häusern in den Himmel ragte. „Der Wanderweg beginnt hier in Hayfield.“
    „Wanderweg?“
    Skye wollte nicht glauben, was sie da hörte. Sie sollte wandern? Mit Koffer und Eule im Schlepptau?
    Die Frau musterte Skye verwirrt. „Warum solltest du sonst zum Mermaid‘s Pool wollen? Es ist schließlich ein Nationalpark.“
    „Ja, ja, hatte ich vergessen“, antwortete Skye matt. „Wo beginnt denn der Wanderweg?“
    Die Frau erklärte ihr bereitwillig, wie man von Hayfields Marktstraße auf den Weg zum Kinder Scout kam und Skye hörte stumm zu. Nach knappem Dank lief sie mürrisch los.
    Hayfield war kein besonders großes Dörfchen, ein bisschen erinnerte es sie an Rosewood, aber der Kinder Scout sah dafür ganz anders aus.
    2,087 Fuß, warb ihn das Schild am Anfang des Weges an.
    Skye stöhnte frustriert und ließ sich auf einen nahegelegenen Stein sinken. Twig schuhute anklagend und sah Skye mit wachsamen Augen an.
    „Ich weiß ja auch nicht“, sagte Skye wie als Antwort.
    Sie warf einen kurzen Blick auf den Koffer, der ganz und gar nicht geeignet für eine Wanderung schien. Twig könnte sie fliegen lassen, aber viel würde das auch nicht helfen.
    „Beim nächsten Mal frage ich Betty, ob sie mich abholt“, sagte Skye diesmal mehr zu sich selber.
    Twig gurrte zustimmend und das brachte Skye auf eine Idee.
    „Stimmt!“ Sie sprang auf. „Betty kann mich nicht abholen. Aber ihre Hauselfe kann!“
    Ihr war plötzlich wieder eingefallen, dass Hauselfen auch apparieren und disapparieren konnten. Höchst zufrieden über diese Idee öffnete Skye ihren Koffer und wühlte zwischen den vielen Kleidern, Büchern und Kleinkram ein Stück Pergament hervor. Einen Kugelschreiber hatte sie schnell gefunden und so kritzelte sie eine Nachricht an Betty.
    Hastig sah sie sich um, denn wenn ein Muggel sie nun beobachtete, musste das äußerst eigenartig wirken. Aber der Wanderweg schien nicht gerade begehrt, also konnte sie ungestört Twig aus dem Käfig lassen und das Pergament an seinem Bein befestigen.
    „Beeil dich“, befahl sie ihm. „Es ist nicht besonders gewöhnlich, mit einem Koffer irgendwo in der Natur zu hocken.“
    Bei Eulen hatte Skye immer das seltsame Gefühl gehabt, als würden sie Menschen verstehen und auch Twig sah so entschlossen aus, dass sie das direkt geglaubt hätte. Er schraubte sich in die Höhe, bis er nur noch ein brauner Klecks inmitten des blauen Himmels zu erkennen war.
    Skye setzte sich wieder auf ihren Stein und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen. Das war genau einer dieser Orte, den ihre Eltern lieben würden. Große Wiesen, zwitschernde Vögel und ewige zu erklimmende Höhen.
    Skye hasste Wandern. Das war auch genau der Grund, warum sie hoffte, dass Twig sich beeilen würde.
    Und sie wartete.
    Sie wartete so lange, dass sie schon überlegte, ob ihre Idee überhaupt funktionieren würde. Konnten Hauselfen vielleicht doch nur sich selbst transportieren? Würde Betty ihre Nachricht überhaupt empfangen?
    Aber plötzlich erschütterte ein Knall die idyllische Landschaft.
    „Hier bin ich, Freundin der Herrin“, quiekte Tiny, die kleine, in in blaues Geschirrtuch gekleidete Hauselfe der Warringtons.
    „Endlich!“ Skye hätte das zierliche Geschöpf vor Freude am liebsten umarmt.
    Aber stattdessen raffte sie ihren Koffer auf und sah Tiny fragend an.
    „Du kannst mich doch mitnehmen, oder?“
    „Natürlich!“ Die Elfe nickte heftig. „Tiny hat auch schon den Tee aufgesetzt!“
    Skye schmunzelte etwas verschüchtert. Es war wirklich seltsam, wie unterwürfig Hauselfen waren. Aber für Leute wie Betty musste das wohl normal sein.
    „Sie müssen Tinys Hand nehmen!“, piepste diese und streckte Skye ihr winziges Händchen hin, das so zerbrechlich wie ein paar Salzstangen wirkte.
    „Und jetzt?“, fragte Skye.
    „Festhalten!“
    Es fühlte sich an, als würde Skye plötzlich in ein viel zu enges Rohr gepresst werden. Ihre Organe schienen sich zusammenzuballen, Farben und Formen wirbelten vor ihrem Auge umher und auch Luft schien sie keine zu kriegen. Das Gefühl war ganz anders als das Reisen mit dem Zeitumkehrer und eins stand fest: Es war schrecklich.
    Die paar Sekunden schienen sich ewig in die Länge zu ziehen, aber dann hörte es auf. Die Umgebung beruhigte sich wieder, marmorne Treppen erschienen wie aus dem Nichts und plötzlich hatte Skye wieder festen Boden unter den Füßen.
    „Alles in Ordnung?“, quiekte Tiny fragend, während Skye sich zittrig auf ihren Koffer stützte.
    „Abgesehen davon, dass ich mich wahrscheinlich gleich übergebe, ja“, erwiderte sie matt.
    Nach kurzem Umsehen erkannte Skye schnell, dass das der Eingangsbereich des Warrington-Anwesens war. Wüsste man nicht, dass hier jemand wohnte, könnte man den riesigen Flur mit dem gläsernen Springbrunnen und den vielen Türen fast für ein Museum halten.
    Skye musste an ihren ersten Besuch vor zwei Jahren denken. Damals hätte sie niemals geglaubt, dass Leute wirklich so lebten. Aber die Warringtons waren keine einfachen Leute. Sie waren Zauberer, und reinblütige noch dazu.
    „Tiny? Bist du das?“, erklang plötzlich eine Stimme von der Treppe und Skye schaute nach oben.
    „Betty!“, rief sie so laut, dass es ein wenig echote und kurz darauf erschien ein Kopf mit dunkelbraunem Haarschopf auf der rechten Treppe.
    „Da bist du ja!“, frohlockte Betty, drehte sich um und brüllte „PADMA! Nimm deine Füße in die Hand, Skye ist hier!“ in die oberen Stockwerke, die alle mit den beiden Treppen verbunden waren.
    „Ich habe mich ein wenig verspätet“, grinste Skye.
    „Ein wenig?“ Betty polterte eine der verschlungenen Treppen herunter. „Du bist wirklich immer die letzte.“
    „Du weißt schon“, sagte Skye mit gesenkter Stimme. „Zeitumkehrer-Komplikationen.“
    „Schlimm, das Ganze“, stellte Betty fest und zog Skye in eine feste Umarmung, während eine andere Person auf der Treppe erschien.
    „Da bist du ja endlich!“
    Padma eilte die Stufen hinunter und drückte Skye fast schon erleichtert.
    „Du hast ganz schön lange gebraucht“, sagte sie.
    Skye deutete auf ihr T-Shirt, dort wo der Zeitumkehrer versteckt war. „Da kannst du dich bei dem bedanken. Er hat mich in Hayfield ausgesetzt.“ Sie wandte sich anklagend an Betty „Du hast nie erwähnt, dass dieser Kinder Scout irgendein Wanderziel ist!“
    Betty zuckte mit den Schultern. „Die Warringtons waren die ersten hier oben. Nur irgendwann haben dann die Muggel beschlossen, das Gebiet zu einem Nationalenpark oder so zu machen.“
    „Nationalpark“, verbesserte Padma sie und Betty verdrehte die Augen.
    „Jedenfalls hatte ich nicht vor, den Weg hierhin zu wandern“, stellte Skye fest.
    „Tiny war natürlich sofort Feuer und Flamme“, berichtete Padma. „Wo ist sie überhaupt?“
    „Hat wahrscheinlich schon deinen Koffer hochgebracht“, sagte Betty. „Und um den Tee muss sie sich noch kümmern.“
    „Wollen wir nach oben gehen?“, fragte Skye.
    Betty nickte. „Emma will dich sicher auch begrüßen.“
    „Sind Cho und Marietta noch nicht da?“, fragte Skye, während die Drei die Treppe hochstiegen.
    „Sie kommen erst morgen“, antwortete Betty. „Mum ist auch bei der Arbeit. Wegen dem Quidditch-Finale, da geht es im Ministerium drunter und drüber.“
    „Warum?“, erkundigte Skye sich neugierig.
    „Die Sicherheitsmaßnahmen müssen perfekt sein und alles. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das für die in der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten sein muss.“
    „Besser so“, ergänzte Padma. „Wenn man bedenkt, dass Sirius Black entkommen ist.“
    „Wenn du mich fragst, ist das eine Verschwörung“, sagte Betty. „Das meint Mum auch. Sie kennt Black von früher.“
    Mittlerweile waren die Mädchen im zweiten Stock angekommen; hier lagen sowohl Bettys als auch Emmas Zimmer, auf das sie zielstrebig zusteuerten.
    Emma hatte ihre Zimmertür in den letzten zwei Jahren mit noch mehr Postern, Stickern und Schildern zugekleistert; Skye konnte sich nur noch an das Plakat der Schicksalsschwestern, das unter einem großen Bitte-klopfen-Schild prangte, erinnern.
    Betty schien das kein Stück zu interessieren, sie rauschte ungeniert in Emmas Zimmer und Padma und Skye folgten ihr etwas schüchterner. Emma stöhnte genervt, diese Missachtung ihrer Regeln schien keine Neuheit zu sein.
    „Skye hat es auch endlich geschafft“, teilte Betty ihr großen Schwester mit.
    „Hey“, grinste Skye Emma zu, während diese schwungvoll aus ihrem Bett hüpfte und mit wenigen Schritten das Chaos in ihrem Zimmer überquert hatte.
    „Das hat aber lang gedauert“, stellte sie fest, während sie Skye durchs Haar wuschelte, als wäre sie ein Schoßhund.
    „Muggel-Eltern“, log Skye beflissen und Betty und Padma warfen sich einen bedeutungsvollen Seitenblick zu.
    „Schade, dass Mum nicht da ist“, sagte Emma. „Sie hätte sie sicher gerne kennengelernt.“
    „Schade“, antwortete Skye gedehnt und konnte sich ein Grinsen nur schwer unterdrücken.
    „Gibt es Neuigkeiten von deiner Eule?“, erkundigte Padma sich.
    „Gyth?“ Emma schüttelte den Kopf. „Wie vom Erdboden verschwunden.“
    „Und Mum will ihr erste eine neue Eule schenken, wenn sie mindestens acht ZAGs kriegt“, kicherte Betty schadenfroh.
    „Ratet mal, wer Mum diese bescheuerte Idee in den Kopf gesetzt hat“, sagte Emma säuerlich und Padma und Skye mussten gar nicht groß nachdenken.
    „Ich dachte nicht, dass sie das wirklich durchzieht“, meinte Betty scheinheilig und ging hinter der Tür in Deckung, da Emma nicht gerade friedfertig aussah.
    „Jetzt muss ich vorerst die Schuleulen benutzen“, berichtete Emma griesgrämig. „Und solange wir noch hier sind eine von unseren.“
    Während Betty hysterische lachte, wandte Padma sich begeistert an Skye. „Hier gibt es eine eigene Eulerei! Verrückt, nicht?“
    Kopfschüttelnd grinste Skye. Eine Eulerei im Haus, das war typisch Zauberer. Das Warrington-Anwesen war wirklich wie ein Museum. Aber ein schräges, das musste Skye zugeben.

    BILD: Hayfield

    3
    ((bold))((navy))Kapitel 3: ABSTECHER IN DIE SEKUNDÄRE DIMENSION((ebold))((enavy)) „Und deine Eltern, Skye?“ Mrs Warringtons Stimme riss Skye unsa

    Kapitel 3: ABSTECHER IN DIE SEKUNDÄRE DIMENSION

    „Und deine Eltern, Skye?“
    Mrs Warringtons Stimme riss Skye unsanft aus ihren Gedanken.
    „Wie bitte?“, fragte sie schnell.
    „Deine Eltern. Als was arbeiten sie?“ Mrs Warrington musterte sie seltsam genau, und Skye hoffte, dass man als Auror nicht darauf trainiert wurde, Lügen zu entlarven.
    Sie warf einen kurzen Blick zu Betty und Padma, die gegenüber von ihr an der langen Tafel saßen. Das Esszimmer wirkte seltsam verlassen ohne die vielen Leute, für die es gedacht worden war. Diese Leere schien von dem vielen Essen versucht gefüllt zu werden. Massen davon stapelten sich auf dem Tisch, liebevoll von Tiny angerichtet.
    „Sie sind Professoren“, antwortete Skye wahrheitsgemäß. „An einer Universität.“
    Mrs Warrington nickte interessiert. Obwohl es ihr freier Tag war, trug sie ein schwarzes, hochgeschlossenes Kleid. Skye fiel auf, dass sie Bettys Mutter noch nie ohne dunkle Umhänge gesehen hatte.
    „Es muss schwer für dich sein, dass deine Eltern kein Teil unserer Welt sind“, stellte Mrs Warrington dermaßen bestimmt fest, dass Skye erschrak.
    „Wie bitte?“
    Es dauerte kurz, bis ihr auffiel, dass Mrs Warrington wohl nicht die primäre Dimension meinte, sondern die Welt der Zauberer.
    „Ähm, ja“, fügte sie schnell hinzu. „Sehr schwer. Wirklich - ähem - hart.“
    Skye spürte, wie augenblicklich Röte in ihre Wangen kroch. Natürlich hatte Mrs Warrington nicht die primäre Dimension gemeint. Das wäre vollkommen unlogisch gewesen.
    Betty prustete belustigt in ihren Kürbissaft und schien sich sehr zu amüsieren. Das brachte ihr einen verwirrten Blick Emmas ein, was sie nur noch mehr zum Lachen brachte.
    „Du bist blöd“, stellte Emma fest und schnippte ihrer kleinen Schwester einen Brotkrumen ins Gesicht.
    „Emma!“, warnte Mrs Warrington streng und Betty sah so aus, als würde sie ihren Kürbissaft gleich über den Truthahn spucken.
    Skye beobachtete, wie Padma Betty ihren Ellenbogen in die Seite hieb, und musste selbst ein wenig über die Absurdität der ganzen Situation grinsen.
    „Gibt es denn Neuigkeiten von Bertha Jorkins?“, fragte Padma hastig, um das Thema zu wechseln.
    „Leider nicht“, antwortete Mrs Warrington bereitwillig. „Sie ist noch immer nicht wieder aufgetaucht. Das ist natürlich auch beunruhigend für das Ministerium . . . Gerade jetzt kommt es nicht besonders gut an, wenn Mitarbeiter verschwinden.“
    „Wegen der Weltmeisterschaft?“, fragte Skye.
    „Auch.“ Mrs Warrington holte kurz Luft. „Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum sie plötzlich noch Karten für uns hatten. Wir Auroren werden bei der Weltmeisterschaft sehr begrüßt.“
    „Und dann ist Sirius Black auch noch entwischt“, ergänzte Betty, die sich mittlerweile wieder etwas beruhigt zu haben schien.
    Das schien Padma auf eine Idee zu bringen. „Betty hat erzählt, Sie haben Black gekannt?“, fragte sie neugierig.
    Mrs Warrington blieb für einen Moment stumm und warf Betty einen dieser Mutter-Blicke zu, die Skye nur zu gut kannte.
    „Entfernt“, antwortete sie schließlich. „Er war schon immer viel zu leichtsinnig. James Potter und er waren in Hogwarts als Unruhestifter bekannt. Auch nach ihrer Schulzeit hat sich daran nicht viel geändert.“
    Skye fragte sich stumm, was Mrs Warrington wohl von ihrer Theorie halten würde. Ob sie Black gut gekannt hatte?
    „Hatten Sie auch nach ihrer Schulzeit mit ihm zu tun?“, hakte Padma nach.
    Skye bemerkte direkt, dass diese Frage zu viel war.
    „Ja“, antwortete Mrs Warrington. „Aber es gibt manche Dinge, von denen vierzehnjährige noch nichts wissen sollten.“
    Und damit war das Gespräch beendet.

    Es war später Nachmittag, als Cho und Marietta endlich eintrafen. Skye begrüßte ihre Teamkollegin eher verhalten, schließlich hatten die beiden nicht gerade das beste Verhältnis miteinander.
    Die drei endlich wieder vereinten Freundinnen verkrochen sich schnell in Emmas Zimmer, wo sie hinter verschlossenen Tür kicherten und tratschten.
    Auch Betty, Padma und Skye versammelten sich, denn es gab etwas Wichtiges zu erledigen.
    „Und was ist, wenn du mich loslässt?“, fragte Padma, die mit einem besorgten Gesicht auf dem Boden in Bettys Zimmer saß.
    „Werde ich schon nicht“, versicherte Skye. „Was ist denn plötzlich los mit dir? Du warst doch immer so scharf darauf, mal in die sekundäre Dimension zu kommen.“
    Padma zuckte mit den Schultern. „Ja, schon, aber dieses Zeitumkehrer-Reisen klingt irgendwie gefährlich.“
    „Es ist gar nicht schlimm“, sagte Betty. „Dabei war ich beim ersten Mal noch nicht einmal darauf vorbereitet.“
    Skye nickte beipflichtend. „Aber wenn du nicht willst, ist es auch nicht schlimm.“
    „Na gut, na gut, ich mach‘s. Aber pass auf Skye, ja?“, erwiderte Padma geschlagen.
    „Natürlich. Keine Angst, ich bin Profi“, grinste Skye. „Kommt her.“
    Folgsam trotteten Betty und Padma zu ihr und stellten sich neben sie.
    „Und jetzt?“, fragte Padma.
    „Nicht durchdrehen bitte“, antwortete Skye, während sie den Zeitumkehrer hervorzog. „Ich zähle bis drei, dann nehmt ihr meine Hände“, befahl sie und drehte geübt an dem winzigen Rädchen zum Wechseln der Dimensionen.
    „Eins -“ Skye warf einen prüfenden Blick auf die verschlossene Zimmertür.
    „Zwei -“ Padma wimmerte aufgeregt.
    „Drei.“ Sie ließ den Zeitumkehrer los und Betty und Padma ergriffen ihre Hände.
    „Gut festhalten“, sagte Skye noch, dann kippten die drei Freundinnen ins nachtschwarze Unendliche.

    „Das war mit Abstand das Gruseligste, was ich in meinem ganzen Leben gemacht habe.“
    Padma sah wirklich so aus, als hätte sie gerade einen Geist gesehen und schaute sich mit großen Augen um.
    „Du hast recht“, sagte Betty zu Skye. „Man gewöhnt sich dran.“
    „Siehst du.“ Skye grinste.
    „Wo sind wir hier?“, fragte Padma neugierig.
    Auch Skye sah sich mehr oder weniger ratlos um. Sie waren mitten auf einer Straße gelandet, unauffällige Kleinstadthäuser reihten sich nebeneinander auf und alles in allem sah es sehr nach Rosewood aus.
    „Ehrlich gesagt, bin ich mir selbst nicht ganz sicher“, sagte Skye. „Rosewood, schätze ich. Aber hier sieht alles gleich aus.“
    Du weißt nicht, wo wir sind?“, hakte Padma mit panischem Unterton nach. „Das heißt, dass -“
    „Komm runter“, unterbrach Skye sie. „Ich finde mich schon zurecht. Irgendwo hängt sicher ein Schild.“
    „Ich glaube, dein Zeitumkehrer ist kaputt oder so“, stellte Betty fest.
    Skye knirschte mit den Zähnen. „Wahrscheinlich. Erst Hayfield und dann das.“ Sie seufzte. „Kommt. Am Ende der Straße gibt es sicher ein Schild.“
    Die Drei liefen wortlos den Bürgersteig entlang, bis Padma plötzlich in die Ferne zeigte. „Da kommt jemand.“
    Skyes Blick folgte ihrem Finger und wirklich, eine Person stapfte den Weg entlang. Sie war zu weit entfernt, um ihr Gesicht zu erkennen.
    „Tut auf Muggel“, befahl Skye.
    Betty und Padma prüften augenblicklich, ob ihre Zauberstäbe unter ihren T-Shirts sichtbar waren und auch Skye hoffte innigst, dass sie die Person nicht kannte.
    „Die sieht aber schräg aus“, bemerkte Betty plötzlich.
    Auch Skye schaute nun genauer hin und bekam einen fürchterlichen Schreck. Kurzes braunes Haar, schwarze, kunstvoll zerfetzte Kleidung. Es war Harper.
    „Ich kenne die“, flüsterte Skye panisch. „Stimmt mir einfach immer zu, okay?“
    Padma warf ihr einen Seitenblick zu. „Ist das das Mädchen, von dem du erzählt hast?“
    Skye nickte. „Ja. Genau die.“
    „Dann hoffe ich, dass du eine gute Ausrede parat hast.“
    Mittlerweile kamen sich die Vier immer näher und Skye schluckte. Warum hatte sie nur zugestimmt, Betty und Padma in die sekundäre Dimension mitzunehmen?
    „Hey! Was machst du denn hier?“ Harper winkte Skye schon von weitem zu.
    „Hallo“, rief diese zurück und zwang sich ein Lächeln auf. „Nur - ähem - zufällig.“
    „Ist ja lustig.“ Harper blieb vor ihnen stehen und zeigte auf ein Haus. „Da wohne ich nämlich.“
    Skye grinste matt, aber verfluchte innerlich den Zeitumkehrer. „Cool.“
    „Und, was macht ihr so?“, fragte Harper und warf einen Blick auf Betty und Padma, die mit unschuldigem Blick neben Skye standen.
    „Das sind . . . Freunde“, sagte Skye schnell. „Aus London. Sie sind zu Besuch, weil - weil meine Eltern mit ihren Eltern zu tun haben.“
    Harper grinste Betty und Padma neugierig zu, die ebenso gezwungen wie Skye lächelten.
    „Ich bin Padma“, stellte diese sich schnell vor, als Harper erneut den Mund öffnen wollte.
    Skye warf einen Seitenblick auf Betty, die Harper ein wenig zu fasziniert musterte und keine Anstalten machte, sich vorzustellen.
    „Und das ist Betty“, sagte Skye langsam und legte ihre Hand auf Bettys Rücken, wo sie sie kräftig zwickte.
    Betty zuckte zusammen. „Bei Merlins schlabbriger -“, beschwerte sie sich und brach dann abrupt ab.
    Skye hatte schon darauf gewartet, dass so etwas passieren würde. „Sie hat einen Sprachfehler“, erklärte sie schnell und diesmal war Betty schlau genug, stumm zu nicken.
    „Ähm . . . ja.“ Harper schien ziemlich verwirrt, sie musterte Betty, die einen hochroten Kopf bekommen hatte, mit einer sehr verwunderten Miene.
    „Es war schön, dich kennengelernt zu haben“, sagte Padma übereifrig und hielt Harper die Hand hin, die sie eher zögerlich schüttelte.
    „Wir müssen jetzt aber auch weiter“, erklärte Skye. „Bis bald dann . . .“
    Bevor Harper noch etwas sagen konnte, zog sie Betty mit und Padma folgte ihr gehorsam.
    „Tut mir leid“, entschuldigte Betty sich direkt, als sie außer Hörweite waren. „Das war ein Reflex.“
    Skye seufzte. „Ist schon okay. Sie denkt wahrscheinlich jetzt, du hättest einen an der Klatsche oder so.“
    „Sind Muggel alle so?“, fragte Betty.
    Padma seufzte. „Ich habe dir doch gesagt, du hättest Muggelkunde wählen sollen.“
    Skye fragte sich, was Harper nun wohl von ihr dachte. Diese Begegnung war mehr als eigenartig gewesen und Bettys Ausrutscher nicht gerade hilfreich. Sie hoffte, dass Harper sie nie wieder darauf ansprechen würde, aber andererseits wollte sie es auch, damit sie Dinge klarstellen konnte. Die Sache war mehr als kompliziert.
    Dank eines rettenden Straßenschilds konnte Skye ihre Freundinnen durch Rosewood führen, was gar nicht so einfach war. Es gab zwar nicht viele Häuser in ihrem Heimatdorf, aber dafür sah jedes gleich aus. Eintönig, langweilig, muggelhaft.
    „Kein Wunder, dass du uns nie hiervon erzählt hast“, sagte Betty. „Besonders spannend ist Rosewood ja nicht.“
    Skye konnte gar nicht anders, als ihr zuzustimmen. Natürlich war Rosewood im Vergleich zu Mermaid‘s Pool oder Hogwarts ein Nichts.
    „Mein Familie lebt schon seit Ewigkeiten hier“, erzählte Skye.
    Padma sah sich zwar recht interessiert um, aber sie war wahrscheinlich auch ein bisschen enttäuscht. Selbst wohnte sie in Norwich, einer Stadt im Osten Englands und Rosewood musste ihr im Vergleich sicher auch ziemlich kläglich vorkommen.
    Skye führte ihre Freundinnen ein wenig herum, sie aßen ein Eis bei Giulia‘s (Betty kam zum Schluss, dass es nicht ganz so gut schmeckte wie bei Florean Fortescues Eissalon) und dann wollte Padma unbedingt ihr Haus sehen. Nach kurzem Zögern gab Skye nach, aber nur unter der Bedingung, dass sie es sich von außen anschauen würden. Damit gab auch Padma sich zufrieden, also schlenderten sie betont unauffällig durch den Goordonweg, bis sie schließlich vor dem Haus 12b angekommen waren. Skye scheuchte ihre Freundinnen schnell hinter eine Hecke, wo sie niemand sah.
    „Hier wohnst du also“, sagte Padma fasziniert und begutachtete das unauffällige Reihenhaus mit dem kleinen Vorgarten und der weißen Hauswand, an der sich Efeu emporrankte.
    Skye nickte. „Da ist mein Zimmer.“ Sie zeigte auf das vordere Fenster, das Richtung Straße zeigte. „Und in diesem Strauch hat sich damals mein Hogwarts-Brief verheddert“, erklärte sie mit einem Blick auf den Vorgarten eines Nachbarn.
    Sie konnte sich noch gut daran erinnern, als sie eines Nachmittags von der Schule nach Hause kam und ihr ein gelbes Ding ins Gesicht geflogen war. Es war stürmisch gewesen und damals hatte Skye sich sehr über den Brief gewundert, der erschreckend genau adressiert war. Nie hätte sie erwartet, dass damit das größte Abenteuer ihres Lebens beginnen würde. Es war so viel seit diesem bedeutungsvollen Tag passiert: Sie hatte neue Freunde gefunden, Abenteuer erlebt und eine ganz andere Welt entdeckt.
    „Dürfen wir rein?“, bettelte Padma.
    „Nein.“ Skye schüttelte entschieden den Kopf. „Ein anderes Mal, wenn es wirklich sicher ist.“
    Padma schien enttäuscht, aber sie sagte nichts mehr. Die Drei beobachteten schweigend das Haus, versteckt hinter ihrer Hecke.
    „Ich kann noch immer nicht glauben, dass deine Eltern nichts von unserer Welt wissen“, sagte Betty plötzlich.
    Skye sah zu ihr herüber. Ein Ast hatte sich in Bettys Haaren verfangen.
    „Rein gar nichts“, bestätigte sie.
    „Hast du vor, es ihnen irgendwann zu sagen?“, fragte Padma.
    „Ich weiß es nicht“, seufzte Skye.
    Im Grunde wusste sie gar nichts. Meistens verdrängte sie diese Tatsache, aber Padma hakte unerbittlich nach.
    „Und wie stellst du dir das vor? Wenn ich richtig verstanden habe, was du uns erzählt hast, wird da was kommen. Und irgendwann musst du dich vielleicht entscheiden. Was willst du dann machen?“
    Skye schnürte es die Kehle zu, als Padma aussprach, was sie sich auch schon so oft gedacht hatte.
    „Ehrlich gesagt“, antwortete sie, „habe ich keine Ahnung.“

    BILD: Skye Thomas mit vierzehn Jahren

    4
    ((bold))((navy))Kapitel 4: VERBORGENE TÜRME((ebold))((enavy)) Der Besuch in die sekundäre Dimension schien Betty und Padma sehr zum Nachdenken gebra

    Kapitel 4: VERBORGENE TÜRME

    Der Besuch in die sekundäre Dimension schien Betty und Padma sehr zum Nachdenken gebracht zu haben. Sie philosophierten ständig über Rosewood und Skyes Zukunft.
    Natürlich nur, wenn Cho, Marietta und Emma nicht irgendwo herumlungerten, was sehr oft der Fall zu sein schien.
    Dann war da noch die Hauselfe Tiny, die immer zufällig dort zu putzen schien, wo Betty, Padma und Skye sich hinbewegen wollten, um ein privates Gespräch zu führen. Betty tat das direkt ab („Was erwartest du denn von ihr, sie ist eine Hauselfe. Die kann an gar nichts anderes als Putzen denken.“), aber Skye unterschätzte Tiny nicht. Also ging sie lieber kein Risiko ein.
    Bald trafen auch die Schulbriefe ein, was für große Aufregung unter den sechs Mädchen sorgte, denn für das nächste Jahr war ein Festumhang benötigt.
    „Wofür wir den wohl brauchen?“, fragte Padma aufgeregt.
    „Vielleicht will Professor Dumbledore die Schuluniform etwas umkrempeln“, erwiderte Skye trocken und Betty kicherte leise.
    Diese Neuigkeit ließ Emma, Cho und Marietta einen spontanen Ausflug in die Winkelgasse veranlassen und Betty, Padma und Skye folgten brav, schließlich vertrauten sie dem Geschmack der älteren Mädchen vollkommen. Stundenlang klapperten sie alle möglichen Läden der Winkelgasse ab, probierten Dutzende von Umhängen an und erfrischten sich ab und an mit einem Kürbissaft.
    Betty war als erste erfolgreich; sie suchte sich einen Festumhang von einer scharlachroten Farbe aus, die wahrscheinlich auch trotz meilenweiter Entfernung deutlich zu sehen war. Emma fand diese Auswahl eher fragwürdig, aber Skye musste zugeben, dass Betty wunderbar in solch eine Aufmachung passte.
    Padma war einer dieser Menschen, die in allem gut aussahen. Sie hatte riesigen Spaß an der ganzen Sache und probierte schrecklich viele Umhänge an, bis sie sich schließlich für einen türkisblauen entschied, in dem sie aussah wie eine indische Prinzessin.
    Skye fand solch eine Entscheidung gar nicht so einfach, schließlich hatte sie keine Ahnung, wofür der Festumhang überhaupt gebraucht wurde. Nach langen Beratungen der drei Modehauptkommissarinnen Emma, Cho und Marietta, wurde die Entscheidung getroffen, dass Skye am besten in einem marineblauen Festumhang von Madam Malkin aussah. Er war aus seidig weichen Stoff, der wunderschöne, königsblau schimmernde Falten warf, wenn man ihn bewegte und der hohe Preis war dabei keine Überraschung. Aber Skye erinnerte die Farbe an das Ravenclaw-Blau, und so gab sie schnell nach.

    Mrs Warrington war die meiste Zeit nicht zu Hause (nicht, dass Skye das etwas ausmachen würde) und so hatten Betty, Padma und sie fast das ganze Warrington-Anwesen für sich. Padma wollte unbedingt die Eulerei, ein kleiner Turm mit winzigem Fenster, gefüllt von einem beißenden Gestank und sechs Eulen, besichtigen, während Skye eher Interesse an den vielen Geheimgängen und versteckten Türen hegte. Nun, da das Geheimnis des Zeitumkehrers enthüllt war, schien Betty sich wohl verantwortlich zu fühlen, also offenbarte sie Padma und Skye jegliche Geheimgänge des verwirrenden Hauses.
    „Es gibt sicher noch mehr“, erzählte sie, als die Drei eines ruhigen Nachmittags durch den vierten Stock streiften. „Ich weiß nur von ein paar.“
    Hier lag das Schlafzimmer Cyneweard Warringtons, der Mann, der das Haus bei Mermaid‘s Pool erbaut und dort Wassermenschen studiert hatte. Es war zu einer Art Ahnengalerie geworden, in der unzählige Bilder der Warringtons hingen, Bilder von Hexen und Zauberern mit riesigen, weißen Perücken und prunkvollen Kleidern. Es gab Schriftstücke, die nur durch die Kraft der Zauberei erhalten worden waren, Zauberstäbe und seltsame Artefakte, die Skye äußerst suspekt vorkamen. Als Betty ihnen das gezeigt hatte, fragte Skye sich, wie es wohl sein musste, seinen Stammbaum so weit zurückverfolgen zu können. Sie selbst wusste nicht viel über ihre Familie und das machte ihr auch nichts aus, aber trotzdem fand sie die Vorstellung irgendwie interessant.
    Während die drei Mädchen die Treppe hinunterliefen, überlegte Skye, wie sie wohl aufgewachsen wäre, wenn sie aus einer reinblütigen Familie käme. Ob sie wie Betty ein riesiges Haus gehabt hätte? Zwar hatte Jay gesagt, dass dies nicht bei jedem Reinblut der Fall war, aber die Vorstellung gefiel ihr zu sehr. Sie hätte diese Welt von Kindheit an gekannt, vielleicht würden ihre Eltern auch im Zaubereiministerium arbeiten und am Abend würden sie über Dinge wie Quidditch oder Neuigkeiten aus der Zauberwelt sprechen. Skye hätte viel früher einen eigenen Besen bekommen und könnte Dinge wie Kugelschreiber als höchst sonderlich ansehen.
    Aber so war es nicht und so würde es auch nie sein. Sie war ein Teil der Muggelwelt und das würde sich nie ändern, egal was sie tat.
    „Ich glaube, Emma ist im Moment nicht besonders gut auf mich zu sprechen“, sagte Betty gerade zu Padma.
    Sie waren wieder im zweiten Stock angekommen und konnten leises Reden aus Emmas Zimmer hören.
    „Ich kann sie verstehen“, antwortete Padma schulterzuckend. „Wäre ich wahrscheinlich auch nicht.“
    Betty seufzte theatralisch. „Kaum vorzustellen, dass sie schon im fünften Jahr ist.“
    „Und dann noch die ZAGs . . .“, sagte Padma besorgt. „Da habe ich Riesenangst vor. Was ist, wenn wir die verhauen?“
    „Du bist viel zu ängstlich, Padma“, stellte Betty fest. „Natürlich wirst du sie nicht verhauen. Allein wenn man bedenkt, wie viel Mühe du dir immer gibst.“ Betty schüttelte sich. „Beängstigend.“
    „Manchmal frage ich mich, wie du es nach Ravenclaw geschafft hast“, seufzte Padma, während sie hinter Betty in deren Zimmer trat.
    „Der Sprechende Hut war sich ziemlich sicher“, erzählte Betty und vollführte einen Kopfsprung auf das Sofa. „Vielleicht, weil meine ganze Familie Ravenclaws sind.“
    Padma ließ sich auf das große Himmelbett fallen und zupfte die blaue Tagesdecke zurecht. Skye folgte ihr und betrachtete die Wendeltreppe, die zu einer verschlossenen Falltür an der Decke führte. Sie hatte sich schon vor zwei Jahren gefragt, was sich dahinter verbarg.
    „Betty“, begann sie. „Diese Wendeltreppe, wohin führt die eigentlich?“
    Betty zögerte kurz, gab dann aber nach. „Nur ein kleiner Turm. Nichts Besonderes.“
    „Dürfen wir ihn sehen?“, bettelte Padma mit leuchtenden Augen.
    Skye beobachtete genau, wie Betty überlegte. Was sie in dem Turm wohl versteckte?
    „Na gut.“ Betty stand auf und lief zu ihrem Schrank, den sie öffnete und in einem Fach herumwühlte. „Kommt.“ Sie stieg die kleine Treppe hinauf und fummelte am Schloss der Falltür herum, bis sie wie von Zauberhand aufging.
    Padma war schon längst aufgesprungen und spähte neugierig in den dunklen Raum hinter der Falltür. Betty kraxelte durch die Falltür und Skye wartete zögerlich auf der steilen Wendeltreppe, während Padma sich auch in den Raum hievte.
    Die Öffnung war gerade so groß, dass ein schmaler Mensch hindurchpasste und Skye hielt sich vorsichtshalber an Bettys Hand fest, während sie durch die Öffnung krabbelte.
    Vor ihr eröffnete sich ein kleines Kämmerchen, nur erhellt durch das dämmrige Licht einiger an der Wand befestigten Kerzen. Die Wände bestanden aus Holz, so wie das einzige Möbelstück, eine lange, wacklige Leiter.
    „Verrückt“, stellte Padma fest, aber sie war sichtlich begeistert, als sie der schweigenden Betty hinterherkletterte.
    Skye hoffte, dass die Leiter besser hielt als sie aussah und folgte den anderen über die knirschenden Sprossen.
    „Die Leiter solltest du dringend mal erneuern lassen“, rief sie zu Betty nach oben. „Lange hält die nicht mehr.“
    „Magie“, kam als Antwort herunter.
    Skye war froh, als Betty endlich die nächste Falltür öffnete und Padma ein begeistertes „Wow!“ ausstieß. So schnell wie möglich kletterte sie hinterher und schloss die Tür hinter sich.
    Betty hatte recht gehabt, die drei Mädchen hockten wirklich in einem Turm. Zwar war er schmal und nicht besonders hoch, aber dafür äußerst gemütlich. Kissen waren über den Boden verteilt, Skye entdeckte einige geöffnete Packungen Süßigkeiten und eine zusammengeknüllten Decke. Das kleine Fenster war viel zu hoch, um hinauszuschauen, aber Skye vermutete, dass man von hier oben einen großartigen Ausblick haben musste.
    „Warum hast du uns das nicht früher gezeigt?“, fragte Padma, während Betty die Falltür schloss.
    „Weißt du“, sagte sie und und lehnte sich an ein Kissen. „Es war irgendwie zu . . . privat.“
    „Privat?“, fragte Skye neugierig.
    „Früher . . . als ich noch nicht in Hogwarts war, da bin ich immer hier hoch geklettert, wenn es mir schlecht ging.“ Betty stützte das Kinn auf die Knie. „Wenn ich Emma oder Mum nicht sehen wollte, habe ich die Falltür abgeschlossen und hier stundenlang gesessen und gelesen.“
    Skye stellte sich augenblicklich eine kleine Betty vor, die in die Decke gekuschelt stundenlang in ihrem Turm saß und sich vor der Welt versteckte.
    Betty zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, das klingt irgendwie dumm.“
    „Nein, tut es nicht“, erwiderte Padma mit Nachdruck.
    Skye nickte beipflichtend. Es überraschte sie immer wieder, wie viel Betty eigentlich von sich versteckte. Nur manchmal kam an die Oberfläche, was wirklich passiert war. So wie damals im Hogwarts-Express, als die Dementoren ihr so zugesetzt hatten. Oder jetzt, in dem Turm, den sie wahrscheinlich am liebsten für immer vor ihren Freundinnen geheimgehalten hatte. Skye konnte sich nicht vorstellen, wie es war, ihren Vater zu verlieren. Aber jetzt wusste sie, was Betty in ihrem Turm verbarg. Es waren Erinnerungen.

    BILD: Betty (Elizabeth) Warrington mit vierzehn Jahren

    5
    ((bold))((navy))Kapitel 5: ZELTPLATZ EINS((ebold))((enavy)) Es war schrecklich früh, als Betty am Morgen der Quidditch-Weltmeisterschaft ins Gästezi

    Kapitel 5: ZELTPLATZ EINS

    Es war schrecklich früh, als Betty am Morgen der Quidditch-Weltmeisterschaft ins Gästezimmer gestürmt kam und Padma und Skye unsanft aus dem Schlaf riss.
    „Aufstehen! Wir müssen gleich los!“
    „Halt die Klappe“, stöhnte Skye, während sie versuchte, Betty ihre Decke aus der Hand zu reißen, die sie aber unerbittlich wegzog.
    Sie fühlte sich so, als wäre sie gerade erst schlafen gegangen, und als sie sich endlich aus dem Bett schwang, wäre sie am liebsten wieder zurück und die warme Decke gekrochen. Skye liebte das späte Aufstehen in den Ferien, aber für eine Weltmeisterschaft musste man sich zusammenreißen.
    Nachdem Padma und Skye hektisch ins Bad gehastet waren, polterten sie die Treppen nach unten, wo Betty und Mrs Warrington schon warteten. Beide schienen hellwach, ganz im Gegensatz zu Emma, Cho und Marietta, die auch bald zu ihnen geschlurft kamen.
    „Wo gehen wir jetzt hin?“, fragte Skye, während sie ihren Rucksack schulterte, in den sie all ihre Habseligkeiten gepackt hatte.
    „Nicht weit ist ein Portschlüssel deponiert“, antwortete Bettys Mutter.
    „Portschlüssel?“
    „Wir dürfen noch nicht apparieren“, erklärte Betty. „Also müssen wir damit reisen.“
    Skye fragte sich zwar noch immer, was ein Portschlüssel denn überhaupt sei, aber trotzdem folgte sie den anderen aus der Eingangshalle.
    Ein Schauder durchfuhr sie, als sie in die kühle Morgenluft trat. Die Sonne hatte ihre roten Strahlen schon über den Himmel ausgebreitet, aber nächtlicher Tau ließ Skyes Turnschuhe beim Wandern ganz nass werden. Allesamt hatten sie Muggelkleider anziehen müssen, was ihr zwar nicht besonders schwer fiel, aber insgeheim fand Skye, dass Mrs Warrington in ihrem glatten, dunkelgrauen Hosenanzug für eine Weltmeisterschaft etwas zu adrett angezogen war.
    Das von dem mürrischen Adler bewachte Tor schloss sich mit einem metallischen Klicken, als die Warringtons ihr Anwesen verließen und Skye fragte sich, ob nun ein magischer Bann über dem leeren Haus lag.
    Aufgeregt redend stapften sie durch das nasse Gras am Mermaid‘s Pool vorbei, wo das Morgenrot sich auf seiner dunklen Oberfläche glitzernd kräuselte, und wanderten immer weiter in Richtung Hayfield, das in der Ferne ganz klein zu sehen war.
    „Wo ist eigentlich das Zelt?“, fragte Skye, während sie einen schmalen Pfad entlangliefen.
    Betty nickte zu ihrer Mutter hin, die ganz vorne lief. „Mum trägt es.“
    Skye hatte sich schon vorher gewundert, was Mrs Warrington da auf dem Rücken hatte, es sah aus wie ein Klumpen Stoff, aber viel zu klein für ein richtiges Zelt, in dem sieben Leute schlafen sollten.
    „Wir sind da“, sagte Mrs Warrington plötzlich und blieb mitten auf der Wiese stehen.
    Aufgeregt sah Skye sich um, aber nirgendwo sah sie etwas, das dem Hogwarts-Express oder Besen gleichkam.
    Da lag nur ein durchlöcherter Fußball.
    Mrs Warrington sah ihn prüfend an und blickte dann zu den Mädchen. „Kommt. Gleich geht er.“
    Wie selbstverständlich reihten sich alle um den alten Fußball auf, auch Skye machte mit, war aber ziemlich verwirrt.
    „Ist das ein Portschlüssel?“, fragte sie Betty, die wie die anderen den Finger auf den Ball gelegt hatte.
    „Was sonst?“ Sie grinste über ihren Witz, aber Skye fiel einiges ein, was der Portschlüssel sonst noch sein konnte.
    Plötzlich wehte eine kühle Brise über die hügelige Landschaft und zerrte an Skyes Kleider. Sie fröstelte. Was war das hier?
    „Bereit machen“, sagte Mrs Warrington.
    „Du musst deinen Finger drauflegen, Skye!“, rief Padma ihr panisch zu und im letzten Moment griff Skye nach dem Fußball, bevor der Wind sie plötzlich vom Boden zu reißen zu schien.
    Sie tauchte in einen Farbwirbel ein, aber der Fußball klebte weiter an ihrem Finger, kalte Luft trocknete ihre Augen aus und ließ sie die Orientierung verlieren . . .

    Skye fiel mit dem Gesicht voraus in feuchten Grasboden; irgendwo fluchte jemand und sie fühlte sich, als hätten ihre Organe nun schlussendlich aufgeben.
    Langsam stemmte sie sich hoch und ließ ihren Blick über die weite, moorige Landschaft schweifen. Vor Skyes Augen schien es sich noch immer zu drehen und Padma musste ihr hochhelfen, während sie versuchte, das Grummeln in ihrem Magen zu ignorieren.
    „Haben Sie Rufus irgendwo gesehen?“, fragte Mrs Warrington gerade einen müde aussehenden Mann in Tweed-Anzug.
    „Nun, da müssen Sie Shacklebolt fragen, Ma‘am“, erwiderte der Mann und kratzte sich an seinem Dreitagebart.
    Im Vergleich zu Mrs Warrington, die in ihrem glatt gebügelten Hosenanzug sehr fein aussah und deren Haarknoten trotz der Reise mit dem Portschlüssel keinen Schaden genommen zu haben schien, sah er ganz und gar nicht wie ein Angestellter des Ministeriums aus. Sein Kollege trug die selbe sonderliche Kleiderkombination - Poncho und Kilt - und wirkte auch genauso übermüdet.
    „Alles gut?“, flüsterte Padma, während Mrs Warrington sich weiterhin mit dem Mann unterhielt.
    „Mehr oder weniger“, sagte Skye matt und ließ dabei unerwähnt, dass sie vielleicht gleich einen Eimer benötigen würde.
    „Nun, Basil, wenn Sie Mr Scrimgeour sehen, dann schicken Sie ihn bitte zu mir“, sagte Mrs Warrington gerade streng zu dem Mann im Tweed-Anzug.
    „Ja, werde ich“, antwortete Basil. Er schien froh, als Mrs Warrington und die sechs Mädchen endlich davonstapften.
    „Das erste Feld, nicht wahr?“, fragte Marietta, während sie durch das Moor liefen, das wolkenverhangen und einsam so gar nicht einladend aussah.
    „Ja.“ Mrs Warrington führte sie zu dem Zeltplatz, der schon ziemlich voll schien.
    Skye war noch immer etwas wackelig auf den Beinen und war froh, als sie sich gegen den Zaun lehnen konnte, während Mrs Warrington sich dem Muggel-Zeltaufseher zuwandte.
    „Dafür, dass du ständig mit dem Zeitumkehrer unterwegs bist, kannst du andere magische Fortbewegungsmittel aber wirklich nicht gut vertragen“, sagte Padma leise zu Skye.
    Betty grinste. „Na dann viel Spaß beim Apparierkurs. Ich nehme dir einen Eimer mit.“
    Der Gedanke an einen Apparierkurs fand Skye auch ziemlich beunruhigend, aber Mrs Warrington befahl, dass sie nun ihren Platz suchen würden.
    Während sie über den Zeltplatz liefen, fragte Skye sich, warum der Muggel-Aufseher nicht misstrauisch wurde. Die Zelte gehörten eindeutig Zauberern, sie übertrafen sich geradezu an seltsamen Ausbauten, von Türmen bis zu Springbrunnen gab es alles.
    Nach einem kurzen Fußmarsch waren sie vor einer freien Stelle angekommen, in dem ein Schild mit der Aufschrift Warrington steckte. Mrs Warrington zückte ihren Zauberstab und sah sich prüfend um.
    „Ist das überhaupt erlaubt, Mum?“, fragte Emma.
    „Nicht ganz“, antwortete ihre Mutter.
    Skye war erstaunt, dass die überaus korrekte Mrs Warrington nun mit einem lässigen Schlenker ihres Zauberstabes die Stoffkugel, die sie die ganze Zeit auf dem Rücken getragen hatte, durch die Luft wirbeln ließ. Wahrscheinlich wollte sie das Zelt einfach nicht per Hand aufstellen und Skye konnte ihr dies bei dem Anblick auch nicht verübeln.
    Sie hatte noch nie so ein ungewöhnliches Zelt gesehen; einmal war sie mit der Klasse Campen gewesen, aber aus gestreifter Seide waren diese normalerweise ganz bestimmt nicht. Zwei Pfauen hielten den Stoff wie als Eingang zurück und als Skye hinter Betty hinein trat, fragte sie sich, was ihr bisheriger Physikunterricht überhaupt gebracht hatte.
    Mehrere Stockwerke, verbunden durch metallene Leitern, erinnerten sie an das Warrington-Anwesen. Ein Tisch, Sessel und sogar ein Kamin erweckten den Eindruck eines kuscheligen Wohnzimmers. Es war so außergewöhnlich, dass es Skye direkt gefiel.
    Betty warf ihren Rucksack von sich und ließ sich auf das knautschige Sofa fallen.
    „Unser Zelt ist nicht so groß“, sagte Padma neidisch, während sie sich umsah. „Wir haben nur einen Sessel. Parvati und ich streiten uns ständig darum.“
    Skye schnaubte. „Wart ihr jemals in einem Muggelzelt?“
    Betty und Padma sahen sie beide verwirrt an, also winkte Skye ab und schlenderte beeindruckt durch das Wohnzimmer.
    Bei den Warringtons schien wirklich alles groß zu sein. Ein Zelt in diesen Ausmaßen hatte sie noch nie gesehen.
    Emma, Cho und Marietta waren schon nach oben geklettert und Mrs Warrington diskutierte mit einer Person, die im Kaminfeuer erschienen war. Skye beobachtete sie unauffällig, sah aber schnell weg, als Bettys Mutter sich aufrichtete.
    „Tut mir leid, aber ich muss noch einmal los“, sagte Mrs Warrington und griff nach ihrem Zauberstab, der auf dem Kaminsims lag.
    „Was ist?“, fragte Betty neugierig.
    „Ich muss mit Rufus reden“, antwortete Mrs Warrington knapp. „Wenn ihr Hunger habt, könnt ihr euch was von dem Proviant holen. Sag bitte deiner Schwester Bescheid, Betty.“
    Während Betty folgsam nickte, rauschte ihre Mutter aus dem prunkvollen Zelt und Skye machte ein verwirrtes Gesicht.
    „Warum ist Tiny nicht mitgekommen?“
    „Ihr behagt es nicht, das Haus zu verlassen“, erklärte Betty.
    Skye tat die kleine Hauselfe augenblicklich leid. Den ganzen Tag putzen und kochen, das klang nicht besonders spannend. Und sie schien nicht anderes als das Warrington-Anwesen zu kennen.
    „Lasst uns doch mal schauen, was die anderen machen“, schlug Betty vor und nickte zu der Leiter.
    Skye war froh, dass diese nicht so lang war wie die in Bettys Turm, also schwang sie sich hinter Padma auf die zweite Ebene. Hier standen lauter Betten, zwar nicht so glamourös wie die in Mermaid‘s Pool, aber Skye fragte sich trotzdem, wie simpler Zeltstoff solch ein Gewicht aushalten konnte. Dabei war die Antwort ganz logisch: Magie.
    Emma, Cho und Marietta hatten es sich zu dritt auf einem der Betten gemütlich gemacht und Betty ließ sich einfach neben sie fallen.
    „Mum ist noch einmal los, um mit Scrimgeour zusprechen“, erklärte sie.
    „Und ihr?“ Emma sah von ihrer kleinen Schwester zu Skye und Padma, die etwas schüchtern neben dem Bett standen. „Wollt ihr unsere Gespräche belauschen?“
    „Ganz lustig drauf heute, nicht?“ Betty streckte die Zunge heraus. „Aber wenn du schon so fragst, Schwesterherz, warum nicht?“
    Sie winkte Padma und Skye zu, die sich auch dazu setzten, obwohl das Bett mittlerweile recht voll wurde.
    „Und, über was redet ihr Schönes?“, fragte Betty frech grinsend.
    Emma schlug ihr das Kissen ins Gesicht. „Erwachsenenkram.“
    Padma kicherte leise und Betty zog eine Schnute. „Erzähl doch mal. Über was tratschen Fünftklässler? Jungs? ZAGs? Snapes Lieblingsshampoo?“
    „Ha, ha.“ Emma verdrehte die Augen.
    „Eigentlich waren wir gerade dabei zu besprechen, was wir heute noch machen wollen“, fügte Marietta hinzu.
    „Und, was wollt ihr machen?“, erkundigte sich Padma.
    „Uns etwas umsehen vielleicht. Ihr könnt ja mitkommen.“
    „Immer gerne“, sagte Betty gut gelaunt und auch Padma nickte zustimmend.
    Skye und Cho wechselten diesen seltsamen Blick, eine stumme Einigkeit, dass sie sich heute zusammenreißen würden.
    „Also gut“, sagte Skye und richtete sich auf.

    Als die Mädchen aus dem Zelt traten, ging es auf dem Zeltplatz schon um einiges munterer zu. Skye beobachtete mit großen Augen, wie kleine Kinder auf Spielzeugbesen durch die Luft flogen oder herumliefen, während ihre Eltern im Zelt zugange waren.
    Hier und da liefen beschäftigt aussehende Ministeriumsarbeiter herum und Betty und Emma grüßten sogar manche von ihnen fröhlich. Skye fiel auf, dass sie noch nie besonders über Mrs Warrington und ihre Arbeit als Aurorin nachgedacht hatte. Sie wusste nur, dass man in diesem Beruf dunkle Zauberer bekämpfte, aber gab es davon heutzutage überhaupt noch welche?
    „Wer ist eigentlich dieser Scrimgeour, von dem deine Mutter gesprochen hat?“, fragte Skye, während sie an einer Gruppe russischer Hexer mit ernsten Gesichtern vorbeiliefen.
    „Der Leiter vom Aurorenbüro“, erklärte Betty.
    Emma schien auch zugehört zu haben und ergänzte: „Er gibt praktisch die Befehle.“
    Skye nickte nachdenklich. Diese ganzen Erzählungen vom Zaubereiministerium brachten sie zum Nachdenken. Irgendwann müsste sie sich auch für einen Beruf entscheiden. Ihre Eltern machten in unauffälligen Kommentaren gerne deutlich, dass sie eine Ausbildung in der Medizin äußerst empfehlenswert fanden, aber Skye sträubte sich noch.
    Und in der Zauberwelt? Da hatte sie schließlich niemanden, der ihr etwas vorschrieb.
    „Was wollt ihr denn mal werden?“, fragte Skye die anderen, die alle etwas erstaunt von dieser Frage schienen.
    „Keine Ahnung.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Ich weiß ja noch nicht einmal, was ich zu Mittag essen will.“
    „Wir müssen uns dieses Jahr für eine Berufsrichtung entscheiden, wegen der ZAGs“, erzählte Marietta.
    Sie kannte sich gut mit solchen Dingen aus, schließlich arbeitete ihre Mutter auch im Ministerium.
    „Um Auror zu werden, braucht man echt gute Noten“, erklärte Emma, die mit dem Gedanken zu spielen schien. Plötzlich schlich sich jedoch ein Grinsen auf ihr Gesicht und sie klopfte Cho mütterlich auf die Schulter. „Und sie will Quidditch-Spielerin werden!“
    „Quidditch-Spielerin?“, fragte Padma neugierig.
    „Ach hör doch auf“, erwiderte Cho leise und errötete ein wenig.
    „Natürlich unterstützen wir sie dabei“, fügte Emma hinzu. „Nicht, Mar?“
    Marietta nickte zustimmend. „Logisch.“
    Kichernd liefen die Mädchen weiter und bewunderten die vielen Zelte, die teilweise sogar noch außergewöhnlicher als das der Warringtons aussahen.
    „Ich weiß es auch noch nicht genau“, überlegte Padma. „Aber vielleicht Professorin.“
    „Professorin?“ Betty grinste. „In Hogwarts? Du kannst ja Schulleiterin werden. Dumbledore macht glaube ich eh nicht mehr lange.“
    „Betty!“, tadelte Skye ihre Freundin, die grinsend abwinkte.
    „Ist doch so.“
    Mittlerweile kamen sie in eine Ansammlung von Zelten, die allesamt mit grünen Kleeblättern bedeckt waren. Irgendwo sang jemand und eine kleine, scheinbar lebendige Koboldfigur hüpfte über den abgetrampelten Pfad.
    „Die meinen es aber ganz schön ernst“, bemerkte Skye.
    „Irgendetwas müssen sie ja machen“, sagte Emma. „Nachdem Bulgarien Krum hat.“
    „Krum?“, fragte Padma. „Ist das eine Taktik?“
    „Viktor Krum.“ Diesmal meldete Cho sich zu Wort. Sie schien zu wissen, wovon sie sprach. „Er ist ein ein weltklasse Sucher. Nicht viel älter als wir, ich glaube, er geht noch zur Schule.“
    „Und der spielt heute Abend?“, hakte Skye nach.
    „Natürlich“, sagte Betty. „Jeder kennt ihn!“
    Skye behielt für sich, dass sie das vorher noch nicht getan hatte, und folgte lieber den anderen stumm aus dem Kleeblatt-Lager heraus. Mittlerweile waren sie fast beim Ende des Feldes angekommen und eine lange Schlange hatte sich schon bei dem Wasserhahn gebildet.
    „Brauchen wir kein Wasser?“, fragte Skye.
    „Wir haben doch ein Zelt“, sagte Betty dermaßen selbstverständlich, dass Skye beschloss, ihr irgendwann einmal ein Muggelzelt zu zeigen.
    Sie wollten gerade weitergehen, als jemand von irgendwoher ihren Namen rief. Ratlos sah Skye sich um, bis sie eine winkende Person mit Eimer in der Hand in der Schlange stehen sah.
    Als Skye weiter in Richtung Schlange lief, konnte sie nun endlich das Gesicht des Mädchens erkennen. Braune Haare und ein spitzes Gesicht, es war Emily Abercrombie.
    „Emily?“, fragte Skye überrascht. „Du auch hier?“
    „So ein Ereignis würde ich mir doch nie entgehen lassen!“, antwortete Emily fröhlich. Sie sah älter aus, und irgendwie reifer. Es war ungewohnt, sie nicht in der Quidditch-Montur oder Ravenclaw-Uniform zu sehen. „Du bist ja richtig groß geworden! Viertes Jahr, nicht?“
    Skye nickte. „Und du? Spielst du immer noch Quidditch?“
    „Gelegentlich. Im Moment mache ich eine Ausbildung zur Heilerin beim St. Mungo.“
    Beeindruckt nickte Skye. Heilerin, das klang wichtig.
    „Und das Team? Ich habe gehört, Roger ist euer neuer Captain. Wie schlägt er sich?“, erkundigte Emily sich.
    „Ganz gut. Er ist noch ein bisschen verschüchtert“, antwortete Skye wahrheitsgemäß. „Letztes Jahr war nicht gerade erfolgreich. Gryffindor hat den Pokal gewonnen.“
    Emily schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Das erzähle ich besser nicht Arthur.“
    „Ist er auch da?“
    Arthur Wright war der ehemalige Captain der Ravenclaw-Mannschaft gewesen. Er hatte für seinen Sport gelebt und deswegen schien Davies manchmal auch so besorgt, ihm gerecht zu werden.
    „Darauf kannst du wetten.“ Emily grinste. „Wir sind eigentlich auf einem anderen Zeltplatz, aber die Bulgaren haben dort den Wasserhahn eingenommen, also bin ich kurzerhand zu euch gelaufen. Arthur ist gerade dabei, sich bei Ludo Bagman einzuschleimen.“
    Skye bewunderte insgeheim, dass Emily und Wright noch immer ein Paar waren. Das war so gewesen, seit sie in Hogwarts war und irgendwie konnte sie es sich auch nicht anders vorstellen. Manche Leute passten einfach zueinander.
    „Wer ist Ludo Bagman?“, wollte Skye wissen.
    „Der Leiter der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten. Eigentlich wollte Arthur weiter Quidditch spielen, hat sich dann aber doch dort beworben. Seine Mutter war an dieser Entscheidung nicht ganz unbeteiligt“, erzählte Emily schief grinsend.
    „Und schafft er es?“
    „Sicherlich“, winkte Emily ab. „Bagman ist ziemlich locker. Und er scheint Arthur zu mögen. Schade, dass er nicht hier ist, ich glaube, dich noch einmal zu sehen, hätte ihm auch gefallen.“ Sie grinste. „Aber genug von uns. Wer ist denn mein Nachfolger geworden?“
    „Cho Chang“, antwortete Skye mit einem leichten Kopfnicken zu den anderen, die sich in der Nähe herumtrieben.
    „Ach, das war doch das Mädchen, wegen dem du damals gefragt hast! Dann hat es ja doch noch geklappt, nicht?“
    Skye nickte mit einem gezwungenen Lächeln. Die ganze Geschichte war viel zu lang, um sie Emily jetzt zu erzählen.
    „Ich hoffe, du spielst noch fleißig weiter. Viertes Jahr schon . . .“ Emily schien in Erinnerungen zu versinken. „Langsam wird es spannend.“
    „Mir ist es schon spannend genug“, erwiderte Skye ehrlich. „Hogwarts ist wie eine Achterbahn.“
    Daraufhin musste Emily lachen. „Da hast du recht.“ Sie nickte zu den anderen hinüber. „Aber schau mal, deine Freunde werden langsam ziemlich ungeduldig.“
    Skye folgte ihrem Blick. „Scheint so.
    Na ja, dir jedenfalls viel Glück bei deiner Ausbildung. Und Grüße an Arthur!“
    „Richte ich aus.“ Emily lächelte. „Pass gut auf Roger auf. Ihr packt das schon!“
    Nachdem sich die beiden verabschiedet hatten, schlenderte Skye wieder zu den anderen Mädchen, die wirklich etwas ungeduldig schienen.
    „Das hat aber lange gedauert“, bemerkte Padma.
    „Tut mir leid, Mum.“ Skye verdrehte die Augen.
    Langsam spazierten die Mädchen an der immer länger werdenden Schlange zum Wasserhahn vorbei; der Zeltplatz schien nun endgültig erwacht zu sein und gähnende Hexen und Zauberer drängten sich an ihnen vorbei.
    „Seht mal, da ist Harry Potter“, bemerkte Padma plötzlich und nickte unauffällig in seine Richtung.
    Und wirklich: Harry, Ron und Hermine schleppten einige volle Wassereimer in Richtung der Zelte. Cho war die Schnellste, sie winkte Harry zu und setzte ihr charmantes Lächeln auf, was ihn ziemlich aus der Fassung zu bringen schien.
    „Ich glaube, Harry Potter steht auf dich“, kommentierte Betty kichernd, während Harry viel zu enthusiastisch zurückwinkte und einiges an Wasser über seine Hose kippte.
    Cho antwortete nichts, aber es schien ihr augenscheinlich zu gefallen, was Betty da sagte.
    Skye fiel auf, dass sie schon ewig nicht mehr mit Harry, Ron und Hermine geredet hatte. Und das, obwohl die Weasleys in ihrem ersten Jahr so nett zu ihr gewesen waren und sie den Drei damals sogar geholfen hatte, den Stein der Weisen zu retten.
    Sie nahm sich vor, im nächsten Jahr noch einmal Kontakt aufzunehmen, selbst wenn Harry, Ron und Hermine manchmal wie ein kleiner Privatvclub wirkten, der lauter Geheimnisse hatte. Das tuschelten viele; niemand traute es sich laut zu sagen, aber es wirkte ständig, als hätten sie eine äußerst wichtige Mission. So sehr manche gerne darüber redeten, hatte es Skye immer recht wenig interessiert. Im Grunde waren sie, Betty und Padma schließlich auch nichts anderes.
    Auf weiterem Wege trafen sie noch Indiana Scott, eine winzige Zweitklässlerin aus Ravenclaw, die scheinbar ein riesiger Quidditch-Fan war und mit Hilfe ihres großen Bruders (der um einiges älter war und ziemlich beängstigend wirkte) Skye und Cho versuchte davon zu überzeugen, sie nächstes Jahr in die Mannschaft aufzunehmen. Es dauerte etwas, bis Skye ihr klarmachen konnte, dass Davies dafür zuständig war, und so zog Indiana mit ihrem Bruder im Schlepptau endlich wieder ab.
    Nun kamen sie auch an den Zelten der Bulgaren vorbei, die alles mit dem Gesicht des berühmten Viktor Krums verziert hatten. Er blickte Skye recht ernst von Zeltwänden und Fahnen entgegen und die auffällige Deko der Iren gefiel ihr um einiges besser.
    Als sie wieder im Zelt ankamen, war Mrs Warrington noch immer weg und so beschaffte Emma das noch warme Porridge von Tiny und die Mädchen verteilten sich auf die Sessel und das Sofa, wo sie zufrieden ihr Frühstück mampften. Marietta erzählte von einem Hufflepuff aus ihrem Jahrgang, der ihr Zugang zur Küche verschafft hatte, wo sie sich nun jederzeit bedienen konnte, da die vielen Hauselfen ihr Küchlein und Pasteten nahezu hinterherwarfen.
    Skye musste bei dieser Unterhaltung wieder an die Hufflepuff Victoria Stewart denken; sie war das Mädchen gewesen, dem ihr Großonkel Edward Thomas alles erzählt hatte. Im Gegensatz zu Tom Riddle schien sie vertrauenswürdig gewesen zu sein und Skye fragte sich öfter, was mit ihr passiert war.
    Nachdem sie das Frühstück beendet hatten und schon fleißig über Quidditch-Taktiken diskutierten, kam auch endlich Mrs Warrington wieder. Sie sah gestresst aus und war in Begleitung eines großen, dunkelhäutigen Mannes, der zwar Knickerbocker und eine bunte Krawatte trug, dennoch aber ziemlich beeindruckend wirkte.
    „Em, setzt du bitte einen Tee für Mr Shacklebolt auf?“, befahl Mrs Warrington, während sie kurz den Zauberstab durch die Luft schwenkte und einen zusätzlichen Stuhl wie aus dem Nichts erschuf.
    Emma huschte eifrig los und Skye musterte Shacklebolt neugierig, der bisher noch kein Wort gesagt hatte.
    „Meine Töchter“, stellte Mrs Warrington Betty und Emma mit einem Kopfnicken vor. „Und ihre Freundinnen.“
    „Eine große Gruppe“, sagte Shacklebolt mit einer dunklen, ruhigen Stimme. Er wirkte freundlich, aber wachsam, wie Mrs Warrington meistens auch war.
    Skye wusste nicht, ob sie sich vorstellen sollte, also blieb sie lieber stumm und hörte aufmerksam zu, während Mrs Warrington von irgendwelchen Sicherheitslücken, dank der Leuchte, die sich Ludo Bagman nannte, erzählte. Von dem gleichen Mann hatte Emily am Wasserhahn auch schon gesprochen, er war der Leiter der Abteilung Magischer Spiele und Sportarten, aber als Shacklebolt von einem scheinbar sehr gestressten Mr Crouch anfing, wusste sie nicht mehr weiter. Es schien so, als wäre auch Shacklebolt ein Auror im Dienst bei der Weltmeisterschaft, der sich wie Mrs Warrington freiwillig gemeldet hatte.
    Nach einiger Zeit verzogen sich die Mädchen wieder nach oben, während die zwei Erwachsenen unten ihren Tee schlürften und Gespräche über Dinge führten, die Skye weder kannte, noch verstand.
    Mittlerweile war es fast Nachmittag und von draußen drang ein derartiger Lärm ins Zelt, dass Betty, Padma und Skye sich schließlich dazu entschlossen, nachzusehen, was dort passierte.
    Als sie aus dem pfauenbewachten Eingang traten, wären sie fast von einem Mann umgerannt worden, der einen riesigen, von tanzenden Kleeblättern bedeckten Hut trug und mit schreienden Rosetten, T-Shirts und Schals in den irischen Farben warb. Erstaunt liefen die Drei an ihm vorbei, aber er war bei weitem nicht der einzige: Überall apparierten Zauberer, die alles mögliche an Krimskrams verkauften und so offensichtlich Magie einsetzten, dass Skye sich fragte, wo da das Ministerium blieb.
    Betty war derartig begeistert, dass sie noch einmal zum Zelt sauste, ihr Geld holte und dann so aussah, als hätte sie vor, gleich alles auszugeben.
    „Solch ich eine kreischende Rosette holen?“, fragte Betty, während sie an einem Händler mit Krum-Fanartikeln vorbeischlenderten.
    „Kauf dir doch so einen Hut“, schlug Skye vor, während sie sich staunend umsah.
    Überall sammelten sich aufgeregte Fans und alles leuchtete in den roten und grünen Farben der beiden Mannschaften.
    „Was ist das?“, fragte Skye und blieb vor einem Stand mit fernglasähnlichen Geräten stehen, die sie ein bisschen an Professor Trelawneys Brille erinnerten.
    „Omnigläser“, erklärte der Händler. „Ideal für Quidditch, sie verlangsamen und wiederholen das Geschehen und diese Modelle hier“, er deutete auf seine Waren, „geben sogar genau Erklärungen zu den Taktiken ab.“
    „Darf ich eins ausprobieren?“, fragte Skye und der Mann drückte ihr eines der Omnigläser in die Hand.
    Erst kam es Skye wirklich vor, als würde sie durch ein Fernglas schauen, aber als sie an einem der Rädchen drehte, wurde das Geschehen in der Ferne plötzlich viel langsamer. In Zeitlupe konnte sie beobachten, wie ein kleines Mädchen von ihrem Spielzeugbesen fiel und sein Vater es im letzten Moment auffangen konnte. Je öfter Skye die Szene wiederholte, desto lustiger wurde sie.
    „Das ist irre!“, sagte Skye begeistert, als sie das Omniglas sinken ließ.
    „Wie viel kostet es?“, erkundigte Betty sich.
    „Zehn Galleonen“, antwortete der Händler. „Ein echtes Schnäppchen.“
    „Dann einmal bitte.“ Betty kramte in ihrem ledernen Geldbeutel herum.
    „Nein, dass musst du wirklich -”
    „Betrachte es als frühes Weihnachtsgeschenk“, unterbrach Betty Skye.
    Der Verkäufer prüfte zufrieden die Galleonen und reichte Skye schließlich das Omniglas. Tausendmal bedankte sie sich bei Betty, während die drei Freundinnen gemächlich weiterliefen.
    „Ist schon gut“, sagte Betty beschwichtigend. „Aber Padma müssen wir jetzt auch noch etwas besorgen.“
    „Mir?“, fragte Padma. „Nein, ist schon in Ordung -”
    „Quatsch.“ Betty wedelte mit ihrem Geldbeutel. „Ich fühle mich spendabel. Eine dieser schreienden Rosetten, das klingt gut, nicht?“
    „Natürlich“, grinste Skye und fünf Minuten später hatte Padma eine spitz kreischende Rosette am Shirt stecken, die Dinge wie „Tod den Bulgaren!“ und „Stoppt Krums krummes Spiel!“ über den Zeltplatz brüllte.

    BILD: Der Sonnenaufgang über Mermaid‘s Pool

    6
    ((bold))((navy))Kapitel 6: DAS FINALE((ebold))((enavy)) Langsam brach die Dämmerung ein und Aufregung erfüllte das Warrington-Zelt. Die Mädchen lie

    Kapitel 6: DAS FINALE

    Langsam brach die Dämmerung ein und Aufregung erfüllte das Warrington-Zelt. Die Mädchen liefen geschäftig herum, suchten ihre Fanartikel zusammen, kramten warme Pullover aus ihren Rucksäcken und Emma hatte grüne Farbe dabei, mit der sie den anderen Kleeblätter auf die Gesichter malte.
    „Halt still!“, befahl sie, während Skye sich unter ihrem Pinsel wand.
    „Du hast mir fast das Auge ausgestochen, wie soll ich da stillhalten?“, wetterte Skye.
    „Siehst du.“ Zufrieden senkte Emma den kleinen Farbtopf. „Sieht gar nicht so schlecht aus.“
    Skye betrachtete ihr Gesicht in Mariettas Handspiegel. „Na ja.“ Das Kleeblatt auf ihrer Wange war verrutscht und ziemlich unförmig geraten.
    „Es sieht einfach aus wie ein Batzen grüner Farbe“, rief Betty zu ihnen hinüber, während sie sich auf einen Sessel fläzte.
    „Ich zeig dir einen Batzen Farbe!“ Mit wedelndem Pinsel stürmte Emma auf ihre kleine Schwester zu.
    Skye schnappte sich währenddessen das Omniglas und hängte es sich an dem dünnen Lederriemen um ihren Hals. Prüfend tastete sie nach ihrem Zauberstab - der aber wie immer an seinem Platz war - und vergrub die Hände in der Bauchtasche ihres Pullovers. Jetzt war es soweit.
    „Ich hasse das Ding!“ Diese wütende Stimme gehörte Padma, die zornig die Leiter heruntergeklettert kam. „Rot wie das Blut der Bulgaren!“, kreischte ihre grüne Rosette mordlustig.
    „Geht sie nicht ab?“, fragte Skye, während Padma durch das Zimmer stapfte.
    „Wie du siehst . . . nein!“
    Schon den ganzen Nachmittag wollte Padmas neue Rosette nicht aufhören zu schreien und ihre Sprüche wurden nicht nur brutaler, sondern auch immer schwerer zu ertragen.
    Betty kicherte leise, während Padma sich händeringend auf einen Stuhl am Esstisch fallen ließ.
    „Willst du auch ein Kleeblatt, Padma?“, fragte Emma und wedelte fröhlich mit ihrem Farbtopf.
    „Nicht nötig, ich -“, begann Padma, wurde dann aber durch das laute Dröhnen eines Gongs unterbrochen, das das Zelt erschütterte.
    Betty sprang auf. „Endlich! Das Spiel beginnt!“
    In ein paar Sekunden hatten sich alle am Eingang gesammelt und Mrs Warrington scheuchte die aufgeregt tratschenden Mädchen aus dem Zelt. Sie reihten sich in die laute Menge ein, die über einen laternenbeschienenen Weg durch die Dunkelheit lief.
    „Wie lange brauchen wir?“, fragte Skye, während sie sich gespannt umsah.
    „Keine Ahnung.“ Betty schien ebenso erwartungsvoll und es war das erste Mal, das sie von der Zauberwelt genauso wenig wusste wie Skye.
    Nach etwa zwanzig Minuten Fußmarsch durch ein dunkles Waldstück traten sie auf eine Lichtung, auf der sich noch mehr Hexen und Zauberer tummelten. Am auffälligsten war jedoch das Stadion, das ganz und gar unpassend in solch einer Landschaft schien.
    Eine riesige, goldene Mauer ragte vor Skye in die Höhe und sie staunte nicht schlecht, als sie weiterlief und die Mauer nicht enden zu wollen schien.
    „Das ist gigantisch“, sagte sie leise und ließ den Blick voll freudiger Erwartung über die riesige Menschenmenge schweifen, die lachend und singend auf den Einlass warteten.
    „Komm!“ Betty zog sie am Arm mit sich und schleifte sie hinter Mrs Warrington her, die sich einen Weg durch die Menge bahnte.
    Bald standen sie vor einem der Eingänge, wo sich schon eine Schlange bildete. Ein dicklicher Zauberer kontrollierte der Reihe nach ihre Karten und winkte gerade eine große Gruppe ins Stadion.
    „Links nach oben, Ma‘am, gleich neben der Werbetafel“, erklärte er Mrs Warrington.
    Aufgeregt quetschte Skye sich durch den Eingang, wo laute Pulks sich die von roten Läufern belegten Treppen hinaufdrängten. Sie drückten sich an einer Gruppe leuchtend rot gekleideter Bulgaren vorbei und Padmas Rosette begann sofort wieder zu krakeelen: „Nicht nur armselige Spieler, sondern auch hässlich sind die Bulgaren!“
    „Tsch-tschuldigung“, haspelte Padma verlegen und hielt ihrer Rosette schnell das winzige Mäulchen zu.
    Skyes Füße begannen schon müde zu werden, als sie endlich auf ihrer Tribüne ankamen. Die Plätze waren gleich neben ein paar Deutschen, die sich erwartungsvoll umschauten und miteinander diskutierten.
    Betty beugte sich so weit über die Balustrade, dass niemand ihre panische Flugangst erwartet hätte, und winkte Padma und Skye zu sich. „Seht nur!“
    Die drei Mädchen schauten aus schwindelerregender Höhe auf das riesige Spielfeld, das von oben wie ein grüner Teppich wirkte. Die vielen Leute sahen aus wie winzige Ameisen und tausende von ihnen füllten das ovale Stadion. Der Mann am Eingang hatte recht gehabt; die Werbetafel, dessen Licht über das ganze Feld blinkte, war nah bei ihnen direkt neben der nächsten Treppe angebracht. Skye versuchte neugierig, einen Blick auf die leuchtende Schrift zu erhaschen, aber von der Seite war das fast unmöglich. Schließlich ließ sie sich wieder auf ihren Sitz sinken, während sich eine Familie mit den gleichen grünen Hüten wie Betty ihn hatte an ihr vorbeidrückte.
    Plötzlich hörte sie von der nahegelegenen Treppe wütendes Schimpfen und neugierig beobachtete Skye den Pulk, der sich vor zwei Männern gebildet hatte, die den ganzen Verkehr aufhielten. Keinen von ihnen schien das zu interessieren.
    Der eine hatte langes, weißblondes Haar und neben ihm stand ein blasser Junge, der ihr nur zu bekannt vorkam. Es war Draco Malfoy in einem viel zu edel aussehenden schwarzen Jacket, der da neben seinem Vater stand. Skye hatte diesen noch nie gesehen, aber wie er sich zu dem anderen Mann lehnte und einen verschwörerischen Blick aufsetzte, kam er ihr nicht besonders sympathisch vor.
    Es dauerte kurz, bis Skye den zweiten Jungen bemerkte, der an das Geländer gelehnt daneben stand. Er war in seiner Jeans um einiges unauffälliger als Draco Malfoy gekleidet und Skye hätte ihn fast übersehen.
    Jay wirkte ziemlich gelangweilt und schien kein großes Interesse daran zu haben, sich mit Malfoy zu unterhalten. Skye vermutete, dass der Mann mit den gleichen schwarzen Haaren wie Jay sein Vater sein musste. Mehr als das konnte sie auch nicht erkennen, denn sein Gesicht war im Schatten verborgen.
    Jay hatte sich mittlerweile zum Spielfeld gewandt und zog ein Omniglas aus der Jackentasche, wie auch Skye eins hatte. Sie fragte sich schon, ob er ihr Rufen über den vielen Lärm hinweg hören würde, aber das war nicht nötig. Als hätte er ihr Starren gespürt, schaute Jay sich um und entdeckte schließlich Skye auf ihrer Tribüne.
    Wie am letzten Schultag vor einigen Wochen zog er einen unsichtbaren Hut und Skye grinste ihm zu, während sie aus dem Augenwinkel die Zauberer beobachtete, die sich über die Versperrung der Treppe beschwerten. Endlich schienen die beiden Männer ihr Gespräch beendet zu haben; sie verabschiedeten sich mit einem knappen Nicken und während die Malfoys zu einer ebenso blondhaarigen Frau nach oben stiegen, verschwanden Jay und sein Vater in der nächsten Tribüne.
    „Wer war das auf der Treppe?“, fragte Padma neugierig, als Skye sich wieder zum Feld wandte.
    „Jay“, antwortete sie. „Und die Malfoys.“
    „Die Malfoys?“, mischte Betty sich ein. „Was wollten die denn von ihm?“
    „Eher von seinem Vater“, berichtete Skye. „Vielleicht sind sie befreundet oder so.“
    Padma runzelte zwar etwas skeptisch die Stirn, aber sagte nichts mehr, und so schaute auch Skye erwartungsvoll hinunter auf das riesige Feld. Mittlerweile schienen sich alle Reihen gefüllt zu haben und es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Spiel endlich begann. Sie setzte das Omniglas vor die Augen und beobachtete die Ameisen auf der gegenüberliegenden Tribüne, die plötzlich wieder wie Leute aussahen. Irgendwo sangen Bulgaren ihre Nationalhymne und Skye wartete geradezu darauf, dass Padmas Rosette wieder losschrie.
    Sie war gerade dabei, einige angetrunkene Fans mit irischen Flaggen zu beobachten, als eine laute Stimme aus den Ritzen des goldenen Stadions drang. „Meine Damen und Herren . . . willkommen! Willkommen zum Endspiel der vierhundertundzweiundzwanzigsten Quidditch-Weltmeisterschaft!“, rief der Mann.
    Skye tat es Betty und Padma neben sich gleich, die jubelnd aufstanden und laut klatschten. Das ganze Stadion tobte und sie glaubte fast zu spüren, wie es unter ihren Füßen vibrierte.
    „Und jetzt möchte ich Ihnen ohne weiteres Brimborium unsere Gäste vorstellen . . . die bulgarischen Mannschaftsmaskottchen!“
    Neugierig sah Skye sich nach dem Urheber der Stimme um, aber sie schien über das Feld zu schallen, als würde das Stadion selber reden.
    Erwartungsvoll spähte sie über die Brüstung zum Spielfeld, auf das plötzliche hunderte von Frauen liefen. Nein, sie liefen nicht, sie schienen zu schweben. Trotz der weiten Entfernung konnte Skye den Glanz ihrer langen Haare und die zarten Gesichter erkennen. Es war, als würde sie von ihrer Schönheit geblendet.
    Die Frauen begannen zu tanzen und Stadion schien sich plötzlich zu regen. Von überall kam wildes Geschrei und zu Skyes Überraschung kletterte plötzlich einer der Deutschen neben ihnen auf die Balustrade. Er brüllte etwas und sah so aus, als würde er gleich von der Tribüne hüpfen, doch seine Freunde schien das nicht zu interessieren. Sie gafften mit leeren Augen zu den Frauen, während Mrs Warrington sich des Deutschen annahm und ihn von der Brüstung pflückte.
    Nachdem sie ihren Tanz beendet hatten, zogen sich die Frauen langsam wieder zurück, was zu zornigen Rufen der Menge führte.
    „Passen Sie vor den Veela lieber auf“, sagte Mrs Warrington kurz angebunden, als der Deutsche blinzelnd wieder zu sich kam.
    „D-Danke“, antwortete er sichtlich verwirrt mit einem harten Akzent.
    Skye fragte sich stumm, warum die Männer so auf diese Wesen reagiert hatten, aber viel nachdenken konnte sie nicht mehr, denn die herrenlose Stimme sprach wieder.
    „Und nun heben Sie bitte alle Ihre Zauberstäbe in die Luft . . . für die Maskottchen der irischen Nationalmannschaft!“
    Lautes Jubeln erfüllte das Stadion, als ein riesiger, leuchtender Ball über das Feld schoss. Skye konnte nicht erkennen, aus was er bestand, aber der Ball teilte sich in glitzernde Teilchen und fügte sich immer wieder zusammen. Ein Regenbogen entstand, dann ein Kleeblatt, das wie ein Feuerwerk explodierte. Skye konnte im letzten Moment den Kopf einziehen, als ein goldener, dicker Klotz nach unten gerade auf sie zugeschossen kam. Dann folgten mehr und mehr - es war ein Regen aus Gold.
    Nun erkannt sie, dass die glitzernden Wesen, die den Ball geformt hatten, eigentlich winzige Männchen waren, die sich aber nun wie die Veela auf ihre Plätze setzten.
    „Und jetzt, meine Damen und Herren, ein herzliches Willkommen für die bulgarische Quidditch-Mannschaft!“, dröhnte die Stimme über das Feld.
    Sie zählte der Reihe nach die Namen der Spieler auf, während jeweils scharlachrote Wirbel auf das Spielfeld schossen. Sie waren schrecklich schnell und Skye vermutete, dass sie alle den besten Rennbesen, den Feuerblitz, besaßen.
    Nun raste auch die irische Nationalmannschaft über das gigantische Feld und Skye jubelte fleißig, während Padmas Rosette wieder Morddrohungen hinausbrüllte. Sie fragte sich, wie es wohl war, bei so einem wichtigen Match zu spielen und zu wissen, dass Hunderttausende Menschen dir dabei zusahen. Skye war sich sicher: Die Spiele in Hogwarts reichten ihr schon.
    Nachdem der ägyptische Schiedsrichter vorgestellt worden war, gingen alle Spieler in Position und Spannung erfüllte die Tribünen. Skye kannte dieses Gefühl des Drucks vor einem Spiel nur zu gut, also drückte auch sie die Daumen, als die Bälle entlassen wurden.
    Jetzt kam ihr ihr Omniglas zugute, denn Skye hatte noch nie in ihrem Leben solch schnelle Spielzüge gesehen. Die beiden Mannschaften rasten als rote und grüne Schleier über das Feld, der Quaffel wechselte sekündlich den Spieler und Klatscher schossen umher wie Kanonenkugeln. Selbst die dröhnende Stimme schien irgendwann nicht mehr mitzukommen und Skye war froh, dass das Omniglas die vielen Spielzüge langsam wiederholte. Beeindruckt beobachtete sie die irischen Jäger und bei jeder Technik, die sie aus dem Training kannte, fühlte sie sich mehr von Stolz erfüllt.
    „Die Jäger sind genial!“, sagte Skye beeindruckt, während sie beobachtete, wie die Iren sich so fließend den Quaffel zupassten, als könnten sie die Zukunft voraussehen.
    „Da könntet ihr euch mal was von abschauen“, kicherte Betty und spielte damit auf die letzte Quidditch-Saison in Hogwarts an, die nicht gerade die erfolgreichste für Ravenclaw gewesen war.
    Skye streckte ihr die Zunge heraus und wendete sich wieder dem Spielfeld zu, über dem mittlerweile schon die grünen Kobolde der Iren fröhliche Siegestänze vollführten. Und das zu Recht - sie lagen weit in Führung.
    Skye fand dieses Quidditch um einiges brutaler als das, das sie aus Hogwarts kannte. Die Bulgaren schienen vor Fouls nicht abgeneigt und so kamen die irischen Jäger oft nur knapp davon. Auch die Maskottchen mischten sich gerne ein; die kleinen grünen Männchen (die Mrs Warrington als „Leprechans“ bezeichnete) sausten ständig durch die Luft und kommentierten jedes Tor der eigenen Mannschaft mit einer wüsten Geste oder anderen Sticheleien. Die Veela wirkten schon so, als würden sie das nicht mehr lange mitansehen wollen, als der ägyptische Schiedsrichter sie nach einem Foul des bulgarischen Hüters fast vom Feld schickte. Skye beobachtete das Ganze neugierig mit ihrem Omniglas, während der Kommentator Freiwürfe für die irische Mannschaft ankündigte.
    „Ja! Steckt ihnen den Quaffel in den -“, plärrte die Rosette und Padma hielt ihr schnell den Mund zu.
    „Lass sie doch“, grinste Betty. „Sie scheint es ja richtig zu genießen.“
    Padma beugte sich unauffällig zu ihr. „Ganz sicher nicht! Hast du gesehen, wie diese Deutschen neben uns mich die ganze Zeit anstarren?“
    Skye schmunzelte belustigt und wandte sich wieder dem Spielfeld zu, auf dem sich die irische Jägerin Moran auf ihren Freiwurf vorbereitete. In Zeitlupe wiederholte das Omniglas immer wieder, wie einer der bulgarische Treiber sie brutal rammte. Während die irischen Fans das Stadion mit lauten „Foul!“-Rufen füllten, richtete Skye ihren Blick nach unten, wo die Leprechans wieder einmal ihre Schadenfreude zum Ausdruck brachten. Und diesmal machten die Veela nicht nur reizend schmollende Gesichter, sondern sprangen auf. Zu Skyes Überraschung waren sie plötzlich gar nicht mehr so wunderschön. Die Veela erinnerten sie eher an Furien, wie sie mit wutverzerrten Gesichtern Hände von Feuer auf die irischen Maskottchen warfen. Es dauerte ein wenig, bis Ministeriumsangestellte angerannt kamen und die kämpfenden Wesen auseinanderbringen konnten.
    „Skye, sieh nur!“ Aufgeregt zerrte Padma an ihrem Ärmel und deutete irgendwo in die Luft. „Hol ihn mal ran!“
    Folgsam setzte Skye das Omniglas vor die Augen, das sofort den plattgesichtigen Viktor Krum vergrößerte. Aber diesmal wirkte er noch ein weniger zermatschter als vorher und schwebte reglos in der Luft, während er hastig versuchte, die Blutung seiner Nase zu stoppen.
    „Er ist verletzt!“ Skye drückte Padma das Glas in die Hand. „Was ist passiert?“
    „Ein Klatscher“, berichtete Betty. „Sah echt übel aus. Ein wenig wie du letztes Jahr, aber mit mehr Blut.“
    Padma, die immer noch durch das Omniglas schaute, schrie plötzlich auf: „Schnell, seht nur! Er ist wieder in den Sturzflug gegangen!“
    Skye sah von weitem nur einen grünen und roten Punkt, die nebeneinander Richtung Boden schossen. Eine Wolke aus Anfeuerungsrufen erfüllte das Stadion und Skye ahnte, dass es diesmal ernst war. Schnell riss sie Padma das Omniglas aus der Hand und sie kam gerade richtig: In Zeitlupe konnte sie beobachten, wie der irische Sucher Lynch mit einem unangenehm aussehen Aufprall auf das Feld krachte. Krum wiederum hatte den Besen im letzten Moment hochreißen können.
    „Er hat ihn!“ Skye gab das Omniglas an Betty weiter, die fordernd die Hand ausstreckte. „Viktor Krum hat den Schnatz gefangen!“
    Es dauerte einige Sekunden, bis die Zuschauer das bemerkt hatten, aber dann schien das Stadion wahrhaftig zu explodieren; es war nichts im Vergleich zu den Gewinnen in Hogwarts.
    Skye wollte sich schon enttäuscht auf ihren Sitz zurückfallen lassen, schließlich schien Bulgarien gewonnen zu haben, als wieder die körperlose Stimme erklang.
    „Irland gewinnt! Krum holt den Schnatz - aber Irland gewinnt - mein Gott, ich glaube keiner von uns hätte das erwartet.”
    Was?“ Skye sprang wieder auf.
    Das hatte sie noch nie erlebt. Normalerweise war die Mannschaft, deren Sucher den Schnatz fing, stets der Gewinner. Aber die irischen Jäger waren so gut gewesen, dass sie dies verhindern konnten, und Skye machte das in gewisser Weise stolz auf ihre Position.
    Die irische Nationalhymne dudelte mittlerweile in voller Lautstärke von überall her und grün gekleidete Fans auf allen Tribünen sangen fröhlich mit. Auch Betty, Padma, Skye und die anderen Mädchen jubelten fleißig, während die Leprechans wieder ihr klotziges Gold rieseln ließen und die Veela äußerst bedröppelt dreinblickten.
    „Irland ist der neue Weltmeister!“, frohlockte Betty, während sie laut klatschte.
    „Wusste ich es doch!“, quiekte die Rosette. „Kleine, foulende, dreckige Bulgaren . . .!“
    Padma machte ein Gesicht, als würde sie gleich einen Nervenzusammenbruch erleiden „Hör endlich auf!“
    Aber die Rosette ließ sich nicht beirren und krakeelte weiter: „Grün wie das Glück! Grün wie das Glück! Grün wie die weltbeste Quidditch-Mannschaft!“

    „Wir sind Soldaten, deren Leben Irland geweiht . . .“
    Die heiseren Klänge der irischen Nationalhymne schallten noch immer über das Feld, als Skye mit einer Schar grün gekleideter Fans aus dem Stadion geschwemmt wurde. Überall schwangen sie ihre Schals und wiederholten die Namen der irischen Spieler noch einmal und noch einmal in einem fröhlichen Singsang.
    Betty quetschte sich zwischen Padma und Skye und legte den beiden zufrieden die langen Arme um die Schultern. „Und, wie fandet ihr es?
    Skye grinste zufrieden. „Großartig! Das war das beste Quidditch-Spiel, das ich jemals gesehen habe.“
    Die drei Freundinnen schlenderten nebeneinander über den laternenbeschienen Weg und Betty deutete mit einem Kopfnicken auf Cho, die vor ihnen ging.
    „Sicher, dass du nicht auch Quidditch-Spielerin werden willst?“, fragte sie, während ein gehässig lachender Leprechan über ihre Köpfe schoss und mit seiner Laterne wedelte.
    „Ich werde niemals so gut werden“, erwiderte Skye.
    „Übung macht den Meister“, belehrte Padma sie.
    Auf dem Weg zurück durch das Waldstück mussten sie sich in mitten der Massen anderer Hexen und Zauberer eng aneinander drücken und hier und da schlugen Skye kleine Äste ins Gesicht oder Spinnweben verfingen sich an ihrer Kleidung. Dennoch wurde der laute Gesang nicht schwächer, als sie auf ihrem Zeltplatz ankamen, und angeführt von Mrs Warrington liefen sie zielstrebig zurück zum Zelt, dessen Pfauen im Licht des Mondes glitzerten.
    Innen war es angenehm warm und Skye hätte sich gleich ins Bett legen können, aber noch dachte niemand daran zu schlafen. Die Mädchen holten sich ihre Decken von oben und kuschelten sich eng aneinander geschmiegt auf das Sofa und die Sessel. Mrs Warrington setzte noch einen Tee auf und schließlich saßen sie zufrieden mit einer heißen Tasse in der Hand beisammen.
    „Warum glaubt ihr, hat Krum den Schnatz gefangen?“, fragte Padma. „Schließlich wusste er, dass sein Team nicht gewinnen würde.“
    „Vielleicht hat er erkannt, dass es keinen Zweck mehr hatte“, überlegte Skye.
    Sie kannte dieses Gefühl nur zu gut, manchmal lief ein Spiel so gar nicht so wie geplant und die Hoffnung war verschwunden. Natürlich konnte man noch immer sein Bestes geben, aber innerlich wusste man, dass es aus war. Skye warf einen kurzen Blick zu Cho hinüber, schließlich waren sie trotz allem noch Teamkolleginnen und sie wusste sicher auch, was sie meinte.
    „Er ist irgendwie komisch, dieser Krum“, stellte Marietta fest und rührte gedankenverloren in ihrem Tee.
    „Warum?“, fragte Betty.
    „Na, anders irgendwie. Für solch einen weltklasse Sucher verhält er sich gar nicht so.“
    „Ist das nicht gut?“, wunderte Skye sich.
    Auch sie hatte gesehen, wie ungelenk er auf festem Boden gewirkt hatte, und sich so gar nicht prahlerisch verhielt.
    „Natürlich“, antwortete Marietta. „Es ist nur . . . ungewöhnlich.“
    Für einen Moment schwiegen die Mädchen und lauschten dem gedämpften Geschrei und Gejubel von draußen. Die Iren feierten wohl noch immer und hier und da konnte Skye leise Fetzten der Nationalhymne erkennen.
    Nachdem alle ihren Tee getrunken hatten, breitete sich langsam eine müde Stimmung im Zelt aus. Skye dachte an die paar Stunden Schlaf der letzten Nacht und so dauerte es nicht lange, bis sich alle zurückzogen. Das Feldbett war angenehm weich und nachdem sie ihren Zauberstab auf den Nachtisch gelegt hatte, kuschelte Skye sich genüsslich ein. Gehüllt in die wohlige Wärme der Decke starrte sie noch ein paar Minuten an die Zeltwand, bis der immer leiser werdende Gesang von draußen sie langsam eindösen ließ. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis Skye in einen traumlosen Schlaf fiel.

    BILD: Das Stadion

    7
    ((bold))((navy))Kapitel 7: BRENNENDE ZELTE((ebold))((enavy)) Blinzelnd setzte Skye sich auf und runzelte die Stirn. Sie hatte geträumt, wilde Träume

    Kapitel 7: BRENNENDE ZELTE

    Blinzelnd setzte Skye sich auf und runzelte die Stirn. Sie hatte geträumt, wilde Träume waren es gewesen, von besenreitenden Leprechans und körperlosen Stimmen. Aber da war noch etwas: Schreie, die Geräusche hunderter Füße auf unebenem Boden. Skye brauchte einen Moment, bis sie merkte, dass dies kein Traum gewesen war.
    Die anderen schlummerten friedlich in ihren Betten, keine schien die Geräusche von draußen zu hören. Der Gesang, der vor ein paar Stunden noch über den Zeltplatz geschallt hatte, war verklungen. Stattdessen waren da Schreie, Schreie, die sich ganz und gar nicht gut anhörten.
    Nachdem sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schob Skye ihre Decke beiseite und schwang sich aus dem Bett. Vorsichtig tastete sie sich an der dünnen Zeltwand entlang und schlich leise zum nächsten Bett. Hier lag Betty, von der nichts als ein dunkelhaariger Haufen unter der Bettdecke zu sehen war.
    „Betty“, sagte Skye und rüttelte an dem Arm ihrer Freundin.
    Erneut hörte sie einen Schrei, aber Betty stöhnte nur leise und vergrub ihr Gesicht tief ins Kissen.
    „Wach auf!“
    Skye rüttelte heftiger und endlich drehte Betty sich um.
    „Was‘n los?“, stöhnte sie und gähnte herzhaft.
    „Da stimmt etwas nicht“, flüsterte Skye.
    Immer noch gähnend richtete Betty sich langsam auf. „Du weißt schon, was Träume sind, nicht?“
    „Das ist kein Traum!“ Langsam wurde Skye ungeduldig. „Hör doch! Draußen schreit jemand. Und da ist Fußgetrappel!“
    Für einen kurzen Moment herrschte Stille und beide Mädchen lauschten in die Dunkelheit. Das Geschrei war lauter geworden.
    „Du hast recht“, antwortete Betty und schob ihre Decke beiseite. „Das klingt nicht gerade normal.“
    „Weck deine Mum.“ Skye richtete sich auf. „Vielleicht kann sie nachschauen.“
    Folgsam nickte Betty und stand überraschend schwungvoll auf. „Kümmere du dich um die anderen.“
    Die Schreie von draußen trieben Skye an, während sie zu Padmas Bett lief und ihr unsanft die Decke wegzog. Mit ein paar Worten war alles erklärt und so stolperte Skye fast über einen Rucksack, als sie in die nächste Nische hastete. Dabei hatte sie ganz vergessen, dass hier Cho lag, aber im Eifer des Gefechts sah sie über diese Tatsache hinweg und riss auch sie aus dem Schlaf.
    Cho hatte sich gerade aufgerappelt und angelte unter dem Bett nach ihrem Zauberstab, da lief Skye fast in eine plötzlich aufgetauchte Mrs Warrington hinein.
    Skye wollte schon losreden, aber Mrs Warrington stoppte sie mit einem beiläufigen Winken.
    „Betty hat mich geweckt. Bleibt kurz hier, ich werde nachschauen gehen.“ Sie knotete hastig ihren langen, wollenen Morgenrock zu und tauchte das Zelt mit einem weit ausholenden Schwung ihres Zauberstabes in grelles Licht. „Und haltet eure Zauberstäbe bereit.“
    Mit diesen Worten verschwand sie auf der Leiter und die sechs übriggebliebenen Mädchen versammelten sich besorgt vor Emmas Bett. Skye hatte sich noch schnell ihren Zauberstab geschnappt, den sie nun fest umklammert hielt, während sie stumm dasaßen und warteten.
    „Ich will wissen, was los ist“, brach Padma die Stille.
    Fünf Augenpaare richteten sich auf sie, aber niemand sagte etwas.
    Es dauerte nicht lange, da hörten sie ein Rascheln von unten, und Skye ging in Angriffshaltung.
    „Holt eure Jacken“, rief Mrs Warrington von unten und die Mädchen atmeten erleichtert aus. „Beeilt euch.“
    Skye sprang auf, schnappte sich ihre Jacke von der Bettkante und folgte dann Marietta über die Leiter nach unten. Mrs Warrington wartete schon vor dem Eingang und machte ein ernstes Gesicht. Das beruhigte Skye. Ernst, aber nicht besorgt.
    „Lauft so schnell wie möglich zum Wald“, sagte Mrs Warrington, als sich alle gesammelt hatten, und sah dann zu ihrer ältesten Tochter. „Ich werde den anderen Ministeriumsleuten helfen müssen. Bleibt im Wald, bis alles vorbei ist.“
    Mit einem letzten eindringlichen Blick und folgsamen Nicken der Mädchen, traten sie aus dem Zelt; Skye, Betty und Padma hatten sich fest aneinander gedrückt.
    Der Himmel über den Zeltdächern war düster. Aber darunter loderte wildes Feuer. Noch war es entfernt, aber wie ein Waldbrand schien es sich auszubreiten.
    „Schnell!“ Emma scheuchte sie los. „Ihr habt gehört, was Mum gesagt hat. Zum Wald!“
    Sie waren nicht die einzigen, die über den Zeltplatz rannten. Von überallher kamen Menschen: Kinder, Erwachsene, alle schienen erfüllt von Panik. Skye achtete nicht darauf, sie achtete nur auf ihre Füße, die sich stolpernd und schlitternd einen Weg über den Trampelpfad bahnten. Betty und Padma liefen vor ihr; keine redete ein Wort, bis sie um die nächste Ecke bogen und Padma ruckartig stehenblieb.
    „Was ist?“ Erst, als Skye gebremst hatte und Marietta ihr auf die Fersen trat, sah sie auf.
    Mittlerweile waren sie dem Feuer immer näher gekommen, überall brannten Zelte lichterloh und füllten die Luft mit Rauch und züngelnden Flammen. Und mittendrin lief eine lange Prozession maskierter Gestalten mit Kapuzen und hocherhobenen Zauberstäben. Sie schienen die Auslöser des Chaoses zu sein; seelenruhig spazierten sie an den brennenden Zelten vorbei. Noch immer erfüllten Schreie die Luft, doch mittlerweile gesellte sich auch gehässiges Johlen dazu und Skye beobachtete, wie sich mehr und mehr Leute der Prozession anschlossen. Aber das Schlimmste hätte sie fast übersehen: Über den erhobenen Zauberstäben der vermummten Person schwebten vier weitere, die aber ganz und gar nicht ins Bild zu passen schienen. Ein Mann, eine Frau und zwei kleine Kinder wirbelten in der Luft umher, als würden sie fliegen. Aber auf ihren Gesichter spiegelte sich Angst. Angst, Fassungslosigkeit und das blanke Entsetzten.
    Schließlich fiel Skye ein, woher sie den Mann kannte. Es war der Platzaufseher gewesen, ein Muggel, der scheinbar von nichts eine Ahnung hatte. Ihr lief ein Schauer über den Rücken. Muggel. Auch sie war nicht viel mehr als das.
    „Skye!“
    Jemand packte sie am Arm, und als Skye sich umdrehte, sah sie direkt in Emmas weit aufgerissene Augen, in denen sich züngelnde Flammen spiegelten.
    „Was stehst du hier herum? Komm schon!“
    Skye schaute sich hastig um, aber von Betty und Padma war weit und breit nichts mehr zu sehen. Nur Emma, Cho und Marietta standen noch da, während andere Hexen und Zauberer an ihnen vorbeirannten.
    „Betty und Padma! Wo sind sie?“, fragte Skye schnell. „Eben waren sie noch da!“
    Emma fluchte herzhaft. „Wahrscheinlich sind sie schon weitergerannt.“
    „Komm jetzt, sie werden den Weg zum Wald schon alleine finden“, mischte auch Cho sich ein. Ihre dunklen Mandelaugen huschten besorgt umher.
    „Dann kommst du jetzt mit uns“, befahl Emma. „Aber nicht trödeln!“
    Skye nickte stumm und folgte den älteren Mädchen, die um die nächste Kurve bogen und sich so von der seltsamen Prozession entfernten. Das Gejohle war noch immer zu hören, auch als die Flammen wieder kleiner wurden und Skye die Familie des Platzaufsehers nicht mehr beobachten musste. So schnell wie sie konnte rannte sie über den Zeltplatz. Den Zauberstab mit zittrigen Fingern umklammert lief sie einfach, warf keinen Blick über die Schulter, weil diese Leute ihr Angst machten. Das Bild der Muggelfamilie wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen; es war widerlich, was die Zauberer ihnen antaten.
    Vor dem Waldrand angekommen legten die vier Mädchen eine kurze Verschnaufpause ein. Im Schutz der Bäume fühlten sie sich sicher; die brennenden Zelte waren mittlerweile weit entfernt. Leute rannten umher, die sich auch in den Wald flüchteten, aber in der Dunkelheit erkannte Skye kein einziges Gesicht.
    „Alles klar?“, fragte Emma mit einem prüfenden Blick in die Runde.
    Stummes Kopfnicken war die Antwort; Skye konnte die Gesichter der anderen nur schemenhaft erkennen, die Dunkelheit des Waldes verschlang sie wahrhaftig.
    „Was ist mit Betty und Padma?“, fragte sie.
    „Vielleicht finden wir sie auf dem Weg“, antwortete Emma. „Lasst uns weitergehen.“
    Überall liefen Hexen und Zauberer durch den Wald, besorgt suchten sie nach Familienmitgliedern oder Freunden. Skye suchte vergeblich nach einem bekannten Gesicht, genauso wie Emma, die ziemlich beunruhigt schien.
    „Betty kann so was“, versuchte Marietta ihre Freundin zu beruhigen.
    Skye bezweifelte, dass das etwas half, aber darüber konnte sie nicht weiter nachgrübeln, denn ein hübsches Mädchen war neben ihr aufgetaucht.
    „Lazare et Romain cherchent ici, je -“
    „Ähm . . .“, unterbrach Skye das Mädchen vorsichtig. „Ich glaube, du hast mich verwechselt. Also, ähem . . . Je crois . . . que tu . . .“
    Französisch war noch nie ihr Lieblingsfach gewesen und in solch einer Situation fiel ihr das passende Wort natürlich nicht ein. Aber das Mädchen schien sie zu verstehen und senkte beschämt den Blick.
    „Pardon, isch wusste nischt -“
    Schnell ließ sie sich zurückfallen und schien weiter nach ihren Freunden zu suchen. Skye holte schnell wieder zu den anderen auf, aber die richtige Vokabel war ihr noch immer nicht eingefallen.
    Wortlos stapften sie über den blätterbedeckten Boden und tasteten sich an knochigen Bäumen vorbei. Skye hätte nun sehr den beleuchteten Weg vom Abend begrüßt, denn so stolperte sie ständig über abgebrochene Äste, Wurzeln oder Zweige verfingen sich in ihren Haaren. So waren sie auch bei weitem nicht so schnell wie auf dem Zeltplatz, aber irgendwann war das Geschrei nicht mehr zu hören und drückende Stille machte ihm Platz. Die Flüchtenden Fans verteilten sich überall im Wald; so wie Emma, Cho, Marietta und Skye suchten sie nach einem sicheren Ort.
    Skye dachte an Betty und Padma. Sicherlich trieben sie sich auch irgendwo umher und sie hoffte innerlichst, ihnen gleich zu begegnen. Aber das einzige, was ihren Weg kreuzte, war ein verwirrter Fuchs.
    „Wohin gehen wir überhaupt?“, brach Skye irgendwann die Stille.
    Mittlerweile fühlte es sich so an, als wären sie schon genug gelaufen, aber Emma hatte schließlich so gewirkt, als hätte sie einen Plan.
    „Ehrlich gesagt weiß ich es selbst nicht“, antwortete diese frustriert. „Sollen wir warten?“
    „Ist vielleicht besser“, gab auch Marietta hinzu, während sie sich fester in ihre Jacke hüllte.
    Auch Skye fröstelte ein wenig. Aber sie glaubte nicht, dass das die Kälte war.
    Bald kamen sie auf eine winzige Lichtung, auf der ein moosbewachsener Felsen stand, und setzten sich eng aneinander gedrückt auf ihn. Skye dachte an das französische Mädchen und fragte sich, ob sie ihre Freunde mittlerweile gefunden hatte.
    Und dann waren da noch die maskierten Zauberer und die Muggelfamilie. Plötzlich war Skye froh, jetzt in einem stillen Wald zu sitzen.
    „Meine Mutter wird mich nie wieder alleine irgenwohin gehen lassen, wenn sie das erfährt“, sagte Marietta, den Blick auf eine Baumwurzel vor ihren Füßen gerichtet.
    „Das war doch nicht deine Schuld“, erwiderte Cho.
    Emma blieb stumm. Mit einem schnellen Seitenblick stellte Skye fest, dass sie die Umgebung musterte. Oder jedenfalls das, was man in der Schwärze der Nacht erkennen konnte. Ob sie nach ihrer kleinen Schwester suchte?
    „Und was ist mit den Muggeln?“, fragte Skye. „Was diese Leute da gemacht haben, ist schrecklich.“
    Die drei älteren Mädchen wandten sich Skye zu. Natürlich; keine von ihnen war eine Muggelstämmige so wie sie. Vielleicht wussten sie gar nicht, wie sich das für Skye anfühlte.
    „Klar“, antwortete Marietta. „Hast du nicht die ganzen Ministeriumsleute gesehen?“
    Skye pulte ein wenig Moos von dem Felsen. „Eben sah es aber nicht so aus.“
    Marietta setzte schon zu einer Antwort an, als Emma sie zischend unterbrach. „Sei leise!“
    Es wirkte so, als würde sie konzentriert in die Dunkelheit lauschen. Und da hörte Skye es auch: Fußstapfen. Nicht weit entfernt lief irgendjemand über knisternde Blätter.
    Emma deutete den anderen wortlos an, den Mund zu halten, und Skye versuchte angestrengt, so leise wie möglich zu atmen. Mit Wäldern hatte sie nie gute Erfahrungen gemacht.
    Langsam entfernen sich die Schritte, aber noch immer konnte sie niemanden hinter den Bäumen erkennen. Langsam entspannten sich die Mädchen wieder.
    „Sollen wir weggehen?“, hauchte Cho leise.
    Emma warf einen kurzen Blick zur Seite und schien zu überlegen. „Nein. Warten wir lieber“, flüsterte sie. „Aber schraubt mal eure Lautstärke runter.“
    Skye nickte stumm und zog vorsichtig den Zauberstab. In solch einer Situation schien ihr das angemessen. Schweigend wartete sie darauf, dass die Fußstapfen wiederkamen.
    Erst hörte sie nichts, doch dann war da ein Schrei. Er schien entfernt, aber dennoch nah.
    „Was zum?“ Emma sprang schlagartig auf und sah sich hektisch um.
    „Wer war das?“, fragte Cho.
    Es hatte nicht nach einem Hilfeschrei geklungen, eher nach einem Wort, das Skye aber nicht kannte. Konzentriert ließ sie ihren Blick durch die Dunkelheit wandern, und da entdeckte sie es: Am Himmel war etwas erschienen. Ein giftgrün leuchtendes Zeichen.
    „Schaut nur“, keuchte sie und zupfte Emma unsanft am Ärmel.
    Es war ein riesiger Totenkopf, der da glitzernd am Himmel prangte. Aus der Mundhöhle schien eine gigantische Schlange zu kriechen, die fast so aussah, als würde sie sich zwischen den Sternen entlangschlängeln.
    „Oh, verflucht“, schimpfte Emma, während die Blicke der anderen an dem immer höher steigenden Zeichen hafteten.
    „Das ist doch“, begann Marietta leise, „ist das nicht das Dunkle Mal?“
    „Das Dunkle Mal?“, wiederholte Skye verwirrt.
    Emma drehte sich blitzschnell zu ihr um. „Wir sollten schleunigst verschwinden. Das ist das Zeichen von von Du-weißt-schon-wem.“
    „Aber, der . . .“, begann Skye, wurde jedoch immer leiser. Der ist tot, wollte sie sagen. Wie konnte er ein Dunkles Mal an den Himmel zaubern? Außer . . . Nein. Das widersprach allem, das sie von der Geschichte der Welt der Zauberei wusste.
    Gehetzt liefen die Mädchen los. Insgeheim wusste keine von ihnen, in welche Richtung sie laufen sollten. Aber es fühlte sich besser an, als einfach stehenzubleiben. Schreie erfüllten den Wald und überall schienen die Leute in Aufruhr geraten zu sein. Skye dachte an Betty und Padma. Hoffentlich waren sie in Sicherheit.
    „Wartet mal“, sagte Cho plötzlich und blieb stehen. „Ist das wirklich schlau? Wenn wir noch weiter laufen, finden wir hier nie mehr raus.“
    Niemand konnte widersprechen.
    „Ich weiß sowieso nicht mehr, wo wir überhaupt sind“, sagte Emma.
    Marietta stöhnte auf. „Das ist eine Katastrophe.“
    „Hey, du hättest schließlich auch mal auf den Weg achten können“, erwiderte Emma gereizt.
    Während Marietta irgendetwas entgegnete, schlenderte Skye ein Stückchen weiter und versuchte, sich irgendwo zu orientieren. Aber sie konnte sich an nichts erinnern, die Bäume hatten in der Dunkelheit alle gleich ausgesehen. Und die Lichtung von eben schien auch schon weit entfernt zu sein.
    Aber plötzlich hörte sie Stimmen. Sie schienen nicht weit entfernt und wirkten auch nicht so, als würden sich ihre Besitzer gerne versteckt halten.
    „Kommt mal her.“ Sie winkte die anderen zu sich. „Da ist irgendwer.“
    Emma und Marietta hörten auf sich zu zanken und allesamt horchten sie konzentriert.
    „Sollen wir hingehen?“, fragte Skye nach ein paar Sekunden.
    Emma schien nachzudenken. „Vielleicht, ich weiß -“
    „Ja“, unterbrach Marietta sie. „Langsam vergeht mir der Spaß an nassen Blättern und dieser schrecklichen Lauferei.“
    Es schienen viele Leute zu sein, die sich da im Wald versammelt hatten. Manche schienen aufgebracht, hier und da jedoch hörte Skye eine Stimme, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Sie hoffte, dass es nicht die maskierten Leute vom Zeltplatz waren, aber das schien ziemlich unwahrscheinlich. Die waren sicherlich schon längst geschnappt.
    „Bleibt mal stehen“, befahl Emma plötzlich, als sie sich immer weiter näherten. „Ist das . . . Mum?“
    Und wirklich, als Emma das sagte, erkannt auch Skye die Stimme. Es war unverkennbar die von Mrs Warrington.
    Das beflügelte die Mädchen dermaßen, dass sie die letzten Meter rennend zurücklegten, damit Mrs Warrington auch ja nicht wieder verschwinden konnte. Skye betete stumm, dass Betty und Padma auch dabei waren.
    Aber erst, als sie die Gruppe erkennen konnte, merkte sie, dass das wohl nicht der Fall vor. Dafür standen einige Erwachsene beisammen - dabei tippte Skye auf Ministeriumsleute - und hatten sich in einem Kreis versammelt. Was oder wer in der Mitte war, konnte sie nicht richtig erkennen.
    „Zu spät“, sagte Mrs Warrington ganz in der Nähe und Skye atmete erleichtert aus. „Die sind bestimmt schon disappariert.“
    „Da bin ich anderer Meinung“, erwiderte ein Mann neben ihr.
    „Ich könnte heulen“, flüsterte Emma leise, bevor sie schnurstracks auf die Gruppe zulief.
    Im Bruchteil einer Sekunde richteten sich etwa zwanzig Zauberstäbe auf sie und Skye blieb gezwungenermaßen stehen.
    „Mum!“, rief Emma, schien sich aber auch nicht zu trauen, weiterzugehen. „Wir sind es nur.“
    „Noch mehr Kinder“, murmelte ein Zauberer.
    „Emma?“ Mrs Warrington war mit wenigen Schritten bei ihnen. Sie trug noch immer ihren wollenen Morgenrock und sah alles andere als begeistert aus, als sie die Mädchen betrachtete. „Wo habt ihr Betty und Padma gelassen?“, fragte sie streng.
    „Auf dem Zeltplatz sind sie verschwunden“, antwortete Emma kleinlaut und schien unter dem Blick ihrer Mutter geradezu zu schrumpfen.
    Skye beobachtete das Ganze, hielt sich aber möglichst unauffällig. Die meisten der Ministeriumsleute hatten ihre Zauberstäbe sinken gelassen, hier und da flüsterte jemand etwas; nur ein Mann mit streng gestutzten Oberlippenbart schien keine Anstalten zu machen, sich zu entspannen.
    „Barty, nun hör doch auf“, sagte Mrs Warrington leise.
    Der Kiefer des Mannes schien sich zu verkrampfen, aber dann trat er langsam zurück. Für einen kurzen Moment schaute er Skye direkt in die Augen und sein Blick war so hart, dass sie sofort wegschaute. Was dachte er von ihr? Dass sie das Dunkle Mal heraufbeschworen hatte?
    Unauffällig musterte Skye die anderen Ministeriumsarbeiter. Manche von ihnen waren in den Schatten der Bäume gehüllt, aber überall huschten wachsame Augen durchs Dickicht und Zauberstäbe wurden entzündet.
    Erst jetzt fiel ihr auf, um was sich die vielen Erwachsenen da gedrängt hatten - oder eher um wen. Skye sah Brillengläser in der Dunkelheit aufblitzen und das war ihr Zeichen genug. Harry, Ron und Hermine standen da und lauschten stumm.
    „Unsere Schocker sind doch direkt durch diese Bäume geflogen . . . vielleicht haben wir sie sogar erwischt . . .“ Der Mann, der eben mit Mrs Warrington gesprochen hatte, sah auffordernd in die Runde. Skye konnte seinen stoppeligen Bart erkennen, während er prüfend über die Lichtung streifte.
    Mrs Warrington sagte leise etwas zu einem dicklichen Zauberer, bevor sie sich den Mädchen zuwandte.
    „Kommt.“
    Ihr Blick war schwer zu deuten, während sie ein Stück weiter ging und die Gespräche der Minusteriumszauberer immer leiser wurden. Skye warf einen schnellen Blick zu Harry, Ron und Hermine, die noch immer dort standen. Natürlich waren sie direkt mitten im Geschehen, aber Skye konnte sich nicht erklären, warum. Nur für Fragen schien jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.
    „Wo habt ihr Betty und Padma zum letzten Mal gesehen?“, fragte Mrs Warrington und sah die Mädchen der Reihe nach an.
    „In der Nähe von unserem Zelt“, antwortete Emma leise. „Sie sind einfach weitergerannt. Tut mir leid, Mum.“
    Cho, Marietta und Skye hielten sich unauffällig im Hintergrund, während Mrs Warrington zu ihren Kollegen hinübersah.
    „Ich bringe euch zum Zelt“, sagte sie. „Betty wusste sicherlich, was zu tun ist.“
    Den ganzen Weg lang redete niemand ein Wort. Mrs Warrington führte sie zielstrebig durch den Wald - sie musste einen sehr guten Orientierungssinn haben - und da Emma ihr wie ein trauriger Hund hinterhertrottete, blieben auch Marietta, Cho und Skye recht wortlos. Bei solch einer Stimmung schien eine Unterhaltung sowieso keine gute Idee zu sein.
    Skye überlegte noch immer, was Harry, Ron und Hermine mit dem Ganzen zu tun hatten, während sie auf einen ausgetretenen Pfad kamen. Doch dann konnte sie in der Ferne den Waldrand entdecken.
    Über dem Zeltplatz lag Rauch in der Luft, abgebrannte Stofffetzen bedeckten qualmend den Boden. Skye hielt sich die Nase zu, um den Gestank der Asche und Angst nicht riechen zu müssen. Fast vermutete sie, dass auch das Warrington-Zelt abgebrannt war, aber sie hatte unrecht. Unbeschädigt stand es auf seinem Platz und schien nur darauf zu warten, seine Besitzer wieder zu empfangen.
    Nacheinander traten sie ein, Mrs Warrington ganz am Schluss. „Bleibt hier“, befahl sie. „Ich suche die anderen.“
    Sie wandte sich schon wieder zum Ausgang, als Emma die Stimme erneut erhob. „Mum. Es tut mir leid“, sagte sie leise.
    Mrs Warrington schien kurz innezuhalten, trat dann aber wortlos aus dem Zelt. Skye fand so etwas viel schlimmer. Wenn Eltern laut schimpften war es eine Sache, aber Enttäuschung konnte sie gar nicht leiden.
    Emma schlurfte zum Sofa und setzte sich langsam. Sie sah ziemlich mitgenommen aus; in ihrem Haar hatten sich Blätter verfangen und Schatten lagen unter ihren Augen. Marietta und Cho folgten ihrer Freundin stumm und nach ein paar Sekunden setzte auch Skye sich dazu.
    Sie war todmüde, aber das würde sie sich nicht anmerken lassen, bis Betty und Padma wiederkamen. Also kuschelte sie sich in einen Sessel und zog die Beine so fest an den Körper, wie sie konnte. Vom Wirbel der Weltmeisterschaft war nichts mehr übrig.
    Und die vier Mädchen warteten. Sie warteten gefühlte Ewigkeiten, wechselten nur wenige Worte und jeder schien mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein. Skye wäre fast eingedöst, hielt sich aber wild blinzelnd wach. Und endlich, endlich öffnete sich der Eingang.
    Emma sprang schlagartig auf. Mit wenigen Schritten hatte sie den Raum durchquert und schloss ihre kleine Schwester wortlos in die Arme.
    „Ruhig, Brauner“, sagte Betty verwundert, während sie sich losmachte.
    Auch Padma trat hinter ihr ins Zelt, gefolgt von Mrs Warrington. Skye lief erleichtert zu ihren besten Freundinnen. Auch sie sahen angeschlagen aus, aber schienen unverletzt.
    „Alles in Ordnung?“, fragte Padma.
    „Mir geht‘s super“, erwiderte Skye bedeutungsvoll.
    Mrs Warrington lief langsam zu den anderen auf dem Sofa, während sich Betty, Padma und Skye verschwörerisch zusammendrängten.
    „Wo wart ihr?“, fragte Skye. „Wir haben euch nirgendwo gesehen.“
    „Nachdem ihr einfach verschwunden seid, sind wir eben alleine weitergerannt“, berichtete Betty. „Im Wald haben wir dann nach euch gesucht, aber das hat nichts gebracht.“
    „Also sind wir tiefer in den Wald gelaufen“, ergänzte Padma. „Und Betty hat sich mit so einem Leprechan angefreundet -“
    „Er heißt Alfredo“, fügte Betty hinzu. „Netter Kerl. Hat uns mit seiner Laterne Licht gemacht.“
    „Dann haben wir gewartet“, fuhr Padma fort. „Als das Dunkle Mal auftauchte und alle geschrien haben, wollten wir wegrennen. Aber Alfredo meinte, wir sollen einfach still sein.“
    „Und dann war Mum da“, sagte Betty mit einem Nicken zu Mrs Warrington, die etwas mit Emma beredete.
    „Ich muss euch was erzählen“, kündigte Skye leise an. „Aber erst morgen.“
    „Besser so.“ Betty gähnte herzhaft. „Ich brauche nämlich jetzt meinen Schönheitsschlaf.“

    BILD: Der brennende Zeltplatz

    8
    ((bold))((navy))Kapitel 8: GLYNIS SHAFIQ((ebold))((enavy)) Am nächsten Morgen fühlte Skye sich, als würde sie schlafwandeln. Die Mädchen sprachen

    Kapitel 8: GLYNIS SHAFIQ

    Am nächsten Morgen fühlte Skye sich, als würde sie schlafwandeln. Die Mädchen sprachen nur wenige Worte miteinander, während sie gähnend ihre Rucksäcke packten. Padmas Rosette war mittlerweile fast vollkommen verstummt, hier und da brachte sie noch ein heiseres Krächzen zusammen.
    Das Zelt faltete sich unter Mrs Warringtons Zauberstab folgsam zusammen und dann liefen sie langsam über den fast leeren Zeltplatz. Die meisten Menschen schienen schnellstmöglich nach Hause zu wollen - was Skye ihnen nicht verübeln konnte. Auch sie selbst war froh, bald wieder im sicheren Warrington-Anwesen schlafen zu können.
    Nachdem sie den Platz verlassen hatten, schloss der dunkelhäutige Kollege von Mrs Warrington, Shacklebolt, zu ihnen auf. Skye beobachtete, wie er leise ein paar Worte mit Bettys Mutter wechselte, konnte aber nicht verstehen, um was es ging. Er schien sich über etwas aufzuregen und nachdem Mrs Warrington geantwortet hatte, lief Shacklebolt hastig davon.
    Sie mussten lange anstehen, um einen Portschlüssel zu ergattern, bekamen aber schließlich von dem müde aussehenden Basil eine zerknautschte Suppendose in die Hand gedrückt. Diesmal wusste Skye schon, was auf sie zukam, aber trotzdem war sie froh, dass sie noch nichts gegessen hatte, als sie am Mermaid‘s Pool ankamen.
    Das Anwesen stand wie ein riesiger, marineblauer Koloss mitten in der grünen Landschaft und als Mrs Warrington vor das hohe Tor trat, schwang es knirschend auf. Plötzlich fühlte Skye sich wieder sicher.
    Betty, Padma und Skye verzogen sich schnell in Bettys Zimmer und schlossen die Tür. Die Drei kuschelten sich in Bettys warme Daunendecke und sahen nachdenklich aus dem Fenster.
    „Was wolltest du uns nun erzählen, Skye?“, fragte Padma neugierig.
    „Wir sind Harry, Ron und Hermine im Wald begegnet. Sie waren umringt von einigen Ministeriumsleuten, die ziemlich gestresst wirkten“, erzählte Skye.
    „Na, kein Wunder“, erwiderte Betty. „Bei dem, was letzte Nacht passiert ist.“
    „Ich frage mich nur, was die Drei damit zu tun haben“, fuhr Skye fort. „Ein Mann hat etwas von Schockern oder so geredet und jemand muss wohl disappariert sein.“
    „Sie sind doch immer irgendwie involviert“, sagte Padma abwinkend.
    „Da hat sie recht.“ Betty zuckte mit den Schultern.
    Skye seufzte. Sie konnte das nicht einfach so abtun. Die Muggel, das Dunkle Mal und der brennende Zeltplatz; all das ging ihr nicht aus dem Kopf.
    „Was wollte Shacklebolt denn von deiner Mutter?“, erkundigte sich Padma.
    „Der erste Artikel im Tagespropheten ist schon erschienen. Irgendeiner vom Minusterium muss wohl eine ungenaue Aussage gemacht haben und das wird dann immer ausgeschlachtet wie sonst was. Von wegen, nichts ist unter Kontrolle und was auch immer . . .“, berichtete Betty.
    „War es ja auch nicht so wirklich.“ Padma runzelte die Stirn.
    „Aber wie soll man das ahnen? Und so viele zu evakuieren, ist auch nicht gerade leicht“, erwiderte Betty.
    „Konnten sie denn diese maskierten Leute fassen?“, fragte Skye.
    „Nein.“ Betty schüttelte den Kopf. „Ich habe Mum heute morgen belauscht, wie sie mit jemandem im Feuer gesprochen hat. Sie glauben, dass es Todesser, die Anhänger von Ihr-wisst-schon-wem, waren. Das Dunkle Mal hat sie wohl in Panik versetzt und sie sind disappariert.“
    „Ich verstehe das nicht.“ Skye sah Betty fragend an. „Warum sollte jemand dieses Dunkle Mal heraufbeschwören? Und die Muggelfamilie so quälen? Du-weißt-schon-wen gibt es doch gar nicht mehr.“
    „Keine Ahnung“, erwiderte Betty schulterzuckend.
    „Es ist wirklich komisch“, stellte Padma fest. „Erst das mit Srius Black im letzten Jahr, der einfach entkommen ist. Und dann das.“
    „Sag das nicht so.“ Skye schüttelte sich. „Das klingt ja, als wäre er wieder da.“
    „Aber sie hat recht“, sagte Betty leise. „Da stimmt etwas nicht. Ich weiß nicht, ob es mit Harry Potter zu tun hat, aber das ist nur die Wahrheit.“
    „Glaube ich nicht“, widersprach Skye.
    Dabei wusste sie in ihrem Inneren, dass es stimmte, was Betty und Padma sagten. Aber zu wissen und zu glauben war nicht das Gleiche. Nachdenklich sah Skye aus dem Fenster in den wolkenverhangenen Himmel. Sie wusste, dass sie das nicht glauben wollte.

    „Mum, wo ist meine weiße Bluse?“, brüllte Skye ungeduldig durchs Haus.
    Die Stimme ihrer Mutter kam gedämpft von oben. „Sie hängt noch draußen zum Trocknen, sieh mal nach, ja?“
    Stöhnend schlurfte Skye aus ihrem Zimmer und schnappte sich ein paar Turnschuhe aus dem Schuhschrank. Draußen war es angenehm warm und Skye gähnte herzhaft, während sie zur Wäscheleine an der Hauswand lief, die von einer Hecke verdeckt wurde. Die Nacht der Quidditch-Weltmeisterschaft war schon ein paar Tage her, aber trotzdem fühlte sie sich noch schrecklich übermüdet.
    Schnell schnappte Skye sich die Bluse von der Wäscheleine und machte sich auf den Rückweg. Der Saum war noch immer etwas nass, also wedelte sie damit in der Luft herum, um ihn zu trocknen.
    Sie wollte gerade ins Haus gehen, als von hinten eine Stimme kam.
    „Zeitung ist da!“
    Ein braunhaariger Junge mit einem Bollerwagen im Schlepptau kam zeitungswedelnd in die Einfahrt gelaufen.
    „Ich kann sie gleich mitnehmen“, bot Skye an, und lief dem Jungen entgegen.
    „Gute Idee.“ Er drückte ihr eine Zeitung in die Hand und gerade wollte Skye sich wieder umdrehen, als er noch einmal etwas sagte. „Wir gehen doch auf die selbe Schule, nicht?“
    Sie drehte sich verwundert um. „Nun, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass es hier nur eine gibt“, antwortete sie.
    Der Junge schmunzelte belustigt. „Da hast du wohl recht. Ich habe dich schon mal im Gang gesehen.“
    „Das klingt komisch.“ Skye grinste.
    „Du weißt schon, was ich meine.“ Er nickte zu seinem Bollerwagen. „Ich muss noch ein bisschen weiter. Leider kriegt man beim Zeitungsaustragen keinen Stundenlohn. Aber vielleicht sehen wir uns ja mal.“
    „Ja, vielleicht. Viel Spaß, schätze ich mal“, erwiderte Skye.
    Sie sah dem Jungen mit den Zeitungen noch kurz nach, bevor sie wieder ins Haus trat. Noch nie hatte sie ihn irgendwo in der Schule gesehen - wahrscheinlich war er in einer höheren Stufe.
    „Zeitung ist da!“, rief sie nach oben zu ihren Eltern.
    Dann lief sie in ihr Zimmer, wo noch aufgeschlagene Bücher und Hefte auf dem Schreibtisch lagen. Aber denen schenkte Skye keine Beachtung und ließ sich lieber auf ihr Bett fallen. Noch immer gähnend tastete sie nach dem Buch, das Harper ihr geliehen hatte.
    Seit die Schule wieder angefangen hatte, verschlang Harper Bücher über soziale Strukturen und seltsame Ratgeber für überforderte Mütter. Und als ob das nicht genug wäre, nötige sie Skye dazu, diese Bücher auch zu lesen. Mittlerweile wusste sie mehr über das Lösen von Teenagerproblemen, als ihr lieb war.
    Mit Alice hatte sie in diesem Jahr noch kein einziges Wort gewechselt. Zwar lächelten sie sich höflich zu, wenn sie in den Gängen aneinander vorbeiliefen, aber Skye war mittlerweile zu einem wichtigen Entschluss gekommen: Warum sollte sie sich anstrengen?
    Eine Zeit lange hatte sie diese ganze Alice-Sache viel zu sehr beschäftigt. Dabei war es viel angenehmer, einfach zu machen, was man wollte.
    Schule war nicht da, um während des Unterrichts zu kichern und nur die neuen Schuhe einzulaufen. Skye hatte das verstanden. So lebte es sich um einiges leichter, da es sie einfach nicht mehr interessierte, was andere von ihr dachten. Und nicht nur das; es half ihr auch, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren und einen dieser Momente der Stille zu haben, von denen so viel in Harpers Büchern stand.

    Es war fast halb zwei, aber Skye war noch immer nicht eingeschlafen. Schon seit Stunden starrte sie an die hohe Zimmerdecke, rollte sich im Bett herum und hatte ihr Kissen sicher schon fünfmal auf die kühle Seite gedreht - doch nichts funktionierte. Skye hasste es, wenn sie zu viele Gedanken im Kopf hatte und diese alle hervorkamen, wenn sie schlafen wollte.
    Padma atmete leise und gleichmäßig neben ihr und hatte sich fast noch gar nicht bewegt. Aber selbst das hatte Skye nicht eingeschläfert.
    Sie seufzte leise und richtete sich auf. Natürlich wollte sie ihre Freundin nicht wecken, aber Skye war schrecklich langweilig. Ihr Zauberstab lag wie immer auf dem hölzernen Nachtschränkchen, dabei durfte sie ihn außerhalb von Hogwarts nicht einmal benutzen.
    Also entzündete sie eine Kerze und schob so leise wie möglich die Decke beiseite, um aus dem Bett zu steigen. Das flackernde Licht reichte gerade dafür, dass Skye nicht in die Kommode stolperte und langsam zur Tür schleichen konnte.
    Vor zwei Jahren hätte sie sich das noch nicht getraut; das Warrington-Anwesen war damals so beängstigend gewesen, manchmal hatte sie bei Nacht leises Flüstern oder knarzende Schritte in der Dunkelheit gehört. Aber jetzt hatte Skye die Angst vor solchen Dingen verloren, also drückte sie vorsichtig die schwere Eichenholztür des Gästezimmers auf, während Padma seelenruhig weiterschlief.
    Der Gang war in nächtliche Schwärze gehüllt, nur Skyes Kerze in der schmalen Goldhalterung spendete etwas Licht. Das Gästezimmer lag direkt neben der Treppe, an deren Geländer Skye sich langsam nach oben tastete. Trotz allem fühlte sich das Herrenhaus manchmal noch fremd für sie an. Und jetzt war es, als wäre sie dort ganz alleine.
    Im vierten Stock herrschte drückende Stille. Skye mochte es hier am liebsten; der mit Teppichen ausgelegte Boden und die hohen Wände erinnerten sie an Zeiten, in denen sie noch gar nicht geboren war.
    Sie beobachtete ihren Schatten, wie er an der Wand mit den prächtigen Bildern mit Generationen von Warringtons darauf vorbeihuschte. Außer ihrem leisen Atem war nichts zu hören und der Teppichboden dämpfte ihre vorsichtigen Schritte.
    Die kleine Hausbibliothek war verschlossen, ebenso wie die Ahnengalerie der Warringtons. Das war Skye auch lieber so. Erst vor kurzem hatte sie erfahren, dass das morsche Bettgestell dort drinnen dem altehrwürdigen Cyneweard Warrington gehört hatte. Es war sein Totenbett.
    Schnell vertrieb sie diesen Gedanken aus ihrem Kopf und lief weiter. Der vierte Stock war der höchste des Hauses am Mermaid‘s Pool. Betty hatte erzählt, dass hier am wenigsten verändert worden war.
    Am Ende des Ganges wartete eine breite Holztür auf sie, der Aufgang zum höchsten Turm des Anwesens. Skye war schon einmal mit Betty und Padma dort oben gewesen und es erinnerte sie ein wenig an den Astronomieturm in Hogwarts. Natürlich um einiges weniger hoch, aber trotzdem hatte man eine beeindruckende Aussicht.
    Also drückte sie die schnörkelige Messingklinke der Tür langsam nach unten, die den schmalen Treppenaufgang freigab. Im Gegensatz zu Bettys Türmchen musste man hier kleine Kletterkünste beweisen - es war eine einfache Wendeltreppe. Vorsichtig stieg Skye auf die erste Sufe und hielt die brennende Kerze so vor sich, dass sie einigermaßen sehen konnte, wohin sie trat.
    Die Treppe war schmal und steil, also tastete sie sich achtsam voran, um nicht zu fallen. Hier gab es keine Bilder oder Dekorationen, und nicht nur die Stufen und das Geländer, auch die Wände waren aus dunklem Holz.
    Das Licht der Kerze flackerte unter Skyes Atem, als sie oben angekommen war.
    Ein kühler Luftzug fegte über den Turm; Skye fröstelte es plötzlich in ihrem dünnen Pyjama. Hier oben sah es aus wie auf einer Aussichtsplattform der Muggel, zwar ragte über Skye eine Turmspitze in den Himmel, aber ein breites Geländer statt einer Wand, das jedoch irgendwann in festes Mauerwerk überging, erinnerte sie an einen Balkon. Der Mond stand hoch am Himmel und spiegelte sich in dem von hier oben pfützenartigen Mermaid‘s
    Pool.
    Der Anblick der hügeligen Wiesen zu Füßen des Anwesens erinnerte Skye wieder an Hogwarts. Die Ferien waren nun so gut wie vorbei und bald würde sie sich ans Packen machen müssen. Die Zeit am Mermaid‘s Pool war unglaublich schnell vergangen; Skye würde das mysteriöse Herrenhaus vielleicht sogar etwas vermissen, aber im Vergleich zu Hogwarts war es nichts. Ob es nun die hunderten Kerzen in der Großen Halle, die endlosen Gänge, der Gemeinschaftsraum oder die exzentrischen Lehrer waren; sie freute sich darauf wie ein kleines Kind.
    Manchmal fragte Skye sich, wie sie gelebt hätte, wenn eines stürmischen Nachmittags nie der Hogwarts-Brief in ihr Gesicht geweht worden wäre. Ein Leben ohne die magische Welt konnte sie sich gar nicht mehr vorstellen. Es war ihr Unterschlupf, ihre Flucht vor all den anderen Dingen. Magie war das Beste, das ihr jemals hätte passieren können.
    „Findest du es nicht etwas spät für einen nächtlichen Spaziergang?“
    Für einen törichten Moment dachte Skye, die uralte Seele einer verstorbenen Warrington war hinter ihr aufgetaucht. Aber dann erkannte sie die Stimme, was das Ganze nicht unbedingt besser machte.
    „Oh, ja, tut mir leid, ich -“ Skye wurde augenblicklich rot, als sie sich beschämt umdrehte.
    Vor ihr stand Mrs Warrington, die seltsamerweise noch immer den Umhang vom Vortag trug und nicht so wirkte, als hätte sie schon geschlafen.
    „Es ist nett hier oben, nicht?“, fragte sie, während sie langsam an das eiserne Geländer trat.
    Skye war es immer noch etwas peinlich, um diese Uhrzeit draußen erwischt zu werden. Plötzlich fühlte sie sich wie eine Einbrecherin, obwohl sie nichts Böses im Sinn gehabt hatte.
    „Ich konnte nicht schlafen“, nuschelte Skye kleinlaut und sah zu der hochgewachsenen Mrs Warrington auf.
    Sie hatte den Blick in den Himmel gerichtet und ihr dunkles Haar wehte in der nächtlichen Brise.
    „Das ist nicht verwunderlich“, antwortete Mrs Warrington. „Viele Fremde haben mit dem Schlafen hier Probleme. Ich anfangs auch.“
    Zum ersten Mal fiel Skye auf, dass Bettys Mutter gar keine echte Warrington war. Sie hatte nicht ihre Kindheit in diesem Anwesen verbracht und erst durch Heirat wurde sie Teil der Familie.
    „Warum?“, fragte Skye.
    „Angeblich wollen Geister der Ahnen nur Leute mit Warrington-Blut in ihren Adern hier leben lassen. Deswegen stören sie die Seelen der Fremden, um sie zu vertreiben.“
    „Padma scheint ziemlich immun dagegen zu sein“, bemerkte Skye.
    Mrs Warringtons Mundwinkel kräuselten sich belustigt. „So ist jeder anders.“
    „Mir gefällt es hier.“
    „Es ist sehr schön, nicht?“ Mrs Warrington ließ ihren Blick langsam über die Landschaft wandern. „Als Henry es mir erstmals gezeigt hat, war ich völlig aus dem Häuschen.“
    Neugierig horchte Skye auf. Mrs Warrington erzählte normalerweise nicht viel von ihrer Vergangenheit, geschweige denn ihrem Mann. All ihr Wissen darüber hatte Skye von Betty, aber die ganze Geschichte hatte sie nie gehört.
    „Ich bin eine Shafiq“, sagte Mrs Warrington so, als sollte Skye diesen Namen schon einmal gehört haben. „Für die meisten reinblütigen Familien sind solche Häuser kein Alltag.“
    „Das hat ein Freund von mir auch schon gesagt.“ Dabei dachte Skye natürlich an Jay, dessen Familie genau das Gegenteil der Warringtons zu sein schien.
    „Und du, Skye?“, fragte Mrs Warrington und sah sie mit einem eigenartig Blick an.
    „Ich?“
    „Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du gar keine Muggelgeborene.“
    Skye runzelte verwirrt die Stirn. Wie hatten Muggelstämmige denn zu sein? „Bin ich aber“, versicherte sie schnell.
    Mrs Warrington schien sie unauffällig von der Seite zu mustern. Skye hatte schon immer Angst vor der Auffassungsgabe einer Aurorin gehabt. Natürlich würde sie ihrem Geheimnis nie auf die Spur kommen, aber selbst Misstrauen beunruhigte sie.
    „Weißt du, was ich gelernt habe?“ Mrs Warrington wandte sich zu Skye und ihre sturmgrauen Augen, die so anders waren als die von Betty oder Emma, musterten sie lange. „Sei niemals von deiner Gewöhnlichkeit überzeugt.“
    Skye erwiderte nichts darauf, da sie das Gefühl hatte, dass alles, was sie nun sagen könnte, falsch war.
    „Ich glaube, du solltest langsam wieder ins Bett gehen.“ Mrs Warrington löste sich plötzlich vom Geländer. „Deine Mutter würde sicherlich nicht gerne sehen, dass du so lange aufbleibst.“
    Meine Mutter, dachte Skye, meine Mutter würde sicherlich auch nicht gerne sehen, dass ich seit drei Jahren auf eine Schule für Zauberei gehe und nie etwas davon erzählt habe.
    „Ja“, antwortete sie aber stattdessen. Langsam wurde ihr wirklich ziemlich kalt.
    „Gute Nacht.“
    Mrs Warrington nickte ihr ein letztes Mal zu, bevor sie zur Treppe ging. Skye beobachtete sie dabei und atmete erleichtert auf, als sie nach unten verschwand.
    Jetzt standen zwei Dinge für Skye fest: Die Warringtons waren äußerst eigenartige Leute. Und von diesem Gespräch würde sie niemals jemandem erzählen.

    BILD: Die Tür zum höchsten Turm des Anwesens

    9
    ((bold))((navy))Kapitel 9: DAS TRIMAGISCHE TURNIER((ebold))((enavy)) Der Bahnhof King‘s Cross war völlig überfüllt und Skye war sich sicher, dass

    Kapitel 9: DAS TRIMAGISCHE TURNIER

    Der Bahnhof King‘s Cross war völlig überfüllt und Skye war sich sicher, dass das von den vielen Hogwarts-Schülern und ihren Eltern kam. Sie drückte sich an Gepäckwagen und ernst aussehenden Männern in Anzügen vorbei und es gab kaum Luft zu atmen, geschweige denn Platz das Croissant zu essen, das sie sie vorhin in einem der Läden gekauft hatte.
    Mrs Warrington machte ihnen an der Spitze den Weg frei und lief mit zügigen Schritten zu Gleis neundreiviertel, während die anderen Mädchen hinterherhasteten. Skye hörte, wie Betty hinter ihr etwas sagte, doch ihre Stimme wurde vom Lärm der Muggel erstickt.
    Ein paar mal rammte Skye versehentlich ihren Gepäckwagen in fremde Fußgelenke, aber dann waren da endlich Gleis neun und zehn in Sichtweite gekommen und ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Jetzt war es schon ihr viertes Jahr auf Hogwarts und trotz all der Dinge, die mittlerweile Gewohnheiten für sie geworden waren, konnte Skye die Rückkehr nie erwarten.
    Da der Aufseher sich gerade mit einem verwirrten Muggelpaar auseinandergesetzte, scheuchte Mrs Warrington die Mädchen schnell zu der Absperrung zwischen den Gleisen. Lässig spazierten sie durch die Mauer und für einen Moment war es schwarz, dann aber hörte Skye fröhliche Stimmen und Gleis neundreiviertel schälte sich aus dem Dampf des Hogwarts-Expresses.
    „Hilfe, ist das voll“, stöhnte Betty, als sie ihre Gepäckwagen in Richtung der feuerroten Lok schoben, die schon bereitstand.
    „Wir sollten uns beeilen“, riet Padma.
    Sie liefen an einer Gruppe Drittklässler vorbei, die sie fröhlich begrüßten, und auch Grant Page, der Ravenclaw-Hüter, rief Skye aus einem Abteilfenster zu, dass sie später doch mal vorbeischauen solle. Emma, Marietta und Cho waren schon bei Mrs Warrington stehengeblieben und sahen sich hektisch um.
    „Euer viertes Jahr“, sagte Mrs Warrington, als Betty, Padma und Skye dazustießen. „Genießt es.“
    Betty zog eine Grimasse. „Ach, komm schon, Mum, so sentimental ist das gar nicht. Wir haben schließlich noch drei weitere.“
    „Lasst euch überraschen.“ Mrs Warrington schmunzelte. „Ihr schreibt mir, ja?“ Sie wendete sich an ihre Töchter, die brav nickten.
    „Jeden Tag“, grinste Betty.
    „Und Skye, wenn du möchtest, kannst du in den Weihnachtsferien auch mal mit Betty zu uns kommen.“
    „Ich?“ Skye blinzelte überrascht. „Ja - ähm - gerne.“
    Diese Aufforderung hatte sie aus dem heiteren Himmel getroffen, ganz besonders, nachdem sie das Gespräch auf dem Turm kein einziges Mal erwähnt hatte - Mrs Warrington ebenso wenig.
    „Dann geht schon“, sagte Bettys Mutter mit einem Blick auf ihre hibbelige Tochter. „Schönes Schuljahr. Euch allen.“
    Nachdem Betty und Emma Mrs Warrington umarmt hatten, hasteten die Mädchen zum Zug, der immer voller geworden war. Skye lief ganz vorne und quetschte sich und ihr Gepäck an Mitschülern vorbei, die ebenso gestresst schienen.
    „Die Erstklässler werden von Jahr zu Jahr kleiner“, stellte Betty fest. „Richtige Fussel sind das.“
    „Wohin ist eigentlich Emma verschwunden?“, fragte Padma.
    „Eddie und seine Freunde haben was frei gehalten. Verräter.“
    Padms kicherte belustigt und drehte sich wieder nach vorne. „Und, wie sieht‘s aus?“
    „Grenzwertig“, erwiderte Skye. „Überall sitzt schon jemand.“
    „Wir können uns auch irgendwo dazusetzen.“
    „Ungern.“ Betty rümpfte die Nase.
    „Seht doch!“ Padma blieb urplötzlich stehen und während Betty sie mit ihrem Koffer rammte, lief Skye weiter, bis sie sich fragte, was mit den anderen passiert war.
    „Da sitzen Parvati und Lavender.“ Padma winkte ihrer Schwester fröhlich zu. „Der Rest ist frei.“
    Betty murmelte etwas, während Padma die Tür aufschob und gut gelaunt ins Abteil schneite. Skye folgte ihr und schließlich schien auch Betty zu akzeptieren, dass sie kein eigenes Abteil mehr bekommen würden. Die beiden Zwillingsschwestern begrüßten sich herzlich - schließlich hatten auch sie sich einige Zeit nicht mehr gesehen - und redeten direkt los. Skye lächelte Lavender stumm zu, während sie ihr Gepäck verstaute und setzte sich dann neben Betty, die konzentriert mit der Spitze ihres Zauberstabes in Ace‘ Käfig herumstocherte.
    „Was machst du da?“, fragte Skye leise.
    „Na, sie beschäftigen“, antwortete Betty, als wäre das selbstverständlich.
    „Jetzt erzähl schon“, wollte Parvati aufgeregt wissen. „Was ist bei der Weltmeisterschaft genau passiert? Mum und Dad sind durchgedreht.“
    Skye hörte schweigend zu, während Padma die ganze Geschichte erzählte; Parvati lauschte gespannt und auch Lavender schien interessiert. Mit keiner der beiden hatte Skye bisher ein richtiges Gespräch geführt; Lavender kannte sie nur vom flüchtigen Sehen in den Gängen und so fühlte sie sich etwas seltsam, wie sie sich so stumm gegenüber saßen.
    „Deine Ohrringe sind schön.“
    Skye brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass Lavender da gerade mit ihr geredet hatte. „Oh . . . danke.“
    Sie wusste nicht, was sie jetzt noch sagen sollte und so wandte sie sich schnell zu den beiden Schwestern, die gerade über irgendeine Nachbarin herzogen. Der Zug hatte sich mittlerweile in Gang gesetzt und schlängelte sich durch London, während dicke Regentropfen gegen die Scheibe trommelten.
    Skye suchte hektisch nach einem guten Gesprächsthema, als ihr einfiel, was Page eben zu ihr gesagt hatte. Erleichtert drehte sie sich zu den anderen.
    „Ich schaue mal bei Grant vorbei“, sagte sie. „Die haben sicher wieder so ein Quidditch-Abteil gegründet.“
    Betty sah ihr mit flehendem Blick hinterher, als Skye aufstand und sich schnell an der Abteiltür vorbeischob. Im Gang atmete sie erleichtert aus. Solche Situationen hasste sie.
    Gemütlich schlenderte Skye an vollen Abteilen vorbei; der Gang war angenehm leer und man hörte nur die gedämpften Stimmen der anderen. Hannah Abbott und ihre Freunde aus Hufflepuff winkten Skye freundlich zu und auch in anderen Abteilen sah Skye bekannte Gesichter. Ihre Quidditch-Kollegen jedoch waren unmöglich zu übersehen; wie jedes Jahr hatten sie ein eigenes Abteil für sich besetzt und begrüßten Skye johlend, als sie die Tür aufschob.
    „Dass du uns mit deiner Anwesenheit beehrst!“ Samuels begrüßte sie mit einem High Five. „Unglaublich!“
    „Ich hatte gehofft, ihr habt was zu essen“, antwortete Skye grinsend und ließ sich neben Davies auf einen Sitz fallen.
    Skye beobachtete Burrow, der mit seinem fröhlich über die Sitze tollenden Kniesel spielte. „Wo habt ihr denn Duncan gelassen?“
    „Der sitzt mit seinen Freunden zusammen“, erklärte Page.
    „Hat uns einfach alleine gelassen“, ergänzte Samuels mit einem bedeutungsvollen Blick. „Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“
    Skye verdrehte die Augen und stibitzte sich etwas aus der Tüte Lakritz-Zauberstäbe, die Davies in der Hand hatte. „Seid froh, dass ich überhaupt aufkreuze.“
    „Nächstes Jahr bist du für uns reserviert“, bestimmte Davies.
    „Ja, ja“, antwortete Skye.
    „Das ist mein letztes Jahr auf Hogwarts.“ Burrow sah auf.
    „Dann gewinnen wir dieses Mal den Pokal“, frohlockte Samuels und klopfte seinem massigen Kollegen gut gelaunt auf die Schulter.
    Skye kam dieser Gedanke seltsam vor. Es fühlte sich an, als wäre sie selbst erst eine Woche Teil des Ravenclaw-Teams. Jetzt musste Burrow schon bald gehen und das eingespielte Jäger-Trio würde auseinander gerissen werden. Selbst Davies und Samuels hatten nur noch zwei Jahre auf Hogwarts. Unauffällig warf sie einen Blick zur Seite. Im Gegensatz zu Burrow war Davies kein bulliger Riese und sah für sein Alter recht jung aus, aber die Vorstellung, dass das schon sein vorletztes Jahr war, behagte ihr nicht.
    „Hoffen wir‘s“, antwortete Davies und nagte an einem Lakritz-Zauberstab. „Das ist echt peinlich, was die Gryffindors uns da antun.“
    „Du wirst ja schon zu einem richtigen Arthur“, stellte Skye fest.
    „Ruhe und Gelassenheit, Roger.“ Samuels legte sich der Länge nach auf die Sitze. „Solltest du auch mal probieren.“
    Davies verdrehte die Augen und machte eine drohende Geste mit seinem Lakritz-Zauberstab. „Du kannst mich gerne ablösen.“
    Skye kicherte amüsiert und kraulte Burrows Kniesel, der auf ihrem Schoss gelandet war. Sie war froh über die paar Jahre, die sie noch mit ihrem Team hatte.
    Die Zeit verging wie im Fluge, aber als Skye auf die Uhr schaute, musste sie an Betty denken, die da so hilflos im Abteil saß und jetzt wahrscheinlich Smalltalk mit Lavender Brown führen musste. Also entschloss sie sich, ihre Mannschaft wieder alleine zu lassen, und trat hinaus auf den Gang.
    „Etwas Süßes, Kinder? Kürbispasteten? Schokofrösche?“
    Die Stimme der schrulligen Imbiss-Hexe hallte durch den leeren Gang, während sie in Abteile schaute und ihren Wagen präsentierte. Skye kramte schnell etwas Zauberergold hervor; vielleicht wäre Betty ja weniger enttäuscht, wenn sie ihr etwas mitbringen würde.
    „Zwei Kürbispasteten bitte“, sagte Skye, während sie der Hexe das Geld in die Hand drückte.
    „Für mich auch.“ Ein zierliches Mädchen mit langen roten Haaren war hinter der dicklichen Hexe aufgetaucht und ließ Geld in ihrer Hand klimpern. Es war Tracey Davis, die Skye freundlich zugrinste.
    „So sieht man sich wieder.“ Skye nahm der alten Frau ihre Kürbispasteten ab.
    „Wie waren deine Ferien?“, fragte Tracey, während die Imbiss-Hexe weitertuckerte.
    „Großartig“, antwortete Skye. „Ich war auf der Weltmeisterschaft.“
    „Was?“ Traceys Augen weiteten sich. „Du auch?“
    Skye nickte. „Jay hat wahrscheinlich schon davon erzählt, nicht?“
    Tracey Davis war wie Jay in Slytherin; während des Streits mit Betty und Padma im letzten Jahr hatte Skye viel Zeit mit ihm und seinen Freunden verbracht.
    „Natürlich.“ Tracey zeigte nach hinten. „Unser Abteil ist gleich davorn; wenn du willst kannst du schnell mal vorbeischauen.“
    Skye dachte kurz an Betty und Padma, nickte dann aber ergeben. „Na gut. Aber gleich muss ich wieder zu den anderen und die Kürbispasteten abliefern.“
    „Kein Problem“, sagte Tracey, während sie loslief. „Als die Imbiss-Hexe eben bei uns vorbeigekommen ist, war ich auf Toilette. Und diese kleinen Egoisten haben mir natürlich nichts mitgekauft.“
    Skye grinste. Das klang ganz nach Jay.
    „Jetzt werde ich ihnen aber auch nichts abgeben“, beschloss Tracey, während sie die Tür ihres Abteils aufschob und hineintrat. „Schaut mal, wen ich auf dem Gang gefunden hab.“
    „Eine wilde Ravenclaw?“, fragte Jay mit einem schelmischen Grinsen.
    „Lustig wie immer.“ Skye tat so, als würde sie ihn mit einer der Kürbispasteten abwerfen.
    Neben Jay saß sein bester Freund Theo, ein bohnenstangiger Junge mit unordentlicher Frisur, der Skye zur Begrüßung zunickte. Auch die Slytherin Beatrice Thicknesse hatte es sich in dem Abteil gemütlich gemacht. Und obwohl Skye sie nicht besonders gut kannte, wurde sie freundlich von ihr begrüßt.
    „Zwei Kürbispasteten?“, fragte Jay mit einem Blick auf Tracey, die sich neben Beatrice fallen ließ. „So viel packst du doch gar nicht.“
    „Nein, du kriegst nichts.“ Tracey rümpfte die Nase.
    Jay machte ein enttäuschtes Gesicht und sah zu Skye. „Du musst nicht so dumm herumstehen, weißt du.“ Er zeigte auf den Platz neben sich.
    „Eigentlich wollte ich nur kurz vorbeischauen“, sagte Skye. „Aber gut.“
    Theatralisch seufzend ließ sie sich neben Jay fallen, legte die Kürbispasteten aber sicher in ihren Schoß.
    „Skye war auch beim Finale dabei“, erzählte Tracey, während sie genüsslich ihre Pasteten verspeiste.
    „Wir haben uns gesehen“, sagte Skye mit einem Nicken zu Jay.
    Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie ihn und die Malfoys beobachtet hatte. Zu gerne hätte sie ihn gefragt, was sein Vater von Malfoy gewollt hatte. Aber vor all seinen Freunden kam ihr das etwas blöd vor.
    „Ich wäre auch gerne hingegangen“, sagte Beatrice. „Aber wir haben keine Karten mehr gekriegt.“
    „Bettys Mum hat sie uns besorgt“, erzählte Skye. „Aber sie war auch die ganze Zeit im Einsatz.“
    „Betty Warrington?“, fragte Theo. „Ihre Mutter ist doch Aurorin, nicht?“
    „Ja.“ Skye nickte. „Als das mit dem Dunklen Mal passiert ist, musste sie direkt los.“
    „Davon habe ich im Tagespropheten gelesen“, sagte Tracey. „Diese Typen sind vollkommen verrückt.“
    „Ich sag‘s dir“, Skye schüttelte sich, „in echt war es noch viel schlimmer. Wir sind mitten in der Nacht aufgewacht und mussten in den Wald rennen. Es war direkt auf unserem Zeltplatz.“
    Sie warf einen Blick zu Jay neben ihr, der die ganze Zeit ungewöhnlich stumm gewesen war. Auch jetzt sagte er nichts. Skye konnte den Blick in seinen Augen nicht deuten. Wie er so dasaß, sah er beschämt aus, aber das machte beim besten Willen keinen Sinn.
    „Wie läuft es denn im Moment mit deinen Freundinnen?“, fragte Tracey.
    „Alles wieder gut.“ Skye war erleichtert, das Thema zu wechseln. „Besser als davor, könnte man sagen.“
    Tracey nickte zufrieden. „Siehst du.“
    „Wir sitzen mit Padmas Schwester und Lavender Brown in einem Abteil“, erzählte Skye. „Aber mir war langweilig, also bin ich etwas spazieren gegangen.“
    Endlich meldete auch Jay sich wieder zu Wort. „Tracey mag diese Lavender nicht. Nach jeder Stunde Wahrsagen regt sie sich über sie auf.“
    „Warum?“, fragte Skye neugierig.
    „Sie ist verdammt anstrengend. Viel zu motiviert. So was raubt mir den letzten Nerv.“
    Skye zuckte mit den Schultern. „Mir ist sie ziemlich egal.“
    „Besser so“, sagte Theo.
    „Tracey streitet sich nur gerne“, fügte Jay hinzu.
    „Gar nicht!“ Tracey zog eine beleidigte Grimasse. „Du bildest dir schon wieder was ein.“
    „Siehst du.“ Jay grinste und warf Skye einen bedeutungsvollen Blick zu.
    Während Tracey anfing, sich zu verteidigen, fiel Skye auf, wie sehr sie sich eigentlich freute, die anderen wiederzusehen. Und Hogwarts war nur noch ein paar Stunden von ihr entfernt.

    Die riesigen Türen des Eichenportals schwangen langsam auf. Viel zu langsam, fand Skye. Das Wetter war in den letzten Stunden immer grässlicher geworden. Blitze zuckten über den dunklen Himmel und eine wahrhaftige Sintflut ergoss sich über die Schüler, während sie bibbernd auf den Einlass warteten. Betty, Padma und Skye standen weit vorne, auch Parvati und Lavender waren ihnen nicht von der Seite gewichen - irgendwann hatte Skye wieder ins Abteil zurückkehren müssen und während Betty fröhlich ihre Kürbispastete verspeist hatte, war sie dazu gezwungen gewesen, sich mit Lavender zu unterhalten.
    Professor McGonagall empfing sie mit ernster Miene und scheuchte die Schüler in Richtung der Großen Halle. „Nicht trödeln!“
    Skye seufzte erleichtert, als die Wärme der Fackeln langsam ihre klammen Ärmel hinaufkroch. Während Padma ihr langes Haar auswrang, hörten Skye hinter sich lautes Geschrei. Aber die schwatzende Menge drängte sie weiter in die fast leere Große Halle, bevor sie etwas sehen konnte.
    Hunderte Kerzen schwebten über den vier Haustischen und ihr Licht wurde in den goldenen Tellern und Kelchen noch vertausendfacht. Die ersten Schüler ließen sich auf die Bänke fallen und auch Skye eilte hastig zum Ravenclaw-Tisch, um einen guten Platz zu besetzen.
    „Die Erstklässler haben bei dem Wetter aber ziemlich Pech gehabt“, kicherte Betty, während sie Skye ihre nassen Haare ins Gesicht schleuderte.
    „Bei dem Wetter würde ich nicht gerne über den See schippern“, gab Padma hinzu.
    Die Halle füllte sich immer mehr, auch die anderen Ravenclaws trudelten langsam ein - Terry, Anthony und Michael kamen von Wasser triefend zu ihnen getrottet.
    „Peeves hat Wasserbomben geworfen“, teilte Terry ihnen ungefragt mit und ließ sich triefend gegenüber von Padma auf die Bank fallen.
    „Bitter“, sagte Betty mit recht wenig Mitgefühl.
    Skye wartete schon sehnsüchtig auf den Beginn der Einteilung, da kam Professor McGonagall endlich mit dem Sprechenden Hut und einer Horde Erstklässler hinter sich in die Große Halle geschritten. Allesamt schienen sie ziemlich verfroren, sahen aber trotzdem gespannt zu, als der Sprechende Hut seinen rissigen Mund öffnete.
    Stille breitete sich unter den Schülern aus, nur an ein paar Tischen hörte man leises Gemurmel. Skye hörte aufmerksam zu, wie der alte Hut von Ravenclaw sang - für Ravenclaw die Klügsten waren alleine wert der Lehrerqualen - und hoffte, dass sie ein paar gute Erstklässler abkriegen würden.
    „Süß, die kleinen Dinger“, sagte Betty, während sie höflich für Stewart Ackerly klatschten, der zu ihrem Tisch sauste.
    Schüler um Schüler wurden ihren Häusern zugeteilt und Skye beobachtete das Ganze neugierig. Betty hatte recht gehabt, die Erstklässler wurden wirklich von Jahr zu Jahr kleiner.
    „Die sind aber schnell heute“, sagte Padma, als sie endlich am Ende des Alphabets angekommen waren.
    „Findest du?“ Skye dachte fröhlich an das folgende Festessen.
    „Es ist fast so, als würde sich der Sprechende Hut beeilen.“
    „Padma und ihre Halluzinationen“, winkte Betty ab.
    Professor Dumbledore hatte sich erhoben, blieb aber diesmal recht wortkarg und wünschte nur einen guten Appetit.
    „Soll mir recht sein“, sagte Skye schulterzuckend, während sie sich den Teller mit Köstlichkeiten vollhäufte.
    Plötzlich war die Große Halle von Besteckklirren und munteren Stimmen gefüllt. Während draußen ein Gewitter tobte, fühlte es sich besonders gut an, sich jetzt mit warmen Essen vollstopfen zu können. Auch die Quidditch-Weltmeisterschaft war noch kein großes Thema und Skye, Betty und Padma erzählten jedem, der es hören wollte, von ihren dramatischen Erlebnissen.
    „Das ist echt schrecklich“, sagte Terry, während er in seinen Kartoffeln stocherte. „Anthony hat mir den Artikel geschickt, aber da wurde es nicht so genau beschrieben.“
    Skye musste zugeben, dass Padma mit ihrer Feststellung wirklich nicht ganz unrecht gehabt hatte. Das Essen verschwand wirklich schneller als sonst von den Tellern und so beobachtete sie gespannt, wie Professor Dumbledore nach dem Nachtisch ein weiteres Mal aufstand.
    „Nur das übliche Gerede“, kommentierte Betty leise, während Dumbledore von Filchs Hausordnung erzählte.
    „Warte doch mal“, sagte Padma.
    „. . . für Schüler verboten ist, wie auch das Dorf Hogsmeade für alle Schüler der ersten und zweiten Klasse.
    Ich habe zudem die schmerzliche Pflicht, euch mitzuteilen, dass der Quidditch-Wettbewerb zwischen den Häusern dieses Jahr nicht stattfinden wird.“
    Skye keuchte geschockt und ein paar Plätze weiter hörte sie wehleidiges Aufstöhnen. Schnell warf sie Davies einen verzweifelten Blick zu. Ausfall von Quidditch hatte etwas zu bedeuten; so etwas hatte sie außer in ihrem zweiten Jahr noch nie erlebt.
    Professor Dumbledore fuhr fort und erzählte gerade von einem besonderen Ereignis, da erschütterte ein lauter Knall die Große Halle.
    Padma zuckte zusammen. „Was zum?“
    Hunderte Blicke richteten sich auf die Flügeltüren, die mit einem Knall gegen die Wand geschlagen waren. Ein Mann, der sich auf einen knorrigen Stock stützte, kam in die Halle gehumpelt. Raunen ging durch die Schülerreihen und auch Skye versuchte vergeblich, etwas zu erkennen.
    „Der sieht aber wild aus“, sagte Betty, die dank ihrer Körpergröße den Mann gut beobachteten konnte, während er auf seinen Stock gestützt nach vorne zum Lehrertisch humpelte.
    „Ich möchte euch euren neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste vorstellen.“ Dumbledore erhob seine Stimme, um die tuschelnden Schüler zu übertönen. „Professor Moody.“
    „Lehrer?“ Betty schnaubte. „Langsam werden sie wirklich verzweifelt.“
    Der seltsame Professor Moody hatte sich mittlerweile gesetzt und musterte die neugierig gafften Schüler mit misstrauischer Miene. Skye hoffte, dass er ein genauso guter Lehrer wie Professor Lupin im letzten Jahr sein würde.
    Professor Dumbledore räusperte sich. „Wie ich eben erwähnte, werden wir in den kommenden Monaten die Ehre haben, Gastgeber einer sehr spannenden Veranstaltung zu sein, eines Ereignisses, das seit über einem Jahrhundert nicht mehr stattgefunden hat. Mit allergrößtem Vergnügen teile ich euch mit, dass dieses Jahr in Hogwarts das Trimagische Turnier stattfinden wird.“
    „Das was?“ Skye warf einem verwirrten Blick zu Betty und Padma.
    „Das Trimagische Turnier, du Pfosten“, erklärte Betty. „Noch nie davon gehört?“
    „Du weißt doch, dass ich -“
    „Psst“, zischte Padma. Mit aufgeregtem Blick sah sie nach vorne.
    „Das Trimagische Turnier fand erstmals vor etwa siebenhundert Jahren statt, als freundschaftlicher Wettstreit zwischen den drei größten europäischen Zaubererschulen“, sagte Dumbledore, „Hogwarts, Beauxbatons und Durmstrang. Jede Schule wählte einen Champion aus, der sie vertrat, und diese drei mussten im Wettbewerb drei magische Aufgaben lösen.“
    Skye fand, dass das ein bisschen nach einem dieser Sportfeste aus der Muggelwelt klang - nur in magisch natürlich -, erschrak aber, als Professor Dumbledore von Todesraten erzählte. Aber niemand schien sich darüber Sorgen zu machen, also fuhr er fort:
    „Die Schulleiter von Beauxbatons und Durmstrang werden mit ihren Kandidaten engerer Wahl im Oktober hier eintreffen und die Ausscheidung für die drei Champions wird an Halloween stattfinden. Ein unparteiischer Richter -“
    „Da bin ich raus“, flüsterte Padma. „Viel zu gefährlich.“
    Aber diese Feststellung schien unnötig, da Professor Dumbleore vor einer Altersgrenze warnte. Nur Schüler über siebzehn würden teilnehmen dürfen. Skye fragte sich, ob sie sich beworben hätte, wenn sie alt genug gewesen wäre, kam aber schnell zu dem selben Schluss wie Padma. Dieses Turnier war etwas für Leute wie Harry Potter, die keinen normalen Überlebensinstinkt hatten. Sie hingegen hatte kein Poblem damit, einfach als Fan auf den Tribünen zu sitzen.
    „Das ist unglaublich!“, sagte Betty, kurz nachdem Professor Dumbledore geendet hatte.
    „Kannst du laut sagen.“ Skye grinste. „Diese Todesraten klangen ziemlich dramatisch.“
    Das Gerede auf den Gängen war noch nie so laut gewesen wie an diesem Tag, ganz Hogwarts schien jetzt schon auf das Turnier hinzufiebern.
    „Hoffentlich bewirbt sich auch jemand aus Ravenclaw“, sagte Padma. „Stellt euch das mal vor!“
    Skye wollte schon etwas von Gryffindors und ihrem Gewinnerinstinkt erzählen, da tauchte Davies neben ihr auf. Er drängte sich an ein paar Erstklässlern vorbei und schien ziemlich aufgeregt.
    „Kannst du das glauben? Kein Quidditch!“
    „Ich hab‘s mitgekriegt“, sagte Skye. Sie dachte an den armen Burrrow und sein letztes Jahr, da kam ihr plötzlich eine Idee. „Warum bewirbst du dich denn nicht bei diesem Turnier? Ein Champion aus Ravenclaw wäre großartig.“
    Davies war einer der wenigen Menschen, die sie sich wirklich im Trimagischen Turnier vorstellen konnte. Er war schnell, wendig und clever; warum also sollte er nur beim Quidditch bleiben?
    „Ich?“ Davies lachte. „Klar.“
    „Denk doch mal drüber nach“, riet Skye ihm.
    „Mach ich.“ Amüsiert grinsend ließ Davies sich langsam wieder zurück zu seinen Freunden fallen.
    „Roger Davies?“, fragte Betty. „Denkst du, das klappt?“
    „Warum nicht?“ Skye zuckte mit den Schultern. „Er kann solche Sachen.“
    „Na ja.“ Betty gähnte herzhaft. „Ich hoffe jedenfalls, die von Beauxbatons und Durmstrang holen uns nicht unsere Betten weg.“

    BILD: Ratet

    10
    ((bold))((navy))Kapitel 10: AVADA KEDAVRA((ebold))((enavy)) „. . . und dann braucht man eben den Pass des anderen Elternteils, du weißt schon, dami

    Kapitel 10: AVADA KEDAVRA

    „. . . und dann braucht man eben den Pass des anderen Elternteils, du weißt schon, damit die nicht alleine in ein anderes Land abhauen oder so.“ Harper ließ sich plappernd auf ihren Stuhl fallen.
    Skye hörte amüsiert grinsend zu, während sie sich gegenüber von Harper setzte. Die Cafeteria war brechend voll und sie hatte herzlich wenig Lust, sich jetzt in der lärmenden Schlange an der Essensausgabe einzureihen.
    „Na ja, dann hat meine Mutter eben so eine hässliche Kopie von ihrem Pass gemacht, auf dem sie irgendwie aussah wie ein Karpfen oder so. Die war so richtig schlecht und viel zu klein und die Patrone hat auch irgendwie aufgegeben, also war die Kopie so halb schwarz-weiß mit einem Rotstich und Mum hat voll zerknautscht geguckt. Wir haben die Kopie dann diesem Kontrolleur gezeigt und der hat uns eiskalt ausgelacht“, erzählte Harper und prustete los.
    „Aber ihr wurdet durchgelassen, oder?“, fragte Skye, während sie sich den lachenden Kontrolleur vorstellte.
    „Ja, ja“, kicherte Harper. „Peinlich genug war es aber trotzdem.“
    Sie erzählte liebend gern von Russland, wo sie mit ihrem Vater und Bruder zwei Wochen geblieben war. Jede Sommerferien besuchte sie dort ihre Großmutter in Moskau.
    „Und dann musste ich meine Schuhe ausziehen und bin mit Socken durch den Flughafen gelatscht, als -“
    Harper stoppte abrupt ab.
    „Was?“, fragte Skye verwirrt.
    „Hey.“
    Für einen Moment realisierte sie nicht, dass da jemand mit ihr redete, und so drehte sie sich erst mit ein paar Sekunden Verspätung um. Vor ihrem Tisch stand der Junge, der ihr vor einiger Zeit beim Zeitungsaustragen begegnet war. Skye hatte ihn schon fast wieder vergessen gehabt.
    „Hallo.“ Sie warf Harper einen verwirrten Blick zu.
    „Ich wusste doch, dass ich dich kenne“, sagte er und grinste schüchtern. „Ich bin übrigens Ethan.“
    „Skye“, stellte sie sich vor. „Und das ist Harper.“
    Harper grinste anzüglich. „Hi.“
    „Cool.“ Ethan machte eine etwas undeutliche Handbewegung in Richtung einer Gruppe Jungen, die scheinbar seine Freunde waren. „Wir sehen uns.“
    „Ja.“ Skye lächelte. „Bis dann.“
    Für einen Moment blieb Harper still, aber als Ethan außer Hörweite gekommen war, plapperte sie los. „Wer war das? Woher kennst du den?“
    „Er trägt Zeitung aus und da sind wir uns eben mal begegnet“, sagte sie schulterzuckend. „Nichts weiter.“
    Harper nickte langsam und ließ ihren Blick durch die Cafeteria gleiten. „Wirkt aber anders.“
    „Natürlich.“
    „Er ist nicht in unserer Stufe“, stellte Harper fest. „Du musst mal Luiza fragen, ob sie ihn kennt. Die kennt jeden.“
    Skye grinste. „Der wer doch was für dich.“
    „Ach, quatsch“, Harper winkte ab. „Ich brauche keine Männer in meinem Leben. Aber er scheint dich zu mögen, findest du nicht?“
    „Er kennt mich doch gar nicht.“
    „Mein Gott, hast du eigentlich irgendeines von den Büchern gelesen, die ich dir gegeben habe?“
    „Schon.“ Skye zuckte mit den Schultern. „Ich verinnerliche die nur nicht so wie du.“
    „Merkt man“, erwiderte Harper und rümpfte die Nase. „Du bist unwissend. Ich hingegen will mich auf mein späteres Leben vorbereiten.“
    „Und deswegen brauchst du keine Männer in deinem Leben?“ Skye grinste. „So kannst du die Typen an unserer Schule doch noch nicht einmal bezeichnen.“
    „Es ist eine persönliche Entscheidung, die jede Frau für sich selbst treffen muss“, belehrte Harper sie.
    Skye kicherte amüsiert. „Sehr schön auswendig gelernt.“
    „Hey!“ Harper hob warnend den Zeigefinger. „Nur weil -“
    Grinsend stand Skye auf. „Vielleicht sollten wir uns lieber anstellen, bevor du endgültig platzt.“

    „Betty! Wie lang willst du eigentlich noch brauchen?“ Wie ein ungeduldiges Tier lief Skye vor Bettys Himmelbett hin und her, während diese verzweifelt auf dem Boden herumkroch.
    „Ich bin mir todsicher, dass ich es hier irgendwo habe“, beteuerte Betty.
    „Wegen dir kommen wir noch zu spät.“ Padma warf einen Blick auf die Uhr. „Dieser komische Moody sah nicht so aus, als würde er das gerne sehen.“
    „Immer mit der Ruhe.“ Betty angelte mit ihrem langen Arm unter das Bett. „Da ist was.“
    Skye verdrehte die Augen. „Wahrscheinlich wieder eine von Ace‘ zermatschten Ratten.“
    „Seht ihr.“ Betty rappelte sich zufrieden auf und hielt stolz ihre Ausgabe von Die dunklen Kräfte - Eine Anleitung zur Selbstverteidigung in die Höhe. „Vertraut mir doch einfach mal.“
    „Dann vertraue ich mal darauf, dass wir noch rechtzeitig kommen.“ Padma zerrte Betty und ihr Buch die Treppe zum Gemeinschaftsraum herunter.
    Skye folgte ihnen, während sie ihre vollgepackte Tasche schulterte. Der Gemeinschaftsraum war wie leer gefegt; die meisten Ravenclaws hatten wohl Unterricht und Freistunden verbrachte man bei dem schönen Wetter sowieso lieber draußen.
    „Du bist unmöglich, Betty“, zeterte Padma, während sich die Tür mit dem bronzenen Türklopfer hinter ihnen schloss.
    „Und du anstrengend“, erwiderte Betty und zog eine Grimasse.
    „Vielleicht wären wir schneller, wenn ihr aufhören würdet zu zanken“, stellte Skye fest, die eilig die Treppen nach unten sauste.
    Betty murmelte etwas, aber schien auch nicht zu spät kommen zu wollen und folgte den anderen kommentarlos. Die Drei hasteten mit zügigen Schritten durch die Gänge; in Hogwarts musste man von Klassenzimmer zu Klassenzimmer immer ein gutes Stück laufen und so dauerte es etwas, bis sie im richtigen Trakt angekommen waren.
    „Soll ich klopfen?“, fragte Padma, als sie vor der Tür zum Klassenzimmer standen.
    „Geh einfach rein“, riet Skye ihr. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass dieser Moody so wie Professor McGonagall reagieren würde.
    „Dann geh du vor.“ Padma schob sich hinter Skye, die ergeben seufzte und unauffällig die Tür öffnete.
    Sie zuckte zusammen, denn direkt vor ihrem Gesicht starrte ihr eine eigenartige Fratze entgegen. Es war ihr neuer Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, dem sie da gerade die Tür in den Rücken gerammt hatte.
    „Entschuldigung für die Verspätung“, piepste sie und konnte den Blick kaum von der Nase des Mannes abwenden, der ein beträchtliches Stück fehlte.
    „Hinsetzen“, knurrte Professor Moody.
    Skye nickte stumm und huschte so schnell wie möglich zu einem freien Platz ganz hinten; Padma und Betty folgten ihr hastig. Sie hatte das Gefühl, dass Moody sie dabei beobachtete und als sie sich hinsetzte, bestätige sich ihre Vermutung. Er hatte ein großes, unnatürlich blaues Auge, das sie fixierte, dann aber weiterhuschte. Das andere war winzig und bildete mit seiner schwarzen Farbe einen eigenartigen Gegensatz zu dem künstlichen Auge.
    „Natürlich könnten wir den Cruciatus-Fluch auch an unseren Zuspätkommern ausprobieren“ - Professor Moody lachte ein rauchiges Lachen - „aber das wäre wahrscheinlich nicht gerne gesehen.“
    Während Moody eine Spinne aus einem der Glas fischte, das auf seinem Schreibtisch stand, beugte Skye sich unauffällig zu Wayne Hopkins, der neben ihr saß. „Was machen wir gerade?“
    „Die Unverzeilichen Flüche“, antwortete Wayne flüsternd.
    Skye runzelte die Stirn. Von solchen schwarzmagischen Zauberern hatte sie schon gehört, aber Professor Moody war der erste ihrer Lehrer, der darüber sprach. Sie sah neugierig nach vorne, wo Moody die Spinne vor sein zusammengekniffenes Auge hielt. Das andere kullerte wild in seiner Höhle und beobachtete die Klasse.
    Crucio!
    Es geschah ohne eine Vorwarnung; die Spinne rollte sich auf den Rücken und zuckte mit ihren angezogenen Beinen. Wie bei einem Krampf wippte sie sich ruckartig hin und her. Ein paar Mädchen wimmerten leise und Skye war froh, nicht in der ersten Reihe beobachten zu müssen, wie Moody das Tier quälte.
    Erst nachdem das Zucken der dünnen Beinchen immer schwächer wurde, ließ er seinen Zauberstab sinken. „Der Cruciatus-Fluch soll der Schlimmste der drei sein.“ Sein blaues Auge fixierte einen Schüler nach dem anderen. „Unbändiger Schmerz. Zur Zeit des Dunklen Lords errang er einiges an Beliebtheit.“
    Skye wurde bei dem Gedanken an die Spinne übel. Dieser Zauber war barbarisch. Und Moodys Witz von vorhin kam ihr plötzlich alles andere als lustig vor.
    „Noch welche?“, fragte Professor Moody.
    Ein paar Schüler meldeten sich zögerlich und Skye beobachtete verwundert, wie auch Bettys Hand langsam in die Höhe wanderte.
    „Ja?“ Moody fixierte sie mit seinem stahlblauen Auge.
    „Der Todesfluch“, sagte Betty leise.
    „Wie ich sehe, wollt ihr gleich ans Eingemachte gehen“, sagte Professor Moody und lachte kratzig.
    Skye fand das seltsam. Wie konnte Moody so mit solch einem düsteren Thema umgehen?
    Unter dem wachsamen Blick der Klasse, die gänzlich verstummt war, zog er die nächste Spinne aus dem Glas. Er musste sie festhalten; vielleicht ahnte das Tier, was ihr nun blühte.
    Avada Kedavra!
    Skye kniff die Augen zusammen, als grünes Licht aus Professor Moodys Zauberstab blitzte. Es war schnell und in binnen einer Sekunde sank die Spinne leblos in sich zusammen.
    Ravenclaws und Hufflepuffs schienen gleichermaßen geschockt; Hannah Abbott - die in der ersten Reihe saß - brach in Tränen aus und die Schüler warfen sich beunruhigte Blicke zu.
    „Avada Kedavra“, sagte Professor Moody mit einem düsteren Ausdruck auf seinem vernarbten Gesicht. „Er ist unabwendbar, unbesiegbar. Wir kennen bisher nur eine Person, die uns das Gegenteil bewiesen hat.“
    Harry Potter. Die gesamte Klasse wusste es und plötzlich schien sich Respekt für den dürren Jungen mit der feinen Blitznarbe auszubreiten, wie er noch nie dagewesen war. Natürlich war Harry Potter eine Berühmtheit, aber erst jetzt realisierten sie, was es wirklich bedeutete, den Tod überlebt zu haben.
    Skye hingegen musste noch an etwas anderes denken. Sie hatte den Todesfluch schon einmal gesehen; es war damals gewesen, vor zwei Jahren, als Ginny Weasley von Tom Riddles Tagebuch besessen gewesen war. Der Traum, die Vision - Skye wusste noch immer nicht ganz, was es wirklich gewesen war - schien sich plötzlich wie ein Film in ihrem Kopf abzuspielen. Der Streit der zwei Jungen, ihr Großonkel Edward, der seinem Schicksal ins Auge gesehen hatte, Tom Riddle und diese Gefühllosigkeit in seinen Augen.
    Der grüne Lichtblitz, es war genau dieser Fluch gewesen. So mächtig, dass er Edward durch die Luft geschleudert hatte. Skye hatte nur noch verschwommen gesehen, wie der leblose Körper ihres Großonkels auf den dreckigen Waldboden aufgeschlagen war.
    Es war schrecklich gewesen und die Erinnerung ließ Skye frösteln. Aber Professor Moody wirkte es so, als sei der Tod eine einfache, säuberliche Angelegenheit.

    BILD: Avada Kedavra

    11
    ((navy))((bold))Kapitel 11: SLYTHERIN((ebold))((enavy)) Skye war sich noch immer nicht ganz sicher, was sie von dem Trimagischen Turnier halten sollte

    Kapitel 11: SLYTHERIN

    Skye war sich noch immer nicht ganz sicher, was sie von dem Trimagischen Turnier halten sollte. Jeder redete darüber, es war das beliebteste Thema in ganz Hogwarts, aber trotzdem zweifelte sie.
    „Du reagierst über“, beurteilte Betty das Ganze mit einer wegwerfenden Handbewegung.
    Sie selbst schien wie der Rest der Schülerschaft begeistert von dem Turnier. Skye vermutete, dass sie sich gerne selbst angemeldet hätte.
    Auch die Lehrer schienen plötzlich besonders streng. Professor McGonagall triezte sie unerbittlich wie zuvor, aber auch Professor Flitwick, der seinen Unterricht normalerweise immer recht spaßig gestaltete, schien plötz viel mehr auf das Lernen bedacht zu sein. Snape war besonders schlecht gelaunt - kein Trank war in seinen Augen auch nur ansatzweise gut und er zog den Schülern regelmäßig Punkte für die unbegründetsten Dinge ab. Stephen Cornfoot hatte in der letzten Stunde zu laut geatmet und damit wohl Snapes letzten Nerv überspannt. Skye fand das unmöglich, im Grunde fand es jeder unmöglich, aber es war Snape, also was sollte man da schon machen?
    Betty erzählte von seltsamen Kreaturen in Pflege magischer Geschöpfe und konnte schon nach ein paar Stunden eine seltsame Wunde präsentieren. Sie redete etwas von explodierenden Stacheln und irgendwelchen Fropfen, wovon Skye gar nichts verstand und insgeheim glaubte, dass Betty das Gift der Kreaturen wohl zu Kopf gestiegen war. Dabei war sie schrecklich froh, nicht selbst Pflege magischer Geschöpfe zu haben.

    Arithmantik war das einzige Fach, das Skye nicht mit einer ihrer besten Freundinnen hatte. Manchmal fand sie es gar nicht so schlimm. Padma gab es zwar nicht zu, aber insgeheim hatte sie wohl noch immer ein Problem mit den Slytherins. Skye kannte sie gut genug, um das zu erkennen.
    Professor Vektors Klassenzimmer stand schon offen, als Skye sich nach der Mittagspause auf den Weg dorthin machte. Sie hatte es noch nie anders erlebt, bei der perfektionistischen Lehrerin konnte man nicht zu früh sein. Also konnte sie in aller Ruhe zu ihrem Platz schlendern.
    „Hey, Skye!“ Hermine, die schon an ihrem Tisch in der ersten Reihe saß, grinste ihr fröhlich zu.
    „Hallo.“ Skye wusste nicht, ob sie stehenbleiben sollte, erinnerte sich dann aber ihre Vorsätze.
    „Gut, dass ich dich sehe“, sagte Hermine. „Hör zu, ich habe da ein Projekt gestartet und dachte, dass es dich vielleicht auch interessieren könnte.“
    „Mich?“ Skye runzelte die Stirn.
    „Bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung von der Misshandlung der Hauselfen“, plapperte Hermine eifrig los. „Sie werden nicht bezahlt, haben keine Versicherungen oder Urlaub und ihre Besitzer behandeln sie wie Dreck!“
    „Meine Freundin hat eine Hauselfe. Sie scheint ziemlich zufrieden.“
    „Das kann ich mir kaum vorstellen. Stell du dir mal vor, du müsstest dein ganzes Leben lang nur Kochen und Putzen!“
    Skye seufzte. „Was ist denn nun dein Projekt?“
    „Ich will gegen die Misshandlung protestieren“, berichtete Hermine. „Deswegen habe ich B.ELFE.R gegründet, den Bund für Elfenrechte!“
    „Ähm . . . cool.“ Skye lächelte gezwungen.
    „Willst du uns mit deiner Mitgliedschaft unterstützen? Es kostet nur zwei Sickel und du kriegst sogar einen Anstecker!“
    „Ich habe kein Geld dabei“, sagte Skye schnell. Das war noch nicht einmal eine Lüge. „Vielleicht ein anderes Mal.“
    Bevor Hermine sich noch eine alternative Möglichkeit ausdenken konnte, machte Skye sich schnellen Schrittes auf zur letzten Reihe. Hier saßen traditionellerweise die Slytherins.
    „Elfenrechtsorganisation.“ Tracey begrüßte sie mit einem Grinsen. „Hast du keinen Anstecker gekauft?“
    Sie saß schon auf ihrem Platz und hatte die Beine lässig auf den Stuhl neben sich gelegt.
    „Ich hatte wirklich kein Geld dabei“, protestierte Skye trotzig. „Füße runter.“
    Unbarmherzig schob sie Traceys Beine vom Stuhl und setzte sich neben sie. „Wo hast du denn Jay gelassen?“
    Tracey zuckte mit den Schultern. „Für ihn fängt die Stunde erst mit dem Gong an.“
    Auch Jay war in ihrer Arithmantik-Klasse; Professor Vektor hatte ihn schon im letzten Jahr alles andere als ins Herz geschlossen. Skye warf einen Blick zur Tür. Er war nirgendwo in Sicht.
    Sie kramte in ihrer Tasche nach dem wuchtigen Arithmantik-Buch; als Skye wieder aufsah, war Professor Vektor vor der Klasse aufgetaucht. Sie liebte dramatische Auftritte.
    Tracey zog unauffällig eine Grimasse, während die Lehrerin den Blick über die Schüler wandern ließ. „Ich würde ja gerne mit den Hausaufgaben beginnen, aber vorher frage ich mich, was denn mit Mr Avery geschehen ist.“
    Neugierige Augenpaare richteten sich nach hinten, wo der freie Tisch stand; auch Hermine sah Skye so an, als wäre sie daran schuld. Tracey schien sich nicht zu einer Antwort begnädigen wollen, aber das musste sie auch gar nicht.
    Jay platzte zur Tür herein und Professor Vektor warf ihm einen unheimlichen Blick zu. „Mr Avery, wir haben gerade von Ihnen gesprochen.“
    „Ja, tschuldigung, ich -“
    „Sparen Sie sich die Ausreden und setzten Sie sich.“
    Jay trottete in die letzte Reihe und verdrehte unauffällig die Augen, während Professor Vektor mit den Hausaufgaben fortfuhr.
    „Pünktlich wie immer“, flüsterte Skye ihm zu, während er sich neben sie fallen ließ und seine von Ansteckern übersäte Tasche neben sich klatschte.
    Tracey lehnte sich flüchtig nach hinten. „Wegen dir kriegen wir noch Punkte abgezogen!“, zischte sie Jay zu. „Also komm mal drauf klar, ja?“
    Jay lachte leise und fing an, seine Sachen auszupacken, während Skye ihren Blick nach vorne richtete. Professor Vektor besaß das eigenartige Talent, einen ganzen Roman an die Tafel zu kritzeln, wenn man auch nur eine Sekunde nicht hinschaute. Es war beängstigend und Skye verstand kein Wort der komplizierten Zahlenkombinationen, die sie da anschaute.
    Manchmal fragte sie sich, ob sie es leichter mit Fächern wie Wahrsagen oder Pflege magischer Geschöpfe gehabt hätte. Betty hatte die damals nämlich genau aus diesem Grund gewählt. Skye jedoch mochte Herausforderungen. Eigentlich.
    Sie versuchte konzentriert, den Erläuterungen ihrer Lehrerin zu folgen und machte hier und da Notizen.
    Skye blinzelte kurz, als ein abgerissenes Stück Pergament auf ihren Platz segelte. Als sie aufsah, warf Jay ihr einen kurzen Blick zu, schien aber zu wissen, dass Professor Vektor ihn beobachte. Skye faltete das Blatt unauffällig auf.
    Hattest du schon diesen Moody?
    Ja, kritzelte sie darunter. Er ist echt seltsam. Ich dachte, er probiert die Unverzeilichen Flüche gleich an uns aus.
    Schnell gab sie den Zettel an Jay zurück, als Professor Vektor nicht hinsah. Sie hörte das leise Kratzen seiner Feder auf dem Papier und wenige Sekunden später war das Pergament wieder bei ihr.
    Ich glaube, er mag mich nicht, las Skye. Hast du von der Geschichte mit Draco Malfoy gehört?
    Skye runzelte die Stirn. Wahrscheinlich hatte sie wieder irgendetwas verpasst, aber davon wusste sie nichts.
    Was ist mit ihm?
    Sie wollte den Zettel gerade zurückgeben, da ließ Professor Vektors Stimme sie aufschrecken.
    „Avery, Thomas, tauschen Sie ihre Zettelchen bitte nach dem Unterricht aus“, sagte sie streng.
    „Tschuldigung“, nuschelte Skye undeutlich, während Jay das Pergament schnell wegsteckte.
    Professor Vektor ließ ein entnervtes Schnauben hören, wendete sich dann aber wieder ihrem Unterricht zu. Skye zog den Kopf ein und zupfte an ihrer Feder herum. Unauffällig warf sie Jay einen flüchtigen Blick zu.
    „Hast du später Zeit?“, flüsterte er kaum hörbar. „Ich kann dir davon erzählen.“
    Skye nickte stumm, beobachtete Professor Vektor aber aus dem Augenwinkel.
    Jay grinste. „Warst du schon mal im Slytherin-Gemeinschaftsraum?“

    Skye wollte es nicht leugnen, sie freute sich auf Unterrichtsschluss. Und es war nicht nur, weil sie endlich frei hatte.
    „Wo gehst du hin?“, fragte Padma, als sie nach Verwandlung den Weg zum Ravenclaw-Turm einschlugen.
    „Ich treffe mich mit Jay“, antwortete Skye.
    „Viel Spaß.“ Betty schenkte ihr ein anzügliches Grinsen.
    Während die anderen weitergingen, lief Skye in Richtung Kerker. Dort war es dunkel und roch modrig, durch Zaubertränke hatte sie schon genug davon. Snapes Büro lag hier und sie wusste, dass auch die Slytherins in den Kerkern wohnten, hatte aber nie sonderliches Interesse an einem Besuch gehabt.
    Jay wartete schon auf sie und lehnte an der Wand im Gang des Klassenzimmers für Zaubertränke.
    „Jetzt bin ich aber gespannt“, grinste Skye, während die beiden nebeneinander den Gang entlangschlenderten.
    „Ich weiß ja nicht, wie es bei euch da oben aussieht, aber wir haben es ziemlich nett.“ Jay vergrub die Hände in seinem Pulli.
    „Sicher, dass deine Kollegen mich nicht zerfetzten?“
    „Du hast ja deine Gryffindor-Fanartikel zuhause gelassen, oder?“
    Skye lachte. „Ist ja gut. Ich sag nur.“
    Sie spazierten durch die verwirrenden Gänge der Kerker und während Skye sich nach ein paar Minuten nicht mehr zurechtfinden konnte, schien Jay sich ziemlich gut auszukennen. Zielstrebig führte er sie durch modrige Korridore, bis sie vor einer hohen Steinmauer stehenblieben.
    „Da sind wir.“ Jay machte eine ausladende Handbewegung.
    Skye sah sich neugierig um. „Ihr habt Passwörter, nicht?“
    Sie fand das viel zu einfach, aber natürlich konnte sie nicht erwarten, dass andere Häuser auch die Lösung solcher Knobelaufgaben verlangten. Schließlich war sie eine Ravenclaw.
    Merlin“, sagte Jay zu der Wand. „Aber brich ja nicht bei uns ein.“
    Skye verdrehte die Augen, während sie neugierig beobachtete, wie sich ein Loch in der Steinmauer freigab. Das Ganze erinnerte sie ein bisschen an die Winkelgasse.
    „Mylady.“ Jay deutete grinsend eine Verbeugung an.
    Auch im Slytherin-Gemeinschaftsraum waren die Wände aus massivem Stein. Es sah roh aus, fast schon so, als wollte der Gemeinschaftsraum seine Besucher abschrecken. Das dämmrige Licht einiger Lampen erfüllte den Raum mit grünlichen Schleiern und auch auf den hohen Lehnstühlen stapelten sich grüne Kissen. Der Raum war groß, größer als der Gemeinschaftsraum der Ravenclaws und tratschende Slytherin-Schüler tummelten sich auf den Stühlen.
    „Und, was meinst du?“ Jay trat neben Skye und beobachtete neugierig ihre Reaktion.
    „Es ist . . . anders“, antwortete sie wahrheitsgemäß.
    Jay schmunzelte. „Wir können uns auch hinsetzen, wenn du willst.“
    Skye folgte ihm zu den Lehnstühlen, während sie unauffällig die anderen Slytherins beobachtete. Entgegen ihrer Erwartungen schenkte ihr niemand Beachtung. Vorsichtig ließ sie sich auf einen der hohen Lehnstühle sinken. Sie waren anders als die knuddeligen Sessel im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum.
    „Also, nun sag schon.“ Skye warf Jay einen erwartungsvollen Blick zu.
    „Was?“ Seine Haare schienen fast mit der schwarzen Lehne hinter ihm zu verschmelzen.
    „Na, die Geschichte mit Malfoy“, antwortete Skye. „Außer einer seiner nervigen Flügeläffchen hört uns hier zu.“
    „Moody hat Draco in ein Frettchen verwandelt.“ Jay schien bei dem Gedanken daran lächeln zu müssen. „Theo und ich waren zufällig dabei.“
    „Ein Frettchen? Einfach so?“ Skye runzelte amüsiert die Stirn.
    „Nun ja, er hat wohl wieder Aufmerksamkeit benötigt und Harry Potter blöd angemacht. Dann wollte er ihn angreifen und Moody hat“ - Jay schnipste mit den Fingern - „ihn einfach in ein Frettchen verwandelt und durch die Luft geschleudert.“
    Skye musste bei dieser Vorstellung grinsen. „Da wäre ich gerne dabei gewesen.“
    „Es war genial, echt“, bestätigte Jay. „Ich hätte Draco-Frettchen ja gern adoptiert, aber dann ist McGonagall angelaufen gekommen. Die fand das nicht so lustig.“
    „Dann lag ich doch gar nicht so falsch mit meiner Verzauber-Theorie.“
    „Ich habe das Gefühl, Moody mag mich nicht besonders.“ Jay zupfte an dem giftgrünen Slytherin-Kissen herum. „Es ist komisch, er kennt mich schließlich nicht.“
    „Und du bist nicht schon fünfmal zu spät gekommen?“ Skye musste grinsen.
    „Ja, genau deswegen.“ Er seufzte theatralisch.
    „Padma, Betty und ich sind am ersten Tag zu spät gekommen, weil -“ Skye hörte abrupt auf zu reden. „Oh verflucht.“ Ihr Blick blieb an einer Person hängen, die am anderen Ende des Gemeinschaftsraumes durch die Mauer trat.
    „Was ist?“, fragte Jay und lugte an der Lehne seines Stuhls vorbei.
    „Pansy Parkinson.“ Skye stöhnte. „Versteckt eure Kinder.“
    „Die kann dir doch egal sein“, winkte Jay überzeugt ab.
    Trotzdem machte Skye sich extra klein, als Pansy mit ihrer Freundin Daphne Greengrass durch den Raum schritt. Sie versuchte, ihr Gesicht zu verstecken und wollte am liebsten mit dem Lehnstuhl verschmelzen.
    Jay beobachtete das Ganze amüsiert. „Du willst ihr wirklich nicht begegnen, oder?“
    „Wie man erkennen kann, nein“, nuschelte Skye in ihre Handfläche.
    Sie starrte konzentriert auf ihre Fingernägel und vermied jeglichen Blickkontakt. Aber natürlich half es nicht. So war es doch immer.
    „Thomas?“ Die schneidende Stimme gehört Pansy, die neben ihrem Stuhl aufgetaucht war.
    „Hi Pansy“, sagte Skye langsam. „Daphne.“
    „Was macht jemand wie du in unserem Gemeinschaftsraum?“ Skye dachte nicht daran, diese Frage zu beantworten, aber Pansys Blick fiel auf Jay. „Und was machst du mit jemandem wie ihr?“
    „Ach, komm schon. Es ist echt nicht lustig.“ Jay verdrehte die Augen.
    „Ich bewundere ja deine Gelassenheit, Jay“, erwiderte Pansy und knirschte mit den Zähnen.
    „Das ist keine Gelassenheit, es ist Desinteresse.“
    Skye kicherte leise, woraufhin Pansy ihr einen grimmigen Blick zuwarf. „Ich empfehle dir dringend, dich hier rauszubewegen, Thomas.“
    „Wer bist du? Die Königin von Slytherin?“, schnaubte Skye. „Ich wurde eingeladen.“
    „Hör zu, Pansy“, warf Jay ein. „Ist ja echt süß, dass du dich so um das Wohl der anderen sorgst, aber niemand hat danach gefragt.“
    Pansy ignorierte ihn. Vielleicht fand sie ihn schlagfertiger als Skye, vielleicht hatte sie aber auch einfach nur Respekt vor Reinblütern. „Eingeladen also?“
    „Habe ich gerade gesagt“, erwiderte Skye entnervt. „War‘s das jetzt?“
    „Natürlich.“ Pansy warf sowohl Jay als auch Skye einen verächtlichen Blick zu. „Ich will ja euer kleines Date nicht stören.“
    Gefolgt von Daphne Greengrass stolzierte sie davon, wobei Skye ihr milde überrascht nachsah. „Das ging ja schnell.“
    „Mach dir nichts draus.“ Jay schnaubte. „Ich weiß auch nicht, warum sie sich immer so echauffiert.“
    Skye zuckte mit den Schultern. „Wir haben diese liebenswürdige Schwesternschaft schon seit der ersten Klasse. Jetzt weißt du wenigstens, warum ich euch Slytherins früher nicht mochte.“
    „Das ist echt peinlich“, seufzte Jay. „Ich gebe es nur ungern zu, aber manche von uns können echt fanatisch sein.“
    „Das kannst du laut sagen.“ Skye ließ ihren Blick durch den Gemeinschaftsraum wandern. Von den anderen Schülern kam ihr niemand bekannt vor. Jeder schien sich um seinen eigenen Kram zu kümmern.
    Sie sah wieder zu Jay, der ihr gegenüber in dem Lehnstuhl saß. „Danke für eben. Ich glaube, damit hat Pansy nicht gerechnet.“
    „Kein Ding. Ich fand sie schon immer ziemlich nervig, weißt du.“

    BILD: Der Slytherin-Gemeinschaftsraum

    12
    ((bold))((navy))Kapitel 12: AUSLÄNDISCHE GÄSTE((ebold))((enavy)) „Wie kann Flitwick uns das nur antun? Ich dachte, er soll unser Hauslehrer sein?

    Kapitel 12: AUSLÄNDISCHE GÄSTE

    „Wie kann Flitwick uns das nur antun? Ich dachte, er soll unser Hauslehrer sein?“ Betty machte eine verzweifelte Geste und tat so, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen.
    „Komm runter.“ Padma verdrehte die Augen. „Es sind nur Bücher.“
    „Aber DREI! Drei, Padma, verstehst du?“, zeterte sie weiter.
    Skye musste grinsen. Betty regte sich jetzt schon seit dem Moment über Professor Flitwick auf, in dem er der Klasse drei weitere Bücher über Aufruf- und Sammelzauber zum Lesen aufgegeben hatte.
    „Essen wird dich sicher aufmuntern“, schlug Skye vor und Betty zog eine Grimasse.
    „Was stehen denn da so viele Leute rum?“ Padma runzelte die Stirn und zeigte zur Eingangshalle, in der sich wirklich Schüler jedes Alters tummelten.
    „Vielleicht verwandelt Professor Moody wieder jemanden in ein Frettchen?“, fragte Skye hoffnungsvoll und streckte sich, um etwas sehen zu können.
    Padma schnalzte missbilligend mit der Zunge und bahnte sich einen Weg durch ein Grüppchen Erstklässler, das begeistert redete. „Ob Sie wohl Englisch sprechen?“, piepste ein Mädchen mit wilder Lockenmähne.
    „Wer?“, fragte Padma.
    „Moodys Frettchen?“, fragte Skye, aber da waren die Erstklässler schon verschwunden.
    „Da sind die anderen!“ Betty zeigte auf zwei rothaarige Köpfe, die in der Menge deutlich hervorstachen. „Hallo!“, rief sie und hüpfte winkend auf und ab. „Ich gehe mal kurz zu ihnen. Bin gleich wieder da!“
    Flink schob Betty sich an den anderen Schülern vorbei und war in ein paar Sekunden nicht mehr zu sehen.
    „Unverschämte Göre“, kommentierte Skye. „Da sind ihr Fred und George Weasley wohl wichtiger als wir.“
    „Und Lee Jordan“, fügte Padma hinzu.
    Skye warf ihr einen überraschten Blick zu. „Seit wann haben die denn miteinander zu tun?“
    „Frag mich nicht.“ Schulterzuckend schob Padma sich weiter nach vorne.
    Skye ärgte sich ein wenig darüber, dass sie nicht zu solchen hochgewachsenen Menschen wie Betty gehörte, aber schließlich konnte auch sie erkennen, worüber sich alle so aufregten.
    Das Trimagische Turnier“, las sie von dem Schild vor, das bei der marmornen Treppe stand. „Die Abordnungen aus Beauxbatons und Durmstrang kommen am Freitag, den 30. Oktober, um sechs Uhr nachmittags an. Das ist ja schon bald!“
    Padma nickte und tippte einem Siebtklässler, der vor ihr stand, auf die Schulter. „Zieh mal den Kopf ein, ja? Wir wollen auch was lesen.“ Der Junge warf Padma einen milde überraschten Blick zu und trat ein Stück zur Seite. „Der Unterricht endet eine halbe Stunde früher“, las Padma weiter. „Die Schüler werden gebeten, Taschen und Bücher in die Schlafräume zu bringen und sich vor dem Schloss zu versammeln, um unsere Gäste vor dem Willkommensfest zu begrüßen.
    „Das wird Betty gefallen.“ Skye grinste.
    „Kannst du es glauben?“, fragte Padma aufgeregt, während sich die beiden zurückfallen ließen. „Noch eine Woche! Dann werden sicher auch bald die Champions ausgelost.“
    „Kannst du es fassen, dass die Todesraten noch immer niemanden interessieren?“ Skye schnaubte.
    „Ach komm, das ist Jahrhunderte her. Wir haben Professor Dumbledore. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er den Tod eines Schülers riskieren würde.“
    „Ich frage mich ja, wer die Dumbledores der anderen Schulen sind“, überlegte Skye. „Und generell - ob es da wie bei uns ist?“
    „Frag sie doch“, schlug Padma vor. „Du hast doch gesagt, dass du etwas Französisch kannst“ - sie senkte die Stimme - „wegen der anderen Dimension.“
    „Ja, klar.“ Skye schnaubte. „Bei echten Franzosen ist das ganz anders.“
    „Na ja.“ Padma seufzte. „Gehen wir in die Große Halle. Vielleicht hat Betty sich ja dazu entschlossen, uns wieder mit ihrer Anwesenheit zu beglücken.“

    Als Skye und Harper in die Sporthalle traten, waren die meisten Mädchen schon da. Tratschend und leise kichernd sahen sie zu der anderen Halle, wo die Jungen ihren Unterricht hatten. Skye fand, dass die Lehrer doch zum Wohle aller diese Geschlechterregel aufheben sollten.
    „Kannst du es fassen?“, fragte Harper kopfschüttelnd.
    „Was?“
    „Na, Charlotte. Sie ist so eine Dramamqueen. Das wäre mir ja viel zu unangenehm.“
    Skye folgte ihrem Blick zu Charlotte und Miss Clark, die neben dem Ballwagen miteinander diskutierten.
    „Ich kann keinen Sport machen, Miss! Sie können mich nicht zwingen!“
    Miss Clark schien ziemlich genervt von der meckernden Schülerin. „Langsam musst du mal etwas machen, Charlotte. Deine Tage hattest du schon letzte Woche und in der vorletzten, du . . .“
    „Ich sag ja, unangenehm.“ Harper kicherte. „Sie kann wirklich nicht mal eine Stunde ein wenig Sport machen. Ich meine, ich kriege den Ball ja selber nicht mal über das Netz und bei der letzten Aufwärmübung bin ich an Atemknappheit fast verendet, aber trotzdem.“
    „Warum spielen wir eigentlich ständig nur Volleyball?“, fragte Skye. „Seit zwei Jahren haben wir nichts anderes als Volleyball gespielt, das ist echt schrecklich.“
    „Du bist viel zu motiviert“, verkündete Harper. „Beschäftigte dich mal lieber mit . . . Ethan.“
    „Du bist viel zu fasziniert von ihm.“ Skye schüttelte anklagend den Kop. „Ich hole uns jetzt einen Ball.“
    Sie lief an Charlotte und Miss Clark vorbei, die noch immer über Charlottes sportliche Aktivitäten diskutierten, und angelte sich einen der Volleybälle aus dem Wagen. Warum konnten sie nie Handball spielen?
    „Hast du auf deinem Weg reflektiert und bist zum Schluss gekommen, dass du Ethan nach einem Date fragen solltest?“, fragte Harper frech grinsend, als Skye wieder bei ihr angekommen war.
    „Ruhig, Brauner.“ Skye pritschte den Ball zu Harper. „Das geht mir etwas schnell.“
    „Ich kann nicht verstehen, wie dich Dinge manchmal so wenig interessieren können.“ Harper antwortete mit einem etwas missglückten Aufschlag.
    „Es ist nicht, dass mich die Dinge nicht interessieren. Aber oftmals sind sie gar nicht so wichtig. Du machst dir viel zu viele Sorgen.“
    „Manchmal steigere ich mich eben zu sehr in Dinge hinein“, seufzte Harper. „Und dann denke ich solange darüber nach, bis ich gar keine Lust mehr auf irgendwas habe.“
    „Du bist komisch.“
    „Ich weiß. Manchmal verstehe ich mich selber nicht.“
    Skye beobachtete den Ball, wie er durch die Luft auf Harper zuschoss. Das war ein guter Aufschlag gewesen. „Stell dir einfach vor, wie viele Dinge es auf der Welt gibt. Und wie unwichtig eigentlich du und deine Entscheidungen sind.“
    „Na, das hilft mir auch nicht weiter.“ Harper seufzte. „Mum und ich wollen nächstes Wochenende nach London fahren. Hast du Lust mitzukommen?“
    „Natürlich habe ich Lust.“
    „Mädels, kommt ihr? Der Unterricht geht los!“ Miss Clark scheuchte die tratschenden Mädchen zusammen.
    „Sieht so aus, als hätte Charlotte doch ihren Willen gekriegt“, stellte Harper fest.
    Skye behielt den Volleyball unter ihrem Arm und warf einen Blick auf Charlotte, die wirklich neben der Tür Platz genommen hatte und ziemlich selbstzufrieden aussah. „Scheinbar hat sie eine höhere Autorität als Miss Clark.“

    Der 30. Oktober kam um einiges schneller, als Skye dachte. Plötzlich musste sie sich darauf vorbereiten, bald mit Schülern an einem Tisch zu sitzen, die nicht einmal ihre Sprache konnten. Das Schloss war in der letzten Woche blitzblank geschrubbt worden (dafür hatte Filch mehr als genug gesorgt) und die Schülerschaft war von Tag zu Tag aufgeregter geworden. Skye überlegte schon, was es wohl für Aufgaben beim Turnier geben würde und dabei war sie nicht die einzige.
    Erleichtert stürmten die Ravenclaws an diesem bedeutungsvollen Tag eine halbe Stunde früher als sonst aus Verwandlung und sausten die Treppen nach oben. Der Gemeinschaftsraum war brechend voll und überall hörte man aufgeregtes Reden, aber Skye, Betty und Padma huschten in den Mädchenschlafsaal, wo sie ihre warmen Umhänge hervorkramten.
    „Ich ziehe meinen Ravenclaw-Schal an“, sagte Betty. „Dann wissen die gleich, mit wem sie es zu tun haben.“
    Auch Skye entschloss sich dazu, noch ihre Ravenclaw-Rosette, die Wright ihr im zweiten Jahr geschenkt hatte, an ihren Umhang zu pinnen. Padma begutachtete sich währenddessen ausgiebig im Spiegel.
    „Was ist denn mit dir?“, fragte Betty grinsend.
    „Man weiß ja nie, wo sich der Traumprinz versteckt“, erwiderte Padma und fuhr sich ein letztes Mal mit ihrer Bürste durch das lange Haar, bevor sie sich zufrieden umdrehte.
    Betty verdrehte die Augen. „Aber lach dir ja keinen Franzosen an.“ Sie zog eine Schnute. „Ahhh, Padma, ma chérie!“
    „Halt die Klappe!“
    Kichernd stürmten die Mädchen durch den Gemeinschaftsraum und von dort aus über die Treppen nach unten. In der Eingangshalle stellten sich die lärmenden Schülermassen schon in Reihen auf. Skye, Betty und Padma reihten sich hinter Terry und seinen Freunden ein. Aufgeregt traten sie unter Professor Flitwicks Kommando in die frostige Oktoberluft nach draußen.
    „Hoffentlich ziehen die keine zu große Show ab.“ Betty schien trotz ihres Schals zu frieren.
    Padma stellte sich auf Zehenspitzen. „Wie sie wohl kommen werden?“
    Terry drehte sich wissend um. „Auf Besen. Das hat Marcus gesagt.“
    „Marcus Belby?“ Padma schnaubte. „Der ist ein Idiot.“
    Skye musste schmunzeln, während Terry sich schmollend wieder umdrehte. Sie spürte schon, wie die Kälte auch die Sohlen ihrer Turnschuhe hinaufkroch, da hörte sie Dumbledore hinter ihnen etwas rufen. „Aha! Wenn ich mich nicht sehr täusche, nähert sich die Delegation aus Beauxbatons!“
    Und wirklich: Am Himmel erschien etwas, Skye wusste erst nicht, was es war, aber dann ging ihr langsam ein Licht auf.
    „Eine Kutsche!“, sagte sie zu Betty und Padma. „Mit . . . geflügelten Pferden?“
    So seltsam es klang, die Pferde hatten wirklich Flügel. Riesige Flügel, die wild durch die Luft peitschten, als sie zu einer Landung ansetzten.
    Das sorgte für einiges an Aufruhr in den vorderen Reihen, Skye versuchte angestrengt etwas erkennen zu können. Die Pferde schnaubten und dann tauchte eine Frau auf. Skye hatte noch nie so eine Frau gesehen. Sie war riesig und überragte die Schüler um einige Köpfe. Überrumpelt starrten die Jugendlichen zu ihr empor.
    „Aber hallo.“ Betty grinste. „Da komme ja selbst ich nicht mit.“
    Ein Grüppchen Schüler in luftigen, blauen Uniformen stiegen aus der Kutsche und schienen in der schottischen Kälte ziemlich zu zittern. Alle sahen sie recht alt aus und musterten Hogwarts neugierig, manche von ihnen rümpften sogar missbilligend die Nase.
    „Die sehen ja begeistert aus“, murmelte Padma.
    Die riesige Frau schritt elegant zu Professor Dumbledore, um ihn zu begrüßen, während ihre Schüler weiter zusammen stehenblieben. Die Ravenclaws flüsterten leise miteinander und hier und da wurde sogar das Wort „Riesin“ erwähnt. Skye überlegte, ob das stimmen konnte. Sie dachte immer, dass Riesen in irgendwelchen Berghöhlen hausten und sich den ganzen Tang lang die enormen Köpfe abrissen.
    Die Delegation aus Beauxbatons stolzierte schließlich hinter ihrer Schulleiterin ins Schloss und erneut breitete sich Spannung aus. Jetzt fehlte nur noch Durmstrang.
    Da Padma sich noch immer über die fehlende Höflichkeit der Franzosen beschwerte, hörte Skye fast nicht, wie der See plötzlich anfing sich zu bewegen. Ein riesiger Strudel bildete sich, der immer größer wurde und so aussah als könnte er ganz Hogwarts in einem Wimpernschlag in die Tiefe ziehen. Skye lugte neugierig über die Schultern ihrer Vordermänner und da sah sie es: Ein Mast erhob sich aus dem Wasser. Ein Mast, wie der eines Schiffes. Es war fast schon unwirklich, wie das riesige Schiff ohne weiteres aus dem Wasser auftauchte und gen Ufer glitt.
    „Die müssen aber echt ganz schön angeben“, kommentierte Betty das Ganze.
    Die Schüler aus Durmstrang waren ganz anders gekleidet: Sie trugen massige Pelzumhänge, die sie gleich noch größer erscheinen ließen. Skye beobachtete, wie auch ihr Schulleiter Dumbledore begrüßte. Er hatte einen auffälligen Spitzbart und grinste für Skyes Geschmack ein Stückchen zu übertrieben.
    „Leute“, flüsterte Betty mit heiserer Stimme. „Seht ihr den da hinten? Das ist doch Krum!“
    „Viktor Krum?“, fragte Skye ungläubig.
    Sie konnte sich noch gut an ihn erinnern. Er war ein meisterhafter Sucher. Dass er noch in die Schule ging, hätte sie nie erwartet.
    Aber wirklich: Viktor Krum folgte seinen in Pelz gehüllten Kameraden und schien es gar nicht darauf anzulegen, aufzufallen.
    „Ich glaub‘s ja nicht.“ Skye machte große Augen.
    Die drei Mädchen warfen sich überraschte Blicke zu. Und dabei waren sie sicher nicht die einzigen.
    Erleichterte Seufzer gingen durch die Reihen, als Dumbledore das folgende Willkommensfest ankündigte. Langsam schlenderten die Schüler in die Große Halle, wo Hogwarts‘ wohlige Wärme sie empfing. Skye seufzte erleichtert. „Endlich.“
    Sie ließen sich an ihre Plätze am Ravenclaw-Tisch fallen und beobachteten neugierig, wie die Schüler aus Beauxbatons und Durmstrang sich umsahen.
    „Die kommen zu uns!“, zischte Betty und die drei Mädchen beobachteten gespannt, wie die Delegation aus Beauxbatons sich in Richtung des Ravenclaw-Tisches bewegte. Überall wurde gerutscht und Platz für die Gäste geschaffen. Auch Skye rückte ein wenig beiseite und ein hochgewachsener Junge mit ordentlich gescheiteltem Haar setzte sich neben sie. Er war um einiges älter als sie und sagte in schnellem Französisch etwas zu einem hübschen Mädchen, das gegenüber von ihm Platz nahm. Michael rückte schnell beiseite, als eine blondhaarige Schönheit angeschwebt kam. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und setzte sich dann elegant neben ihn. Skye fiel auf, dass sie noch ihr dünnes Tüchlein um den Kopf gewickelt hatte, als wäre es in der Großen Halle so kalt wie draußen.
    „Sollen wir was sagen?“, hauchte Padma Skye ins Ohr, die mit den Schultern zuckte.
    Unauffällig beobachtete sie das Mädchen. Ihre engen Locken hüpften auf und ab, als sie sich mit einem mehr oder weniger interessierten Gesicht umschaute. Irgendwoher kam sie Skye bekannt vor. Jedoch wollte sie nicht zu auffällig starren und wandte sich deshalb schnell nach vorne, wo gerade die Lehrer Platz nahmen. Dumbledore sah mit seinem langen Bart und knalligen Umhang nicht minder eigenartig als die anderen Schulleiter aus.
    „Guten Abend, meine Damen und Herren, Geister und - vor allem - Gäste. Ich habe das große Vergnügen, Sie alle in Hogwarts willkommen zu heißen. Ich bin sicher, dass sie eine angenehme und vergnügliche Zeit an unserer Schule verbringen werden.“
    Skye, Betty und Padma warfen sich einen bedeutungsvollen Blick zu, als das blonde Mädchen neben Michael spöttisch auflachte. Die meisten Ravenclaws warfen ihr missmutige Blicke zu und der Junge neben Skye zischte etwas in ihre Richtung. Es war so schnell, dass Skye nur zwei Dinge verstand: „Fleur“ - was wohl ihr Name war - und „Madame Maxime“.
    „Nun lade ich alle ein, zu essen, zu trinken und sich wie zu Hause zu fühlen!“, endete Dumbledore seine kleine Rede und nach einigen Sekunden höflichen Klatschens wandten sich die Schüler wieder den aufregenden Gästen zu.
    Skye fragte sich stumm, ob alle Mädchen in Beauxbatons so hübsch aussahen. Die blonde Fleur war atemberaubend schön und auch Michael gaffte sie und ihre wallende Haarmähne die ganze Zeit unverblümt an. Aber auch das dunkelhäutige Mädchen, das Skye so bekannt vorkam, sah unerlaubt gut aus.
    Die Teller hatten sich mittlerweile mit allerlei fremdländigem Essen gefüllt, das selbst die Hogwarts-Schüler erstaunt musterten.
    „Willst du nicht etwas sagen?“, fragte Padma leise.
    Skye schnalzte mit der Zunge. „Warum ich?“
    „Habe ich dir doch schon tausendmal gesagt. Nun mach schon.“
    Skye seufzte ergeben. Insgeheim war sie selber recht neugierig auf die ausländischen Schüler. Besonders auf das Mädchen mit dem krausen Haar.
    „Ähem -“ Sie räusperte sich ein wenig, um die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu lenken. „Bienvenue à . . . 'Ogwarts.“
    Der Junge neben ihr warf Skye einen etwas verwirrten Blick zu. Sie ignorierte das und machte einfach weiter. „Je m‘appelle Skye. Et toi?“
    Sie wurde ein wenig rot, als ihr auffiel, wie schlecht sie eigentlich Französisch sprach. Die Schüler aus Beauxbatons mussten das wohl für sehr amüsant halten.
    „Isch spresche auch Englisch.“ Das Mädchen mit dem krausen Haar sagte als erste etwas. „Wir spreschen Englisch.“
    Sie hatte einen wirklich starken Akzent, das musste Skye zugeben. Aber dazu durfte gerade sie gar nichts sagen. Erleichtert grinste sie. „Gut.“
    „Wir ‘aben uns doch schon mal gese‘en. Bei der Quiddisch-Meisterschaft, non?“
    Als das Mädchen das sagte, ging Skye ein Licht auf. Natürlich. Damals im Wald hatte sie Skye mit einer Freundin verwechselt.
    „Isch ‘eiße Anaïs. Und das ist Lazare.“ Sie deutete auf den Jungen neben Skye, der schon fleißig eine fremdartig aussehende Suppe in sich hineinlöffelte. „Er ‘at einen unermüdlischen ‘Unger.“
    Skye fand, dass Anaïs ein wirklich schöner Name war. Wenn er aus ihrem Mund kam, klang er wie ein Lied. Bei ihr würde sich das wohl niemals so anhören.
    „Lazare, donne-moi la bouillabaisse“, befahl die blonde Fleur.
    Mittlerweile hatte sie ihr Tuch abgenommen und blitzte Lazare mit azurblauen Augen an.
    „‘Ättest du frü‘er gefragt, könntest du vielleischt noch etwas kriegen.“ Lazare zuckte mit den Schultern.
    Skye war froh, dass er Englisch redete und auch Betty und Padma, die gebannt lauschten, schienen dieser Meinung. Fleur verdrehte die Augen und stand schwungvoll auf. Die lange Haarmähne warf sie lässig über die Schulter, bevor sie zu einem der nächsten Tische weiterstolzierte.
    „Das ist Fleur.“ Anaïs grinste. „Sie ist ziemlisch verstimmt, seit wir angekommen sind.“
    „Was passt ihr denn nicht?“ Diesmal mischte sich auch Betty ein. „Die Leute aus Durmstrang scheinen sich prächtig zu amüsieren.“
    Sie warf einen kurzen Blick zum Slytherin-Tisch, wo sich wirklich schon alle gut zu unterhalten schienen. Jay sackte wahrscheinlich gerade ein Autogramm von Viktor Krum ein.
    „Isch weiß es nischt.“ Anaïs folgte ihrem Blick und seufzte. „Viktor Krüm. Er ist toll, nischt?“
    „Anaïs ‘atte schon immer eine Schwäche für Quiddisch-Spieler“, gab Lazare grinsend hinzu.
    „Ach, ‘ör auf!“ Sie verdrehte die Augen, musste aber grinsen.
    Lazare wandte sich an Skye. „I‘r macht wahrscheinlich nischt bei dem Turnier mit, was?“
    „Zu jung“, antwortete Padma schnell. „Und bei euch? Bewerbt ihr euch alle?“
    „Natürlisch!“ Anaïs nickte heftig. „Isch will unbedingt gewinnen!“
    „Da bist du nischt die einzige.“ Lazare schnalzte mit der Zunge.
    Skye war froh, dass unter den Schülern in Hogwarts nicht solch ein Konkurrenzkampf herrschte. Und dass sie zu jung war, kam ihr auch nicht gerade unpassend.
    Die Franzosen waren wirklich außerordentlich nett, das stellte Skye schnell fest. Selbst Fleur, die irgendwann wohl auch akzeptierte, dass sie sich für die nächste Zeit an Hogwarts gewöhnen müsste, taute ein wenig auf. Skye erbarmte sich, ein winziges Bisschen Bouillabaisse probierte. Es schmeckte ihr zwar nicht, aber der gute Wille zählte schließlich.
    Als alle satt und zufrieden an den Tischen saßen, erhob Professor Dumbledore sich erneut. Diesmal war die Große Halle von gespannter Erwartung bis zum Bersten gefüllt.
    „Der Augenblick ist gekommen“, sagte er. „Das Trimagische Turnier kann nun beginnen. Ich möchte einige erläuternde Worte sagen, bevor wir die Truhe hereinbringen -“
    Skye hörte gespannt zu, während Professor Dumbledore einen ernst aussehenden Mr Crouch und Bagman vorstellte, ein dicklicher Zauberer, der den Schülern fröhlich winkte. Von beiden hatte sie bei der Quidditch-Weltmeisterschaft gehört, aber wusste nicht mehr genau, in welchem Zusammenhang.
    „Wenn du mich fragst, sieht dieser Karkaroff ziemlich komisch aus“, flüsterte Betty Skye ins Ohr, während Dumbledore die Jury vorstellte.
    Sie zuckte nur mit den Schultern, denn jetzt ging es ans Eingemachte. Die Champions.
    „Wenn ich bitten darf, Mr Filch, die Truhe.“
    Der Hausmeister brachte eine diamantenbesetzte Holztruhe nach vorne, die unter den Schülern erstauntes Raunen hervorrief. Auch Skye fragte sich, was es wohl damit auf sich hatte.
    „. . . Champions auf unterschiedliche Weise auf die Probe stellen . . . ihr magisches Können - ihre Kühnheit- ihre Fähigkeit zum logischen Denken - und natürlich ihre Gewandheit im Umgang mit Gefahren.“
    Skye fand noch immer, dass Davies den perfekten Champion abgab. Nicht nur war er ein Ravenclaw, sondern auch äußerst begabt. Sie warf ihm einen kurzem Blick zu, aber er starrte wie die anderen Schüler gebannt nach vorne.
    „Ein unparteiischer Richter wird die Champions auswählen . . . der Feuerkelch.“
    Dumbledore zog seinen Zauberstab und klopfte unter den wachsamen Blicken der Jugendlichen auf die Holztruhe. Ein recht normal aussehender Kelch kam zum Vorschein, aber da war etwas: Flammen. Der Kelch war gefüllt mit blauweißen Flammen.
    „Bei Merlins Bart“, murmelte Betty. „Der würde sich gut auf meiner Kommode machen.“
    Professor Dumbledore warf einen ernsten Blick in die Runde, während er weitersprach. Es schien eine wichtige Angelegenheit zu sein. „Wer mitmachen will, hat vierundzwanzig Stunden Zeit, um seinen Namen einzuwerfen. Morgen Nacht, an Halloween, wird der Kelch die Namen jener drei preisgeben, die nach seinem Urteil die würdigsten Vertreter ihrer Schule sind.“
    „Isch werde meinen Zettel gleisch morgen früh einwerfen“, verkündete Anaïs leise.
    In ihren Augen spiegelte sich Sehnsucht, Sehnsucht nach dem Platz als Schulchampion. Skye konnte das verstehen, sie hoffte, dass Anaïs ausgewählt werden würde, aber viel mehr interessierte sie der Hogwarts-Champion.
    Selbst, als Dumbledore weiterredete, tuschelten die meisten Schüler schon leise.
    „Woher weißt du denn, dass du für diese Aufgaben überhaupt bereit bist?“, flüsterte Skye.
    Anaïs zuckte mit den Schultern. „Isch will es einfach. Alle ‘ier wollen es.“
    Lazare nickte. „Isch weiß gar nischt, wie isch es meiner Mutter beibringen soll, wenn isch nischt ausgewählt werde.“

    BILD: Die fliegende Kutsche

    13
    ((bold))((navy))Kapitel 13: HALLOWEEN((ebold))((enavy)) Der Gemeinschaftsraum war ungewohnt voll, als Skye, Betty und Padma am nächsten Morgen gähne

    Kapitel 13: HALLOWEEN

    Der Gemeinschaftsraum war ungewohnt voll, als Skye, Betty und Padma am nächsten Morgen gähnend aus ihrem Schlafsaal traten.
    „Was ist denn hier los?“, fragte Betty verwundert.
    „Wahrscheinlich wegen des Feuerkelches“, erklärte Padma. „Ob sich schon Leute beworben haben?“
    Die Mädchen schlenderten hinüber zu Bettys Schwester und deren Freundinnen, die sich in eine Nische vor dem Fenster eingenistet hatten und über irgendetwas lachten.
    „Was ist denn so lustig?“ Betty runzelte die Stirn.
    „Dir auch einen guten Morgen, Schwesterherz.“ Emma verdrehte genervt die Augen.
    Padma ließ ihren Blick über die tratschenden Ravenclaws schweifen, die den Gemeinschaftsraum belagerten. „Wart ihr schon unten?“
    „Natürlich.“ Marietta nickte. „Von Durmstrang haben sich schon einige beworben. Und Sara Fawcett.“ Sie prustete ungehalten los, als sie das sagte.
    „Alterungstrank.“ Auch Cho grinste. „Wir haben zufällig zugeschaut.“
    „Ihr ist ein Bart gewachsen“, erzählte Emma weiter. „Sie hat geheult wie ein Schoßhund. Selbst Schuld.“
    „Ein Bart?“ Skye sah Emma irritiert an. „Und jetzt?“
    „Ich glaube, sie ist im Krankenflügel.“
    „Zauberhaft“, grinste Betty.
    Bei solchen Geschichten wollten die Drei natürlich selbst so schnell wie möglich in die Große Halle. Sie waren nicht die einzigen Ravenclaws, die die lange Treppe nach unten strömten.
    „Die anderen wollen auch einen Alterungstrank benutzen“, erzählte Betty.
    Skye wusste, dass Betty mit „den anderen“ Fred, George und seit neustem auch Lee Jordan meinte. Dabei hatte sie keine Ahnung, wie Betty es immer schaffte, ständig mit ihnen Kontakt zu halten. Sie erzählte überraschend wenig von ihnen.
    „Das werden sicher schöne Bärte“, bemerkte Skye.
    „Soll ich es ihnen sagen?“ Betty überlegte. „Könnte ich. Aber so ist es doch viel lustiger.“
    Auch in der Großen Halle hatten sich schon einige Schüler aufgeregt um den Feuerkelch versammelt und auf Skyes Kommando hin gesellten sich die Mädchen zu Terry, Michael und Anthony. Allesamt sahen sie ziemlich verschlafen aus und hatten eine der Bänke für sich eingenommen.
    „Wie lange sitzt ihr hier schon?“, wollte Padma neugierig wissen, während sie sich neben Anthony fallen ließ.
    „Stundenlang“, antwortete Terry, der gerade ein Ei löffelte.
    „Während ihr natürlich noch geschlafen habt.“
    „Hallo?“ Betty deutete auf ihr Gesicht. „Schönheitsschlaf!“
    Michael hüstelte pikiert.
    „Und, wer hat sich schon so beworben?“, fragte Skye.
    „Einige Durmstrangs. Aber aus Hogwarts noch nicht besonders viele.“ Terry zuckte mit den Schultern. „Den meisten sind einfach Bärte gewachsen.“
    „Sara Fawcett - das war unglaublich peinlich -, Chester Summers aus Hufflepuff und Fred und George Weasley“, zählte Anthony auf.
    „Fred und George?“, fragte Betty überrascht und zog eine Grimasse. „Ach man, das hätte ich gerne gesehen.“
    „Und dein Cousin hat sich beworben“, bemerkte Michael. „Ich glaube, er hat uns nicht wiedererkannt. Aber er war der erste.“
    „Keith?“, fragte Padma.
    Skye erinnerte sich wieder daran, wie sie in den letzten Sommerferien mit ihm in der Winkelgasse unterwegs gewesen waren. Sie hatte ihn schon damals nicht besonders gemocht.
    „Was?“ Betty schnalzte mit der Zunge. „Dieser Idiot hat mir gar nichts davon erzählt.“
    „Seht mal!“ Padma deutete plötzlich aufgeregt zur Tür. „Da sind die anderen.“
    Und wirklich: Begleitet von ihrer riesenhaften Schulleiterin kamen die Schüler aus Beauxbatons zügigen Schrittes in die Große Halle. Skye winkte Anaïs zu, die neben der blonden Fleur ging und ziemlich aufgeregt wirkte. Sie lächelte schwach, aber schien für mehr nicht in der Lage zu sein.
    Auch Padma wirkte plötzlich sehr aufgeregt und richtete schnell ihre Haare. Lazare grinste ihr zu, im Gegensatz zu Anaïs wirkte er nicht so, als würde er sich gleich in die luftige blaue Schuluniform machen.
    „Wer ist das?“, fragte Terry.
    „Lazare“, antwortete Padma zufrieden, worauf Terry den Franzosen mit einem skeptischen Blick musterte.
    Mittlerweile hatte sich die Delegation vor dem Kelch aufgestellt und die Schüler traten nacheinander über die goldene Alterslinie, die den Feuerkelch in einem weiten Abstand umgab. Skye beobachtete gespannt, wie Lazare und Fleur ihre Zettel in die Flammen warfen. Schließlich war Anaïs dran, die aufgeregt zusah, wie der Kelch ihr Pergament verschluckte und rote Funken ausstob.
    Madame Maxime machte sich keine großen Umstände und führte ihre Schützlinge schnurstracks wieder aus der Großen Halle, nachdem alle ihre Namen eingeworfen hatten. Skye sah ihnen neugierig nach, während sie wieder ins Freie traten.
    „Diese Fleur.“ Michael pfiff leise. „Die ist echt klasse.“
    Padma warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Gehst du nicht mit Mandy?“
    „Komplimente wird man ja wohl noch machen dürfen.“ Michael zuckte mit den Schultern.
    Skye runzelte die Stirn. Zwar mochte sie Mandy nicht besonders, aber trotzdem fand sie das nicht gerade nett von ihm. Auch Padma schwieg eisern und Betty und Skye bemerkten direkt, dass sie eingeschnappt war. Sie presste die Lippen in dieser einen Art zusammen, wie sie es immer tat, wenn ihr etwas missfiel.
    „Wir essen mal was“, sagte Betty schnell, um das Thema zu wechseln.
    Skye war froh über diese Möglichkeit und nickte heftig, während Padma noch immer schweigend aufstand. Als die Drei nicht mehr in Hörweite waren, machte sie ihrem Ärger Luft.
    „Geht‘s noch?“, zeterte sie. „Das werde ich Mandy sagen. Aber so was von.“
    Skye seufzte. „Ist doch ihr Problem.“
    „Nein.“ Padma schnaubte.
    Betty fing gerade an zu reden, da betrat erneut jemand die Halle. Eine Gruppe von vier oder fünf Leuten, die aufgeregt redeten. Skye klappte die Kinnlade nach unten, als sie sah, dass Roger Davies mit einem verschüchterten Lächeln in der Mitte ging.
    „Das hätte ich nicht erwartet“, kommentierte Betty.
    „Ich auch nicht, um ehrlich zu sein.“
    Mit ein paar zügigen Schritten war Skye bei Davies angekommen. Begleitet von seinen Freunden stand er unsicher vor der goldenen Alterslinie, als wolle er Zeit schinden. Auch Samuels war bei ihm, aber die Mädchen kannte Skye nicht.
    „Bei Merlins Bart.“ Sie grinste. „Also bewirbst du dich doch?“
    „Sieht so aus.“ Davies wirkte fast schon aufgeregt. So aufgeregt, als wäre es Quidditch.
    „Unglaublich, nicht?“ Samuels schlug ihm wie ein stolzer Vater die Hand auf die Schulter. „Ich habe extra meine Glückssocken angezogen.“ Er deutete auf seine drahtigen Beine, wo von den knallgelben Socken ein Stückchen unter dem Umhang hervorlugte.
    „Dann muss es ja klappen.“ Skye grinste. „Ich drücke dir die Daumen.“
    „Musst du auch.“ Davies wedelte mit seinem Pergamentzettel herum. „Du hast mich schließlich auch auf die Idee gebracht.“
    „Nun geh schon.“ Eines der Mädchen unterbrach ihn und schob Davies unsanft über die Alterslinie.
    Skye beobachtete gespannt, wie er seinen Zettel in die blau lodernden Flammen warf. Rote Funken stoben auf und dann war er verschwunden.
    „Roger Davies, Hogwarts-Champion.“ Samuels klatschte stolz.
    „Klingt gut“, grinste Skye.
    Davies atmete erleichtert aus. „Jetzt muss ich nur noch warten.“
    Das Grüppchen machte sich auf den Rückweg, während Skye wieder zu den anderen stieß.
    „Hoffentlich schafft er es“, stellte Padma fest.
    „Sicher.“ Skye nickte bestimmt. „Wer sonst?“

    Die Mädchen verbrachten den Rest des Tages voller erwartungsvoller Vorfreude. Im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum war es angenehm warm und so setzten sie sich vor das knisternde Feuer und sahen dem Regen zu, der die Landschaft verschleierte. Hier und da schnappten sie die verschiedensten Gerüchte auf, aber schon bald stellten sie fest, dass sich nicht besonders viele Ravenclaws beworben hatten. Skye hatte auch nichts anderes erwartet und ihr machte es nichts aus, weil Davies so noch mehr Chancen hatte.
    Auch Sara Fawcett war mittlerweile wieder aus dem Krankenflügel zurückgekehrt, schloss sich aber beschämt in ihrem Schlafsaal ein. Skye hat nicht viel Mitleid für sie übrig.
    Betty und Padma waren ganz gespannt auf Neuigkeiten aus der sekundären Dimension, also erzählte Skye ein wenig von Harper und ihren neusten Einfällen. Besonders Betty schien das sehr zu interessieren; Skye hätte sich nicht gewundert, wenn sie ihr bald eines dieser seltsamen Ratgeber mitbringen müsste.
    Padma sah ihre einmalige Chance, als Mandy gefolgt von ihrer besten Freundin Sue in den Gemeinschaftsraum trat. Betty und Skye konnten sie nicht mehr zurückhalten und so rauschte Padma schwungvoll los. Nach nicht einmal einer Minute kehrte sie enttäuscht zurück. Mandy musste ihr wohl vorgeworfen haben, dass Padma nur eifersüchtig war, weil sie selber etwas von Michael wollte. Skye versicherte ihr daraufhin, dass Mandy schon sehen würde, wer hier recht hatte.
    Der Nachmittag verging schnell und so wurde es langsam Zeit für das Festmahl. Die Tatsache, dass es eigentlich Halloween war, hatten die meisten bei der ganzen Aufruhr vergessen. Zwar war die Große Halle schon am Morgen festlich dekoriert worden, aber niemand schien darauf zu achten.
    Auch die Delegationen aus Beauxbatons und Durmstrang kamen wieder ins Schloss. Besonders Anaïs wirkte so, als würde sie gleich einen Nervenzusammenbruch erleiden.
    Das ganze Festessen warf sie nervöse Blicke zum Feuerkelch. Die meisten ihrer Mitschüler benahmen sich so ungeduldig. Nur Lazare schien seine Aufregung einigermaßen verstecken zu können. Aber Fleur - das fiel Ske direkt auf - Fleur wirkte völlig entspannt. Es war fast schon beeindruckend.
    Auch Skye konnte die Auslosung der Champions kaum erwarten. Noch nie hatte sie sich so gefreut, als das Festessen endlich vorbei war und die Teller sich leerten. Auch die beiden Ministeriumsbeamten Bagman und Crouch waren wieder dabei. Skye sah neugierig zum Lehrertisch nach oben, wo sie neben den drei Schulleitern saßen.
    Als Professor Dumbledore seine Stimme erhob, verstummte das leise Geflüster in der Großen Halle augenblicklich.
    „Nun, der Kelch ist gleich bereit, seine Entscheidung zu fällen“, sagte er. „Ich schätze, er braucht noch eine Minute. Wenn die Namen der Champions ausgerufen werden, bitte ich sie, hier aufs Podium zu kommen und am Lehrertisch vorbei in diese Kammer dort zu gehen.“
    Anaïs flüsterte etwas in schnellem Französisch, das nicht einmal Lazare zu verstehen schien. Auch Skye fand, dass Dumbledore die ganze Sache viel zu spanend machte. Sie wollte sich gar nicht erst vorstellen, wie die Bewerber sich nun fühlten.
    Professor Dumbledore ließ mit einem Schwung seines Zauberstabes die Kerzen erlöschen und nun war der Feuerkelch das einzige Licht in der Halle. Hier und da hörte man leises Flüstern oder raschelnde Umhänge, aber sonst war es mucksmäuschenstill. Alle warteten gespannt auf die Entscheidung.
    Auch Skye hielt die Luft an. Sie hatte keine Ahnung, wie der Feuerkelch seine Entscheidung treffen würde.
    Aber als die blauen Flammen sich plötzlich rot färbten und Funken sprühten, da wusste sie es. Jetzt war es soweit.

    BILD: Der Feuerkelch

    14
    ((bold))((navy))Kapitel 14: ZWEI CHAMPIONS((ebold))((enavy)) Das Licht einer roten Flammenzunge erhellte die Große Halle und wenige Sekunden später

    Kapitel 14: ZWEI CHAMPIONS

    Das Licht einer roten Flammenzunge erhellte die Große Halle und wenige Sekunden später segelte ein verkohltes Stück Pergament zu Boden. Professor Dumbledore schnappte es aus der Luft und sämtliche Schüler hielten gespannt den Atem an.
    „Der Champion für Durmstrang“, las er, „ist Viktor Krum.“
    Lauter Beifall erfüllte die Halle und Skye beobachtete, wie Krum am Slytherin-Tisch aufstand. Er saß nicht weit entfernt von Jay und seinen Freunden, die ebenso laut klatschten. Sogar seine Mitschüler aus Durmstrang schienen sich für ihn zu freuen und der Applaus ebbte erst ab, als Krum in der Kammer hinter dem Lehrertisch verschwand.
    „Wer hätte das kommen sehen?“ Betty grinste amüsiert, erntete jedoch dafür von Anaïs einen ernsten Blick, die das Ganze wohl gar nicht lustig fand.
    Mittlerweile war Skye schon auf die Flammenzunge vorbereitet, die ein zweites Mal aus dem Kelch schoss. Professor Dumbledore war bereit, das Pergament aufzufangen, und sämtliche Bewerber hielten den Atem an.
    „Der Champion für Beauxbatons“, begann er und Anaïs starrte ihn an ohne ein einziges Mal zu blinzeln. „ist Fleur Delacour!“
    Der gesamte Ravenclaw-Tisch starrte neugierig zu Fleur, die sich von ihrem Platz neben Michael erhob und ein zufriedenes Lächeln in ihrem hübschen Gesicht hatte. „Glückwunsch“, nuschelte Michael mit hochrotem Kopf, aber Fleur beachtete ihn nicht. Stattdessen schwebte sie zum Lehrertisch und verschwand dort.
    Die Aufregung der anderen Beauxbatons hatte sich schlagartig verflüchtigt. Sie machte Trauer Platz, die Skye fast schon ein wenig erschütterte. Anaïs war in Tränen ausgebrochen und schluchzte in ihre Handflächen. Die anderen schienen nicht viel Aufmerksamkeit daran zu verschwenden, auch sie schienen eher mit sich selber beschäftigt. Trübselige und eifersüchtige Gesichter waren überall zu erkennen und ein anderes Mädchen war ebenfalls in Tränen zerflossen.
    Skye wusste nicht ganz, wie sie nun reagieren sollte und richtete sich deshalb lieber nach vorne, wo Professor Dumbledore schon den letzten Zettel auffing. Für die meisten war es der wichtigste, schließlich würde er den Hogwarts-Champion bestimmen. Die Spannung war unerträglich.
    „Der Hogwarts-Champion“, las Dumbledore laut, „ist Cedric Diggory!“
    Ein Aufatmen ging durch die Große Halle. Der Hufflepuff-Tisch brach ein unglaublich lautes Jubeln aus und Schulterklopfer und Pfiffe begleiteten Cedric bis zu seinem Weg nach vorne. Skye kannte ihn von zufälligen Begegnungen in den Schulgängen und erinnerte sich zufrieden daran, wie das Ravenclaw-Team ihn letztes Jahr im Quidditch geschlagen hatte.
    Sie warf Davies, der nur ein paar Plätze weiter saß, einen kurzen Blick zu. Er sah ziemlich enttäuscht aus, aber Skye ging nicht davon aus, dass er wie die Mädchen aus Beauxbatons bald in Tränen ausbrechen würde.
    „Wisst ihr was?“ Sie wandte sich an Betty und Padma. „Irgendwie bin ich froh, dass es kein Gryffindor geworden ist. Dann haben die anderen Häuser auch mal was.“
    Betty und Padma warfen ihr einen derartig überraschten Blick zu, dass Skye schon glaubte, die Slytherins hätten wohl etwas zu viel auf sie abgefärbt.
    Der Applaus legte sich langsam und Professor Dumbledore sah sich zufrieden um. „Bestens! Schön, wir haben nun drei Champions. Ich bin mir sicher, dass . . .“
    Er begann eine fast schon erwartete Rede über gemeinsame Unterstützung der Champions und Skyes Gedanken wanderten schon wieder weiter. Erst bemerkte sie gar nicht, dass Dumbledore plötzlich abbrach, aber Padmas ungläubiges „Was ist denn hier los?“ ließ sie aufschrecken.
    Es war der Feuerkelch. Die Flammen hatten sich erneut rot gefärbt und spuckten ein dampfendes Stück Pergament aus der Glut. Die Schüler warfen sich misstrauische Blicke zu, während Professor Dumbledore den Zettel langsam auffing.
    Erst sagte er gar nichts und las stumm unter dem Starren der Schüler. So lange, wie er dastand, vermutete Skye, dass er es mehrmals tat. Aber schließlich sah er ernst auf und räusperte sich.
    Harry Potter.
    „Warte, was?“, fragte Betty erstaunt.
    Auch Skye starrte verdattert zum Gryffindor-Tisch. Harry saß etwa auf ihrer Höhe und so konnte sie den fassungslosen Ausdruck auf seinem Gesicht genau erkennen. Das war es, was sie verwunderte. Er musste es schließlich geschafft haben, seinen Zettel in den Kelch zu werfen, also warum tat er plötzlich so schockiert?
    Anaïs schien ihren tränenreichen Zusammenbruch wieder weggesteckt zu haben, stattdessen sah sie dreimal so wütend aus. „Das kann nischt der Ernst von Dumbly-dorr sein!“
    Skye sagte das zwar nicht, aber sie bezweifelte stark, dass Professor Dumbledore selbst etwas mit der ganzen Sache zu tun hatte. Zwar wusste jeder, wie sehr er Harry Potter mochte, aber eine Aktion wie diese passte trotzdem nicht zu ihm.
    Auch am Lehrertisch breiteten sich Unruhen aus. Skye war froh, in diesem Moment nicht in Harrys Haut zu stecken.
    „Harry Potter!“ Nachdem Professor McGonagall ihm etwas zuflüsterte, erhob Dumbledore erneut die Stimme. „Harry! Nach oben, wenn ich bitten darf!“
    Eiserne Stille erfüllte die Halle und die Schüler gafften Harry fassungslos an, als er mit unsicherem Gesicht in Richtung des Lehrertisches lief. Niemand jubelte ihm zu, eisige Blicke waren das Einzige, was er von seinen Mitschülern bekam.
    Professor Dumbledore sagte am Lehrertisch etwas zu ihm und Harry schlug den Weg zur Kammer der Champions ein. Auch die Lehrer schienen erschüttert.
    Erst, als er in der Kammer verschwunden war, schien in der Großen Halle ein Bombe zu platzen. Die Schüler redeten wild durcheinander und schenkten Professor Dumbledore, der etwas sagen wollte, keinerlei Beachtung.
    „RUHE!“ Er musste nicht besonders laut schreien, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, in seiner Stimme steckte solch eine Autorität, dass plötzlich jeder verstummte. Skye, Betty und Padma warfen sich einen flüchtigen Blick zu.
    „Ich weiß, dass das für alle eine recht überraschende Wendung ist.“ Er warf einen kurzen Blick zu den anderen Lehrern. „Aber dennoch müsst ihr in solcher Aufregung zu Bett gehen. Es gibt einiges zu klären.“ Empörtes Schnauben kam von verschiedenen Ecken, aber Professor Dumbledore beachtete das nicht. „Gute Nacht.“
    Trotz der missmutigen Unterhaltungen traute sich niemand, Dumbledore zu widersprechen. Bänke wurden zurückgeschoben und langsam strömten die Schüler aus der Großen Halle.
    „Isch kann es noch immer nischt glauben!“, sagte Anaïs aufgebracht.
    „Die werden diese Junge doch nischt mitmachen lassen“, winkte Lazare ab. „Das wird Madame Maxime nischt zulassen.“
    „Mir kommt das Ganze auch etwas spanisch vor“, gab Padma hinzu.
    „Ich bin mir irgendwie nicht sicher“, überlegte Skye. „Für jemanden, der seinen Namen in den Kelch geschummelt hat, sah Harry ganz schön verdattert aus.“
    Sie waren nicht die einzigen Schüler, die solche Gespräche führten. Überall hörte man Harrys Name und schon jetzt tauchten die wildesten Gerüchte auf.
    „Ich glaube, dass er mit seinem Feuerblitz über die Alterslinie geflogen ist“, erklärte ein aufgeregter Erstklässler seinen Freunden. „Und dabei war er so schnell, dass ihm kein Bart gewachsen ist.“
    „Das macht komplett gar keinen Sinn, Kleiner“, sagte Betty zu ihm, als sie vorbeigingen.
    Der Erstklässler starrte sie so entgeistert an, dass Skye kichern musste.
    Mittlerweile wurden sie schon mit den anderen Schülern die Treppe hochgeschwemmt, wobei Skye einen kurzen Blick auf die Slytherins erhaschte, die in den nächsten Korridor zu den Kerkern einbogen. Traceys roter Haarschopf stach deutlich hervor, aber bevor Skye etwas nach unten rufen konnte, waren sie schon wieder verschwunden.
    „Ich weiß wirklich nicht, wem ich glauben soll“, stellte Padma unentschlossen fest.
    „Warte doch erst einmal.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Ich glaube auch nicht, dass Harry Potter überhaupt mitmachen darf.“


    Ein leises Klopfen an der Tür ließ Skye aufschrecken. Aber es war nur ihre Mutter, die mit einem Wäschekorb in der Hand ins Zimmer kam.
    „Fleißig am lernen, wie ich sehe.“ Sie schmunzelte mit einem Blick auf Skyes Mathebuch.
    „Mehr oder weniger.“
    Ihre Mutter stellte den Korb neben das Bett und wollte sich gerade wieder aufrichten, da schien sie etwas zu entdecken.
    Lehrbuch der Zaubersprüche“, las sie vor. „Band sechs?“
    Skye sprang mit so viel Schwung auf, dass ihr Schreibtischstuhl gegen die Heizung knallte. Mit ein paar Schritten war sie bei ihrer Mutter angekommen und schnappte sich das Buch vom Bett.
    „Seit wann interessierst du dich denn für solche Dinge?“ Misstrauisch musterte sie ihre Tochter.
    „Noch nie“, antwortete Skye schnell. „Harper . . . mag diesen Kram und hat mir das Buch gegeben.“
    „Harper?“
    Skye konnte sich glücklich schätzen, dass Harper mit ihren schwarzen Klamotten und eher interessanten Auftreten wohl wirklich wie ein Zaubereifan rüberkam. Aber trotzdem merkte sie genau, wie ihre Mutter das Buch noch immer neugierig musterte. Mit dem bedruckten Einband, auf dem sich zwei Zauberstäbe kreuzten, sah es wohl ziemlich echt aus. Warum war Skye auch so unachtsam gewesen und hatte es einfach auf ihr Bett geworfen?
    „Aber pass auf, ja?“ Ihr Mutter bedachte sie mit einem mahnenden Blick. „Solche Sekten können gefährlich sein.“
    „Sekten?“, fragte Skye lachend. „Harper ist doch kein Teil einer Sekte!“
    „Ich sage es dir nur. Dieser ganze Hexereikram ist sowieso nicht echt. Das bilden sich Leute ein, weil es für sie nicht anderes gibt.“
    „Ich weiß, Mum“, versuchte Skye ihre Mutter zu beschwichtigen.
    Wenn ihr Geheimnis nicht in Gefahr wäre, hätte Skye diese Situation einfach nur lustig gefunden.
    Einbildung, natürlich. Aber wenn man es nicht besser wusste, dann war das wohl wirklich der einfachste Grund, um sein Gehirn zufrieden zu stellen.
    „Ist alles in Ordnung bei dir, Skye?“
    Es war eine einfache Frage, die aber so unerwartet kam, dass Skye sich fast schon überfahren fühlte. Dachte ihre Mutter wirklich, sie hätte Probleme? Warum glaubte sie das, wenn alles doch so gut versteckt war? Skye wollte nicht, dass ihre Mutter sich Sorgen machte. Das war von Anfang an der Grund gewesen, warum sie allen ihr Doppelleben verschwieg. Sie hasste es, wenn Leute sich verantwortlich fühlten.
    „Alles in Ordnung“, antwortete Skye. „Wirklich, mir geht‘s super.“
    Und das war noch nicht einmal eine Lüge: Im Grunde ging es Skye wirklich super. Natürlich, da war der Zeitumkehrer und Tom Riddle, die wie eine tickende Zeitbombe immer in ihrem Kopf herumspukten. Aber sie hatte gelernt, sich auf die Vorteile der Dimensionen zu konzentrieren, solange es möglich war. Schließlich hatte sie trotz allem verdammt viel Glück.
    Ihre Mutter seufzte. Dabei war Skye sich nicht sicher, ob sie ihr glaubte, aber daran konnte sie nichts ändern.
    „Der Zeitungsjunge hat nach dir gefragt.“ Dieser Themawechsel war auffällig abrupt.
    „Oh, ja“, sagte Skye schnell. „Ich kenne ihn.“
    „Er sah nett aus.“
    Skye wusste genau, was ihre Mutter damit meinte. Plötzlich wusste sie gar nicht mehr, über was sie lieber sprechen wollte. Zwielichtige Sekten oder Ethan?

    Die Gerüchte wurden in den nächsten Tagen in Hogwarts nicht weniger. Die eigenartigsten Geschichten verbreiteten sich wie Lauffeuer und Harry Potter war das beliebteste Gesprächsthema. Dabei war er der Einzige, der jedem, der es hören wollte, beteuerte, dass er nichts mit dem Pergament zu tun hatte.
    Die Gryffindors klatschten und jubelten lautstark, wenn sie Harry auch nur im Gang sahen. Das schien ihm zwar äußerst unangenehm zu sein, aber sie ließen sich nicht davon abbringen.
    Die anderen Häuser verhielten sich dabei weniger enthusiastisch. Insgeheim schlugen sich alle auf die Seite der Hufflepuffs, die Seite Cedric Diggorys, des wahren Champions. Cho, die seit dem Quidditch-Spiel ihm letzten Jahr wohl Kontakt mit ihm hatte, berichtete schon bald, wie locker Cedric die ganze Sache anging. Skye bewunderte solch eine Ruhe, besonders nachdem sich herumsprach, dass Harry an dem Turnier wirklich teilnehmen würde.
    Die meisten Ravenclaws verachteten ihn für seine Gier nach Ruhm und behandelten ihn ebenso kühl wie die Hufflepuffs. Skye schien eine der wenigen zu sein, die sich nicht direkt auf eine Seite schlug. Das tat sie jedoch nicht wegen unendlicher Güte, denn sie war sich vielmehr unsicher. Bei der ganzen Aufruhr wollte sie nur noch wissen, was wirklich geschehen war.
    Auch die Slytherins schienen das nicht anders zu sehen, was für Skye aber auch keine Überraschung war. In gewisser Weise konnte sie es sogar verstehen, schließlich war die Siegesreihe der Slytherins nach dem Auftauchen von Harry Potter abrupt beendet worden.
    „Er muss immer im Mittelpunkt stehen“, stellte Tracey in Arithmantik fest. „Harry Potter hier, Harry Potter da . . .“
    Jay stimmte ihr dabei sehr selbstsicher zu. Er hatte die Bevorzugung der Gryffindors schon immer schrecklich gefunden.
    „Vielleicht tut es ihm ganz gut, wenn ihn nicht alle einfach nur lieben“, fügte er hinzu.
    Hermine, die das scheinbar gehört hatte, warf ihm einen derartig giftigen Blick zu, dass Skye froh war, nicht in seiner Haut zu stecken. Jay jedoch sah alles andere als eingeschüchtert aus und schenkte ihr einen dieser unerträglich selbstgefälligen Blicke, die er so gut konnte.
    Auch die Franzosen schienen eine tiefe Abneigung gegen Harry Potter entwickelt zu haben. Sie fanden es ungerecht, dass nicht auch ein zweiter Champion aus ihren Reihen ausgewählt worden war, und Skye konnte es ihnen nicht verübeln. Im Grunde war es schließlich wirklich ein wenig ungerecht.

    BILD: Der Feuerkelch mit roten Flammen (Kreativ, ich weiß)

    15
    ((bold))((navy))Kapitel 15: POTTER STINKT((ebold))((enavy)) Selbst in den nächsten Tagen schien sich das Gerede über Harry Potter nicht legen zu wol

    Kapitel 15: POTTER STINKT

    Selbst in den nächsten Tagen schien sich das Gerede über Harry Potter nicht legen zu wollen. Skye fand das ein kleines bisschen übertrieben, schließlich hatte das Ganze irgendwo auch eine Grenze. Sie verstand nicht, wie so viel Getratsche überhaupt möglich war.
    „Manche steigern sich da viel zu sehr rein“, sagte Betty und hob mit weisem Blick den Zeigefinger.
    „Aber es macht auch irgendwie Spaß, darüber zu reden.“ Padma zuckte mit den Schultern.
    Die Drei hatten es sich in den Sesseln vor einem der riesigen Fenster gemütlich gemacht. Draußen war es stockdunkel und nicht mal der Mond war zu erkennen.
    Skye ließ ihren Blick durch den Gemeinschaftstsraum schweifen. Das Licht des Feuers warf flackernde Schatten an die Wände und die hohen Bücherregale. Überall tummelten sich Ravenclaws und die vielen Stimmen vermischten sich zu einer einzigen Klangwolke.
    Skye liebte den Gemeinschaftsraum, wenn er so war. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als tagsüber, wenn die Sonne durch die riesigen Bogenfenster schien und den Raum mit hellem Licht füllte.
    „Könnt ihr euch noch an das Notizbuch erinnern?“, fragte Padma mit einem Nicken zu einem der Bücherregale.
    „Na klar, ich bin doch nicht dement“, erwiderte Betty und schnalzte mit der Zunge.
    Auch Skye wusste genau, wovon Padma sprach. Vor zwei Jahren, als das Monster in der Kammer des Schreckens muggelstämmige Schüler versteinerte, hatte Betty ihnen das unauffällige Notizbuch gezeigt, in das schon Generationen von Ravenclaws geschrieben hatten.
    „Nächstes Jahr können wir es schon lesen“, sagte Padma nachdenklich.
    „Dank dir fühle ich mich jetzt alt“, erwiderte Betty.
    „Freu dich doch.“ Skye grinste. „Dann kannst du dich besser an Sechstklässler ranmachen.“
    „Hey!“ Pikiert schleuderte Betty eines der Kissen nach Skye, die sich geübt wegduckte.
    Amüsiert kichernd richtete sie sich wieder auf und bemerkte gar nicht, wie Stephen Cornfoot hinter ihr auftauchte.
    „Hier.“ Er warf Betty das Kissen zurück. „Warn mich beim nächsten Mal.“
    Betty grinste. „War auch nicht für dich bestimmt.“
    Skye drehte sich zu ihm um und ihr Blick fiel direkt auf einen großen Anstecker an Stephens Umhang, dessen leuchtend rote Lettern schwer zu übersehen waren.

    Ich bin für CEDRIC DIGGORY -
    den WAHREN Hogwarts-Champion!


    „Wo hast du den denn her?“ Skye versetzte dem Anstecker einen leichten Stupser.
    Augenblicklich verformten sich die Lettern und bildeten nun einen leuchten grünen Schriftzug:

    POTTER STINKT

    „Süß.“ Skye rümpfte die Nase.
    Betty und Padma starrten den Anstecker überrascht an, während Stephen antwortete. „Die Slytherins verteilen die. Wenn du fragst, geben sie dir sicher auch einen.“
    „Ich glaube, darauf kann ich verzichten“, erwiderte Skye forsch.
    „Findest du das nicht etwas . . . gemein?“, erkundigte sich Padma.
    Stephen zuckte mit den Schultern. „Wenn Potter sich ins Turnier schummelt, hat er nichts anderes verdient.“
    „Aber solche Anstecker sind doch ein bisschen übertrieben“, sagte Skye zähneknirschend.
    „Hör zu, ich habe jetzt keine Zeit für Diskussionen“, seufzte Stephen. „Kevin sollte hier irgendwo sitzen.“
    Bevor Skye etwas erwidern konnte, war Stephen schon weitergegangen. Sie sah ihm kurz nach, bevor sie sich Betty und Padma zuwandte.
    „Die haben sie ja nicht mehr alle.“
    „Langsam tut Harry Potter mir auch etwas leid“, sagte Padma. „Und das, obwohl ich für Cedric bin.“
    Skye ließ sich tief in ihren Sessel sinken. Solche Anstecker waren wirklich erbärmlich.
    Betty streckte sich gähnend. Sie sah mal wieder kein bisschen gestört aus. „Denkt ihr, die Slytherins würden auch solche Anstecker für mich machen, wenn ich nett frage? , Betty an die Macht‘ könnte zum Beispiel draufstehen.“
    Skye verdrehte die Augen. Einen anderen Kommentar hatte sie zu diesem Thema auch nicht von Betty erwartet.

    „Ich finde das wirklich unmöglich“, wetterte Skye. „Die benehmen sich wie im Kindergarten!“
    Jay grinste. „Anfangs habe ich auch daran gedacht, mir einen zu holen. Draco verteilt die wie Süßigkeiten.“ Skye schnaubte eingeschnappt. „Aber dann ist mir eingefallen, dass du mich wahrscheinlich umbringen würdest.“
    „Es ist einfach geschmacklos“, antwortete Skye nüchtern.
    Natürlich wusste sie, dass diese nervigen Anstecker von den Slytherins kamen. Genau deswegen hatte sie sich so darüber aufgeregt.
    „Aber erwarte nicht von mir, dass ich mich heldenhaft gegen Malfoy stelle.“
    Skye warf Jay einen berechnenden Blick zu, als er das sagte. Dabei wusste sie im Grunde, das sie gar kein Recht dazu hatte. Sie selbst würde es auch nicht tun.
    „Ist ja gut.“ Seufzend drückte sie die Tür zur Bibliothek auf. „Das alles, das ist einfach nur komisch.“
    Jay folgte ihr schnaubend. „Gut gesagt.“
    „Am Anfang dachte ich auch, Harry Potter hätte sich ins Turnier geschummelt. Aber was ist, wenn jemand das so wollte?“
    Die beiden schlenderten zu einem der Tische. In der Bibliothek war es mucksmäuschenstill. Als Madam Pince in Sicht kam, senkten sie automatisch die Stimme.
    „Sicher nicht. Zu so was hat doch niemand einen Grund.“
    Skye zuckte mit den Schultern. Auch sie wusste, dass das ein eigenartiger Gedanke war. Wahrscheinlich hatte sie wirklich unrecht und machte sich nur unnötige Gedanken.
    „Ich muss so eine komische Strafarbeit für Moody schreiben“, wechselte Jay abrupt das Thema. „In seinem Unterricht kann man auch wirklich nicht das kleinste bisschen reden.“
    Schimpfend kramte er sein Buch für Verteidigung gegen die dunklen Künste aus der Tasche und klatschte es auf den Tisch.
    „Über was denn?“, fragte Skye und zog Feder und Tinte hervor.
    „Geschichtliches Zeug.“ Jay zuckte mit den Schultern. „Imperius-Fluch und so. Ich glaube, er will mich bloßstellen oder so.“
    „Du hast den Unterricht gestört, was erwartest du?“, stellte Skye fest. „Hast du zufällig dein Zaubertränkebuch dabei?“
    „Ach, ist egal.“ Jay zog aus den Tiefen seiner Tasche ein eher mitgenommenes Exemplar hervor und reichte es Skye.
    „Danke.“
    Sie blätterte durch die von Eselsohren nur so gespickten Seiten und ärgerte sich insgeheim darüber, den Aufsatz für Snape so lange aufgeschoben zu haben. Er sollte unmöglich lang werden und sie hatte keine Ahnung, wie das in solch einer kurzen Zeit überhaupt zu schaffen sein sollte.
    Skye wollte das Pergament, das wie ein Lesezeichen zwischen zwei der Seiten lag, erst achtlos beiseite legen, aber die enge Schrift, die fast das ganze Blatt füllte, ließ sie stutzen. Es war ganz sicher nicht von Jay geschrieben worden, dessen Buchstaben um einiges größer und unordentlicher waren.
    Neugierig glätte sie das Pergament und überflog die oberen paar Zeilen. Die erste Seite des Briefes schien zu fehlen, Skye fragte sich stumm, ob sie auch irgendwo in Jays Buch steckte.

    ist im Moment ziemlich nervös. Das Ministerium schnüffelt in letzter Zeit recht oft bei uns herum. Ich weiß nicht, ob jemand etwas verraten hat, aber wir können nicht brauchen, dass sie das Haus auf den Kopf stellen.
    Kommst du Weihnachten wieder nach Hause? Wir könnten ein wenig Hilfe wirklich gebrauchen.


    „Hallo? Skye?“ Jays Stimme lenkte sie vom Lesen ab und Skye sah überrascht auf. „Bist du jetzt endgültig von uns gegangen?“
    „Was?“
    „Ich habe dich gefragt, ob du schon für Hogsmeade verplant bist.“ Er runzelte die Stirn. „Was liest du da überhaupt?“
    Skye wollte den Brief noch wegstecken, aber Jay war schneller. Er zupfte ihr das Pergament aus der Hand und warf einen kurzen Blick darauf. „Wo hast du das her?“
    „Aus deinem Buch“, sagte Skye schnell. „Wer ist nervös? Und warum schnüffelt das Ministerium bei euch zu Hause herum?“
    „Kein besonderer Grund.“ Jay steckte das Pergament in seine Hosentasche, bevor Skye es sich wieder zurückschnappen konnte. „Nur ein paar Gerüchte, die irgendwelche Arbeitskollegen von Dad in die Welt setzen.“
    „Okay.“
    Skye rümpfte die Nase. Dafür, dass es nur Gerüchte waren, hatte Jay den Brief wohl wirklich sehr schnell verschwinden lassen. Er schien von seiner Mutter zu sein und Skye interessierte es brennend, was diese ihrem Sohn noch mitzuteilen hatte.
    Als würde Jay ihrem Blick ausweichen wollen, wandte er sich wieder seiner Strafarbeit zu. Plötzlich tat er sehr konzentriert, dabei spürte Jay ganz genau, wie Skye ihn anstarrte.

    16
    ((bold))((navy))Kapitel 16: TERRYS GESCHICHTE((enavy))((ebold)) Natürlich war Skye aufgefallen, dass ihre Mutter seit dem Gespräch vor ein paar Woch

    Kapitel 16: TERRYS GESCHICHTE

    Natürlich war Skye aufgefallen, dass ihre Mutter seit dem Gespräch vor ein paar Wochen besonders aufmüpfig geworden war. Anfangs war es nur ein wenig nervig gewesen, aber mittlerweile fand Skye es viel zu penetrant.
    Ständig hatte ihre Mutter die seltsamsten Ideen, bei denen auch Skye nicht immer den Sinn verstand. Und es waren die unerwartetsten Momente, in denen sie damit überrascht wurde.
    Eines unschuldigen Donnerstags ließ Skyes Mutter beim Abendessen ihren neuen Plan verkünden:
    „Hast du schon mal über Musikunterricht nachgedacht?“
    Skye hob überrascht den Kopf. „Musikunterricht?“
    Ihre Mutter warf Skyes Dad einen Blick zu, der nach Zustimmung suchte. „Vielleicht Klavier. Oder Geige?“
    „Lieber nicht.“
    „Ich glaube, es würde dir guttun“, antwortete ihre Mutter mit gerunzelter Stirn.
    Skye musste gar nicht erst fragen, denn was damit gemeint war, wurde ihr direkt klar. Ihre Mutter schien wirklich zu denken, sie würde bald einer Sekte oder ähnlichem beitreten.
    „Mum, beruhig dich“, sagte Skye. „Mir geht‘s gut. Auch ohne Klavierunterricht.“
    Sie erwartete schon, dass das Ganze bald wieder in eine endlose Diskussion münden würde. Fast schon bereitete Skye sich darauf vor. Aber da kam nichts. Vielleicht gab ihre Mutter es langsam auf?
    Hoffentlich, denn bald konnte sie es nicht mehr hören.

    Skye, Betty und Padma hatten sich direkt für den Ausflug nach Hogsmeade eingetragen, als der Aushang am schwarzen Brett hing. Vielleicht war es sogar ein Versuch, dem Gerede über Harry Potter und den anderen Champions zu entfliehen.
    Langsam schien es wirklich lästig zu werden. Artikel im Tagespropheten erschienen, aber mittlerweile hatte Skye genug von der ganzen Tratscherei.
    „Diese CEDRIC DIGGORY-Anstecker sieht man sogar hier“, stellte Padma fest, als die drei Mädchen mit dicken Mützen den Pfad nach Hogsmeade einschlugen. Und wirklich: Die leuchtend roten Lettern schienen überall aufzublinken.
    „Idioten“, kommentierte Skye nüchtern.
    Während die ungewöhlich stechende Kälte in ihren Gesichtern prickelte, liefen die Mädchen mit zügigen Schritten Richtung Hogsmeade. Skye fand es dort am schönsten, wenn eine dicke Schneeschicht über dem Dorf lag und goldene Lichter hinter jedem Schaufenster blinkten und glitzerten.
    Sie fragte sich noch immer, wie Jay das vor kurzem in der Bibliothek gemeint hatte. Skye war so beschäftigt mit dem mysteriösen Brief seiner Mutter gewesen, dass sie gar nicht auf seine Einladung nach Hogsmeade geachtet hatte. Hätten die anderen Slytherins vielleicht auch dabei sein sollen? Ihr ging es nicht mehr aus dem Kopf.
    Die Drei waren nicht die einzigen, die die Chance nutzten, dem vielen Trubel in Hogwarts zu entkommen. Es war besonders voll und überall tummelten sich Schüler mit Winterumhängen. Auf dem Weg durch die Straßen liefen ihnen auch Emma, Cho und Marietta über den Weg. Die Mädchen sahen besonders ernst aus, aber Skye fiel direkt auf, dass sie einige der wenigen waren, die keine Anstecker trugen.
    „Was ist denn mit denen los?“, fragte Padma leise, als die anderen außer Hörweite waren.
    „Eddie hat mit Emma Schluss gemacht“, berichtete Betty nüchtern.
    Padma verzog mitleidig das Gesicht. „Das hätte ich nicht erwartet. Es ging ja gefühlt ewig zwischen den beiden.“
    „Ich weiß gar nicht, warum Emma so ein Drama macht.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Sie hätte sich einfach jemand Besseren suchen sollen.“
    „So funktioniert das nicht“, antwortete Padma grinsend. „Du musst dich ausprobieren!“
    „Das sind alles dumme Flausen der Gesellschaft.“
    Padma warf Betty grinsend den Arm um die Schultern. Dabei musste sie sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellen. „Dann bin ich ja mal gespannt, wie du das hinkriegst.“
    „Warte nur ab!“
    Skye musste bei der unerschütterlichen Ernsthaftigkeit in Bettys Stimme lachen. Padma zog auch sie in diese mehr oder weniger chaotische Umarmung, in der die Freundinnen an den Schaufenstern vorbeistolperten.

    Nachdem die drei Mädchen fast jede Geschäftsauslage ausführlich begutachtet hatten, war ihr nächstes Ziel schnell entschieden. Die Drei Besen waren bei dieser Kälte nicht nur ein guter Zufluchtsort, sondern auch der süße Geruch nach Butterbier lockte die Freundinnen schnell zu dem knarrigen Gasthaus.
    Innen war es brechend voll; nicht nur Hogwarts-Schüler tummelten sich an den Tischen, auch andere, erwachsene Zauberer und sogar seltsam aussehende Tierwesen genossen ein warmes Getränk. Lautes Reden kam aus allen Ecken und Skye, Betty und Padma drängten sich an voll besetzten Tischen vorbei.
    „Hier ist nirgendwo etwas frei“, stellte Betty fest.
    „Sollen wir warten?“ Padma zupfte sich die Handschuhe von den Fingern.
    Auch Skye ließ ihren Blick durch das Gasthaus schweifen. Ein leerer Tisch war wirklich nicht in Sicht, aber dafür entdeckte sie etwas, das fast genauso gut war.
    „Seht mal, da sind Terry, Michael und Anthony“, sagte sie zu ihren Freundinnen. „Die haben sicher noch Platz für uns.“
    Auch Betty und Padma schienen damit einverstanden, also marschierten sie zu dem winzigen Tischchen in einer der Nische, wo die Jungen über halbleeren Krügen Butterbier die Köpfe zusammensteckten.
    „Morgen“, begrüßte Betty die Drei. „Rückt mal ein bisschen.“
    Skye fiel auf, dass Terry gar nicht so erpicht darauf schien, nun einen Tisch mit ihnen zu teilen. Er sah aus, als hätten die Jungen gerade etwas Wichtiges besprochen. Aber dennoch rückten sie zusammen und machten Platz für die Mädchen.
    „Ich hole uns Butterbier“, bot Padma sich an und ließ Betty und Skye in die Bank rutschen, während sie zur Theke lief.
    Die Jungen gaben kein Wort von sich, was Skye äußerst untypisch fand. Schon eben hatte sie das Gefühl gehabt, etwas sei nicht in Ordnung.
    „Ihr dürft ruhig weiterreden“, sagte Betty mit spöttischem Unterton. „Mich interessiert das sowieso nicht.“
    Terry und Anthony warfen sich einen kurzen Blick zu. „Ist schon okay“, antwortete Michael.
    Skye beobachtete das Ganze mit gerunzelter Stirn. „Warum tut ihr dann so, als wären wir vom Geheimdienst? Oder ging es um uns?“
    Das kam ihr recht plausibel vor, schließlich kannte sie es gut genug, bei solchen Beredungen erwischt zu werden.
    Michael grinste zwar ein wenig und murmelte etwas von „Vielleicht“, aber Anthony warf schnell ein „Nein, wirklich nicht“ ein.
    Skye machte das nur noch misstrauischer.
    Schlussendlich war es jedoch Terry, der ergeben seufzte. „Na gut, ich schätze, ihr könnt auch davon wissen.“
    „Wovon?“, fragte Betty neugierig. „Warte. Du hast jemanden umgebracht, nicht?“
    Terry warf ihr einen ungewohnt ernsten Blick zu. „Natürlich nicht.“
    „Tschuldigung.“ Betty verdrehte die Augen. „Kleiner Stimmungsheber. Lustig und so, du weißt schon.“
    Überraschenderweise schien Terry jedoch ganz und gar nicht in der Stimmung für Witze zu sein. Skye sah ihn gespannt an, aber genau in diesem Moment kam Padma zurück.
    „Achtung“, warnte sie, während sie drei Krüge Butterbier auf den Tisch balancierte.
    „Terry wollte uns gerade etwas erzählen“, sagte Skye mit bedeutungsvoller Stimme zu Padma, die sich neben ihr auf den Stuhl fallen ließ.
    „Was denn?“ Auch ihre Neugierde schien geweckt zu sein.
    Terry seufzte. „So spannend ist es gar nicht. Ehrlich.“
    „Nun sag schon“, drängte Betty. „Irgendwann müssen wir auch wieder nach Hogwarts zurück.“
    „Schon gut“, erwiderte Terry. „Ich will einfach nur etwas über meine Vergangenheit herausfinden.“
    „Deine Vergangenheit?“, wiederholte Skye
    Sie wusste, dass Terry in einem Waisenhaus lebte. Er sprach nicht viel darüber und über seine Vergangenheit noch weniger.
    „Ich habe mich schon immer gefragt, was mit meinen Eltern passiert ist“, sagte Terry und schien sehr bedacht darauf, den anderen nicht in die Augen zu sehen. „Nicht mal die Heimleiter scheinen etwas darüber zu wissen. Man hat mich vor der Tür gefunden. Meine Eltern schienen wohl nicht den geringsten Aufwand für mich betreiben zu wollen.“
    „Einfach so vor der Tür?“, fragte Padma verwundert.
    Terry nickte. „Früher fand ich es auch immer komisch. Aber seit ich weiß, dass ich ein Zauberer bin, überlege ich, ob meine Eltern wohl doch keine Muggel waren.“
    Betty und Padma schienen das Gleiche wie Skye zu denken. Warum hatte man den kleinen Terry dann vor einem Waisenhaus der Muggel abgelegt?
    „Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Nur manchmal träume ich von einer Kapuzengestalt in einem Umhang. Schon seit ich klein bin.“
    „Dein Irrwicht.“ Skye erinnerte sich sofort an letztes Jahr. Auch sie hatte sich damals gewundert, was Terrys Irrwicht zu bedeuten hatte.
    „Ein kurzer Brief lag damals auch vor der Tür. Aber mehr als mein Name stand da nicht.“ Terry seufzte. Er sah so aus, als würde er etwas vermissen, wusste jedoch selbst nicht einmal, was es war.
    „Du kannst ja mal nach anderen Boots recherchieren“, schlug Padma vor.
    „Im Rathaus oder so kann man da sicher fragen“, bestätigte auch Skye.
    „Das ist das Problem.“ Terry schüttelte den Kopf. „Ich habe es schon versucht, aber nirgendwo in meiner Umgebung sind Boots bekannt.“
    „Na, das klingt doch ziemlich eindeutig“, warf Betty ein. „Du bist nicht Muggelstämmig.“
    „Aber das bringt mir auch nicht viel“, antwortete Terry frustriert.
    „Bettys Mum arbeitet doch im Ministerium.“ Padma sah aufgeregt zwischen den beiden hin und her. „Du könntest sie fragen, ob sie mal nachschaut.“
    Betty seufzte. „Na gut. Wir können es versuchen.“
    Terry sah ziemlich begeistert aus. „Das wäre klasse.“
    Skye nippte an ihrem Butterbier, während sie den anderen interessiert zuhörte. Es war eine seltsame Vorstellung, dass Terry wahrscheinlich doch keine Muggel als Eltern hatte. So egoistisch das klang, sie hatte es immer als kleine Allianz angesehen. Als Allianz der Minderheit.
    „Eigentlich interessiert mich mein Blutsstatus gar nicht so sehr“, sagte Terry schnell. Schon jetzt tat er so, als würde er Skye sonst beleidigen. „Es hat sich nur nie so angefühlt als würde ich . . . dazugehören, wisst ihr? Das Heim ist im Grunde gar nicht so schlimm, aber es war nie mein Zuhause. Und in den Pflegefamilien, da war es auch nicht anders. Sie sind nicht mit mir klargekommen und dann habe ich die dümmsten Sachen angestellt . . .“ Er machte eine kurze Pause, als würde er sich nicht zurückerinnern. „Und dann wollten sie mich nicht mehr. Während alle anderen irgendwie zufrieden waren. Bis der Brief kam, war ich schrecklich eifersüchtig darauf.”
    Das alles purzelte aus ihm heraus, als hätte er es schon Jahre zurückgehalten. Was wahrscheinlich sogar stimmte.
    „Bei uns ist jeder irgendwie krumm, aber selbst da schien ich nicht reinzupassen. Ich glaube, deswegen habe ich angefangen, das Ganze so zu hassen.“
    Padma musterte Terry mit besorgtem Blick. Und nur sie konnte jetzt etwas sagen. „Wir finden deine Eltern schon. Keine Sorge.“
    „Meine Eltern können mir gestohlen bleiben.“ Terry schnaubte. „Jetzt habe ich Hogwarts. Und dann bin ich raus aus der Sache. Aber wenn ich nicht bald herausfinde, was damals passiert ist, werde ich wahnsinnig.“
    Obwohl Skye in keinster Weise mit solch einer Situation vertraut war, konnte sie verstehen, was Terry meinte. In einer seltsam verdrehten Weise ging es ihr auch so. Meist dachte sie nicht darüber nach, aber je älter sie wurde, desto mehr Fragen stellten sich ihr.
    „Ich schreibe Mum einen Brief“, schlug Betty vor. „Im Ministerium findet man alles. Vielleicht arbeiten deine Eltern sogar dort.“
    Terry schüttelte sich, als würde diese Vorstellung seltsam in seinen Ohren klingen. „Hoffentlich nicht.“
    Skye fragte sich, wie sich ein Leben ohne Gewissheit über die Eltern anfühlte. Für sie war Familie immer da gewesen. Egal ob es Streit mit Freunden oder Stress in der Schule gab, ihre Eltern waren für sie da.
    Ihr war es egal, ob sie Muggel waren oder nicht. Sie waren ihre Eltern und obwohl Terry selbst das gar nicht zu wollen schien, wünschte sie ihm das gleiche Gefühl.

    17
    ((bold))((navy))ACHTUNG, WERBEPAUSE!((ebold))((enavy)) Ein Jahr ist es jetzt schon her, dass ich diese Fanfiction erstellt habe. Der 14. Dezember 2018

    ACHTUNG, WERBEPAUSE!

    Ein Jahr ist es jetzt schon her, dass ich diese Fanfiction erstellt habe. Der 14. Dezember 2018, ein unvergesslicher Tag. In dieser Zeit sind fast vier Teile erschienen und immer mehr sind zu unserer Community dazugekommen, wofür ich wirklich dankbar bin.

    So ein erster Geburtstag ist etwas Besonderes, also habe ich mir auch etwas Besonderes ausgedacht, um dem gerecht zu werden. Ich will gar nicht viel vorab sagen, aber ich habe mir bei der ganzen Sache viel Mühe gegeben. Also hoffe ich natürlich, dass es euch gefällt:

    https://www.testedich.de/quiz62/quiz/1574537079/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-Wem-aehnelst-du-am-meisten

    Seid gespannt, am Ende gibt es einen kleinen Twist in der Sache. Aber dafür müsst ihr erst den Test machen. ;)

    Danke für ein Jahr! So eine Unterstützung hätte ich niemals erwartet; manche von euch sind praktisch schon so lange dabei, wie es diese Geschichte gibt. Aber auch so macht es verdammt viel Spaß, mit euch über die verschiedensten Themen zu schreiben. Und eins habe ich dabei festgestellt: Ihr seid alle ziemlich coole Menschen.
    Auf ein Neues! ♡♡♡

    18
    ((navy))((bold))Kapitel 17: DIE ERSTE AUFGABE((ebold))((enavy)) Es war ein träger Samstagmorgen, als es an der Haustür klingelte. Skye hatte gerade

    Kapitel 17: DIE ERSTE AUFGABE

    Es war ein träger Samstagmorgen, als es an der Haustür klingelte. Skye hatte gerade einen Topf auf den Herd gestellt, um sich Frühstück zu machen, und suchte nach einem letzten Restchen Haferflocken.
    „Machst du bitte die Tür auf, Schatz?“, kam die Stimme ihrer Mutter von unten.
    „Mum, ich bin oben“, rief Skye genervt zurück, aber sie wusste, dass sie nicht protestieren konnte, und trampelte nach einem frustrierten Seufzer die Treppe nach unten.
    Die Haustüre war schnell entriegelt und Skye mehr als überrascht über die Person, die plötzlich vor ihr stand.
    „Ethan?“, fragte sie erstaunt. „Was machst du hier? Funktioniert der Briefkasten nicht oder so?“
    „Dem geht‘s super.“ Hinter ihm stand der mit Zeitungen gefüllte Bollerwagen und Ethan grinste in dieser verschüchterten Art, die nur er zu beherrschen schien.
    Skye warf ihm einen verwirrten Blick zu. Und insgeheim hoffte sie, dass ihre Mutter nicht gleich hinter ihr auftauchen würde.
    „Hast du vielleicht Lust, ein Stück mitzukommen?“, fragte er.
    Skye runzelte die Stirn. „Jetzt?“
    „Ähm . . . ja. Also, nur wenn du Zeit hast natürlich.“
    Skye überlegte kurz. Im Grunde hatte sie nichts zu tun. Ihre Mutter würde das wahrscheinlich unglaublich aufregend finden, aber das war ihr jetzt egal. „Na gut. Aber nicht so lange, ich muss noch lernen.“
    Ethan schien ziemlich selbstzufrieden, während sie sich schnell ein paar Schuhe anzog und eine der Jacke von der Garderobe schnappte. Das Tuckern seines Bollerwagens auf dem Pflaster folgte ihnen bis zur Straße.
    „Ich könnte niemals Zeitungen austragen“, bemerkte Skye. „Das ist doch schrecklich eintönig.“
    Ethan zuckte mit den Schultern. „Irgendwie muss ich mir ja etwas Geld verdienen. Wenn du einen Walkman hast, ist es gar nicht mal so schlimm.“
    Die beiden liefen nebeneinander die Straße entlang, die in solch morgendlicher Stunde an einem Wochenende noch wie leergefegt war.
    „Eigentlich“, begann Ethan, „eigentlich wollte ich dich noch etwas anderes fragen.“ Er druckste kurz herum.
    „Was?“ Skye runzelte neugierig die Stirn.
    „Ich weiß, wir kennen uns noch nicht besonders lange, aber das kann man ja ändern.“ Während Ethan das sagte, klang es fast schon ein bisschen auswendig gelernt. „Hast du vielleicht mal Lust, mit mir auszugehen?“
    „Ich?“
    Skye war fast schon ein wenig überrascht. Der letzte Junge, der sich für sie interessiert hat, war Luke Robinson gewesen - und das hatte nicht gerade gut geendet. Von Ethan wusste sie fast gar nichts, aber er schien einigermaßen in Ordnung zu sein. Und im Grunde wusste sie selbst nicht, wie das alles zu laufen hatte.
    „Ja, gerne“, schob sie schnell noch hinterher, bevor Ethan etwas sagen konnte.
    „Cool.“ Er grinste. „In der Queen Street hat eine neue Pizzeria geöffnet. Falls du da Lust drauf hast.“
    „Klingt gut.“ Skye versuchte, nicht so aufgeregt zu klingen wie sie eigentlich war. Sie hatte Ethan immer nur ganz nett gefunden, aber ein Date war trotzdem irgendwie spannend.
    Als Skye wieder den Heimweg einschlug, fühlte sie sich äußerst verwirrt. Sie fragte sich, was Ethan wohl denken musste, schon nach so wenig Zeit mit ihr ausgehen zu wollen.
    Und in gewisser Weise fühlte sie sich schlecht. Er wusste nichts über sie. Und sie war sich sicher, dass er sich das Ganze noch einmal genauer überlegen würde, wenn er sie näher kannte.

    Betty schien die einzige der drei Mädchen zu sein, die sich wirklich auf die erste Aufgabe freute. Padma murmelte etwas von Tod und Verderben - plötzlich sah sie das Ganze doch ein wenig anders - nur Betty würde für einen früheren Schulschluss alles tun. Als die Drei schließlich den Schülermassen über die Ländereien folgten, empfand Skye ein eigenartiges Gefühl der Gleichgültigkeit.
    Am Morgen hatte sie Harry Potter noch in der Großen Halle angetroffen und ihm flüchtig viel Glück gewünscht, aber er hatte so ausgesehen, als würde er sich gleich übergeben, und so war sie lieber schnell weggegangen. Sie fragte sich, ob er wusste, dass nicht jeder diese Anstecker so großartig fand.
    „Wo gehen wir überhaupt hin?“, fragte Padma neugierig, als sie den Weg entlangstolperten.
    „Keine Ahnung.“ Betty zuckte mit den Schultern.
    Vor ihnen drängte sich fast ganz Hogwarts auf dem kleinen Pfad zusammen und außer hunderten von Köpfen konnte Skye nichts erkennen. Sie war sich sicher, dass die Delegationen aus Beauxbatons und Durmstrang auch kommen würden, aber sie konnte weder die luftigen blauen Uniformen, noch die schweren Pelzmäntel in der Menge erkennen.
    Seit der Auswahl der Champions hatte Skye nicht mehr viel mit Anaïs, Lazare oder den anderen Franzosen geredet. Sie schienen die meiste Zeit in ihrer Kutsche zu verbringen und frühstückten zu den wildesten Zeiten. Aber auch Skye hatte genug mit der vielen Lernerei zu tun, also konnte sie das gut verkraften.
    Plötzlich schien das Reden der Schüler lauter zu werden. Es musste etwas in Sicht gekommen sein.
    Und wirklich: Betty streckte sich und bezeugte, dass am Waldrand Tribünen aufgebaut waren. Sie redete etwas von Zelten und Skye versuchte angestrengt, auch einen Blick auf das seltsame Stadion werfen zu können.
    „Ich besetze uns einen guten Platz“, sagte Betty bestimmt und binnen weniger Sekunden war sie in der Menge verschwunden.
    „Weg war sie“, seufzte Skye.
    Padma reckte aufgeregt den Kopf. „Denkst du, die Beauxbatons werden auch da sein? Ich habe sie in letzter Zeit kaum gesehen . . .“
    „Keine Ahnung.“ Skye zuckte mit den Schultern. „Vielleicht.“
    Sie war eher konzentriert darauf, Betty in der riesigen Menge wiederzufinden. Im Gegensatz zu Draco Malfoy, dessen weißblonder Haarschopf unverkennbar über die Bänke hüpfte, war ihre Freundin nicht derartig auffällig.
    Padma war dabei erfolgreicher. „Sieh nur, da sitzt sie.“
    Betty hatte einen angenehmen Platz auf der mittleren Tribüne ausgesucht. Padma und Skye beeilten sich, bevor andere Anspruch auf ihre Bank erheben würden.
    „Tolle Aussicht von hier oben“, stellte Betty zufrieden fest. „Du hättest dein Omniglas mitnehmen sollen, Skye.“
    „Ich finde das nicht mehr“, beschwerte Skye sich, während Padma sich neben ihr setzte.
    „Dann mach dich mal lieber auf die Suche.“ Betty rümpfte die Nase, aber grinste nach ein paar Sekunden schon wieder.
    Skye ließ währenddessen ihren Blick über die Tribünen gleiten. Überall quetschten sich Schüler aneinander und aufgeregtes Rufen erfüllte das seltsame Feld in Mitten der Plätze. Es war - abgesehen von ein paar Felsbrocken - vollkommen leer und Skye fragte sich schon, was man sich für die Champions ausgedacht hatte.
    „Ist hier noch frei?“, fragte plötzlich jemand neben ihnen. Es war Mandy Brocklehurst, gefolgt von der dunkelhaarigen Sue Li.
    „Ja“, antwortete Padma knapp.
    Sie bedachte Mandy mit einem kurzen Seitenblick, während diese sich setzte. Nachdem sie ihr die Geschichte von Michael nicht hatte glauben wollen, war Padma nicht mehr gut auf sie zu sprechen. Skye ging es schon seit dem zweiten Jahr so.
    Genau deshalb ließ sie den Blick betont interessiert über die Schülermassen wandern. Tracey Davis’ leuchtend roter Haarschopf war auf der anderen Seite der Tribüne unschwer zu erkennen. Skye glaubte, Theo neben ihr sehen zu können, also musste Jay auch nicht weit sein. Er hatte an sein Omniglas gedacht und Skye zeigte ihm eine wüste Geste, als er in ihre Richtung schaute.
    Dabei huschten ihre Gedanken wieder zu dem seltsamen Brief in Jays Buch. Zwar tat er so, als wäre dieser völlig unwichtig, und das verkörperte er auch ziemlich gut, aber Skye glaubte ihm trotzdem nicht. Sie mochte ihn, sie mochte ihn wirklich, aber diese Geheimnistuerei hasste sie.
    Aber fast schon schuldbewusst sagte sie sich, dass sie kein Stückchen besser war.
    „Du hängst ganz schön viel mit diesen Slytherins herum“, stellte Mandy plötzlich fest. Skye hatte gar nicht gemerkt, dass sie von ihr beobachtet wurde und der anklagende Ton in Mandys Stimme gefiel ihr nicht.
    „Wo ist das Problem?“, antwortete sie patzig.
    Mandy zuckte mit den Schultern. „Ist mir nur aufgefallen.“
    „Toll.“ Skye wandte sich gereizt ab und spürte, wie Padma ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf.
    Sie war froh, als plötzlich Ludo Bagman auf einer Erhöhung in der gegenüberliegenden Tribüne auftauchte. Er trug einen knallgelben Umhang und sah damit aus wie eine zu groß geratene Wespe.
    Seine Stimme war magisch verstärkt und ließ das gesamte Stadion erzittern. „Meine Damen und Herren, Jungs und Mädels, ich präsentiere Ihnen das großartige - das legendäre - das einzigartige - und einzige TRIMAGISCHE TURNIER!“
    Skye applaudierte höflich. Überall ertönten Pfiffe und hier und da riefen Schüler etwas Unverständliches, das jedoch im Jubel der Schüler unterging. Bagman schien vollkommen in seinem Element und schaukelte die Menge immer weiter hoch.
    „Seid ihr aus Hogwarts? Dann lasst es mich hören!“
    Lautes Jubelgeschrei ertönte. Auch die Durmstrangs schrien fleißig, nur das Jubeln der Schüler aus Baeuxbatons fiel etwas kläglich aus.
    „Und hier sind sie. Meine Damen und Herren - Jungs und Mädels - ich zeige Ihnen nun den Grund, warum wir alle hier sind - DIE CHAMPIONS!“ Ludo Bagmans gelber Umhang leuchtete vor dem wolkenverhangenen Himmel, während er die vier Champions vorstellte.
    Skye schenkte jedem von ihnen einen höflichen Applaus. Sie bemerkte, dass Mandy und Sue neben ihnen nur bei Cedric Diggory jubelten.
    „Und jetzt - Ruhe bitte!“, rief Bagman. „Die erste Aufgabe. Sie müssen ein goldenes Ei holen. Aus einem Nest von - meine Damen und Herren, Jungs und Mädels, hier sind die DRACHEN!“
    Skye warf Betty und Padma einen kurzen Seitenblick zu. Drachen. Wie konnte man sich nur freiwillig als Champion bewerben? Wenn es stimmte, was alle sagten, war Harry Potter wirklich vollkommen verrückt.
    Einer von Rons Weasley-Brüdern führte den ersten Drachen auf das steinige Feld, das Skye jetzt als Gehege erkannte.
    Ein Pfiff ertönte. Cedric Diggory war der erste, der seinem Drachen gegenübertreten sollte. Skye kannte ihn von Quidditch und er überragte sie um mehrere Köpfe, aber neben dem riesigen Tier sah er plötzlich schrecklich klein aus. Der Schwedische Kurzschnäuzler schlug wütend mit den starken Flügel, die nur aus Muskeln zu bestehen schienen, und grölte angsteinflößend. Skye kniff die Augen zu, als er Flammen spie.
    Cedric war wirklich sehr schnell. Mit der Präzision eines Quidditch-Spielers tänzelte er um den Drachen herum und entkam den Flammenstößen nur knapp. Sein Zauberstab schnellte durch die Luft und verwandelte einen Felsbrocken in einen Labrador, was Skye sehr bewunderte, schließlich wusste sie, wie schwierig Verwandlungen sein konnte. Sie hatte keine Ahnung, wie er es schaffte, aber bald hatte Cedric Diggory das goldene Ei in der Hand. Nur sein Haarschopf schien etwas angebrannt zu sein.
    Lauter Jubel erfüllte das Stadion und auch die Jury schien sichtlich begeistert zu sein.
    „Miss Delacour, bitte!“
    Skye fand Drachen äußerst beängstigend und so sah sie nur ein paarmal hin, während Fleur Delacour in die Koppel trat. Betty und Padma neben ihr sagten manchmal etwas und Skye hörte das Schreien der Menge, aber ihr war der Anblick des hölzernen Bodens der Tribüne deutlich lieber. Beim Anblick des Drachens spürte sie eine seltsame Bedrohung in ihrer Magengegend. Sie war schrecklich froh, als Fleur es mit einem Trägheitszauber auch geschafft hatte, und plötzlich respektierte sie das französische Mädchen viel mehr. Sie schien wirklich mehr als ein hübsches Gesicht zu sein.
    Viktor Krum schien unter den Zuschauern besonders viel Interesse zu wecken. Überall jubelten und klatschten sie, als wäre es Quidditch. Seine Kollegen aus Durmstrang stimmten Kriegsgesänge in einer Sprache an, die Skye nicht kannte. Er war schnell und geübt. Sein Drache - ein Chinesischer Feuerball - kreischte besonders laut und schrill. Skye hasste es. Sie war froh, als auch Krum es geschafft hatte und die Menge in lauten Applaus ausbrach.
    „Skye, jetzt schau doch mal hin!“, tadelte Padma sie von der Seite. „Gleich ist Harry Potter dran!“
    Dafür, dass Padma sich bei den tanzenden Skeletten im zweiten Jahr fast in ihre Serviette übergeben hatte, schien sie mit den Drachen äußerst gut klarzukommen. Die vorherigen Gedanken von Tod und Verderben schienen ebenso verschwunden zu sein. Auch Betty klatschte fleißig mit, aber Skye hatte von ihr nichts anderes erwartet.
    Als Harry in die Koppel trat, warf sie sogar einen kurzen Blick nach unten. Er sah nicht gerade fröhlich aus und als er da so stand, glaubte sie immer weniger, dass er sich wirklich ins Turnier geschmuggelt hatte.
    Ludo Bagmans dröhnende Stimme hielt sie außerordentlich gut auf dem Laufenden. So gut, dass sie wieder den angenehm ruhigen Boden mustern konnte.
    „Cleverer Einfall, Potter, wirklich clever!“
    „Ein Besen!“, sagte Padma begeistert.
    „So viel Intelligenz hätte ich ihm gar nicht zugetraut“, gab Betty nüchtern hinzu und klang fast wie einer der Slytherins.
    Es war kaum verwunderlich, dass Harry Potter das goldene Ei am schnellsten geholt hatte. Man hätte es fast schon erwarten können.
    Ludo Bagman war selbst noch ganz aus dem Häusschen, als verkündet wurde, dass Harry sich nun den ersten Platz mit Viktor Krum teilte. Skye war froh, als er endlich aufhörte, Lobeslieder zu singen und den Verstärkungszauber von seiner Stimme nahm.
    „Ich hatte wirklich gedacht, einer der Champions überlebt das nicht“, sagte Betty in einem Ton, der fast schon an Enttäuschung grenzte.
    „Ich fand es toll“, erwiderte Padma hellauf begeistert.
    Die Drei stiegen hintereinander die Treppen der Tribüne nach unten und mischten sich unter die laute Schülermenge. Überall wurde geredet und diskutiert, wie das Turnier weitergehen könnte. Skye war überrascht, denn plötzlich schien Harry Potter für die meisten Schüler kein schrecklicher Halsabschneider mehr zu sein.

    BILD: Der Ungarische Hornschwanz

    19
    ((bold))((navy))Kapitel 18: NERVENZUSAMMENBRÜCHE UND GEHEIMNISTUEREI((ebold))((enavy)) Skye hatte keine Ahnung, wie Betty es jedes Mal wieder schafft

    Kapitel 18: NERVENZUSAMMENBRÜCHE UND GEHEIMNISTUEREI

    Skye hatte keine Ahnung, wie Betty es jedes Mal wieder schaffte, unauffällig im Unterricht zu schlafen. Und dann auch noch derartig gute Noten zu kriegen.
    Padma warf ihr einen genervten Blick zu, denn schon wieder nutzte Betty die Zauberkunststunde, um es sich dösend auf einem Stapel Bücher gemütlich zu machen.
    „Weisheit ist alles, aber nicht der Unterricht“, machte Skye Bettys Stimme nach und Padma kicherte leise.
    „Bald ist Pause und wir müssen sie aufwecken“, flüsterte Padma.
    „Na toll.“ Skye verdrehte die Augen.
    Die Slytherins waren an diesem Tag früher in die Pause geschickt worden - eine Gemeinheit, über die Betty sich wohl schrecklich echauffiert hätte, wenn sie wach gewesen wäre. Skye wunderte sich zwar, was Professor Flitwick nun wollte, aber im Grunde erwartete sie nur eine Standpauke.
    „Sie fragen sich wahrscheinlich schon alle, warum ich Sie hierbehalten habe“, begann Professor Flitwick und hüpfte von seinem Bücherstapel, auf dem er immer stand, um größer zu wirken.
    „Nun weck sie schon“, zischte Padma.
    Skye warf Betty grinsend mit einem zerknüllten Pergament ab. Professor Flitwick schien nichts davon mitzubekommen.
    „Der traditionelle Weihnachtsball im Rahmen des Trimagischen Turniers steht an.“
    „Weihnachtsball?“, hauchte Padma mit großen Augen und Betty gähnte herzhaft.
    „Der Beginn wird um acht Uhr des ersten Weihnachtsfeiertages in der Großen Halle sein. Sie werden ihre Festumhänge tragen und haben natürlich auch die Möglichkeit einen Partner mitzubringen.“ Professor Flitwick lächelte verschmitzt.
    Skye runzelte die Stirn. So ein Ball klang nach Stress. Und das mit dem Partner, das schien noch viel stressiger.
    „Für viele wird dieser Abend der Höhepunkt des Turniers sein. Sie können sich freuen.“ Professor Flitwick sah seine Schüler mit einem fast schon väterlichen Blick an, bevor er sie in die Pause entließ.
    „Ein Ball!“ Padmas Augen leuchteten vor Freude. „Das ist doch total romantisch, nicht?“
    „Jetzt beginnt das schon wieder.“ Betty ließ ihren Kopf mit einem dumpfen Knall auf den Tisch fallen.
    Skye schulterte etwas peinlich berührt ihre Tasche. Als sie den Festumhang gekauft hatte, wäre sie nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass sie damit auf einen Weihnachtsball gehen sollte. Und mit einem Partner tanzen. Sie konnte noch nicht einmal tanzen.
    „Also, wen wollt ihr fragen?“, erkundigte sich Betty, während sie den Gang entlangschlenderten.
    „Fragen?“ Padma wirkte erschüttert. „Ich will gefragt werden.“
    Betty schnaubte. „In welchem Jahrhundert lebst du bitte?“
    „Wen fragst du denn, Betty?“ Skye grinste belustigt. Dabei hatte sie selbst keine Ahnung, was sie tun sollte.
    „Tja, das wüsstet ihr wohl gerne.“ Betty streckte hochnäsig das Kinn in die Luft. „Es wird eine Überraschung.“
    „Hey!“ Padma versuchte, mit ihr Schritt zu halten, während Skye sich gar nicht erst anstrengte. „Nun sag schon!“
    „Wenn du so ein Liebesprofi bist, dann überleg doch einfach mal“, erwiderte Betty schelmisch grinsend.
    Skye sah zu, wie die beiden diskutierend um die nächste Ecke verschwanden, während sie langsam durch den Gang schlenderte und versuchte, sich mit der Idee eines Weihnachtsballs anzufreunden.

    In den nächsten Tagen herrschte helles Chaos in Hogwarts. Skye hatte das Gefühl, dass überall Leute zum Ball gefragt wurden. Sie selbst hatte keine besonders hohen Erwartungen, aber trotzdem fand sie das Ganze gar nicht mal so uninteressant. Zwar wollte sie sich dagegen wehren, schließlich war so ein Ball viel zu kitschig und klischeehaft noch dazu, aber plötzlich schien jeder einen Partner zu haben. Betty grinste auf einmal besonders viel und Skye vermutete fast schon etwas eifersüchtig, dass ihr mysteriöser Partner zugesagt hatte. Als dann auch noch Cho anfing, damit zu prahlen, dass Cedric Diggory sie gefragt hatte, regte sich in ihr der plötzliche Wunsch, auch einen Partner zu finden.
    Aber sollte Skye selbst die Initiative ergreifen? Oder weiter darauf hoffen, dass jemand sie fragte?
    Padma schien sich in dieser Hinsicht vollkommen klar zu sein, was sie wollte. Ständig klagte sie darüber, dass sie noch keine richtige Einladung erhalten hatte. Nicht „richtig“, das hieß bei Padma eigentlich nur, dass sie noch immer darauf wartete, dass Lazare sie einladen würde. Skye fand es fast etwas schockierend, wie sie nur aus dieser Hoffnung jeden Jungen ablehnte. Solch ein Luxus wäre ihr selbst ganz recht gewesen.

    Der Weihnachtsball war seit der bedeutungsvollen Ankündigung Padmas absolutes Lieblingsthema. Ständig redete sie davon, kaute jede Kleinigkeit tausendmal durch und fand bei jedem Mal mehr Gründe, warum Lazare sie vielleicht einladen würde.
    „Wäre es für dich denn ein Weltuntergang, mit einem anderen Jungen zu gehen?“, fragte Skye eines Abends im Gemeinschaftsraum, während die Drei (mehr oder weniger) ihre Hausaufgaben machten.
    „Definitiv“, sagte Padma und machte ein so tragisches Gesicht, dass Skye fast schon Mitleid mit ihr hatte.
    „Ich habe uns übrigens dafür eingetragen, in den Weihnachtsferien hierzubleiben“, bemerkte Betty.
    „Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt gehe“, sagte Padma und seufzte theatralisch, warf aber nach dem genervten Blick der anderen ein „Ich hör ja schon auf“ hinterher.
    „Mit wem geht Emma jetzt eigentlich, nachdem Eddie mit ihr Schluss gemacht hat?“, fragte Skye neugierig.
    „Sie hat Marcus Belby gefragt“, antwortete Betty mit einem bedeutungsvollen Blick.
    „Marcus Belby?“ Padama rümpfte die Nase. „Ist sie schon so tief gesunken?“
    „Habe ich ihr auch gesagt.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Sie hat mir nur eine ihrer räudigen Socken ins Gesicht geworfen.“
    „Wenigstens hat sie einen Partner“, bemerkte Skye.
    „Hey!“ Betty wedelte drohend mit ihrer Feder herum. „Ich habe auch einen.“
    „Der, dessen Name nicht genannt werden darf“, erwiderte Skye leise unter einem Huster.
    „Dessen Namen ich noch immer wissen will“, sagte Padma. „Warum soll das eine Überraschung werden?“
    „Aber wisst ihr, was das Schlimmste ist?“, wechselte Betty gekonnt das Thema. „Marietta geht mit meinem Cousin.“ Sie tat so, als müsste sie sich in ihre Tasche übergeben.
    „Ich habe gehört, sie hat Viktor Krum gefragt“, bemerkte Skye.
    „Und Keith wollte eigentlich mit mir gehen“, sagte Padma beleidigt. Dabei war sie schließlich die gewesen, die Nein gesagt hatte.
    Betty ignorierte die quengelnde Padam. „Ja, Krum hat ihr einen Korb gegeben. Das war aber auch zu erwarten gewesen.“
    „Psst“, flüsterte Padma plötzlich. „Terry ist im Anmarsch.“
    Im Grunde war dies nicht besonders außergewöhnlich, aber seit der Ankündigung des Balls hatten die Drei kein Wort mit Terry und seinen Freunden geredet. Und Padma hatte direkt einen Verdacht, was nun passieren würde.
    „Hey.“ Terry blieb vor ihrem Tisch stehen und fuhr sich durch die blonden Haare. „Störe ich?“
    „Eigentlich immer“, erwiderte Betty, aber Terry ignorierte sie.
    Stattdessen richtete er seinen Blick auf Skye, die sich plötzlich sehr verletzlich vorkam. Und sich am liebsten unter dem Tisch versteckt hätte.
    „Willst du mit mir zum Weihnachtsball gehen?“, fragte Terry. Er schien wirklich keine Zeit verschwenden zu wollen.
    Padam quiekte leise in ihre Handfläche und sah so aus, als würde sie die beiden wohl am liebsten direkt in den nächstbesten Schlafsaal einsperren.
    Skye blinzelte verdutzt. „Ähm - klar.“
    Terry grinste zufrieden. „Cool.“
    Und dann war er schon wieder verschwunden. Verwundert drehte Skye sich wieder um.
    „Also, das kam plötzlich.“
    Sie wollte es nicht glauben. Terry hatte sie gerade zum Ball eingeladen. Und sie hatte zugesagt.
    Padma schien derweil einen kleinen Nervenzusammenbruch zu erleiden. „Jetzt bin ich die einzige ohne Date“, klagte sie.
    Betty grinste derweil verschmitzt und zwinkerte Skye anzüglich zu. „Gut gemacht, Schwester.“
    Selbst Padma nickte und blinzelte aus ihren Handflächen hervor, die sie sich vor ihr Gesicht geschlagen hatte. Skye ließ sich grinsend in ihren Stuhl zurückfallen. Plötzlich hatte sie ein Date sicher. Nun verstand sie endlich, warum Betty sich so überlegen aufführte.
    „Okay.“ Padma setzte einen grimmigen Blick auf. „Mir reicht‘s. Der nächste, der mich fragt, dem werde ich Ja sagen.“
    „Und Lazare?“, fragte Skye.
    „Der ist mir vollkommen egal.“ Padma warf sich eingeschnappt das Haar über die Schulter.
    „Wow, was eine Emanze du doch bist.“ Betty grinste. „Da kriege ich glatt Gänsehaut.“
    „Sehr lustig.“ Padma rümpfte die Nase. „Ihr werdet schon sehen.“

    Als Skye am Abend im Schlafsaal mit einem Schulbuch auf ihrem Bett lag, fiel ihr plötzlich wieder der hübsche, marineblaue Festumhang ein. Seit dem Kauf im Sommer hatte sie nicht mehr an ihn gedacht. Und jetzt würde es nicht mehr lange dauern, bis sie damit über eine Tanzfläche schreiten sollte.
    Skye schwang sich aus dem Bett und zog dann ihren Koffer darunter hervor. Dort bewahrte sie normalerweise diese unnötigen Dinge auf, die man zwar immer mitnahm, aber im Grunde nicht brauchte.
    Dazu gehörte eigentlich auch der Festumhang, der trotz der langen Zeit im Koffer in keinster Weise zerknittert war. Ihre Mutter würde das wahrscheinlich unglaublich finden, aber für Skye war es mittlerweile nichts Besonderes mehr.
    Die anderen Mädchen im Schlafsaal schien es nicht zu interessieren, was Skye da auf dem Boden tat. Vorsichtig ließ sie den zarten Stoff durch die Finger gleiten. Zwar kannte sie sich nicht besonders gut damit aus, aber das luftige Material erinnerte sie ein wenig an die Umhänge der Beauxbatons.
    Vorsichtig legte sie den Umhang auf ihre Decke und schob den Koffer wieder unter das Bett. Es war eine sehr angenehme Vorstellung, sich nun keine Sorgen mehr wegen einem Date machen zu müssen. Terry war ein guter Freund und im Grunde hatte sie sich das auch gar nicht anders vorgestellt.
    Verrückt, dachte Skye kopfschüttelnd. Jetzt habe ich gleich zwei Dates uf einmal.
    Ethan tat ihr ein wenig leid. Schließlich hatte er zuerst gefragt. Aber was sollte sie tun? Ihn nach Hogwarts mitnehmen?
    Sie hatte schließlich nicht vorgehabt, alles doppelt zu erleben. Nur das Nötigste. Und jetzt hatte sie plötzlich Schuldgefühle.
    Was war mit Padma und Betty, sollte sie ihnen davon erzählen? Es war ihr irgendwie peinlich. Skye wusste nun, warum Betty diesen Kram selbst vor ihren besten Freundinnen nicht herumposaunte. Natürlich konnte Skye sich schon denken, dass sie wahrscheinlich einen der Weasley-Zwillinge gefragte hatte, aber trotzdem verstand sie diese Verschwiegenheit gut.
    Seufzend schob Skye den Festumhang ein wenig beiseite und setzte sich. Das alles war auch wirklich viel zu kompliziert.

    BILD: Wer wohl?

    20
    ((bold))((navy))Kapitel 19: DER WEIHNACHTSBALL((ebold))((enavy)) Nun, da Weihnachten immer näher rückte, stieg die Aufregung noch mehr. Das Schloss

    Kapitel 19: DER WEIHNACHTSBALL

    Nun, da Weihnachten immer näher rückte, stieg die Aufregung noch mehr. Das Schloss wurde zurechtgemacht und so prunkvoll geschmückt, wie Skye es noch nie gesehen hatte. Weihnachten in Hogwarts war ihre Lieblingszeit. Ein dekoriertes, altes Schloss, davon bekam man diese festliche Stimmung, von der man sonst nur in Büchern hörte.
    In diesem Jahr lag natürlich der Schatten des Weihnachtsballs über allem. Padma wusste sich mittlerweile nicht mehr zu helfen, denn ihre ständigen Abfuhren hatten sich herumgesprochen und so traute sich kein Junge mehr, sie zu fragen.
    „Das ist doch hoffnungslos“, murrte sie bei jeder Gelegenheit.
    „Vielleicht solltest du Nonne werden“, sagte Skye grinsend, woraufhin Betty ihr einen fragenden Blick zuwarf.
    Diese sagte zum Thema Weihnachtsball kein Wort mehr und sang lieber Lobeslieder über Professor Flitwick, der in den letzten paar Stunden vor den Ferien den Unterricht einstellte und sie einfach spielen ließ. Lehrer wie Snape sahen das Ganze ein wenig anders. Er kündigte eine Gegengiftprüfung an, was Skye äußerst erzürnte. Und besser wurde es nicht gerade, als Professor Vektor ihnen einen riesigen Aufsatz über den bisherigen Stoff des Schuljahres aufbrummte.

    „Für einen Quidditch-Spieler ist das schon ziemlich traurig“, sagte Jay.
    „Aber für den ersten Platz hat es Krum trotzdem gereicht. Vielleicht überlegt er sich beim nächsten Mal etwas Besseres.“ Skye grinste.
    Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Tracey zielstrebig in einen ganz anderen Gang einbog und kein einziges mal zurückschaute. Skye runzelte verwundert die Stirn, denn normalerweise verließen die Drei immer zusammen das Klassenzimmer für Arithmantik.
    „Wo will die denn hin?“, fragte sie verdutzt.
    „Irgendein Treffen“, antwortete Jay schnell. „Wir können schon mal vorgehen.“
    Für einen Moment blieben beide stumm, während sie nebeneinander den Gang entlangliefen. Es war Jay, der die Stille brach. Und er schien plötzlich ungewöhnlich aufgeregt.
    „Und - ähem - das mit dem Weihnachtsball habt ihr doch auch sicher schon mitbekommen, nicht?“
    Skye schnaubte. „Wie könnte man nicht?“ Und dann ahnte sie, was jetzt kommen würde. Das Herz rutschte ihr plötzlich durch die Hose in das nächste Stockwerk.
    „Willst du mit mir hingehen? Also zum Weihnachtsball, du weißt schon.“ Jay, der vorher starr nach vorne geschaut hatte, warf ihr einen kurzen Blick zu. Und Skye fühlte sich schrecklich.
    „Wirklich gerne“, antwortete sie kleinlaut. „Aber um ehrlich zu sein - ich habe schon einen Partner.“
    Zum ersten Mal in in ihrem Leben sah Skye, wie Jay rot wurde. Es kam ihr seltsam vor, ihn plötzlich so unsicher zu sein. Sie hätte nie gedacht, dass vielleicht sie der Grund dazu sein konnte.
    „Oh, kein Problem“, sagte er schnell. „Das - ähem - wusste ich nicht.“
    „Tut mir leid. Wirklich.“ Skye log nicht. Aus irgendeinem Grund fühlte sie sich nun schrecklich schuldig.
    „Weißt du, ich muss jetzt auch leider los.“ Jay beschleunigte.„Professor Snape wollte noch mit mir reden.“
    Skye hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten. „Es tut mir echt leid, ich -“
    Schon war er um die nächste Ecke verschwunden. Skye blieb bedröppelt stehen. Hatte sie gerade wirklich alles kaputtgemacht?
    Plötzlich wünschte sie, dass Terry sie gar nicht erst gefragt hätte. Aber jetzt war es zu spät.

    So begannen die Ferien für Skye direkt mit einem negativen Beiklang. Sie fühlte sich wahnsinnig schlecht wegen der Abfuhr und viel geholfen hatte es auch nicht, als Ethan einen Notizzettel mit „Frohe Weihnachten“ in ihre Zeitung gesteckt hatte.
    Skyes Mutter fand das unglaublich toll und erzählte ungefragt Kindheitsgeschichten, ihr Vater war jedoch eher weniger begeistert. Ein Junge, und dann noch ein älterer, das gefiel ihm kein bisschen. Skye versicherte ihm daraufhin, dass sie nichts von Ethan wollte.
    Weihnachten war die reinste Qual für sie. Der Plum Pudding schmeckte zwar so großartig wie immer und es machte wirklich Spaß, einen Spielenachmittag mit ihren Eltern zu veranstalten, aber insgheim war sie mit den Gedanken schon beim Ball. Sky war so geistig abwesend, dass sie sogar bei einfachen Spielen versagte.
    Das Geschenk war dafür großartig: Sie bekam eines der mobilen Telefone, die plötzlich jeder in der Schule zu haben schien. Es war praktisch und klein; Skye rief direkt begeistert bei Harper an, die von ihrem selbstgezüchteten Tannenbaum berichtete.
    Als es jedoch langsam dunkel wurde und man die Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn draußen sehen konnte, wurde Skye langsam wirklich aufgeregt. Dabei musste sie den ganzen Tag noch einmal erleben.

    Skye, Betty und Padma schliefen an diesem Morgen besonders lange, schließlich mussten sie sich für den Abend ausruhen. Und die Zeit des Wartens verkürzte sich deutlich.
    Zum ersten Mal waren die drei Freundinnen an Weihnachten zusammen in Hogwarts und es war so großartig, wie Skye es sich vorgestellt hatte. Betty freute sich riesig über das Maxiset Kugelschreiber, das Skye in Wirklichkeit nur ein paar Pfund gekostet hatte. Das sagte sie natürlich nicht und freute sich lieber über die magische Kamera, die sie von den anderen beiden bekam. Sie musste sicher wahnsinnig teuer gewesen sein und so wurde Skye ganz sentimental.
    Sie schlenderten in den Gemeinschaftsraum und schossen dort kunstvolle Bilder vom Kamin, den Bücherregalen und auch eine Nahaufnahme von Emmas wütendem Gesicht wuchs auf Bettys Mist.
    Das Frühstück hatten sie verschlafen und so machten sich die Drei über das köstliche Mittagessen her. Skye wollte sich gar nicht vorstellen, was es am Abend alles geben würde.
    Den Nachmittag verbrachten sie redend im Gemeinschaftsraum, wo sie Marshmallows über dem Feuer rösteten und sich schließlich dazu entschlossen, die sich magisch bewegenden Bilder über Skyes Himmelbett zu hängen. Zufrieden kehrten sie in den Gemeinschaftsraum zurück und begannen mit Stephen Cornfoot und Kevin Entwhistle eine Partie Zauberschach.
    Padma warf den ganzen Nachmittag über aufgeregte Blicke auf die Uhr, bis sie schließlich Betty und Skye davon überzeugen konnte, dass sie sich langsam auf den Ball vorbereiten sollten.
    „Das ist doch noch viel zu früh“, sagte Betty anklagend, trottete den anderen aber trotzdem missmutig hinterher.
    Mandy und Sue waren im Schlafsaal schon wild zugange - was Padmas Stress nicht gerade half. Skye hatte ihren Festumhang ordentlich aufgehängt und legte ihn jetzt wieder vorsichtig aufs Bett.
    Mandy warf Betty, die ihren knallroten Umhang aus dem Koffer hervorkramte, einen abwertenden Blick zu. „Mit wem geht ihr eigentlich?“
    „Terry“, antwortete Skye.
    Davon, dass auch Jay sie gefragt hatte, hatte sie noch keinem Menschen erzählt. Nicht einmal Betty und Padma. Es fühlte sich einfach zu privat an.
    „Ron Weasley.“ Padma nahm sorgfältig ihren türkisblauen Umhang von seinem Bügel.
    Sie klang nicht gerade begeistert (ihre Schwester hatte wohl mit Harry Potter eine viel bessere Partie gemacht), aber schlussendlich war sie einfach nur froh, dass sie überhaupt einen Partner abbekommen hatte. Es war nicht so romantisch wie erwartet gewesen, denn im Grunde hatte Parvati sie einfach beim Abendessen gefragt, ob sie noch immer niemanden hatte, und Padma war nichts anderes übriggeblieben als zuzustimmen.
    Skye fühlte sich irgendwie seltsam, als sie schließlich den Festumhang angezogen hatte und sich im Spigel betrachtete. Keine Frage, er war noch genauso schön wie in den Sommerferien, aber diese ganze Sache, die kam viel zu plötzlich. Den Zeitumkehrer hatte sie für diesen Abend abgelegt und sorgfältig unter ihre Schulbücher gelegt, wo sicherlich niemand nachschauen würde. Sie fühlte sich seltsam nackt ohne ihn.
    Ein eigenartiges Gefühl der Aufregung breitete sich in ihr aus, aber sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
    Betty sah derweil vollkommen tiefenentspannt aus. Sie war gerade dabei, sich ein Paar Turnschuhe anzuziehen, wobei Skye sie grinsend beobachtete.
    „Man muss sich doch wohlfühlen“, sagte Betty und irgendwie hatte sie recht.
    Padma hastete eilig aus dem Bad und suchte nach irgendwas auf ihrem Nachtschränkchen.
    „Das sieht toll aus“, bemerkte Skye mit einem Blick auf Padmas Frisur.
    Sie hatte ihr langes, dunkles Haar sorgfältig zur Hälfte hochgesteckt und fummelte jetzt an einem Paar Ohrringen herum.
    „Danke.“ Padma lächelte nervös. „Ich kann euch euch was machen, wenn ihr wollt.“
    Betty winkte ab. „Bei so vielen Haarnadeln kriegt man ja Kopfschmerzen.“
    Skye jedoch nahm das Angebot an und in wenigen Minuten hatte Padma eine beeindruckende Hochsteckfrisur gezaubert. „Mum kann so was noch viel besser“, erklärte Padma. „Sie hat es uns beigebracht.“
    „Süß“, kommentierte Betty das Ganze, die sich auf ihr Bett gelegt hatte und den beiden zuschaute.
    „Wie sehe ich aus?“, fragte Padma und drehte sich schwungvoll um die eigene Achse.
    „Wie Gilderoy Lockhart.“ Betty stand grinsend auf. „Wenn sich alle fertig betrachtet haben, können wir doch nach unten gehen.“
    Damit war jeder einverstanden und so liefen die Mädchen vorsichtig die Treppe des Schlafsaals hinunter und traten in einen vollen Gemeinschaftsraum, der von grellen Festumhängen gefüllt war. Die ersten Paare standen schon beisammen und Skye hielt aufgeregt Ausschau nach Terry. Betty und Padma, die beide ihren Partner in der Eingangshalle treffen würden, wirkten um einiges entspannter.
    „Da sind sie“, sagte Padma leise zu Skye und zeigte zur Tür des Gemeinschaftsraums, wo Terry und Michael zusammenstanden, Mandy inklusive. Skye war froh, dass ihre Freundinnen sie wie eine Horde Bodyguards begleiteten und auch bei der Gruppe stehenblieben.
    „Hey.“
    „Hey.“
    „Du siehst - ähem - hübsch aus.“ Terry kratzte sich nervös am Hinterkopf. Der Anblick von Betty und Padma schien ihn sichtlich einzuschüchtern.
    Michael hingegen grinste ihnen entspannt zu. Mandy stand in einem cremefarbenen Umhang neben ihm und beäugte die Drei neugierig.
    Skye war unendlich dankbar, als Betty die unangenehme Stille brach. „Wollt ihr hier weiter Wurzeln schlagen oder auch endlich nach unten gehen?“

    Die Eingangshalle war brechend voll. Überall tummelten sich Schüler in festlichen Umhängen. Es war ungewohnt, sie so zu sehen, und Skye zupfte nervös an ihrem marineblauen Festumhang herum.
    „Nun denn.“ Betty grinste breit wie ein Honigkuchenpferd. „Ich bin dann mal weg.“
    „Werden wir jetzt erfahren, mit wem du gehst?“, fragte Padma.
    „Fred oder George?“, fügte Skye hinzu.
    Betty ließ ihren Blick suchend über die Menge wandern. „Da ist er.“ Sie winkte irgendjemandem zu. „Lee!“
    „Warte, was?“ Padma sah überrascht zu, wie Betty zielstrebig in Richtung einer Gruppe Gryffindors lief.
    „Dieses Mädchen ist viel zu mysteriös“, bemerkte Skye.
    Neugierig beobachteten die beiden, wie Betty sich fröhlich bei Lee Jordan unterhakte. Skye kannte ihn nur als Quidditch-Kommentator und besten Freund der Weasly-Zwillinge. An diesem Abend sah er jedoch ziemlich schick aus. Sein Festumhang hatte eine dunkle, weinrote Farbe. Eine perfekte Ergänzung zu Bettys Warnschild-Look.
    „Ich wusste gar nicht, dass sie sich so gut mit den Gryffindors versteht“, bemerkte Terry, von dem Skye fast vergessen hätte, dass er überhaupt da war.
    „Uns erzählt sie ja nichts.“ Padma zog eine Schnute.
    Gleich darauf kam jedoch die aufgeregt aussehende Parvati mit klimpernden Armreifen angerauscht. Stürmig umarmte sie ihre Schwester und sogar die peinlich berührte Skye, die gar nicht damit gerechnet hatte.
    „Ihr seht alle so hübsch aus“, schwärmte sie und fummelte an Padmas Festumhang herum. Skye war froh, dass ihr das erspart blieb.
    „Ich liebe deinen Umhang“, sagte Mandy mit leuchtenden Augen, die sich an Michaels Arm klammerte.
    Auch Skye nickte zustimmend. Parvati trug einen knallrosanen Umhang und goldenen Schmuck, der ihre gebräunte Haut glänzend zur Geltung brachte.
    „Ron wartet schon auf dich“, teilte sie ihrer Schwester mit.
    Padma nickte, nur in ihren Augen konnte man die Aufregung erkennen.
    „Viel Spaß“, sagte sie zu Skye. „Wir sehen uns später.“
    Und dann verschwand sie mit ihrer Schwester. Skye sah ihr fast schon etwas wehmütig nach. Obwohl sie die jüngste der Drei war, fühlte sie sich fast wie eine sentimentale Mutter, als die beiden anderen ausschwärmten. Betty war nirgendwo zu sehen, aber endlich öffneten sich die Türen der Großen Halle und Skye hatte nun keine Zeit mehr, nach ihr zu suchen.
    „Wollen wir?“ Terry streckte ihr grinsend die Hand entgegen und Skye verdrehte die Augen.
    „Schleimer.“ Trotzdem hakte sie sich bei ihm unter.
    „Die haben sich aber echt Mühe gegeben.“ Terry pfiff beeindruckt.
    Dabei hatte er recht: Die Große Halle sah wirklich atemberaubend aus. Überall glitzerten ihnen Eiskristalle entgegen und der Festsaal war gefüllt mit kleinen Tischen, die sich sofort mit Schülern füllten.
    Angeführt von Michael und Mandy schritten sie mit vielen anderen aufgeregt redenden Paaren in die Große Halle. Überall sah Skye bekannte Gesichter. Da war Emma, die mit Marcus Belby, Marietta und Keith Warrington beisammenstand. Sogar Anthony hatte sich mit ein paar Hufflepuffs einen Tisch besetzt - er ging mit Susan Bones. Dabei erwischte Skye sich, wie sie eigentlich nur nach einer Person Ausschau hielt.
    Terry ergatterte Plätze für sie am Tisch der anderen Ravenclaw-Viertklässler. Kevin Entwhistle und Stephen Cornfoot saßen dort, die beide Mädchen aus der dritten Klasse mitgebracht hatten.
    Als sich alle gesetzt hatten, kamen die Champions mit ihren Partnern in die Halle geschritten. Skye sah Parvati grinsend an Harrys Arm hängen und Fleur Delacour, deren Partner von Viktor Krum verdeckt wurde. Zu ihrer Überraschung schritt Hermine neben ihm durch die Halle, die sich für diesen Abend wirklich besonders aufgehübscht hatte. Man erkannte sie fast gar nicht. Cho und Cedric Diggory liefen fröhlich grinsend durch die Menge und Emma jubelte währenddessen so laut, dass selbst Skye es hören konnte.
    Terry begann sofort eine intensive Konversation mit Stephen, als der Jubel abgeebbt hatte.
    „‘allo! Skye!“
    Verwundert sah sie sich um und brauchte ein paar Sekunden, um Anaïs in der Menge auszumachen, die ihr fröhlich zuwinkte.
    „Ich gehe mal kurz zu denen rüber“, teilte sie Terry mit, der ihr abwesend zunickte.
    Der glitzernde Festumhang von Anaïs blendete sie schon von weitem. Er sah aus wie aus flüssigem Gold gemacht und musste schrecklich teuer gewesen sein. Aber der Junge, der neben ihr stand und ihre Hand hielt, beeindruckte Skye noch viel mehr.
    „Randolph?“, fragte sie überrascht, als sie bei den beiden ankam.
    Es war ungewohnt, ihn in einem samtigen, schwarzen Festumhang zu sehen und nicht in der Quidditch-Montur. Skye bemerkte jedoch direkt, wie glücklich er schien.
    „I’r schpielt doch Quiddisch zusammen, nischt?“, fragte Anaïs fröhlich.
    „Ja“, antwortete Skye noch immer ein wenig verdutzt. Aber sie musste zugeben, die beiden gaben ein hübsches Paar ab.
    Randolph grinste. „Hast du schon Rogers Partnerin gesehen? Er geht mit Fleur Delacour.“
    Skye musste lachen. „Im Ernst jetzt?“
    „Ja.“ Anaïs nickte todernst. „Isch dachte auch immer, i‘r ‘ättet eine Beziehung.“
    Das fand Skye noch lustiger. „Klar doch.“
    Roger Davies und Fleur Delacour. Sie hatte einiges erwartet, aber nicht das.
    „Hast du die Champions noch nicht gesehen?“, fragte Randolph.
    Skye zuckte mit den Schultern. „Nicht so gut. Ich gehe sie mir gleich anschauen.“
    Noch immer ziemlich amüsiert verabschiedete sie sich von dem Paar und schlenderte weiter durch die Große Halle. Überall saßen redende Schüler an den Tischen. Auch Betty hockte mit Lee und den anderen Sechstklässlern aus Gryffindor zusammen und winkte Skye aus der Ferne zu. Sie freute sich riesig für ihre Freundin, als sie bemerkte, wie glücklich Betty wirkte.
    Und dann sah sie den Tisch ihrer Freunde aus Slytherin. Skye blieb abrupt stehen. Theo und Tracey unterhielten sich angeregt; sie schienen Plätze freizuhalten. Jay war nirgendwo zu sehen.
    Skye fühlte sich schuldig, weil sie bei dem ganzen Trubel kein einziges Mal an Tracey gedacht hatte. Also lief sie zielstrebig auf die beiden zu und setzte sich an einen der freien Plätze.
    „Skye!“ Auch Tracey sah so fröhlich aus, dass es fast schon kitschig wirkte. „Du siehst toll aus.“
    Skye lächelte schwach. „Du auch.“
    Tracey trug einen wallenden, smaragdfarbenen Umhang, der großartig zu ihren roten Haaren passte, die sie elegant hochgesteckt hatte.
    Theo warf Skye einen vorwurfsvollen Blick zu. „Warum hast du Jay einen Korb gegeben?“
    Skye hatte schon etwas Ähnliches erwartet. „Weil ich schon jemand anderem zugesagt habe.“ Sie seufzte. „Ich habe auch so schon genug Schuldgefühle.“
    „Wem denn?“
    „Terry Boot“, antwortete Skye und sah peinlich berührt nach unten, während Theo etwas Abfälliges murmelte.
    Tracey warf ihm einen warnenden Blick zu. „Und ich bin extra nach Arithmantik direkt verschwunden“, sagte sie. „Aber ich verstehe schon. Es war vielleicht einfach ungünstig.“
    „Mit wem geht er denn jetzt?“, fragte Skye leise, als könnte er sie hören.
    „Nadia Selwyn“, antwortete Theo.
    „Sie ist ein Jahr über uns“, fügte Tracey hinzu.
    „Was hat er denn mit der zu tun?“, fragte Skye eine Spur zu scharf. Sie wusste, dass Nadia auch eine Slytherin war. Aber das Jay mit einer Fünftklässlerin gehen würde, hatte sie nicht erwartet.
    „Freunde der Familie.“ Tracey zuckte mit den Schultern. „Sie sind noch bei den anderen Fünftklässlern, da vorne.“
    Skye folgte Traceys Blick und entdeckte ihn nun auch: Jay stand mit einem blonden Mädchen in blassrosanem Festumhang bei einem Grüppchen älter aussehender Slytherins. Er schien sie nicht zu bemerken und so nutzte Skye die Chance, ihn zu beobachten. Jay trug einen pechschwarzen Umhang, der ihm wirklich gut stand, und plötzlich fühlte Skye sich, als wäre sie überfahren worden.
    „Wir können sie rufen“, schlug Tracey vor.
    „Lieber nicht.“ Skye stand schnell auf. „Ich sollte wieder zu den anderen gehen, ihr wisst schon -“
    Bei Theos Blick verstummte sie schlagartig und trollte sich lieber. Er sah so aus, als würde er ihr niemals verzeihen, was sie seinem besten Freund angetan hatte.
    Während Skye zurück zu ihrem Tisch lief, fühlte sie sich schrecklich. Einfach nur schrecklich. Gerade wartete Terry auf sie, der sie gefragt hatte, aber nicht wusste, dass sich in ihr plötzlich das bittere Gefühl der Eifersucht breitmachte. Und dann war da Jay, der jetzt mit einer anderen zum Ball ging, nur weil sie sich so idiotisch angestellt hatte. Und keiner von ihnen wusste überhaupt, dass in einer anderen Dimension ein Muggel namens Ethan existierte, mit dem sie sich in den Ferien verabredet hatte. Skye wollte zu Betty oder Padma gehen und ihnen von diesem Dilemma erzählen, aber dann würde sie wahrscheinlich beiden den Abend ruinieren.
    Also setzte sie sich wieder zu den anderen, die sich fröhlich unterhielten.
    „Hey“, sagte sie leise zu Terry, während sie sich neben ihn setzte.
    Er sah sie prüfend an. „Alles in Ordnung?“
    „Klar.“ Skye lächelte und versuchte, nicht mehr an diese ewig lange Liste von Problemen zu denken.
    Bald begann das Festessen und die Schüler luden sich zufrieden die Teller voll. Auch Skye suchte sich das Essen mit dem besten Namen vom Menu aus, bestellte es (man musste seinen Wunsch nur aussprechen) und ein fein duftendes Gericht erschien vor ihr auf dem schimmernden Goldteller.
    Skye unterhielt sich freundlich mit den anderen Ravenclaws - mit denen sie normalerweise nicht besonders viel redete. Hin und wieder huschte ihr Blick zu dem Tisch der Slytherins, aber mehr als Jays Rücken bekam sie nicht zu sehen.
    Als sie beim Nachtisch waren, beugte Terry sich verschwörerisch zu ihr hinüber. „Hat Betty dir schon erzählt, dass ihre Mutter in den Ministeriumsakten nach meinen Eltern sucht?“, fragte er leise.
    „Echt?“ Skye sah ihn überrascht an. „Hat sie schon etwas gefunden?“
    Terry zuckte mit den Schultern. „Sie hat noch nicht zurückgeschrieben.“
    Als das Festessen beendet war und sich alle voll und zufrieden fühlten - auch Skye hatten die leckeren Gerichte aufgemuntert, schwang Professor Dumbledore, der sich natürlich auch festlich eingekleidet hatte, den Zauberstab und ließ eine Tanzfläche in der Mitte der Halle erschienen, sowie eine Bühne mit Instrumenten.
    „Die Schwestern des Schicksals sollen gebucht worden sein“, sagte Mandy aufgeregt.
    Skye musste lächeln. Betty liebte die Schicksalsschwestern. Und wirklich: Nachdem die Band auf die Bühne gelaufen kam und die gesamte Halle in Jubel ausbrach, schien Betty nach den vier Champions eine der ersten zu sein, die Lee auf die Tanzfläche zog.
    Skye beobachtete unauffällig, wie Tracey und Theo sich erhoben, gefolgt von Jay und der blonden Nadia. Das zwang sie nahezu dazu, einen plötzlichen Entschluss zu treffen.
    „Willst du tanzen?“ Sie wandte sich an Terry, der etwas verdutzt schien, aber trotzdem nickte.
    „Dir ist schon klar, dass ich nicht tanzen kann“, teilte er ihr mit, während sie zu den anderen liefen.
    „Ich auch nicht.“ Skye zuckte mit den Schultern.
    Die beiden orientierten sich an den anderen, die ziemlich sicher durch die Große Halle tänzelten. Skye erhaschte einen Blick auf Cho, die sich geübt mit Cedric Diggory im Kreis drehte.
    Und da waren Betty und Lee, die beiden kicherten über etwas, das wohl nur sie verstanden. Mit ihren Turnschuhen musste Betty das Tanzen wohl ziemlich leicht fallen.
    „Diese Absätze sind ja tödlich“, beschwere Terry sich, nachdem Skye ihm ein weiteres Mal auf den Fuß trat.
    „Tschuldigung“, sagte sie schnell und versuchte, etwas vorsichtiger durch die Gegend zu stöckeln.
    „Das habe ich mir wirklich einfacher vorgestellt“, stellte Skye fest, nachdem die Schicksalsschwestern ihr erstes Lied beendet hatten.
    „Kurze Pause?“, fragte Terry.
    „Gerne.“
    Die beiden schlenderten zum Rand der Tanzfläche, wo man einen angenehmen Ausblick hatte, ohne sich derartig anstrengen zu müssen. Skye beobachtete unauffällig, wie auch Jay und seine Partnerin sich für eine kurze Pause zu entscheiden schienen. Sie schlenderten von der Tanzfläche und dabei schien Jay Skyes Blick zu bemerken. Sie schaute peinlich berührt weg.
    „Was hat Padma eigentlich mit diesem Ron Weasley zu tun?“, fragte Terry plötzlich.
    Skye zuckte mit den Schultern. „Das war mehr oder weniger Notwehr. Parvati hat sie verkuppelt.“
    Sie folgte Terrys Blick, der zusah, wie Padma schwungvoll von ihrem Tisch aufstand, wo Harry und Ron saßen, und auf die Tanzfläche schritt. Sie stellte sich neben ihre Schwester, die mit einem Franzosen redete und dann tauchte plötzlich Lazare wie aus dem Nichts auf.
    „Ich glaub‘s ja nicht.“ Skye sah überrascht dabei zu. „All das und jetzt will er doch mit ihr tanzen?“
    Terry rümpfte die Nase. „Willst du hingehen?“
    „Ist mir eigentlich egal“, erwiderte Skye schulterzuckend.
    „Gut, dann gehen wir.“
    Energisch stapfte Terry wieder in Richtung Tanzfläche, während Skye ihm verdutzt folgte. Padma lag schon in Lazares Armen und sah dabei äußerst zufrieden aus.
    Skye zwinkerte Padma grinsend zu, als sie zu ihnen stießen.
    „Salut“, begrüßte Lazare sie fröhlich.
    „Ron Weasley war absolut schrecklich“, sagte Padma leise zu Skye. „Hat die ganze Zeit nur gemeckert und Hermine Granger angestarrt. Ein absoluter Reinfall.“
    „Hast du Betty gesehen?“, fragte Skye.
    „Klar.“ Padma nickte. „Das mit Lee hätte ich wirklich nicht erwartet.“
    Skye zuckte mit den Schultern und musste grinsen. „Viel Spaß euch noch.“
    Nachdem Terry wohl auch nichts zu sagen hatte, verließen sie wieder die Tanzfläche und ließen sich an den Tisch fallen, wo Stephen und seine Partnerin sie empfingen.
    „Ich sehe Michael nirgendwo“, wunderte Terry sich.
    Stephen schnaubte. „Der steht draußen und streitet sich mit Mandy.“
    „Mandy?“ Skye grinste belustigt.
    „Was ist denn passiert?“, fragte Terry.
    „Er hat Fleur Delacour nach einem Tanz gefragt. Das fand Mandy wohl nicht besonders lustig. Sie hat irgendwas von ‚Padmas Wahrheit‘ erzählt.“
    Skye konnte sich gerade noch zusammenreißen, um nicht anzufangen zu lachen. Das würde wahrscheinlich nicht besonders nett kommen. Dabei fand sie es insgeheim unglaublich amüsant und nahm sich vor, Padma so bald wie möglich davon zu erzählen.
    Terry und Skye wagten sich am Abend nur noch selten auf die Tanzfläche - beide waren sich einig, dass sie ihre Füße in Zukunft noch brauchen würden. Aber dennoch schaffte Skye es, ihre vielen Konflikte für ein paar Stunden zu vergessen. Sie vermied es, zum Tisch der Slytherins zu schauen und war dabei sogar recht erfolgreich. Mandy und Michael kehrten nicht mehr zurück, was Skye jedoch nicht großartig interessierte.
    Je mehr der Abend voranschritt, desto wilder wurden die Lieder der Schicksalsschwestern. Als Terry sich schließlich zu Anthony gesellte, suchte Skye nach Betty, die in ihrem knallroten Kleid unschwer zu übersehen war.
    Sie schien nun schon seit Stunden zu tanzen, ihre Wangen waren gerötet, aber trotzdem sah sie hellauf begeistert aus.
    Lee grinste ihr freundlich zu, nachdem Betty ihn und Skye bekanntgemacht hatte.
    „Wie läuft‘s bei dir?“, fragte Betty über die laute Musik hinweg.
    „Ganz okay“, antwortete Skye und hängte noch ein „Erzähle ich euch später“ hintendran.
    Betty grinste ihr zu und fächelte sich Luft zu. „Warm hier, nicht?“
    „Wir können uns auch einen Drink holen, bevor du hier gleich in Flammen aufgehst“, sagte Lee zu ihr.
    Betty nickte und Skye sah gerührt zu, wie Lee sie von der Tanzfläche zog. Sie freute sich riesig, dass es wenigstens für ihre Freundinnen so klappte wie geplant.
    Auch mit Tracey und Theo wechselte sie ein paar Worte. Die beiden wirkten ebenso glücklich und verlangten, dass Skye sich zu ihnen gesellte, aber als plötzlich Jay in ihre Richtung lief, ergriff sie lieber die Flucht.
    Langsam wurde es immer später und die Schicksalsschwestern stimmten schnulzige Liebeslieder an, die jedoch einiges an Anklang fanden. Verschlungene Paare drehten sich langsam über die Tanzfläche und plötzlich verstand Skye, warum Padma immer so begeistert von diesen romantischen Dingen war. Es war schön. Das musste sich selbst Skye eingestehen. Es war einfach schön.
    Sie saß am Rande der Tanzfläche auf ihrem Stuhl. Terry war noch immer nicht zurückgekehrt und auch die anderen blieben verschwunden. Neben ihr stand ein Glas Kürbissaft, an dem sie ab und an nippte. Mit einem Blick auf die Uhr stellte Skye fest, dass es bald schon Mitternacht war. Der Abend war wirklich im Fluge vergangen.
    Müde ließ sie ihren Blick durch die Große Halle wandern. Fast alle verbliebenen Schüler drehten sich nun über die Tanzfläche. Wie aus Reflex sah sie zum Tisch ihrer Freunde aus Slytherin. Eine einzige Person saß dort und beobachtete die anderen.
    Skye hielt die Luft an, als Jay ihren Blick auffing. Für einen Moment starrte sie ihn einfach nur an, aber dann wandte sie sich ab und griff nach ihrem Kürbissaft.

    21

    Kapitel 20: PROBLEMELÖSEN

    Am nächsten Morgen wachte Skye mit einem schrecklichen Gefühl in der Magengegend auf. Betty und Padma waren schon wach und unterhielten sich angeregt. Während Skye ihren Schwärmereien zuhörte, richtete sie sich langsam im Bett auf und massierte sich die Schläfen.
    „Morgen, du Schlafmütze“, sagte Betty fröhlich.
    „Ich glaube, ich muss kotzen“, stellte Skye elend fest.
    „Sie ist ja fast so gut drauf wie Mandy“, sagte Padma kichernd und Betty prustete los.
    Skye folgte ihren Blicken zu dem Bett mit zugezogenen Vorhängen. Mandy schien beleidigt dort zu liegen, gab aber keinen Mucks von sich.
    Das helle Leuchten des Schnees in der Morgensonne tauchte den Schlafsaal in helles Licht. Die glitzernden Steinchen auf Padmas Festumhang, der ordentlich an einem der Schränke hing, warfen regenbogenfarbene Lichtpunkte an die Wand. Skye hat ihren Umhang am Vorabend nur achtlos über einen der Bettpfosten geworfen.
    „Leute“, sagte sie langsam. „Ich habe etwas echt Dummes angestellt.“
    Bettys und Padmas Gelächter verstummte schlagartig und sie sahen Skye mit großen Augen an. Diese ließ sich frustriert zurück in die weichen Kissen fallen und starrte den blauen Vorhang des Himmelbetts an.
    „Was ist denn passiert?“, fragte Padma neugierig.
    Skye schluckte. „Jay hat mich zum Ball gefragt. Und ich musste Nein sagen. Wegen Terry.“
    Sie hörte ein leises Schnauben von Padma. Diese stand Jay schon immer misstrauisch gegenüber. Aber wie sie im letzten Jahr versprochen hatte, hielt sie sich zurück.
    „Dabei wäre ich viel lieber mit ihm gegangen. Er ist mit irgendeiner Fünftklässlerin aufgekreuzt.“ Sie richtete sich schlagartig auf. „Einer Fünftklässlerin!“
    Skye musste an Nadia Selwyn in ihrem rosanen Festumhang denken. Im Vergleich zu ihr hatte sie nichts zu bieten.
    Betty und Padma hörten ihr stumm zu. Für sie war es eine ernüchternde Nachricht nach solch einem grandiosen Abend.
    „Und das Schlimmste ist“, Skye senkte die Stimme und warf einen Blick zu Mandys Bett, „in meinem - ähem - Heimatort gibt es einen Jungen, der mich eingeladen hat. Und ich habe Ja gesagt.“
    Padma kicherte. „Du bist echt gefragt.“
    Skye hingegen fand das Ganze gar nicht lustig. „Das ist ein riesiges Dilemma.“
    „Sag doch einfach ab“, riet Betty nüchtern.
    „Allen?“
    „Betty hat recht“, gab Padma hinzu. „Sag Terry und diesem Jungen einfach, dass du nichts von ihnen willst. Wenn du unbedingt mit diesem Slytherin gehen willst, dann ist das doch nicht so schwer.“
    „Ich meine . . .“ Skye sah ihre Freundinnen unschlüssig an. Im Grunds war es wirklich die einfachste Lösung. Aber nur, wenn man genug Mumm hatte, um gleich zwei Leuten solch eine Nachricht zu überbringen. Und dazu zählte Skye sich nicht.
    „Wenigstens hattet ihr Spaß“, sagte sie und Betty und Padma grinsten sich an.
    „Lazare hat mich gefragt, ob wir zusammen nach Hogsmeade gehen wollen“, erzählte Padma verträumt. „Ist euch schon mal aufgefallen, dass seine Augen wie die von einem Teddy aussehen? Und wenn er lächelt -”
    „Da kommt‘s mir hoch.“ Betty tat so, als müsste sie sich übergeben. „Keine Sorge, von mir musst du so ein Geschnulze nicht ertragen.“
    Skye grinste, obwohl sich in ihrem Inneren ein bitteres Gefühl breitmachte. Natürlich freute sie sich für die anderen beiden, aber da war Eifersucht. Plötzlich fand Skye ihr eigenes Verhalten plötzlich mehr als bemitleidenswert.
    „Ich kann es noch immer nicht glauben, dass du mit Lee Jordan gegangen bist. Er ist doch praktisch das dritte Rad am Weasley-Wagen“, stellte Padma fest.
    „Die meisten unterschätzen ihn.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Manchmal muss man eben genauer hinschauen.“
    Für diese Aussage bewunderte Skye ihre Freundin sehr. Sie hatte mehr als recht.
    Padma zuckte mit den Schultern. „Deine Sache.“ Sie grinste. „Aber habe ich euch schon von Lazare erzählt? Er -“
    Bevor sie weiterreden konnte, warf Betty ihr eines der Kissen ins Gesicht. Der Schlag hatte gesessen und Padma schnaubte entrüstet.
    „Das wirst du bereuen!“
    Sie holte zum Gegenangriff aus und Skye beobachtete grinsend, wie die beiden sich ihre Kissen um die Ohren schlugen. Ace sprang empört maunzend unter Bettys Himmelbett hervor und stolzierte davon, um sich bei Mandy zu einem Knäuel zusammenzurollen.
    Das nächste Kissen traf Skye genau ins Gesicht. „Grins nicht so blöd!“, befahl Betty.
    Skye war schnell auf den Beinen. Mit lautem Kriegsgeschrei stürzten sich nun Padma und Skye auf die hilflose Betty. Diese verschwand unter einem Haufen Kissen und nuschelte etwas von „unfair“, aber die anderen ließen keine Gnade walten.
    Erst als Mandy den Vorhang ihres Himmelbettes mit einem Ruck aufzog, hörten sie auf. „Könnt ihr mal die Klappe halten?“, beschwerte sie sich entnervt.
    „Lass du lieber mal den armen Vorhang in Ruhe“, gab Betty grinsend zurück.
    „Hoffentlich ist er versichert“, ergänzte Skye und die Drei brachen in hysterisches Gelächter aus.

    Im Grunde waren Ferien etwas ziemlich Schönes. Natürlich nur, wenn man davon absah, was Skye sich vorgenommen hatte. Sie genoss es, mit Betty und Padma winterliche Schneeballschlachten zu veranstalten oder stundenlang im Gemeinschaftsraum Zauberschach zu spielen, aber ständig wanderten ihre Gedanken zu dem Chaos, das allein auf ihren Mist wuchs.
    Immer, wenn sie Terry irgendwo sah, war er mit Michael und Anthony unterwegs. Und sie hatte bei weitem nicht den Mumm, ihn zu einem Gespräch unter vier Augen zu bitten.
    „Du bist unglaublich feige“, stellte Betty fest und Skye konnte noch nicht einmal protestieren.

    Als dann eines Abends die Chance gekommen war, ihn anzusprechen, hätte Skye fast einen Rückzieher gemacht.
    Padma und sie kamen gerade vom Abendessen (Betty war noch bei den Gryffindors unten geblieben) und hatten es nach ewiger Überlegungszeit endlich in den Gemeinschaftsraum geschafft.
    „Schwieriger geht es wohl nicht mehr, oder?“, kommentierte Padma genervt das Rätsel des bronzenen Türklopfers.
    Skye zuckte nur mit den Schultern, denn ihr Blick war auf Terry gefallen, der ausnahmsweise ganz allein in einem Sessel am Fenster saß und in einer Zeitschrift blätterte. Sie stieß Padma aufgeregt den Ellenbogen in die Seite, um sie auf Terry aufmerksam zu machen.
    „Nun geh schon“, flüsterte diese.
    „Plötzlich bin ich mir gar nicht mehr so sicher.“
    Padma verdrehte die Augen. „Skye, du wirst da jetzt hingehen und ihm sagen, was du denkst. Keine Widerrede.“
    Energisch schob sie Skye von sich weg und bevor diese noch ein Wort sagen konnte, sauste Padma in Richtung der Schlafsäle davon.
    Skye seufzte. Natürlich hatte war dies das Richtige.
    Nervös legte sie sich ein paar Worte zurecht, während sie langsam auf Terrys Sessel zulief. Er schien sie nicht zu bemerken.
    „Terry? Kann ich kurz mit dir reden?“
    Skye atmete tief durch. Das Ganze war viel zu nervenaufreibend.
    „Was gibt‘s?“ Er sah sie neugierig an und ließ seine Zeitschrift sinken.
    Der Klitterer. Skye konnte sich daran erinnern, wie Betty ihr einmal davon erzählt hatte.
    Nervös setzte sie sich gegenüber von ihm. „Ich wollte etwas klarstellen“, sagte sie langsam und versuchte ganz gelassen zu klingen. „Der Weihnachtsball war echt lustig mit dir und so, aber - versteh mich nicht falsch - du bist echt nett, nur . . . Ich glaube, das passt nicht.“
    Terry sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Erst grinste er nur, dann prustete er ungehalten los.
    „Hey!“ Skye schmollte. „Was ist denn mit dir los?“
    „Oh man, Skye. Ich dachte nicht, dass - na ja“, sagte Terry mit einem breiten Grinsen. „Keine Sorge, du musst wirklich kein schlechtes Gewissen haben.“
    „Was?“, fragte Skye verwirrt. Jetzt verstand sie gar nichts mehr.
    „Tut mir leid.“ Langsam schien Terry sich wieder zu beruhigen. „Also, dass du das gedacht hast.“
    „Warum hast du mich dann überhaupt gefragt?“
    „Nun ja“, druckste Terry. „Um ehrlich zu sein, ich finde Padma ganz nett.“
    Skye starrte ihn erstaunt an. „Echt jetzt?“
    Sie dachte an Terry, der beim Weihnachtsball unbedingt zu Padma und Lazare gehen wollte. Terry, der sie nur so kurz angebunden eingeladen hatte. Terry, der eigentlich schon seit Ewigkeiten nach Padmas Aufmerksamkeit suchte.
    „Warte mal. Dieses schrecklich schnulzige Gedicht im zweiten Jahr. Das warst du?“
    Terry wurde rot wie eine Tomate. „Könnte man sagen.“
    „Du . . .“, brachte Skye nur hervor, „du . . . Idiot!“
    „Was?“
    „Wenn du Padma magst, warum sagst du ihr es nicht einfach? Jeder wusste doch, dass sie keinen Partner hatte und völlig am verzweifeln war, also warum hast du sie nicht einfach eingeladen?“
    Terry hob abwehrend die Hände. „Also erstens ist das gar nicht so einfach. Und ich wusste doch, dass sie mich abblitzen lässt! Da dachte ich, dass . . .“ Er wurde wieder rot.
    „. . . dass du sie mit mir eifersüchtig machen kannst?“, beendete Skye seinen Satz.
    Sie war völlig fassungslos. Der ganze Ärger für nichts und wieder nichts. Und sie hatte sich so ein schlechtes Gewissen gemacht.
    „Du bist so dermaßen blöd, Terry, das ist unglaublich.“ Skye schüttelte den Kopf.
    „Es tut mir leid. Echt. Ich dachte, das würde funktionieren“, antwortete er verlegen und warf Skye einen kurzen Blick zu.
    Noch immer schockiert starrte sie aus dem Fenster. Sie war nicht eingeschnappt oder wütend, nur völlig überrumpelt von der Tatsache, dass Terry schon seit dem zweiten Jahr - wenn nicht sogar länger - in Padma verliebt war. Jungs waren wirklich außerordentlich doof.
    „Dir ist schon klar, dass sie mit Lazare nach Hogsmeade geht?“, stellte Skye fest. „Und diesmal kannst du mich nicht als Eifersuchtsspielzeug oder so fragen“, fügte sie eingeschnappt hinzu.
    Einerseits war sie froh, dass Terry nicht ernsthaft etwas von ihr wollte. Aber trotzdem fühlte Skye sich in ihrem Stolz ein wenig gekränkt.
    „Was soll ich machen?“ Terry seufzte. „Ich meine, klar, er geht wieder. In einem halben Jahr. Das ist hoffnungslos.“
    „Normalerweise würde ich dir ja helfen.“ Skye schniefte anklagend. „Aber nach dieser Nummer werde ich jetzt erstmal viereinhalb Tage schmollen. Mindestens.“
    „Du bist eine tolle Freundin, Skye, wirklich.“
    „Und du ein richtiger Vollpfosten.“
    Terry seufzte. „Aber sag Padma bitte nichts davon, okay? Das macht das Ganze noch schlimmer.“
    „Schon gut.“ Skye verdrehte die Augen. „Zu ihrem Wohle. Lazare ist sowieso eine viel bessere Partie.“
    „Hey!“, meckerte Terry beleidigt. „Wenn wir schon dabei sind, dann sag du doch mal. Warum hast du mir das überhaupt mitteilen wollen?“
    Skye fühlte sich, als hätte Terry ein viel zu überspanntes Gummiband zerissen. „Snape und ich wollen heiraten, deswegen. Natürlich nur unter deinem Segen.“
    Terry schnaubte belustigt. „Spuck‘s aus, komm schon.“
    Skye stemmte sich eingeschnappt von ihrem Sessel hoch. „Träum weiter.“
    Bevor Terry ihr noch etwas nachrufen konnte, schlängelte sie sich an den Tischen und Sesseln vorbei, geradewegs in Richtung der Schlafsäle.
    Noch immer wollte sie das Ganze nicht glauben. Dieser Junge war wirklich unmöglich.

    Nach Terrys Geständnis fühlte Skye sich seltsam beschwingt. Natürlich warf sie ihm immer einen bedeutungsvollen Blick zu, als Padma am Frühstückstisch mit Lazare herumturtelte. Nachdem Anaïs sich zu Burrow gesetzt hatte, war Padma an ihre Stelle getreten und hatte den freien Platz eingenommen. Terry sah seit neustem ständig so aus, als würde er sich gleich in sein Rührei übergeben. Manchmal hatte Skye sogar fast schon Mitleid mit ihm.
    Meistens jedoch war er ihr vollkommen egal. Stattdessen huschten ihre Blicke zum Slytherin-Tisch hinüber. Dort hatte Skye nämlich noch etwas zu erledigen.
    Als die Ferien sich langsam dem Ende zuneigten, entschloss sie sich, dass es jetzt an der Zeit war, Jay auf das Dilemma anzusprechen. Seit seiner missglückten Einladung hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen.
    Also stand sie eines Morgens vom Ravenclaw-Tisch auf und lief mit zielstrebigen Schritten hinüber zu den Slytherins. Sie kam an Draco Malfoy und seinen bulligen Freunden vorbei (manchmal konnte sie noch immer nicht ganz glauben, dass ihre Freunde und diese Idioten in einem Haus waren), dann kamen endlich die anderen in Sicht. Theo war der erste, der sie bemerkte, und er warf Skye einen derartig bösen Blick zu, dass sie überlegte, geich wieder umzudrehen.
    „Morgen“, kiekste sie, als sie bei ihnen angekommen war.
    Beatrice Thicknesse blickte erstaunt von ihrem Toast auf. Skye vermied sorgfältig Theos Blick. Niemand schien einen Wert darauf zu legen, ihr zu antworten, also redete Skye einfach weiter.
    „Kann ich kurz mit dir reden?“, fragte sie und hängte noch ein kurzes „Jay“ dahinter.
    „Ich würde sagen, dass -“, begann Theo und bedachte Skye mit einem warnenden Blick.
    Theodore“, unterbrach Tracey ihn streng.
    Jay hingegen schälte sich in der Zwischenzeit von der Bank. Seinen Umhang ließ er achtlos liegen.
    Nachdem sich die beiden ein Stück entfernt hatten, konnte Skye nicht mehr an sich halten.
    „Hör zu, ich weiß, dass das Ganze etwas blöd gelaufen ist. Mir hat es wirklich leidgetan.“ Skye erlaubte sich ein schwaches Grinsen. „Und falls du trotzdem noch mit mir zu tun haben willst, können wir ja mal nach Hogsmeade gehen.“
    „Du bist echt unverschämt“, erwiderte Jay. Skye war unendlich erleichtert, als er wieder dieses Grinsen aufsetzte, das sie nun schon so lange nicht mehr gesehen hatte. „Dann muss ich wohl meinen tausend anderen Fans absagen.“
    „Wie großzügig.“ Skye verdrehte die Augen. „Und Theo kannst du bitte auch mal an die Kette legen. Der sieht mich ständig so an, als würde er mir gleich an die Kehle springen.“
    „Mal sehen. Vielleicht wenn du dich gut benimmst.“
    Skye tat so, als müsste sie sich übergeben. Zufällig erhaschte sie dabei einen Blick auf die anderen Slytherins, die sie neugierig angafften.
    „Guck mal, wir haben Zuschauer“, bemerkte sie leise.
    Jay drehte sich um. „Da kriege ich ja Lampenfieber.“
    Unter den prüfenden Blicken der anderen machten sie sich wieder auf den Weg zurück. Skye sah peinlich berührt auf den Boden.
    „Also, Hogsmeade, das steht?“, fragte Jay, bevor sich die beiden trennten.
    Skye drehte sich grinsend zu ihm. „Wenn sich das mit deinen ganzen Fans vereinbaren lässt.“
    Beschwingt schlug sie den Rückweg ein. Es fühlte sich an, als wäre ein riesiges Gewicht von ihren Schultern genommen worden. Unglaublich erleichternd.

    Skye war äußerst zufrieden über diese Errungenschaften. Betty und Padma hatten recht gehabt, es war der einfachste Weg. Dabei war sie noch nicht einmal fertig.
    Das einzige, was ihr nicht ganz behagte, war die Sache mit Ethan. Terry kannte Skye wenigstens seit mehreren Jahren und er würde niemals eingeschnappt reagieren, aber bei Ethan war das ganz anders. Im Grunde wusste sie nichts von ihm. Sie hat keine Ahnung, wie er sich verhalten würde. Und während der Ferien war es noch schwerer, ihn abzupassen.
    Skye hatte mittlerweile herausgefunden, dass er nur an einem Tag der Woche in ihrer Straße unterwegs war. Das erleichterte das Ganze natürlich nicht.
    Skye hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie es anstellen sollte. Und zu allem Übel rückte ihr Date immer näher.
    Und dann war der Tag gekommen, ohne dass Skye auch nur ein Wort zu Ethan gesagt hatte. Sie hatte es viel zu lange aufgeschoben und nun würde er sie am Abend abholen. Es war eine ungünstige Situation, wirklich ungünstig.
    Skye wollte das Ganze wirklich einfach nur beenden. Die Dimensionen waren ohne Liebesdrama wirklich tausendmal besser. Aber wie hätte sie das ahnen können? Bei dem Gedanken, was Professor Dumbledore wohl dazu sagen würde, wurde Skye rot.
    Und deswegen fasste sie am Nachmittag einen Entschluss. Ethan war weder in ihrer Jahrgangsstufe, noch richtig mit ihr befreundet. Sie würde ihm leicht aus dem Weg gehen können. Im Grunde hatte sie nichts zu verlieren.
    Es war genau achtzehn Uhr, als Ethan an der Haustür klingelte. Skye ging langsam in den Flur und atmete tief durch. Sie wusste schon jetzt, dass das seltsam werden würde.
    „Hey“, sagte sie zu Ethan, nachdem sie die Türe geöffnet hatte.
    Er grinste sie an und Skye war das äußerst unangenehm. Er hatte keine Ahnung.
    Bevor Ethan etwas sagen konnte, legte sie los. „Ich weiß, das kommt jetzt etwas plötzlich, aber ich glaube nicht, dass es eine gute Idee war, miteinander auszugehen. Wir kennen uns eigentlich gar nicht und glaub mir, sonst würdest du dir das ganz anders überlegen.“ Sie holte tief Luft. „Tut mir leid, dass es so plötzlich kommt.“
    Ethan schien gar nicht verarbeiten zu können, was Skye da zu ihm sagte. Er schien alles andere erwartet zu haben und starrte sie nur perplex an.
    „Ähem . . . Schönen Abend noch.“
    Skye wurde die Situation äußerst unangenehm und deswegen überdachte sie nicht besonders gut, was sie nun tat. Bevor Ethan etwas antworten konnte, knallte sie ihm die Türe vor der Nase zu. Leise fluchend und rot wie eine Tomate ließ Skye sich auf den Türvorleger fallen. Sie war sich nicht sicher, ob sie diese Abfuhr als gut gelaufen hätte bezeichnen können.
    Zu ihrer Überraschung klingelte Ethan kein einziges Mal. Nach ein paar Minuten stand Skye wieder auf und warf einen vorsichtigen Blick durch das Guckloch. Die Einfahrt war leer. Und Ethan verschwunden.
    Erleichtert atmete Skye auf und setzte einen Haken auf ihre innere Checkliste. Langsam tapste sie in ihr Zimmer zurück, wo sie sich mit voller Wucht auf ihr Bett warf.
    In gewisser Weise tat Ethan ihr leid. Aber Skye hatte getan, was getan werden musste. Und jetzt war der ganze Stress endlich vorbei.

    22
    Hui
    Hui

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (397)

autorenew

Gestern flag
Hallöchen! Ich melde mich auch mal wieder. Das Kapitel dauert noch etwas, da ich im Moment ziemlich viel in der Schule zu tun habe und erst einmal wieder in den Flow reinkommen muss, aaaaber ich arbeite daran. :)
vor 4 Tagen flag
Ich lebe noch, keine Sorge. :D

Uff. Aber ich fühle mich, als wäre ich tot. Die letzte Woche war echt Anstrengung pur. Montag hatten wir Deutschprüfung, Dienstag zwei Präsentationen, Mittwoch Deutsch- und Matheprüfungen, Donnerstag NMG- und Sportprüfung, und Freitag noch Englischprüfung in der Frühstunde. ;-;
Bin ich froh, endlich Ferien zu haben. *^*

Ich freue mich, mal wieder was von dir zu lesen, Halbiblu. :D

Im Alter schätzen bin ich ganz schlecht. xD Aber ich wurde hier, auf TD schon mal auf achtzehn geschätzt. xd

Wir haben alle zusammen Sport, es gibt da nicht wirklich einen „Unterschied“ zwischen Mädchen und Jungs, was Notenbewertung etc. angeht.

Wie immer, stet‘s zu Diensten. xD

Bei uns ist momentan wirklich einfach Sommerwetter. Einige laufen tatsächlich Bauchfrei rum.

Ja, darüber bin ich ebenfalls wirklich sehr froh. xD

@Tigerin: Ich kenne das nur zu gut. Ich werde auch selten nicht als eine der Letzten gewählt. Ich bin zwar nicht gerade eine der Besten im Sport, aber dennoch auch nicht besonders schlecht. Und es gibt da eindeutig schlechtere als mich.

@Leonie: Das klingt wirklich cool. Ich fände es toll, wenn wir auch sowas hätten. xD

Habe ich schon von Freitag erzählt? Also, naja, es gibt eigentlich tatsächlich zwei Geschichten. xD Die Eine von letztem Freitag, da hatten wir so eine Art „Abschluss“ mit unserer Praktikantin. War echt toll. Und wir dürfen sie jetzt beim Vornamen nennen. xD

Das Andere, das war diesen Freitag. Wir dürfen uns immer verkleiden, am letzten Tag vor den Fasnachtsferien, und es kommt eben immer ganz besonders gut an, wenn die Lehrer da mitmachen. Naja, meine Klasse ist grösstenteils mit Trainerhosen oder gar Pyjama gekommen, eine haben Kopfbedeckungen getragen, da wir das sonst im Unterricht nie dürfen. Nur drei haben sich wirklich verkleidet. Ich selbst habe mich gar nicht verkleidet, mir war etwas schlecht, und dann habe ich es eigentlich einfach lieber gelassen. Naja, unsere Lehrerin hat dann halt so ein Kuhkostüm angehabt, und so ne Hexenmaske. Und in der letzten Lektion am Morgen, so um viertel nach elf, ist dann die Lehrerin unserer Parallelklasse kurz reingekommen, das kommt echt oft vor. Aber das war der kleine Fehler in ihrem Plan. Sie hat nämlich genau dieselbe Verkleidung angehabt. Und als unsere Lehrerin dann wieder reingekommen ist, ist sie einfach wortlos hingesessen, was uns sofort Misstrauisch gemacht hat. Sie hat dann auch wirklich rein gar nichts gesagt. Aber wir könnten uns halt nicht sicher sein. Also sind wir dann zu unserer Parallelklasse gegangen, und sehen da dann so unsere Lehrerin stehen, mit nem Licher in der Hand- Gott, das war ein so witziger Anblick-. Und wir deuten so auf sie, und sagen so „Das ist *Name unserer Lehrerin*!“, und die Schüler unserer Parallelklasse haben echt gar nix mitbekommen. xD Und das coole war dann, das die Beiden das dann so gelassen haben, für die letzte Viertelstunde, also, das unsere Lehrerin bei unserer Parallelklasse unterrichtet hat, und umgekehrt. War echt witzig. xD

Uff, diesmal nicht so ein ganz monströser Monsterkommi. xd
vor 7 Tagen flag
Unsere Schülerzeitung ist echt cool, muss ich zugeben. Die Ausgabe zum Schuljahresanfang ist inhaltlich immer ziemlich gleich, Vorstellung der Lehrer, Sekretärinnen, AGs, Lageplan usw., deswegen gibt es immer ein Motto, unter dem das ganze scherzhaft aufgezogen wird, so was wie Wildtier-Safari, Füttern der Hausmeister erlaubt, oder wie ein Forschungsbericht von Aliens, die auf der Erde gelandet sind.

Meine Chucks waren ein bisschen kaputt, aber Chucks dürfen das, das gibt ihnen Charakter. Und Pflegeeltern dürfen nicht an dein Zeug gehen. Naja, die hatten sonst immer kleine Kinder in Pflege und sie hat mir neue gekauft. Trotzdem sch...
vor 12 Tagen flag
Hey, Halbiblu, schön, dass du wieder auf dem Damm bist! Ich freue mich, dass es dir wieder gut geht und ich feue mich darauf, demnächst zu lesen, wie es mit Skye und Co. weiter geht.

An meiner Schule findet der Sportunterricht in erst getrennt statt, ab der 10. wieder zusammen. An meiner alten Schule war das nicht so. Als Mobbingopfer war der Sportunterricht für mich so oder so nicht lustig. Eine Parallel zwischen meinem und Harrys Leben: ich wurde auch immer las Letztes in die Mannschaft gewählt, obwohl ich eigentlich nicht schlecht war, vor allem bin ich eine gute Läuferin. Ich denke nur, rein biologisch werden die Unterschiede in der sportlichen Leistungsfähigkeit ab der 10. eher größer als kleiner. Bei den Kleinen finde ich es eigentlich eher unnötig.

@Leonie: Deine Schülerzeitung klingt echt interessant. Ich war überrascht, als ich nach fast zwei Jahren erfahren habe, dass meine neue Schule überhaupt eine hat...
vor 14 Tagen flag
@Halbiblu: Welcome back! Ich wusste, du kommst wieder. In Um Welten entfernt steckt einfach zu viel Herzblut, als dass du es einfach aufgeben könntest.

Aber ich war etwas besorgt um dich. Schön zu hören, dass es dir wieder gut geht.

Wir haben auch getrennt Sport, aber besagtes Fussballspiel findet halt gemeinsam statt, von wegen Klassenzusammenhalt, blablabla. Ist immer ganz witzig. Wie findest du den getrennten Sportunterricht? Die meisten meiner Mitschüler finden es cool, ich weiß nicht so recht.

Die Altersfrage hatten wir geklärt: wir sind alle entweder gerade 11 Jahre alt geworden, oder werden demnächst 11. Und dann kommt der Hogwartsbrief! 🦉✉

@Leonie: Also, dass ich dich mal in Plauderlaune erlebe... 😉

Eure Schülerzeitung klingt gut. Die Idee, dass die Neuen einen "Leitfaden" von ihren Mitschülern kriegen ist echt gut. Bei uns kriegst du zur Anmeldung die offizielle Schulbroschüre in die Hand gedrückt, mit gestellten Hochglanzfotos und Willkommensbotschaft von der Schulleitung... 😴

Wieso zur Hölle hat deine Pflegemutter deine Chucks weggeworfen???? 😱🙀
vor 15 Tagen flag
Juhuuuu! Du bist wieder da!🎉😃💃

Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass ich jetzt "Skylar Greengrass" lesen müsste... 😱😱😱😱

Okay, das war gemein. Aber die Story ist echt... besonders...


Manchmal muss man halt mal abtauchen. Gerade ich sollte dafür Verständnis haben. Habe ich ja Ende letzten Jahres auch gemacht. Wenn du alles klären konntest und es dir jetzt wieder gut geht, dann ist das schön.

Wir haben erst Ostern wieder Ferien. Aber bis dahin sollte ich es wohl aushalten können. 😉 Ich bin im Moment eigentlich eh lieber in der Schule. Jedenfalls konnte ich zufrieden sein mit meinem Zeugnis und in den zwei bisherigen Tagen des neuen Halbjahres sind Katastrophen bislang ausgeblieben, was heute wohl auch so bleiben sollte. Ich hoffe, das ist bei euch allen auch so!

Die Idee mit den Kleiderfarben hatten ein paar Mädchen aus meiner Klasse. So eine Dreierclique, die haben das erst nur für sich gemacht, dann hat es sich ausgebreitet. Die Jungs haben auch mal probiert, so was zu machen, sind aber am Organisatorischen geschietert. 😂 Heute wird wieder viel gegröhlt werden, wer alles keine Unterwäsche trägt, weil heute der Schal dran ist, und den trägt nicht jeder. 🙄😂 (Wenn man kein entsprechendes Kleidungsstück trägt, macht man einfach einen Strich.) Versucht doch einfach mal, ob ihr was in der Art nicht auch gestartet kriegt.

Du hast ja echt coole Connections, Halbiblu! Schülersprecherin, Verlagssohn...

Aber die Schülersprecherin, die ist für mich ein weiterer Hinweis darauf, dass du vermutlich keine Fünfklässlerin bist. Schülersprecher sind ja eher Oberstufenschüler und die freunden sich weniger mit den ganz kleinen an. Ich schätze, dass du so um die 10te bist, plus minus. Koala vermutlich ähnlich wie du. Cereal auch. Bei Tigerin weiß ich es nicht. Also, definitiv keine 10 Jahre alt, aber sonst... Und Liliana, da weiß man es ja nun wirklich überhaupt nicht! 😉 Was würdest du denn schätzen, in welchem Jahrgang ich bin?

Du merkst, mich hat das Thema des Alters bisher null beschäftigt! 😄

Unsere Schülerzeitung ist zu 90% digital. Aber zweimal im Jahr gibt es eine Printausgabe (die Mitarbeiter kostenlos kriegen, yeah!), eine kleine am Anfang des Schuljahres, auch ein bisschen als Orientierungshilfe für die Neuen, und eine große, teilweise ein bisschen an amerikanischen High School Jahrbüchern orientierte Ausgabe am Ende des Schuljahres. Und ich mache da jetzt das 2. Jahr mit. Ich mache nicht viel, bin so ein bisschen Mädchen für alles, Korrektur lesen, Recherche, Fotos, Layout. Hintergrundarbeit. Die Chefin und der Betreuungslehrer meinen, ich sollte auch mal einen Artikel verfassen oder einen Lehrer interviewen oder so, aber ich weiß nicht worüber bzw. Was ich fragen soll...

Meine neue Pflegemutter hat meine Chucks weggeworfen. 🤬😡😱

Dieser Kommentar hat jetzt geradezu Liliana-mäßige Länge! 😲

Sorry... Ich wollte offener sein, und jetzt "rede" ich zu viel über mich.

@Tigerin: Trelawney würde sagen, dass das unser aller Tod vorhersagt. 💀 Ich finde, es ist fast poetisch! Oder es war das Signal, dass Halbiblu wieder kommt. Aber schade um deinen Schlüsselanhänger ist natürlich schon.
vor 17 Tagen flag
Hallelujah, das hat gedauert, ich weiß. Aber jetzt bin ich back, endlich. Tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber wie gesagt musste ich einiges klären. Und dabei war ich wirklich nicht zum Schreiben in Stimmung.
Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen und habt die Geschichte nicht alle schon abgeschrieben. Zwar muss ich mich wieder etwas eingewöhnen (da so lange nichts gekommen ist), aber ich will auf jeden Fall weiterschreiben. Und jetzt habe ich dreimal Schreiben in einem Satz geschrieben. (Ach man, verdammt)
Und jetzt antworte ich auf alte Kommentare, um zu zeigen, dass - ja - ich noch Lust auf das alles hier habe.

@Leonie: Erwähne es oft genug, dann kommt da schon was. ;) Ich habe mal beim Wichteln HP-Süßigkeiten bekommen und das war mit Abstand das coolste Geschenk.

Ich hoffe dein (und auch natürlich euer) Schuljahr lief bisher ganz gut. Den Februar will ich nämlich etwas motivierter angehen. xD Und im Grunde sind bald auch wieder Ferien, also so gesehen ...

Diese Idee mit den Kleiderfarben ist irgendwie lustig. xD Wer ist da denn drauf gekommen?
Eine gute Freundin von mir ist Schülersprecherin, aber die hat die coolsten Einfälle. Und man ist immer nah dran an den Insiderinfos.

Manchmal frage ich mich, in welchen Klassenstufen ihr so seid. Man kann das natürlich versuchen einzuschätzen, aber sicher ist es ja dennoch nicht. Und mich würde interessieren, auf welches Alter ihr mich schätzt.

Das mit der Schülerzeitung würde mich auch interessieren!

@Koala: Converse werden nie aus der Mode kommen! Ich habe wahrscheinlich sechs Paar oder so ... Man muss eben auf alles vorbereitet sein.

Solche Jungs sind ja super sympathisch (*hust*) ... Habt ihr zusammen Sport? Bei uns läuft das geschlechtergetrennt.

In meinem Kaff jetzt nicht, aber ich wohne in der Nähe von einer Großstadt, da muss ich auch aufpassen. Aber ich hatte schon genug Erfahrung damit.

@Liliana: Wie erwartet mal wieder ein riesiger Monsterkommi. xD

Bei uns sieht es mit dem Schnee im Moment auch etwas karg aus ... Das ist nicht besonders gut wegen der Touristen, aber das ist nur beim nächstgelegenen Kaff so. Mein Kaff ist sowieso ein Sommerurlaubsort.

Ich glaube, ein paar deiner Normalos werden sich auch weiterentwickeln. xD Pubertät und so, da findet jeder zu seiner eigenen Seltsamheit.
J. läuft seit neustem mit einem richtig hässlichen Schal rum, das Jacket lässt er dafür weg. Das sehe ich als Zeichen an, weil N. in der siebten Klasse auch immer so einen abartigen, dünnen, türkisblauen Schal anhatte.
Es freut mich jedenfalls, dass du trotzdem gute Freunde gefunden hast. :)

Bei uns müssen die älteren Vorläufer machen, also die Könige ankündigen. Und dabei trifft man die gruseligsten Menschen, ehrlich. Ich musste letztes Jahr eine Viertelstunde so einen Berg runterlatschen, um bei einem verlassenen Bauernhof zu klingeln. Der Typ sah so aus, als hätte er mich am liebsten behalten.

@Paulina: Schön, dass sie dir gefällt! ^^ Vielleicht liest du ja noch etwas weiter, wenn du Lust hast.

@Alle: Danke für euer Verständis! Normalerweise bin ich nicht so eine Person, die gerne über ihre Probleme redet, aber wenigstens konntet ihr meine Abwesenheit nachvollziehen. An diesem Abend des Kommentars war ich aber auch besonders fertig, deswegen klingt der so dramatisch. Aber ich sollte aufhören, mich zu rechtfertigen, und mich lieber bedanken. Deswegen: Danke! Ich will das Ganze hier nicht aufgeben wegen so einer Phase.
vor 19 Tagen flag
Schade!

Ist das das Ende?

Ich hoffe nicht...

Ich würde nicht nur gern wissen, wie es mit Skye weitergeht, ich würde euch auch vermissen.
vor 21 Tagen flag
"Glück ist zerbrechlich"

Ich habe einen Schlüsselanhänger an meinem Schlüssel (gehabt), ein Steinherz auf dem Glück steht. Das ist mir gestern vom Schlüsselring abgefallen und auf den Boden aufgeschlagen und die Spitze ist abgebrochen.

Was würde Trelawney wohl dazu sagen?
vor 24 Tagen flag
Die Geschichte gefällt mir gut. Spannend und interessante Figuren. (Habe Teil 1 fertig gelesen heute.)
vor 28 Tagen flag
Ich kann den anderen da nur Recht geben, Halbiblu. :)
Nimm dir die Zeit, die du brauchst, Kopf hoch. Und wenn das Hindernis zu gross ist, kletterst du eben. Oder du rammst irgendwas rein, und machst ne Lücke, durch die du kommst. Ich verdrehe den Sinn von sowas echt immer. Oder ändere das ganze zumindest irgendwie. xD

Naja, jedenfalls hoffe ich für dich, dass es dir bald wieder besser geht. :)
vor 28 Tagen flag
Ich hoffe, du kannst bald klären, was dich bedrückt, @Halbiblu! So etwas sollte man nicht zu lange in sich gären lassen, das tut der Seele und den Beziehungen nicht gut!

Aber du packst das schon!
vor 31 Tagen flag
Ich kann dich echt verstehen, Halbiblu! Ich hatte Ende letzten Jahres eine echt üble Phase, da war ich auch zu nichts zu gebrauchen und war sogar überfordert vom Kommentieren hier oder von dem schönen Quiz, dass du erstellt hast, habe bei der Frage nach Geschwistern geheult und wusste beim Rest noch weniger, was ich anklicken soll.

Also nimm dir die Zeit, die du brauchst, um wieder in die Spur zu kommen. Passt schon.

Ins Kissen schreien klingt aber gut!
vor 31 Tagen flag
Ach, Mensch, Halbiblu! Kopf hoch! Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Das weiß ich aus Erfahrung! Gib dem Jahr noch eine Chance, es ist halt noch jung und wenn man jubg ist, macht man schon mal Fehler. Okay, das war eine extrem alberne Metapher...

Manchmal hilft es, mit Freunden oder mit Unbeteiligten, also Leuten, die die Situation nicht schon irgendwie mitbekommen haben und sich also noch keine eigene Meinung gebildet haben, über seine Probleme zu reden, manchmal hilft es, einfach in sein Kissen zu schreien oder gegen seine Gefühle anzurennen (bzw. schwimmen, das war früher meine Methode). Meine beste Freundin schwört auf Schokolade und süße Tiervideos, oder eine neue Frisur.

Lass dir ruhig Zeit mit dem Schreiben. Darum solltest du dir keinen Kopf machen. Hauptsache, dir geht es bald besser.
vor 33 Tagen flag
Es fühlt sich echt blöd an, das nochmal zu sagen, aber es tut mir leid, dass solange kein neues Kapitel mehr gekommen ist.
Etwa seit Donnerstag war die Woche echt 💗, Freitag erst auch, ging dann in etwa wieder und heute bin ich einfach nur wütend über mich selbst. Das Ganze ist etwas zu kompliziert, um jetzt zu erklären, und ich weiß gar nicht, ob ich es überhaupt erklären will.

Ich habe es jedenfalls nicht geschafft, mich zum Schreiben - oder zu irgendwas - aufzuraffen. Eine meiner engsten Freundinnen hatte heute Geburtstag, aber ich war irgendwie gar nicht richtig dabei. Und seit ich zu Hause bin scrolle ich nur gelangweilt durch Tik Tok und höre depressive Lieder. Ich kriege mich echt nicht dazu, an etwas anderes zu denken, was ihr hoffentlich verstehen könnt. Manchmal hat man solche Tage.
Ich muss ganz dringend ein paar Gespräche führen und das regeln. Am liebsten würde ich den ganzen Sonntag durchschlafen, bis ich die Chance dazu habe. Mir ist irgendwie schlecht und ich bin wütend. Auf mich selbst und dass ich so feige bin und nicht mal den Mumm aufbringen kann, mit meiner besten Freundin darüber zu reden. Ich dachte echt, dass 2020 ein gutes Jahr wird, aber jetzt ist der 18. und während ich das schreibe, könnte ich glatt zu heulen anfangen.
Ich melde mich wieder nächste Woche, wenn die Motivtion für ein neues Kapitel wieder da ist. :)
vor 33 Tagen flag
Wait. Die Nachricht ist echt zu lang? Echt jetzt, TD? c.c Und es fällt mir dann ja auch noch so schnell auf. Naja, hier der Rest:

immer nen Heidenspass. Und werden auch immer besser- ich kann jetzt rückwärts fahren. xD

@Koala: Snowboarden kann ich nicht, aber ich denke, ich würde das auch nicht lernen können. Und zwar aus dem simplen Grund, meiner Starrköpfigkeit. Naja, es ist ein halbes Wunder, dass meine Mum es hingebracht hat, mich auf diese Skier zu bringen. xD

Ich bin noch nie U-Bahn gefahren, glaub es, oder nicht. Hätte ich also Air Pods, so wäre das sicherlich keine Gefahr. Aber die tuen in meinen Ohren weh, also trage ich eh lieber Kopfhörer.

@Leonie: Bei mir hat Schule schon Montag gestartet. Naja, ehrlich gesagt hätte ich nichts gegen einen weiteren freien Tag gehabt, weil wir noch diese Französischpräsentationen vor uns hatten, nur wussten wir nicht wann. Hätte also auch auf Montag fallen können. Und ich bin echt nicht so gut in Französisch. xD

Das ist ja mal was cooles, bei uns gibt‘s das nicht. Wir sind eigentlich sowieso viel zu langweilig, ich wünschte, bei mir gäbe es ein wenig mehr Action. Und zwar solche, die nicht nur in Büchern zu lesen ist, sondern die man selbst erlebt. Ich habe ein ziemlich langweiliges Leben, wenn man‘s mal so betrachtet.

@Tigerin: Ui, Ananas? Ich bin so ne langweilige Socke, die immer nur so Schwarz-, Grau-, Weiss- oder Pastelltöne trägt. Grade sind es schwarze, mit weissen Sternen und vorne, bei den Zehen, und das Stoffteil bei der Ferse, die sind auch weiss.
vor 34 Tagen flag
Uff, ich bin noch nicht tot, nein, ich lebe noch. Nach zwei Wochen, nein, ich glaube sogar mehr, wenn ich mich nicht täusche, bin auch ich mal wieder hier. Und endlich hatte ich jetzt auch mal die Zeit, das Kapitel zu lesen. Bei mir ist Schule natürlich wieder Vollgas gestartet, letzte Woche hatten wir Dienstag Französischpräsentationen und wir hatten noch nen Deutschblitzer. Jipi. Und gestern haben wir dann noch Französisch geschrieben. Jipi. Ich dreh durch, dank diesen Vokabeln. ;-;. Und ich bin Dienstag und Mittwoch krank gewesen, weshalb ich die Zeit eigentlich mal dafür nutzen wollte, trotz Halsschmerzen. xP Aaaaber meine Mum hat natürlich mein Handy eingezogen. ;-; Uff, der Kommi wird schön lang, darauf kann man sich schon mal gefasst machen...

Das neue Kapitel... ja, das der Stress vorbei wäre, denkt wohl wahrhaftig nur die liebe Skye. Ist ja nicht so, als würden die beiden auf dieselbe Schule gehen, nicht? Aber- auch wenn dass ganze für Ethan sicherlich auch nicht so dolle war, hat sie dass Richtige getan. Naja, mein Highlight ist natürlich, mal wieder Jay. (Überraschung! xD) Das hättet ihr jetzt sicherlich nicht gedacht, oder? Aber es gefällt mir, dass wir jetzt wieder den alten Jay, den Witzbold vor uns haben, und keinen, der irgendwie sauer, oder enttäuscht ist.

Aber jetzt mal zu euren Kommis... uff, ich bin noch gar nicht dazu gekommen, die alle durchzulesen... ;-;

@Cereal: Also, Skifahren... seit wann fahre ich nochmal? Uff, ich glaub‘, das überfordert mein Gehirn doch gleich schon mal. xD Ich denke, so seit ich fünf oder so bin, also schon so seit sieben Jahren, wenn nicht länger. Als ich fünf war, habe ich auch mit Tennis angefangen. xD Aber bei uns hat‘s auch kaum Schnee, die Abfahrt bestand zur Hälfte aus Erde, und man müsste ganz schön weit rauf, und selbst da, war die Hälfte Kunstschnee. Naja, wenn das so weitergeht, wird‘s in ein, zwei Jährchen keinen Schnee mehr haben. ;-;

Echt? Das ist ja mal was cooles. Wie lange hattest du denn, um dass Bücherregal, oder besser gesagt die Bücher einzusortieren und aufzuräumen? xD Aber nein, Paperblanks kenne ich gar nicht. .-.

Das ist... sicherlich nicht so traumhaft schön, klingt jedenfalls irgendwie so. ^^“
Naja, ich glaube, dass könnte ich zwar schon erwähnt haben, aber auch egal. xD Ich habe einen älteren Halbbruder Väterlicherseits, der ist dreiunddreissig -denke ich. ^^“ und hat den Kontakt zu meinem Dad vor nem guten Jahr abgebrochen. Das einzige, was ich seit dem, von ihm gehört habe, kam von meinen Grosseltern, bei denen er angerufen hat, um schlecht über meinen Dad zu reden. Naja, richtig gekannt hab‘ ich ihn nie, und von einem guten Verhältnis zu wollen wir erst gar nicht zu reden beginnen. Dann habe ich noch zwei kleinere Halbgeschwister Mütterlicherseits, Sechs und Fünf Jahre alt, die kleinste ist mein Schwesterchen und dann noch mein kleiner Halbbruder. Mein kleiner Halbbruder... naja, er wollte mich schon mehrmals umbringen, aber im grossen und ganzen komme ich ganz gut klar mit ihm. Meine kleine Halbschwester, ist ultrasüss, und mit der verstehe ich mich am besten. Sie ist die normalste von allen. xD Mit meinem Stiefvater habe ich nicht gross was am Hut, das mit dem Verhältnis variiert des Öfteren sehr. Manchmal verstehen wir uns gut, manchmal so rein gar nicht. Naja, das ist so, seit ich drei bin, als sich meine Eltern schieden. .-.

Landschildkröten. Eine Freundin von mir, deren Lieblingstier ist auch die Schildkröte, aber sie darf keine haben... ;-;

Nein, Hilfe. o.o
Da bekomme ich dann erst richtig Angst... ich mach um die Tiere immer einen weiten Bogen.

Was ich immer anstelle? Uff... ich hab ne strenge Mum. Machst du was, was der nicht passt, heisst das Handyverbot. ;-;

@Halbiblu: Deine Storys sind wirklich nicht zu überbieten. xD Wir haben eigentlich keine solche Leute an unserer Schule, die meisten sind so öde Normalos, wegen denen dann die ganze Klasse Ärger bekommt. Naja, was soll man machen?

Ich hatte schon keinen Bock mehr, als ich auf meinem Stuhl gesessen bin, nach den Ferien. Aber ich hab‘ mich gefreut, meine Freunde wieder zu sehen, weil ich‘s nie fertig bringe, mich irgendwie in den Ferien mal mit denen zu treffen.

Mein Freundeskreis... naja, vor zwei Jahren war ich so unbeliebt, das ich jede einzelne Pause alleine um diesen damn Pfosten gelaufen bin, bis es endlich wieder geläutet hat. Aber ich habe jetzt aus einer unserer Parallelklassen echt viele Freunde gewonnen. Vor allem mit vier von ihnen verstehe ich mich. Aus meiner eigenen Klasse sind eigentlich vor allem V. und H., am meisten H.. Ich kenne sie seit dem Kindergarten, und es gab da schon die verrücktesten Dinge, aber das passt zu uns. Wir selbst sind immerhin auch etwas verrückt. xD Ausserdem haben wir jetzt auch so ne Art Ich-weiss-nicht-was. Das nennen wir SadLifeRunde. Da sind T., V., H. und ich „drinnen“, dank einer irgendwie witzigen Story, im Klassenlager. Naja, ist wohl an der Zeit, für ne Runde „Liliana‘s experiences that are just stupid“. xD Aber erst mache ich nen kurzen Ausflug in die Schule, ich hab‘ nämlich noch zwei Lektionen bevor endlich Wochenende ist. Na dann, bis später. xD

So, nachdem ich jetzt zwei Lektionen perspektivischem Zeichnen, in denen ich vor Langeweile fast gestorben bin, hinter mir habe, bin ich zurück. Also, das war so: Der Tag begann völlig „normal“, am Morgen wurden wir von einer mit einer auf voller Lautstärke laufender Musikbox in der Hand, durch’s gesamte Lager rennenden Lehrerin geweckt, haben gefrühstückt und haben uns dann auf den Weg gemacht, Wandern gehen. Da haben T. und ich dann ein bisschen gequatscht, V. kam auch schon bald dazu. Und irgendwann hat uns T. dann erzählt, das er eigentlich gar nicht immer so glücklich ist. Er ist nämlich der positivste Mensch den ich kenne. Was manchmal echt zu bewundern ist. Und da kam dann auch H. dazu, als wir auf nen Bus warten mussten. Der hatte so nen Bildschirm, wo man sehen konnte, wie das so mein Busfahrer aussah. Wie ich bin, find‘ ich das natürlich saucool, und übertreibe wieder mal. Naja, es brachte alle zum Lachen. Wir hätten noch in‘s Hallenbad gehen können, aber da V. noch Bauchschmerzen hatte vom vorherigen Tag, sind wir gleich in‘s Dorf. T. war halt die ganze Zeit so down, und wir anderen drei haben so echt alles versucht, um ihn aufzuheitern. Naja, als wir dann wieder im Lager waren, sind wir alle vier so schnell wie möglich duschen gegangen und danach nach oben, in den kleinen Estrich gegangen. Da haben wir dann wieder geredet, vorzugsweise über unsere sad Life’s, und die drei haben dann halt iwie geheult und ich- naja, ich hatte nen üblen Lachflash. Aus welchem Grund auch immer. Ich musste wohl an irgendwas witziges denken, weshalb ich dann lachen musste, so genau weiss ich das auch nicht mehr. Dann wurden wir noch andauernd gestört, von einigen bescheuerten Jungs, die wohl mal wieder ne Deoschlacht veranstalteten oder so, und T. hat noch getanzt. Der kann das echt gut. Und bringt damit immer alle zum Lachen, da er vorzugsweise das Zeug aus GnT abschaut. Er ist sogar noch kleiner als ich, und ich bin schon winzig. Und H. ist dann so die Riesin, sicher so einen Kopf grösser als ich. Und er trägt ne Brille, was ihm irgendwie echt steht. Aber er ist so der sozialste Mensch, den ich kenne. Vor allem im Vergleich zu den anderen Jungs meiner Stufe, der einzige, der da noch so einigermassen normal ist, ist L. Und vielleicht noch der andere L., aber naja. Er ist auch mein Nachbar. Aber zurück, ich schweife mal wieder ab. Danach kam da noch so‘n kleines Liebesdrama, was ich jetzt aber mal weglasse, vielleicht erzähle ich das ja ein andermal. Aber mit dem Klassenlager hab‘ ich noch ne ganze Menge, was Erzählenswert ist. xD

Naja, aber so richtige, gute Freunde, mit denen man so wirklich über alles reden kann, habe ich nicht und hatte ich auch nie. Die drei sind da schon am ehesten so. Auch wenn nur T. ebenfalls auf‘s Gymnasium kommen wird. Gut aus, komme ich eigentlich mit jedem, man kann mit ihnen echt Spass haben, und auch mal was machen, aber naja, so richtig enge bin ich mit denen auch nicht. Ich bin immer schon eher die Aussenseiterin gewesen, die Seltsame, die, mit der niemand was zu tun haben will. Naja, ich bin Hochbegabt, was manchmal gar nicht so toll ist. Wenn man die Antwort auf jede Lösung gleich kennt, und dann immer ewig warten muss, bis alle anderen es auch checken, und sich einfach denkt, dass das doch extrem einfach ist. Und wenn dann alle fertig sind, mit überlegen, schon seit ner halben Stunde streckt, jeder andere schon gefühlte Zehn Mal dran war, keine einzige andere Hand mehr oben ist, und die Lehrerin erst mal auf dich aufmerksam gemacht werden muss, damit du auch mal was sagen darfst, macht echt wahnsinnig. Da würde wohl jeder die Lösung manchmal einfach ohne aufstrecken sagen, weil‘s einfach auf die Nerven geht. Und dann habe ich auch noch ADHS, macht das ganze auch nicht grade viel leichter. Eine meiner Lehrerinnen hat erst letztens so ein Buch, über verschiedene Arten von Hochbegabten gelesen, und da hatte es „Die Rebellin“ drin, deren Beschreibung so ziemlich genau auf mich zutrifft. Naja, soviel zu mir, und meinem Freundeskreis. xD

Nicht alle haben frei gekriegt. ;-; Naja, dafür war ich Königin. Und hab‘ von drei verschiedenen Königsküchen gegessen. xD

Verständnis ist da, bei mir ist‘s auch noch viel zu stressig. ;)

Die sehen aber auch cool aus! :D Eine Freundin von mir, die hat auch Harry Potter Socken, und das, obwohl die so rein gar nichts mit HP am Hut hat. ;-; Habe ich erzählt, das ich ein Ravenclaw T-Shirt und ne dazu passende Tasse von meinem Paten bekommen habe? Wahrscheinlich schon, ich weiss es gar nicht mehr. xD

@Cereal: Du gehst nicht Eislaufen? Bei mir ist das so ne Tradition, das ich jedes Jahr im Winter mal mit meiner Cousine gehe. Wir haben da
vor 34 Tagen flag
Habe gerade gesehen, wie jemand einen seiner air pods in Spalt zwischen U-Bahn und Bahnsteig auf den Gleisen versenkt hat. Autschi! Bei euch gibt es sicher keine U-Bahnen, oder Halbiblu? Eine Art, die Dinger zu verlieren, die dir schon mal nicht passieren kann.
vor 36 Tagen flag
@Leonie: Ich auch! 🐨

Also, so ein Ratespiel gibt's bei uns nicht.

Bist du bei der Schülerzeitung? Macht das Spaß? Habt ihr noch eine echte Printausgabe oder nur digital?

Nachdem ich dich gerade wieder ausgefragt habe, klingt das merkwürdig, aber es muss nicht jeder alles von einem sehen. Aber es tut gut, Freunde zu haben, mit denen man alles teilen kann, wenn man sich danach fühlt.

@Halbiblu: "Ach, die Schuhe habe ich auch", sagte ungefähr jeder (including me). 😂

Das war keine große Sache. Ein Junge aus der Parallelklasse wollte mich einladen, ins Kino oder so. Aber ich hatte keinen Bock drauf, weil... ich einfach kein Interesse hatte. Und er fand's halt nicht so mega. Wir hatten am Tag vorher zusammen rumgealbert als wir beim Fußballspiel unserer Klassen gegeneinander ausgewechselt waren (Fairness, alle müssen die gleiche Spielzeit bekommen, also stehen inmer ein paar doof am Rand). Für mich war das keine große Sache, aber er schien das so interpretiert zu haben, dass da was geht zwischen uns. Er hat es dann erst mit fiesen Gerüchten versucht, dann hat einer meiner Jungs ihm eine reinhauen wollen, was wir dann verhindert haben, aber da hat man gesehen, dass er einfach echt verletzt war, in seinem Stolz gekränkt, und eine Zeit lang hat er dann immer so gegucken, als hätte ich seinen Hamster ertränkt, wenn wir uns begegnet sind. Da tat er mir dann schon leid. Auch wenn ich nichts anders gemacht hätte. Ich war halt nicht interessiert an ihm.


Mein Freundeskreis. Also, meine Kumpels habe ich ja schon öfter erwähnt. Meine drei besten Freunde, mit denen ich seit der 2. Klasse befreundet bin, seit ich nach Deutschland gezogen bin. Die sind alle drei sehr unterschiedlich.

Ansonsten gibt es noch Leute aus der Schule🎓, mein Basketballteam🏀 und die Tanzgruppen🤸‍♀️ (die alte und die neue). Und halt meine Londoner. Da ist natürlich durch die Entfernung vieles verloren gegangen, mit 8 ist man ja noch nicht so connected. Aber ich habe da noch vier bis sechs Leutchen, mit denen ich noch mehr (drei bis vier) oder weniger (zwei bis drei) regelmäßig Kontakt halte und mit denen ich mich treffe, wenn ich da bin. Die Vier waren auch schon bei uns zu Besuch. Meine London-BFF geht in England aufs Internat, und versucht bei jedem Besuch, mich dazu zu überreden, zu ihr zu wechseln.


Liliana ist wirklich lange weg.
vor 37 Tagen flag
Viel Erfolg beim Chemie-Lernen, @Halbiblu!

Liliana ist schon wieder lange abwesend...